{"id":44700,"date":"2018-06-29T09:30:05","date_gmt":"2018-06-29T07:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44700"},"modified":"2018-12-30T14:23:45","modified_gmt":"2018-12-30T13:23:45","slug":"die-kinder-kaefige-der-homeland-security-die-usa-und-die-hintergruende-der-migrations-tragoedie-in-zentralamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44700","title":{"rendered":"Die Kinder-K\u00e4fige der Homeland Security \u2013 Die USA und die Hintergr\u00fcnde der Migrations-Trag\u00f6die in Zentralamerika"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180629-Kinder-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Tage nach dem anhaltenden, weltweiten Aufschrei gegen Bilder von der Gefangenschaft sowohl unbegleiteter als auch ihren Familien entrissener, zentralamerikanischer Kinder und Jugendlicher in Metallk&auml;figen an verschiedenen Abschnitten der S&uuml;dgrenze der USA hat Pr&auml;sident Donald Trump am vergangenen 20. Juni den Befehl zur Familientrennung zumeist illegal eingewanderter mittelamerikanischer Migranten vorerst zur&uuml;ckgenommen. Im gleichen Atemzug stie&szlig; der Staatschef der USA jedoch neue Drohungen aus: &bdquo;Wir werden aber eine sehr energische Grenze weiterf&uuml;hren, es besteht weiterhin Null-Toleranz f&uuml;r Menschen, die illegal in unser Land kommen&ldquo;. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Versch&auml;rfung der &bdquo;Null-Toleranz&ldquo;-Politik gipfelt nun in der Negation der Rechtsprechung: Migranten, die illegal in die USA einreisen, sollen fortan ohne Anspruch auf richterliche Anh&ouml;rung und ordentlichen Prozess an Ort und Stelle ausgewiesen werden. Trumps &bdquo;energische Grenze&ldquo; darf man sich allerdings nicht als Synonym f&uuml;r geordnetes, geschweige denn als friedliches Terrain vorstellen. Es herrscht Chaos, gestrickt mit nackten und bedrohlichen Fakten.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180629-Kinder-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Eine Tausendschar entf&uuml;hrter, zwangsinternierter und &bdquo;verlorener&ldquo; Kinder<\/strong><\/p><p>Seit dem Amtsantritt des New Yorker Immobilien-Spekulanten, Freizeit-Unternehmers und Milliard&auml;rs als US-Pr&auml;sident am 20. Januar 2017 haben die Beh&ouml;rden der Vereinigten Staaten 3.700 Migranten-Kinder ihren verhafteten Eltern entrissen, warnte Ryan Deveraux im angesehenen Internet-Journal <em>The Intercept<\/em> (The U.S. Has taken more than 3,700 children from their parents &ndash; and has no plan for returning them &ndash; The Intercept, 19. Juni 2018).<\/p><p>Grausam? Leider ist dies nur ein Drittel der vermuteten Wahrheit. Trumps Beschwichtigung, man werde auf Familientrennung verzichten, verschweigt, dass seine Regierung die Spuren 1.500 allein eingereister und zwangsinternierter Minderj&auml;hriger &bdquo;verloren&ldquo; hat. Bereits Ende April konnte man in der <em>New York Times<\/em> lesen, dass zwischen El Paso, an der Grenze zu Mexiko, und Washington DC keine Pfeife der US-Administration wei&szlig;, wo die Kinder abgeblieben sind. So seien die zumeist aus Honduras, El Salvador und Guatemala vor Drogenkartellen, Bandenkriminalit&auml;t und h&auml;uslicher Gewalt geflohenen Kinder in die Obhut der Regierung genommen und nachtr&auml;glich bei sogenannten &bdquo;Sponsoren&ldquo; untergebracht worden, nachdem sie allein an der S&uuml;dwestgrenze der USA aufgetaucht waren.<\/p><p>Zwischen Oktober und Dezember 2017 hatte das Amt f&uuml;r Fl&uuml;chtlingsumsiedlung des Ministeriums f&uuml;r Gesundheit und Sozialf&uuml;rsorge versucht, Kontakt zu 7.635 Migranten-Kindern und ihren privaten &bdquo;F&ouml;rderern&ldquo; herzustellen, erkl&auml;rte Steven Wagner, stellvertretender Sekret&auml;r der Agentur f&uuml;r Kinder- und Familienangelegenheiten vor Kongressabgeordneten. Dabei erfuhren die Beamten, dass 6.075 Kinder zwar bei ihren Sponsoren geblieben, 52 umgezogen, 28 weggelaufen, 5 aus den Vereinigten Staaten &bdquo;entfernt&ldquo; worden waren, jedoch auch, dass die Agentur fast 1.500 Migrantenkinder, die sie bei Sponsoren untergebracht hatte, &bdquo;aus den Augen verloren habe&ldquo; (Federal Agencies Lost Track of Nearly 1,500 Migrant Children Placed With Sponsors &ndash; 26. April 2018).<\/p><p>Die Horrorgeschichte nimmt damit leider immer noch kein Ende. <em>Democracy Now<\/em> konnte erfahren, dass 20.000 Minderj&auml;hrige und Kinder nun auf Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten der US-Army in Texas und Arkansas interniert werden sollen (Military Prepares Four Bases to Hold 20,000 Immigrant Children &ndash; 22. Juni 2018). Ein Pentagon-Sprecher erkl&auml;rte, die St&uuml;tzpunkte w&uuml;rden &bdquo;unbegleitete ausl&auml;ndische Kinder&rdquo; beherbergen, jedoch wird vermutet, dass nach der Entscheidung Trumps, Familientrennungen zu beenden, fortan ganze Familien auf unbestimmte Zeit vom Milit&auml;r beaufsichtigt werden sollen, w&auml;hrend die Gerichte einen Antrag des Justizministeriums pr&uuml;fen, der die Inhaftierung von Familien auf 20 Tage begrenzen soll.<\/p><p>Wie aber soll die Familienzusammenf&uuml;hrung &uuml;berhaupt praktiziert werden, wenn hunderte, wenn nicht gar tausende M&uuml;tter daran verzweifeln, dass sie nicht wissen, wo ihre beim Versuch der illegalen Einreise mitgebrachten Kinder abgeblieben sind, wie Jonathan Blitzer von der Zeitschrift <em>The New Yorker<\/em> erfuhr (Mothers in a New Mexico Prison Do Not Know How to Find Their Children -21. Juni 2018).<\/p><p>Zigtausenden Kindern geht es wie dem 9-j&auml;hrigen brasilianischen Jungen A., der in einem Auffanglager im texanischen Baytown verzweifelt nach seiner Mutter flehte, der er Ende Mai entrissen worden war, bis er am vergangenen 22. Juni von Felipe Santarosa, dem stellvertretenden brasilianischen Konsul in Houston, besucht wurde und zum ersten Mal nach drei Wochen sich in seiner Muttersprache Portugiesisch verst&auml;ndigen und anschlie&szlig;end mit seiner an einem anderen Ort inhaftierten Mutter am Telefon sprechen durfte (Detido em abrigo nos EUA, menino brasileiro diz ter ficado 20 dias sem falar com a m&atilde;e &ndash; Jovem Pan, 23. Juni 2018).<\/p><p>Gleichwohl hatte A. &ldquo;Gl&uuml;ck&ldquo;. Klagen gegen grobe Menschenrechtsverletzungen mehren sich. Wie die <em>New York Times<\/em> berichtete, wies Virginias Gouverneur Ralph Northam Staatsbeamte an, Misshandlungen von Kindern in einer Einwanderungshaftanstalt zu untersuchen. Die Kinder beklagten, sie seien mit Handschellen gefesselt, lange Zeit in Einzelhaft, nackt und zitternd in Betonzellen gehalten und geschlagen worden. Wachen sollen Prellungen und Knochenbr&uuml;che durch Schl&auml;ge verursacht haben. Die Untersuchung begann erst, nachdem eine gerichtliche B&uuml;rgerrechtsklage mit einem halben Dutzend eidesstattlicher Aussagen von Jugendlichen aus Lateinamerika gegen die Jugendhaftanstalt Shenandoah Valley eingereicht wurde (Governor Orders Probe of Abuse Claims by Immigrant Children &ndash; NYT, 21. Juni 2018).<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180629-Kinder-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Familientrennung als Faustpfand zur Abschreckung<\/strong><\/p><p>In einer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Stellungnahme zu den politischen Gesch&auml;ften ihres kontroversen Ehemannes hatte first lady Melania Trump die Familientrennung &ouml;ffentlich kritisiert und war allein &ndash; doch wie zu vermuten ist, vom Ehemann dazu angetrieben &ndash; zu einem Migranten-Auffanglager an der mexikanischen Grenze aufgebrochen. Allerdings in eine Windjacke gekleidet mit dem provokativen Spruch auf dem R&uuml;cken, &bdquo;I really don&acute;t care&rdquo;. Was hatte das zu bedeuten? Zwei Tage sp&auml;ter schob der Pr&auml;sident zur Verteidigung seiner Ehefrau per Twitter nach:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;I really don&acute;t care, geschrieben auf dem R&uuml;cken von Melanias Jacke, bezieht sich auf die Fake News der Medien. Melania hat inzwischen gelernt, wie unehrlich sie sind, und es k&uuml;mmert sie wirklich nicht mehr!&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Damit bezog sich Trump u.a. auf die millionenfache Verbreitung von Fotos und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Yvuhqsgk0I4\">Tonaufnahmen<\/a>, auf denen zum Teil weinende zentralamerikanische Kleinkinder in Metallk&auml;figen abgebildet wurden und zu h&ouml;ren waren. Einzelne Fotos konnten tats&auml;chlich als bewusste Irref&uuml;hrung, im besten Fall als nicht recherchierter Fehlgriff beim Protest gegen Trump identifiziert werden. Ein Pressefoto bildete einen kleinen Jungen ab, der vor einigen Monaten w&auml;hrend eines Protestes in Washington gegen diese Praxis von seinen Eltern symbolhaft f&uuml;r ein paar Minuten in einen K&auml;fig gesteckt worden war. Ein anderes Bild stammte aus dem Jahr 2014, also aus Zeiten der Barack-Obama-Administration.<\/p><p>Gleichwohl flutete auch eine Vielzahl aktueller, authentischer K&auml;figbilder und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=w3xmqxoHu9k\">Videos<\/a> mit eingekerkerten Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern die Medien, zum Teil selbst aufgenommen von der Zoll- und Grenzschutzbeh&ouml;rde Customs &amp; Border Protection, jedoch auch registriert von den Agenturen France Press und der amerikanischen Associated Press.<\/p><p>Die wildtier&auml;hnliche Einsperrung tausender Migranten in Metallk&auml;figen ist nichts Neues. Sie begann unter der Regierung George Bush Jr. (2001-2009), wurde w&auml;hrend der Amtszeit Barack Obamas (2009-2017) fortgesetzt und wird versch&auml;rft von der Trump-Administration angewendet. Die Analogie zu den in Guantanamo-Bay seit Jahren ohne Gerichtsurteil in &auml;hnlichen K&auml;figen dahinschmachtenden Terrorverd&auml;chtigen war naheliegend und stie&szlig; auf weltweite Abscheu.<\/p><p>Die Scharfmacher hinter der neuen Devise &bdquo;Zero Tolerance&ldquo; &ndash; die seit April 2018 praktizierte massenhafte Trennung von Familien und Kriminalisierung illegaler Zuwanderer &ndash; sind Generalstaatsanwalt Jeff Sessions und Kirstjen Nielsen, langj&auml;hrige Sicherheitsbeauftragte der Republikaner und seit 2017 amtierende Ministerin f&uuml;r das nach den Attentaten von 2001 geschaffene Ressort f&uuml;r den sogenannten Heimatschutz (Homeland Security), das mit einem Haushalt von 40,6 Milliarden Dollar (2017) zur Zeit 229.000 Beamte besch&auml;ftigt und au&szlig;er der Nationalgarde auch die US-Army zur potenziellen Bek&auml;mpfung inl&auml;ndischer Aufst&auml;nde in Erw&auml;gung zieht.<\/p><p>&bdquo;Zero Tolerance&ldquo; wurde im September 2016 w&auml;hrend Trumps emotionsgeladenem und von wilden Unterstellungen gepr&auml;gtem Wahlauftritt in Ph&ouml;nix geboren, als der damalige Kandidat der Republikaner drohte, es werde keine Amnestie f&uuml;r Migranten geben, ferner die mittlerweile durchgesetzte Streichung eines von Barack Obama geschaffenen Sozialprogramms f&uuml;r 800.000 Migranten-Kinder ank&uuml;ndigte und seinen jubelnden wei&szlig;en, ausl&auml;nderfeindlichen W&auml;hlern die Vision von einer mexikanischen Grenzmauer und der Massenvertreibung &bdquo;krimineller Ausl&auml;nder&ldquo; in die Hirne <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/us-news\/2016\/sep\/01\/donald-trump-vows-to-deport-millions-during-first-hour-in-office-in-hardline-speech\">einh&auml;mmerte<\/a>.<\/p><p>Jorge Ramos, ein popul&auml;rer, konservativer, zentralamerikanischer Journalist der Fernsehkette Univis&oacute;n <a href=\"https:\/\/twitter.com\/jorgeramosnews\/status\/1008132066381369344\">twitterte<\/a> am 16. Juni, &bdquo;Die Trennung von Kindern von ihren Eltern verst&ouml;&szlig;t gegen das &Uuml;bereinkommen gegen Folter und das &Uuml;bereinkommen &uuml;ber die Rechte von Kindern der Vereinten Nationen &hellip;&ldquo;. Henry A. Giroux, renommierter US-P&auml;dagoge und Buchautor, bezeichnete in der einflussreichen, linken US-Internet-Zeitschrift <em>Counterpunch<\/em> die Familientrennungen und die Kinder-K&auml;fige als &bdquo;Trumps Krieg gegen die Kinder&ldquo; und &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2018\/06\/20\/trumps-war-on-children-is-an-act-of-state-terrorism\/\">Staatsterror<\/a>&ldquo;. &bdquo;Ich lebe in einem Grenzstaat, ich sch&auml;tze die Notwendigkeit, unsere internationalen Grenzen durchzusetzen und zu sch&uuml;tzen, aber diese Null-Toleranz-Politik ist grausam, sie ist unmoralisch und sie bricht mir das Herz&rdquo;, schrieb Laura Bush, Ehefrau des republikanischen Ex-Pr&auml;sidenten George W. Bushs, in der <em>Washington Post<\/em>.<\/p><p>Jedenfalls, vom linken bis zum rechtsstaatlich-konservativen Medienspektrum war sich schon Ende 2017 die Mehrheit der Autoren und Autorinnen darin einig, dass die Kinder als Faustpfand zur Abschreckung der legalen und illegalen Massenmigration in Richtung USA benutzt werden. <\/p><p>&bdquo;Einwanderungsbef&uuml;rworter haben den Plan (der Familientrennung) als unmenschlich und grausam &hellip; angeprangert, doch einzelne Trump-Beamte halten es f&uuml;r ein geeignetes Mittel zur Abwendung der illegalen Einwanderung, schrieb Michelle Mark im konservativen <em>Business Insider<\/em> (The Trump administration is weighing splitting up immigrant families who cross the border illegally &ndash; 22. Dezember 2017). Mit der Beschreibung detaillierter Hintergr&uuml;nde der illegalen Festnahme von zentralamerikanischen Minderj&auml;hrigen gelangte das mexikanische Nachrichtenportal 24 HorasMx zur gleichen Einsch&auml;tzung (Separaci&oacute;n familiar en la frontera, estrategia para disuadir entrada de indocumentados a EU: Expertos &ndash; 24 HorasMx, 26. April 2018).<\/p><p><strong>Massendeportationen unter 11 Millionen illegalen Einwanderern<\/strong><\/p><p>Verglichen mit dem Ph&auml;nomen der zentralamerikanischen Massenflucht ist der Fl&uuml;chtlingsansturm aus Nahost und Afrika auf die Europ&auml;ische Union eine anekdotische Fu&szlig;note, derart massiv ist der Druck auf die S&uuml;dgrenze der USA, zumal von der illegalen Einwanderung. Nach Erhebungen des Pew Research Center erlebten die USA zwischen den 1990-er Jahren und 2007 einen kolossalen Anstieg illegaler Immigranten von sch&auml;tzungsweise 3,5 Millionen auf den <a href=\"http:\/\/www.pewresearch.org\/fact-tank\/2016\/09\/21\/unauthorized-immigrant-population-stable-for-half-a-decade\/\">H&ouml;chststand von 12,2 Millionen Menschen<\/a>, der seitdem jedoch r&uuml;ckl&auml;ufig ist. Die Sch&auml;tzungen decken sich mit den vom Zentrum f&uuml;r Migrationsstudien gemeldeten Trends, wonach die Zahl der illegal in den USA lebenden 10,9 Millionen Ausl&auml;nder im Januar 2016 zwar auf den niedrigsten Stand seit 2003 gesunken sei, jedoch liegen den US-Beh&ouml;rden zurzeit immerhin 600.000 Asylantr&auml;ge vor.<\/p><p>Von den Regierungen Barack Obama und Donald Trump wurden zwischen 2014 und Ende 2017 rund 180.000 Zentralamerikaner und Zentralamerikanerinnen deportiert, die H&auml;lfte davon waren Minderj&auml;hrige (El gobierno de Trump cancela programa de refugiados para ni&ntilde;os centroamericanos &ndash; Univisi&oacute;n, 16. August 2017). Die von Trump und der Homeland Security verbreitete Kampfparole lautet, die Migranten h&auml;tten die USA mit Verbrechen &uuml;berzogen und stellen eine Gefahr f&uuml;r die &ouml;ffentliche Sicherheit dar.<\/p><p>Die Unterstellung hat jedoch mit der Realit&auml;t und der Wahrheit nichts zu tun, vielmehr kaschiert sie ausl&auml;nderfeindliche und rassistische Motivationen der Stammw&auml;hler Trumps und des Deep State. Aus verschiedenen Studien sei zu entnehmen, dass Migranten weniger Verbrechen begehen als geb&uuml;rtige US-Amerikaner, berichtete die <em>New York Times<\/em> bereits wenige Tage nach Donald Trumps Amts&uuml;bernahme. Laut Experten-Aussagen entbehre die Behauptung, dass undokumentierte Einwanderer einen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohen Anteil an den in den USA begangenen Verbrechen h&auml;tten, jeglicher Beweise.<\/p><p>Ganz im Gegenteil haben Untersuchungen der Volksz&auml;hlungs-Eckdaten aus den Jahren 1980 bis 2010 ergeben, dass die Zahl inhaftierter Einwanderer im Alter zwischen 18 und 49 Jahren etwa 20 Prozent, h&ouml;chstens 50 Prozent der Zahl inhaftierter, geb&uuml;rtiger US-Amerikaner ausmachte; ein Szenario, das auch vom Justizministerium best&auml;tigt wird, wonach maximal 5 Prozent der Strafanstalt-Insassen Ausl&auml;nder sind. (Contrary to Trump&rsquo;s Claims, Immigrants Are Less Likely to Commit Crimes &ndash; NYT, 26. Januar 2017).<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180629-Kinder-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180629-Kinder-04-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Der lange Fu&szlig;marsch mit den Coyoten &ndash; der Fall Honduras<\/strong><\/p><p>Bei der Beschreibung der Hintergr&uuml;nde des zentralamerikanischen Massen-Exodus in Richtung USA merkt der recherchierende Autor allerdings, wie sich seine eigenen Sinne gegen die eiskalte Statistik aufb&auml;umen. Zu barbarisch sind doch diese Zeiten und grausam die Ironie, dass eine Menschenschar dazu bereit ist, einen tausende Kilometer langen Marsch der Entbehrungen und Ersch&uuml;tterungen auf sich zu nehmen, um ausgerechnet der Wiege ihres Leids, jedoch als Fata Morgana des &bdquo;gelobten Landes&rdquo;, in die Arme zu laufen. Woher kommen diese Frauen, Jugendlichen und Kinder, die in der Anonymit&auml;t der verhassten und gepeinigten Migranten untergehen, und was treibt sie zu tagelangen, gef&auml;hrlichen Abenteuern in Richtung der US-Grenze?<\/p><p>Nehmen wir den Fall Honduras. Im Jahr 2016 lebten in dem kleinen zentralamerikanischen Land 9,1 Millionen Menschen. Weniger als ein Jahrzehnt zuvor, da waren es noch fast 10,5 Millionen. Bei Anbruch des neuen Millenniums erreichte der Exodus zur Verwirklichung des &ldquo;Amerikanischen Traums&rdquo; alarmierende Ausma&szlig;e. Der Migranten-Ansturm aus Guatemala, El Salvador und Honduras &ndash; das n&ouml;rdliche mittelamerikanische Dreieck, genannt &ldquo;Triangulo del Norte&ldquo; &ndash; &uuml;berholte gar die Zahl der traditionellen mexikanischen Grenz&uuml;berschreitungen. Hunderttausende brachen auf in Richtung Norden und lie&szlig;en alles zur&uuml;ck &ndash; alte Hoffnungen, die Familie und das f&uuml;r die lange, unsichere Reise geopferte wenige Hab und Gut.<\/p><p>Die in den 1990-er Jahren gegr&uuml;ndete honduranische Rockband Delirium widmete ihren Landsleuten den ergreifenden Song &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dF5uKDV6no4\">Hermanos en el dolor<\/a>&rdquo; (&bdquo;Br&uuml;der im Schmerz&ldquo;), der die 4.000 Kilometer lange, waghalsige Fahrt, unterbrochen von h&auml;ufigen Fu&szlig;m&auml;rschen durch Narco-Gebiete, ausged&ouml;rrte Landschaft und lauerndem Milit&auml;r und Polizei mit realistischer Poesie beschreibt &ndash; Leidenswege, die nicht selten ohne ortskundige F&uuml;hrer in Hunger und Durst gipfeln, weshalb Menschengruppen st&auml;ndig durch Grenzpatrouillen gerettet werden.<\/p><blockquote><p>\nHin und her irrend<br>\nin dieser unendlichen W&uuml;ste<br>\nzwischen seelenlosem Wind<br>\nund totem Ger&ouml;ll<br>\nAuf dem R&uuml;cken eines jeden Steins<br>\nDa steht dein Schicksal geschrieben<br>\nJe unendlicher der weite Weg,<br>\nUmso n&auml;her blickt es dich an.<\/p>\n<p>Du bist mein Bruder im Schmerz<br>\nGefangene der Gef&uuml;hle blutet die Vernunft<br>\nAuf der Suche eines Traums machte ich mich auf<br>\nAuf der Suche nach der Welt, die ich niemals fand.\n<\/p><\/blockquote><p>Das Reiseabenteuer auf Nebenstrecken mit Umgehung von drei Landesgrenzen &ndash; Guatemala, Mexiko, USA &ndash; wird von einer Zunft heimlich operierender Schlepper betrieben, &ldquo;Coyoten&rdquo; oder &ldquo;Polleros&rdquo; genannt, die bis zu $ 200.000 Lempiras &ndash; umgerechnet 8.000 Dollar &ndash; daf&uuml;r verlangen. Die Coyoten betrachten ihre Fahrg&auml;ste ebenso als &bdquo;Ware&ldquo; wie die Drogentransporte, die sie auf der gleichen Strecke f&uuml;r kolumbianische und mexikanische Narko-Kartelle &bdquo;mit Ehrenwort und termingerecht&ldquo; abliefern.<\/p><p>Auf diese Weise gelangten nach unterschiedlichen Sch&auml;tzungen der Vereinten Nationen und der US-Einwanderungsbeh&ouml;rde in den vergangenen 15 Jahren rund 1 Million Honduraner ins Ausland, davon 800.000 allein in die USA. Doch unter der Administration Barack Obama begannen die Deportationen. Allein 2015 wiesen die USA und Mexiko nach Angaben des Zentrums f&uuml;r die R&uuml;ckkehr von Migranten (CAMR) insgesamt 75.875 Honduraner aus, denen 2016 weitere 56.467 Abschiebungen folgten (Migraci&oacute;n del Tri&aacute;ngulo Norte crece a ritmos alarmantes &ndash; Prensa Libre\/Guatemala, 02. Dezember 2017).<\/p><p><strong>Mit dem Segen der USA<\/strong><\/p><p>Bereits ein Jahr zuvor hatte jedoch der honduranische Kardinal &Oacute;scar Andr&eacute;s Rodr&iacute;guez Maradiaga vor der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten in Washington eine dramatische Rede gegen die Hoffnungslosigkeit, die in Honduras und im &uuml;brigen Mittelamerika herrsche, gehalten. &bdquo;Es ist, als ob jemand in Honduras und anderen zentralamerikanischen L&auml;ndern eine Ader aufgeschnitten h&auml;tte. Angst, &uuml;berw&auml;ltigende Armut und keine Zukunft bedeuten, dass wir unsere Seele, n&auml;mlich unsere Jugend, verlieren. Wenn das so weitergeht, werden die Herzen unserer Region aufh&ouml;ren zu schlagen&rdquo;, lautete die Anklage des Kardinals, dessen Rede von der honduranischen Regierung Juan Orlando Hern&aacute;ndez&lsquo; verboten wurde (Migrantes infantiles son una arteria abierta en Am&eacute;rica Central &ndash; IPS, 17. Juli 2014).<\/p><p>Hern&aacute;ndez wurde &uuml;brigens erst vor wenigen Monaten durch erwiesenen Wahlschwindel im Amt best&auml;tigt und trotz schwerwiegender Anschuldigungen wegen Korruption und Verwicklung in den Drogenhandel von liberalen Parteien Europas &ndash; u.a. der FDP &ndash; und der Trump-Regierung massiv gegen den unterlegenen Kandidaten der progressiven &bdquo;Allianz der Opposition gegen die Diktatur&ldquo;, Salvador Nasralla, unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Vor vier Jahren rechnete Kardinal Maradiaga mit den USA &uuml;ber die massiven Deportationen honduranischer Minderj&auml;hriger ab, stellte jedoch vor allem die chronische Armut und Perspektivlosigkeit f&uuml;r den Massenexodus, insbesondere von Jugendlichen und Kindern, an den Pranger. Entsetzen l&ouml;ste sein Bericht aus &uuml;ber die Angst, die erdr&uuml;ckende Armut, die Arbeitslosigkeit und die Gewalt, die verzweifelte Eltern dazu veranlasse, ihre Kinder zum gef&auml;hrlichen Weg der Migration zu ermutigen, um ihnen damit wenigstens ihr Leben zu retten.<\/p><p>Doch Trump und den Deep State schert es einen Dreck, dass Honduras als Schlachtfeld des sogenannten &bdquo;Krieges gegen die Drogen&ldquo; der US-Drogenbek&auml;mpfungsbeh&ouml;rde DEA genutzt wird, wo 45 Prozent der Bev&ouml;lkerung unterhalb der Armutsgrenze mit 1 Dollar pro Tag leben. Leben?<\/p><p>Mit 79,7 Morden je 100.000 Einwohner avancierte Honduras zum gewaltt&auml;tigsten Land der Welt. &bdquo;Honduras bildet den Mittelpunkt des zentralamerikanischen Isthmus und ist ein Schl&uuml;sselland im mittelamerikanischen Raum. Die N&auml;he zu Guatemala, El Salvador und Nicaragua, ferner die N&auml;he zu Kuba und der Zugang zum Karibischen Meer und durch den Golf von Fonseca zum Pazifik verleihen seinem Gebiet einen strategischen Charakter. Auch der See-, Land- und Luftraum dieser Nation ist zu einer Plattform f&uuml;r die Besetzung durch die US-Marines geworden, die immer noch auf den Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten von Palmerola und Trujillo pr&auml;sent sind.<\/p><p>&bdquo;Das honduranische Territorium wurde zu dem, was Meister Gregorio Selser eine Art &acute;amerikanischer Flugzeugtr&auml;ger auf dem zentralamerikanischen Isthmus nannte&ldquo;, schrieb voller Verachtung Adalberto Santana Hern&aacute;ndez, Professor f&uuml;r Lateinamerika-Studien an der Nationalen Autonomen Universit&auml;t Mexiko und Sachverst&auml;ndiger u.a. f&uuml;r Drogen-Kriminalit&auml;t und Migration (Crisis pol&iacute;tica y social en Honduras &ndash; Blog Telesur, 20. Februar 2018).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180629-Kinder-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Tage nach dem anhaltenden, weltweiten Aufschrei gegen Bilder von der Gefangenschaft sowohl unbegleiteter als auch ihren Familien entrissener, zentralamerikanischer Kinder und Jugendlicher in Metallk&auml;figen an verschiedenen Abschnitten der S&uuml;dgrenze der USA hat Pr&auml;sident Donald Trump am vergangenen 20. 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