{"id":44935,"date":"2018-07-15T11:45:02","date_gmt":"2018-07-15T09:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44935"},"modified":"2024-07-11T12:33:45","modified_gmt":"2024-07-11T10:33:45","slug":"der-countdown-fuer-julian-assange-die-jagd-auf-rafael-correa-und-die-rueckkehr-ecuadors-zur-bananen-republik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44935","title":{"rendered":"Der Countdown f\u00fcr Julian Assange, die Jagd auf Rafael Correa und die R\u00fcckkehr Ecuadors zur \u201eBananen-Republik\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Julian Assanges Tage in der Londoner Botschaft Ecuadors, in der er seit 6 Jahren festsitzt, sind in der Tat gez&auml;hlt. Jedoch ist die &ldquo;Aff&auml;re Assange&rdquo; neuerdings nur die Nebenhandlung eines weitaus brisanteren und bitter ironischen Schauspiels: die gerichtliche Verfolgung seines G&ouml;nners und in Belgien lebenden Ex-Pr&auml;sidenten Ecuadors, Rafael Correa, gegen den die Justiz seines Heimatlandes bei der Interpol-Zentrale im franz&ouml;sischen Lyon die Fahndung mit roter Ausschreibung beantragte. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie ecuadorianische Justiz beschuldigt Correa, u.a. das Mastermind der im Jahr 2012 in Kolumbien gescheiterten Entf&uuml;hrung des mehrfach angeklagten, justizfl&uuml;chtigen, oppositionellen Politikers Fernando Balda durch ecuadorianische Geheimdienst-Agenten gewesen zu sein. Dass Interpol das Amtshilfe-Ersuchen mit der Festnahme und Auslieferung Correas ohne Vorlage &uuml;berzeugender Beweise bedienen wird, darf aus guten Gr&uuml;nden bezweifelt werden. Solange jedoch die Akten aus Ecuador nicht ordnungsgem&auml;&szlig; eintreffen und von Interpol &uuml;berpr&uuml;ft wurden, k&ouml;nnte nun auch Rafael Correa vorl&auml;ufig in Belgien festsitzen und in seiner bewegten Aktivit&auml;t als Vortragsreisender, Berater und popul&auml;rer Interviewer politischer Pers&ouml;nlichkeiten von Weltrang in seinem Programm &sbquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YFKKxWQz7R0\">Conversando con Correa<\/a>&lsquo; bei Russia Today TV behindert werden.<\/p><p>In Pressegespr&auml;chen schloss der emp&ouml;rte und sichtlich verunsicherte s&uuml;damerikanische Ex-Pr&auml;sident deshalb einen Antrag auf politisches Asyl in Belgien nicht aus (Correa no descarta pedir asilo en B&eacute;lgica &ndash; EFE, 19. Juni 2018). Im Fall einer Zusage Belgiens h&auml;tte ein solcher Antrag zur Konsequenz, dass Correa sich bis auf Weiteres von seiner politischen Karriere und seiner Heimat verabschieden muss, denn betr&auml;te er ecuadorianischen Boden, w&uuml;rde er im Handumdrehen verhaftet.<\/p><p>Ein so nicht geplanter, doch nicht auszuschlie&szlig;ender Epilog scheint anstelle der Verhaftung des Ex-Pr&auml;sidenten nicht nur akzeptabel, sondern den konservativen Kr&auml;ften um Pr&auml;sident Lenin Moreno und seiner Restaurations-Regierung &auml;u&szlig;erst willkommen, w&auml;re doch damit die &bdquo;Gefahr Correa&rdquo; f&uuml;r die kommenden f&uuml;nf bis zehn Jahre aus der Innenpolitik Ecuadors verbannt. Dies w&auml;re allerdings auch ein Happy End f&uuml;r die US-Regierung.<\/p><p><strong>Der &bdquo;Einkaufsbesuch&rdquo; Mike Pences<\/strong><\/p><p>Vier Tage vor dem gegen Rafael Correa ausgestellten Haftbefehl stattete nicht zuf&auml;llig Donald Trumps Vize Mike Pence am vergangenen 29. Juni Correas Nachfolger Lenin Moreno einen politischen Blitzbesuch ab, dem die Tageszeitung <em>El Comercio<\/em> den feierlichen Titel &bdquo;Das Ende eines zehnj&auml;hrigen Spannungsverh&auml;ltnisses zwischen Ecuador und den USA&rdquo; verlieh (Visita de Pence termin&oacute; con 10 a&ntilde;os de tensa relaci&oacute;n entre Ecuador y EE.UU &ndash; 29. Juni 2018).<\/p><p>Pence forderte Ecuador dazu auf, konkrete Ma&szlig;nahmen f&uuml;r die &bdquo;Isolierung&rdquo; der Regierung Venezuelas zu ergreifen, worauf Moreno mit dem Hinweis reagierte, eine L&ouml;sung der Krise sollte allein durch Dialog versucht werden. Die US-Regierung lie&szlig; sich nicht absch&uuml;tteln und versuchte mit der Methode &bdquo;zuhauen und pusten&rdquo; die Regierung Moreno mit netten Worten und z&auml;hem politischem Druck einzukesseln, man darf auch sagen &bdquo;einzukaufen&rdquo;. <\/p><p>Sodann &ouml;ffnete Pence sinngem&auml;&szlig; seine Geldb&ouml;rse und erkl&auml;rte feierlich in Quitos Regieurungspalast Carondelet: &bdquo;Hiermit &uuml;berreichen die USA eine Spende &uuml;ber 1,5 Millionen Dollar an Ecuador, damit die Korruption ein Ende findet und die Zivilgesellschaft gest&auml;rkt wird&rdquo; (EE.UU. dona a Ecuador m&aacute;s de USD 1,5 millones para lucha contra corrupci&oacute;n y lo insta a dar pasos para aislar a Maduro &ndash; El Comercio, 28. Juni 2018).<\/p><p>Der Betrag war merklich billig, wenn nicht peinlich, und doch fand der ecuadorianische Pr&auml;sident lobende Dankesworte f&uuml;r &bdquo;die Vergabe von US-amerikanischen Kooperationsfonds f&uuml;r diesen Kampf gegen ein Verbrechen, das Kinder, Jugendliche und Menschen aus der ganzen Welt betrifft&hellip;&rdquo;. Au&szlig;erdem w&uuml;rdigte Moreno die Erneuerung eines allgemeinen Handelspr&auml;ferenzsystems, bat jedoch darum, dass Ecuador den zollfreien Zugang ecuadorianischer Erzeugnisse wie Blumen und Thunfisch zu den USA erhalte. Auf die Kinkerlitzchen reagierte Pence wiederum mit neuen Paenuts. Die Regierung Donald Trump arbeite mit dem Kongress zusammen, &bdquo;um Ecuador weitere 3,5 Millionen Dollar f&uuml;r seine Bem&uuml;hungen zur Verf&uuml;gung zu stellen&rdquo;. <\/p><p>Zu den &bdquo;Entgegenkommen&rdquo; Ecuadors z&auml;hlt die Wiedereinrichtung des B&uuml;ros f&uuml;r Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen an der US-Botschaft in Quito, das vor der Administration Rafael Correa Teile der Polizei Ecuadors insgeheim mit Zweitgeh&auml;ltern finanzierte. Die USA w&uuml;rden mit Ecuador neue Wege bei der Bek&auml;mpfung der &bdquo;Unsicherheit&rdquo; beschreiten, &bdquo;insbesondere gegen Bedrohung durch transnationales, organisiertes Verbrechen und Drogenhandel&rdquo;, gab sich Pence zuversichtlich, und holte die Katze aus dem Sack: &bdquo;Das wird dazu f&uuml;hren, dass unsere Streitkr&auml;fte durch Hilfe, Ausbildung und Ausr&uuml;stung enger zusammenarbeiten&hellip;&rdquo;. Vor ecuadorianischen Medien zelebrierte US-Botschafter Todd Chapman die Wiedergewinnung des vor kurzem noch abtr&uuml;nnigen s&uuml;damerikanischen Staates: &bdquo;Ecuador ist unser Verb&uuml;ndeter auf dem amerikanischen Kontinent, es ist ein langj&auml;hriger Freund, das k&ouml;nnen wir jetzt offener und mit mehr Substanz ausdr&uuml;cken. Dass ein Vizepr&auml;sident meines Landes zum ersten Mal seit mehr als drei&szlig;ig Jahren Ecuador einen Besuch abstattet, ist schon etwas ganz besonderes &hellip; &rdquo; (Todd Chapman: Ecuador es un aliado de Estados Unidos en las Am&eacute;ricas &ndash; El Universal, 02. Juli 2018).<\/p><p><strong>Die verhasste politische Autonomie des <em>Corre&iacute;smo<\/em><\/strong><\/p><p>Aus mehreren Gr&uuml;nden w&uuml;nschten sich die USA seit Jahren Correas politischen Genickbruch herbei. Zum einen war den USA w&auml;hrend der zehnj&auml;hrigen Correa-Administration (2007-2017) die Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens nicht gelungen. Zum anderen mussten sie 2009 die seit 1999 in Manta operierende US-Milit&auml;rbasis ersatzlos r&auml;umen.<\/p><p>Im Jahr 2012 hatte der reform-nationalistische Pr&auml;sident jedoch zwei merklich explosive Konflikte riskiert. Damals hatte ein ecuadorianisches Gericht den US-amerikanischen &Ouml;lkonzern Chevron wegen der massiven Sch&auml;digung des amazonischen Regenwaldes zu einer Geldstrafe von 19 Milliarden Dollar verklagt. Mit der Anheuerung einer Hundertschaft von Anw&auml;lten und Journalisten zum mutma&szlig;lichen Preis von 400 Millionen Dollar ging Chevron jedoch in die Offensive, gewann sogar einzelne Prozessabschnitte, f&uuml;r die nun umgekehrt die ecuadorianische Regierung vor US-Gerichten einige hundert Millionen Dollar Strafe zahlen musste.<\/p><p>Nicht zuf&auml;llig bezeichnete Correa den Konzern als &bdquo;<em>den<\/em> Feind unseres Landes&rdquo;. Es war dies der Beginn des internationalen Medienfeldzuges gegen die sozial- und wirtschaftspolitisch erfolgreiche, zweimal mit &uuml;berw&auml;ltigender Mehrheit demokratisch gew&auml;hlte Regierung der &ldquo;B&uuml;rger-Revolution&rdquo; (Ecuador President Rafael Correa: Chevron Is &lsquo;Enemy Of Our Country&rsquo; &ndash; Huffington Post, 17. August 2013).<\/p><p>Die jahrelange juristische Trickserei Chevron-Texacos schien nun selbst dem mittlerweile mit konservativen Magistraten neu besetzten ecuatorianischen Verfassungsgericht zu viel. Am vergangenen 10. Juli beendeten sie die Inszenierungen mit einem unappellierbaren, letztinstanzlichen Urteil: der US-Konzern muss nun 9,5 Milliarden Dollar Schadensersatz f&uuml;r katastrophale Umwelt- und Sozialsch&auml;den im amazonischen Regenwald zahlen, wo er seit Mitte der 1960-er Jahre aktiv war (Ecuador: &ldquo;Hist&oacute;rico fallo&rdquo; a favor de ind&iacute;genas del Amazonas, v&iacute;ctimas de petrolera estadounidense &ndash; Deutsche Welle Espa&ntilde;ol, 11. Juli 2018).<\/p><p>Doch die US-ecuadorianische Fehde ist damit nicht vollst&auml;ndig erkl&auml;rt. Vor sechs Jahren &ndash; genauer: am 19. Juli 2012 &ndash; ereilte ein unvermuteter Zufall die Regierung Correa, als Wikileaks-Gr&uuml;nder Julian Assange ihre Londoner Botschaft betrat und um politisches Asyl flehte.<\/p><p>Ein Jahr zuvor hatte Wikileaks riesige Massen an Geheimakten &uuml;ber Kriegsverbrechen der US-Armee im Afghanistan- und im Irak-Krieg angezapft und publik gemacht, weshalb Assange 2011 vom <em>Time Magazine<\/em> in die Liste &ldquo;der 100 einflussreichsten M&auml;nner der Erde&rdquo; aufgenommen und quer durch die Welt als heldenhafter Hacker im Dienst der Pressefreiheit zelebriert wurde. Doch schon am 30. November 2011 war er in Schweden wegen angeblichem sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung in zwei F&auml;llen angeklagt und in die Interpol-Fahndungsliste aufgenommen worden.<\/p><p>Der Groll und die Bereitschaft zur Vergeltung der USA steigerten sich zum H&ouml;hepunkt, als Assange 2015 aus seinem Botschafts-Exil heraus bekanntgab, dass &bdquo;98 Prozent der lateinamerikanischen Fernmeldeverbindungen von der NSA abgefangen werden, w&auml;hrend sie &uuml;ber die Vereinigten Staaten in die Welt gelangen&rdquo; (NSA intercepta 98% das comunica&ccedil;&otilde;es na Am&eacute;rica Latina, diz Assange &ndash; Sputnik,  07. Juli 2015). Zu den Enth&uuml;llungen geh&ouml;rten die erwiesene Abh&ouml;rung der Diensttelefone von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der brasilianischen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff und des gesamten Vorstands des halbstaatlichen brasilianischen Petrobras-Konzerns. Anders als Merkel sagte Rousseff daraufhin einen Staatsbesuch in den USA ab und f&uuml;hrte schwere Anklage gegen die Obama-Regierung auf der Generalkonferenz der Vereinten Nationen.<\/p><p>Gutinformierte Beobachter stimmte damals hellh&ouml;rig, dass unmittelbar nach der Anklage Rousseffs die vom in den USA ausgebildeten Richter S&eacute;rgio Moro geleitete Taskforce &ldquo;Lavajato&rdquo; (&ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo;) zur angeblichen Korruptionsbek&auml;mpfung in Szene trat, die Popularit&auml;tsrate der Pr&auml;sidentin einbrach und die demokratischen Institutionen in Brasilien aus den Angeln gehoben wurden.<\/p><p>Als schlie&szlig;lich am 5. Dezember 2014 in Quito die Niederlassung der Union S&uuml;damerikanischer Nationen (UNASUR, oder UNASUL auf Portugiesisch) als Ausdruck autonomer Au&szlig;enpolitik des s&uuml;damerikanischen Kontinents und Gegenpendant zur von den USA man&ouml;vrierten Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) eingeweiht wurde, wuchs sich in den Augen der USA der Affront zur Provokation aus.<\/p><p><strong>Feindstrafrecht<\/strong><\/p><p>Die letzte Anklageschrift gegen Rafael Correa ist jedenfalls kafkaesk. Darin stimmen zahlreiche Juristen &uuml;berein, die die Anwendung des Feindesstrafrechts in seiner brasilianischen Version des <em>Lawfare<\/em> gegen Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva und seine Ausweitung auf Argentinien (Anklage gegen Ex-Pr&auml;sidentin Cristina Kirchner) und nun auf Ecuador beobachten.<\/p><p>Absurd ist die Anschuldigung Correas schon deshalb, weil die T&auml;ter der vereitelten Entf&uuml;hrung in Kolumbien im Jahr 2015 verurteilt wurden. In Ecuador wird ein l&auml;ngst eingestelltes Verfahren mit gezinkten Karten wieder aufgerollt. Somit macht das Argument, dass &ndash; siehe Fall Lula in Brasilien &ndash; der Schauprozess Correa vom politischen Leben ausschlie&szlig;en soll, sehr wohl Sinn. Es ist n&auml;mlich in k&uuml;rzester Zeit die f&uuml;nfte Scheinanklage gegen Correa.<\/p><p>Davor wurde dem Ex-Pr&auml;sidenten bereits wegen &bdquo;schlecht ausgehandelten &Ouml;lvertr&auml;gen&rdquo;, &bdquo;organisierter Kriminalit&auml;t&rdquo;, &bdquo;Einflussnahme&rdquo; und &bdquo;&Uuml;berschuldung&rdquo; der Prozess gemacht. In keinem Fall gelang der Anklage die Beweislage. Kafkaesk sind s&auml;mtliche Anschuldigungen und die Verfahren deshalb, weil umgekehrt Correa beweisen sollte, dass er unschuldig war. Mit der Umkehrung der Beweispflicht wird, wie bereits in Brasilien, in Ecuador gegenw&auml;rtig der Rechtsstaat ausgeschaltet.<\/p><p><strong>Die Regierung Moreno und das &bdquo;Problem Assange&rdquo;<\/strong><\/p><p>Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der von seinem (jetzt reuevollen) Vorg&auml;nger Rafael Correa unterst&uuml;tzte Lenin Moreno bereits auf einer Pressekonferenz Ende Mai 2017 erkl&auml;rt, &bdquo;Herr Assange ist ein Hacker. Das ist etwas, was ich, was wir ablehnen &hellip; Ich respektiere den Zustand, in dem er sich befindet, doch wir bitten ihn umgekehrt, die Umst&auml;nde zu respektieren, in denen er sich befindet&rdquo;. Moreno bezog sich auf Assanges Nutzung der Botschaft als Wikileaks-Basis.<\/p><p>Am 26. Mai hatte er Assange gebeten, sich w&auml;hrend seines Aufenthalts als Gast der Botschaft weder in die inneren Angelegenheiten Ecuadors noch in die Politik anderer Staaten &bdquo;einzumischen&rdquo;. Morenos Bitte war eine Reaktion auf Assanges Androhung, dass er &ndash; g&auml;be es relevante Beweise &ndash; jede Information &uuml;ber Korruption in Ecuador ver&ouml;ffentlichen w&uuml;rde. Der Schlagabtausch wurde fortgesetzt mit einem Tweet Assanges, &bdquo;Ich bin Journalist und Redakteur, nicht einmal die Vereinigten Staaten bezeichnen mich als Hacker&rdquo;.<\/p><p>Dass Assange oft in den vier W&auml;nden seiner engen Asylunterkunft &ndash; die er seit sechs Jahren nicht einmal f&uuml;r einen einzigen Sonnenstrahl auf nackter Haut verlassen kann &ndash; miserabel zu Mute war, dass ihn Platzangst, Albtr&auml;ume und Ungeduld zerm&uuml;rbten, nimmt kein Wunder.  <\/p><p>Von der selbstverst&auml;ndlich zu erwartenden Dankbarkeit gegen&uuml;ber seinem gro&szlig;z&uuml;gigen Gastgeberland abgesehen, musste Assange allerdings auch Verst&auml;ndnis daf&uuml;r aufbringen, dass die Fortsetzung seiner &ndash; nennen wir&acute;s diplomatisch &ndash; &bdquo;Recherchen&rdquo;, die an Wikileaks-Kollegen delegiert, also auslagert werden konnten, am Sitz der diplomatischen Vertretung Ecuador bereits der Regierung Correa nicht selten widerstrebten.<\/p><p>Dazu geh&ouml;rte der hochsensible E-Mail-Leak von Hillary Clintons Wahlkampfteam. Er befeuerte ein Narrativ der Komplizenschaft zwischen Kreml, Assange und Donald Trump. Dass diese Kumpanei &ndash; angereichert mit Besuchen des Brexit-Strippenziehers Nigel Farage und Journalisten von Russia Today &ndash; ausgerechnet ihren Ursprung in der Londoner Botschaft Ecuadors gehabt haben sollte, brachte die Regierung Correa in eine peinliche Lage.<\/p><p>Nach Luis C&oacute;rdova Alarc&oacute;n &ndash; Experte f&uuml;r Internationales Recht und Professor an der Zentralen Universit&auml;t Ecuador &ndash; dienten zwei Fakten der Formung des Narrativs. Zum einen Trumps lobende Worte f&uuml;r Putin w&auml;hrend seiner Nominierungs-Kampagne in der Republikanischen Partei. Zum zweiten jener E-Mail-Leak von Hillary Clintons Wahlkampfteam. Das reichte, um dem Kreml gemeinsam mit Assange ein abgekartetes Spiel f&uuml;r die Wahl Trumps zu unterstellen (El affaire Assange y las t&aacute;cticas de la diplomacia p&uacute;blica &ndash; Plan V, 21.Mai 2018).<\/p><p>C&oacute;rdova bezeichnet diese Umdeutung als <em>&Ouml;ffentliche Diplomatie<\/em>. Mit anderen Worten: Propaganda zur Durchsetzung au&szlig;enpolitischer Ziele oder noch treffender: Manipulation politischer Einstellungen breitester Bev&ouml;lkerungsschichten durch Massenmedien. Im Jahr 2017 wurden Medientaktiken in dieser Richtung potenziert, die zwar im Kern Fake News waren, jedoch unverifiziert und nahezu mechanisch von sozialen Netzwerken auf globaler Ebene wiedergek&auml;ut wurden.<\/p><p>Dazu folgende Beispiele. Im Dezember 2016 ver&ouml;ffentlichte <em>The Washington Post<\/em> eine Geschichte, die sich als grobe F&auml;lschung herausstellte. Demnach h&auml;tten, erstens, russische Hacker US-Archive raubkopiert und das Wahlergebnis manipuliert. Dem renommierten britischen <em>Guardian<\/em> gelang ein &auml;hnliches Abenteuer mit einem viral gegangenen Bericht Ben Jacobs&lsquo;, der behauptete, WikiLeaks unterhielte eine langandauernde Beziehung zum Kreml. Ebenfalls Fake! Zitierende Medien mussten das St&uuml;ck zur&uuml;ckziehen. Im Juni 2017 war CNN dran. Die Geschichte, in der Trumps Verb&uuml;ndetem Anthony Scaramucci Verbindungen zu einem vom Kongress untersuchten, russischen Investmentfonds unterstellt wurden, musste ebenfalls als Fake aus dem Verkehr gezogen werden. CNN entschuldigte sich &ouml;ffentlich, drei Journalisten wurden gefeuert.<\/p><p>Es waren jedoch gerade mal drei von unz&auml;hligen F&auml;llen mit Russophobie und der angeblichen Komplizenschaft zwischen Kreml und Assange als gemeinsames Muster. Das Skript dieser Medienoffensive fand erst ein Ende, als Trump im Dezember 2017 seine sogenannte &ldquo;Nationale Sicherheitsstrategie&rdquo; publik machte &ndash; in der er Russland und China als zentrale Herausforderungen der US-Macht brandmarkte &ndash; einschl&auml;gige Washingtoner Falken in Trumps Kabinett kletterten und eine nicht nur verbalradikale, sondern eine Kriegspolitik permanenter Gewaltandrohungen (siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39680\">Trumps &ldquo;milit&auml;rische Option&rdquo; gegen Venezuela: Von au&szlig;en oder von innen?<\/a>) in die internationale Agenda des Wei&szlig;en Hauses zur&uuml;ckkehrte.<\/p><p>Da jedoch Assange zu Beginn am Teig der Intrigen-Demontage mitr&uuml;hrte, bekleckerten dessen Spritzer auch die Diplomatie Ecuadors. Das war seinem Gastgeberland eine Nummer zu gro&szlig;.<\/p><p>Doch neue Konflikte bahnten sich an. Ende M&auml;rz 2018 best&auml;tigte die ecuadorianische Regierung, dass sie Assanges Wifi-Zugang in der Botschaft gesperrt hatte. Die Sperrung erfolgte, nachdem der Australier in einem Tweet Gro&szlig;britanniens Vorwurf, Russland sei verantwortlich f&uuml;r die Vergiftung des ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter, in Frage gestellt hatte.<\/p><p>Drei Monate sp&auml;ter erkl&auml;rte Ecuadors neuer Au&szlig;enminister Jose Valencia, Assanges Botschafts-Refugium &bdquo;k&ouml;nnte sich dem Ende n&auml;hern&rdquo;. Ecuador habe nach einer L&ouml;sung f&uuml;r das Problem gesucht. Man k&ouml;nne nicht erwarten, dass dieser Zustand sich &uuml;ber Jahre hinwegzieht, die Zuflucht sei kein Dauerzustand, raunte Valencia (&acute;Ref&uacute;gio n&atilde;o &eacute; para sempre&rsquo;: Chanceler equatoriano indica fim de asilo a Julian Assange &ndash; Sputnik Brasil, 21. Juni 2018).<\/p><p>Assange wurde allerdings von einzelnen seiner Verb&uuml;ndeten f&uuml;r seine Entscheidungen des &Ouml;fteren kritisiert. Man hielt ihm vor, warum er sich nicht rechtzeitig der schwedischen Justiz stellte, um die gegen ihn erhobenen Vorw&uuml;rfe zu entkr&auml;ften. Ferner habe er mit seiner Zuflucht in der Botschaft sich selbst eine R&uuml;ckzugsm&ouml;glichkeit abgeschnitten. Der Wikileaks-Chef begr&uuml;ndet sein Beharren in der Botschaft mit seiner Angst, von den britischen Beh&ouml;rden verhaftet zu werden. Mit ihrer Weigerung, ihm diplomatischen Status zu verleihen, erwarte ihn eine Abschiebung in die USA, wo er wegen der angeblichen Preisgabe von Staatsgeheimnissen verhaftet w&uuml;rde. Obwohl Schweden die Anklage wegen mutma&szlig;lichem sexuellen Missbrauch zur&uuml;ckzog, k&ouml;nne er auch in England verhaftet werden, weil er die von der britischen Justiz im Jahr 2010 festgelegten Haftbedingungen nicht eingehalten hatte.<\/p><p>Zur Befeuerung einer Entscheidung der Regierung Moreno lancierte die in Quito publizierte Plattform <em>Plan V<\/em> eine Serie &uuml;ber die angeblichen Kosten des Assange-Aufenthalts in der Londoner Botschaft. Unter Federf&uuml;hrung des Journalisten Fernando Villavicencio, der vor Jahren im Auftrag Chevrons gegen Rafael Correa hetzte und untertauchte, und mit der Sch&uuml;tzenhilfe des Londoner <em>Guardian<\/em> will die Plattform aus Geheimdienstberichten erfahren haben, dass Correa &ndash; zum Schutz des Fl&uuml;chtigen selbst, jedoch auch zur Abwehr fremder Interventionen gegen die Botschaft &ndash; mit dem Codenamen &ldquo;Unternehmen Hotel&rdquo; die &Uuml;berwachung Assanges durch einen spanischen S&ouml;ldnerdienst angeordnet habe, der Ecuador von 2012 bis 2018 nicht weniger als 6 Millionen Dollar gekostet habe. Handfeste Beweise blieb die Publikation allerdings schuldig (Ecuador financia con gastos reservados el espionaje de Julian Assange &ndash; Plan V, 14. Mai 2018).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julian Assanges Tage in der Londoner Botschaft Ecuadors, in der er seit 6 Jahren festsitzt, sind in der Tat gez&auml;hlt. Jedoch ist die &ldquo;Aff&auml;re Assange&rdquo; neuerdings nur die Nebenhandlung eines weitaus brisanteren und bitter ironischen Schauspiels: die gerichtliche Verfolgung seines G&ouml;nners und in Belgien lebenden Ex-Pr&auml;sidenten Ecuadors, Rafael Correa, gegen den die Justiz seines Heimatlandes<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44935\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,126,123],"tags":[1952,681,1171,1889,1090,2012,2057,2005,901,930,304,2209,1995,1943,259,1800,1556,1087,665],"class_list":["post-44935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-abschiebung","tag-assange-julian","tag-asyl","tag-belgien","tag-clinton-hillary","tag-cyberkriminalitaet","tag-ecuador","tag-fake-news","tag-geheimdienste","tag-justiz","tag-kriegsverbrechen","tag-moreno-lenin","tag-pence-mike","tag-rousseff-dilma","tag-russland","tag-trump-donald","tag-usa","tag-whistleblower","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44935"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117907,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44935\/revisions\/117907"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}