{"id":44885,"date":"2018-07-11T09:50:25","date_gmt":"2018-07-11T07:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44885"},"modified":"2024-09-24T08:33:10","modified_gmt":"2024-09-24T06:33:10","slug":"von-buergern-zweiter-klasse-anmerkungen-zu-einem-interview-im-tagesspiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44885","title":{"rendered":"Von B\u00fcrgern zweiter Klasse &#8211; Anmerkungen zu einem Interview im Tagesspiegel"},"content":{"rendered":"<p>Tja, da war der Tagesspiegel leider schneller. &Uuml;ber einen guten Freund, der hier in Moskau in einem schwulen Sportverein Volleyball spielt, wollte ich eigentlich an ein Interview mit dessen Vorstand kommen. Ich hatte angefragt, aber man hat sich offensichtlich f&uuml;r ein <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/sport\/queer-in-russland-wir-sind-buerger-zweiter-klasse\/22768004.html\">Interview<\/a> mit dem &nbsp;Berliner Tagesspiegel entschieden. Ein Zwischenruf von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>, der f&uuml;r die NachDenkSeiten die WM in Russland vor Ort beobachtet.<\/p><div class=\"clearRight\"><\/div><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_413\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-44885-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180711_Von_Buergern_zweiter_Klasse_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180711_Von_Buergern_zweiter_Klasse_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180711_Von_Buergern_zweiter_Klasse_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180711_Von_Buergern_zweiter_Klasse_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=44885-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180711_Von_Buergern_zweiter_Klasse_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180711_Von_Buergern_zweiter_Klasse_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Auswahl war bestimmt nicht zuf&auml;llig. Der Tagesspiegel passt deutlich besser zu der von Vorstand Alexander Agapov verbreiteten Meinung als ich. Bevor man sich jetzt der im Tagesspiegel verbreiteten These anschlie&szlig;t, dass in Russland Schwule Menschen zweiter Klasse sind, sollte man sich die impliziten Informationen des Interviews deutlich machen.<\/p><p>Die offensichtlichste davon ist: Es gibt in Russland ein Netz von LGBT-Sportvereinen. Wer h&auml;tte das gedacht nach all den Nachrichten &uuml;ber unterdr&uuml;ckte Schwule und mangelnde Rechte? <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus nehmen die Vereine des LGBT-Sportnetzwerks nicht nur an internationalen Veranstaltungen teil, sondern richten selbst internationale und nationale Turniere aus, bieten dar&uuml;ber hinaus vielfache M&ouml;glichkeiten zur Begegnung. Das klingt jetzt nicht so ganz nach staatlicher Unterdr&uuml;ckung von LGBT.<\/p><p>Diese Fakten decken sich auch nicht mit der Aussage Agapovs, in Russland sei alles nur sch&ouml;ne Fassade, dahinter sei dann nichts. Es gibt den Dachverband des LGBT-Sports, es gibt Vereine, es gibt eine gut funktionierende Infrastruktur f&uuml;r LGBT in Russland. Es sind eben keine Potemkinschen D&ouml;rfer, sondern tats&auml;chlich existierende Gruppen, Diskotheken, Bars, Vereine. H&auml;tte man so nicht gedacht, oder? W&uuml;rdigt das der Tagesspiegel? Nat&uuml;rlich mit keinem Wort. Es geht um den Spin. <\/p><p>Allerdings verdeutlicht das Interview auch ein Problem. Das Problem ist eine in Russland wohlgez&uuml;chtete Erwartungshaltung. Alles, was im Westen als kontr&auml;r zum russischen politischen Mainstream wahrgenommen wird, alles, was in irgendeiner Weise nach westlichen, liberalen Werten riecht, wird hier in Russland aus dem Ausland finanziert und man erwartet eine solche Finanzierung auch. <\/p><p>Ich erinnere mich noch an eine Aussage von eben jenem Freund, der hier in einem Moskauer LGBT-Verein Volleyball spielt. Der meinte, durch die russische Gesetzgebung, insbesondere dem Anti-Gay-Propaganda-Gesetz, sei zu bef&uuml;rchten, dass die ausl&auml;ndischen Sponsoren wegbrechen. Mich lie&szlig; das aufh&ouml;ren. Ich war ja auch schon in zahlreichen Vereinen sportlich aktiv, aber ausl&auml;ndische Sponsoren hatten wir nie. Wozu auch? Wir haben die Finanzierung immer selbst gestemmt. Die Erwartungshaltung ist in Russland eine andere. Man erwartet Unterst&uuml;tzung aus dem Ausland. Die Frage ist jedoch, warum sollten ausl&auml;ndische Sponsoren kleine Vereine in Russland unterst&uuml;tzen?<\/p><p>Und genau bei dieser Frage wird es interessant. Welcher Sponsor finanziert g&auml;nzlich uneigenn&uuml;tzig die Freizeitaktivit&auml;ten sexueller Minderheiten im Ausland? Die Antwort ist: Keiner! <\/p><p>Wenn Geld flie&szlig;t, gibt es Interessen. Wenn beispielsweise der LSVD, der Lesben- und Schwulenverband Deutschland, im Ausland unterst&uuml;tzt, dann geht es &ndash; die Schwulen und Lesben unterscheiden sich hier nicht vom Rest der Republik &ndash; um Export. Dieses Mal zwar nicht um den Export von G&uuml;tern, wohl aber um den Export von Werten und Sichtweisen. Dieser Export erzwingt eine Verschuldung, die Alexander Agapov offensichtlich versucht, mit dem Interview abzutragen. Der Zins daf&uuml;r ist die Verbreitung und Instrumentalisierung, die&nbsp;in Deutschland unmittelbar stattfindet. Zahlreiche deutsche Organisationen, unter anderem die den Gr&uuml;nen nahestehende Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, springen sofort auf das Thema auf. Das Narrativ vom homophoben Unrechtsstaat Russland, in dem die Menschenrechte mit F&uuml;&szlig;en getreten werden, wird erneut gefestigt. Bedauerlich. <\/p><p>Die Tatsache, dass hier Gay-Prides seit einigen Jahren untersagt sind, hat &uuml;brigens genau mit dieser westlichen Einflussnahme zu tun. Es war einfach ein bisschen zu viel an westlichem Engagement. Denn es gilt f&uuml;r den Export von Werten vermutlich genau das Gleiche wie f&uuml;r den Export von Waren: Wenn es nicht zu allzu gro&szlig;en Ungleichgewichten kommt, die Bilanzen ausgeglichen sind, ist das alles okay und sogar bereichernd. Man nennt das kulturellen Austausch. Nur ist das in Bezug auf Deutschland nat&uuml;rlich weder im Bereich der Waren noch im Bereich der Werte und Sichtweisen der Fall. <\/p><p>Man muss es sich einfach nur andersrum vorstellen, um zu verstehen, was hier vor sich geht. Stellen wir uns also vor, russische Organisationen w&uuml;rden in Deutschland Vereine und Organisationen finanzieren und beraten, um eine russische Sicht der Dinge, um russische Werte in Deutschland zu implementieren. Ein politischer und medialer Aufschrei w&auml;re sichergestellt. Es w&auml;re sofort von russischer Aggression die Rede, von einem Angriff auf Demokratie und Freiheit. <\/p><p>Russland lebt seit Dekaden mit diesen Aktivit&auml;ten, den Versuchen der Einflussnahme unsererseits. Keine parteinahe deutsche Stiftung, die nicht in Russland vertreten ist, kein transatlantischer Think-Tank, der nicht versuchen w&uuml;rde, ein Bein in die russische T&uuml;r zu bekommen. Und es funktioniert ja auch ein St&uuml;ck weit. Alexander Agapov wei&szlig; offensichtlich, was ihm zu sagen aufgegeben ist. <\/p><p>Ich spreche mit Nikolay, Gr&uuml;nder der Organisation Gay Russia. Auch er will Neuerungen, will Ver&auml;nderung, aber er will sie alleine durchsetzen, ohne westliche Hilfe und vor allem ohne westliche Anleitung und Weisung. Er setzt auf den europ&auml;ischen Menschenrechtsgerichtshof, um Gesetzes&auml;nderungen in Russland herbeizuf&uuml;hren, schlie&szlig;lich ist Russland Mitglied im Europarat. Zumindest noch. Nikolay klagt auf Teufel-komm-raus.<\/p><p>Bob von den Moskow Bears setzt dagegen einfach auf Veranstaltungen und meint, es w&auml;re einfach wichtig, zusammenzukommen. Gesellschaftliche Sichtbarkeit h&auml;lt er f&uuml;r unwichtig, sogar f&uuml;r kontraproduktiv. Es geht ihm nicht um die Herausstellung besonderer Merkmale und das Erzwingen von Akzeptanz ihnen gegen&uuml;ber. Es geht ihm darum, Teil der Gesellschaft zu sein, aber eben kein exklusiver Teil. <\/p><p>Welche der beiden Herangehensweisen richtig oder besser ist, vermag ich nicht zu sagen. Letztlich muss Russland entscheiden, wie es leben und zusammenleben m&ouml;chte. <\/p><p>Generell halte ich die Freir&auml;ume hier f&uuml;r relativ gro&szlig; und die gelebte Toleranz f&uuml;r weitreichend. <\/p><p>Gestern beispielsweise haben wir als Mitbringsel einen Kokoschnik gekauft. Ein <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/5\/5a\/2009_Stamp_of_Russia._Wedding_crown._Nizhniy_Novgorod_Province.jpg\/445px-2009_Stamp_of_Russia._Wedding_crown._Nizhniy_Novgorod_Province.jpg\">Kokoschnik<\/a> ist eine traditionelle Kopfbedeckung f&uuml;r russische Frauen. Zu meiner &Uuml;berraschung fragte uns die Verk&auml;uferin, ob der Kokoschnik f&uuml;r einen Mann oder eine Frau sein soll. Ein Mann h&auml;tte in der Regel einen etwas gr&ouml;&szlig;eren Kopfumfang, was beim Kauf zu beachten sei. Die Frage war kompetent und irgendwie so gar nicht homophob. <\/p><p>Was ich allerdings zu sagen vermag, ist, wie irritierend ich es finde, dass Fragen zur sexuellen Identit&auml;t pl&ouml;tzlich zu etwas ganz Gro&szlig;em geworden sind, wie sie pl&ouml;tzlich zu einem &nbsp;Instrument der Geopolitik geworden sind. Dabei sind die Unterschiede zwischen Russland und den L&auml;ndern des Westens in der Gesetzgebung im Prinzip gering. <\/p><p>Dass es soweit kommen konnte hat etwas mit dem Verlauf der Diskussionen der Bewegung im Westen zu tun. Es ist sicherlich ganz gut, sich zu vergegenw&auml;rtigen, was da in den letzten Dekaden passiert ist. Aus der Schwulenbewegung der 70-er und 80-er Jahre wurde die Schwulen- und Lesbenbewegung. Die Aidskrise verlieh der Bewegung einen gewissen Schub, denn pl&ouml;tzlich wurde zumindest m&auml;nnliche Homosexualit&auml;t sichtbar, wenn auch nur als Krankheit und Tod. Teile der Lesbenbewegung bestanden damals darauf, ebenfalls Opfer der Aidskrise geworden zu sein, obwohl aus den Statistiken hervorgeht, dass dem nicht so ist. Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lecktuch\">dental dam<\/a> war damals bei den gleichgeschlechtlich verkehrenden Frauen in aller Munde, im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dieser durch Krankheit bekannter und einflussreicher gewordenen Schwulen- und Lesbenbewegung wurde die Lesben- und Schwulenbewegung, denn die Lesben f&uuml;hlten sich durch die Hintanstellung im Namen diskriminiert. <\/p><p>Einem Teil der Bewegung war das Sichtbar-Werden durch Krankheit und fr&uuml;hen Tod noch zu wenig zielf&uuml;hrend. Es wurde mit einer Zwangsouting-Kampagne begonnen, die sich vor allem gegen Pers&ouml;nlichkeiten aus Politik und Entertainment-Gesch&auml;ft richtete. Die Idee, dass sich durch gesellschaftliche Sichtbarkeit auch Ver&auml;nderung herbeif&uuml;hren w&uuml;rde, hat hier ihren Ursprung. Ein bisschen was Wahres ist dran, allerdings f&uuml;hrt dies offensichtlich auch zu einer v&ouml;lligen Entsolidarisierung von Gesellschaft. <\/p><p>Irgendwann Mitte der Neunziger tauchte dann die Bezeichnung LGBT auf. Auch zwanzig Jahre danach habe ich noch keinen Vertreter des B, das f&uuml;r Bisexualit&auml;t steht, kennengelernt, der sich hier politisch vertreten f&uuml;hlt. Bisexuelle, so es das als Lebenskonzept tats&auml;chlich geben sollte, haben offenbar kein Interesse an einer politischen Repr&auml;sentation. Die Transsexuellen wiederum haben ganz eigene Anliegen. Irgendwie ist es gelungen, eine Bewegung zu erschaffen, der f&uuml;r den Fall von Krisen die Sollbruchstellen unmittelbar eingeschrieben wurden und die allein schon durch die Heterogenit&auml;t ihrer Zusammensetzung permanent mit sich selbst besch&auml;ftigt ist. <\/p><p>Generell sind die Diskussionen innerhalb der LGBT-Bewegung gekennzeichnet von einem Wettbewerb um die gef&uuml;hlt gr&ouml;&szlig;te Diskriminierung. Das hat sich mit den Jahren nicht ge&auml;ndert und wurde gleichsam zu ihrem Wesensmerkmal. <\/p><p>Tats&auml;chlich linke Themen nach gerechter Verteilung und Teilhabe sind ausgeklammert. Man beweist sich gegenseitig das unglaubliche Ausma&szlig; an vermeintlicher Diskriminierung gegen&uuml;ber der je eigenen Gruppe und h&auml;lt sich dabei f&uuml;r links und emanzipatorisch. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=31508\">Aktuell<\/a> f&uuml;hlen sich Lesben von Transsexuellen diskriminiert. Man kann es nicht leugnen: So, wie der LGBT-Diskurs gef&uuml;hrt wird, tr&auml;gt er alle Anzeichen einer Dekadenzerscheinung. Er markiert den gesellschaftlichen Zerfall in Gruppen und Untergruppen, die sich wechselseitig die Solidarit&auml;t verweigern, denen auch der Blick f&uuml;r das Ganze v&ouml;llig fehlt.<\/p><p>Die politischen und &ouml;konomischen Eliten halten das nicht ohne Grund f&uuml;r einen unserer gr&ouml;&szlig;ten Werte-Exportschlager, denn wo das implementiert wird, l&auml;sst sich Neoliberalismus ungest&ouml;rt exekutieren. Es wundert daher nicht, dass finanzstarke Oligarchen dies gerne unterst&uuml;tzen, denn von tats&auml;chlicher Systemkritik, von tats&auml;chlicher Solidarit&auml;t ist die LGBT-Bewegung himmelweit entfernt. Sie verf&uuml;gt &uuml;ber keine positive gesellschaftliche Vision von Miteinander. Eine solche Vision zu entwerfen, ist der Bewegung auch strukturell unm&ouml;glich.<\/p><p>&Uuml;bersehen wird vor allem, dieser Einschub sei erlaubt, dass schwule M&auml;nner mit heterosexuellen M&auml;nnern politisch wesentlich mehr verbindet als beispielsweise mit lesbischen Frauen. M&auml;nnliche Sexualit&auml;t generell scheint dem Gesetzgeber weitaus bedrohlicher und daher auch weitaus regulierungsw&uuml;rdiger zu sein als weibliche. Der Paragraph 175 betraf nur M&auml;nner, der Exhibitionismusparagraph betrifft nur M&auml;nner, die Freierbestrafung wird auch nur M&auml;nner betreffen, und so weiter und so fort.<\/p><p>Das hat weniger mit einer tats&auml;chlich wilderen m&auml;nnlichen Sexualit&auml;t zu tun, sondern hat historische Gr&uuml;nde. Unter anderem den, dass bis weit ins zwanzigste Jahrhundert als gesicherte wissenschaftliche Annahme galt, Frauen h&auml;tten gar keine eigene Sexualit&auml;t. Dass das Humbug ist, ist erst seit ein paar Dekaden wissenschaftlicher Standard. Das Strafrecht jedenfalls versucht seit 150 Jahren nahezu ausschlie&szlig;lich m&auml;nnliche Sexualit&auml;t zu regulieren und niemanden st&ouml;rt es. Dabei ist das tats&auml;chlich diskriminierend.<\/p><p>Doch zur&uuml;ck zum Thema: Wir sollten hier sehr selbstkritisch mit unserem Exportschlager LGBT umgehen, denn er ist keiner. Er dient nicht der Verbesserung von irgendwas, sondern teilt und spaltet. <\/p><p>Wir diskutierten hier in Moskau das Interview von Alexander Agapov im Tagesspiegel. Mein Volleyball spielender Freund meinte, der Kampf gegen Diskriminierung w&auml;re wichtig. Sein Lebenspartner hielt ihm entgegen, dass Schwule so sehr diskriminiert in Russland nicht seien. Die Antwort darauf war, dass man sich auf dem Roten Platz nicht k&uuml;ssen k&ouml;nne.<\/p><p>Ich hatte ein Deja-vu-Erlebnis. Seit ein paar Jahren ist das gleichgeschlechtliche K&uuml;ssen auf dem Roten Platz in LGBT-Kreisen zum Ma&szlig;stab f&uuml;r die in Russland herrschende Freiheit geworden. Dieser Ma&szlig;stab zeigt eigentlich das ganze Elend der Diskussion. <\/p><p>Zum Einen wei&szlig; ich aus eigener Erfahrung: es geht, es interessiert ehrlich gesagt niemanden. Zum Anderen ist die Frage, wer implementiert solche Ma&szlig;st&auml;be in einen Diskurs, der angeblich ernstgenommen werden will? Und die dritte Frage, die sich anschlie&szlig;t, ist: Wieso gelingt das auch noch? Sind wir wirklich schon so verbl&ouml;det?<\/p><p>Die Diskussion endete in einer Beziehungskrise. Das Spaltende der LGBT-Argumentation funktioniert wunderbar. Jedenfalls hat Alexander Agapov weder Russland noch der russischen Community mit seinem Interview einen Gefallen getan und einem Zusammenwachsen wieder mal ein paar Steine in den Weg geschmissen. Es w&auml;re besser gewesen, er h&auml;tte das Interview mir gegeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tja, da war der Tagesspiegel leider schneller. &Uuml;ber einen guten Freund, der hier in Moskau in einem schwulen Sportverein Volleyball spielt, wollte ich eigentlich an ein Interview mit dessen Vorstand kommen. Ich hatte angefragt, aber man hat sich offensichtlich f&uuml;r ein <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/sport\/queer-in-russland-wir-sind-buerger-zweiter-klasse\/22768004.html\">Interview<\/a> mit dem &nbsp;Berliner Tagesspiegel entschieden. 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