{"id":44396,"date":"2018-06-13T13:00:04","date_gmt":"2018-06-13T11:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44396"},"modified":"2018-06-13T15:10:10","modified_gmt":"2018-06-13T13:10:10","slug":"disconnecting-europe-ein-haushalt-fuer-die-naechste-eu-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44396","title":{"rendered":"Disconnecting Europe: Ein Haushalt f\u00fcr die n\u00e4chste EU-Krise"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170419_hunko.jpg\" alt=\"Andrej Hunko\" title=\"Andrej Hunko\"><\/div><p>Nirgendwo zeichnet sich der aktuelle Richtungswechsel in der EU-Politik deutlicher ab als im geplanten Haushalt f&uuml;r die 2021 bis 2027. Wie so oft funktioniert auch dort die Methode &bdquo;Folge dem Geld&ldquo;. Als der deutsche Kommissar f&uuml;r den EU-Haushalt, G&uuml;nther Oettinger, im Mai den ersten Entwurf f&uuml;r den n&auml;chsten Mehrj&auml;hrigen Finanzrahmen (MFR) vorstellte, war bereits klar, dass wesentliche &Auml;nderungen anstehen. Beinahe 1,3 Billionen Euro soll das neue Budget f&uuml;r den Zeitraum 2021 bis 2027 umfassen. Von <strong>Andrej Hunko<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44396#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_117\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-44396-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180613_Disconnecting_Europe_Ein_Haushalt_fuer_die_naechste_EU_Krise_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180613_Disconnecting_Europe_Ein_Haushalt_fuer_die_naechste_EU_Krise_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180613_Disconnecting_Europe_Ein_Haushalt_fuer_die_naechste_EU_Krise_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180613_Disconnecting_Europe_Ein_Haushalt_fuer_die_naechste_EU_Krise_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=44396-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180613_Disconnecting_Europe_Ein_Haushalt_fuer_die_naechste_EU_Krise_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180613_Disconnecting_Europe_Ein_Haushalt_fuer_die_naechste_EU_Krise_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Schon bei der Vorstellung k&uuml;ndigte Oettinger an, dass gek&uuml;rzt werden m&uuml;sse. Allerdings enthielt gleich der erste Vorschlag eine Aufstockung der Mittel, und zwar f&uuml;r die waffentragenden Ressorts: Das Milit&auml;r soll ebenso aufger&uuml;stet werden wie die Grenz- und Polizeibeh&ouml;rden. Bei den sozial sinnvollen Ausgaben hingegen, namentlich bei der Regionalf&ouml;rderung, die daf&uuml;r sorgt, dass benachteiligte Regionen nicht noch weiter abgeh&auml;ngt werden, dort soll gespart werden.<\/p><p>In allen wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Fragen der EU-Politik k&ouml;nnen sich nicht einmal Berlin und Paris einigen. Die Bundeskanzlerin hat den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten mit seinen Vorschl&auml;gen f&uuml;r einen gemeinsamen EU-Haushalt auflaufen lassen. Die Opposition der s&uuml;dwestlichen EU-Staaten gegen die von Deutschland diktierte, zerst&ouml;rerische Austerit&auml;tspolitik nimmt ebenso konkretere Formen an wie die Blockbildung der ostmitteleurop&auml;ischen Staaten. <\/p><p>Milit&auml;rische Aufr&uuml;stung scheint das einzige konsensf&auml;hige Politikfeld unter den EU28 zu sein. Umso eiliger haben es Milit&auml;rs, R&uuml;stungsunternehmen und Verteidigungspolitiker, ihren Bedarf an Steuermitteln aus dem k&uuml;nftigen EU-Haushalt anzumelden. Die bemerkenswerteste Initiative verstecken die Br&uuml;sseler Kommissare in einem undurchsichtigen Fonds namens &bdquo;Connecting Europe&ldquo;, den unser B&uuml;ro bereits seit l&auml;ngerem beobachtet. <\/p><p>Um die angeblich maroden Verkehrsinfrastrukturen in Ostmitteleuropa f&uuml;r die schweren Panzertransporte der USA und der NATO fit zu machen, will die EU dort 6,5 Milliarden Euro reservieren. Erg&auml;nzend richtet die NATO ein neues Hauptquartier f&uuml;r Logistik in Ulm ein, das f&uuml;r logistische Koordination zust&auml;ndig sein soll. So wird, auch das ist eine bemerkenswerte Ebene, demn&auml;chst aus Deutschland &uuml;ber milit&auml;rische Infrastrukturmittel f&uuml;r Polen und das Baltikum entschieden. <\/p><p>Der antirussische Furor dieser L&auml;nder macht sich f&uuml;r sie zunehmend bezahlt. Als ich die Bundesregierung im Januar nach diesen Pl&auml;nen fragte, erhielt ich eine <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/006\/1900634.pdf\">nichtssagende Antwort<\/a>. Dass nun Teile des osteurop&auml;ischen Verkehrsnetzes f&uuml;r die milit&auml;rische Nutzung modernisiert werden sollen, wird &ndash; wie die gesamte Europ&auml;ische Verteidigungsinitiative &ndash; nat&uuml;rlich mit einer angeblichen Bedrohung aus Russland begr&uuml;ndet. <\/p><p>In der Nato-Russland-Grundakte hatte sich das Milit&auml;rb&uuml;ndnis verpflichtet, keine &bdquo;substantiellen Kampftruppen dauerhaft&ldquo; in Osteuropa zu stationieren. Um diese Vereinbarung zu unterlaufen, lassen die NATO-Staaten nun tausende Soldaten samt Technik &bdquo;rotieren&ldquo;. F&uuml;r diesen permanenten Austausch der Truppen im Baltikum und Polen werden diese neuen logistischen Kapazit&auml;ten der EU ben&ouml;tigt. Dabei d&uuml;rfte die EU laut Lissabon-Vertrag &uuml;berhaupt keine Steuermittel f&uuml;r das Milit&auml;r ausgeben. Bisher scheint dieser Verfassungssatz G&uuml;nther Oettinger jedoch nicht zu interessieren. <\/p><p>F&uuml;r einen neu einzurichtenden &lsquo;Verteidigungsfond&rsquo; sind weitere 13 Milliarden Euro an Eigenmitteln vorgesehen. &Uuml;ber die Haushalte der EU-Mitgliedsstaaten soll er auf bis zu 55 Milliarden Euro angehoben werden. Die aggressive Stimmungsmache gegen die russische F&ouml;deration erweist sich als &ndash; im wahrsten Sinne &ndash; goldenes Kalb f&uuml;r das Milit&auml;r und die R&uuml;stungsindustrie. Wie anders als mit inszenierten Bedrohungen lie&szlig;e es sich rechtfertigen, dass etwa im Koh&auml;sionsfonds zehn Prozent gek&uuml;rzt werden, w&auml;hrend v&ouml;llig unproduktive R&uuml;stungsausgaben &ndash; auch auf den Druck der USA hin &ndash; aufgestockt werden. <\/p><p>Der Koh&auml;sionsfonds soll die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit ausgleichen und eine nachhaltige Entwicklung f&ouml;rdern. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Lebensverh&auml;ltnisse zwischen den Regionen in Europa genauso auseinanderentwickelt wie die sozialen Verh&auml;ltnisse innerhalb der Mitgliedstaaten. Die bisherige finanzielle und wirtschaftliche Architektur der EU hat dazu gef&uuml;hrt, dass immer mehr abgeh&auml;ngte Regionen existieren. Ein formuliertes Ziel bestand einmal in einer Angleichung der Lebensverh&auml;ltnisse. <\/p><p>Gerade die deutsche Politik der Export&uuml;bersch&uuml;sse bei gleichzeitigen K&uuml;rzungsdiktaten f&uuml;r die Mitgliedsstaaten f&uuml;hrt zu einem systemischen Problem der EU. Weil die Bundeskanzlerin an diesem Zustand nichts &auml;ndern will und sie deshalb auf die wirtschaftspolitischen Forderungen der franz&ouml;sischen Regierung nicht eingehen kann, kommt sie Macron stattdessen in der Kriegs- und R&uuml;stungspolitik immer weiter entgegen. Das j&uuml;ngste Flaggschiff der EU war etwa die &bdquo;St&auml;ndige Strukturierte Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich&ldquo; (PESCO). <\/p><p>Genau wie Die LINKE trotz zahlreicher Dementis bef&uuml;rchtet hatte, soll diese, zun&auml;chst als industriepolitische Koordinierung der EU-R&uuml;stungsindustrie angelegte Initiative nun eine EU-Interventionstruppe mit eingeschr&auml;nkter parlamentarischer Kontrolle werden. In der vergangenen Woche stellte sich Merkel pl&ouml;tzlich hinter Macrons Vorschlag f&uuml;r eine &bdquo;Interventionsinitiative&ldquo;. Strittig scheint zwischen Berlin und Paris allenfalls, wie stark diese EU-Interventionsarmee in die neue PESCO-Struktur eingepasst wird. <\/p><p>Mit diesem Paradigmenwechsel hin zu einer milit&auml;rischen Au&szlig;enpolitik ignoriert die EU v&ouml;llig die j&uuml;ngsten Erfahrungen in der europ&auml;ischen Nachbarschaft. Immerhin haben verschiedene &bdquo;Koalitionen der Willigen&ldquo; zur Zerst&ouml;rung des Iraks und Libyens sowie zur Destabilisierung Syriens beigetragen. In den letzten Jahren richtete sich der milit&auml;risch-industrielle Komplex nun mit voller Wucht Richtung Russland aus. F&uuml;r das wirtschaftspolitische Begleitprogramm, die Sanktionen, zahlen die EU-Staaten bereits jetzt den h&ouml;chsten Preis. <\/p><p>Eine milit&auml;rische Eskalation an der &ouml;stlichen Grenze der EU w&uuml;rde einen sehr viel h&ouml;heren Preis fordern. Angesichts des k&ouml;chelnden B&uuml;rgerkriegs in der Ukraine oder auch der aktuell laufenden NATO-Man&ouml;ver Saber Strike, Iron Sword, Baltops und Atlantic Resolve ist eine solche Eskalation jederzeit vorstellbar. Bei diesen gleichzeitig stattfindenden Man&ouml;vern und Operationen bewegen die USA und die NATO gerade zehntausende Soldaten und schweres Material. W&auml;hrend die USA im Wochentakt weiter Sanktionen etwa gegen Russland und Iran verh&auml;ngen, die sich gegen die Energiebeziehungen der EU-Staaten richten, zeigen sich die Regierenden in Berlin und Br&uuml;ssel unf&auml;hig, die elementarsten wirtschaftlichen und sozialen Interessen der eigenen Bev&ouml;lkerung zu vertreten.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Andrej Hunko<\/strong> ist europapolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und stellvertretender Vorsitzender der Linken in der Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170419_hunko.jpg\" alt=\"Andrej Hunko\" title=\"Andrej Hunko\"\/><\/div>\n<p>Nirgendwo zeichnet sich der aktuelle Richtungswechsel in der EU-Politik deutlicher ab als im geplanten Haushalt f&uuml;r die 2021 bis 2027. Wie so oft funktioniert auch dort die Methode &bdquo;Folge dem Geld&ldquo;. Als der deutsche Kommissar f&uuml;r den EU-Haushalt, G&uuml;nther Oettinger, im Mai<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44396\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,22,135],"tags":[423,2379,2079,1494,2175,2301,2254,2066,315,1937,466,870,2267,1367,259,260,1556],"class_list":["post-44396","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-europaische-union","category-finanzpolitik","tag-austeritaetspolitik","tag-eu-haushalt","tag-hunko-andrej","tag-infrastruktur","tag-interventionspolitik","tag-konfrontationspolitik","tag-lebensqualitaet","tag-macron-emmanuel","tag-merkel-angela","tag-militaermanoever","tag-nato","tag-oettinger-guenther","tag-pesco","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44396"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44396\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44407,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44396\/revisions\/44407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}