{"id":4440,"date":"2010-01-06T10:32:33","date_gmt":"2010-01-06T09:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4440"},"modified":"2014-08-06T11:01:39","modified_gmt":"2014-08-06T09:01:39","slug":"glaeserne-schueler-in-bayern-daten-erfassen-statt-probleme-loesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4440","title":{"rendered":"Gl\u00e4serne Sch\u00fcler in Bayern \u2013 Daten erfassen, statt Probleme l\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p>Die Kultusminister haben sich bereits im Jahr 2006 darauf verst&auml;ndigt, dass personenbezogene Daten von Kindern anonym in ein &ldquo;nationales Bildungsregister&rdquo; einflie&szlig;en sollen. Nach den Pl&auml;nen der Kultusministerkonferenz sollte bis 2008 ein Zentralregister mit Sch&uuml;lerdaten aufgebaut werden, dies stie&szlig; jedoch auf heftigen Widerstand. CSU und FDP haben nun einen neuen Gesetzentwurf f&uuml;r eine Sch&uuml;lerdatenbank in Bayern vorgelegt, der sich noch im Verfahren der Verb&auml;ndeanh&ouml;rung befindet. Es ist geplant Daten von Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern insbesondere Name, Adressdaten, Religionszugeh&ouml;rigkeit, Migrationshintergrund, schulische Daten, Leistungsdaten, Daten zur schulischen und beruflichen Vorbildung sowie zur Berufsausbildung datentechnisch zu erfassen. Bei den Lehrkr&auml;ften werden insbesondere Name und Angaben zur Lehrbef&auml;higung und zum Unterrichtseinsatz, bei den Erziehungsberechtigten Name und Adressdaten erfasst. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nDie Kultusminister haben sich bereits im Jahr 2006 darauf verst&auml;ndigt, dass personenbezogene Daten von Kindern anonym in ein &ldquo;nationales Bildungsregister&rdquo; einflie&szlig;en sollen. Nach den Pl&auml;nen der Kultusministerkonferenz sollte bis 2008 ein Zentralregister mit Sch&uuml;lerdaten aufgebaut werden, dies stie&szlig; jedoch auf heftigen Widerstand. Die Gewerkschaft f&uuml;r Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Deutsche Lehrerverband (DL) und die Linkspartei lehnten das Vorhaben ab. Das ist auch verst&auml;ndlich, denn erfasst werden sollen unter anderem soziale und nationale Herkunft, Schulprobleme (Klassenwiederholung), welchen Abschluss ein Sch&uuml;ler in welchem Schuljahr erreicht hat und die Berufspl&auml;ne. Auf Landesebene soll f&uuml;r jede Sch&uuml;lerin und jeden Sch&uuml;ler sowie f&uuml;r jede Lehrerin und jeden Lehrer f&uuml;r das gesamte &ldquo;Schulleben&rdquo; einen umfangreichen Datensatz anzulegen. CSU und FDP haben nun einen neuen Gesetzentwurf f&uuml;r eine Sch&uuml;lerdatenbank in Bayern vorgelegt, der sich noch im Verfahren der Verb&auml;ndeanh&ouml;rung befindet. Die Landtagsgr&uuml;nen haben diesen erneuten Vorsto&szlig; der Staatsregierung heftig kritisiert: &ldquo;Bayern braucht eine gute Bildungspolitik und keinen gl&auml;sernen Sch&uuml;ler&rdquo;, sagte die Sprecherin f&uuml;r Datenschutz, Christine Kamm, die auch die Sinnhaftigkeit des Projekts, mit dem k&uuml;nftig die Bildungsverl&auml;ufe, aber auch soziale Herkunftsdaten jeder Sch&uuml;lerin und jedes Sch&uuml;lers erfasst werden sollen, als &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdig bezeichnete. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.gruene-fraktion-bayern.de\/cms\/default\/dok\/319\/319656.csu_und_fdp_schaffen_den_glaesernen_schu.html\"> Gr&uuml;ne-Fraktion-Bayern<\/a>)<\/p><p>Es ist geplant Daten von Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern insbesondere Name, Adressdaten, Religionszugeh&ouml;rigkeit (soweit f&uuml;r die Schulpraxis erforderlich), Migrationshintergrund (Geburtsland, Jahr des Zuzugs nach Deutschland, Verkehrssprache in der Familie), schulische Daten, Leistungsdaten, Daten zur schulischen und beruflichen Vorbildung sowie zur Berufsausbildung datentechnisch zu erfassen. Bei den Lehrkr&auml;ften werden insbesondere Name und Angaben zur Lehrbef&auml;higung und zum Unterrichtseinsatz, bei den Erziehungsberechtigten Name und Adressdaten erfasst. Die Betroffenen sind zur Angabe der Daten verpflichtet. Die Schulen sind verpflichtet, Daten gem&auml;&szlig; Art. 85a Abs. 2 und Art. 113a Abs. 2 mittels des vom Staatsministerium f&uuml;r Unterricht und Kultus bereitgestellten Schulverwaltungsprogramms zu verarbeiten und plausibel an die in Art. 85a Abs. 1 Satz 1 und Art. 113a Abs. 1 Satz 1 genannte beauftragte Stelle weiterzugeben, soweit diese Daten dort noch nicht vorhanden sind.<\/p><p>Gem&auml;&szlig; &bdquo;Art. 85a Automatisiertes Verfahren zur Unterst&uuml;tzung der Schulen&ldquo; <strong>des Gesetzes zur &Auml;nderung des Bayerischen Gesetzes &uuml;ber das Erziehungs- und Unterrichtswesen<\/strong> sollen folgende Daten gespeichert werden (<a href=\"http:\/\/www.km.bayern.de\/imperia\/md\/content\/pdf\/aktuelles\/2009\/datenverarbeitung_und_datenschutz_bayeug__nderung_entwurf_12_09.pdf\">siehe pdf [PDF &ndash; 92 KB]<\/a>):<\/p><blockquote><p>(2) Bei der gem&auml;&szlig; Art. 85a Abs. 1 Satz 1 beauftragten Stelle k&ouml;nnen zur Unterst&uuml;tzung der Schulanmeldung, des Schulwechsels, der Kooperation von Schulen und zur &Uuml;berwachung der Schulpflicht folgende personenbezogenen Daten verarbeitet werden:<\/p>\n<p>a) Daten von Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern:<\/p>\n<p><strong>aa) nicht schuljahresbezogene Daten<\/strong><br>\nName, Vornamen, Tag der Geburt, Geburtsort, Geschlecht, Staatsangeh&ouml;rigkeit, Geburtsland, Jahr des Zuzugs nach Deutschland, Religionszugeh&ouml;rigkeit (soweit f&uuml;r die Schulpraxis erforderlich), Jahr der Ersteinschulung, erworbene Abschl&uuml;sse, Adressdaten;<\/p>\n<p><strong>bb) schuljahresbezogene Daten<\/strong><br>\nDaten zur F&ouml;rderung (sonderp&auml;dagogische F&ouml;rderung, Teilleistungsst&ouml;rungen, sonstige F&ouml;rderma&szlig;nahmen), ganzt&auml;gige Betreuung, Unterbringung, Verkehrssprache in der Familie, Gastschulverh&auml;ltnis, &uuml;bertrittsrelevante Daten zur Schullaufbahn (aktuell besuchte Schule,<br>\nSchulpflicht, Feststellung zur &Uuml;bertrittseignung betreffend Hauptschule, Realschule und Gymnasium, Vorbildung, Austrittsdatum, Zielschule), Daten zum aktuellen Unterricht (Jahrgangsstufe, Bildungsgang, Fremdsprachen, Berufsausbildung, Erreichen des Ziels der<br>\nJahrgangsstufe [ja\/nein], Art der Wiederholung, Art des Vorr&uuml;ckens);<\/p>\n<p>b) bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres der Sch&uuml;lerin\/des Sch&uuml;lers Daten der Erziehungsberechtigten: Name, Adressdaten.<\/p><\/blockquote><p><strong>Gem&auml;&szlig; Artikel 85a (6) werden folgende Daten &uuml;ber Lehrkr&auml;fte gespeichert:<\/strong><\/p><blockquote><p>Bei der gem&auml;&szlig; Abs. 1 Satz 1 beauftragten Stelle k&ouml;nnen zur Unterst&uuml;tzung der Planung und Durchf&uuml;hrung des Unterrichts folgende personenbezogenen Daten der Lehrkr&auml;fte und des nicht unterrichtenden Personals verarbeitet und zu diesem Zweck an die Schulen weitergegeben werden:<\/p>\n<p><strong>a) nicht schuljahresbezogene Daten:<\/strong><br>\nName, Vornamen, Geschlecht, Geburtsname, Geburtsort, akademische Grade, Amts-\/ Dienstbezeichnung, Adressdaten, Tag der Geburt, Staatsangeh&ouml;rigkeit, Arbeitgeber\/ Dienstherr, Rechtsverh&auml;ltnis, Beginn\/Ende des Dienstverh&auml;ltnisses, Personenkennzahl, Lehrbef&auml;higung (Lehramt\/abgelegte Pr&uuml;fungen, F&auml;cher der Lehrbef&auml;higung, Unterrichtsgenehmigung);<\/p>\n<p><strong>b) schuljahresbezogene Daten:<\/strong><br>\nDaten zur Besch&auml;ftigung und zum Einsatz (Schule(n), Unterrichtspflichtzeit, Teilzeit [Stundenzahl, Grund, Arbeitszeitmodell], Mehrarbeit\/ Nebent&auml;tigkeit, Besch&auml;ftigungskategorie, Ausbildungsabschnitt bei Lehrkr&auml;ften im Vorbereitungsdienst, Beurlaubung, au&szlig;erschulische Abordnung, l&auml;ngerfristige Abwesenheit, Reduktionen [wegen Behinderung, Alter, Anrechnungen], Zugangsart, Abgangsart), Einsatz als mobile Reserve, Arbeitszeitkonto.<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r den Datenschutzbeauftragten Peter Schaar w&auml;re ein solches Register ein nicht erforderlicher und damit unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;iger Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht. Deshalb fordern die Datenschutzbeauftragten von der Kultusministerkonferenz bei diesem Vorhaben nachdr&uuml;cklich den Verzicht auf eine ID-Nummer. Jede M&ouml;glichkeit einer Re-Identifizierung von Individualdatens&auml;tzen ist durch geeignete Verfahren auszuschlie&szlig;en (kein sch&uuml;ler- oder lehrerbeziehbares Bildungsregister!). (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bfdi.bund.de\/cln_136\/SharedDocs\/Publikationen\/Entschliessungssammlung\/DSBundLaender\/72DSK-Schuelerstatistik.html\">www.bfdi.bund.de<\/a>)<br>\nDie Fraktion der GR&Uuml;NEN hat am 13.12.2009 einen Antrag im Bayerischen Landtag eingebracht und die Staatsregierung aufgefordert auf die Einf&uuml;hrung einer zentralen Sch&uuml;lerdantenbank und einer Sch&uuml;leridentifikationsnummer ersatzlos zu verzichten. Der sog. &bdquo;Kerndatensatz&ldquo; erm&ouml;gliche die Erstellung von Pers&ouml;nlichkeitsprofilen. Des Weiteren reichen die Zugriffs-, Berechtigungs- und Anonymisierungskonzepte nicht aus, um vor Daten&uuml;bertragung zu sch&uuml;tzen und au&szlig;erdem sei der zum Einsatz kommenden Pseudo-Anonymisierung nicht v&ouml;llig auszuschlie&szlig;en, dass ein Pseudonym aufgedeckt werde. Weiters betreffe die Verabschiedung des Kerndatensatzes nicht nur Sch&uuml;ler, er enthalte ebenso Daten zu der Berichtsschule, den Kursen der Schule, den Schulabg&auml;ngern und Absolventen, den Lehrkr&auml;ften und weiteren optimalen Merkmalen. Zwar wurde der Gesetzentwurf der Bayerischen Staatsregierung in der vergangenen Legislaturperiode nicht mehr in den Landtag eingebracht, jedoch werden die Pl&auml;ne, so die GR&Uuml;NEN, weiterverfolgt, obwohl im geheimen Anhang der Koalitionsvereinbarung festgehalten worden sein soll, dass auf eine zentrale Sch&uuml;lerdatenbank mit zentralen Registernamen, Adressen und schulischen Leistungsdaten und mit dem Ziel, Bildungskarrieren aufzuzeichnen, verzichtet wird (Quelle: Drucksache 16\/2620, 13.11.2009). <\/p><p><strong>Vor der Landtagswahl im September 2008 lehnte die FDP in Bayern Sch&uuml;lerdatenbanken noch ab.<\/strong> Die FDP hatte auf dem Parteitag in Bamberg am 19.\/20.04.2008 eine Resolution beschlossen und lehnte gl&auml;serne Sch&uuml;ler in Bayern mit folgender Begr&uuml;ndung ab:<\/p><ul>\n<li>Die schulischen Leistungsdaten von Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern geh&ouml;ren zu den sensibelsten Daten eines jungen Menschen und geben Auskunft &uuml;ber seine Pers&ouml;nlichkeit. Sie basieren auf der Grundlage eines Vertrauensverh&auml;ltnisses zwischen Sch&uuml;lern, Lehrern und Eltern und sind damit ebenso sch&uuml;tzenswert wie beispielsweise Gesundheitsdaten oder Angaben, die unter dem Schutz des Beichtgeheimnisses gemacht wurden.<\/li>\n<li>Das Bundesverfassungsgericht hat den Gesetzgeber in der Vergangenheit durch eine Vielzahl von Urteilen darauf hingewiesen, dass die Erfassung personenbezogener Daten ohne konkreten Verdacht auf Gef&auml;hrdung schwerer Rechtsg&uuml;ter zu unterbleiben hat und nur unter strengen Auflagen sowie in wenigen F&auml;llen gerechtfertigt sein kann. Eine zentrale Sch&uuml;lerdatenbank mit Vernetzung und Abrufbarkeit sensibler Daten st&uuml;nde diesen Mahnungen und Vorgaben des obersten deutschen Gerichts entgegen.<\/li>\n<li>Die Argumente der Bayerischen Staatsregierung, wonach die in der k&uuml;nftigen Datenbank gesammelten Angaben nur verschl&uuml;sselt abgerufen werden k&ouml;nnen und daher keine Zuordnung zu einzelnen Personen m&ouml;glich sei, sind unbewiesen und stellen somit keine Gew&auml;hrleistung des Datenschutzes dar.<\/li>\n<li>Die Probleme des bayerischen Schulwesens sind hinl&auml;nglich bekannt und politisch zu l&ouml;sen. Ein tiefer Eingriff in die Privatsph&auml;re von Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern bringt dabei keinen neuen sachlichen Erkenntnisgewinn. Wenn die Staatsregierung eine Sch&uuml;lerdatenbank zur Analyse der bildungspolitischen Probleme fordert, dann ist dies eine Selbstanzeige ihrer eigenen jahrzehntelangen verfehlten Schulpolitik.<\/li>\n<\/ul><p>Seit die FDP eine Koalition mit der CSU eingegangen ist, scheint sich bei den Liberalen ein totaler Gesinnungswandel hinsichtlich der Sch&uuml;lerdatenbanken vollzogen zu haben. <\/p><p><strong>Ein Blick nach drau&szlig;en:<\/strong><\/p><p><strong>Gro&szlig;britannien geht weit &uuml;ber die Orwellsche Phantasie eines &Uuml;berwachungsstaates hinaus<\/strong><br>\nIn Gro&szlig;britannien wurde mit der Begr&uuml;ndung der &bdquo;Verbrechenspr&auml;vention&ldquo;  ein &bdquo;criminal risk check&ldquo; durchgef&uuml;hrt, um herauszufinden, ob Kinder sp&auml;ter kriminell werden k&ouml;nnten. Diese Kinderdatenbank hat bei Menschenrechts-, B&uuml;rger- und Kinderhilfsorganisationen heftige Kritik hervorgerufen, da der Staat damit alle Kinder unter Generalverdacht stellt. In diese Datenbanken flie&szlig;en unter anderem Informationen &uuml;ber Kinder in den Bereichen Bildung, Jugendrecht, Gesundheitswesen, Sozialarbeit zusammen. Der britische Informationsbeauftragte analysierte die Datenbanken in seinem Bericht von November 2006, der den Titel tr&auml;gt: <a href=\"http:\/\/www.unwatched.org\/node\/321\">&bdquo;Kinderdatenbanken: Sicherheit und Datenschutz&ldquo;<\/a>. Die Verfasser des Berichts kommen zu dem Schluss, dass die Ausweitung der britischen Kinderschutzsysteme, von den 50. 000 ernsthaft gef&auml;hrdeten Kindern, auf die 3-4 Millionen Kinder mit verschiedenen Gesundheits-, Erziehungs- oder anderen F&uuml;rsorgeproblemen, zu weniger Beachtung des Kinderschutzes f&uuml;hre. Es werden Informationen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Straff&auml;lligkeit aufweisen sollen und so genannte Risikofaktoren wie sozio&ouml;konomische Position, medizinische Befunde (z.B. Hyperaktivit&auml;t), schulisches Betragen und eventuelle Haftstrafen des Vaters, weitergeleitet. Die Verfasser kritisieren, dass mit den Kinderdatenbanken tief in die Privatsph&auml;re und das Familienleben eingegriffen werde, <a href=\"http:\/\/www.fipr.org\/childrens_databases.pdf\">dass Datenschutzgesetze und Menschenrechte verletzt werden [PDF &ndash; 1,2 MB]<\/a>. Die Kritik an der Kinderdatenbank h&auml;uft sich inzwischen, vor allem die Einsehberechtigungen diverser Institutionen in die sensiblen Daten wirft ein Schlaglicht auf die Missbrauchsgefahr dieses Vorhabens. Das Department for Education and Skills (DfES) monierte, dass Kinder ber&uuml;hmter Eltern nicht in der Datei erfasst werden sollen. Ebenso sollen die Daten von Kindern aus dem Index fallen, <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/society\/2006\/aug\/31\/childrensservices.politics\">die Opfer h&auml;uslicher Gewalt wurden<\/a>. Nach Einsch&auml;tzungen von britischen Fachleuten werden durch die Erfassung gravierender physischer, emotionaler und sexueller Misshandlungen und vernachl&auml;ssigter Kinder, letztendlich sinnvolle Ma&szlig;nahmen im Kinderschutz durch sukzessive &Uuml;berwachungen ersetzt. In Gro&szlig;britannien wird gefordert, auch schon <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/society\/2008\/mar\/16\/youthjustice.children\">von Grundsch&uuml;lern DNA-Proben zu nehmen<\/a>, wenn Anhaltspunkte bestehen, dass sie sp&auml;ter straff&auml;llig werden k&ouml;nnten. Seit 2004 kann die britische Polizei DNA-Proben von jeder festgenommenen Personen nehmen, die &uuml;ber 10 Jahre alt ist, unabh&auml;ngig davon, ob gegen die Person sp&auml;ter Anklage erhoben wird. Wie verquer diese Denkweise ist, verdeutlicht die Aussage von Gary Pugh, Leiter der Forensik-Abteilung und DNA-Sprecher der Polizeigewerkschaft ACPO: &ldquo;Die Zahl der ungel&ouml;sten Verbrechen zeigt, dass wir nicht genug der richtigen Leute erfassen.&rdquo; Dieses Vorgehen rechtfertigt Pugh mit den Worten: &bdquo;Je j&uuml;nger, desto besser&rdquo;, Lehrer k&ouml;nnten seiner Ansicht nach helfen, solche Kinder zu identifizieren, um sie in die Datenbank aufzunehmen. Des Weiteren sollen alle Jugendlichen &uuml;ber 14 Jahren in Gro&szlig;britannien eine pers&ouml;nliche Nummer (unique learner number (UNL)) erhalten, die bis zu ihrer Pensionierung g&uuml;ltig ist. Die Kritik in Gro&szlig;britannien w&auml;chst aufgrund der <a href=\"http:\/\/www.netzeitung.de\/ausland\/848950.html\">sich h&auml;ufenden Datenpannen<\/a>. <\/p><p><strong>Be&auml;ngstigende Perspektiven<\/strong><\/p><p><strong>Die Folgen f&uuml;r Universit&auml;tsabsolventen<\/strong><br>\nWas w&uuml;rde wohl &uuml;ber Studenten in der Datenbank stehen, die psychologische Beratungen an der Universit&auml;t in Anspruch genommen haben und zu der, wie in Gro&szlig;britannien geplant, auch Firmen (mit einem Passwort) Zugang h&auml;tten. Sie h&auml;tten wohl kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Es ist hinreichend bekannt, dass Studenten, die im streng verschulten Korsett des Bachelorsystems st&auml;ndig unter Druck stehen, an Schlafst&ouml;rungen, Stresssymptomen und Burn-out-Syndrom leiden. Die psychologischen Beratungen an den Universit&auml;ten vermelden eine massive Zunahme ihrer Beratungst&auml;tigkeit. Der Psychologe Hans-Werner R&uuml;ckert, von der Studienberatung an der Freien Universit&auml;t Berlin, hat f&uuml;r einen Studenten-Professoren-Treff die Problematik des Bachelorsystems unter dem Titel &bdquo;Bologna belastet &ndash; Die zunehmende &Uuml;berlastung an der Hochschule und deren Konsequenzen&ldquo; zusammengefasst. R&uuml;ckert nennt die Erfahrungen aus seiner Psychologischen Beratung <\/p><ul>\n<li>Mehr Angst und Stress (auch absichtlich durch Lehrende erzeugt)<\/li>\n<li>Zunahme passiver Konsumhaltungen (z.B. Zeitmanagement-Kurse)<\/li>\n<li>Zunahme Tipp-bezogener Erwartungen (vs. selbstreflexiver)<\/li>\n<li>Hohes Ausma&szlig; an Folgsamkeit<\/li>\n<li>R&uuml;ckgang in der Bereitschaft, sich zu engagieren<\/li>\n<\/ul><p>(Quelle: Hans-Werner R&uuml;ckert, Psychoanalytiker Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung an der FU Berlin (Bologna belastet, Die zunehmende &Uuml;berlastung an der Hochschule und deren Konsequenzen, 11.11.08)<\/p><p>Wenn diese Diagnosen Eingang in die Bildungsdatenbanken finden, ist eine neue Dimension der Stigmatisierung der zuk&uuml;nftigen Berufsanf&auml;nger erreicht. Der Start ins Berufsleben w&uuml;rde auf diese Weise nur torpediert statt gef&ouml;rdert. <\/p><p><strong>Pr&auml;ventionsma&szlig;nahmen hei&szlig;t die Zauberformel der Politiker, mit der auf einfache Weise die Probleme der Gesellschaft in den Griff bekommen werden sollen.<\/strong> Selbstkritik ist bekannterma&szlig;en nicht die St&auml;rke von Politikern. Externalisieren der Probleme scheint die einfachere L&ouml;sung und damit l&auml;sst sich auch leicht von Fehlern im eigenen politischen Handeln ablenken.<br>\nWachsende Kriminalit&auml;t und Gewalt sind, bei aller Strafw&uuml;rdigkeit der T&auml;ter, aber immer auch Spiegel einer bestehenden gesellschaftlichen Wirklichkeit. Zumal bezogen auf straff&auml;llig gewordene oder gewaltt&auml;tige Jugendliche spiegelt sich darin oft auch ein Versagen von Politik. Jahrelange Vers&auml;umnisse in der Bildungspolitik und bei der beruflichen Bildung, hohe Jugendarbeitslosigkeit, ein Versagen beim Kampf gegen Kinderarmut, eine verweigerte und verfehlte Integrationspolitik bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Betroffenen und auf die Gesellschaft insgesamt. Jugendliche ohne Perspektiven in der Gesellschaft driften in &bdquo;Parallelgesellschaften&ldquo; ab. Angestaute Wut und schwelender Hass entladen sich in sinnlosen und blindw&uuml;tigen Attacken auf unschuldige Opfer oder auf Symbole der Gesellschaftsschicht, aus der sich diese Jugendlichen ausgesto&szlig;en f&uuml;hlen oder die ihnen den Zugang verweigert. Eine Politik, die zul&auml;sst, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht, dass immer mehr Menschen nichts mehr zu verlieren haben, wird eher die individuelle Aggression junger Menschen steigern. L&ouml;sungen, die nur auf die Erfassung von Kindern in Datenbanken abzielen, werden an den Ursachen jugendlicher Gewaltausbr&uuml;che nichts &auml;ndern. Eine wirkliche Bek&auml;mpfung der Probleme sieht anders aus. Jedenfalls hilft die Erfassung von immer mehr Daten von Sch&uuml;lern und Jugendlichen bei der Pr&auml;vention von Jugendgewalt ziemlich wenig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kultusminister haben sich bereits im Jahr 2006 darauf verst&auml;ndigt, dass personenbezogene Daten von Kindern anonym in ein &ldquo;nationales Bildungsregister&rdquo; einflie&szlig;en sollen. Nach den Pl&auml;nen der Kultusministerkonferenz sollte bis 2008 ein Zentralregister mit Sch&uuml;lerdaten aufgebaut werden, dies stie&szlig; jedoch auf heftigen Widerstand. CSU und FDP haben nun einen neuen Gesetzentwurf f&uuml;r eine Sch&uuml;lerdatenbank in Bayern<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4440\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[184,152],"tags":[803,972,850,434,1554,408,658],"class_list":["post-4440","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ueberwachung","category-schulsystem","tag-bayern","tag-bildungsregister","tag-datenschutz","tag-gew","tag-orwell-2-0","tag-soziale-herkunft","tag-vorratsdatenspeicherung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4440"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22645,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4440\/revisions\/22645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}