{"id":450,"date":"2005-01-25T15:27:33","date_gmt":"2005-01-25T13:27:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=450"},"modified":"2016-03-20T10:41:41","modified_gmt":"2016-03-20T09:41:41","slug":"jahreswirtschaftsbericht-2005-thema-verfehlt-setzen-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=450","title":{"rendered":"Jahreswirtschaftsbericht 2005: Thema verfehlt, setzen, 6"},"content":{"rendered":"<p>Gesetzestreu legt die Bundesregierung bis Ende Januar eines jeden Jahres den Jahreswirtschaftsbericht vor. Wichtiges fehlt auch in diesem Jahr. Von Kohl bis Schr&ouml;der &ndash; immer das Gleiche.<br>\n<!--more--><br>\nNach &sect; 2 des Gesetzes zur F&ouml;rderung der Stabilit&auml;t und des Wachstums der Wirtschaft (StWG) soll der Jahreswirtschaftsbericht eine Darstellung der von der Bundesregierung verfolgten Wirtschafts- und Finanzpolitik, eine Stellungnahme der Bundesregierung zum Jahresgutachten des Sachverst&auml;ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie eine Jahresprojektion der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung f&uuml;r Deutschland enthalten. &sect; 3 des StWG verpflichtet dar&uuml;ber hinaus die Bundesregierung gesamtwirtschaftliche Orientierungsdaten zur Verf&uuml;gung zu stellen. Soweit so gut die Intension des Gesetzgebers von 1967. <\/p><p>Die heutigen Verwalter des Stabilit&auml;ts- und Wachstumsgesetzes erf&uuml;llen nur noch formal diese Vorschriften. Vergeblich wird der sorgf&auml;ltige Leser des diesj&auml;hrigen Jahreswirtschaftsberichtes &ndash; wie auch schon vorher seit der geistig, moralischen Wende von Kohl 1982 &ndash; nach einer regierungsamtlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik, die diesen Namen verdient, suchen. Makro&ouml;konomische Politik mit wachstums- und besch&auml;ftigungspolitischer Zielsetzung findet in Deutschland nicht mehr statt. Zur Geldpolitik, also zu einem der drei makro&ouml;konomischen Politikbereiche Finanzpolitik, Lohnpolitik und Geldpolitik, wird man gar nichts finden. Geldpolitik wird irgendwo im Olymp (EZB Frankfurt) gemacht und ist daher als gottgewollt gegeben hinzunehmen. Lohnpolitik ist insofern klar, als die L&ouml;hne sind zu hoch, die Lohnnebenkosten behindern die Besch&auml;ftigung. Finanzpolitik ist ebenso klar, man spart verzweifelt und doch eifrig dem 3 % Ziel von Maastricht hinterher, ohne es je zu erreichen. Das Denken in makro&ouml;konomischen Kreislaufzusammenh&auml;ngen ist der verbeamteten, politischen und wissenschaftlichen &ouml;konomischen Elite abhanden gekommen. Es wird eben nicht mehr &uuml;ber ein Output-gap geredet, oder &uuml;ber den Absturz der Investitionsquote, den Zusammenbruch der &ouml;ffentlichen Investitionen, der sich dauernd verschlechternden Arbeitsmarktlage, trotz Reformen, trotz Lohnzur&uuml;ckhaltung, trotz eisernem Sparwillen, trotz Gewinnexplosion. Das alles wird nicht mehr reflektiert. Die Verteilung wird immer schiefer; dass dies einen Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung haben k&ouml;nnte, f&auml;llt keinem mehr auf. Daf&uuml;r haben wir aber den Armuts- und Reichtumsbericht in dem man nebul&ouml;s feststellt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer &auml;rmer werden. <\/p><p>Eine ebensolche Attrappe ist die Jahresprojektion, die gleichzeitig auch die Orientierungsdaten f&uuml;r die Wirtschaftssubjekte in Deutschland abgeben sollte. Quantitative Ziele werden nicht mehr angestrebt. Die einzige quantitative Ikone sind die 3 % von Maastricht und die Jahresprojektion hat nur noch einen Zweck, m&ouml;glichst im Prognosespektrum des kollektiven Irrtums (der ach so gleichgerichteten Forschungsinstitute) zu liegen und absch&auml;tzbare Steuer- oder Sozialeinnahme-Ausf&auml;lle zu kaschieren und deren Offenlegung m&ouml;glichst weit hinaus zu schieben.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesetzestreu legt die Bundesregierung bis Ende Januar eines jeden Jahres den Jahreswirtschaftsbericht vor. Wichtiges fehlt auch in diesem Jahr. 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