{"id":4497,"date":"2010-02-03T17:19:19","date_gmt":"2010-02-03T16:19:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4497"},"modified":"2014-11-25T09:59:58","modified_gmt":"2014-11-25T08:59:58","slug":"teil-ii-von-der-neoliberalen-ideologie-mangelt-es-auch-an-oekonomischer-effizienz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4497","title":{"rendered":"Teil II  von \u201eDer neoliberalen Ideologie mangelt es auch an \u00f6konomischer Effizienz\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Unser <a href=\"?p=4483\">Beitrag vom 28. Januar<\/a> l&ouml;ste bei NachDenkSeiten-Lesern E-Mails mit weiteren Beispielen f&uuml;r die mangelnde Effizienz der herrschenden Lehre aus. Da ich eh noch einiges im K&ouml;cher hatte, hier die Kombination zu einem Teil II. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nZur Einf&uuml;hrung noch einmal den Vorspann von Teil I:<\/p><p>Die folgenden Gedanken sind als eine Anregung f&uuml;r NDS-Leserinnen und -Leser gedacht, die sich wie wir mit der herrschenden Ideologie auseinandersetzen.<br>\nMeist beklagen wir ja, dass die Neoliberalen die Werteorientierung verloren haben und insbesondere das Gebot sozialer Gerechtigkeit verletzen. Das ist richtig. Aber die Auseinandersetzung mit der neoliberalen Plage k&ouml;nnte um vieles effektiver sein: die Umsetzung der Rezepte Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung sowie die Zerst&ouml;rung sozialer Sicherungssysteme hat zu einer ma&szlig;losen Verschwendung von Ressourcen gef&uuml;hrt.<\/p><p>Hier also weitere Belege f&uuml;r das Versagen der neoliberalen Ideologie auf ihrem ureigensten Gebiet, der &ouml;konomischen Effizienz:<\/p><ol>\n<li><strong>Die Zerst&ouml;rung der Arbeitslosenversicherung und ihren Ersatz durch Hartz IV, einschlie&szlig;lich des Ausbaus der Arbeitsagenturen sind Belege ma&szlig;loser Verschwendung von Ressourcen.<\/strong><br>\nZun&auml;chst muss, da daran in weiten Kreisen von rechts bis links schon nicht mehr gedacht wird, daran erinnert werden, dass es ein wichtiges wirtschaftspolitisches Ziel ist, f&uuml;r Besch&auml;ftigung mit der Zielvorstellung Vollbesch&auml;ftigung zu sorgen. Arbeitsagenturen sind wie fr&uuml;her Arbeits&auml;mter Hilfsl&ouml;sungen.<br>\nHeute sind wir soweit, dass das eigentliche Ziel nahezu vergessen ist. Unsere Regierungen k&uuml;mmern sich von Schr&ouml;der bis Merkel vor allem um die Verwaltung der Arbeitslosigkeit und nicht um die Beseitigung. So schwer Letzteres ist, es muss das Hauptziel bleiben.<br>\nWenn es mit massiver Ankurbelung der Binnennachfrage wieder gel&auml;nge, der Vollbesch&auml;ftigung nahe zu kommen, dann w&uuml;rden alle diese sch&ouml;nen neuen Geb&auml;ude und Einrichtungen teilweise leer stehen. Auch das macht sichtbar, wie absurd und verschwenderisch die Konzentration auf die Verwaltung der Arbeitslosigkeit ist.<br>\nIch kenne all die Vorbehalte gegen eine aktive Besch&auml;ftigungspolitik mit dem Ziel der Vollbesch&auml;ftigung &ndash; es gebe keinen Bedarf mehr usw. Wer so denkt, der sollte wenigstens einmal daran denken, was ja immerhin in diesen Tagen fast t&auml;glich &uuml;ber unsere Bildschirme flimmert: Wie es in unseren Gemeinden, in unseren Schulen und Universit&auml;ten heute aussieht. Riesenbedarf aller Orten. Und das ist nur ein Segment von echten und berechtigten Bed&uuml;rfnissen.<\/li>\n<li><strong>Die Hinnahme von Langzeitarbeitslosigkeit und der Aufbau eines Niedriglohnsektors hat eine gro&szlig;e Zahl von Menschen ver&auml;ndert.<\/strong> Wir haben sehenden Auges hingenommen, dass die Qualifikation vieler Menschen entwertet wurde, dass sie psychisch gebrochen worden, dass sie krank werden, dass ihre Beziehungen und Familien kaputtgehen, dass sie zunehmend demotiviert und teilweise sozial isoliert werden. &ndash; Der enge Horizont der von der Angebots&ouml;konomie gepr&auml;gten Ideologie und Politik sorgt daf&uuml;r, dass diese Folgen der unterschwellig durchaus gewollten Reservearmee-Politik offensichtlich nicht gesehen werden.<\/li>\n<li><strong>Das Menschenbild dieser herrschenden Ideologie ist offensichtlich von engstirnig &ouml;konomistischem Denken gepr&auml;gt.<\/strong> Ihrem Menschenbild entspricht allein die Vorstellung, dass Menschen auf Druck und auf Fordern ansprechen. Dass sie oft verantwortlich handeln, dass sie oft aus eigenem Antrieb handeln, sehen die Ideologief&uuml;hrer nicht. Viele Unternehmer sehen das schon. Sie wissen aus Erfahrung, dass ihr Unternehmen ohne kreative und verantwortlich handelnde und denkende Mitarbeiter\/innen bei weitem nicht so produktiv w&auml;ren.<br>\nEs ist kein Wunder, dass die gesamtwirtschaftliche Produktivit&auml;t bei weitem nicht mehr so hoch ist wie in Zeiten weniger frustrierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und in Zeiten von Investitionen, die bei guter Besch&auml;ftigung immer wieder f&auml;llig werden und das Transportmittel f&uuml;r technischen Fortschritt sind.<br>\nWir sollten festhalten: die herrschende &ouml;konomische Lehre hat die volkswirtschaftliche Produktivit&auml;t unseres Landes deutlich besch&auml;digt.\n<p>Der n&auml;chste Hinweis kommt von B.H., einem Nachdenkseitenleser.<\/p><\/li>\n<li>Privatisierung der Arbeits&auml;mter, heute Arbeitsagenturen, sowie <strong>der Umgang mit Arbeitslosen ist eine Verschwendung von Ressourcen<\/strong> &ndash; dem ber&uuml;hmten &bdquo;Humankapital&ldquo;, das als Arbeitslose\/-r brachliegt &ndash; in unterschiedlicher Dauer.<br>\nMittlerweile h&auml;ufen sich die Hinweise, dass Arbeitslose keineswegs so gering qualifiziert sind, wie immer behauptet wird.<br>\nDie Karriereberaterin Svenja Hofert hat dazu ein Buch geschrieben, das der herrschenden Ideologie nicht gefallen d&uuml;rfte, denn es behauptet, dass eben nicht nur die unqualifizierten Menschen in Hartz IV abrutschen, sondern sogar hochqualifizierte Akademiker\/-innen, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen aus dem Buch von Frau Hofert &ndash; &bdquo;Das Karrieremacherbuch: Erfolgreich in der Jobwelt der Zukunft. Wie Du morgen Karriere machst.&ldquo;<br>\n&Uuml;brigens, die Profis in der Bewerbungsberatungspraxis Hesse\/Schrader schreiben in Ihrem Buch &bdquo;Bewerbungsfehler&ldquo;, dass &bdquo;unsinnige Bewerbungen&ldquo; auf Teufel komm raus nichts bringen, d.h. indirekt raten die vom Bewerbungszwang ab, den manche ARGEN immer noch von Bewerbern verlangen, damit diese Arbeitslosen ihre Arbeitswilligkeit beweisen. Diese Art der Bewerberei ist nicht sehr produktiv, um es gelinde zu schreiben&hellip;..auch hier eine Verschwendung von Ressourcen &hellip;<\/li>\n<li><strong>Aufstocken sowie Kombilohn und der soziale Ausgleich beim &Uuml;bergang zur Kopfpauschale und verst&auml;rkter Privatisierung der Krankenversicherung sind komplizierte und verschwenderische Sozialtechniken.<\/strong><br>\nDas Aufstocken und der Kombilohn ersetzen die bessere Arbeitslosenversicherung, eine nachhaltige Besch&auml;ftigungspolitik und eine m&ouml;gliche Mindestlohnregelung. Aufstocken und Kombilohn sind mit teuren B&uuml;rokratien verbundene Ersatzl&ouml;sungen.<br>\n&Auml;hnliches gilt f&uuml;r den Sozialausgleich bei der Umstellung auf die Kopfpauschale in der Krankenversicherung. Was heute mit der Orientierung der Beitr&auml;ge am Einkommen einigerma&szlig;en gel&ouml;st ist &ndash; ein sozialer Ausgleich &ndash; das soll k&uuml;nftig &uuml;ber ein extrem b&uuml;rokratisches Verfahren, das wiederum eine unendliche Kette von Ungerechtigkeiten ausl&ouml;sen wird, wie &uuml;brigens auch schon BAf&ouml;G Regelungen, &uuml;bernommen werden.<br>\nAuch im Erfinden von gesellschaftlichen Regelungen sind die Neoliberalen einfach schlecht.<br>\nDie mit ihrer Ideologie verbundene Verschwendung ist &uuml;brigens immer eng damit verbunden, dass viele ihrer Regelungen so konstruiert sind, dass ihre Spezies bedient werden k&ouml;nnen: Aufstocken und Kombilohn f&ouml;rdert die Freunde von der Niedriglohnbranche, die Kopfpauschale ist die g&uuml;nstige Voraussetzung zur massiven Ausdehnung des Anteils der privaten Krankenkassen, die Umstellung von Arbeits&auml;mtern auf Arbeitsagenturen hat die Vergabe von Auftr&auml;gen nach au&szlig;en deutlich gef&ouml;rdert, usw.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser <a href=\"?p=4483\">Beitrag vom 28. 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