{"id":4462,"date":"2010-01-15T16:43:05","date_gmt":"2010-01-15T15:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4462"},"modified":"2010-01-15T16:43:05","modified_gmt":"2010-01-15T15:43:05","slug":"hinweise-des-tages-2-120","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4462","title":{"rendered":"Hinweise des Tages (2)"},"content":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Die deutsche Exportorientierung, das Arbeitsamt mit Vermittlungsgutscheinen abgezockt, besch&ouml;nigte Leiharbeit, Armut in Haiti, Mexiko und Afrika (KR)<br>\n<!--more--><br>\nHeute zu folgenden Themen: <\/p><ol>\n<li><a href=\"#h01\">Fricke &ndash; Zur&uuml;ck auf den Vulkan<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h02\">Die Debatte um die deutsche Exportorientierung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h03\">Tarifverhandlungen im &Ouml;ffentlichen Dienst: Arbeitgeber legen kein Angebot vor<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h04\">Das Arbeitsamt abgezockt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h05\">Von der Leyen: &ldquo;Zeitarbeit baut Br&uuml;cken in den Arbeitsmarkt und bringt Flexibilit&auml;t f&uuml;r Unternehmen.&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h06\">Buntenbach: Leiharbeitsbericht der Bundesregierung zu einseitig<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h07\">IG Metall: Leiharbeit fair gestalten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h08\">Ein Echtzeit-Experiment: Der Mensch wird zum Datensatz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h09\">Haiti Didn&rsquo;t Become a Poor Nation All on Its Own<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h10\">Fernseher aus Mexiko: Die Industrie der Armen im Grenzgebiet zu den USA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#h11\">Wie Gold, nur besser: Fette Dividenden aus Afrikas B&ouml;den<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&uuml;r n&ouml;tig halten. Selbstverst&auml;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &Uuml;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, <a href=\"?p=4462&amp;email=1\">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin<\/a>.<\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>Fricke &ndash; Zur&uuml;ck auf den Vulkan<\/strong><br>\nAlles spricht daf&uuml;r, dass die deutsche Wirtschaft 2010 ihre eindrucksvolle Erholung aus der Rezession fortsetzt. Das ist nur ein bedingter Grund zur Freude. Der Haken ist, dass die Krise daf&uuml;r sp&auml;ter zur&uuml;ckzuschlagen droht.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:kolumne-fricke-zurueck-auf-den-vulkan\/50060630.html?mode=print\">FTD<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:<\/strong> &ldquo;Alles spricht daf&uuml;r&rdquo;, wirklich alles? Die Meldung des Statistischen Bundesamtes zum gr&ouml;&szlig;ten wirtschaftlichen Einbruch der Nachkriegsgeschichte verdeckte ein wenig die Entwicklung im letzten Quartal des Jahres 2009, zu der sich der Pr&auml;sident des Bundesamtes, Roderich Egeler, noch nicht &auml;u&szlig;ern wollte. Allerdings kommt man unter Beibehaltung der bereits ver&ouml;ffentlichten Zahlen zu den ersten drei Quartalen f&uuml;r das Gesamtjahr 2009 nur dann auf -5,0%, wenn das BIP im vierten Quartal nicht gestiegen ist. Die Aussage des f&uuml;r die BIP-Berechnung zust&auml;ndigen Abteilungsleiters Norbert R&auml;th auf der Pressekonferenz wurde kaum gemeldet: &ldquo;Saison- und kalenderbereinigt hat das preisbereinigte BIP nach unseren Berechnungen auf dem Niveau des Vorquartals stagniert. Das hei&szlig;t, wir unterstellen eine Ver&auml;nderungsrate von 0%&rdquo;. Und wenn diese Nachricht registriert wurde, dann stie&szlig; sie bei vielen Analysten auf <a href=\"http:\/\/www.finanznachrichten.de\/nachrichten-2010-01\/15885469-volkswirte-glauben-nicht-an-bip-stagnation-im-4-quartal-015.htm\">Unglauben<\/a>.<\/em><br>\n<em>Auch der gesch&auml;tzte Chefvolkswirt der FTD, Thomas Fricke, akzeptiert das nicht und meint, dahinter k&ouml;nnten &ldquo;eher statistische Ausrei&szlig;er als reale Entwicklungen stecken.&rdquo; Nun ja, die Herren haben seit einiger Zeit nicht nur ein Ende der Rezession gesehen, sondern an der optimistischen Erz&auml;hlung vom Aufschwung gestrickt und sich dabei auf das Wachstum des dritten Quartals gegen&uuml;ber dem zweiten Quartal um 0,7 Prozent gest&uuml;tzt.<br>\nWenn Fricke meint, dass aus fast allen wichtigen Branchen seit Wochen und Monaten positive Meldungen k&auml;men, die Exporte seien seit dem Tiefpunkt ja sogar um 13 Prozent gestiegen, so deckt sich das nicht &uuml;berall mit der j&uuml;ngsten Entwicklung. Die exportabh&auml;ngige Exportindustrie verzeichnete im November den zweiten Monat in Folge weniger Auslandsauftr&auml;ge, der Einzelhandel erlitt im wichtigen Weihnachtsgesch&auml;ft Umsatzeinbu&szlig;en und die Zahl der Firmenpleiten beschleunigt sich.<br>\nVollends verl&auml;sst Fricke die Realit&auml;t, wenn er meint: &ldquo;Fraglich ist auch, ob der Eklat am Arbeitsmarkt noch kommt. Laut Umfragen wollen Unternehmen in den n&auml;chsten Monaten eher weniger als mehr entlassen. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r die USA, wo sich immer weniger Leute neu arbeitslos melden&rdquo;. Erstens ist die Lage am Arbeitsmarkt sowieso katastrophal und zweitens: Sowohl in Deutschland wie auch in den USA werden weiterhin Menschen in die Arbeitslosigkeit geschickt. Es ist ausgesprochen unseri&ouml;s, aus nachlassendem Wachstum der Arbeitslosenzahlen eine &ldquo;eindrucksvolle Erholung aus der Rezession&rdquo; herbeireden zu wollen. Die Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu!<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Die Debatte um die deutsche Exportorientierung<\/strong><br>\nDie in vielen L&auml;ndern gewachsene Einkommensungleichheit wird international zunehmend als eine wesentliche Ursache f&uuml;r die Weltwirtschaftskrise und die globalen Ungleichgewichte im Au&szlig;enhandel hervorgehoben. Hingegen ist die Debatte in Deutschland teilweise noch immer durch die Forderung nach weiterer Lohnzur&uuml;ckhaltung und sozialpolitischen Einschnitten gekennzeichnet. Welche Rolle kann die Lohn- und Verteilungspolitik zur mittelfristigen &Uuml;berwindung der deutschen Exportlastigkeit und zur Stabilisierung der deutschen und<br>\nglobalen Wirtschaft spielen?<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/wirtschaftswunder\/resserver.php?blogId=9&amp;resource=wirtschaftsdienst0110.pdf\">FTD [PDF &ndash; 110 KB]<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Tarifverhandlungen im &Ouml;ffentlichen Dienst: Arbeitgeber legen kein Angebot vor<\/strong><br>\nEinig waren sich Arbeitgeber und Gewerkschaften nach der ersten Tarifverhandlungsrunde f&uuml;r die Besch&auml;ftigten bei Bund und Gemeinden nur in einem Punkt: Die Positionen liegen weit auseinander.<br>\nInsgesamt sprach man rund vier Stunden. ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske fasste vor der Presse die erste Runde so zusammen: Die Arbeitgeber h&auml;tten auf die schlechte Finanzlage der Kommunen und des Bundes hingewiesen. Keine Antwort h&auml;tten sie auf den gewerkschaftlichen Hinweis gegeben, dass ein Lohnzuwachs f&uuml;r rund 2 Millionen Besch&auml;ftigte ein kr&auml;ftiger Beitrag zur St&auml;rkung der Binnennachfrage sei. Hier h&auml;tte der Bundesinnenminister auf die Steuererleichterungen f&uuml;r reiche Erben, Hotelbetreiber im Rahmen des &ldquo;Wachstumsbeschleunigungsgesetzes&rdquo; sowie die bereits von der schwarz-roten Bundesregierung beschlossenen Ma&szlig;nahmen verwiesen. Die kommunalen Arbeitgeber h&auml;tten erkl&auml;rt, dass kein Geld f&uuml;r lineare Lohnzuw&auml;chse da sei.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/tarif-oed.verdi.de\/tarifrunden\/2010-bund-und-kommunen\/verhandlungen\/die-erste-verhandlungsrunde\">ver.di<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Das Arbeitsamt abgezockt<\/strong><br>\nEine Frau bewarb sich bei der Drogeriekette Schlecker &ndash; und landete bei einer privaten Jobvermittlung: Die kassierte Subventionen, bevor sie die Frau wieder zu Schlecker schickte.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/nord\/artikel\/1\/abzocke-beim-arbeitsamt\/\">TAZ<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Von der Leyen: &ldquo;Zeitarbeit baut Br&uuml;cken in den Arbeitsmarkt und bringt Flexibilit&auml;t f&uuml;r Unternehmen.&rdquo;<\/strong><br>\nDas Bundeskabinett hat den Elften Bericht der Bundesregierung &uuml;ber Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetzes (11. A&Uuml;G-Bericht) beschlossen.<br>\nDer Bericht zeigt, dass Zeitarbeit Br&uuml;cken in Arbeit baut f&uuml;r Menschen, die sonst schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt h&auml;tten. Und sie sorgt auf Seiten der Unternehmen daf&uuml;r, dass diese flexibler auf Nachfragespitzen oder Auftragsflauten reagieren k&ouml;nnen. Der Gesetzesrahmen soll neben der Flexibilit&auml;t auch Schutz f&uuml;r die Zeitarbeitnehmer schaffen. Prinzipiell gilt f&uuml;r sie der Gleichstellungsgrundsatz, das hei&szlig;t Leiharbeiter m&uuml;ssen zu denselben Bedingungen besch&auml;ftigt werden wie die Stammbelegschaft. Eine Ausnahme davon gibt es, wenn die Vertreter von Arbeitgebern und Gewerkschaften einen Tarifvertrag schlie&szlig;en. Ich werde nicht zulassen, dass das grunds&auml;tzlich gute und sinnvolle Modell der Zeitarbeit durch Missbrauch in Verruf gebracht wird. Ich habe Fachleute in meinem Ministerium beauftragt, in den kommenden Wochen sehr genau die aktuellen Entwicklungen in der Branche unter die Lupe zu nehmen. Wenn sich dabei zeigt, dass es Missbrauch gibt, Recht verletzt oder Gesetze umgangen werden, m&uuml;ssen wir nachsteuern und notfalls bessere Regeln f&uuml;r die Zeitarbeit aufstellen, um die L&uuml;cken zu schlie&szlig;en.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/portal\/41564\/2010__01__13__forschungsbericht__zeitarbeit.html\">BMAS<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/portal\/41566\/property=pdf\/f397__forschungsbericht__zeitarbeit.pdf\">Forschungsbericht des IAB zum Thema Arbeitnehmer&uuml;berlassung [PDF &ndash; 3.2 MB]<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Ursula von der Leiharbeit bleibt bei ihrer sch&ouml;nf&auml;rberischen Darstellung. Siehe dagegen die zitierten Studien in <a href=\"?p=4453\">&ldquo;Leiharbeit: kompakt&rdquo;<\/a>. Immerhin hat man nun auch die regierungsamtlichen Zahlen zur Verf&uuml;gung.<\/em><\/p>\n<p><em>Dazu:<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Buntenbach: Leiharbeitsbericht der Bundesregierung zu einseitig<\/strong><br>\nZu dem heute ver&ouml;ffentlichten Leiharbeitsbericht der Bundesregierung sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Mittwoch in Berlin:\n<blockquote><p>&bdquo;Die Bundesregierung ist auf einem Auge blind. Man feiert die Ausweitung der Leiharbeit, doch die soziale Situation der Besch&auml;ftigten bleibt nahezu unbeleuchtet.<br>\nTrotz der gesetzlichen &Auml;nderungen im Jahre 2003 ist die Leiharbeit nach wie vor ein Niedriglohnsektor; der Grundsatz der gleichen Bezahlung wurde nicht ansatzweise erreicht. So weist der Bericht ausdr&uuml;cklich darauf hin, dass der Lohnabstand zu den Stamm-Besch&auml;ftigten im selben Betrieb erheblich ist. Es besteht deshalb die Gefahr der Ausgliederung ganzer Belegschaften, wobei das Untenehmen Schlecker wahrlich kein Einzelfall ist. Den Ank&uuml;ndigungen der Ministerin, die Praktiken intensiv &uuml;berpr&uuml;fen zu wollen, m&uuml;ssen jetzt auch Taten folgen. Es fehlt nicht an Erkenntnis, sondern am politischen Mut, endlich die Diskriminierung der Besch&auml;ftigten zu unterbinden.<br>\nDas Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetz muss so ge&auml;ndert werden, dass ein Abweichen von der Gleichbehandlung beim Lohn nicht mehr m&ouml;glich ist. Die Lohndiskriminierung von Leiharbeitern verbietet auch die neue europ&auml;ische Richtlinie zur Leiharbeit. Die Angleichung der L&ouml;hne ist zudem erforderlich, um die &Uuml;bernahme von Leiharbeitern in feste Besch&auml;ftigung zu f&ouml;rdern. Der Klebeeffekt ist nach wie vor sehr gering. Nur wenn Wettbewerbsverzerrungen aufgrund von Dumpingl&ouml;hnen vermieden werden, werden Arbeitgeber bereit sein, Leiharbeiter fest zu &uuml;bernehmen.<br>\nDurch die niedrigen L&ouml;hne gehen auch den Sozialkassen Milliarden verloren, die von den anderen Unternehmen und deren Besch&auml;ftigten getragen werden m&uuml;ssen. Leiharbeit ist eine extrem unsichere Besch&auml;ftigung: Die H&auml;lfte der Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse dauert weniger als drei Monate und das Risiko einer K&uuml;ndigung ist ungleich h&ouml;her als in der &uuml;brigen Wirtschaft. Von einer Integration in Besch&auml;ftigung kann bei diesen Fakten keine Rede sein.<br>\nDer Bericht macht auch deutlich, dass die &Uuml;berwachung v&ouml;llig unzureichend ist: So wurden im gesamten Zeitraum nur 2100 Bu&szlig;geldverfahren eingeleitet. Die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit beschr&auml;nkt sich h&auml;ufig auf formale Kriterien &ndash; z.B. ob Steuern und Sozialabgaben abgef&uuml;hrt wurden &ndash;, &uuml;berpr&uuml;ft aber nur selten die tats&auml;chlichen Arbeitsbedingungen der Besch&auml;ftigten. Die M&ouml;glichkeiten zur Festsetzung von Bu&szlig;geldern sollte deswegen erweitert werden. Au&szlig;erdem fordert der DGB, dass Arbeitslose von den Agenturen nicht l&auml;nger in Unternehmen vermittelt werden, die Dumpingl&ouml;hne zahlen.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/presse\/pressemeldungen\/pmdb\/pressemeldung_single?pmid=3579\">DGB<\/a><\/p>\n<p><em>Dazu auch noch:<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>IG Metall: Leiharbeit fair gestalten<\/strong><br>\nWenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend ge&auml;ndert werden, dann wird die momentane Krise die Ausbreitung von Leiharbeit noch beschleunigen. Leiharbeit wird nicht trotz, sondern wegen der aktuellen Krise noch schneller wachsen. Zu Lasten regul&auml;rer Arbeitsverh&auml;ltnisse.<br>\nDie IG Metall hat mit ihrer Leiharbeitskampagne als erste DGB-Gewerkschaft das Thema aufgegriffen. Wir haben in den Betrieben gehandelt. Allein im Bereich der IG Metall wurden &uuml;ber 400 Betriebsvereinbarungen abgeschlossen.<br>\nDie ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung sind da. Und schon vermeldet die Leiharbeitsbranche steigende Leiharbeiterzahlen.<br>\nArbeitgeber setzen Leiharbeiter nicht nur als Zusatz ein, um Produktionsspitzen abzufedern, sondern ersetzen mit ihnen auch regul&auml;r Besch&auml;ftigte. Mehr als die H&auml;lfte der befragten Betriebsr&auml;te best&auml;tigte dies f&uuml;r ihre Betriebe. Rund ein Viertel gab an, dass in ihrem Betrieb mehr als 10% der Besch&auml;ftigten Leiharbeiter seien. Diese werden &uuml;berwiegend nach dem Tarif des Verleihers entlohnt, verdienen also deutlich weniger als ihre regul&auml;r besch&auml;ftigten Kollegen. Nur etwa ein Zehntel bekommt f&uuml;r gleiche Arbeit gleiches Geld.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.igmetall.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-0A456501-D1B560C1\/internet\/style.xsl\/view_3019.htm\">IG Metall<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> So lobenswert es ist, dass die IG Metall das Thema Leiharbeit als erste DGB-Gewerkschaft aufgegriffen hat, so muss man doch hinzuf&uuml;gen, dass dies erst sechs Jahre nach der massiven gesetzlichen F&ouml;rderung der Leiharbeit durch das 11. Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetz im Jahre 2003 geschieht. Schon in den 80er Jahren hat das K&ouml;lner ISO-Institut in mehreren empirischen Studien die jetzt kritisierten Auswirkungen und Missbr&auml;uche der Leiharbeit nachgewiesen. Nur durch die Tatsache, dass die Leiharbeit jetzt bis in die Stammbelegschaften hineinwuchert, wurden diese Probleme auch von den Gewerkschaften st&auml;rker wahrgenommen. Es ist ja nachvollziehbar, dass viele Betriebsr&auml;te zun&auml;chst vor allem den Schutz ihrer Stammbelegschaften im Auge hatten und deswegen die Zunahme von flexiblen Randbelegschaften hingenommen haben. G&uuml;nter Walraffs schon 1985 erschienenes Buch &bdquo;Ganz unten&ldquo; hat dann zum ersten Mal &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit geweckt.<br>\nDie Gewerkschaften gingen allm&auml;hlich daran, Tarifvertr&auml;ge mit den Verleihfirmen abzuschlie&szlig;en, in der &ndash; wie sich herausstellte &ndash; vergeblichen Hoffnung, die Leiharbeit damit regulieren zu k&ouml;nnen. Die spalterischen und von der Arbeitgeberseite gef&ouml;rderten sog. &bdquo;christlichen&ldquo; Gewerkschaften haben tarifvertragliche L&ouml;sungen unterlaufen. Viel zu lange hat man jedoch auch von Gewerkschaftsseite die Probleme der Leiharbeit vor sich her geschoben oder man hat einfach weggeschaut.<br>\nUnd als der damalige Wirtschaftsminister und jetzige Chairman des Adecco Instituts zur Erforschung der Arbeit Wolfgang Clement sein &bdquo;Gesetz f&uuml;r moderne Dienstleistungen&ldquo; durchgepaukt hat, mit dem die Leiharbeit vollends hoff&auml;hig gemacht wurde, da hat man nicht nur von Seiten der SPD, sondern auch von Seiten vieler Gewerkschafter sogar noch applaudiert.<br>\nMan muss leider sagen, dass es offenbar erst solcher Skandale wie bei der Drogeriekette Schlecker bedurfte, bis die Gewerkschaften die Gefahr f&uuml;r die Stammbelegschaften und damit auch f&uuml;r ihre Mitglieder voll erkannt haben.<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>Ein Echtzeit-Experiment: Der Mensch wird zum Datensatz<\/strong><br>\nWir m&uuml;ssen uns ernsthaft der Frage stellen, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der kleine und gr&ouml;&szlig;ere &Uuml;bertretungen von moralischen und rechtlichen Normen nicht mehr verborgen bleiben. Wenn &Uuml;bertretungen einmal aufgezeichnet sind, ist die Versuchung gro&szlig;, sie auch &ndash; vorzugsweise automatisiert &ndash; zu ahnden. Ist ein solches Leben auszuhalten, erstrebenswert, menschenw&uuml;rdig? Bisher wird nicht jedesmal, wenn jemand nachts um vier bei roter Ampel &uuml;ber die leere Stra&szlig;e l&auml;uft, automatisch ein Strafzettel erstellt. Bald ist das kein Problem mehr.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE\/Doc~E38A2F6DD0A734EB789AAD27EDE6F9A35~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung KR:<\/strong> Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, schreibt in der FAZ &ndash; lesenswert!<\/em><\/p><\/li>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>Haiti Didn&rsquo;t Become a Poor Nation All on Its Own<\/strong><br>\nWhen on the afternoon and evening of January 12, 2010 Haiti experienced that horrible earthquake and round after round of aftershock the destruction was, no doubt, greatly worsened by the very real over-crowding and poverty of Port-au-Prince and the surrounding areas. But shocked Americans can do more than shake their heads and, with pity, make a donation. They can confront their own country&rsquo;s responsibility for the conditions in Port-au-Prince that magnified the earthquake&rsquo;s impact, and they can acknowledge America&rsquo;s role in keeping Haiti from achieving meaningful development. To accept the incomplete story of Haiti offered by&nbsp;CNN&nbsp;and the&nbsp;New York Times&nbsp;is to blame Haitians for being the victims of a scheme that was not of their own making. As John Milton wrote, &ldquo;they who have put out the people&rsquo;s eyes, reproach them of their blindness.&rdquo;&nbsp;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.alternet.org\/story\/145183\/\">AlterNet<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>Fernseher aus Mexiko: Die Industrie der Armen im Grenzgebiet zu den USA<\/strong><br>\nMaquiladoras sind Fertigungsbetriebe, die seit den 1960er-Jahren entlang der 3 000 Kilometer langen Grenze zu den USA entstanden sind. Was die Unternehmen nach Mexiko zog? Billige Arbeitskr&auml;fte, fast keine Steuern und laxe Beh&ouml;rden &ndash; und das alles in unmittelbarer Nachbarschaft zur gr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Welt. Dank der Maquiladoras haben wir hier Vollbesch&auml;ftigung, verk&uuml;ndeten die Gouverneure des Bundesstaats Baja California jahrelang. Mit der Jahrtausendwende wurden die Schw&auml;chen des Maquiladora-Modells offenkundig. Die Rezession, die die USA 2001 heimsuchte, vernichtete in den grenznahen Betrieben 200 000 Arbeitspl&auml;tze. Ein Jahr sp&auml;ter baute die Branche 31 Prozent aller Stellen ab, davon 27 Prozent allein in Tijuana.<br>\n&ldquo;Ein Technologietransfer hat nicht stattgefunden, und in vier Jahrzehnten sind entt&auml;uschend wenige Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r Ingenieure und Techniker entstanden&rdquo;, das ist die bittere Erkenntnis der Soziologin Cirilia Quintero. Sie forscht an der Universit&auml;t in Matamoros &uuml;ber die Maquiladoras. Von denen besch&auml;ftigen 13 Prozent in Tijuana keinen einzigen Ingenieur, weitere 65 Prozent weniger als zehn. 73 Prozent der elektroverarbeitenden Maquiladoras haben keine Abteilung f&uuml;r Forschung und Entwicklung. Dazu muss man wissen, dass die H&auml;lfte aller Betriebe immer nur ein einziges Produkt zusammenbaut. Nur 13 Prozent stellen immerhin drei verschiedene Ger&auml;te her. &ldquo;Die blo&szlig;e Maquiladora bringt uns keine Entwicklung, sondern nur ein instabiles Wachstum. In der Hauptsache entstehen unsichere und schlecht bezahlte Arbeitspl&auml;tze&rdquo;, lautet deshalb Quinteros Schlussfolgerung. Als reine Exportwirtschaft mit v&ouml;lliger Abh&auml;ngigkeit vom gro&szlig;en Nachbarn im Norden lahmte die Maquiladora schon vor der jetzigen Krise. Sp&auml;testens mit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) haben sich die Spielregeln ge&auml;ndert. &ldquo;Seit gut zehn Jahren beobachten wir, dass die Missbr&auml;uche am Arbeitsplatz immer dreister werden und die Entlassungen ohne Abfindung zunehmen&rdquo;, sagt Jaime Cotta. &ldquo;Die Firmen stellen sich quer, wann immer sie etwas bezahlen sollen &ndash; sogar beim Umgang mit gef&auml;hrlichen Substanzen. Aber da es kaum noch Arbeit gibt, halten die Leute den Mund.&rdquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2009\/12\/11.mondeText.artikel,a0060.idx,23\">LE MONDE diplomatique<\/a><\/li>\n<li><a name=\"h11\"><\/a><strong>Wie Gold, nur besser: Fette Dividenden aus Afrikas B&ouml;den<\/strong><br>\nAm 18. November 2009 h&auml;lt Tony Blair im neoimperialen Ambiente des Londoner Queen Elizabeth II. Conference Centre eine Rede vor dem sogenannten Sierra Leone Investment Forum. Zu den Organisatoren der Veranstaltung geh&ouml;rte die von Blair gegr&uuml;ndete African Governance Initiative (AGI), die darauf aus ist, Sierra Leone an potenzielle Investoren zu verkaufen. Der ehemalige britische Premierminister verweist die Interessenten auf die &ldquo;Millionen Hektar landwirtschaftlich nutzbarer Fl&auml;chen&rdquo;, die in Sierra Leone zu haben sind.(1) In seinem Eifer scheint Blair ganz entgangen zu sein, dass auf diesen Fl&auml;chen ein paar Millionen Landeskinder leben, die auf deren Ertr&auml;ge angewiesen sind.<br>\nDie neuerliche Zerst&uuml;ckelung Afrikas hat begonnen. Nur sind die Akteure heute nicht die K&ouml;nige und K&ouml;niginnen kolonialer Reiche, sondern die Majest&auml;ten der Finanzm&auml;rkte, Gro&szlig;konzerne und reichen Staaten. Sie richten ihre begehrlichen Blicke auf das Kapital, das sich noch im Besitz der Afrikaner befindet: der landwirtschaftlich nutzbare Boden. Internationale Banken und Investmentfonds, Industriel&auml;nder, Agrarkonzerne und reiche Einzelunternehmer wollen auf Riesenfl&auml;chen gigantische industrielle Gro&szlig;farmen aufziehen, die Nahrungsmittel und Biosprit produzieren sollen &ndash; f&uuml;r den Export und den Profit, versteht sich.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2010\/01\/15.mondeText1.artikel,a0040.idx,11\">LE MONDE diplomatique<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Die deutsche Exportorientierung, das Arbeitsamt mit Vermittlungsgutscheinen abgezockt, besch&ouml;nigte Leiharbeit, Armut in Haiti, Mexiko und Afrika (KR)<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-4462","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4462\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}