{"id":44640,"date":"2018-06-26T16:44:40","date_gmt":"2018-06-26T14:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44640"},"modified":"2018-06-27T07:32:10","modified_gmt":"2018-06-27T05:32:10","slug":"wahlanalyse-fuer-die-spd-viel-zu-kurz-gesprungen-rausgeworfenes-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44640","title":{"rendered":"Wahlanalyse f\u00fcr die SPD \u2013 viel zu kurz gesprungen, rausgeworfenes Geld"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-01.png\" alt=\"\" title=\"\" width=\"250px\"><\/div><p>&bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo; ist die am 11. Juni vom Generalsekret&auml;r der SPD ver&ouml;ffentlichte Wahlanalyse &uuml;berschrieben. Bei einer ersten Durchsicht fand ich die Analyse so unzureichend, dass NachDenkSeiten-Leser damit am besten gar nicht bel&auml;stigt werden sollten. Aber diese &bdquo;Analyse&ldquo; wird offenbar ernstgenommen. In meiner Regionalzeitung zum Beispiel hei&szlig;t es, &bdquo;Fehler und Defizite werden konkret beschrieben&ldquo;. Ja sogar die PL, die Parlamentarische Linke, befasst sich damit und hat zwei der f&uuml;nf Autoren der Untersuchung f&uuml;r kommenden Donnerstag zu einem Gespr&auml;ch eingeladen. Offenbar gibt es Menschen, die diese Analyse ernstnehmen. Deshalb hier eine Analyse der Wahlanalyse. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Zun&auml;chst zu Ihrer Information die Links zu den entsprechenden Dokumenten:<\/strong><\/p><p>Eine Analyse der Bundestagswahl 2017<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.spd.de\/aktuelles\/detail\/news\/aus-fehlern-lernen\/11\/06\/2018\/\">&bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo;<\/a><\/strong><\/p><p>Dieses Dokument enth&auml;lt eine Einleitung des SPD-Generalsekret&auml;rs Klingbeil. Dann wird auf das <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Sonstiges\/Evaluierung_SPD__BTW2017.pdf\">folgende PDF-Dokument verlinkt<\/a>. <\/p><p>Am Ende meiner Analyse gebe ich die Schlussfolgerung der Autoren der Wahlanalyse wieder. Diese befindet sich auf Seite 106 und 107 des Textes &bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Autoren der Wahlanalyse <\/strong><\/p><p>sind Jana Faus, Horand Knaup, Michael R&uuml;ter, Yvonne Schroth und Frank Stauss. <\/p><p>Was sie zu einer solchen Analyse &bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo;, was die SPD in der Tat dringend n&ouml;tig hat, im besonderen bef&auml;higt, wird weder im Text noch in der Einleitung des Generalsekret&auml;rs der SPD, Klingbeil, und auch sonst nicht verlautbart und erkennbar. <\/p><p>Die Autoren haben eine gro&szlig;e Zahl von Personen interviewt. Die &Auml;u&szlig;erungen der interviewten Personen sind in die Analyse eingeflossen. Man muss den Eindruck gewinnen, dass es besser gewesen w&auml;re, die Autoren der Analyse h&auml;tten selbst etwas mehr nachgedacht.<\/p><p>Wer sich n&auml;mlich mit der Geschichte der SPD und der Bundesrepublik Deutschland seit 50 Jahren besch&auml;ftigt und den Niedergang von 42,7 % im Jahre 1969 &ndash; dem Jahr des ersten Kanzlerwechsels von Kiesinger (CDU) zu Willy Brandt (SPD) &ndash; , wer den Niedergang vom Spitzenergebnis mit 45,8 % im Jahr 1972 bis heute verfolgt, wer die in dieser Zeit getroffenen politischen Entscheidungen und Unterlassungen und die verschiedenen Wahlk&auml;mpfe beobachtet oder wenigstens nachtr&auml;glich analysiert, der oder die wird auch ohne Interviews dritter Personen vieles zum Thema &bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo; aufschreiben k&ouml;nnen. Jene zum Beispiel, die wegen der Beteiligung der Regierung Schr&ouml;der am Kosovo-Krieg und anderen milit&auml;rischen Aktionen aus der SPD ausgetreten sind, oder jene, die wegen der Agenda 2010 und der Teilprivatisierung der Altersvorsorge die SPD verlassen haben, k&ouml;nnten vermutlich sehr viel mehr zu einer Analyse des Niedergangs beitragen als die Interviewpartner der f&uuml;nf Autoren der Studie.<\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Bevor ich die Analyse der f&uuml;nf Damen und Herren las, habe ich Revue passieren lassen, was in den Jahrzehnten des Niedergangs der SPD passiert ist und was nicht passiert ist, und was geschehen m&uuml;sste, damit man aus diesen Fehlern lernt und endlich wieder gewinnt. <\/strong>\n<p>Ich nenne einige Beispiele:<\/p>\n<ol>\n<li>Die SPD m&uuml;sste sich wieder die <strong>friedenspolitische Kompetenz<\/strong> erarbeiten, die sie mit ihrer Ostpolitik und verbunden mit gro&szlig;en Namen (Brandt, Bahr, Helmut Schmidt, Gustav Heinemann) in ihrer Geschichte erworben hat. Dieses Thema w&auml;re zudem heute angesichts des neu aufgebrochenen West-Ost-Konflikts hochaktuell. <\/li>\n<li>Sie m&uuml;sste alles tun, um <strong>den politischen Einbruch und den Image-Einbruch, der mit ihrer federf&uuml;hrenden Beteiligung am Jugoslawienkrieg und weiteren milit&auml;rischen Interventionen verbunden war, zu heilen<\/strong>. Das Bekenntnis &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; hat der SPD zum Beispiel 1980 die absolute Mehrheit in Nordrhein-Westfalen gebracht &ndash; mit weitreichenden positiven Konsequenzen f&uuml;r die Fortsetzung des Dialogs mit dem Osten. Das war ein Beispiel daf&uuml;r, wie man als linke Partei Mehrheiten gewinnt.<\/li>\n<li><strong>Ein entschiedenes Nein zu den Kriegen des Westens und insbesondere der USA w&auml;re ein auf der Stra&szlig;e liegendes Profilierungsthema.<\/strong> Schr&ouml;der hat das 2002 schon ausprobiert. Sein Nein zur (offenen) Beteiligung am Irakkrieg des George W. Bush war ein entscheidendes Profilierungselement im damaligen Bundestagswahlkampf. <\/li>\n<li><strong>Wegen der Kriege der USA und ihres imperialen Gehabes<\/strong> wie der Nutzung Deutschlands f&uuml;r den Drohnenkrieg und die Modernisierung von Atomwaffen und der Nutzung unseres Landes f&uuml;r Milit&auml;rbewegungen nach Osten gibt es in Deutschland einen virulenten <strong>Antiamerikanismus<\/strong>, nicht gegen das amerikanische Volk, aber gegen die dort vorherrschenden Kr&auml;fte. <strong>Diese Basiseinstellung<\/strong> weiter Kreise in Deutschland h&auml;tten die Wahlstrategen der SPD <strong>nutzen<\/strong> k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, wenn sie verlorenen Boden wiedergutmachen wollen.<\/li>\n<li>Mit der <strong>Agenda 2010 und mit der Propaganda f&uuml;r einen Niedriglohnsektor<\/strong> durch den sozialdemokratischen Bundeskanzler Schr&ouml;der hat die SPD gro&szlig;e Teile ihrer Stammw&auml;hlerschaft von sich weggetrieben. <strong>Eine glaubhafte Korrektur dieser Politik w&uuml;rde dem Anspruch, aus Fehlern lernen zu wollen, gerecht werden.<\/strong><\/li>\n<li>Die SPD hat ihre oben zitierten besten Ergebnisse erzielt, als sie bei der <strong>Wirtschaftskompetenz<\/strong> insbesondere durch ihre <strong>aktive Besch&auml;ftigungspolitik<\/strong> vor der Union lag. Diese Erfahrung w&auml;re &ndash; angewandt auf Europa, jedenfalls auf die Eurozone &ndash; brauchbar f&uuml;r heute.<\/li>\n<li>F&uuml;r jeden Wahlkampfplaner und Strategen der SPD &ndash; und anderer linker Parteien &ndash; w&auml;re es eine zentrale Aufgabe zu &uuml;berlegen, <strong>wo und wie<\/strong> man sich <strong>gegen die Union und Frau Merkel absetzen und profilieren<\/strong> kann und muss. &ndash; Zum Beispiel geht es ganz und gar nicht, genauso wie die Bundeskanzlerin Merkel zu t&ouml;nen, es gehe uns allen gut. Die SPD hat diesen Wahnsinn mitgemacht, weil sie damit ihre Entscheidung f&uuml;r die Agenda 2010 rechtfertigen wollte. &ndash; Zum Beispiel h&auml;tte sich die SPD gegen&uuml;ber der Bundeskanzlerin und dem damaligen Bundesfinanzminister Sch&auml;uble mit einer harten Kritik des &ouml;konomisch und europapolitisch absolut unvern&uuml;nftigen Exportweltmeister-Gehabes absetzen m&uuml;ssen. Wenn der Spitzenkandidat der SPD Schulz sein europapolitisches Profil h&auml;tte ausspielen wollen, dann zum Beispiel auf diesem Feld. <strong>Das Alleinstellungsmerkmal der SPD h&auml;tte die Kompetenz f&uuml;r Europa und f&uuml;r den guten Ruf unseres Volkes als Nachbar in Europa sein k&ouml;nnen.<\/strong><\/li>\n<li><strong>In der Fl&uuml;chtlingspolitik h&auml;tte sich die SPD so profilieren k&ouml;nnen, wie der Wagenknecht-Fl&uuml;gel der Linkspartei dies heute tut:<\/strong> offene Arme f&uuml;r Verfolgte und Kriegsfl&uuml;chtlinge, aber nicht f&uuml;r Arbeitsmigranten, die um Arbeitspl&auml;tze und Wohnungen konkurrieren.<\/li>\n<li><strong>Fraglos hat sich die Einstellung der Mehrheit der Medien gegen&uuml;ber jeder linken Mehrheit noch weiter verschlechtert, als es schon vor 50 Jahren war.<\/strong> Damals gab es immerhin noch die Frankfurter Rundschau und den Spiegel und in Teilen die ARD, die die linke Seite des Parteienspektrums jedenfalls nicht befehdeten. Inzwischen hat die Medienkonzentration zugenommen, elektronische Medien sind seit 1984 in private H&auml;nde geraten, die &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien sind von der Union und der Wirtschaft ebenfalls fast ausnahmslos beherrscht. D. h.: was man in der Debatte unter Wahlkampfstrategen immer schon die &bdquo;<strong>Medienbarriere<\/strong>&ldquo;, genannt hat, ist heute fraglos vorhanden &ndash; es sei denn, linke Parteien geben ihren Charakter auf und passen sich an.\n<p><strong>Wenn diese Medienbarriere besteht, dann hat man nur dann eine Chance, wenn<\/strong> man sich &ndash; bei aller Freundlichkeit gegen&uuml;ber Medien &ndash; dadurch von ihnen unabh&auml;ngig macht, dass <strong>man Hunderttausende von Menschen als Multiplikatoren gewinnt und mobilisiert<\/strong>. Das ist im kleinen Rahmen zuletzt 1998 gelungen, in wirklich gro&szlig;em Stil 1972. Schon damals gab es eine Medienbarriere, schon damals hat das &bdquo;Gro&szlig;e Geld&ldquo; den aus seiner Sicht historischen Fehler des Machtverlustes von 1969 durch Einsatz vieler Millionen korrigieren wollen. <strong>Und damals ist es nur dank der Mobilisierung Hunderttausender von Sympathisanten, Mitgliedern und Nichtmitgliedern der SPD, gelungen, die Wahl zu gewinnen<\/strong>. Dies ist nicht nur meine Analyse, sondern das Ergebnis der Analyse von Frau Noelle-Neumann von Allensbach, die dieses nach der damaligen Wahl, als Sympathisantin der Union bedauernd, feststellte. <\/p>\n<p><strong>Der Aufbau von Gegen&ouml;ffentlichkeit w&auml;re also heute noch mehr ein zentrales Instrument<\/strong>, ja geradezu eine Notwendigkeit, wollte man aus Fehlern lernen und wieder gewinnen.<\/p><\/li>\n<li>Viele Menschen machen sich Sorgen wegen ihrer Rente. Drohende Altersarmut ist in der Tat auch ein wirkliches Problem sehr vieler Menschen. Mit Riester-Rente, Entgeltumwandlung zur F&ouml;rderung der betrieblichen Altersvorsorge, &uuml;berhaupt mit der Teilprivatisierung der Altersvorsorge hat die SPD soziale Kompetenz ruiniert. Aus diesem Fehler m&uuml;sste gelernt werden. <strong>Deshalb m&uuml;ssten die Forderung und parallel die Taten zur Konzentration aller Mittel auf die St&auml;rkung der gesetzlichen Rente ein wichtiges Signal daf&uuml;r sein, dass die SPD aus Fehlern lernt.<\/strong><\/li>\n<li>Die <strong>Privatisierung<\/strong> &ouml;ffentlicher Unternehmen wie auch die Privatisierung von Wohnungsbest&auml;nden hat sich &uuml;ber weite Strecken als falsch erwiesen. Die Aufarbeitung und Korrektur dieser Fehler, die ma&szlig;geblich auch auf die Regierung Kohl zur&uuml;ckgehen, w&auml;re ein wichtiges Teilthema. <strong>Genauso, wie die kritische Aufarbeitung der zu weit getriebenen Deregulierung.<\/strong><\/li>\n<li>Hier k&ouml;nnte die SPD, wenn sie wollte, zusammen mit anderen den Kampf gegen den neoliberalen Einfluss aufnehmen. Wir wissen, dass <strong>solche ideologischen Auseinandersetzungen<\/strong> einen besonderen Stellenwert gewinnen k&ouml;nnen. Weil sie Menschen die M&ouml;glichkeit zur Einordnung des Geschehens geben. Bundeskanzler Schmidts Gedanken zum &bdquo;Modell Deutschland&ldquo; wie auch Willy Brandts &bdquo;Mehr Demokratie wagen&ldquo; oder sein &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo; und selbst ein vermeintlich lockerer Spruch wie jener von Bundespr&auml;sident Gustav Heinemann, er liebe nicht den Staat, er liebe seine Frau, waren wegweisende Einordnungsversuche und Sympathietr&auml;ger. Es ist naiv anzunehmen, so etwas sei heute nicht mehr n&ouml;tig.<\/li>\n<li><strong>Besonders n&ouml;tig ist es, dass ein Kanzlerkandidat und die hinter ihm stehende Partei sagen, wie und vor allem in welcher Konstellation und Koalition sie die Macht im Staat erringen wollen<\/strong>. Das war 1998 bei Schr&ouml;ders Wahlkampf noch klar: mit Rot-Gr&uuml;n. Fr&uuml;her, also 1969, dann 1972, 1976 und selbst 1980 war es auch noch klar: mit der FDP; sozial-liberale Koalitionen sollten die Macht sichern oder erobern helfen. Die Kanzlerkandidaten Steinmeier, Steinbr&uuml;ck und Schulz meinten, ohne die Nennung der konkreten Machtoption Mehrheiten gewinnen zu k&ouml;nnen. <\/li>\n<li><strong>Eine Partei, die Mehrheiten gewinnen will, muss verschiedene Gruppen und verschiedene Interessen ansprechen.<\/strong> CDU und CSU verstehen dieses Spiel meisterhaft zu spielen. Die SPD hatte das einmal verstanden. Noch 1998 war das Ergebnis nachweisbar der Strategie &bdquo;getrennt marschieren von Kanzlerkandidat Schr&ouml;der und Parteivorsitzendem Lafontaine, und vereint schlagen&ldquo;, zu verdanken. Schon in der damaligen Wahlanalyse, vor allem betrieben vom Generalsekret&auml;r M&uuml;ntefering, Schr&ouml;der und Hombach, ist dieses f&uuml;r eine Volkspartei wichtige Element entsorgt worden. Das Klopfen auf die eigene Schulter war wichtiger als eine zielf&uuml;hrende Analyse. Der Schulz-Wahlkampf war dann ein Musterbeispiel einer Eindimensionalit&auml;t (soziale Gerechtigkeit), die zu einem Wahlsieg einer Volkspartei nicht reichen kann.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol><p><strong>Das waren einige Ergebnisse des Nachdenkens &uuml;ber die Ursachen des Niedergangs der Sozialdemokratie und dar&uuml;ber, was man aus den letzten Bundestagswahlen h&auml;tte lernen k&ouml;nnen und f&uuml;r die kommenden Wahlen lernen k&ouml;nnte.<\/strong><\/p><ol type=\"A\" start=\"2\">\n<li><strong>Dies im Hinterkopf nun einige Bemerkungen zur Wahlanalyse der f&uuml;nf vom SPD-Vorstand beauftragten Personen:<\/strong>\n<ol>\n<li>Auf den 107 Seiten finden sich auch einige zutreffende Gedanken. Wenn Sie sich das Inhaltsverzeichnis auf Seite 2 anschauen, dann werden Sie das unschwer erkennen. &bdquo;Ohne Vertrauen geht nichts&ldquo;, so ist das 10. Kapitel &uuml;berschrieben. Sicher richtig. &bdquo;Gute Regierungsf&uuml;hrung&ldquo; &ndash; das muss man in der Tat verlangen. Und dass gefragt wird, wo die Unterst&uuml;tzergruppen geblieben sind, siehe Kapitel 12, ist auch richtig. &bdquo;Wer die Begriffe besetzt, besetzt die K&ouml;pfe&ldquo; &ndash; auch das ist eine vern&uuml;nftige Feststellung. Aber auch diese vern&uuml;nftigen richtigen Feststellungen finden dann in der Analyse keinen nachhaltigen Widerhall.<\/li>\n<li><strong>Die &bdquo;Schlussfolgerungen&ldquo; aus den gef&uuml;hrten Gespr&auml;chen und der Analyse sind ausgesprochen d&uuml;rftig; sie gelten vor allem organisatorischen Verbesserungen.<\/strong>\n<p>Schauen Sie sich die am Ende dieses Textes wiedergegebenen Seiten 106 und 107 der Wahlanalyse an. Der Text nennt die &bdquo;Schlussfolgerungen&ldquo; aus der Analyse. <\/p>\n<p>Da wird verlangt, dass das Denken in Lagern, also hier Seeheimer und dort Netzwerker und dann noch die Parlamentarische Linke, aufgegeben wird. Wie soll das denn gehen? Und dann wird viel &uuml;ber die Organisation im Willy-Brandt-Haus philosophiert. Die F&uuml;hrungsspitze m&uuml;sse verschlankt werden und Verantwortung m&uuml;sse neu definiert und zugeschrieben werden. Das Kompetenzgerangel m&uuml;sse ein Ende haben. Im Text selbst wird der Kampa, d. h. der Auslagerung der Wahlkampft&auml;tigkeit, in ein eigenes Geh&auml;use das Wort geredet. Dabei wird &uuml;brigens die Situation im Jahre 1998 sehr falsch dargestellt. Die Analytiker sind der Propaganda des M&uuml;ntefering-Lagers, dass f&uuml;r sich die strategische Leistung jenes Wahlkampfs in Anspruch nimmt, auf den Leim gegangen. In diesem Fall muss ich Bodo Hombach und Gerhard Schr&ouml;der vor diesem Raubzug in Schutz nehmen.<\/p>\n<p>Der Prozess der Entscheidung &uuml;ber die Kanzlerkandidatur m&uuml;sse neu gekl&auml;rt werden. Diese Schlussfolgerung findet sich dann auch in manchen Medienberichten wieder. L&auml;cherlich, gemessen an den wirklichen Problemen und Notwendigkeiten, die ich oben skizziert habe.<\/p>\n<p>Die Probleme der Menschen m&uuml;ssten konkret gel&ouml;st werden. Eine tolle Erkenntnis. Hier das  Fazit zum Kapitel gute Regierungsf&uuml;hrung:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Fazit: <\/p>\n<p>Die F&auml;higkeit, gute Regierungsarbeit zu betreiben, Probleme zeitnah abzuarbeiten oder &ndash; noch besser &ndash; sie gar nicht erst entstehen zu lassen, ist in Deutschland unzureichend ausgebildet. Das gilt auch f&uuml;r die SPD. Sie k&ouml;nnte sich ein Beispiel an ihren kommunalen Spitzen nehmen. Eine Imagekorrektur wird auch sozialdemokratischen BundespolitikerInnen nur gelingen, wenn sie dem L&ouml;sen von Problemen eine h&ouml;here Priorit&auml;t einr&auml;umen als Spiegelstrichen in Leitantr&auml;gen und Parteiprogrammen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Soll diese billige Polemik helfen?<\/p>\n<p>Allianzen m&uuml;ssten gepflegt werden, hei&szlig;t es weiter im Text. Und auch dabei geht es dann vor allem um Organisatorisches. Neue Kooperationen mit der &bdquo;Zivilgesellschaft&ldquo; seien zwingend erforderlich. Was ist das, die Zivilgesellschaft? Ein modischer Begriff. Ein F&uuml;llsel f&uuml;r den Fall, dass man nicht weiter wei&szlig;. <\/p>\n<p>Immerhin steht in der Schlussfolgerung auch noch, dass die SPD sich in wesentlichen Fragen der Zeit ein Profil erarbeiten m&uuml;sse. Dieser Forderung kann man zustimmen.<\/p><\/li>\n<li>Anders als das Schlusskapitel mit den Schlussfolgerungen enth&auml;lt das Kapitel 10 (&bdquo;Ohne Vertrauen geht nichts&ldquo;) einige zutreffende kritische Analysen und auch einige vern&uuml;nftige Vorschl&auml;ge. Aber selbst diese sind gepr&auml;gt von einer viel zu kurz bemessenen Frist der R&uuml;ckbesinnung und der Betrachtung.<\/li>\n<li>Diese Schw&auml;che wird schon in Kapitel 1 sichtbar. Dabei geht es um Martin Schulz und die Kandidatenkampagne. Die &Uuml;berschrift lautet: &bdquo;Vom Hoffnungstr&auml;ger zum tragischen Helden&ldquo;. Dass dies so gekommen ist, lag weder an der sp&auml;ten Nominierung noch an der Kandidatenkampagne. Es war von vornherein erkennbar, dass die Kandidatur eines Martin Schulz nicht erfolgreich sein wird. Die Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten konnten die Gr&uuml;nde daf&uuml;r schon einen Tag nach seiner Nominierung lesen. Siehe hier:<br>\n<blockquote><p>\n<strong>25. Januar 2017 um 9:46 Uhr <\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36756\">Der zweifache Schock: Schulz soll Kanzlerkandidat und obendrein Parteivorsitzender werden.<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die gestern bekannt gewordenen Entscheidungen der SPD-F&uuml;hrung wurden in Medien und von den meisten interviewten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten begr&uuml;&szlig;t. In meinem Umfeld war man eher schockiert. Es folgen Fragen und Ergebnisse des Nachdenkens &uuml;ber diesen Vorgang. Das vorl&auml;ufige Fazit: Martin Schulz wird uns leider keine Alternative zu Frau Merkel bringen.&nbsp;<strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>. &hellip;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Wahlanalyse hat auch zur Folge, dass in &ouml;ffentlichen Verlautbarungen der damalige SPD-Vorsitzende Gabriel zum S&uuml;ndenbock erkl&auml;rt wird. Gabriel tr&auml;gt eine gro&szlig;e Verantwortung f&uuml;r das aktuelle Desaster der SPD. Die schlechten Wahlergebnisse und der Niedergang dieser Partei fingen jedoch nicht mit Gabriel an.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Autoren der Wahlanalyse &bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo; verst&auml;rken in vielen Passagen und mit vielen Tabellen den falschen Eindruck, der Niedergang der SPD sei gerade erst eben eingetreten. <\/strong>\n<p>Im Kapitel 2 mit dem Titel &bdquo;Volkspartei ohne Volk. Der Wahlkampf aus Sicht der Wahlforschung&ldquo; wird durchgehend mit Umfrageergebnissen f&uuml;r den Zeitraum 2013-2018 gearbeitet. Siehe hier zum Beispiel:<\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-03-small.png\" alt=\"\" title=\"\" width=\"458px\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>Die massiven Einbr&uuml;che bei den Wahlergebnissen der SPD lagen aber alle viel fr&uuml;her. Vielleicht muss man die SPD-Wahlanalytiker und ihre Konsumenten einfach mal mit den Wahlergebnissen der letzten vier Jahrzehnte konfrontieren, von 2017 r&uuml;ckw&auml;rts bis 1980:<\/p>\n<p><strong>CDU\/CSU &ndash; SPD<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-04.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p>Man muss nur eine Legislaturperiode weiter zur&uuml;ckgehen, also &uuml;ber 2013 hinaus r&uuml;ckw&auml;rts, dann entdeckt man schon, dass die SPD im Jahre 2009 mit dem Kandidaten Steinmeier und 23 % der Zweitstimmen ja nicht so sehr viel besser abgeschnitten hat als jetzt mit Martin Schulz und seinen 20,5 %.<\/p>\n<p>Man entdeckt weiter, dass die SPD 1980 immerhin noch 42,9 % erreicht hat &ndash; das war nicht so viel wie 1972 und 1969 &ndash; aber immerhin. Sie erzielte dann in der Regierungszeit von Kohl schlechte Ergebnisse und schaffte dann 1998 mit 40,9 % noch einmal den Kanzlerwechsel. Dann ging&lsquo;s bergab. Der amtierende Kanzler Schr&ouml;der hatte 2002 schon 6,7 % der Zweitstimmen verloren. Das war die Rache f&uuml;r die Agenda 2010, f&uuml;r seine Steuerpolitik zugunsten der Gutverdiener und Verm&ouml;gen und f&uuml;r den Kosovo-Krieg.<\/p>\n<p>Das kann man doch bei einer Analyse nicht au&szlig;en vor lassen. Es war auch das Ergebnis eines unglaublichen Schachzugs &ndash; des willentlichen Abbruchs der Legislaturperiode im Jahre 2005 um ein Jahr. Eigentlich, um die Agenda 2010 zu retten. Dieses Von-der-Fahne-gehen haben viele W&auml;hlerinnen und W&auml;hler, selbst wenn nicht reflektiert und durchdacht, der SPD und ihrem Bundeskanzler und Parteisekret&auml;r M&uuml;ntefering &uuml;belgenommen. Und dann machte die SPD-F&uuml;hrung Schr&ouml;ders Assistenten im Bundeskanzleramt, den ehemaligen Chef des Bundeskanzleramtes Steinmeier, auch noch zum Kanzlerkandidaten. Die SPD verlor dann zwischen 2005 und 2009 11,2 % der Zweitstimmen.<\/p>\n<p><strong>Wenn man im Jahre 2018 eine Analyse mit dem anspruchsvollen Titel &bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo; schreibt, dann kann man doch an diesen Vorg&auml;ngen nicht vorbeigehen!<\/strong><\/p>\n<p>Was &uuml;brigens vor 1998 war, interessiert in dieser hier untersuchten Wahlanalyse nicht. Klar, man kann nicht verlangen, dass Wahlanalytiker ein halbes Jahrhundert voll im Blick haben. Aber bei einem solchen Thema muss man dann, wenn man richtige Empfehlungen abgeben will, wenigstens ein bisschen &uuml;ber den eigenen Horizont hinwegblicken.<\/p><\/li>\n<li><strong>An einer Reihe von Abbildungen, namentlich 11, 12 und 13, wird sichtbar, dass der Absturz der Sympathie f&uuml;r die SPD nicht erst in den letzten vier Jahren stattfand.<\/strong>\n<p>Die Kurven f&uuml;r den Verlauf der Wirtschaftskompetenz, der arbeitsmarktpolitischen Kompetenz und der Kompetenz f&uuml;r die Zukunftsfragen sind durchgehend zwischen 2002 und 2013 abgest&uuml;rzt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die SPD hat ihre friedenspolitische Kompetenz aufgegeben &ndash; die Analytiker blenden das aus.<\/strong>\n<p>Abbildung 6 der Analyse gibt eine Grafik der Forschungsgruppe Wahlen wieder. Sie ist &uuml;berschrieben mit &bdquo;Wichtigste Probleme&ldquo;. Es mag ja sein, dass die Sorge der Menschen um den Frieden und die Angst vor einem kriegerischen Konflikt mit Russland bei einer Umfrage nicht zum Tragen kommt. Kann aber auch sein, dass danach gar nicht gefragt worden ist.<\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-05.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-05-small.png\" alt=\"\" title=\"\" width=\"458px\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>Wie auch immer &ndash; wenn man eine Profilplanung und Themen- und Konfliktplanung f&uuml;r den n&auml;chsten Wahlkampf machen will, dann darf man an diesem Thema nicht vorbeigehen. Auch wenn man die Gr&uuml;nde des Niedergangs seit 1980 oder 1972 oder meinetwegen auch erst seit 1998 analysieren will, dann kann man doch an der Au&szlig;enpolitik nicht vorbeigehen. Die Friedenspolitik war sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal der SPD. Sie hat dieses zerst&ouml;rt. Das Thema w&auml;re f&uuml;r eine Wahlanalyse wichtig, wenn sie die Gegenwart und Zukunft mitbestimmen sollte. Denn das, was der sozialdemokratische Au&szlig;enminister Heiko Maas zur Zeit macht, kommt einer Fortsetzung des radikalen Ruins eines wichtigen thematischen Profils der SPD gleich.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Wahlanalytiker bieten der SPD-F&uuml;hrung wie sooft &uuml;blich die Kr&uuml;cke an, die SPD habe ihre Erfolge schlecht verkauft.<\/strong> Sie tun dies beim Thema Mindestlohn. Siehe hier auf Seite 19:<br>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Selbst das Thema Mindestlohn konnte der SPD nicht eindeutig zugeordnet werden, ein Problem, welches die SPD als kleinerer Koalitionspartner besonders hart trifft: Sie wurde f&uuml;r wenig popul&auml;re Dinge in Mithaftung genommen, war aber auch bei der Durchsetzung popul&auml;rer Dinge immer nur mit dabei.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist richtig, dass man als kleinerer Koalitionspartner Schwierigkeiten hat, seine Politik gut zu verkaufen. Aber erstens gilt im konkreten Fall auch, dass der durchgesetzte Mindestlohn gro&szlig;e Schw&auml;chen hat und au&szlig;erdem die Kenner sehr genau wissen, wie lange die SPD gebraucht hat, diese Reform durchzusetzen und dass sie dies eben nicht getan hat, als sie noch die Kanzlerschaft innehatte. Also an der Verkaufe alleine liegt das nicht. Zweitens kann man sich auch als Juniorpartner anders positionieren. Man muss dann allerdings den Mut haben, in offensive Auseinandersetzungen mit dem gr&ouml;&szlig;eren Partner einzutreten. Daf&uuml;r, dass das geht, gibt es gute Belege in der fr&uuml;heren gro&szlig;en Koalition von 1966-1969.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist auch noch an die Verantwortung f&uuml;r die Umgestaltung der Altersvorsorge zu erinnern. Auch wenn man sich sehr gut verkauft, kann man aus dem, was gerade die neue SPD-Vorsitzende und fr&uuml;here Arbeitsministerin Nahles mit der Rentenversicherung angestellt hat, keine Erfolgsgeschichte machen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Interessant ist, wie die Wahlanalytiker mit der Notwendigkeit umgehen, eine Regierungsoption, eine Option f&uuml;r eine Kanzlermehrheit darzustellen: Hasenf&uuml;&szlig;ig.<\/strong>\n<p>Ich zitiere von Seite 30 der Wahlanalyse:<\/p>\n<blockquote><p>\nLediglich 33 Prozent der Befragten bewerteten eine Koalition von SPD und Linkspartei positiv. Rot-rot-gr&uuml;n wurde mit 61 Prozent noch deutlicher abgelehnt. Eine Koalition ins Spiel zu bringen, die vom Wahlvolk nicht gewollt wird, ist h&auml;ufig der direkte Pfad in die Niederlage. &hellip;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das bezog sich auf die Landtagswahl im Saarland. Und weiter zur Bundeskonstellation:<\/p>\n<blockquote><p>\nNach wie vor gilt, dass eine rot-rot-gr&uuml;ne Koalition im Bund auf mehr Ablehnung als Zustimmung st&ouml;&szlig;t (siehe Abbildung 26). Das Dilemma f&uuml;r die SPD: <strong>Einserseits ist sie gut beraten, das Vorhaben nicht explizit anzuk&uuml;ndigen, andererseits muss sie eine realistische Machtperspektive aufzeigen.<\/strong>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die entscheidende Passage ist von mir gefettet. Sie zeigt, wie schlecht die SPD von solchen Analytikern beraten ist. <strong>Denn wenn eines sicher ist: ohne ein klares Bekenntnis und eine strategische &Ouml;ffentlichkeitsarbeit zugunsten einer &bdquo;realistischen Machtperspektive&ldquo; wird sich das Meinungsbild nicht &auml;ndern. <\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe meines politischen Lebens, auch als Wahlkampfberater und Wahlkampfmacher, hatten wir h&auml;ufig Situationen, bei denen es f&uuml;r die eigene Position keine Mehrheit gab. Dann haben wir darum gek&auml;mpft und haben die Mehrheit erobert. Ein gutes Beispiel daf&uuml;r ist die Anerkennung der Oder-Nei&szlig;e-Grenze. Daf&uuml;r gab es 1968, als die SPD auf ihrem N&uuml;rnberger Parteitag in einer harten Auseinandersetzung sich zu diesem notwendigen Schritt bekannte, keine Mehrheit. Ohne die Anerkennung der Oder-Nei&szlig;e-Grenze w&auml;re die gesamte Ostpolitik aber nicht m&ouml;glich gewesen. Keine Verst&auml;ndigung mit Tschechien, keine Verst&auml;ndigung mit Polen, keine Verst&auml;ndigung mit der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Wie kann man nur so hasenf&uuml;&szlig;ige Analysen machen! Analysen ohne Zukunftsperspektiven. Und das schreiben die Analytiker ja selbst auch noch auf! Von einem Dilemma zu reden, macht doch keinen Sinn. Da muss man von solchen Analytikern erwarten, dass sie wenigstens andeuten, dass man eine solche Konfliktsituation aufl&ouml;sen kann, zum Beispiel durch ein offensives Bekenntnis zu Rot-Rot-Gr&uuml;n. Offensichtlich haben die Analytiker Angst vor dem Rausschmiss durch die von den Seeheimern bestimmte Vorstandsverwaltung der SPD.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zum Schluss pr&uuml;fe ich einfach nochmal durch, ob in der Analyse der f&uuml;nf Analytiker bei den wichtigsten Themen der Vergangenheit und Gegenwart &ndash; mit Blick auf die Zukunft &ndash; beachtet worden ist, was es hei&szlig;en w&uuml;rde, aus Fehlern zu lernen:<\/strong>\n<ul>\n<li>Fehler Kosovo-Krieg und andere Beteiligungen an kriegerischen Eins&auml;tzen: lernen nicht empfohlen<\/li>\n<li>Fehler Riester-Rente und Teilprivatisierung der Altersvorsorge: lernen nicht empfohlen<\/li>\n<li>Fehler Agenda 2010 und Hartz IV: da war nur falsch, dass diese sogenannte Reform kommunikativ angeblich nicht richtig begleitet worden war.<\/li>\n<li>Fehler kein Frieden mit Russland: lernen nicht empfohlen.<\/li>\n<li>Fehler Putin-Bashing. Lernen nicht empfohlen<\/li>\n<li>Fehler Ostpolitik vernachl&auml;ssigt und aufgegeben. Lernen nur insoweit empfohlen, als der Begriff besetzt werden soll<\/li>\n<li>Fehler NATO-Osterweiterung und Aufgabe der friedenspolitischen Kompetenz: lernen nicht empfohlen<\/li>\n<li>Fehler keine Distanz zu USA und ihrem imperialen Gehabe. Nichts Entscheidendes empfohlen<\/li>\n<li>Fehler mangelhafter Umgang mit der Medienbarriere. Fehler nicht gesehen, nichts empfohlen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li><\/ol>\n<\/li>\n<p><strong>Eines kann man abschlie&szlig;end festhalten. Wenn sich die SPD-F&uuml;hrung auf solchen Analysen abst&uuml;tzt, dann wird sie den weiteren Absturz nicht verhindern k&ouml;nnen und nicht aus dem 20-%-Ghetto herauskommen.<\/strong>\n<\/p><li><strong>Es folgen die Seiten 106 und 107 der Wahlanalyse:<\/strong>\n<p><strong>&bdquo;Zum guten Schluss <\/strong><\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Es liegen viele Herausforderungen vor der Parteif&uuml;hrung. Sie ernsthaft und konzentriert anzugehen, wird ein Kraftakt, den die Parteif&uuml;hrung nicht alleine wird stemmen k&ouml;nnen. Alle Mitglieder auf allen Ebenen m&uuml;ssen ihren Beitrag dazu leisten. Manche der Vorschl&auml;ge werden leicht zu realisieren sein, andere werden auf Widerst&auml;nde sto&szlig;en. Parteif&uuml;hrung und Parteivorstand d&uuml;rfen Kritik nicht ignorieren, und doch sind sie gefordert, mutig voranzugehen. Es muss klar sein: Nach der Wahl ist vor dem Wahlkampf. Die Vorbereitung einer erfolgreichen Wahlkampagne beginnt am Tag Eins nach der gerade stattgefundenen Wahl.<\/p>\n<p><strong>&mdash; Verkrustungen aufbrechen<\/strong><\/p>\n<p>Das Denken in Lagern und Fl&uuml;geln, in Parlamentarische Linke und Seeheimer, in Netzwerker, Refos und Stamokap ist eine Sichtweise von gestern. Dahinter steckt ein Politikverst&auml;ndnis, das au&szlig;erhalb der Partei niemand mehr versteht und das nicht mehr vermittelbar ist. Der Respekt im internen Umgang, auch in der Auseinandersetzung, muss sich von einer Leerformel zu einer gelebten Selbstverst&auml;ndlichkeit entwickeln. <\/p>\n<p>Die kollektive Verantwortungslosigkeit, die die letzten Jahre gepr&auml;gt hat, muss ein Ende finden. Deshalb muss die F&uuml;hrungsspitze in Pr&auml;sidium und Parteivorstand verschlankt und Verantwortung neu definiert und zugeschrieben werden. Klar muss aber auch sein: Jeder Genosse, jede Genossin &ndash; vom einfachen Mitglied bis hinauf zum Pr&auml;sidiumsmitglied &ndash; tr&auml;gt Verantwortung f&uuml;r den Zustand der Partei, im Guten wie im Schlechten. <\/p>\n<p>Das Willy-Brandt-Haus braucht einen komplett neuen Zuschnitt. Es muss zuallererst in der Lage sein, Kampagnen zu organisieren, nicht Jubil&auml;en, Podiumsdiskussionen und Preisverleihungen. Diesem Ziel ist alles andere unterzuordnen. Dazu geh&ouml;rt eine Politik der flachen Hierarchien, der offenen T&uuml;ren, der Weitergabe von Wissen und der vertrauensvollen Kommunikation. Daf&uuml;r muss die Parteizentrale in ein kommunikatives Kraftzentrum umger&uuml;stet werden, falls n&ouml;tig inklusive geb&auml;udetechnischer Umbauten.<\/p>\n<p>In den Arbeitsbereichen der Parteizentrale m&uuml;ssen Personalentwicklung, Personalaufbau und Qualifizierung der Besch&auml;ftigten und F&uuml;hrungskr&auml;fte vorangetrieben werden. Ma&szlig;nahmen f&uuml;r ein strukturiertes Ein- und Aussteigen neuer MitarbeiterInnen muss festgeschrieben werden. <\/p>\n<p>Die Parteischule sollte modifiziert, die Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und den Bildungstr&auml;gern der Landesparteien intensiviert werden. Neue Ortsvereins- und Unterbezirksvorsitzende sollten Qualifizierungsangebote erhalten, ebenso wie KandidatInnen der Landtage, des Bundestages und des Europ&auml;ischen Parlaments &ndash; und zwar fr&uuml;hzeitig und verpflichtend. Mandatstr&auml;gerInnen erfahren auf Wunsch Coaching und Begleitung bei der Parlamentsarbeit. <\/p>\n<p>Das Kompetenzgerangel unter den verschiedenen Kraftzentren im WBH muss ein Ende haben. Eine kampagnenf&auml;hige Partei braucht ein strategisches Zentrum. Ein Zentrum, das eingespielt und divers besetzt ist. <\/p>\n<p>Der Prozess der Entscheidung &uuml;ber die Kanzlerkandidatur muss neu gekl&auml;rt werden. Der Personalvorschlag muss von der Parteif&uuml;hrung gemacht werden, bei mehreren KandidatInnen muss die Entscheidung von den Mitgliedern getroffen werden.  <\/p>\n<p>Sollten mehrere KandidatInnen im Rennen sein, m&uuml;ssen sie an der Kampagnenentwicklung beteiligt werden, die Wahlkampfleitung muss Prokura haben, unterschiedliche Kampagnen entwickeln zu k&ouml;nnen. <\/p>\n<p><strong>&mdash;  Neue Kommunikationsstrategie<\/strong><\/p>\n<p>Unabdingbar ist die (Wieder-)Entdeckung einer strategischen Kommunikation. Dazu geh&ouml;rt ein\/e profilierte\/r KommunikationschefIn, der durchdeklinierte Einsatz von Begriffen, Sprache und Bildern. Das Agenda-Setting und Framing muss unabh&auml;ngig von Wahlkampagnen zum Alltagsgesch&auml;ft werden. Dazu geh&ouml;rt eine konsequent auf 360 Grad ausgerichtete Kommunikationsstruktur. Das Nebeneinander von Presse, Social-Media, Targeting, &Ouml;ffentlichkeitsarbeit, Werbung und analoger Kommunikation muss beendet werden. Das WBH muss rund um die Uhr kommunikationsf&auml;hig sein. Dazu geh&ouml;rt auch eine substanziell ausgestattete Social-Media-Task-Force.<\/p>\n<p><strong>&mdash;  Den pragmatischen Mittelweg verlassen<\/strong><\/p>\n<p>Die SPD muss sich wieder eine Haltung zulegen und daraus Politik ableiten. Sie muss sich in den wesentlichen Fragen der Zeit wieder ein Profil erarbeiten. Die SPD wird, kann und muss es nicht allen W&auml;hlerInnen und auch nicht allen GenossInnen Recht machen. Keine Haltung erkennbar werden zu lassen, um niemanden zu verschrecken, f&uuml;hrt dazu, am Ende alle zu verlieren. <\/p>\n<p><strong>&mdash;  Koordination Bund &ndash; L&auml;nder &ndash; Kommunen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der dramatischen Niederlage hat die SPD in vielen Kommunen, L&auml;ndern und im Bund eine Gestaltungsmacht. Die M&ouml;glichkeiten aus der Regierungsbeteiligung m&uuml;ssen enger koordiniert und sichtbarer genutzt werden.<\/p>\n<p><strong>&mdash;  Allianzen pflegen<\/strong><\/p>\n<p>Die SPD muss wieder B&uuml;ndnisse suchen, auch neue B&uuml;ndnispartner. Wenn die SPD f&uuml;r Kampagnen prominente Unterst&uuml;tzerInnen sucht, muss sie den Kontakt langfristiger und ernsthafter pflegen als bisher. Auch neue Kooperationen mit der Zivilgesellschaft sind zwingend erforderlich: Das gilt fl&auml;chendeckend, aber besonders f&uuml;r die Regionen, in denen die SPD strukturell gar nicht mehr in der Lage ist, sich als k&uuml;mmernder Ansprechpartner zu pr&auml;sentieren.<\/p>\n<p>Auch innerhalb der Partei braucht es neue B&uuml;ndnisse, besonders f&uuml;r die Landesverb&auml;nde, die deutliche strukturelle Probleme aufweisen. Helfen kann der Aufbau einer permanenten Campaign-Gruppe. Enthusiastische und erfahrene Leute, die bereits Monate vor der Wahl in die Landesverb&auml;nde entsendet werden, um diese (wieder) kampagnenf&auml;hig zu machen.<\/p>\n<p><strong>&mdash;  Probleme konkret l&ouml;sen<\/strong><br>\nDas L&ouml;sen von lebensnahen Problemen muss einen h&ouml;heren Stellenwert bekommen. Das setzt einen wacheren, schnelleren und auch unkonventionelleren Politikstil voraus. Die SPD wird nur Vertrauen und Glaubw&uuml;rdigkeit zur&uuml;ckgewinnen, wenn sie auf konkrete Herausforderungen konkrete L&ouml;sungen anbieten kann, wenn sie einen brennenden Ehrgeiz entwickelt, auf sich abzeichnende M&auml;ngel und Engp&auml;sse fr&uuml;her, schneller und effizienter zu reagieren.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180614-Wahlanalyse-01.png\" alt=\"\" title=\"\" width=\"250px\"\/><\/div>\n<p>&bdquo;Aus Fehlern lernen&ldquo; ist die am 11. Juni vom Generalsekret&auml;r der SPD ver&ouml;ffentlichte Wahlanalyse &uuml;berschrieben. Bei einer ersten Durchsicht fand ich die Analyse so unzureichend, dass NachDenkSeiten-Leser damit am besten gar nicht bel&auml;stigt werden sollten. Aber diese &bdquo;Analyse&ldquo; wird offenbar ernstgenommen. In meiner<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44640\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[191,190],"tags":[1550,635,718,284,2013,380,1055,401,2175,1080,1151,246,251,1407,317,397,359,288,273,411,1193,252,2332,255,1347],"class_list":["post-44640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spd","category-wahlen","tag-agenda-2010","tag-altersarmut","tag-bundestagswahl","tag-deregulierung","tag-entspannungspolitik","tag-export","tag-fluechtlinge","tag-gabriel-sigmar","tag-interventionspolitik","tag-kanzlerkandidat","tag-konjunkturpolitik","tag-linke-mehrheit","tag-muentefering-franz","tag-medienbarriere","tag-mindestlohn","tag-ostpolitik","tag-parteistroemungen","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-privatvorsorge","tag-schroeder-gerhard","tag-schulz-martin","tag-steinmeier-frank-walter","tag-volkspartei","tag-wahlanalyse","tag-wahlkampf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44640"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44648,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44640\/revisions\/44648"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}