{"id":44973,"date":"2018-07-16T10:31:17","date_gmt":"2018-07-16T08:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44973"},"modified":"2018-07-17T07:21:29","modified_gmt":"2018-07-17T05:21:29","slug":"die-vier-gesichter-des-donald-trump-trottel-monster-retter-oder-realist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44973","title":{"rendered":"Die vier Gesichter des Donald Trump: Trottel, Monster, Retter oder Realist?"},"content":{"rendered":"<p>Das Treffen zwischen dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin und seinem US-Pendant Donald Trump bietet Anlass, die unterschiedlichen Darstellungen und Wahrnehmungen der Person, des Politikers und des Medien-Charakters Donald Trump zu untersuchen. Auch wenn man angesichts des Verwirrspiels Trumps teils im Nebel stochert, so ist eines sicher: Die in den Medien dominierende Darstellung, Donald Trump sei ein einsamer Idiot, ist simpel und falsch. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2164\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-44973-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180716_Die_vier_Gesichter_des_Donald_Trump_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180716_Die_vier_Gesichter_des_Donald_Trump_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180716_Die_vier_Gesichter_des_Donald_Trump_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180716_Die_vier_Gesichter_des_Donald_Trump_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=44973-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180716_Die_vier_Gesichter_des_Donald_Trump_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180716_Die_vier_Gesichter_des_Donald_Trump_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ende vergangener Woche haben in London &uuml;ber 200.000 Menschen gegen Donald Trump demonstriert &ndash; ich bin nicht sicher, ob ich teilgenommen h&auml;tte. Nicht, dass an der Politik und der Person Trumps nicht zahlreiche Dinge auszusetzen w&auml;ren &ndash; aber: So selbstverst&auml;ndlich wie sich viele der Demonstranten auf ihre Ablehnung des stilisierten Medien-Charakters Donald Trump einigen k&ouml;nnen, so fragw&uuml;rdig sind einige der von ihnen statt dessen pr&auml;ferierten Modelle. Teils wird nicht konkretisiert, was man sich &bdquo;statt Trump&ldquo; f&uuml;r eine Politik der USA w&uuml;nscht &ndash; teils werden ganz offen die aggressiven &bdquo;Globalisten&ldquo; um die US-Demokratin Hillary Clinton umarmt. Ersteres ist ungen&uuml;gend, Letzteres ist inakzeptabel. <\/p><p>Zudem ist unklar, wof&uuml;r genau Trump steht: Seiner kriegerischen Rhetorik steht real eine teils eher entspannende Haltung gegen&uuml;ber: Auf verbale und taktische Pseudo-Eskalationen sind nun mehrmals Kehrtwenden hin zu Entspannung (Nordkorea, Russland) oder begrenztem R&uuml;ckzug (Syrien) gefolgt &ndash; im Falle Iran bleibt abzuwarten, ob Trump wieder diesem Muster folgen wird bzw. welche der beiden sich aktuell bek&auml;mpfenden Macht-Gruppen in den USA sich durchsetzen kann. Andererseits werfen die USA unter Trump <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44684\">so viele Bomben wie noch nie<\/a> und eskalieren nochmals die Forderungen nach erh&ouml;hten R&uuml;stungsetats. Die Signale sind also widerspr&uuml;chlich und verwirrend. Sehr wahrscheinlich ist aber zumindest, dass Trumps scheinbar chaotische Amtsf&uuml;hrung und seine angeblich einsam in der Nacht abgesetzten Tweets Teil einer wohlgeplanten und von einem gro&szlig;en Team umgesetzten Strategie sind. <\/p><p><strong>Mit Trump-Kritik auf der &bdquo;richtigen&ldquo; Seite<\/strong><\/p><p>Vor allem die Innenpolitik des US-Pr&auml;sidenten muss sehr kritisch betrachtet werden, da Trump hier seinen b&ouml;sen Worten meist auch schlimme Taten wie die grausame Isolierung der Migrantenkinder, eine generelle Mobilisierung durch Rassismus oder riskante Finanz-Deregulierungen folgen l&auml;sst. Der wirtschaftsliberale Radikal-Kapitalist Trump ist darum keineswegs jener Retter der Arbeiterklasse, wie es seine Wahlkampagne suggeriert hat.<\/p><p>Insofern kann man sich leicht auf eine Ablehnung der Person und der Symbolik Trumps einlassen &ndash; schlie&szlig;lich befindet man sich damit auf jeden Fall auf der komfortablen, &bdquo;richtigen&ldquo; Seite. Allerdings ist die angebotene Alternative inakzeptabel: Abschreckend ist bereits die aufreizend arrogante Haltung vieler Gegner Trumps sowie ihre teils merkw&uuml;rdigen Koalitionen aus &bdquo;liberalen&ldquo; und russen-feindlichen US-Kriegstreibern einerseits sowie &bdquo;linken&ldquo; Subkulturen andererseits.<\/p><p>Man kann festhalten: Trump hat einen absto&szlig;enden Politikstil eingef&uuml;hrt und innenpolitisch mindestens fragw&uuml;rdig agiert. Aber auf der anderen Seite hat er einerseits &uuml;berraschend viele seiner (teils auch positiven) Wahlkampf-Impulse versucht umzusetzen &ndash; dazu z&auml;hlt auch die angestrebte und angefeindete Entspannung mit Russland. Andererseits sind viele dieser Versuche am immensen Widerstand der Wahlverlierer und des von ihnen eingesetzten tiefen Staates gescheitert oder gebremst worden. Ein Teil des anarchischen und groben Eindrucks von Trumps Handeln r&uuml;hrt auch her von erzwungenen Abwehrma&szlig;nahmen gegen die offiziellen und verdeckten Angriffe gegen seine Politik.<\/p><p><strong>Welche Macht-Gruppe steht hinter Trump?<\/strong><\/p><p>Eben dieser unverbl&uuml;mte Einsatz etwa der Geheimdienste gegen Trump widerlegt die hiesige und internationale Medien-Darstellung, Trump sei ein einsamer und infantiler Trottel. W&auml;re er das, so h&auml;tte ihn die breite Koalition seiner Gegner aus Geheimdiensten, Medien, Milit&auml;r und Silicon Valley mutma&szlig;lich l&auml;ngst eingehegt. An Versuchen hat es nicht gemangelt, zum Teil ist es gegl&uuml;ckt: Trump wurde als russische Handpuppe verleumdet, seine Regierungs-Mannschaft wurde von Gener&auml;len eingekreist und seine Mitarbeiter mit Prozessen und schmutzigen Tricks bek&auml;mpft. Aber scheinbar hat Trump m&auml;chtige Personen im R&uuml;cken &ndash; sonst w&auml;re er nicht mehr im Amt.<\/p><p>Bei der Demo in London schwebte die riesige h&auml;mische Darstellung Trumps als b&ouml;ses Baby in Ballonform &uuml;ber den Menschen. Das ist ein gutes Sinnbild f&uuml;r die verk&uuml;rzte und verharmlosende Sichtweise auf Trump, den man doch &ndash; wie alle US-Pr&auml;sidenten &ndash; nicht als irren Einzelt&auml;ter, sondern als relativ machtlosen Repr&auml;sentanten &bdquo;seiner&ldquo; Machtgruppe sehen muss. Bei der g&auml;ngigen unbefriedigenden Trump-Analyse &uuml;berlagert aber die Person die Gruppe &ndash; eine gegl&uuml;ckte Ablenkung. <\/p><p>Mutma&szlig;lich verfolgt Trump hinter den selbst verursachten Ablenkungen eine Agenda &ndash; da er als Einzelk&auml;mpfer nicht &uuml;berleben w&uuml;rde, ist es nicht seine pers&ouml;nliche, sondern die m&auml;chtiger F&ouml;rderer. Wer sind diese Unterst&uuml;tzer und was wollen sie wirklich? Ein Atomkrieg, wie in j&uuml;ngerer Vergangenheit oft medial geunkt wurde, ist es wahrscheinlich nicht. Manche Beobachter vermuten das Gegenteil, oder stark vereinfacht ausgedr&uuml;ckt: Im Kreis der Trump-Unterst&uuml;tzer sind nach dieser Lesart einflussreiche Personen, die vom sehr teuren System der internationalen US-Basen nicht profitieren.  In deren Auftrag zertr&uuml;mmert Trump dieses System, um die dadurch freien Ressourcen neu einzusetzen &ndash; zum Leidwesen der auch deutschen Clinton-Unterst&uuml;tzer, die das internationale Basen-System notfalls durch Kriege noch ausbauen wollten. Durch diese Haltung w&uuml;rde Trump noch lange nicht zum Pazifisten und auch nicht zum freundlichen Partner der Europ&auml;er. <\/p><p><strong>Parallel-Welten in den USA<\/strong><\/p><p>So wie es mehrere &ouml;ffentliche Charaktere Trumps gibt, so existieren auch in den Vereinigten Staaten Parallelwelten: Neben den Trump-Unterst&uuml;tzern ist da vor allem die von Hillary Clinton repr&auml;sentierte Gruppe der &bdquo;Globalisten&ldquo;. Sie ben&ouml;tigen f&uuml;r ihr Konzept von internationaler US-Dominanz das System der US-Milit&auml;rbasen. Sie kontrollieren weite Teile des tiefen Staates und nahezu alle gro&szlig;en Medien. Sie haben ihre Niederlage noch nicht verwunden. Auf diese Gruppe beziehen sich deutsche Transatlantiker, wenn sie von den &ldquo;guten&rdquo; USA sprechen. Diese Gruppe ist in Deutschland noch immer einflussreich. <\/p><p>Deutsche Transatlantiker geraten durch Trump jedoch in eine Zwickm&uuml;hle: Trump zieht den Phrasen von den USA als gutmeinender Friedensmacht das propagandistische Fundament weg. Think-Tanks, Politiker und Journalisten m&uuml;ssen aktuell Trump kritisieren, wollen aber gleichzeitig die NATO erhalten, was in einem wenig &uuml;berzeugenden medialen Eiertanz m&uuml;ndet. Dass US-Demokraten und deutsche Transatlantiker Trump dabei als kriegstreiberisches Monster darstellen, ist Heuchelei. Dass diese Heuchelei nicht thematisiert wird, ist ein weiteres Beispiel f&uuml;r die Gleichf&ouml;rmigkeit unserer Medienlandschaft. <\/p><p>Trump ist au&szlig;enpolitisch bisher(!) eher ein Schaf im Wolfspelz, auf die extreme Kriegsrhetorik folgten bislang wie gesagt &bdquo;nur&ldquo; symbolische, milit&auml;risch irrelevante Angriffe wie jene beiden Raketenattacken auf Syrien. Jenseits einer auch dem Druck &bdquo;liberaler&ldquo; Medien geschuldeten kriegerischen Rhetorik ist Trumps Au&szlig;enpolitik in ihrer Wirkung(!) &ndash; nicht in ihrer Erscheinung &ndash; mutma&szlig;lich weniger aggressiv als die unter Obama oder Bush. Es ist ein Zeichen der Zeit: Verletzungen des Stils werden &uuml;bler genommen als gro&szlig;e Kriege. Lob kommt von den &bdquo;Liberalen&ldquo; erst, wenn Bomben fallen. Auch viele deutsche Pseudolinke w&uuml;rden einer sanft sprechenden, aber Krieg f&uuml;hrenden Hillary Clinton einem polternden, aber (angeblich!) die US-Kriegsmaschine zur&uuml;ckziehenden Donald Trump den Vorzug geben. Nach dieser Sicht wiegen blutige Feldz&uuml;ge weniger schwer als ein paar Twitter-Peinlichkeiten.<\/p><p><strong>Das Ende der NATO?<\/strong><\/p><p>Manche sehen hinter Donald Trumps Entertainment-Maschine also eher einen k&uuml;hlen Realisten, der die neue multipolare Welt akzeptiert hat. In der Gewissheit, dass sich das amerikanische Imperium &uuml;berlebt habe, betreibe er zielstrebig dessen R&uuml;ckbau &ndash; etwa durch die Demontage alter B&uuml;ndnisse, die mit den hohen Kosten einer Milit&auml;rpr&auml;senz verbunden sind, wie in Deutschland. Kostenminimierung und damit die Aufgabe von Milit&auml;rbasen sei das Gebot der Stunde. All die Tweets und Drohungen und das ganze kriegerische Gebaren Trumps sei nur der Theaterdonner, der einen (angeblichen!) realen R&uuml;ckzug aus Kostengr&uuml;nden &uuml;berdecken solle.<\/p><p>Alle in diesem Text geschilderten Theorien zur US-Au&szlig;enpolitik stochern im Nebel und k&ouml;nnen nicht als gesichert oder belegt bezeichnet werden. Bei allen Unw&auml;gbarkeiten in der Beurteilung von Trumps &bdquo;realen Motiven&ldquo; scheint eines aber offensichtlich: Trump treibt die EU mit vielem, was er tut, in die Arme der Russen und Chinesen. Es ist schwer zu glauben, dass das konzeptlos und &bdquo;aus Versehen&ldquo; geschieht. Aller kriegerischer Rhetorik von den zu erh&ouml;henden R&uuml;stungs-Etats zum Trotz erlaubt er Europa damit erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg Gedankenspiele, die eine Abschaffung der NATO beinhalten. In unseren Medien wird die &bdquo;Drohung&ldquo; Trumps, die US-Truppen aus Europa abzuziehen und damit die NATO zu begraben, als gro&szlig;es Unheil dargestellt. Tats&auml;chlich w&auml;re das aber Vorbedingung jeder europ&auml;ischen Selbstbestimmung. Insofern ist die unerh&ouml;rte Ank&uuml;ndigung Trumps real eine gro&szlig;e Chance. Ob sie ergriffen wird, und wenn ja, wie sie umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt. Diese Fragen m&uuml;ssten aber jetzt diskutiert werden: Die Zeit dr&auml;ngt &ndash; in Helsinki werden dieser Tage wichtige Weichen gestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Treffen zwischen dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin und seinem US-Pendant Donald Trump bietet Anlass, die unterschiedlichen Darstellungen und Wahrnehmungen der Person, des Politikers und des Medien-Charakters Donald Trump zu untersuchen. 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