{"id":44393,"date":"2018-06-13T09:09:48","date_gmt":"2018-06-13T07:09:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44393"},"modified":"2019-02-27T12:29:23","modified_gmt":"2019-02-27T11:29:23","slug":"grosser-raketenmann-in-singapur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44393","title":{"rendered":"Gro\u00dfer Raketenmann in Singapur"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180613-Trump-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Deutschlands Medien sind sich bei der Bewertung des Gipfeltreffens zwischen Donald Trump und Kim Jong Un im Gro&szlig;en und Ganzen mal wieder einig &ndash; kein gro&szlig;er Wurf sei das gewesen, man k&ouml;nne den beiden doch <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/donald-trump-und-kim-jong-un-ein-truegerischer-erfolg-a-1212595.html\">ohnehin nichts glauben<\/a>, das Ganze sei <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Ex-Diplomat-ueber-Trump-Kim-Treffen\/!5509383\/\">&bdquo;bizarr&ldquo;<\/a>, Trump habe <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/kommentar\/koreanisches-maerchen-101.html\">&bdquo;ohne Not einen Diktator hoff&auml;hig gemacht&ldquo;<\/a> und dies sei <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44385#h01\">&bdquo;erb&auml;rmlich&ldquo;<\/a>. Es lebe die Meinungsvielfalt. Die NachDenkSeiten m&ouml;chten mit einem Kommentar unseres regelm&auml;&szlig;igen Gastautoren <strong>Willy Wimmer<\/strong> da einen Kontrapunkt setzen. Man muss Wimmer sicher nicht in allen Punkten zustimmen, zuh&ouml;ren sollte man ihm jedoch alle Male. Denn nur wer unterschiedliche Meinungen kennt, kann sich eine eigene Meinung bilden.<br>\n<!--more--><br>\nDie Bilder aus Singapur sind atemberaubend. Gestern wusste niemand nach Sonnenuntergang, wie die Welt heute nach dem Treffen zwischen dem amerikanischen Pr&auml;sidenten Donald Trump und dem Machthaber aus Nordkorea, Kim Yong Un aussehen w&uuml;rde. Die Ungewissheit hat sich heute gelegt und vielleicht verfl&uuml;chtigt. Man hat fast den ber&uuml;hmten Song von Frank Sinatra im Ohr, nachdem man es auf der Welt &uuml;berall schafft, wenn man es in New York hingekriegt hatte. Spricht f&uuml;r Trump und seinen Wagemut, den er sich als Person nicht nur in New York zugelegt hatte.<\/p><p>Der noch vor Monaten als &bdquo;kleiner Raketenmann&ldquo; gescholtene Kim Yong Un ist dagegen am Ziel seiner nordkoreanischen Tr&auml;ume, die er familienseitig in dieser quasi-sozialistischen Erbmonarchie von seinem Gro&szlig;vater und Vater mit auf den Weg bekommen hatte, gen-technisch gleichsam vererbt. Es besteht kein Zweifel mehr an der &uuml;ber Jahrzehnte hinweg angestrebten &bdquo;gleichen Augenh&ouml;he&ldquo; zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea. Das &bdquo;Modell Kim&ldquo; d&uuml;rfte auf der Welt Schule machen und einen neuen Handlungsspielraum nicht nur f&uuml;r den amerikanischen Pr&auml;sidenten Donald Trump ausmachen. Er hat das Momentum der Geschichte f&uuml;r sich und das im Gegensatz zu vielen anderen Staatsf&uuml;hrern, die sich in den Spannungen zwischen Staaten gleichsam eingegraben haben und nicht anderes fertigbringen, als Spannungen nur zu vertiefen.<\/p><p>Alles das, was in Singapur hingelegt wurde, wird jetzt einer Global&uuml;berpr&uuml;fung unterzogen. Selbst die heute vorgelegte Gipfelerkl&auml;rung muss erst unter Beweis stellen, dass sie mehr ist als eine fl&uuml;chtige Momentaufnahme. Ein Indiz daf&uuml;r d&uuml;rfte sein, ob und in welchem Umfang in den nordkoreanischen Medien alles so &uuml;bertragen wird, wie wir es in dieser Nacht und am heutigen europ&auml;ischen Morgen bei den gro&szlig;en internationalen Medienh&auml;usern gesehen haben. Was wird unter Umst&auml;nden dabei ausgelassen und was wird gegebenenfalls hinzugef&uuml;gt? Daran wird man sich ebenso festhalten k&ouml;nnen wie an den aus der Vergangenheit bei beiden Partnern festzustellenden Absetzbewegungen von den angeblich erreichten Vereinbarungen.<\/p><p>In der Luft liegen andere Umst&auml;nde, die aufhorchen lassen. Das gilt zun&auml;chst einmal f&uuml;r Singapur selbst. Dieser Nachweis asiatischer Effizienz findet sich gleichsam in zwei Welten wieder. Schon der ehemals starke Mann Singapurs, Lee kwan yu, hat immer wieder deutlich gemacht, wie eng Singapur dem chinesischen Kosmos verbunden ist. Bei einer gemeinsamen Reise mit Lee kwan yu und dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler, Dr. Helmut Kohl, zu &bdquo;Global-Universit&auml;ten&ldquo; im S&uuml;den Chinas konnte ich das miterleben. Auf der anderen Seite befand sich der amerikanische Pr&auml;sident Trump in Singapur geradezu auf heimischem Boden. Die amerikanische Pazifikflotte hat in Singapur fast einen Heimathafen zur Verf&uuml;gung und bei allen Rivalit&auml;ten im S&uuml;dchinesischen Meer mit China ist dieser Umstand ebenso bemerkenswert wie der Verbleib amerikanischer Nuklearwaffen an Bord amerikanischer Kriegsschiffe, wenn diese im Hafen von Hongkong vor Anker gehen.<\/p><p>Atmosph&auml;risch hat der Gipfel in Singapur die asiatische Welt ver&auml;ndert. Dazu reicht es, sich die letzten Monate vor Augen zu f&uuml;hren. Trump drohte mit der Vernichtung eines ganzen Volkes. Kim lie&szlig; sich nicht lumpen, was eine nicht hinnehmbare Bedrohung des amerikanischen Staatsgebietes anbetraf. Eine Fortsetzung des Korea-Krieges und ein daraus resultierender Weltkrieg schienen nicht ausgeschlossen zu sein. Das wird in jedem Jahr bis zum daf&uuml;r n&ouml;tigen vorletzten Schuss bei s&uuml;dkoreanisch-amerikanischen Gro&szlig;man&ouml;vern auch so ge&uuml;bt. Jetzt steht eine Einladung von Kim Yong Un ins Wei&szlig;e Haus nach Washington an. Dramatischer kann eine Wandlung nicht sein.<\/p><p>Dabei darf man fast davon ausgehen, dass die Erziehung von Kim Yong Un in der Schweiz so nachhaltige Spuren hinterlassen hat, dass in der Kombination mit asiatischer H&ouml;flichkeit keine exzentrischen Ausschl&auml;ge zu erwarten sein d&uuml;rften.<\/p><p>Aber eines ist mit Singapur klar geworden. Der s&uuml;dkoreanische Pr&auml;sident Moon hat in den letzten Monaten und damit unmittelbar nach seiner Wahl eine atemberaubende Dynamik entwickelt. Das kann man nur, wenn es nicht n&ouml;tig ist, sich in eine bedeutende Materie erst einarbeiten zu m&uuml;ssen. Die machtvolle Anwesenheit amerikanischer Truppen in S&uuml;dkorea und die aufgezwungene Stationierung amerikanischer Abfangsysteme haben ihn auch nicht hindern k&ouml;nnen, weltpolitische Umst&auml;nde zu nutzen. Dies f&uuml;r sein Korea, damit auch in Tokio kein Zweifel besteht. Tokio scheint ohnehin am Stra&szlig;enrand zu stehen und mehr oder weniger ungefragt den Ereignissen in Singapur zuschauen zu d&uuml;rfen. Selbst japanische Beobachter der Szenen von Singapur waren nicht in der Lage, andere Argumente als jene zu finden, die Sand ins Getriebe h&auml;tten streuen k&ouml;nnen. So ganz anders, als das f&uuml;r China und die Russische F&ouml;deration gesagt werden kann. Kim Yong Un war sichtbar genug in Beijing, Pr&auml;sident Putin f&auml;hrt demn&auml;chst nach Nordkorea. Ein m&ouml;glicher Nuklearkrieg auf der koreanischen Halbinsel und die daraus resultierende Betroffenheit von Russisch-Fernost haben die Konfliktlage f&uuml;r alle Beteiligten deutlich gemacht. Rechtzeitig zum Gipfel Kim\/Trump kam auch die Warnung von Putin\/Xi, keine v&ouml;lkerrechtswidrigen Kriege der USA und ihrer Hintersassen als Versto&szlig; gegen die Charta der Vereinten Nationen mehr hinnehmen zu wollen. Deutlicher konnte man es nicht sagen.<\/p><p>In trockenen T&uuml;chern ist nach der Gipfelerkl&auml;rung, die der Welt pr&auml;sentiert werden konnte, zun&auml;chst nichts. Die Fallstricke kommen erst jetzt. Sie bemessen sich in den Vereinigten Staaten danach, wie die Nebenregierung im Kongress ihre M&ouml;glichkeiten bewertet, das bisherige Konzept der &bdquo;Amerikanisierung des Globus&ldquo; umsetzen und fortf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. &Auml;nderungen der Milit&auml;rpr&auml;senz in S&uuml;dkorea versch&auml;rfen die Neigung, sich zum &bdquo;Mac Arthur&ldquo; gegen&uuml;ber dem eigenen Pr&auml;sidenten aufzuschwingen. Gerade wegen des amerikanischen Verhaltens in Asien hat der ehemalige amerikanische Oberbefehlshaber, General Mac Arthur, sich auf der Pazifikinsel Guam in bemerkenswerter Weise seinem Pr&auml;sidenten Trump gegen&uuml;ber aufgespielt, vom Einsatz von Nuklearwaffen in Korea und gegen China ganz zu schweigen. Das Modell &bdquo;General Patton&ldquo; ist in den USA hoff&auml;hig und wird von der aufmerksamen Weltgemeinschaft unter die Lupe genommen werden. Kim Yong Un wird bedenken, wo der Niedergang Nordkoreas als erstes Opfer der weltweiten Klimaver&auml;nderung &uuml;ber das Wetterph&auml;nomen &bdquo;el nino&ldquo; und dem nuklearen Vernichtungsschlag der USA h&auml;tte enden k&ouml;nnen und sollen. Bei Pr&auml;sident Trump wird man sehen k&ouml;nnen, ob der Weg der Vereinigten Staaten, seit der Gr&uuml;ndung des Deutschen Reiches 1871 auf Krieg gegen andere Staaten zu setzen, in Korea ein Ende findet. Dann wird auch die Frage danach zu beantworten sein, ob derjenige, der es in Singapur schafft, dies auch mit Teheran und Tel Aviv macht. Diejenigen, die noch nicht einmal die eigenen Grenzen sch&uuml;tzen k&ouml;nnen oder einen Flughafen bauen k&ouml;nnen, stehen da, wo sie hingeh&ouml;ren: in der Schmoll-Ecke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180613-Trump-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Deutschlands Medien sind sich bei der Bewertung des Gipfeltreffens zwischen Donald Trump und Kim Jong Un im Gro&szlig;en und Ganzen mal wieder einig &ndash; kein gro&szlig;er Wurf sei das gewesen, man k&ouml;nne den beiden doch <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/donald-trump-und-kim-jong-un-ein-truegerischer-erfolg-a-1212595.html\">ohnehin nichts glauben<\/a>, das Ganze sei <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Ex-Diplomat-ueber-Trump-Kim-Treffen\/!5509383\/\">&bdquo;bizarr&ldquo;<\/a>,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44393\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[170],"tags":[1519,379,2013,1497,2143,1937,2069,2274,1485,259,1983,1800,1556],"class_list":["post-44393","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-friedenspolitik","tag-atomwaffen","tag-china","tag-entspannungspolitik","tag-japan","tag-kim-jong-un","tag-militaermanoever","tag-militaerstuetzpunkte","tag-moon-jae-in","tag-nordkorea","tag-russland","tag-suedkorea","tag-trump-donald","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44393"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49610,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44393\/revisions\/49610"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}