{"id":44778,"date":"2018-07-04T15:16:04","date_gmt":"2018-07-04T13:16:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44778"},"modified":"2018-07-04T16:31:46","modified_gmt":"2018-07-04T14:31:46","slug":"nicht-allein-die-analyse-von-medien-und-pressefreiheit-in-laendern-wie-russland-ist-spannend-die-kritische-und-nicht-nur-formale-analyse-der-eigenen-situation-waere-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44778","title":{"rendered":"Nicht allein die Analyse von Medien und Pressefreiheit in L\u00e4ndern wie Russland ist spannend, die kritische und nicht nur formale Analyse der eigenen Situation w\u00e4re wichtig"},"content":{"rendered":"<p>Dann w&uuml;rden wir in Deutschland n&auml;mlich sehr schnell merken, dass unser Gold ganz und gar nicht gl&auml;nzt. Pressefreiheit gibt es formal. Selbst angeblich kritische Geister wie die &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; haben verdr&auml;ngt, was der fr&uuml;here Herausgeber der FAZ, Paul Sehte, schon 1965 gesagt hat: &bdquo;<strong>Pressefreiheit<\/strong>&nbsp;ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.&ldquo; Zum heutigen Artikel: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44770\">Schauen wir doch einmal genauer auf die russischen Medien<\/a>&rdquo; von Gert-Ewen Ungar kam eine gr&ouml;&szlig;ere Anzahl von Lesermails. Der Schreiber der ersten Mail macht mit Recht darauf aufmerksam, dass man sinnvollerweise die eigene Medienlage auch kritisch im Blick haben soll, wenn man &uuml;ber die Lage in anderen L&auml;ndern schreibt und gar herzieht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVorweg noch der Hinweis und Link auf die neueste <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/rangliste\/2018\/\">Weltkarte zur Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen<\/a>. Wenn Sie sich die Karte anschauen, dann werden Sie vermutlich mit Bewunderung feststellen, wie sicher die Reporter ohne Grenzen bei ihrem Urteil sind. Beneidenswert!! Diese Organisation wird demn&auml;chst Gegenstand eines Beitrags von Thomas Riegel sein. Jetzt zun&auml;chst die angek&uuml;ndigten Leserbriefe. Die Ver&ouml;ffentlichung verbinde ich mit einem herzlichen Dankesch&ouml;n an die Leserbriefschreiber:<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Erster Leserbrief:<\/strong><br>\n<strong>Leserbrief von Michael Steinke<\/strong><br>\nF&uuml;r mich ist der Zustand der <strong>russischen Mainstreammedien<\/strong> propagandistisch, einseitig und beklagenswert &ndash; aber eher wie bei uns in DEU selbst als etwa wie in einer Diktatur.<\/p><p>Das, was die westliche Propaganda &uuml;ber RUS immer unter &ldquo;keine Meinungsfreiheit&rdquo;, &ldquo;fehlender Pressefreiheit&rdquo; sowie &ldquo;Bedrohung, Verfolgung und Ermordung kritischer Journalisten&rdquo; laufen l&auml;sst, beruht gr&ouml;sstenteils auf feindseeliger Verf&auml;lschung, auch und vor allem durch die vom Westen selbst eingesetzten bzw. betriebenen NGOs. So sind die im Artikel erw&auml;hnten &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; oder auch Human Rights Watch wesentlich von George Soros finanziert, allein letztere mit 100 Millionen Dollar &ndash; was nicht einmal die wikipedia leugnen kann. Deren Urteil ist somit weder neutral noch glaubhaft.<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Human_Rights_Watch\">Human Rights Watch<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reporter_ohne_Grenzen\">Reporter ohne Grenzen<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Eine Analyse und Kritik der russischen Medien muss also selbst und differenzierter erfolgen.&nbsp;<\/p><p>Zum einen gibt es tats&auml;chlich grosse, oppositionelle, <strong>systemkritische Print-Medien<\/strong> wie die <em>The New Times\/Nowoje Wremja, Kommersant, die Novaya Gazeta<\/em>, &hellip; die zT ein Vielfaches an Auflage haben, wie vergleichbare dt. systemkritische Zeitungen, etwa <em>Neues Deutschland, Junge Welt, (Freitag)<\/em>.<\/p><p>Mit Radio <em>Echo Moskwy<\/em> wird sogar einer der kritischsten Medien auf Staatskosten (Gasprom) finanziert und unterhalten, der Kreml oft daf&uuml;r intern kritisiert, dass er sich selbst seine gr&ouml;ssten Feinde z&uuml;chtet.<\/p><p>Mit Doschd existiert gar ein oppositioneller, systemkritischer TV-Sender, dessen Reichweite allerdings tats&auml;chlich politisch begrenzt wurde. Erreichte er fr&uuml;her noch 1-2 Millionen, gibt es ihn heute, KenFM &auml;hnlich, haupts&auml;chlich &uuml;bers Internet. Dort gibt es auch eine grosse, vielf&auml;ltige Zahl oppositioneller Medien, Blogs &hellip; einige nach Zensurma&szlig;nahmen allerdings nur &uuml;ber IP-Generatoren erreichbar.<\/p><p>Inhaltlich sind diese Medien&nbsp; zT extrem scharf und berichten mit westlicher Agenda &uuml;ber angebliche Schwulen-KZs in Tschetschenien, Korruption, rus. Soldaten im Donbass, Krim-Annektion u.&auml;.<\/p><p>Auch zahlreiche <strong>ausl&auml;ndische Medien<\/strong> aus den USA, GB oder DEU wie radio Liberty. BBC, Deutsche Welle u.a. senden und berichten auf Russisch.<\/p><p>Eine <strong>Medienvielfalt<\/strong> in RUS ist trotz gegenteiliger westlicher Behauptungen tats&auml;chlich vorhanden. Politisch gen&uuml;gt es dem Kreml, &auml;hnlich wie auch der dt. Politik, die Staatsmedien, das TV, eben den <strong>Mainstream<\/strong> zu kontrollieren. F&uuml;r die kritischen 10-15% existieren aber auch in RUS trotz diverser Repressalien mindestens ebenso viele, gro&szlig;e und kritische Medien wie in DEU.<\/p><p><strong>Nachzulesen ist die kritische rus. Medien-Opposition sogar auf deutsch unter <a href=\"http:\/\/dekoder.org\">dekoder.org<\/a>.<\/strong><\/p><p><strong>Journalistenmorde<\/strong> gab es schon in den sog. demokratischen Zeiten RUS unter Jelzin und westlicher F&uuml;hrung. In der halben Zeit gar ein Vielfaches!&nbsp; So wurden u.a. lt. wikipedia zwischen 1993 und 1999 in Russland gem&auml;&szlig; einer Statistik der russischen Journalisten-Gewerkschaft 201 Journalisten ermordet. (Roland Haug z&auml;hlt in seinem Buch Die Kreml AG 261 Attentate.)<\/p><p>Diese haben also offensichtlich nichts damit zu tun, dass Putin, der Kreml ab 2000 seine neu-autorit&auml;re Agenda durchsetzen wollte und Mordbefehle an unliebsame, kritische Journalisten ausstellen w&uuml;rde, sondern damit, dass die Politik in RUS immer noch mafi&ouml;s und die Mafia politisch unterwegs sind.&nbsp;<\/p><p>Auch werden die grossen Gesch&auml;fte in RUS immer noch in und durch die Politik gemacht. Beeinflusst die Finanzoligarchie im Westen direkt die Politik, Gesetzgebung und Parlamentsentscheidungen zu ihren Gunsten, herrschen in RUS neben Lobbyismus immer noch Korruption, die Lenkung von Verwaltungs- oder Rechtsentscheidungen und auch Verbrechen als Mittel zu Durchsetzung der Interessen der Oligarchen etwa gegen st&ouml;rende Konkurrenten oder l&auml;stige Journalisten. Es gilt in RUS als offenes Geheimnis, dass alle f&uuml;hrenden Oligarchen der 90er Beresowski, Chodorkowski, Potanin oder Gussinski ihre Milliarden nicht ohne Verbrechen, nicht ohne Ermordung st&ouml;render Politiker, Beamter, Journalisten zusammenrauben konnten. Und nicht ohne Grund werden bis heute bei vielen politisch motivierten Morden tschetschenische T&auml;ter ermittelt, Heimat der, wie auch im Westen bekannt, gr&ouml;ssten Mafia-Organisation RUS. Journalisten sind in RUS dann besonders gef&auml;hrdet wenn sie im Dunstkreis von Korruption recherchieren, dem grossen Geld, Verbrechen, den Schandtaten der Oligarchie auf der Spur sind, irgendjemand Reichem und M&auml;chtigem in die Quere kommen.<\/p><p>Und nicht nur nach eigenen Aussagen waren es diese Reichen und M&auml;chtigen, Oligarchen wie Beresowski, Chodorkowski, Potanin oder Gussinski, die Russlands Medien und Politik dominierten, Wahlen und politische Entscheidungen nach ihren Belieben beeinflussen und kaufen konnten. Ein merkw&uuml;rdiges Demokratieverst&auml;ndnis beweisen westliche Kommentatoren, wenn sie die &Uuml;bernahme der <strong>Oligarchen TV-Sender<\/strong> wie etwa NRT oder ORT als staatliche Zensurma&szlig;nahmen gegen die Pressefreiheit gei&szlig;eln. Die Begrenzung der medialen und politischen Macht dieser Oligarchen war und ist aber vielmehr eine Grundvoraussetzung f&uuml;r die Herstellung einer funktionierenden Demokratie in RUS. Dass der russische Staat diese Mainstream-Medien nicht mit ausreichenden Freiheitsgraden versorgt, sondern in seinem Sinne dominiert, ist bedauernswert. Ich kann das im Hinblick auf unsere &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien aber nicht als Alleinstellungsmerkmal erkennen. Noch niemals seit dem Kalten Krieg waren ARD- oder ZDF-Nachrichten so treu auf Regierungslinie. Und selbst die Sport-&bdquo;Berichterstattung&ldquo; betreibt politische Propaganda.<\/p><p><strong>Fehlende Meinungsfreiheit?<\/strong> Wer sich schon einmal politisch mit Russen unterhalten hat, der wei&szlig;, wie kritisch, zT ver&auml;chtlich sich diese &uuml;ber ihre Regierung, Politiker, Staatsbeamten &auml;ussern &ndash; &ouml;ffentlich, immer wieder, ohne jede Hemmungen oder irgendwelche Gefahr. Kritiker werden nicht einfach &ndash; wie immer wieder in westlichen Medien behauptet &ndash; weggesperrt. Ja, wer beim Staat als Professor, Lehrer oder Journalist Karriere machen will, der sollte sich in RUS besser nicht ausserhalb des Mainstreams stellen. Vielfach wird Druck ausge&uuml;bt, der Linientreue oder gar vorauseilenden Gehorsam f&ouml;rdert. Das ist zu kritisieren. Aber sicher nicht von oben herab. Denn wie werden systemkritische Journalisten, Professoren, .. in Deutschland behandelt? Wer besch&auml;ftigt die denn noch? Werden kritische Stimmen in DEU nicht vom Mainstream als Verschw&ouml;rungstheoretiker, Querfrontler bek&auml;mpft und ausgegrenzt?&nbsp;<\/p><p>Einen regelrechen Kampagnenfeldzug betreibt die westliche &bdquo;Berichterstattung&ldquo; mit den angeblichen <strong>Demonstrationsverboten<\/strong> und <strong>Verhaftungswellen<\/strong> bei Nawalny. Nichts davon ist hierbei tats&auml;chlich eine Menschenrechtsverletzung des rus. Staates. Denn Nawalny legt seine Demo-Vorhaben immer bewusst dorthin, wo sie nie genehmigt werden k&ouml;nnen &ndash; in Moskau etwa auf die Tverskaya, einer 10spurigen Hauptverkehrsstrasse in der N&auml;he des Roten Platzes, am besten noch, wenn 1 Millionen Russen dort einen Umzug abhalten &ndash; um der westlichen Propaganda Bilder und Futter f&uuml;r angebliche Menschenrechtsverletzungen zu geben. Dass er jedesmal Alternativvorschl&auml;ge der Moskauer Verwaltung ablehnt, dass 98 der 100 angemeldeten Demos im Land v&ouml;llig unbehelligt staffinden k&ouml;nnen, dass Verhaftete bereits nach wenigen Stunden und Feststellung der Personalien freikommen, wird im Westen verschwiegen. Die fr&ouml;hlichen Party-Selfies der verhafteten Nawalny-Anh&auml;nger aus den Polizeiautos in den sozialen Medien sprechen B&auml;nde und konterkarieren die Schreckensbilder ihrer Verhaftungen. Hier werden nicht Demonstrations- oder Menschenrechte unterdr&uuml;ckt, hier werden medienwirksame Provokationen inszeniert.<\/p><p>Insgesamt betreibt RUS ein &uuml;bles Mainstream-Spiel der M&auml;chtigen, wie es das auch in den USA oder DEU gibt. Man kann und sollte es beklagen. Aber wer das tut, ohne auch die eigenen Machenschaften mit einzubeziehen, kritisiert verlogen und doppelz&uuml;ngig.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nMichael Steinke<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Zweiter Leserbrief:<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Nachdenkseiten Redaktion,<\/p><p>Auch wenn dieser Leserbrief vielleicht keine Ber&uuml;cksichtigung findet, w&uuml;rde ich mich freuen, wenn er zur Kenntnis genommen wird, denn ich musste mir einfach ein wenig den Frust von der Seele schreiben.<\/p><p>Ich m&ouml;chte jedoch zuerst Gert-Ewan Ungar f&uuml;r seine Berichte aus Russland danken und Sie in dem Zusammenhang auf den folgenden Artikel der taz aufmerksam machen. Er erschien bereits vor 5 Tagen und ich wei&szlig;, obwohl ich ein aufmerksamer NDS Leser bin, nicht ob mir in den Hinweisen evtl. etwas entgangen ist. Mir wurde dieser Artikel gestern Abend von meinem Newsfeed vorgeschlagen, und hat kurz vor dem Einschlafen noch einmal meinen Blutdruck in die H&ouml;he getrieben. (Was ich vorher h&auml;tte wissen k&ouml;nnen, denn die taz vermag dies regelm&auml;&szlig;ig und mit spielerischer Leichtigkeit)<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5516825\/\">&bdquo;Russland entdeckt die Welt&ldquo;<\/a><\/p><p>Die abgehobene Borniertheit und &Uuml;berheblichkeit, mit der man die Ereignisse rund um die WM in Russland, seien sie noch so positiv, von oben herab, mehr verurteilt als beschreibt, spritzt wie ich finde, aus nahezu jeder Zeile, beginnend mit der Subline des Titels &bdquo;Putin bekommt die TV Bilder die er braucht&ldquo;. Denn die putinsche Selbstdarstellung ist ja offenbar &ndash; wie kaum ein deutsches Leitmedium m&uuml;de wird uns tagt&auml;glich einzuh&auml;mmern &ndash; einer der Hauptgr&uuml;nde, warum Russland sich um Ausrichtung der WM beworben hat, denn das hat er bei &ldquo;nur&rdquo; gut 70% Zustimmung im Volk, dringend n&ouml;tig. Es wimmelt von abwertenden Formulierungen, negativen Assoziationen und Interpretationen, die wohl mehr mit der Russophobie des Autors, als mit der Realit&auml;t zu tun haben. Und wenn es nichts Schlechtes zu berichten gibt, dann kreiert man sich eben etwas. Im Nachtzug nach Sotschi, wird man von einer &bdquo;resoluten Russin&ldquo; mit &bdquo;hochgestecker Betonfrisur&ldquo; mit &ndash; impliziert ekelhaftem &ndash; &bdquo;weich gewordenem Salzspeck&ldquo; (Salo) zum Fr&uuml;hst&uuml;ck bewirtet. Wir lernen: Russland &bdquo;sammelt unaufh&ouml;rlich Land&rdquo; &ndash; der Verweis auf die angebliche Krim-Annexion und weiterer Expanisonsgel&uuml;ste, darf nat&uuml;rlich in keinem Artikel mit Bezug zu Russland fehlen (Man muss eine L&uuml;ge nur oft genug wiederholen&hellip; lassen wird das) &ndash; &ldquo;ahmt Kulturen nach und will doch immer nur das eine bleiben: Russland. Jetzt wird gerade die globalisierte Fu&szlig;ballkultur imitiert.&rdquo; Wusst ich&rsquo;s doch &ndash; Alles nur Schein. Wer erinnert sich nicht an das &bdquo;Sommerm&auml;rchen&ldquo; 2006, das ja scheinbar, in der Auffassung des Autors, ein Sommer in Deutschland wie jeder Andere war. In Russland ist diese WM Stimmung nat&uuml;rlich unecht und eine Imitation unserer Fu&szlig;ballkultur, die es in Russland eigentlich gar nicht gibt. Wenn ein englischer Fan sagt &bdquo;Ich habe keine Probleme mit Putin!&ldquo;, dann wei&szlig; der weltbewandte taz-Schreiberling nat&uuml;rlich, dass er nicht das meinte was er sagte, sondern das bedeutet &bdquo;es l&auml;sst sich ganz gut trinken in Russland.&ldquo; Wie er zu diesem aberwitzigen Schluss kommt, teilt er uns nicht mit. Und generell kann es jedem der nicht auf der Hut ist passieren, wenn er etwas positives &uuml;ber Russland sagt, wenn er es wagt zu behaupten, dass Land, Leute und Stimmung toll seien und sie mit falschen, weil eher negativen Vorurteilen nach Russland gereist sind, vom &bdquo;Kreml-Propagandisten&ldquo;, nicht Journalisten, Dimitri Kisseljow f&uuml;r genau diese Darstellung missbraucht wird &ndash; sicher nicht weil es das normalste der Welt ist, dass ein TV Sender, ob staatlich oder privat, ob regierungskritisch oder -nah, sich &uuml;ber positives Feedback und die tats&auml;chlich gute Stimmung der Veranstaltung freut und dar&uuml;ber berichtet, sondern um perfide Propaganda f&uuml;r Putin zu machen. Und daran st&ouml;ren sich die Fans, die sich dann abends selbst in den TV Nachrichten sehen, nicht einmal &ndash; Unversch&auml;mtheit. Gut, dass der Autor uns hilft das richtig einzuordnen.<\/p><p>Putin sagte im Verlauf der WM: &bdquo;Sport bringt L&auml;nder und Nationen zusammen, und wir, als Gastgeber dieses Turniers, freuen uns f&uuml;r diejenigen, die gewonnen haben, und leiden mit denen, die gescheitert sind.&ldquo; F&uuml;r den taz Schreiberling wahrscheinlich nur leere Worte, deren Ehrlichkeit h&ouml;chstens jemand Glauben schenken kann, der von so dubiosen Webseiten wie den Nachdenkseiten oder gar RT Deutsch propagandistisch eingeseift wurde. Wir erfahren: &bdquo;Die WM liefert genau die Bilder, die sich Wladimir Putin gew&uuml;nscht hat.&rdquo; &ndash; Schade, brennende Barrikaden, Heere von gewaltt&auml;tigen Hooligans und brutale Polizeigewalt, w&auml;ren dem Autor offenbar lieber gewesen, dann h&auml;tter er seinem Russlandhass freien Lauf lassen, und sich in &ldquo;ich hab&rsquo;s ja gewusst&rdquo;-Manier in seiner Selbstherrlichkeit sonnen k&ouml;nnen, statt z&auml;hneknirschend Positives schlecht schreiben zu m&uuml;ssen. Aber auch Letzteres ist immernoch besser, als dass der Gottseibeiuns &ndash; russische Pr&auml;sident, sich einer gelungenen Veranstaltung, im Namen der V&ouml;lkerfreundschaft, durch die verbindende Wirkung des Sports, r&uuml;hmen k&ouml;nnte. Und der beliebteste Trinkspruch zwischen den Fans unterschiedlichster Nationen &ndash; &bdquo;Druschba Narodow&ldquo; &ndash; Auf die V&ouml;lkerfreundschaft &ndash; wenn es um Russland geht, offensichtlich die Horrorversion der sogenannten &ldquo;Journalisten&rdquo; in der taz-Redaktion. Traurig&nbsp;<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r Ihre Aufmerksamkeit, mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nDavid Meuer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Dritter Leserbrief:<\/strong><\/p><p>Vielleicht sollte Herr Ungar statt dem Begriff &ldquo;Denkfabriken&rdquo; lieber die 1:1-Uebersetzung von Think-Tanks verwenden: Denkpanzer.<\/p><p>Das trifft die Aufgabe dieser Organisationen ziemlich gut.<\/p><p>Ansonsten vielen Dank fuer den guten Artikel.<\/p><p>Meine Familie wird Anfang kommendes Jahr nach Russland auswandern.<\/p><p>Und dafuer gibt es viele Gruende.<\/p><p>Fuer die Vorbereitung haben wir uns mehr als 2 Jahre Zeit genommen.<\/p><p>2 Ingenieure und ein sehr junger Buerger weniger in Dtl. Aber gerade den jungen Buerger wollen wir nicht auf deutsche Schulen schicken.<\/p><p>MfG Ronald<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Vierter Leserbrief:<\/strong><br>\n<strong>v.walter:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Sicherlich. Es gibt in Russland Zensur Webseiten werden zugemacht, weil sie gegen Gesetze versto&szlig;en.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Na, dann ist ja alles gut, denn was f&uuml;r Gesetze das sind, ist egal. Mit derselben legalistischen Argumentation k&ouml;nnte man auch Vieles rechtfertigen, was die Nazis gemacht haben (z.B. Menschen ins KZ stecken, weil sie gegen die N&uuml;rnberger Rassegesetze versto&szlig;en hatten).<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>F&uuml;nfter Leserbrief:<\/strong><\/p><p>Liebe NDS, Lieber Gert-Ewen Ungar,<\/p><p>vielen dank f&uuml;r diesen interessanten Einblick in die russische Medienwelt. Die Vorstellung, RT-Deutsch w&uuml;rde zum Boykott der Bundestagswahlen aufrufen &ndash; und was dann hier los w&auml;re &ndash; war tats&auml;chlich erheiternd. Zumindest ganz kurz. Sp&auml;testens beim Schreiben dieser Zeilen hat mich die Dystopie der Realit&auml;t wieder fest im Griff.<\/p><p>Als neutraler Beobachter w&uuml;rde ich anmerken, dass der Teil &uuml;ber &lsquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Whataboutism\">Whataboutism<\/a>&lsquo; da nicht reingeh&ouml;rt.<\/p><p>Und dann habe ich in der Wiki nachgelesen, was das ist und es hat mir einfach nur die Sprache verschlagen. Als neutraler Beobachter muss ich daher zugestehen, dass das unbedingt zum Thema geh&ouml;rt. <\/p><p>F&uuml;r mich pers&ouml;nlich war dieser Teil darum sogar der mit dem gr&ouml;&szlig;ten Informationsgehalt.<\/p><p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Whataboutism\">Zum Wikiartikel<\/a> &ndash; der geh&ouml;rt einfach verissen.<\/p><blockquote><p>\nInhaltsverzeichnis<\/p>\n<ol>\n<li>Wortbedeutung und Herkunft<\/li>\n<li>Logischer Fehlschluss und rhetorisches Mittel<\/li>\n<li>Verwendung zur Kennzeichnung einer sowjetischen und russischen Propagandataktik<\/li>\n<li>Allgemeine Verwendung als Propagandamethode<\/li>\n<li>Einschr&auml;nkungen der Kritik<\/li>\n<li>Siehe auch<\/li>\n<li>Weblinks<\/li>\n<li>Einzelnachweise<\/li>\n<\/ol><\/blockquote><p>Bedarf das noch eines Kommentars?<\/p><p>Inhaltlich ist es auch Gr&uuml;tze. Zitat aus dem Punkt 2: &ldquo;Whataboutism ist ein Spezialfall des tu quoque (lat. du auch, Bezeichnung f&uuml;r einen Gegenvorwurf), das eine Unterart des ad hominem Arguments ist.&rdquo;<\/p><p>Die Methode als Gegenargument zielt ja darauf, die Vorw&uuml;rfe und Argumente der Gegenseite in einen Kontext zu setzen, der eine moralische Bewertung erst m&ouml;glich macht. Das hei&szlig;t, es dient dazu das zuvor gesagte besser einordnen zu k&ouml;nnen. Das als eine Unterart von &lsquo;ad hominem&rsquo; zu bezeichnen l&ouml;st bei mir spontane Heiterkeit aus. Zumindest solange es nicht ernst wird, wie im Punkt 3 Verwendung zur Kennzeichnung einer sowjetischen und russischen Propagandataktik.<\/p><p>Dazu w&auml;re zuerst mal anzumerken &ndash; die zitierte &lsquo;wissenschaftliche&rsquo; Quellenbasis ist d&uuml;nn. Sie beschr&auml;nkt sich auf einen Artikel im Economist im Atlantic und eine wenigstens vermutet wissenschaftliche Arbeit von der Universit&auml;t North Dakota, die nicht mehr verf&uuml;gbar ist, weil die Domain eingestellt wurde.<\/p><p>Das sind die Quellen, denen die Analyse des Begriffs sowie die Untersuchung des Zusammenhangs mit Russland unterstellt wird. Der Rest sind im wesentlichen Fallbeispiele von denen sich &uuml;berall tausende finden lassen &ndash; schon weil die Methode &uuml;blich ist, zum Beispiel bei allen M&auml;nnern, die mal wieder nicht abgewaschen aber daf&uuml;r das T&uuml;rscharnier repariert haben.<\/p><p>Richtig abstrus wird es dann beim Unterpunkt &lsquo;Im R&uuml;ckblick&rsquo;.<\/p><p>Ich pauschalisiere jetzt mal ein wenig. Da m&uuml;ssen Leute, die sonst keine 3 Jahre historischen und geopolitischen Kontext &uuml;berblicken k&ouml;nnen, wenn zum Beispiel ein syrisches Staatsoberhaupt den Verb&uuml;ndeten Russland bittet bei der Bek&auml;mpfung von S&ouml;ldnermilizen zu helfen, auf das Zarenreich um das Jahr 1850 zur&uuml;ckgehen, um der heutigen russischen Regierung Propaganda nachzuweisen? Was ist das &ndash; WTFism?<\/p><p>Um das jetzt mal klar zu machen &ldquo;vom Panslawisten Michail&rdquo; ist eine Unterform von ad hominem weil hier eine Person mit einer unbelegten Verleumdung belegt wird, um sie von vornherein in Miskredit zu bringen. Die &ldquo;vermeintliche Doppelmoral der europ&auml;ischen Kolonialm&auml;chte&rdquo; ist, damals wie heute, offensichtlich es sei denn das eigene Einkommen oder die eigene Gier steht zwischen einem selbst und dieser Erkenntnis. Und last but not least &ldquo;(wobei anzumerken ist, dass Russland w&auml;hrenddessen in Mittel- und Ostasien weiter kr&auml;ftig expandierte)&rdquo; ist ein eindr&uuml;cklicher Beleg f&uuml;r einen Satz von Gert-Ewen Ungar:<\/p><p>Er baut Rechtfertigungsdruck in einer Richtung auf, ohne quantitative Gegenargumente zuzulassen. Eine perfide Technik.<\/p><p>Soviel zu Punkt 3, dem gr&ouml;&szlig;ten Punkt im ganzen Wikiartikel. Der zweitgr&ouml;&szlig;te Absatz ist die Einschr&auml;nkung der Kritik, und die ist sogar noch perfider. Denn die &Uuml;berschrift impliziert eine ma&szlig;volle Einordnung des zuvor vorgebrachtem. Weit gefehlt. Es geht darum, grunds&auml;tzlich zuzugestehen, dass die Methode nicht immer schlecht sei. Wenn sie nur nicht von Russland kommt. Mit anderen Worten, hier verteidigen die Autoren das Recht des Westens, die Methode zu verwenden, wenn sie denn f&uuml;r die Gute sprich die westliche Sache eingesetzt wird. Zum Gl&uuml;ck ist das keine Doppelmoral sondern American Exceptionalism.<\/p><p>Artikel wie dieser best&auml;rken mich einerseits darin die Wikipedia als Informationsquelle g&auml;nzlich abzuschreiben. Im &uuml;brigen auch &ndash; im Gegensatz zur Meinung von anderen Kritikern &ndash; bei wissenschaftlichen Themen, das halte ich f&uuml;r besonders betonenswert. Alle Praxis, die ich kenne, weist nachdr&uuml;cklich darauf hin, dass die von der Wikipedia eingesetzten Methoden auch wissenschaftliche Diskurse zerst&ouml;ren, und zwar nachhaltig und entg&uuml;ltig (bis die beteiligten in der Regel an Altersschw&auml;che sterben und neuen K&ouml;pfen mit neuen Ideen Platz machen). Sie sind in so einem Kontext nicht mehr m&ouml;glich, und damit ist auch die Idee der Wikipedia vom Wissen aller zu profitieren, hinf&auml;llig. Deshalb sind auch die naturwissenschaftlichen Beitr&auml;ge dort korrumpiert &ndash; schlimmer noch, bei den streng naturwissenschaftlichen Beitr&auml;gen f&auml;llt das &uuml;berhaupt nicht mehr auf, weil der Konsens da oft sehr stark, und die eigenen Kenntnisse eher d&uuml;nn sind. Aber das wissenschaftliche Denken wird durch die Verankerung in den Bahnen des wissenschaftlichen Mainstreams zerst&ouml;rt, und einge&uuml;bt wird diese Zerst&ouml;rung jedes mal, wenn man selber die Wikipedia aufruft und benutzt.<\/p><p>Und andererseits macht es mir Angst, dass so etwas ernsthaft im wichtigsten Nachschlagewerk der Gegenwart stehen bleiben kann. F&uuml;r mich ist das ein Beispiel daf&uuml;r, wie nah wir bereits dem Faschismus von 1935 gekommen sind &ndash; eben weil es im Mainstraem verankert ist, im Gegensatz zu beschriebenem russischen Sender mit Namen REN TV. Was jetzt noch fehlt ist eine gewaltbereite Polizeimacht vergleichbar mit der SS und der SA.<\/p><p>Unsere Polizei wird gerade militarisiert &ndash; egal in welchem Bundesland wir uns die Polizeigesetzgebung anschauen, es gibt wohl bald Handgranaten f&uuml;r Polizisten &ndash; entgrenzt (wie in Bayern mit dem Begriff der Gef&auml;hrder) und in weiten teilen privatisiert (das l&auml;uft dann unter Security).<\/p><p>Und dann sagt uns unser Innenminister, wir sollten Wasservorr&auml;te f&uuml;r den Ernstfall anlegen&hellip;<\/p><p>heute mit flauem Magen,<br>\nSebastian Domschke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann w&uuml;rden wir in Deutschland n&auml;mlich sehr schnell merken, dass unser Gold ganz und gar nicht gl&auml;nzt. Pressefreiheit gibt es formal. Selbst angeblich kritische Geister wie die &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; haben verdr&auml;ngt, was der fr&uuml;here Herausgeber der FAZ, Paul Sehte, schon 1965 gesagt hat: &bdquo;<strong>Pressefreiheit<\/strong>&nbsp;ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44778\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103,41,11],"tags":[2218,834,1571,1163,1283,1337,1415,915,1934,259,1419,590,1541],"class_list":["post-44778","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-fussball","tag-mafia","tag-meinungspluralismus","tag-nawalny-alexej","tag-oligarchen","tag-pressefreiheit","tag-putin-wladimir","tag-reporter-ohne-grenzen","tag-russland","tag-soros-george","tag-taz","tag-wikipedia"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44778"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44790,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44778\/revisions\/44790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}