{"id":44967,"date":"2018-07-16T08:40:36","date_gmt":"2018-07-16T06:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44967"},"modified":"2019-02-27T12:38:58","modified_gmt":"2019-02-27T11:38:58","slug":"praesidententreff-in-helsinki-praesident-putin-russische-foederation-und-praesident-trump-geteilte-staaten-von-nordamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44967","title":{"rendered":"Pr\u00e4sidententreff in Helsinki: Pr\u00e4sident Putin, Russische F\u00f6deration und Pr\u00e4sident Trump, Geteilte Staaten von Nordamerika"},"content":{"rendered":"<p>Dr. <strong>Willy Wimmer<\/strong>, zu Kanzler Kohls Zeiten Parlamentarischer Staatssekret&auml;r im Bundesverteidigungsministerium, aktiv in der OSZE und einer der ersten aufmerksamen Beobachter der Bewegung des Westens weg von der Entspannungspolitik und hin zur milit&auml;rischen Intervention als Ersatz f&uuml;r gute Politik kommentiert das heutige Treffen. &ndash; Das wird der erste NachDenkSeiten-Beitrag in dieser Woche zum Thema West-Ost, Trump und Russland sein. Es werden weitere folgen. Das ist angesichts der Brisanz der Themen nicht vermeidbar. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Willy Wimmer:<\/strong><\/p><p>Wenn sich beide Pr&auml;sidenten am 16. Juli 2018 in der finnischen Hauptstadt Helsinki treffen, schie&szlig;en jedem aufmerksamen Betrachter zahlreiche Gedanken durch den Kopf. Das betrifft zun&auml;chst die beiden Pr&auml;sidenten, die sich da zum ersten Mal zusammensetzen k&ouml;nnen bei einem Treffen, das ausschlie&szlig;lich ihnen beiden gilt. Man mu&szlig; sich dabei als Betrachter wundern, welche Symbolik damit verbunden ist. Dies betrifft zun&auml;chst den russischen Pr&auml;sidenten Putin, der als Senior der beiden Gespr&auml;chspartner zu werten ist. Gipfeltreffen dieser Dimension sind noch mit den Bildern des ersten Kalten Krieges behaftet. Damals trafen sich beiden Staatsspitzen als Vertreter antagonistischer Bl&ouml;cke, die sich bis an die Z&auml;hne bewaffnet gegen&uuml;berstanden. Heute ist alles anders. Seit Jahren geht der russische Pr&auml;sident Putin im Kern auf die Staaten der NATO mit ausgestreckter und offener Hand zu. Sein Problem besteht eigentlich nur in dem Umstand, dass Pr&auml;sident Jelzin den gesamten Westen gleichsam verw&ouml;hnt hatte. Man musste Russland nicht mehr zum Nennwert nehmen und daran hatte sich der Westen gew&ouml;hnt. Unter Pr&auml;sident Putin hat sich das grundlegend ge&auml;ndert und der Westen geriet Russland gegen&uuml;ber aus der Spur.<\/p><p>Auch Pr&auml;sident Trump hat Probleme damit, mit ausgestreckter Hand auf den Vertreter Russlands zugehen zu k&ouml;nnen. Sein Credo war es seit seiner Nominierung, mit Pr&auml;sident Putin den Versuch einer Verst&auml;ndigung zwischen beiden Kernstaaten der n&ouml;rdlichen Hemisph&auml;re herbeif&uuml;hren zu wollen. Das war weder f&uuml;r die von Demokraten noch Republikanern in Washington gestellte Kriegsallianz noch europ&auml;ische Verb&uuml;ndete akzeptabel. In Washington selbst wurde jeder nur greifbare K&uuml;bel von politischem Unrat &uuml;ber Pr&auml;sident Trump ausgesch&uuml;ttet, um ihn von jedwedem Treffen mit dem russischen Pr&auml;sidenten Putin abzuhalten. Man muss sich geradezu wundern, dass vor dem Hintergrund einschl&auml;giger Ph&auml;nomene in der amerikanischen Staatspraxis Pr&auml;sident Trump die physische M&ouml;glichkeit hat, nach Helsinki reisen zu k&ouml;nnen. Erstaunlich, wenn man sich die relativ kurze, aber eindeutige Geschichte der Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet ansieht. Auch die europ&auml;ischen Satrapen der Vereinigten Staaten haben Probleme mit Pr&auml;sident Trump und seiner Politik der ausgestreckten Hand gegen&uuml;ber seinem Kollegen aus Moskau. Seit Pr&auml;sident Bill Clinton hat man &uuml;ber den Pr&auml;sidenten George W. Bush, dem Zerst&ouml;rer, bis hin zu Barack Obama jedem amerikanischen Pr&auml;sidenten seinen &bdquo;Pr&auml;sidentenkrieg&ldquo; durchgehen lassen. Die Zerst&ouml;rung weiter Teile der Welt durch die Vereinigten Staaten unter diesen Kriegspr&auml;sidenten wurde mit augenf&auml;lligem Beifall h&uuml;ndischer Vasallen aus Europa hingenommen, ohne m&ouml;gliche Antr&auml;ge beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu stellen. Man muss nur die Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs und die Vorgehensweise der amerikanischen genannten Pr&auml;sidenten sich vor Augen f&uuml;hren, um die Dimension der europ&auml;ischen Kotau-Politik gegen&uuml;ber den Washingtoner Kriegstreibern zu begreifen. Musterbeispiel daf&uuml;r ist die noch im Amt befindliche deutsche Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, die sich den Staffelstab f&uuml;r die Bagage internationaler Kriegstreiber durch den Noch-Pr&auml;sidenten Obama in Berlin aush&auml;ndigen lie&szlig;.<\/p><p>Ein Blick auf diese Praxis macht deutlich, dass weder das eigene Land noch die Partner in Westeuropa mit einem Pr&auml;sidenten Trump und einer offenkundigen Verst&auml;ndigungsperspektive etwas anfangen k&ouml;nnen. Sind ihnen die Pr&auml;sidenten lieber, die als politischen M&auml;nnlichkeitsnachweis in alter globaler Kriegstradition einen Krieg nach dem anderen in der Manier vom Zaun gebrochen haben, wie sie zum Ersten und Zweiten Weltkrieg gef&uuml;hrt haben? Fragen an die Adresse der Vereinigten Staaten ergeben sich zuhauf und sie wurden seit dem NATO-Treffen am 12. Juli 2018 in Br&uuml;ssel geradezu dramatisch auf die internationale Tagesordnung gebracht. <\/p><p>Die zentrale Frage ist die danach, was und wen Pr&auml;sident Trump &uuml;berhaupt vertritt, wenn er sich mit dem russischen Pr&auml;sidenten Putin trifft. Wie viele Vereinigte oder Getrennte Staaten von Amerika gibt es eigentlich und was muss die Welt bedenken, wenn die ersten Erkl&auml;rungen &uuml;ber ein m&ouml;gliches Gespr&auml;chsergebnis die Augen der Welt&ouml;ffentlichkeit erreichen? Schon in der Person des Pr&auml;sidenten Trump gehen die Dinge auseinander. In Helsinki will er die Politik der ausgestreckten Hand deutlich machen. Da kann man Ergebnisse erzielen, bis hin zu dem Unterlaufen der eigenen Sanktionspolitik gegen&uuml;ber Russland zu Lasten der europ&auml;ischen Gefolgschaft. Aber eines bekommt man nicht auf die Reihe, auch nicht bei Pr&auml;sident Trump. Beim NATO-Gipfel in Br&uuml;ssel hat er sich voll hinter die von den Pr&auml;sidenten Clinton bis Obama betriebene Aufmarschpolitik gegen&uuml;ber der Russischen F&ouml;deration gestellt.<\/p><p>Die Ziele der aus Washington erkennbaren Politik gegen&uuml;ber der Russischen F&ouml;deration sind seit langem eindeutig. Dazu z&auml;hlt vor allem:<\/p><ol>\n<li>der Russischen F&ouml;deration einen Platz der Gleichberechtigung am Tisch der europ&auml;ischen V&ouml;lkerfamilie deshalb zu verweigern, weil das die angels&auml;chsische Dominanz relativieren k&ouml;nnte<\/li>\n<li>Alles zu unternehmen, die Entscheidungsgewalt der Staatsorgane der Russischen F&ouml;deration &uuml;ber das eigene Land in Frage zu stellen.<\/li>\n<li>Ein derartiges Ma&szlig; an milit&auml;rischen Z&uuml;ndeleien an den Grenzen der Russischen F&ouml;deration zu bewerkstelligen, dass gegebenenfalls mit dem Ausbruch von Feindseligkeiten gerechnet werden muss.<\/li>\n<li>Seit der Konferenz von Bratislava im Mai 2000 alles zu unternehmen, &uuml;ber einen &bdquo;Ost-Limes&ldquo; die Russische F&ouml;deration von ihren nat&uuml;rlichen Partnern nach Westen zu trennen und eine Politik der Aufl&ouml;sung des russischen Staatsgebietes zu betreiben.<\/li>\n<li>Den amerikanischen Milit&auml;rbefehlshabern in Europa freie Hand auf den Territorien der westeurop&auml;ischen Staaten zur Kriegsvorbereitung gegen Russland einzur&auml;umen.<\/li>\n<\/ol><p>Diese erkennbaren und &uuml;ber Jahrzehnte verfolgten Ziele der amerikanischen Politik, die bei dem NATO-Gipfeltreffen in Br&uuml;ssel in Vorbereitung des Helsinki-Treffens noch einmal nachdr&uuml;cklich manifestiert worden sind, machen zwei Handlungsstr&auml;nge der amerikanischen Politik klar und eindeutig. Oben die Politik des &bdquo;Deals&ldquo; mit Pr&auml;sident Putin und darunter auf einer gleichberechtigten Ebene die Politik der Kriegsvorbereitung gegen denjenigen, mit dem man auf der Pr&auml;sidentenebene verhandelt.<\/p><p>Das sind nicht nur zwei Amerikas, die sich da auftun. Es sind noch mehr, wie der staunende Beobachter feststellen muss. Schon die inneramerikanischen Diskussionen, die dazu f&uuml;hrten, das internationale Abkommen &uuml;ber den Iran zu verlassen, haben die Macht des von Kriegshetzern bestimmten amerikanischen Kongresses deutlich gemacht. Hat Trump f&uuml;r Helsinki &uuml;berhaupt Vollmacht?<\/p><p>Bereits jetzt sieht die staunende Welt, wie Bestandteile des amerikanischen Staatssystems mittels Anklagen gegen russische Staatsb&uuml;rger &uuml;bereinander herfallen. Bei n&uuml;chterner Betrachtung der Gefechtslage zwischen New York und Los Angeles muss man feststellen, dass eines nicht ausgemacht ist. Bei allen Bem&uuml;hungen aus Washington, Russland aufs Kreuz zu legen und viele, viele Russlands zu schaffen, k&ouml;nnte sich eine Selbst-Zerlegung der Vereinigten Staaten deutlicher am Horizont abzeichnen. Das gilt ebenso f&uuml;r die konstitutionelle Dimension wie f&uuml;r die ethnischen oder b&uuml;rgerkriegsrelevanten Komponenten.<\/p><p>Wie viele Staaten oder Machtzentren auf dem Territorium der heutigen Vereinigten Staaten vertr&auml;gt die Welt und wird &bdquo;Washington&ldquo;  zu einem politischen &bdquo;schwarzen Stern&ldquo;? Die Wahl von Pr&auml;sident Trump war der Versuch der Mehrheit der Amerikaner, innerhalb ihres politischen Systems die Staatsgewalt wieder an den Volkswillen zu binden. Diejenigen politischen Kr&auml;fte, die in den letzten drei&szlig;ig Jahren die Amerikanisierung des Globus unter dem Deckmantel der &bdquo;Globalisierung&ldquo; betrieben haben und dies bis zur allgemeinen Freigabe von Drogen und der Vernichtung der kulturellen Identit&auml;t von V&ouml;lkern betreiben, werden sich nicht verkriechen und Trump machen lassen. Das Milliard&auml;rs-Treffen der Trump-Feinde unmittelbar nach der Pr&auml;sidentschaftswahl hat das deutlich werden lassen. Der ehemalige Planungschef des deutschen Ausw&auml;rtigen Amtes, Herr Dr. Frank Elbe, hat in einem ungew&ouml;hnlich detaillierten &ouml;ffentlichen Text darauf aufmerksam gemacht, welche politischen Kr&auml;fte in den Vereinigten Staaten den Machtapparat der USA nutzen, eine politische R&uuml;ckkehr auf das Territorium jenes Staates zu bewerkstelligen, das ihre Vorfahren vor mehr als einem Jahrhundert verlassen haben. Das wird Pr&auml;sident Putin vor Augen haben m&uuml;ssen, wenn er sich mit seinem Pr&auml;sidenten-Kollegen Trump zusammensetzt.<\/p><p><em>Willy Wimmer, 15. Juli 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. <strong>Willy Wimmer<\/strong>, zu Kanzler Kohls Zeiten Parlamentarischer Staatssekret&auml;r im Bundesverteidigungsministerium, aktiv in der OSZE und einer der ersten aufmerksamen Beobachter der Bewegung des Westens weg von der Entspannungspolitik und hin zur milit&auml;rischen Intervention als Ersatz f&uuml;r gute Politik kommentiert das heutige Treffen. &ndash; Das wird der erste NachDenkSeiten-Beitrag in dieser Woche zum Thema West-Ost,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44967\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,11],"tags":[2013,1426,2175,466,915,259,1800,1556,1019],"class_list":["post-44967","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-entspannungspolitik","tag-hegemonie","tag-interventionspolitik","tag-nato","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-trump-donald","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=44967"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49609,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/44967\/revisions\/49609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=44967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=44967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=44967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}