{"id":4478,"date":"2010-01-26T17:46:45","date_gmt":"2010-01-26T16:46:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4478"},"modified":"2015-12-16T14:52:58","modified_gmt":"2015-12-16T13:52:58","slug":"sicherheitspolitik-zur-innenpolitischen-profilierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4478","title":{"rendered":"Sicherheitspolitik zur innenpolitischen Profilierung"},"content":{"rendered":"<p>Wir kennen das zwar schon. Kriege werden gef&uuml;hrt, um sich innen- und au&szlig;enpolitisch zu entlasten und zu profilieren. Wir kennen das von den USA, von Gro&szlig;britannien, von anderen Regierungen und von uns. Wir haben uns am Afghanistan-Krieg 2001 beteiligt, um die Freundschaft mit den USA zu sichern. Die damals begonnene Intervention hat in Afghanistan den Frieden nicht und weiteres Elend gebracht. Die Zust&auml;nde sind nicht besser geworden. Jetzt wird der vermeintliche Ausstieg auch wieder zur innenpolitischen Profilierung genutzt. Am deutlichsten sieht man das am Talibanausstiegsprogramm des Guido Westerwelle. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nWenn dieses ernst gemeint ist, was man ja durchaus erw&auml;gen kann, dann darf man dieses doch nicht &ouml;ffentlich verk&uuml;nden, dann muss man doch ein solches Programm sorgf&auml;ltig und dezent einf&auml;deln, dann darf man doch nicht jedem, der aussteigen m&ouml;chte oder aussteigt, gleich das Etikett anheften, er sei gekauft. Wer mit einem ernsten Problem und mit einer m&ouml;glichen Teill&ouml;sung so umgeht wie Westerwelle, der meint es nicht ernst.<\/p><p>Im Anhang findet sich eine aktuelle Meldung von Spiegel online. Die dort wiedergegebenen Elemente der angeblich neuen Strategie zeigen, dass es vor allem um die innenpolitische Profilierung geht, dass unsere Regierungsvertreter ziemlich naiv vorgehen und dass wir B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger wie immer an der Nase herum gef&uuml;hrt werden. Ein paar Beispiele:<\/p><ul>\n<li>Im Mittelpunkt der neuen Strategie stehe die Ausbildung einheimischer Sicherheitskr&auml;fte, hei&szlig;t es. &ndash; Ich muss gestehen, dass ich dachte, die bisherige Strategie enthalte dieses Element schon.<\/li>\n<li>Westerwelle wiederholt einmal mehr die Parole, am Hindukusch werde auch die deutsche Sicherheit gesch&uuml;tzt.<\/li>\n<li>Das Aussteigerprogramm soll in den n&auml;chsten f&uuml;nf Jahren ungef&auml;hr 50 Millionen Euro umfassen. Und es soll &uuml;ber die afghanische Regierung abgewickelt werden. &ndash; Dann k&ouml;nnen wir uns schon so richtig ausmalen, wo das Geld landet.<\/li>\n<li>Die Bundeswehr werde bei diesem Konzept nicht genauso wie die US Armee vorgehen, verk&uuml;ndete zu Guttenberg. Wie soll das denn gehen? F&uuml;hren wir jetzt unseren eigenen Krieg?<\/li>\n<li>Angela Merkel verk&uuml;ndete laut Spiegel online in einer von f&uuml;nf Pressekonferenzen zum Thema, Deutschland sei f&uuml;r die Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London gut &bdquo;aufgestellt&ldquo;. Die &bdquo;deutsche Handschrift&ldquo; werde in der internationalen Gemeinschaft sichtbar werden. &ndash; Hier wird wieder die Absicht sichtbar. Die Profilierung, nicht der Friede in Afghanistan steht im Mittelpunkt.<\/li>\n<li>Auch die britische Regierung hat offenbar Profilierungsbedarf und verk&uuml;ndet deshalb ihre Vorstellung von der richtigen Strategie lauthals und &ouml;ffentlich. Ich zitiere aus der Anlage: es gehe aber nicht &bdquo;um eine Abfindung der Taliban&ldquo; &ndash; sondern darum, die Aufst&auml;ndischen &bdquo;mit einer richtigen Kombination aus milit&auml;rischem Druck und politischen Anreizen zu spalten&ldquo;.<\/li>\n<\/ul><p>Man muss nach solchen &ouml;ffentlichen und damit nahezu albernen Einlassungen feststellen, dass sich die Regierenden heute wie zu Beginn des Afghanistan-Krieges im Jahre 2001 nicht zu aller erst um eine sachliche L&ouml;sung bem&uuml;hen, sondern immer auch an vorderer Front um die eigene Profilierung. Damals hat sich vor allem auch die deutsche Regierung besonders hervorgetan. Sie hat damals auf Karzai gesetzt und auf einer Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn ihre damalige Strategie mit gro&szlig;em Tamtam begleitet. <\/p><p>So ist kein Staat zu machen. Frieden auch nicht.<\/p><p><strong>Anhang<br>\nSpiegel online Meldung vom 26.1.2010:<\/strong><\/p><p>Vor Londoner Gipfel<br>\n<strong>Regierung beschw&ouml;rt neue Afghanistan-Strategie<\/strong><\/p><p>850 zus&auml;tzliche Soldaten, mehr Geld f&uuml;r die Polizeiausbildung &ndash; und f&uuml;r ein Taliban-Aussteigerprogramm: Die Bundesregierung hat ihre Marschroute f&uuml;r die Londoner Afghanistan-Konferenz festgelegt. Die Minister Westerwelle und Guttenberg erhoffen sich von dem Gipfel die Wende am Hindukusch.<\/p><p>Berlin &ndash; Die Hauptstadtkorrespondenten haben an diesem Dienstag viel zu tun. In ungew&ouml;hnlicher Weise pr&auml;sentierten die Teilnehmer der Afghanistan-Beratung im Kanzleramt die Ergebnisse ihrer Beratungen. Eine neue Strategie &ndash; f&uuml;nf Pressekonferenzen. Den Anfang machte am Morgen die Kanzlerin: Sie erkl&auml;rte recht ausf&uuml;hrlich das Konzept, das sie am Vorabend mit dem Au&szlig;en-, dem Verteidigungs-, dem Innen- und dem Entwicklungshilfeminister beschlossen hatte. <\/p><p>Laut Merkel bietet die Bundesregierung der internationalen Gemeinschaft eine Aufstockung des Bundeswehrkontingents f&uuml;r Afghanistan um insgesamt 850 Soldaten an: 500 Mann f&uuml;r die laufende Mission plus 350 Mann als Reserve. Im Mittelpunkt der neuen Strategie steht die Ausbildung einheimischer Sicherheitskr&auml;fte. Zudem sollen die finanzielle Aufbauhilfe und die Zahl von Polizeiausbildern deutlich vergr&ouml;&szlig;ert werden.<\/p><p>Am Mittag trat Au&szlig;enminister Guido Westerwelle, der die Bundesregierung bei der London-Konferenz vertreten wird, vor die Presse. Er k&uuml;ndigte an, dass die deutschen Truppen in Afghanistan bereits ab 2011 verkleinert werden. Mit dem Prozess der &Uuml;bergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Regierung solle noch in diesem Jahr begonnen werden. In den kommenden vier Jahren solle die Voraussetzung daf&uuml;r geschaffen werden, dass die milit&auml;rische Pr&auml;senz zur&uuml;ckgefahren werden k&ouml;nne. Ziel sei es, 2014 die komplette &Uuml;bergabe der Verantwortung an die Afghanen zu schaffen.<\/p><p><strong>&ldquo;Taliban reintegrieren&rdquo; <\/strong><\/p><p>Westerwelle legte bei seinem Auftritt gro&szlig;en Wert auf das Aussteigerprogramm f&uuml;r Taliban. Das Programm soll von der afghanischen Regierung durchgef&uuml;hrt werden und reuigen Taliban eine Ausstiegschance bieten, konkret sollen ihnen Jobs, Ausbildung und finanzielle Hilfen angeboten werden. <\/p><p>Voraussetzung ist, dass die Taliban der Gewalt und dem Terror abschw&ouml;ren, alle Kontakte zu al-Qaida abbrechen und die afghanische Verfassung anerkennen. Westerwelle versicherte mehrfach, dass die Verwendung des Geldes genau &uuml;berpr&uuml;ft werde und dass Taliban-Aussteiger erst nach geleisteter Arbeit finanzielle Unterst&uuml;tzung erhalten. Es gehe darum, Taliban in die Gesellschaft zu reintegrieren. <\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Die k&uuml;nftige Strategie setze auf zwei Aspekte. &ldquo;Wir wollen Demokratisierung und Stabilisierung in Einklang bringen&rdquo;, sagte Westerwelle.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-674118,00.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kennen das zwar schon. Kriege werden gef&uuml;hrt, um sich innen- und au&szlig;enpolitisch zu entlasten und zu profilieren. Wir kennen das von den USA, von Gro&szlig;britannien, von anderen Regierungen und von uns. Wir haben uns am Afghanistan-Krieg 2001 beteiligt, um die Freundschaft mit den USA zu sichern. 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