{"id":4483,"date":"2010-01-28T17:23:02","date_gmt":"2010-01-28T16:23:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4483"},"modified":"2014-08-06T11:33:15","modified_gmt":"2014-08-06T09:33:15","slug":"der-neoliberalen-ideologie-mangelt-es-auch-an-oekonomischer-effizienz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4483","title":{"rendered":"Der neoliberalen Ideologie mangelt es auch an \u00f6konomischer Effizienz."},"content":{"rendered":"<p>Die folgenden Gedanken sind als eine Anregung f&uuml;r NDS-Leserinnen und -Leser gedacht, die sich wie wir mit der herrschenden Ideologie auseinandersetzen.<br>\nMeist beklagen wir ja, dass die Neoliberalen die Werteorientierung verloren haben und insbesondere das Gebot sozialer Gerechtigkeit verletzen. Das ist richtig. Aber die Auseinandersetzung mit der neoliberalen Plage k&ouml;nnte um vieles effektiver sein: die Umsetzung der Rezepte Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung sowie die Zerst&ouml;rung sozialer Sicherungssysteme hat zu einer ma&szlig;losen Verschwendung von Ressourcen gef&uuml;hrt. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDazu ein paar Stichworte:<\/p><ol>\n<li>Wenn sich die Banken auf die eigentliche Funktion des Kapitalmarktes beschr&auml;nken, zwischen dem angesammelten Sparkapital incl. Krediten der Zentralbanken und dem Investitionsbedarf zu vermitteln, und ansonsten den Zahlungsverkehr zu sichern, dann kommt dieser Wirtschaftszweig mit sehr viel weniger Ressourcen zu Recht, als das bei gleichzeitigem Betrieb eines Finanzcasinos n&ouml;tig ist. Der Finanzsektor ist heute weit &uuml;berdimensioniert; wir haben ein echtes Konversionsproblem; das ist eine Folge der Deregulierung und F&ouml;rderung des Casinobetriebs durch die neoliberal eingef&auml;rbte Politik. Siehe dazu auch den Beitrag <a href=\"?p=3689\">Finanzkrise I vom 7. Januar 2009<\/a>. Symptomatisch f&uuml;r die Verschwendung von Ressourcen in diesem Bereich ist der Anteil des Finanzsektors am Bruttoinlandsprodukt in einschl&auml;gigen L&auml;ndern. In Gro&szlig;britannien zum Beispiel war er auf 10 % des BIP gestiegen. Dieser Anstieg folgt teilweise aus den ungeheuer hohen Verg&uuml;tungen in diesem Bereich, teilweise aber auch aus den f&uuml;r den Casinobetrieb gebrauchten menschlichen Ressourcen. Intelligente junge Leute tummeln sich auf einem gesamtwirtschaftlich betrachtet unproduktiven Sektor &ndash; in der Spekulation.<\/li>\n<li>Die Altersvorsorge wurde teilprivatisiert. Das macht das System um vieles teurer als zuvor. Zur Bewirtschaftung der gesetzlichen Rente werden nur knapp &uuml;ber einem Prozent der Beitr&auml;ge gebraucht; zum Betrieb und Vertrieb der Riester-Rente und der R&uuml;rup-Rente sind zwischen 10 und 20 % des Pr&auml;mienaufkommens f&auml;llig. Hier wie in anderen F&auml;llen macht es zum besseren Verst&auml;ndnis Sinn, die Vorg&auml;nge aus einer g&uuml;terwirtschaftlichen Perspektive zu betrachten, anders ausgedr&uuml;ckt: in real terms zu denken. Die Privatvorsorge verlangt den Einsatz von Versicherungsagenten und Werbeagenturen, von Konzernbossen, B&ouml;rsen und so weiter.<\/li>\n<li>Bei der Krankenkostenvorsorge wird auch mehr und mehr privatisiert. Das einigerma&szlig;en funktionierende System der gesetzlichen Krankenkassen wird zusehends destabilisiert. Es soll Wettbewerb geben, was gut klingt. Die dahinter steckenden Ideologen stellen sich vermutlich auch vor, dass die Menschen gen&uuml;gend Informationen und auch die n&ouml;tige Freiheit und pers&ouml;nliche Sicherheit haben, um sich angesichts verschiedener zus&auml;tzlicher Beitr&auml;ge f&uuml;r eine andere Krankenkasse zu entscheiden. Das ist eine ziemlich abwegige Vorstellung. Die meisten Menschen sind sehr unsicher und k&ouml;nnen beim besten willen nicht richtig beurteilen, ob ein Umstieg auf eine andere Krankenkasse Sinn macht. &ndash; Hinzu kommt, dass auch hier wie bei der Altersvorsorge ein Wust von neuen B&uuml;rokratien bei privaten Versicherungsgesellschaften geschaffen wird. Lauter verschwendete Ressourcen.<\/li>\n<li>Durch die de facto Privatisierung der Telekom, der Energiewirtschaft, der Bahn und anderer &ouml;ffentlicher Unternehmen wurde es n&ouml;tig, Regulierungsbeh&ouml;rden zu schaffen. Man wei&szlig; oder man merkt, dass man in der Gefahr steht, ein &ouml;ffentliches Monopol durch ein privates Monopol oder Oligopol zu ersetzen. Um dennoch Monopolpreise zu vermeiden, versucht man Aushilfe &uuml;ber Regulierungsbeh&ouml;rden zu schaffen. Und dann entscheidet ein Beamter &uuml;ber Trassenpreise usw. Soll das eine Verbesserung sein? In der Regel ist es eine Verschwendung von Ressourcen.<\/li>\n<li>Die Privatisierung des Paketdienstes ist ein besonders gutes Beispiel. Wieso soll es volkswirtschaftlich von Nutzen sein, wenn drei Lieferwagen verschiedener Paketzusteller nacheinander t&auml;glich die gleichen Stra&szlig;en befahren, um Pakete auszuliefern.<\/li>\n<li>Teilprivatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen und Einrichtungen &uuml;ber PPP, also &uuml;ber Private Public Partnerschaft ist eine Vergeudung von Ressourcen. Es werden Unternehmen t&auml;tig, die alle zus&auml;tzlich daran verdienen wollen.<\/li>\n<li>Der Handel mit Emissionsrechten ist ebenfalls ein Beispiel f&uuml;r die Verschwendung von Ressourcen.<\/li>\n<li>Die Erg&auml;nzung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks, also des Fernsehens und H&ouml;rfunks, durch kommerzielle Sender hat uns ein Mehr an Programmen gebracht und ansonsten eine Anpassung nahezu aller Sender an das niedrigste Niveau und an die g&auml;ngigen Propagandalinien. Soll das ein Vorteil sein? Was haben wir von zu vielen Programmen? Was haben wir von ihrer Kommerzialisierung? Die Versorgung mit Fernsehen und H&ouml;rfunk war vor dem &bdquo;Urknall&ldquo; im Jahr 1984, als die Regierung Kohl die Kommerzialisierung zulie&szlig; und f&ouml;rderte, keinesfalls schlechter. Heute ist dieser Wirtschaftszweig &uuml;berdimensioniert und verbunden mit allerlei Nachteilen f&uuml;r die Gesellschaft und die Demokratie.<\/li>\n<\/ol><p>Das waren einige von vielen m&ouml;glichen Beispielen f&uuml;r Ressourcenverschwendung und mangelnde Effizienz einer Gesellschaft, die sich an den neoliberalen Glaubenss&auml;tzen orientiert. Oft sind die neoliberalen Glaubenss&auml;tze auch nur vorgeschoben, oft geht es nur darum, Spezies Gesch&auml;ftsfelder zu er&ouml;ffnen. Beispiele und Belege f&uuml;r diese These kommen heutzutage fast t&auml;glich auf den Tisch. Und dabei wird die Rolle der FDP als Partei der Gesch&auml;ftemacher und der Ressourcenverschwendung in besonderer Weise sichtbar.<\/p><p>Es gibt gute Gr&uuml;nde, die herrschenden Ideologen genau auf dem Feld zu attackieren, dass sie meinen, besonders&rsquo; gut zu beackern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die folgenden Gedanken sind als eine Anregung f&uuml;r NDS-Leserinnen und -Leser gedacht, die sich wie wir mit der herrschenden Ideologie auseinandersetzen.<br \/> Meist beklagen wir ja, dass die Neoliberalen die Werteorientierung verloren haben und insbesondere das Gebot sozialer Gerechtigkeit verletzen. Das ist richtig. 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