{"id":44846,"date":"2018-07-09T09:23:47","date_gmt":"2018-07-09T07:23:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44846"},"modified":"2024-09-24T08:32:43","modified_gmt":"2024-09-24T06:32:43","slug":"die-geduld-ist-am-ende-chilenische-und-deutsche-opfer-von-colonia-dignidad-kuendigen-zusammenarbeit-mit-bundesregierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44846","title":{"rendered":"Die Geduld ist am Ende \u2013 Chilenische und deutsche Opfer von Colonia Dignidad k\u00fcndigen Zusammenarbeit mit Bundesregierung"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180709-Geduld-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Am vergangenen 3. Juli 2018 luden chilenische Angeh&ouml;rigenverb&auml;nde der auf Colonia Dignidad get&ouml;teten und verschwundenen politischen Gefangenen der Diktatur Augusto Pinochet zusammen mit Vertretern der deutschen Siedler-Opfer eine scharfe &ouml;ffentliche Erkl&auml;rung gegen das Vorgehen des deutschen Ausw&auml;rtigen Amtes auf ihre Auftrittsseiten in den sozialen Netzwerken. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><div class=\"clearRight\"><\/div><p><!--more--><br>\n&bdquo;Wir bedauern, <strong>dass die deutsche Regierung es ablehnt, das Recht der deutschen Opfer auf Hilfeleistungen anzuerkennen<\/strong> &ndash; eine in allen internationalen Vertr&auml;gen &uuml;ber Menschenrechts-Verletzungen vorgesehene, doch bisher aufgrund nachl&auml;ssiger und fahrl&auml;ssiger Behandlung vom deutschen Staat nicht erbrachte Leistung. Stattdessen empfiehlt das Hilfskonzept &sbquo;ausschlie&szlig;lich freiwillige Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen&lsquo;, deren Antragsteller sich durch die B&uuml;rokratie sozialer Zuwendungen qu&auml;len sollen, bar jeder Anerkennung bzw. erforderlicher Vorzugsbehandlung als Opfer von Menschenrechts-Verbrechen&rdquo;, hei&szlig;t es in dem von Myrna Troncoso und Anwalt Winfried Hempel unterschriebenen, zweiseitigen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/180709_oe.pdf\">Manifest<\/a>.<\/p><p>Troncoso vertritt die zentralchilenische Maule-Region, die die meisten nach Colonia Dignidad verschleppten und ermordeten politischen H&auml;ftlinge in Chile zu beklagen hat. Hempel ist ein auf der Siedlung aufgewachsener Anwalt deutscher Abstammung, der die von der F&uuml;hrungsclique der Siedlung versklavten und gesch&auml;ndeten deutschen Siedler-Opfer gegen&uuml;ber der chilenischen und der deutschen Justiz vertritt.<\/p><p>Nach Auflistung einer f&uuml;r das Ausw&auml;rtige Amt blamablen Latte von Vers&auml;umnissen und seit 2016 verzeichneten, unertr&auml;glichen Verz&ouml;gerungen erkl&auml;ren insgesamt sieben Unterzeichner-Verb&auml;nde, &bdquo;Unter diesen Umst&auml;nden stehen wir &ndash; die chilenischen und deutschen Opfer, und ihre Familien &ndash; nicht mehr den Gespr&auml;chen und bilateralen Treffen zur Verf&uuml;gung, die auf eine Abmachung &sbquo;falscher Vergebung&lsquo; hinauslaufen, und uns Ma&szlig;nahmen aufn&ouml;tigen, die eine aktive und konkrete Verantwortung Deutschlands f&uuml;r die begangenen Verbrechen kaschieren sollen. Folglich erkl&auml;ren wir, mit sofortiger Wirkung, die Einstellung unserer Zusammenarbeit, solange die Forderungen, die wir wiederholt erhoben haben, nicht erf&uuml;llt werden&rdquo;.<\/p><p>Der Zorn der Opfer der Sektensiedlung in Zentralchile ist verst&auml;ndlich, erfuhren sie doch aus dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/colonia-dignidad-deutschland-will-nichts-an-opfer-zahlen-a-1216118.html\"><em>Spiegel<\/em><\/a> von einem &ldquo;Entwurf der Bundesregierung f&uuml;r ein Hilfskonzept f&uuml;r die Opfer von Colonia Dignidad&rdquo;. Genauer und schlimmer: Sie erfuhren zwar von dem Spiegel-Bericht, den sie sich als des Deutschen Unkundige ebenso &uuml;bersetzen lassen mussten wie das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/180709_konzept.pdf\">Hilfskonzept der Bundesregierung<\/a>. Warum informierte das AA nicht die chilenischen Angeh&ouml;rigenverb&auml;nde von seinem Hilfskonzept, bevor es das Papier an die Presse freigab?<\/p><p>Mit seiner Indifferenz, wenn nicht gar Respektlosigkeit, best&auml;tigte die deutsche Diplomatie allerdings aufs Gr&ouml;bste die in der Erkl&auml;rung der Opfer vorgetragenen Vorw&uuml;rfe &uuml;ber die Aufarbeitung der Colonia-Dignidad-Schande durch das offizielle Bonn und das sp&auml;tere offizielle Berlin, deren Mitwissen und Wegschauen bis in die 1970-er Jahre zur&uuml;ckreichen.<\/p><p>Zorn nicht nur unter den chilenischen Angeh&ouml;rigen-Verb&auml;nden und deutschen Opfern. Auch im Bundestag stie&szlig; das Hilfskonzept auf scharfe Ablehnung. Michael Brand, CDU-Abgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses f&uuml;r Menschenrechte und humanit&auml;re Hilfe, haute dem AA das Papier um die Ohren. &bdquo;Das, was ich jetzt auf 5 Seiten gelesen habe, hat nicht nur mich, ehrlich gesagt, sprachlos gemacht &ndash; auch zornig! Das Ausw&auml;rtige Amt hat aus einem Auftrag des Deutschen Bundestages, einen Akt der moralischen und materiellen Wiedergutmachung zu entwickeln, ein kaltes und zynisches B&uuml;rokratenpapier gemacht, das vor allem ein Ziel hat: nur ja kein Geld ausgeben!&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Herr Au&szlig;enminister Maas, das geht nicht, das machen wir nicht mit!&rdquo;, drohte Brand. &bdquo;Das ist dezidiert nicht das, was der Deutsche Bundestag gefordert hat. Es widerspricht eklatant dem Geist und dem Text der Entschlie&szlig;ung des Parlaments. Der Entwurf ist nicht nur besch&auml;mend f&uuml;r Deutschland, er ist vor allem zynisch gegen&uuml;ber den Opfern!&rdquo;.<\/p><p><strong>Die z&ouml;gerliche und gespaltene Aufarbeitung durch das offizielle Deutschland<\/strong><\/p><p>Dass die Geduld chilenischer und deutscher Opfer am Ende ist, hat seine Gr&uuml;nde. Schon 1988 berichteten deutsche Siedler-Opfer vor dem Bundestag &uuml;ber die Gr&auml;ueltaten, jedoch ohne Folgen. Es musste erst achtundzwanzig Jahre sp&auml;ter Florian Gallenbergers mit gro&szlig;z&uuml;giger Andichtung fiktiver Umst&auml;nde ausstaffierter Spielfilm <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Colonia_Dignidad_%E2%80%93_Es_gibt_kein_Zur%C3%BCck\">Colonia Dignidad &ndash; Es gibt kein Zur&uuml;ck<\/a> den Horror der Sektensiedlung auf die Leinw&auml;nde projizieren, damit sich das offizielle Berlin angesprochen f&uuml;hlte und mit einer historischen Rede des damals amtierenden Bundesau&szlig;enministers Frank-Walter Steinmeier im Fall Dignidad die Wende einl&auml;utete.<\/p><p>&bdquo;&hellip; der Umgang mit der Colonia Dignidad ist kein Ruhmesblatt, auch nicht in der Geschichte des Ausw&auml;rtigen Amtes. &Uuml;ber viele Jahre hinweg, von den sechziger bis in die achtziger Jahre haben deutsche Diplomaten bestenfalls weggeschaut &ndash; jedenfalls eindeutig zu wenig f&uuml;r den Schutz ihrer Landsleute in dieser Kolonie getan. Auch sp&auml;ter &ndash; als die Colonia Dignidad aufgel&ouml;st war und die Menschen den t&auml;glichen Qu&auml;lereien nicht mehr ausgesetzt waren &ndash; hat das Amt die notwendige Entschlossenheit und Transparenz vermissen lassen, seine Verantwortung zu identifizieren und daraus Lehren zu ziehen&rdquo;, erkl&auml;rte der heutige Bundespr&auml;sident im April 2016 (Rede von Au&szlig;enminister Frank-Walter Steinmeier anl&auml;sslich der Veranstaltung &ldquo;Colonia Dignidad&rdquo; im Ausw&auml;rtigen Amt &ndash; 26.04.2016).<\/p><p>W&auml;hrend jener au&szlig;erordentlichen Filmpremiere im AA pl&auml;dierte Steinmeier als erstes f&uuml;r mehr Transparenz und verk&uuml;ndete eine zehnj&auml;hrige Verk&uuml;rzung der Schutzfrist f&uuml;r die Freigabe der diplomatischen Colonia-Dignidad-Akten der Jahre 1986 bis 1996 an Wissenschaftler und Medien. Die ehrerbietende Verneigung vor den Opfern und die scheinbar gro&szlig;z&uuml;gige Aktenfreigabe brachten den Stein ins Rollen.<\/p><p><strong>Die bilaterale &ldquo;Agenda Colonia Dignidad&rdquo;<\/strong><\/p><p>Ein halbes Jahr sp&auml;ter traf im November 2016 eine Bundestags-Delegation aus sieben Mitgliedern des Ausschusses f&uuml;r Recht und Verbraucherschutz in Chile ein. Unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Renate K&uuml;nast (Die Gr&uuml;nen) besuchten Jan-Marco Luczak, Stephan Harbarth und Volker Ullrich von der CDU\/CSU, Matthias Bartke und Christian Flisek von der SPD sowie Harald Petzold von der Linken die Siedlung und trafen sich mit den in Chile verbliebenen deutschen Willk&uuml;r-Opfern sowie mit den ma&szlig;geblichen chilenischen Angeh&ouml;rigen-Verb&auml;nden von nach der Siedlung verschleppten und dort verschwundenen politischen Gefangenen der Pinochet-Diktatur.<\/p><p>So entstand eine bilaterale Agenda und die sogenannte &ldquo;Gemischte Kommission Colonia Dignidad&rdquo;, die sich schnell auf zwei Kernforderungen konzentrierte: die finanzielle Entsch&auml;digung plus psychologische Langzeit-Betreuung der deutschen Siedler-Opfer und die energisch von den chilenischen Angeh&ouml;rigen-Verb&auml;nden geforderte Errichtung einer politischen Gedenkst&auml;tte auf dem Siedlungsgebiet der Kolonie.<\/p><p>Im April 2018 reiste auch zum ersten Mal eine deutsche Juristen-Delegation nach Chile. Mit zwei Vertretern des Bundesjustizministeriums, zwei Oberstaatsanw&auml;lten aus Nordrhein-Westfalen und einer Abteilungsleiterin im Ausw&auml;rtigen Amt trafen die Juristen mit dem chilenischen Sonderermittler Mario Carroza und den Opferanw&auml;lten Hern&aacute;n Gonz&aacute;lez und Winfried Hempel zusammen.<\/p><p>Wie die Schnellenkamps ist Hempel ein weiteres Beispiel f&uuml;r die Zerrissenheit und Entzweiung ganzer Familien durch die Gr&auml;ueltaten der sogenannten &bdquo;F&uuml;hrungsclique&rdquo; um Paul Sch&auml;fer, der etliche Jugendliche durch Flucht zu entkommen versuchten. Anwalt Hempel ist n&auml;mlich Neffe des ehemaligen Milizion&auml;rs und Leichenverbrenners Willy Malessa, der nach seiner Verhaftung von Richter Jorge Zepeda mit einer Kronzeugenregelung Anfang des neuen Millenniums wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt wurde.<\/p><p>Die deutschen Justizbeamten befragten chilenische Zeugen f&uuml;r ihre Ermittlungen, die gegen ehemalige Siedlungsbewohner in Deutschland gef&uuml;hrt werden, darunter gegen den ehemaligen Siedlungs-Arzt Hartmut Hopp.<\/p><p><strong>Das Intermezzo Myrna Troncosos: Harmut Hopp und &bdquo;die T&auml;ter unter uns&rdquo;<\/strong><\/p><div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180709-Geduld-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Hopp war im November 2004 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung in mehreren F&auml;llen zu einer f&uuml;nfj&auml;hrigen Haftstrafe verurteilt worden, ergriff jedoch 2011 mit seiner Frau die Flucht nach dem deutschen Krefeld. Nach unverst&auml;ndlichen und groben b&uuml;rokratischen Verz&ouml;gerungen entschied das Landgericht Krefeld auf Antrag der Staatsanwaltschaft endlich im August 2017, dass die in Chile verh&auml;ngte Freiheitsstrafe auch in Deutschland vollstreckt werden k&ouml;nne. Doch Hopps Anwalt legte Beschwerde beim Oberlandesgericht D&uuml;sseldorf ein &ndash; der Siedlungsarzt und h&auml;ufige Privatgast der Pinochets lebt also weiter auf freiem Fu&szlig;.<\/p><p>Zwei Monate nach dem Arbeitsbesuch der deutschen Ermittler in Chile trat die Schwester eines chilenischen Verschollenen und Sprecherin des Angeh&ouml;rigenverbandes der Verschwundenen auf Colonia Dignidad der Region Maule (AFDD), Myrna Troncoso, im vergangenen Juni einen umgekehrten Besuch in Deutschland an. Nach nunmehr einem kompletten Jahr des geduldigen Wartens auf die von der Bundesregierung 2017 versprochene Vorlage eines Hilfskonzepts wollte sich die Sprecherin nach dem Grund der Verz&ouml;gerung erkundigen, jedoch auch im Fall Hopp Druck aus&uuml;ben. So fuhr sie nach Krefeld und klingelte an der Haust&uuml;r des fl&uuml;chtigen Siedlungsarztes, begleitet von einer protestierenden Schar deutscher Colonia-Dignidad-Aktivisten (siehe Foto).<\/p><div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180709-Geduld-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Der Grund f&uuml;r Troncosos unerbetenen Hopp-Besuch ist leicht zu verstehen. Die chilenischen Angeh&ouml;rigen-Verb&auml;nde sind sich sicher, dass der Arzt Informationen &uuml;ber das Schicksal, insbesondere &uuml;ber den Standort der geheimen Massengr&auml;ber hat, die chilenische Forensiker seit Jahresbeginn im Auftrag von Richter Carroza ausheben. Selbstverst&auml;ndlich wurde Troncoso nicht von Hopp empfangen.<\/p><p>Hopp ist nicht der einzige Deutsche, der Aufschluss &uuml;ber das Schicksal von mindestens 100 chilenischen Verschwundenen geben kann. In der Reportage &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fF_wYJVLb5k\">Die Story im Ersten: Die Sekte der Folterer<\/a>&ldquo; (ab Minute 41:00) best&auml;tigte der Ex-Siedler und Waffenexperte Wilfried Schmiedtke, es g&auml;be eine F&uuml;hrungsmannschaft der Kolonie, die in Deutschland und &Ouml;sterreich Zuflucht gesucht habe. Namen wollte er nicht nennen &ndash; &bdquo;Was n&uuml;tzt mir die Gerechtigkeit oder was n&uuml;tzt denen das!&rdquo;, begr&uuml;ndete er den Schweige-Pakt der mutma&szlig;lichen Menschensch&auml;nder.<\/p><p>In Chile steht ebenfalls ein Schutzwall gegen &bdquo;Verrat&rdquo;. Das sind die ehemaligen Mitglieder eines w&auml;hrend der Pinochet-Diktatur eingeweihten Freundeskreises um Colonia Dignidad, zu deren Gr&uuml;ndungsmitgliedern der seit M&auml;rz 2018 amtierende Justizminister Hern&aacute;n Larra&iacute;n geh&ouml;rt; was jetzt die Arbeit der gemischten Deutsch-Chilenischen Kommission nicht gerade erleichtert. Larra&iacute;ns Sympathien f&uuml;r Paul Sch&auml;fer und seinen engeren Kreis sind keine abwegige Unterstellung. Als der kriminelle Dignidad-Patriarch verhaftet wurde, stellte sich der jetzt amtierende Justizminister <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ntjGMERaD8Y\">voll auf seine Seite<\/a>.<\/p><p><strong>Perverser Jodeltanz auf Massengr&auml;bern<\/strong><\/p><p>Gleichwohl scheint die Bundesregierung in den seit der Filmpremiere verflossenen Jahren zwei ebenso relevante Forderungen der Chilenen, die mit Nachdruck von Myrna Troncoso vorgetragen wurden, zu &uuml;berh&ouml;ren: die Fortsetzung der Suche nach den sch&auml;tzungsweise 100 nach der Siedlung verschleppten und dort verschwundenen politischen Gefangenen und die Einstellung der touristischen Umtriebe auf dem Gel&auml;nde der in &ldquo;Villa Baviera&rdquo; (das Bayerische Dorf) umgetauften Siedlung.<\/p><p>Irritierend wirkte deshalb ein <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/AuswaertigesAmt\/photos\/pcb.959608540802983\/959598334137337\/?type=3&amp;theater\">auf der Facebook-Seite des AA<\/a> anl&auml;sslich der Filmpremiere vom April 2016 ver&ouml;ffentlichtes Foto mit dem Bildtext: &bdquo;Au&szlig;enminister Steinmeier im Gespr&auml;ch mit Anna Schnellenkamp, die viele Jahre unter dem brutalen Zwangssystem der Colonia Dignidad gelitten hat&rdquo;. War der Au&szlig;enminister wieder einmal falsch informiert worden?<\/p><p>Anna Schnellenkamp ist n&auml;mlich Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin des &ldquo;Bayerischen Dorfes&rdquo;, das ahnungslosen oder indifferenten Touristen Gastst&auml;ttenbetrieb mit &bdquo;deutschen Spezialit&auml;ten&rdquo; sowie Hotelunterkunft anbietet und allj&auml;hrlich eine befremdliche und laustarke <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ye5GrYIKcAo\">Nachahmung des M&uuml;nchner Oktoberfests<\/a> inszeniert, dessen beleidigenden und verwerflichen Charakter ich unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35124\"><em>Villa Baviera ist obsz&ouml;n!<\/em><\/a> bereits in der Ausgabe vom 22. September 2016 in den Nachdenkseiten ausf&uuml;hrlich beschrieben habe.<\/p><p>Anna Schnellenkamp ist zu bedauern. Zum einen bot sie im Juni 2016 dem Verband AFDD die Einstellung des Tourismus an, f&uuml;hrt aber zum anderen den Betrieb bis zum heutigen Tag ungest&ouml;rt weiter. Ihre widerspr&uuml;chlichen Aussagen interpretieren die chilenischen Angeh&ouml;rigenverb&auml;nde immerhin als &bdquo;Druck von h&ouml;herer Instanz&rdquo;, n&auml;mlich einer zweiten Generation gewissenloser und profitgieriger Strippenzieher unter den 100 deutschen Rest-Siedlern auf dem Gel&auml;nde. Die deutsche Agentur f&uuml;r internationale Zusammenarbeit (GIZ) wurde mit der Erstellung eines Berichts &uuml;ber das Verm&ouml;gen von Villa Baviera beauftragt, dessen Urspr&uuml;nge in vielfachen illegalen Gesch&auml;ften, u.a. im Waffenhandel und illegalen Devisengesch&auml;ften, zu suchen sind. Ergebnisse lassen auf sich warten.<\/p><p>Die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin ist Schwester von Klaus Schnellenkamp, dem nach vier fehlgeschlagenen Versuchen im Jahr 2005 die spektakul&auml;re Flucht aus Dignidad gelang und der gro&szlig;es Aufsehen in deutschen Medien (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aoChQSIshFc\">Interview mit Klaus Schnellenkamp<\/a>) mit den in seinem Aussteiger-Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.google.cl\/search?q=klaus+schnellenkamp+geboren+im+schatten+der+angst:+ich+%C3%BCberlebte+die+colonia+dignidad&amp;stick=H4sIAAAAAAAAAOPgE-LSz9U3MM9ONjUxU-LRT9c3NErKraoyycvVkspOttJPys_P1k8sLcnIL7ICsYsV8vNyKgFtg3MZOAAAAA&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwjIy8bl4IncAhVKIpAKHRz_AV8QmxMIugEoATAc\">Geboren im Schatten der Angst: ich &uuml;berlebte die Colonia Dignidad<\/a>&ldquo; bekanntgemachten schauderhaften Erlebnissen erregte.<\/p><p>Annas und Klaus&lsquo; Vater hie&szlig; Kurt Schnellenkamp, einer der Gr&uuml;ndungsv&auml;ter der deutschen Siedlung und rechte Hand des 2005 in der Haft verstorbenen, kriminellen Kolonie-Chefs Paul Sch&auml;fer. Wegen der Begr&uuml;ndung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verb&uuml;&szlig;te Schnellenkamp eine f&uuml;nfj&auml;hrige Haftstrafe und war wegen seiner Beteiligung an sexuellem Missbrauch von Kindern zu weiteren f&uuml;nf Jahren verurteilt worden. Der deutsche Kolonief&uuml;hrer starb im Dezember 2017 im Alter von 90 Jahren an Magenkrebs, nachdem der f&uuml;r die &bdquo;Causa Dignidad&ldquo; zust&auml;ndige Richter Mario Carroza seine Verlegung aus dem Gef&auml;ngnis von Cauquenes in das Krankenhaus von &bdquo;Villa Baviera&ldquo; erlaubt hatte.<\/p><p>Wie in der Reportage <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35145\"><em>Colonia Dignidad: &iquest;donde est&aacute;n &ndash; wo sind sie? &ndash; Ein Erlebnisbericht<\/em><\/a> nachzulesen ist, war Schnellenkamp kein unbeschriebenes Blatt. Als ehemaliges Mitglied der Waffen-SS und weitgereister Waffenh&auml;ndler im Auftrag der Kolonie kommandierte er auch die Aufstellung einer gemeingef&auml;hrlichen Miliz, die nicht selten im Bund mit der Geheimpolizei DINA und dem Pinochet-Milit&auml;r sich an Jagden auf Allende-Anh&auml;nger beteiligte.<\/p><p><strong>Bundesregierung &bdquo;unbeteiligt&rdquo;?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Das Ausw&auml;rtige Amt ist nicht daran schuld, dass es in Chile einen Milit&auml;rputsch und 17 Jahre Milit&auml;rdiktatur gab. Es tr&auml;gt auch keine Verantwortung f&uuml;r das Unwesen, das Paul Sch&auml;fer und seine Spie&szlig;gesellen trieben, teilweise in Verbindung mit den Milit&auml;rs und Diktatoren&rdquo;, hatte Bundesau&szlig;enminister Steinmeier im Brustton der &Uuml;berzeugung in seiner ber&uuml;hmten Rede vom April 2016 gegen Schuldzuweisungen erkl&auml;rt.<\/p><p>Zwei Jahre sp&auml;ter werfen nun Vertreter der chilenischen und deutschen Siedler-Opfer dem Ausw&auml;rtigen Amt sehr wohl Beteiligung durch Unt&auml;tigkeit vor. &bdquo;Als Betroffene, die seit mehr als 40 Jahren unter den Folgen der von der kriminellen Vereinigung Colonia Dignidad ver&uuml;bten Verbrechen leiden und f&uuml;r deren endg&uuml;ltige S&uuml;hnung k&auml;mpfen, <strong>stellen wir entt&auml;uscht fest, dass die deutsche Regierung offenbar ihre H&auml;nde in Unschuld waschen will<\/strong>, wenn sie behauptet, am Leid hunderter Opfer der Pinochet-Diktatur &sbquo;nicht  beteiligt&lsquo; gewesen zu sein&rdquo;, hei&szlig;t es in der &Ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung.<\/p><p>&bdquo;Wir sind der Ansicht, dass die Schwere und Dringlichkeit der Situation der Opfer, die keine Hilfe in H&ouml;he der erlittenen Sch&auml;den erhalten haben, nicht ernsthaft angegangen wird&rdquo;, beschwerte sich bereits im Januar 2018 Hern&aacute;n Fern&aacute;ndez, Anwalt der Siedler-Opfer. Die Komplexit&auml;t der Lage der gebrechlichen Leidtragenden, ohne Ersparnisse oder Renten, mit schweren physischen und psychologischen Folgen, erlaube keine Verz&ouml;gerung mehr, warnte der Jurist.<\/p><p>Um auf &bdquo;dem Weg der Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung&ldquo; voranzukommen, fordern die Opfer-Verb&auml;nde die Aufstellung einer <em>Wahrheitskommission<\/em>, die Informationen und Zeugenaussagen zur Identifizierung der Betroffenen und von Empfehlungen f&uuml;r Hilfsma&szlig;nahmen sammelt. &bdquo;Der Fall Colonia Dignidad ist nicht nur Vergangenheit, sie ist immer noch pr&auml;sent. Kein Mensch verlangt hier einen Gefallen, es ist die Erf&uuml;llung staatlicher Pflichten, die beansprucht wird&rdquo;, forderte der Chilene.<\/p><p>Apropos &bdquo;Wahrheit&ldquo;, f&auml;llt jedem wachen Beobachter doch der Satz der ehemaligen Siedlerin und Kl&auml;gerin Gudrun M&uuml;ller ein, die von einer Krankenschwester gesagt bekam: &bdquo;Na ja, mit den Elektroschocks haben sie dir Ged&auml;chtnisl&uuml;cken eingef&uuml;gt&rdquo;&hellip;<\/p><p>Die vollst&auml;ndige Wahrheit ist jedenfalls in den &bdquo;Dignidad-Akten&ldquo; des BND zu finden, deren Einsicht der deutschen Journalistin Gaby Weber schon 2009 verwehrt wurde. Die Bundestagsabgeordneten t&auml;ten gut daran, die vorzeitige Freigabe der Verschlusssache einzuklagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180709-Geduld-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Am vergangenen 3. Juli 2018 luden chilenische Angeh&ouml;rigenverb&auml;nde der auf Colonia Dignidad get&ouml;teten und verschwundenen politischen Gefangenen der Diktatur Augusto Pinochet zusammen mit Vertretern der deutschen Siedler-Opfer eine scharfe &ouml;ffentliche Erkl&auml;rung gegen das Vorgehen des deutschen Ausw&auml;rtigen Amtes auf ihre Auftrittsseiten in den sozialen Netzwerken.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44846\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[188,126,161],"tags":[669,1966,927,305,2177,1963,545,252,2399],"class_list":["post-44846","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesregierung","category-erosion-der-demokratie","category-wertedebatte","tag-chile","tag-colonia-dignidad","tag-folter","tag-menschenrechte","tag-militaerdiktatur","tag-pinochet-augusto","tag-sexueller-missbrauch","tag-steinmeier-frank-walter","tag-wiedergutmachung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44846"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44846\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121827,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44846\/revisions\/121827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}