{"id":44575,"date":"2018-06-22T10:55:27","date_gmt":"2018-06-22T08:55:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44575"},"modified":"2018-06-26T07:28:35","modified_gmt":"2018-06-26T05:28:35","slug":"denkfehler-mythen-und-legenden-bestimmen-ueber-weite-strecken-die-oeffentliche-debatte-und-die-politischen-entscheidungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44575","title":{"rendered":"Denkfehler, Mythen und Legenden bestimmen \u00fcber weite Strecken die \u00f6ffentliche Debatte und die politischen Entscheidungen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180622-reformluege.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Kern des Buches &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo;, das ich 2004 ver&ouml;ffentlicht habe, war die Beschreibung von 40 Denkfehlern, Mythen und Legenden, die das politische Leben damals bestimmt haben.<br>\nDie Debatte &uuml;ber Export&uuml;bersch&uuml;sse war der Anlass, zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob der damalige Aufkl&auml;rungsversuch etwas bewirkt hat. Vielleicht ein bisschen. Aber leider sind sehr viele der damals beschriebenen Denkfehler immer noch virulent, das meint: Sie pr&auml;gen das Denken und die politischen Entscheidungen. Im Folgenden finden Sie eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die 40 Denkfehler und dann auch noch aus aktuellem Anlass den Text zum Mythos: &bdquo;Wir leben vom Export&ldquo;. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6791\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-44575-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180625_Denkfehler_Mythen_und_Legenden_bestimmen_die_oeffentliche_Debatte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180625_Denkfehler_Mythen_und_Legenden_bestimmen_die_oeffentliche_Debatte_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180625_Denkfehler_Mythen_und_Legenden_bestimmen_die_oeffentliche_Debatte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180625_Denkfehler_Mythen_und_Legenden_bestimmen_die_oeffentliche_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=44575-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180625_Denkfehler_Mythen_und_Legenden_bestimmen_die_oeffentliche_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180625_Denkfehler_Mythen_und_Legenden_bestimmen_die_oeffentliche_Debatte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die in 2004 beschriebenen Denkfehler, Mythen und Legenden haben die Politik &uuml;ber weite Strecken bestimmt und sie tun das heute noch<\/strong><\/p><p>Im Inhaltsverzeichnis der &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; wie auch auf dem Lesezeichen des Buches sind die 40 Denkfehler aufgelistet. Siehe hier:<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180622-register.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180622-register-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Pr&uuml;fen Sie anhand dieser Liste selbst die Relevanz f&uuml;r die Vergangenheit und f&uuml;r die Gegenwart. Die aus meiner Sicht pr&auml;genden Denkfehler habe ich rot markiert, jene, die heute zus&auml;tzlich immer noch sehr wirksam sind, sind gr&uuml;n markiert. Diese Unterscheidung allerdings ist nicht so bedeutsam wie die Tatsache selbst, dass Denkfehler in so weitem Ma&szlig;e unsere Wirklichkeit und unser Leben bestimmen. Ich gehe in Stichworten auf ein paar dieser markierten Denkfehler ein:<\/p><p><strong>Zu Ziffer 1. &bdquo;Alles ist neu&ldquo; und 2. &bdquo;Die Globalisierung ist ein neues Ph&auml;nomen&ldquo;:<\/strong><\/p><p>Das k&ouml;nnen Sie heute in vielerlei &Auml;u&szlig;erungen und Texten wiederfinden. Es ist heute genauso falsch wie damals.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 3. &bdquo;Wir brauchen die permanente Reform&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der darin enthaltene Missbrauch des guten Wortes Reform wird immer noch fortgef&uuml;hrt. So kann man heute in den Zeitungen lesen, dass von Griechenland erwartet wird, dass dort die &ldquo;Reformen&ldquo; fortgesetzt werden.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 5, 6 und 7; sie gelten der Agitation zum demographischen Wandel und zur Altersvorsorge.<\/strong> Diese Denkfehler und Legenden waren von gro&szlig;er Relevanz f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente und insgesamt den Schwenk zur Teilprivatisierung der Altersvorsorge. Auch von der neuen Koalition wird auf der Basis dieser Legenden verfahren. Die neue SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat heute wie in der Vergangenheit als Ministerin f&uuml;r Arbeit und Soziales an diese Mythen geglaubt, sie jedenfalls genutzt f&uuml;r ihre Unterst&uuml;tzung der Ausdehnung der &ouml;ffentlich gef&ouml;rderten Privatvorsorge auf dem Feld der betrieblichen Altersvorsorge.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 16 &bdquo;Wir sind national nicht mehr handlungsf&auml;hig&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das ist ein sehr interessanter und relevanter Denkfehler, der dabei hilft, anderen V&ouml;lkern und sich selbst die eigene Gestaltungsf&auml;higkeit abzusprechen. Damit werden wir uns auf den NachDenkSeiten demn&auml;chst wieder einmal zu besch&auml;ftigen haben.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 17 &bdquo;Wir leben vom Export&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Analyse dieses Denkfehlers wird unten komplett wiedergegeben. Der Text stammt aus dem Jahr 2004. Dort wird auch auf das eingegangen, was Gegenstand eines Beitrags vom <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44511\">vergangenen Dienstag<\/a> war: das Denken in real terms, in g&uuml;terwirtschaftlichen Gr&ouml;&szlig;en.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 19 &bdquo;Steigende Aktienkurse sind gut&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Fortdauer dieses Irrglaubens k&ouml;nnen Sie jeden Abend beim B&ouml;rsenbericht der Tagesschau wiederfinden. Und nicht nur dort! <\/p><p><strong>Zu Ziffer 20 &bdquo;Wir k&ouml;nnen nur das verteilen, was wir vorher erwirtschaftet haben&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das war der Hilfsmythos zur Verhinderung einer verteidigungspolitischen Debatte und ebensolcher Taten. Er wirkt immer noch.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 21 und 22 &bdquo;Arbeit muss billiger werden!&ldquo; und &ldquo;Die Lohnnebenkosten sind zu hoch&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das waren wichtige Mythen, die die Einf&uuml;hrung des Niedriglohnsektors bef&ouml;rdert haben und die Agenda 2010 vorbereiteten und begleiteten.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 24 &bdquo;Der Arbeitsmarkt ist zu unflexibel&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dieser Denkfehler bestimmte den Inhalt der sogenannten Reformen &uuml;ber weite Strecken.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 25 &bdquo;Wir m&uuml;ssen l&auml;nger arbeiten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das war zusammen mit den Denkfehlern zur Demographie und Altersvorsorge relevant f&uuml;r die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 27 &bdquo;Das Normalarbeitsverh&auml;ltnis &ndash; ein Auslaufmodell&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dieser Denkfehler hat die Arbeitsmarktpolitik bestimmt. Manche haben immerhin gelernt, heute den eingetretenen Zustand zu beklagen<\/p><p><strong>Zu Ziffer 31: &bdquo;Wer spart, baut Schulden ab&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dieser Denkfehler sorgte f&uuml;r die ideologische Sperre gegen Besch&auml;ftigungsprogramme.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 32 &bdquo;Mehr Eigenverantwortung, weniger Sozialstaat&ldquo;, Ziffer 36 &bdquo;Der Staat ist zu fett geworden&ldquo; und Ziffer 37 &bdquo;Deregulierung und Privatisierung sind angesagt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das waren und sind die Denkfehler und Mythen, die den Abbau sozialstaatlicher Regeln und Leistungen und auch die Privatisierung und Deregulierung erleichtert haben.<\/p><p><strong>Zu Ziffer 39 &bdquo;Wir setzen auf die Zivilgesellschaft&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das ist ein Dauerbrenner, der in modischen linksb&uuml;rgerlichen Texten und Verlautbarungen permanent vorkommt.<\/p><p><strong>Insgesamt ist das Ergebnis der Durchsicht bedr&uuml;ckend. Die Initiative zur Gr&uuml;ndung der NachDenkSeiten und der Beginn der Arbeit an meinem Buch &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; fallen zeitlich und gedanklich zusammen. Beides ziemlich f&uuml;r die Katz, k&ouml;nnte man salopp feststellen. Aber wenn man die Liste vollst&auml;ndig durchpr&uuml;ft, kann man da und dort feststellen, dass einiges inzwischen gelernt wurde. Das gilt f&uuml;r vieles nicht, zum Beispiel f&uuml;r den Denkfehler Nr. 17 &bdquo;Wir leben vom Export&ldquo;. <\/strong><\/p><p>Der Text zu diesem Denkfehler folgt hier, obwohl er im Jahre 2007 schon einmal auf den NachDenkSeiten nachzulesen war:<\/p><p><strong>Auszug aus: Albrecht M&uuml;ller, &bdquo;Die Reforml&uuml;ge.&ldquo; Seiten 212-215<\/strong><\/p><p><strong>Denkfehler 17: &raquo;Wir leben vom Export.&laquo;<\/strong><\/p><p>Ob der Satz &raquo;Wir leben vom Export&laquo;, den wir so h&auml;ufig gebrauchen, richtig oder falsch ist, das ist schwer zu sagen. Es h&auml;ngt von den Umst&auml;nden ab. Um das Problem und den dahintersteckenden Irrtum zu verstehen, ist es hilfreich, zwei Denkweisen kennenzulernen, mit denen &Ouml;konomen wirtschaftliche Vorg&auml;nge darzustellen versuchen. Das ist zum einen die sogenannte g&uuml;terwirtschaftliche Betrachtung oder das Denken in real terms, und das ist zum anderen das Denken in Geldgr&ouml;&szlig;en oder in monetary terms. Zur Analyse mancher Probleme ist es hilfreich zu lernen, in real terms, also in g&uuml;terwirtschaftlichen Gr&ouml;&szlig;en, zu denken. Das muss man bewusst lernen, weil wir normalerweise im Alltag immer in Geldgr&ouml;&szlig;en denken und auch wirtschaftliche Vorg&auml;nge danach bewerten. Man sagt zum Beispiel: &raquo;Ich verdiene 2000 Euro&laquo;, und man sagt nicht: &raquo;Ich verdiene so viel, dass ich mir soundso viel Brot und W&uuml;rste und Kleider und ein St&uuml;ck Auto kaufen k&ouml;nnte und so weiter.&laquo;<\/p><p>Auch in unseren au&szlig;enwirtschaftlichen Beziehungen denken wir zuallererst immer an das Geld, an die Geldgr&ouml;&szlig;e. Wenn ein Land mehr exportiert als es importiert, dann ist das gut, so sagen wir, weil wir dann Devisen einnehmen oder Geldforderungen gegen&uuml;ber Ausl&auml;ndern erwerben. &raquo;Wir leben vom Export&laquo;, so lautet deshalb die g&auml;ngige Meinung.<\/p><p>Doch zun&auml;chst einmal ist dazu anzumerken, dass dieser Satz in seiner Schlichtheit nicht richtig ist. Wir leben von G&uuml;tern &ndash; von den G&uuml;tern, die wir hier produzieren, und von solchen, die wir importieren. Damit kleiden wir uns, damit fahren wir auf unseren Stra&szlig;en herum; was wir an Nahrungsmitteln produzieren und importieren, essen wir. Das sind die Produkte, von denen wir leben. Das erkennt man, wenn man in real terms denkt.<\/p><p>Erst wenn wir fragen, wie wir das bezahlen, was wir essen, trinken, nutzen und als Dienstleistung in Anspruch nehmen, kommt die Frage auf, wo und wie wir dieses Geld verdienen. Das geschieht zu etwa 70 Prozent bei der Produktion von G&uuml;tern f&uuml;r unseren inl&auml;ndischen Markt und zu etwa 30 Prozent bei der Produktion von G&uuml;tern f&uuml;r den Export.<\/p><p>Nun produzierten wir im Jahr 2002 f&uuml;r 43 Milliarden US-Dollar mehr G&uuml;ter, als wir zur Finanzierung der hier produzierten und konsumierten G&uuml;ter und zur Finanzierung der Importe und Verm&ouml;genstransfers brauchten. Das hei&szlig;t, wir hatten einen Leistungsbilanz&uuml;berschuss von 43 Milliarden Dollar. Dar&uuml;ber freuen wir uns in der Regel, weil wir sagen: &raquo;Wir leben vom Export, also ist es gut, wenn man &Uuml;bersch&uuml;sse erzielt, weil wir dann Devisen verdienen.&laquo; Dabei m&uuml;ssten wir beim zweiten Nachdenken eigentlich wissen, dass es ziemlich dumm ist, mehr Waren zu liefern, als man bekommt. Was nutzen uns die Devisen, die wir f&uuml;r den Saldo von 43 Milliarden US-Dollar bekommen? Was nutzen uns die Schuldscheine der Amerikaner oder der Russen? Wir essen keine US-Schatzanleihen und auch keine Dollars und schon gar keine Rubel. Wir essen Bananen und fahren Autos und kleiden uns mit Baumwolle, Wolle oder modernen Kunststoffen. Mit Dollars bekleidet s&auml;hen wir ziemlich nackt aus. Und selbst Gold zu essen ist nicht sonderlich appetitlich. Und doch glauben so viele an den Ma&szlig;stab Geld.<\/p><p>In der &uuml;blichen Bewertung, wir lebten vom Export, steckt dennoch ein K&ouml;rnchen Wahrheit, genauer gesagt, es stecken darin zwei K&ouml;rnchen Wahrheit:<\/p><p><em>Zum einen<\/em> f&uuml;hrt der internationale Warenaustausch, also Exporte und Importe, dazu, dass man gr&ouml;&szlig;ere Serien und St&uuml;ckzahlen produzieren kann. Somit steigt &uuml;ber diese Exporte und &uuml;ber die Importe (!) die Produktivit&auml;t unserer Volkswirtschaft insgesamt, und zudem bekommen wir auf diese Weise &uuml;berhaupt erst G&uuml;ter, die wir in unserem eigenen Land gar nicht haben &ndash; das sind nicht nur Bananen, sondern auch Edelmetalle, Mineral&ouml;l und so weiter.<\/p><p><em>Zum zweiten<\/em> hat der Satz, wir lebten vom Export, dann eine gewisse Berechtigung, wenn ein Land mangels Kapazit&auml;tsauslastung unterbesch&auml;ftigt ist und Arbeitslosigkeit herrscht, wie das bei uns zur Zeit der Fall ist. Wenn wir keine Export&uuml;bersch&uuml;sse h&auml;tten, st&uuml;nde es um unsere Arbeitslosenrate und auch um die Schulden des Staates noch schlechter. Diejenigen, die f&uuml;r den inl&auml;ndischen Markt produzieren, sind f&uuml;r die Besch&auml;ftigung allerdings genauso wichtig. Das sind die Handwerker, die Dienstleister, die Fabriken, die Menschen im &ouml;ffentlichen Dienst, in den Schulen, auf den M&uuml;llautos.<\/p><p>Also: Die M&ouml;glichkeit, durch eine Ankurbelung des Exports und die Erzielung von Export&uuml;bersch&uuml;ssen zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze zu schaffen, ist nicht unbedeutend, aber erstens muss man dabei beachten, dass diese Besch&auml;ftigung immer nur ein kleiner Teil dessen ist, was insgesamt an Besch&auml;ftigung erfolgt und n&ouml;tig w&auml;re. Und zweitens muss man bedenken, dass eine solche Politik der Export&uuml;bersch&uuml;sse auf Dauer nicht zu halten ist. Die Export&uuml;bersch&uuml;sse eines Landes sind n&auml;mlich zugleich immer die Defizite anderer L&auml;nder. Auf Dauer kann aber ein Land letztlich nicht Leistungsbilanzdefizite hinnehmen, nur weil andere mit Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen ihre Besch&auml;ftigungsprobleme l&ouml;sen wollen. Das ist auch f&uuml;r die gesamte Weltwirtschaft nicht gut. Ein Blick auf die Entwicklung der Leistungsbilanzdefizite der USA zeigt das. Wenn ein Land so massiv, wie die USA es in den letzten zehn Jahren getan haben, auf Kosten des Rests der Welt lebt, also immer mehr importiert als es exportiert, dann besteht die Gefahr einer massiven Spekulation gegen die W&auml;hrung dieses Landes. In dieser Gefahr sind wir heute.<\/p><p>Es gibt also gute Gr&uuml;nde, Exporte und Export&uuml;bersch&uuml;sse neutraler zu betrachten und Einvernehmen dar&uuml;ber zu erreichen, dass m&ouml;glichst alle L&auml;nder versuchen, &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum ihre Leistungsbilanzen einigerma&szlig;en ausgeglichen zu halten. Das hei&szlig;t in unserem konkreten Fall, dass wir endlich etwas tun m&uuml;ssen, um die Produktion f&uuml;r den inneren Bedarf anzukurbeln. Das geht nur, wenn im Inneren mehr Nachfrage entsteht und diese zus&auml;tzliche Nachfrage den Drang zum Export entlastet.<\/p><p>Es w&auml;re daher ganz gut, wir w&uuml;rden uns angew&ouml;hnen zu denken: Wir leben von dem, was wir produzieren, und von dem, was wir importieren. Und wir finanzieren es mit dem Erl&ouml;s dessen, was wir hier bei uns f&uuml;r den inl&auml;ndischen Markt produzieren, und dem Erl&ouml;s dessen, was wir exportieren. Eine etwas differenziertere Betrachtungsweise tut auf jeden Fall gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180622-reformluege.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Kern des Buches &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo;, das ich 2004 ver&ouml;ffentlicht habe, war die Beschreibung von 40 Denkfehlern, Mythen und Legenden, die das politische Leben damals bestimmt haben.<br \/> Die Debatte &uuml;ber Export&uuml;bersch&uuml;sse war der Anlass, zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob der damalige Aufkl&auml;rungsversuch etwas bewirkt hat. 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