{"id":4474,"date":"2010-01-23T09:51:32","date_gmt":"2010-01-23T08:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4474"},"modified":"2014-08-06T11:23:26","modified_gmt":"2014-08-06T09:23:26","slug":"angela-merkel-wird-mit-dem-deutschen-medienpreis-ausgezeichnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4474","title":{"rendered":"Angela Merkel wird mit dem \u201eDeutschen Medienpreis\u201c ausgezeichnet"},"content":{"rendered":"<p>H&auml;tte es eines Belegs f&uuml;r die Unterw&uuml;rfigkeit der Medien unter die Obrigkeit bedurft, so wird er mit der Verleihung mit der Auszeichnung Angela Merkels mit dem Deutschen Medienpreis einmal mehr geliefert. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust w&auml;hlten weitere nicht genannte &bdquo;f&uuml;hrende&ldquo; Chefredakteure die Preistr&auml;gerin aus. Sich sonst gerne als vierte Gewalt und als Kontrollinstanz gegen&uuml;ber der Politik aufspielende Chefredakteure machen ihren Kotau vor der Herrschaft und das noch unter dem Namen &bdquo;Media Control&ldquo;. Das spricht B&auml;nde &uuml;ber ihr kontrollierendes Rollenverst&auml;ndnis. Es ist gerade so, als w&uuml;rde die Gerichtsbarkeit der Exekutive huldigen und sie als oberste Wahrerin des Rechts auszeichnen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nIn der Begr&uuml;ndung der Jury hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Im Mittelpunkt ihres politischen Denkens und Handelns steht stets der Mensch. Die W&uuml;rde und die Rechte des Individuums leiten Angela Merkel bei ihren politischen Entscheidungen, die gepr&auml;gt sind von Berechenbarkeit und Verl&auml;sslichkeit. In der Au&szlig;enpolitik verfolgt sie einen Kurs, der die Partnerschaft in den Vordergrund stellt, ohne dass sie die manchmal notwendige Konfrontation scheut. Ihr konsequenter Einsatz f&uuml;r Menschenrechte, f&uuml;r die Wahrung der Sch&ouml;pfung und eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung habe ihre Wurzeln in der ganz pers&ouml;nlichen Biographie von Angela Merkel.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Lassen wir eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der abgehobenen und schleimigen Begr&uuml;ndung einmal ausnahmsweise au&szlig;en vor. &Uuml;ber die &bdquo;Berechenbarkeit und Verl&auml;sslichkeit&ldquo; von Frau Merkel ist in den letzten Wochen selbst von ihren Parteifreunden ausreichend palavert worden. Ihr Kurs der &bdquo;Partnerschaft&ldquo; etwa in der Europ&auml;ischen Union wurde bei der gemeinsamen Bew&auml;ltigung der Finanzkrise ausreichend kritisiert. Und ihr konsequenter Einsatz f&uuml;r die Wahrung der Sch&ouml;pfung in Kopenhagen allenthalben vermisst. Diese Begr&uuml;ndung ist reine S&uuml;lzholzraspelei, um ihr die Annahme des Preises schmackhaft zu machen. Und ausschlie&szlig;lich darum, dass Merkel den Preis auch annimmt, geht es den Veranstaltern.<\/p><p>Der Preisverleiher ist &bdquo;Media Control&ldquo; &bdquo;The World`s Leading Entertainment Data Provider&ldquo;, also ein Marktforschungsinstitut, das sich aus der Gesellschaft f&uuml;r Konsumforschung ausgegr&uuml;ndet hat. <\/p><p>Nach eigner Selbstvermarktung r&uuml;hmt sich <a href=\"https:\/\/www.media-control.com\/\">&bdquo;Media Control&ldquo;<\/a>, dass dieses Marktforschungsunternehmen seit 32 Jahren der &bdquo;Marktf&uuml;hrer im Bereich der Ermittlung von Abverkaufszahlen des Unterhaltungssektors in Deutschland, der Schweiz, &Ouml;sterreich und seit kurzem auch in Spanien&ldquo; ist. Mit Kontrolle der Medien hat dieses kommerzielle Unternehmen also allenfalls soviel zu tun, als es Hitlisten und Verkaufszahlen von Tontr&auml;gern, von DVDs, kommerzielle Downloads, Videospielen bis hin zu Klingelt&ouml;nen auf Handys oder TV-Quoten ermittelt. <\/p><p>Mit Medieninhalten oder demokratischer Kontrolle durch die Medien hat weder das Unternehmen noch der Medienpreis etwas am Hut. &bdquo;Media Control&ldquo; misst die Verkaufe. Es ist, als ob der Verein der Zeitnehmer und Ma&szlig;bandhalter auf den Sportpl&auml;tzen, den Sportler des Jahres w&auml;hlten.<br>\nMit dem Deutschen Medienpreis und seiner bisherigen Preistr&auml;ger verkauft &bdquo;Media Control&ldquo; vor allem sich selbst. <\/p><p>Seit 1992 waren Preistr&auml;ger dabei, mit deren Namen man trefflich Eigenwerbung betreiben konnte, 1992 (klein angefangen) mit RTL-Chef Helmut Thoma, dann aber &uuml;ber Helmut Kohl, Francois Mitterand, Boris Jelzin, Bill Clinton, Gerhard Schr&ouml;der, K&ouml;nigin Silvia, dem Rockstar Bono, bis Stefanie Graf. Und an Laudatoren wurde gleichfalls aufgeboten, was vor allem <a href=\"http:\/\/www.deutscher-medienpreis.de\/download\/Preistraeger_2008.pdf\">Schlagzeilen und Aufmerksamkeit auf dem Boulevard erregt [PDF &ndash; 722KB]<\/a>. <\/p><p>Man kann dem Unternehmen &bdquo;Media Control&ldquo; diese publizit&auml;tswirksame Marketing-Strategie nicht einmal vorwerfen, das geh&ouml;rt zum Gesch&auml;ft; man wundert sich eher dar&uuml;ber, wer sich schon alles daf&uuml;r als Werbemaskottchen hergegeben hat.<\/p><p>H&auml;tte Angela Merkel die Auszeichnung daf&uuml;r bekommen, dass sie &ndash; von &bdquo;Media Control&ldquo; gemessen &ndash; die h&auml;ufigsten Medienauftritte hatte, h&auml;tte man die Auszeichnung ja noch als begr&uuml;ndet hinnehmen k&ouml;nnen. Aber nein, der &bdquo;Deutsche Medienpreis&ldquo; liefert eine inhaltliche Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Auszeichnung. Und daf&uuml;r haben sich Stefan Aust und &bdquo;f&uuml;hrende&ldquo; Chefredakteure einspannen lassen. Man w&uuml;rde zu gerne wissen, wie viel daf&uuml;r an Annehmlichkeiten herausgesprungen ist.<\/p><p>Typischerweise h&auml;lt der Opern-Star Anna Netrebko die Laudatio auf die Kanzlerin.<br>\nIch bewundere diese Operns&auml;ngerin wirklich sehr, doch sie wird am Abend der Preisverleihung nicht ihre au&szlig;erordentliche Begabung als S&auml;ngerin einbringen, nein, sie l&auml;sst sich &ndash; vermutlich  teuer bezahlt &ndash; als Reklamefl&auml;che missbrauchen. &Uuml;ber politische Leistungen Angela Merkels hat sie sicherlich keine bessere Urteilskompetenz als jeder normale B&uuml;rger. Aber Hauptsache, sie ist ein Star und es wird deshalb dar&uuml;ber in den Medien berichtet &ndash; und das erh&ouml;ht wiederum Netrebkos eigenen Marktwert.<\/p><p>Beim Deutschen Medienpreis geht es um eine Werbema&szlig;nahme eines kommerziellen Unternehmens, das sich der Selbstbezogenheit prominenter Akteure bedient, die sich dadurch wiederum selbst vermarkten. Damit steigern diese ihre Prominenz und heben sich damit gleichzeitig von ihrer Umwelt ab, ja sie schlie&szlig;en sich geradezu von der &uuml;brigen Gesellschaft aus. Motto: Wir feiern uns gegenseitig und die da drau&szlig;en d&uuml;rfen uns begaffen.<\/p><p>Wenn also Angela Merkel das Lob verdient h&auml;tte, dass n&auml;mlich im Mittelpunkt ihres politischen Denkens und Handelns steht stets &bdquo;der Mensch&ldquo; st&uuml;nde, dann m&uuml;sste sie konsequenterweise diesen Rummel ablehnen. Ein Spektakel, das zu nichts anderes dient, als dass sich auf diesem Tummelplatz der Eitelkeiten eine abgehobene, ziemlich menschenfeindliche Welt der Selbstverk&auml;ufer tummeln darf.<\/p><p>Wenn es in der deutschen Medienlandschaft noch Journalisten und Chefredakteure g&auml;be, die ihre &bdquo;W&auml;chterrolle&ldquo; in einer demokratischen Gesellschaft wirklich wahrn&auml;hmen, dann m&uuml;ssten sie alles tun, um dem Marktforschungsunternehmen &bdquo;Media Control&ldquo; das Markenzeichen &bdquo;Deutscher Medienpreis&ldquo; zu entziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H&auml;tte es eines Belegs f&uuml;r die Unterw&uuml;rfigkeit der Medien unter die Obrigkeit bedurft, so wird er mit der Verleihung mit der Auszeichnung Angela Merkels mit dem Deutschen Medienpreis einmal mehr geliefert. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust w&auml;hlten weitere nicht genannte &bdquo;f&uuml;hrende&ldquo; Chefredakteure die Preistr&auml;gerin aus. 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