{"id":45005,"date":"2018-07-18T14:00:20","date_gmt":"2018-07-18T12:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45005"},"modified":"2018-07-18T14:23:23","modified_gmt":"2018-07-18T12:23:23","slug":"rote-karte-fuer-unsere-medien-in-ihrem-match-gegen-russland-teil-3-welches-russlandbild-bleibt-jetzt-nach-der-wm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45005","title":{"rendered":"Rote Karte f\u00fcr unsere Medien in ihrem Match gegen Russland? Teil 3: Welches Russlandbild bleibt jetzt nach der WM?"},"content":{"rendered":"<p>Der NachDenkSeiten-Leser <strong>Michael Steinke<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45005#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] hat die Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaft in Russland besucht und sich vier Wochen lang vor Ort einen eigenen Eindruck gemacht. F&uuml;r die NachDenkSeiten schildert er seine Erfahrungen und Gedanken nun in einer dreiteiligen Serie und stellt sie der negativen Medienkampagne gegen&uuml;ber, die seit Wochen auf Hochtouren l&auml;uft. Lesen Sie heute das ausf&uuml;hrliche Finale des Dreiteilers. Der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44859\">erste Teil<\/a> der Serie erschien am letzten Dienstag, der zweite Teil am <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44918\">letzten Donnerstag<\/a>.<br>\n<!--more--><\/p><div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/div><p>Die <strong>Vorurteile und Klischees, <\/strong>unser Bild &uuml;ber Russland haben sich im Laufe der Jahre ver&auml;ndert: In Russland trinkt man Wodka und beweint die russische Seele. Man f&auml;hrt einen Lada durch unendliche Weiten. Die B&auml;ren laufen durch die St&auml;dte. Alle russischen Frauen sind sch&ouml;n. Im russischen Winter taucht man nach der Banja in ein Eisloch ein. (bis 1995)<\/p><p>Russen feiern gerne, sind immer und &uuml;berall laut, protzen gerne, sind sehr abergl&auml;ubisch; Alle russischen Frauen wollen einen Ausl&auml;nder heiraten. Ein Land, in dem Korruption, Ungleichheit und Oligarchen herrschen. (bis 2005)<\/p><p>Russen sind alles Hacker, immer die B&ouml;sen, r&uuml;cksichtslos, Russland, das sich nach alter Gr&ouml;&szlig;e sehnt, nationalistisch, mit Hang zum Militarismus. (ab 2005)<\/p><p><strong>Deutsche Medien-Oligarchie &uuml;ber Russland<\/strong><\/p><p>Das Russlandbild in der deutschen Berichterstattung war im letzten Jahrtausend nach dem Ende des Kalten Krieges noch weitgehend folkloristisch gepr&auml;gt, wurde dann um <em>Armut<\/em> und <em>Oligarchen<\/em> erg&auml;nzt, und nach 2000 um Stereotypen russischer Reisender. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/deutsch-russische-vorurteile-die-ruepel-kommen-1.262601\">SZ<\/a>: Im Sommer 2005 schreckte das Magazin <em>Stern<\/em> die Deutschen auf: Russische Touristen erobern die sch&ouml;nsten Str&auml;nde in der T&uuml;rkei und &Auml;gypten. Im Vorspann des Artikels hei&szlig;t es: <em>&ldquo;Rentenloch und Hartz IV waren schon schlimm genug. Jetzt nehmen uns die Russen auch noch die Liegest&uuml;hle weg.&rdquo;<\/em> Kurz und knapp lie&szlig;e sich der Text mit &ldquo;Die R&uuml;pel kommen&rdquo; zusammenfassen. Der Artikel besch&auml;ftigte sogar den Presserat, da sich eine Studentin &uuml;ber die &ldquo;abgrundtiefe Ignoranz und die Verbreitung unz&auml;hliger Vorurteile&rdquo; beschwert hatte.<\/p><p>Die Beschwerden haben sich seitdem vervielfacht, denn die deutsche Berichterstattung hat zunehmend eine immer st&auml;rkere Politisierung und Putinisierung erfahren. Putin, das Land und seine Menschen werden in Deutschland immer st&auml;rker miteinander gesehen und beurteilt. Diese Problematik hat sich besonders auch bei der aktuellen WM in Russland gezeigt. So propagierte die deutsche Berichterstattung das Fu&szlig;ballfest zu &ldquo;Putins WM&rdquo; und war danach nicht mehr in der Lage, dem Land und seinen Menschen gegen&uuml;ber neutral oder gar wohlwollend zu sein, obwohl diese es mehr als verdient hatten und es objektiv geboten gewesen w&auml;re.&rdquo;<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-02.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>1998: Mitleid mit den notleidenden Russen . 2005: Angst vor urlaubenden Russen<\/small><\/p><p>Leider wird unser Russlandbild trotz steigendem Berichtsaufkommen nur von ganz wenigen Korrespondenten bestimmt. Gerade einmal <strong>20 deutsche Journalisten<\/strong> aus gerade einmal <strong>12 Medien<\/strong> sind noch in der russischen Hauptstadt <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/47998\/russlandbild-deutscher-medien\">akkreditiert<\/a>: ARD, dpa, SPIEGEL (je 3) oder ZDF (je 2). Und nicht nur wie bei den bekannten Leitjournalisten sind die transatlantischen Netzwerker dominant, auch bei den noch wenig verbleibenden Russland-Korrespondenten wurde etwa die zwar kremlkritisch, aber auch differenzierend berichtende Gabriele Krone-Schmalz durch den einseitig-parteiisch berichtenden Udo Lielischkies und die offen anti-russisch hetzende Golineh Atai ersetzt, beim SPIEGEL die zumindest noch gegen&uuml;ber Land und Leuten differenziert berichtenden Matthias Schepp und Benjamin Bidder durch die Propaganda verbreitenden Christian Esch und Christina Hebel.<\/p><p>Die Richtung dieser deutschen Medien-Oligarchie ist klar anti-russisch, ohne dass es im Mainstream auch nur noch einen Korrespondenten g&auml;be, der kontrollierend oder ausgleichend aus Russland einwirken k&ouml;nnte. Gegenmeinungen oder auch nur russische Positionen zu ihrer Politik, finden sich nur au&szlig;erhalb des Mainstreams, etwa bei den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?s=Russland\">NachDenkSeiten<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/thema\/Russland#liste%20\">Telepolis<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.russland.news\/\">russland.news<\/a>. Nicht ausreichend russischkritisch agierende Russland-Experten wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Florian_R%C3%B6tzer\">Florian R&ouml;tzer<\/a> haben im Mainstream keine Chance oder wurden aus ihren Anstellungen gek&uuml;ndigt wie <a href=\"http:\/\/moritzgathmann.de\/\">Moritz Gathmann<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulrich_Heyden\">Ulrich Heyden<\/a>, Kai Ehlers bzw. sie bekommen aus dem deutschen Mainstream einfach keine Auftr&auml;ge (mehr).<\/p><p>Ex-ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz klagt seit Jahren &uuml;ber eine <strong>wachsende Diskrepanz zwischen der Realit&auml;t des Landes und den verbreiteten Stereotypen &uuml;ber Russland<\/strong>, die sich nach wie vor in den westlichen K&ouml;pfen gehalten h&auml;tten und noch aus dem Kalten Krieg stammten. Krone-Schmalz warnt vor einer D&auml;monisierung des Landes und der zu einfachen Einteilung der Welt in &ldquo;Gut&rdquo; und B&ouml;se&rdquo;: <em>&ldquo;&hellip; dass in den westlichen Medien praktisch nur noch Raum f&uuml;r negative Nachrichten &uuml;ber das Land bleibt&rdquo;<\/em>, schreibt sie in ihrem j&uuml;ngsten Buch &ldquo;Eiszeit&rdquo;. <em>&ldquo;Denn, was aus Moskau kommt, kann nur falsch sein. Viele Journalisten haben sich offenbar abgew&ouml;hnt, genauer hinzuschauen, wenn es um Russland geht, da die Sache ja ohnehin klar scheint: Putin ist der Gegner der freien Welt, der sich der Verbreitung des &ldquo;Guten&rdquo; in den Weg stellt.&rdquo;<\/em><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-03.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>2015: Der Putin-Wahn im deutschen Mainstream<\/small><\/p><p>Niemand kann den Korrespondenten verwehren, die russische Politik zu kritisieren oder zu verurteilen. Wenn dies aber v&ouml;llig undifferenziert geschieht, ohne deren Positionen und Begr&uuml;ndungen zu erkl&auml;ren oder wenigstens zu schildern, sondern nur, indem diese als b&ouml;se, aggressiv d&auml;monisiert wird, und das dann auch noch auf die Russen als intolerante, gewaltt&auml;tige, homophobe Menschen ausgedehnt wird, dann arbeiten sie nicht mehr journalistisch, sondern propagandistisch.<\/p><p>Sogar die <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/47998\/russlandbild-deutscher-medien\">Bundeszentrale f&uuml;r Politische Bildung 2017<\/a> beklagt:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;wobei sich fast durchgehend ein Putin-kritischer Mainstream durchgesetzt hat, der zeitweise zu einer regelrechten <strong>&ldquo;D&auml;monisierung&rdquo; des Pr&auml;sidenten<\/strong> abgleitet &hellip; Solche vereinfachten Deutungen geschehen vor allem in Heimatredaktionen, in denen es an Kompetenz, Interesse und Verst&auml;ndnis f&uuml;r Russland ebenso fehlt wie an frischen Sprach- und Landeskenntnissen. Das h&auml;lt aber vor allem Kolumnisten und Kommentatoren der verschiedenen Zeitungen keineswegs davon ab, ausgiebig vom deutschen Schreibtisch aus &uuml;ber Russland zu schreiben und g&auml;ngige Klischees zu verbreiten.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Um zu einem realistischen Russlandbild vordringen zu k&ouml;nnen, muss man erst einmal mit den Verf&auml;lschungen und D&auml;monisierungen der deutschen Berichterstattung aufr&auml;umen. Befreit von diesen propagandistischen L&uuml;gen, Vorurteilen und Stereotypen kann man sich dann kritisch denen in Russland n&auml;hern, muss da auch propagandistische L&uuml;gen und Verf&auml;lschungen aus dem Weg r&auml;umen, und kommt dann langsam zu dem Russlandbild, das dem Land und der Lebenswirklichkeit seiner Menschen gerecht wird. Kurz:<\/p><p><strong>Russland<\/strong> ist sicher <\/p><blockquote><p>\nnicht DAS fortschrittliche, liberale, soziale Land mit funktionierender <strong>Demokratie<\/strong>, Meinungs- und Pressfreiheit.\n<\/p><\/blockquote><p>Aber eben ganz sicher auch nicht <\/p><blockquote><p>\ndie verarmte, r&uuml;ckst&auml;ndige, intolerante <strong>Diktatur<\/strong> mit willk&uuml;rlicher Verfolgung und Ermordung Andersdenkender, Kritiker oder Homosexueller,\n<\/p><\/blockquote><p>wie es durch die negative Berichterstattung in den K&ouml;pfen der Deutschen entsteht oder nicht selten auch hineingepresst wird. Diese einseitige, undifferenzierte, negative Berichterstattung gegen&uuml;ber Russland kritisiert auch die <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/194826\/zum-russlandbild-in-den-deutschen-medien?p=all\">Bundeszentrale f&uuml;r Politische Bildung 2014<\/a>: &ldquo;Zwar sind viele der medial thematisierten Missst&auml;nde in Russland real (mangelnde Demokratie, soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch), aber wenn diese immer wieder auch &uuml;bertrieben dargestellt werden und f&uuml;r andere, positive Facetten keinerlei Raum in der Berichterstattung ist, f&ouml;rdert dies die Bildung von pauschalisierenden Negativklischees.&rdquo;<\/p><p>********<\/p><p>Ohne gleich als Putinversteher angegriffen zu werden, sollte man sich vor Russland oder sogar vor Putin stellen k&ouml;nnen, um diese falschen Negativklischees oder demagogische Hetze des Westens abzuwehren. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man hinter der Politik Russlands oder Putins steht &ndash; schon allein nach den Gesetzen der Natur ginge das ja auch gar nicht.<\/p><p>********<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-04.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><\/p><p>Bestandteile eines verzerrten Russlandbildes:<\/p><p><strong><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\">Russische Machos sehen Frauen als Schlampen und pr&uuml;geln<\/strong><\/p><p><strong><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\">Postsowjetisch, r&uuml;ckst&auml;ndig voller Armut und Tristesse<\/strong><\/p><p><strong><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\">Isolation, Nationalismus, Militarismus<\/strong><\/p><p><strong><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\">Diktatur ohne Meinungs- oder Pressefreiheit<\/strong><\/p><p><strong><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\">Russland verschleppt und mordet seine Kritiker<\/strong><\/p><p><strong>Russen sind homophob und verfolgen Schwule<\/strong><\/p><p>An eine Ver&auml;nderung der deutschen Berichterstattung &uuml;ber Russland kann ich leider nicht glauben. Deshalb hoffe ich sehr, dass sich immer mehr Menschen der diskriminierenden Verunglimpfung Russlands und seiner Menschen verweigern, dass das bestehen bleibt und sich ausbauen l&auml;sst, was man unter &ldquo;Diskrepanz zwischen &ouml;ffentlicher und ver&ouml;ffentlichter Meinung versteht&rdquo;, <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/194826\/zum-russlandbild-in-den-deutschen-medien?p=all\">bpp 2014<\/a>: &ldquo;Einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2007 zufolge glaubten seinerzeit 84 Prozent der Deutschen, dass das deutsche Russlandbild von Vorurteilen beherrscht sei. 49 Prozent waren der Meinung, die deutschen Medien berichteten &uuml;ber die Verh&auml;ltnisse in Russland weder objektiv noch zutreffend, und 44 Prozent gaben an, dass diese einen bewusst negativen Eindruck vermittelten.&rdquo; <\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\"> <strong>Macholand voller Hausfrauen ohne Rechte, Chancen?<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-05.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p><strong>&ldquo;Russen hetzen gegen ihre Frauen&rdquo;. <\/strong>Keine &ldquo;Geschichte&rdquo; von der WM aus Russland fand wohl gr&ouml;&szlig;ere Verbreitung in den deutschen Medien als diese. <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/sport\/fussball\/wm-2018\/wir-haben-eine-generation-von-nutten-gross-gezogen-wie-durch-die-wm-die-metoo-debatte-in-russland-ausgeloest-wird_id_9190112.html\">&ldquo;Nutten, die dem Land Schande bereiten&rdquo;<\/a>: <em>&ldquo;Wir haben eine Generation von Nutten gro&szlig; gezogen, die bereit sind, bei den ersten ausl&auml;ndischen T&ouml;nen die Beine breit zu machen&rdquo;<\/em>, beschwert sich ein Autor in seiner Kolumne <em>&ldquo;Zeit der Nutten&rdquo;<\/em> in der Moskowskij Komsomolez &uuml;ber zu viel Freiz&uuml;gigkeit der Frauen im Umgang mit ausl&auml;ndischen Fans. Gen&uuml;sslich st&uuml;rzen sich alle auf eine in Russland angeblich so breit gef&uuml;hrte Diskussion, <a href=\"https:\/\/rtlnext.rtl.de\/cms\/weil-russische-frauen-nett-zu-auslaendern-sind-ueble-hetze-gegen-nutten-die-dem-land-schande-bereiten-4185585.html?c=ddbd\">RTL<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/fussball-wm-junge-fans-aus-aller-welt-verunsichern-russische-maenner-1.4040583\">SZ<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5514581\/\">taz<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/sport\/fussball\/wm-2018\/wir-haben-eine-generation-von-nutten-gross-gezogen-wie-durch-die-wm-die-metoo-debatte-in-russland-ausgeloest-wird_id_9190112.html\">Focus<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/kontakt-mit-auslaendischen-fans-russlands-bizarrste-wm-diskussion-a-1215943.html\">SPON<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.huffingtonpost.de\/entry\/generation-von-nutten-fotos-wie-dieses-sorgen-in-russland-fur-emporung_de_5b3d0899e4b05127ccee9dd0\">HuffPost<\/a>, <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/unternehmen\/der-wdr\/standorte\/auslandsstudios\/studio-moskau-102.html\">die ARD<\/a> in der Fu&szlig;ball&uuml;bertragung u.v.m. arbeiten sich an dieser Steilvorlage ab. Sie k&ouml;nnen so IHR Bild von Russland best&auml;tigt finden und verbreiten, das konservative, mit Macho-M&auml;nnern, spie&szlig;ig und r&uuml;ckw&auml;rtsgewandt, provinziell, verschlossen, nationalistisch und misstrauisch der ganzen Welt gegen&uuml;ber. Und das nur, weil sich irgendein orthodoxer Au&szlig;enseiter und\/oder irgendeine erzkonservative Politikerin mit einer feministischen Bloggerin streiten.<\/p><p>Das Lustige an solchen Berichten aus Deutschland &uuml;ber angeblich wichtige russische Diskussionen, die diese Journalisten krampfhaft als solche untermauern wollen &ndash; &ldquo;In den sozialen Netzwerken des Landes tobt dar&uuml;ber eine wilde Debatte.&rdquo; &ndash; &ldquo;vielbeachteter Artikel&rdquo; &ndash; &ldquo;gro&szlig;e Debatte entbrannt&rdquo; &ndash; ist, dass weder Nachbarn, Freunde, Verwandte oder ich selbst diese in Russland &uuml;berhaupt mitbekommen haben, sondern aus Deutschland informiert werden mussten, was in Russland angeblich so hei&szlig; diskutiert wird. Jede Wette: Sp&auml;testens nachdem ARD-Lielischkies in seiner 5-Minuten-Schalte vor dem Viertelfinale Russland-Kroatien davon berichtete, dass einige russische M&auml;nner gegen Russinnen als Schlampen hetzen w&uuml;rden, kennen diese angebliche Diskussion ein Vielfaches mehr Deutsche als Russen. <\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-06.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/p><p><strong>Aufgebauscht, verf&auml;lscht und instrumentalisiert<\/strong>. Was RTL, SZ, taz, Focus, SPON, HuffPost und die ARD mit dieser Kampagne betrieben, ist so realistisch und redlich, wie wenn ausl&auml;ndische Journalisten dasselbe &uuml;ber Deutschland berichten, nur weil die AfD &ldquo;&rdquo;<strong>Neue Deutsche?&rdquo; Machen wir selber.<\/strong>&rdquo; zu ihrem Wahl-Plakat machte und unter Deutschen eine Debatte ausl&ouml;ste, dass deutsche Frauen doch besser nicht mit Ausl&auml;ndern, Fl&uuml;chtlingen &hellip; Im Falle Russlands reichte ein Kolumnist, eine(!) Politikerin und &ldquo;einige M&auml;nner in den sozialen Medien&rdquo; f&uuml;r eine derartige Medienwelle zur Verf&auml;lschung der russischen Realit&auml;t, unseres Russlandbildes. In Deutschland h&auml;tten wir sogar die Wahl-Kampagne einer 12%-Partei und sicher auch genug deutsche M&auml;nner in den sozialen Medien, um auch unserem Land vorzuhalten, dass ihm &ldquo;die internationale Ann&auml;herung vielleicht schon zu weit geht&rdquo; &ndash; wie es der <em><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/plus\/wm-russland-ein-sommermaerchen-a-89a65743-f818-4369-9e8d-72a7377ee2eb\">SPIEGEL<\/a><\/em> bei Russland getan hat.<\/p><p>. <\/p><p><strong>Russische Frauen zwischen Beruf und Familie<\/strong><\/p><p>Dabei verbreiten die deutschen Medien selbst sehr oft ein <strong>archaisches Frauenbild<\/strong> aus Russland. Immer wieder stellen deutsche Russland-Berichte auf junge, moderne, sch&ouml;ne Frauen und Models ab. Kaum einer kommt ohne Blick in eine der Model-Schulen aus. Und auch immer wieder berichten westliche Reporter so gern &uuml;ber &ldquo;Klischee-Luder, &uuml;ber deren Hunger nach Oligarchen oder wohlhabenden Ausl&auml;ndern.&rdquo; &ndash; <em><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/11\/russische-frauen-diskriminierung-willen-weltfrauentag-russland\/seite-2\">ZEIT<\/a><\/em><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-07.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><blockquote><p>\n<strong>&ldquo;Andere Karrieren als Sch&ouml;nheit seien in der russischen Machowelt f&uuml;r Frauen wohl schwierig&rdquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>mutma&szlig;t ARD-Mann Udo Lielischkies sogar, bei einem solchen Besuch f&uuml;r seine TV-Reportage &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/sendung\/unser-russland-12-100.html\">Unser Russland<\/a>&ldquo;. Immer wieder wird das Klischee &uuml;ber eine angebliche Machowelt in Russland bei vielen TV-Reportagen bem&uuml;ht, sogar kurz vor dem Viertelfinalspiel Russland-Kroatien.<\/p><blockquote><p>\n<strong>&ldquo;Der Mann wolle doch, dass die Frau zu Hause bleibt&rdquo; <\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>bohrt Lielischkies weiter. Ist Russland also tats&auml;chlich ein so patriarchalisches Land wie in den ARD-Darstellungen, in dem Feminismus noch nicht weit verbreitet ist und die Frauen zu Hause bleiben m&uuml;ssen?<\/p><p>Nach wie vor gibt es in Russland tats&auml;chlich eine gro&szlig;e <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/2000065605757\/Zu-laut-zu-dunkel-Russische-Frauen-duerfen-456-Jobs-nicht\">Liste mit Berufen<\/a>, die Frauen nicht aus&uuml;ben d&uuml;rfen, unter anderem Feuerwehrmann, Berufstaucher, U-Bahn-Fahrer, Lastwagenfahrer oder Schiffskapit&auml;n. Dabei war Russland sehr oft <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2017\/08\/russia-aspiring-female-ships-captain-to-challenge-sexist-labour-laws-in-court\/\">Pionier<\/a>, was die Rechte beziehungsweise die Arbeitsm&ouml;glichkeiten von Frauen betrifft: Frauen durften ab 1917 w&auml;hlen &ndash; das erste gro&szlig;e europ&auml;ische Land, das dies erm&ouml;glichte. Die erste Diplomatin und die erste Frau im Weltall kommen ebenfalls aus Russland. Richtig ist auch, russische Frauen machen sich besonders <a href=\"https:\/\/de.rbth.com\/gesellschaft\/2013\/03\/08\/selbstverstaendliche_schoenheit_22333\">gern zurecht<\/a>. Make-up und Haare sitzen nahezu immer perfekt, und selbst beim M&uuml;ll raustragen wird gern ein sch&ouml;nes Outfit angezogen. Bei aller Betonung ihrer Sch&ouml;nheit: Frauen in Russland <strong>studieren<\/strong> oft, h&auml;ufiger als M&auml;nner und auch mehr als in Deutschland. Der Frauenanteil an Studierenden in der Russischen F&ouml;deration betr&auml;gt 53,38%, im Vergleich: Deutschland 47,80% (<a href=\"https:\/\/www.daad.de\/medien\/der-daad\/analysen-studien\/bildungssystemanalyse\/russland_daad_bsa.pdf\">Deutscher Akademischer Austauschdienst 2017<\/a>).<\/p><p>Auch die <strong>Zahl der erwerbst&auml;tigen Frauen<\/strong> in Russland ist u.a. laut Irina Kosterina, Koordinatorin des Projekts &ldquo;Geschlechterdemokratie&rdquo; der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung Moskau, im Vergleich zu den EU-Staaten sehr hoch. Der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/infografik-gender-pay-gap-anteil-frauen-erwerbstaetige-g20-laender\">Anteil von Frauen an Erwerbst&auml;tigen<\/a> betr&auml;gt in Russland 48,8% gegen&uuml;ber 45,9% in Deutschland. Und dabei arbeiten die russischen Frauen auch keineswegs nur in &ldquo;niederen&rdquo; Positionen: In <a href=\"https:\/\/www.eurasischesmagazin.de\/artikel\/Russische-Frauen-in-hoechsten-Fuehrungspositionen\/20070213\">keinem anderen Land Eurasiens<\/a> gibt es so <strong>viele Spitzenmanagerinnen<\/strong> wie in Russland. Laut SPIEGEL: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/russland-43-prozent-frauenanteil-in-den-fuehrungsetagen-a-1042448.html\">&ldquo;Russische Frauen in h&ouml;chsten F&uuml;hrungspositionen&rdquo;<\/a> betr&auml;gt ihr Anteil in den F&uuml;hrungsetagen der Wirtschaft in Russland 43 Prozent. Amerika kommt hingegen nur auf 22%, Deutschland gar nur auf 14%. <\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-08.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Udo Lielischkies, Leiter des ARD-Studios Moskau, Russland-Korrespondent von 1999-2006 und wieder seit 2012, sollte besser nicht &ouml;ffentlich solche Mutma&szlig;ungen wider bekannten Fakten anstellen. So entsteht ein fahrl&auml;ssig falsches Bild der Frau in Russland. Aber vielleicht ist seine Einsch&auml;tzung etwas subjektiv getr&uuml;bt. Er heiratete an seinem 50. Geburtstag die 23-j&auml;hrige Russin &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/katjuscha-oder-eine-liebe-in-moskau-13167864\">Katjuscha<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Trotz aller beruflichen Chancen sind <strong>Rechte und Freiheiten der Frauen<\/strong> in Russland aber faktisch oft eingeschr&auml;nkt. Der Alltag russischer Frauen ist oft hart. &ldquo;Nur Hausfrau&rdquo; zu sein, gibt es kaum. Die meisten haben ihren Beruf und m&uuml;ssen mitverdienen. Die Mehrfachbelastung durch Arbeit und Familie ist deutlich h&ouml;her als in westlichen L&auml;ndern. Familienfreundliche Regelungen und Teilzeitarbeit sind unbekannt, nach Feierabend k&uuml;mmern sie sich um den Einkauf, den Haushalt, die Kinder, den Mann. Zugleich sind soziale Einrichtungen der Sowjet&auml;ra wie Kinderkrippen, Tagesst&auml;tten und organisierte Schulferien in Kindererholungsheimen weggefallen oder f&uuml;r viele Familien unerschwinglich.<\/p><div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-09.jpg\" alt=\"WM\" width=\"180\"><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/div><p>Zudem m&uuml;ssen viel zu viele Frauen unter <strong>h&auml;uslicher Gewalt<\/strong> leiden, besonders auf dem Land, besonders in Folge von Alkoholismus. Viele Tausende Frauen sterben sogar daran &ndash; jedes Jahr! Die in der deutschen Propaganda aber breit und unredlich ausgeschlachtete Gesetzesnovellierung 2017 (<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article161587829\/Seine-Frau-zu-verpruegeln-ist-in-Russland-keine-Straftat-mehr.html\"><em>WELT:<\/em> <em>&ldquo;Seine Frau zu verpr&uuml;geln ist in Russland keine Straftat mehr&rdquo;<\/em><\/a>) sieht lediglich einen Angleich an deutsches Recht vor. Auch bei uns ist die &ldquo;Ohrfeige&rdquo; im Ernstfall, ohne jede sichtbare Spuren, ohne &auml;rztliche Behandlung, zun&auml;chst keine Straftat. Diese Berichte sind also nur geeignet, zu propagieren, die Politik unterst&uuml;tze, dulde diese h&auml;usliche Gewalt. Dem ist nat&uuml;rlich nicht so.<\/p><p>Kritikw&uuml;rdig ist aber sicher, dass der russische Sozial- und Rechtsstaat oft zu schwach ist, die Frauen ausreichend zu sch&uuml;tzen bzw. zu unterst&uuml;tzen: Viele Frauen heiraten fr&uuml;h, damit sie von den Eltern unabh&auml;ngig leben, von zu Hause ausziehen k&ouml;nnen. Sch&uuml;ler- oder Studenten-Baf&ouml;g gibt es nicht. Auch f&uuml;r eine junge Auszubildende oder Alleinverdienerin ohne Wohnbesitz reicht der Verdienst dazu meist nicht. Statistisch gesehen wird auch deshalb <a href=\"https:\/\/de.rbth.com\/gesellschaft\/2013\/10\/22\/scheidungsland_russland_drum_pruefe_wer_sich_ewig_bindet_26495\"><em>jede zweite Ehe in Russland geschieden<\/em><\/a>, 35% innerhalb der ersten drei Ehejahre. Das kann in Russland schnell, einfach, ohne gerichtliche Verf&uuml;gung geschehen, allerdings ist eine Trennung f&uuml;r die Frau, zumal mit Kindern, faktisch oft nur sehr schwer m&ouml;glich. Frauen belastet in dieser Situation meist die Angst vor der allein ihnen &uuml;berlassenen Verantwortung f&uuml;r das weitere Familienschicksal und einer Verschlechterung ihrer materiellen Situation. So kennt das russische Recht keinen Versorgungsausgleich oder Zugewinnausgleich. Einen <a href=\"https:\/\/www.ostinstitut.de\/documents\/publikationen\/Olejnik_Russisches_Familienrecht_ein_%C3%9Cberblick_OL_2_2016.pdf\"><em>nachehelichen Unterhalt<\/em><\/a> gibt es fast immer nur innerhalb von 3 Jahren nach der Geburt des gemeinsamen Kindes, danach hat die Frau keinerlei Unterhaltsanspr&uuml;che, und selbst der Kindesunterhalt wird in kaum der H&auml;lfte der F&auml;lle geleistet und selbst dann oft nur teilweise. Sie sind es in der Regel, die f&uuml;r die Kinder zu sorgen haben.<\/p><p>Es bedarf der St&auml;rkung des russischen Sozial- und Rechtsstaates, um den Frauen auch faktisch finanziell bessere M&ouml;glichkeiten zu geben, als alleinerziehende Mutter &uuml;berleben oder eben auch sich von gewaltt&auml;tigen M&auml;nnern rechtzeitig trennen zu k&ouml;nnen. <\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\"> <strong>R&uuml;ckst&auml;ndiges Russland voller Armut und postsowjetischer Tristesse<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-10.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><blockquote><p>\n<em>&ldquo;Habt Ihr in Wolgograd eigentlich auch ein Kino?&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&hellip; fragte uns eine studierte Freundin in Baden-Baden. Meine russische Frau blickte mich ungl&auml;ubig staunend an &hellip; <\/p><blockquote><p>\n<em>&ldquo;Kann man hier &uuml;berhaupt ein Parf&uuml;m kaufen?&rdquo;<\/em>,\n<\/p><\/blockquote><p>wollte einer meiner neuen englischen Bekannten wissen, und die f&uuml;nf Fu&szlig;ballfans aus Nottingham trauten ihren Augen nicht, als wir zusammen in eine der vielen Shopping-Malls gingen, die auch in London, Paris oder New York kaum moderner sein k&ouml;nnen. Auch der <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/gdpr-consent\/?destination=%2fnews%2fsoccer-insider%2fwp%2f2018%2f06%2f18%2fafter-seeing-moscow-i-understand-why-fifa-gave-the-world-cup-to-russia%2f%3fnoredirect%3don%26utm_term%3d.24e0d5872409&amp;noredirect=on&amp;utm_term=.ca7adb5cf861\">US-Reporter der Washington Post<\/a> zeigte sich erstaunt, mit Moskau eine lebendige, moderne Metropole und freundliche Menschen anzutreffen statt leerer Regale und d&uuml;sterer Gestalten. Den H&ouml;hepunkt lieferte eine Gruppe deutscher Urlauber in einem 5-Sterne-T&uuml;rkei-Hotel:<\/p><blockquote><p>\n<em>&ldquo;Wie k&ouml;nnen so viele Russen hier Urlaub machen, w&auml;hrend in ihrem Land die Menschen verhungern?&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das soziale Russlandbild der Deutschen, aber auch der anderen WM-Besucher aus England, der Schweiz oder Australien war und ist unglaublich verzerrt. Schaut man sich zwei sogar propagandaarme Reportagen aus Deutschland an, erkennt man schnell, wo dieses falsche Russlandbild entstanden ist:<\/p><p><em>&ldquo;Auf dem Land ist die Zeit stehengeblieben&rdquo;, <\/em>so oder &auml;hnlich res&uuml;mieren zahlreiche Russland-Reiseberichte des westlichen Fernsehens, so auch die aktuelle und eigentlich interessante und empfehlenswerte WM-Reise-Reportage ARD: &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/sendung\/unser-russland-12-100.html\">Unser Russland<\/a>&rdquo; und zeigt besonders verfallene, verlassene D&ouml;rfer, arme Babuschkas, die von 200 Euro leben m&uuml;ssen, am Stra&szlig;enrand ihr selbst angebautes Gem&uuml;se verkaufen m&uuml;ssen, oder andere &ldquo;postsowjetische Tristesse&rdquo;, alte Kolchosen (Rostow), Palast der Sowjets (Kaliningrad), Bauruinen, alte verfallende Holzh&auml;user (Samara) und wieder eine arme Rentnerin mit Minimalrente, die trotzdem Energie, Sympathie, Gastfreundschaft ausstrahlt.<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-11.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small> Mayakovskogo Street (Samara) &ndash; Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Auch <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/10000-kilometer-russland-teil-1-100.html\">ZDF: 10.000 Kilometer Russland (1)<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/10000-kilometer-russland-teil2-100.html\">(2)<\/a> <em>&ldquo;..Einblicke in die russische Gesellschaft. Wie hat sich das Land in den zehn Jahren ver&auml;ndert?&rdquo; <\/em>betont das Leben der Armen auf dem Land. Sie wurden andauernd dargestellt, betrachtet und interviewt, Babuschki, Stra&szlig;enverk&auml;uferinnen mit Nennung ihrer skandal&ouml;s niedrigen Rente oder ihres niedrigen Lohns (6-7mal). Und ebenso oft &auml;rmliche, skandal&ouml;se Wohnverh&auml;ltnisse ohne Wasseranschluss oder -abfluss, verkommene Wohnheime, verfallende, alte Baracken, verlassene D&ouml;rfer, kaputte Industrie. Den ZDF-Bildern nach ist Russland ein verfallendes Entwicklungsland mit verarmten Menschen, die kaum genug zu essen haben.<\/p><p>Dabei ist diese Reportage gar nicht einmal propagandistisch angelegt, die Meinungen und Stimmungen im heutigen Russland wurden sogar vielf&auml;ltig und einigerma&szlig;en realit&auml;tsnah abgebildet. Da kommen Putin-Bef&uuml;rworter und -Gegner sowie gesellschaftliche Gewinner und Verlierer zu Wort. Dargestellt in ihrer positiven Meinung wurden aber nur die <strong>Eliten<\/strong>, die Sportreporterin mit Beziehungen in den Kreml, Yuppies im Nachtclub, die Sch&ouml;nheitsk&ouml;nigin im Krasnojarsk-Palast, asiatische Gastronomie- und Bau-UnternehmerInnen.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-12.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small>Babuschki am Strassenrand<\/small><\/p><p>Neben reichen Eliten und Armen &uuml;berhaupt nicht pers&ouml;nlich dargestellt wurde die <strong>Mittelschicht<\/strong>, die Mehrheit der normalen Russen, moderne Stadtbilder wurden nur kurz als Firmengeb&auml;ude gestreift, nicht als Lebensumfeld, es gab keine Bilder aus einem normal bis gut situierten Wohnumfeld, keine Interviews aus den modernen Einkaufszentren, Kinos, Fu&szlig;g&auml;ngerzonen, Gesch&auml;fts-Passagen &hellip; Man muss sich schon sehr anstrengen, um diese Bilder aus den ganzen durchfahrenen St&auml;dten zu vermeiden &ndash; Moskau, Kasan, Jekaterinburg, Irkutsk, Wladiwostok &ndash; alles verfallen und verarmt? Dabei schildern <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/markus-lanz\/markus-lanz---russland-vom-14-juni-2018-100.html\">Lanz<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/russlands-geheimnisse-100.html\">Fornoff<\/a> in ihren Reportagen jeweils selbst, <em>&ldquo;dass Reichtum, Wohlstand bei sehr vielen Russen angekommen ist&rdquo;.<\/em> Auch wenn sie das ebenfalls nicht deutlich und nachhaltig genug mit Bildern, Interviews unterlegt haben.<\/p><p>Auch scheint es in Russland laut &bdquo;ZDF: 10.000 Kilometer Russland&ldquo; keine erfolgreichen Wirtschaftsprojekte zu geben: nur Wirtschaftskrise, verfallende Industrie, die Lage sei viel schlechter, Geld flie&szlig;e ab .. fr&uuml;her gut verdient, heute Betrug, Lohn wird nicht mehr bezahlt, schwerer geworden zu leben. Gescheiterte Kleinunternehmen. Es fehlen Berichte, Bilder &uuml;ber die verarbeitende Industrie und den Bauboom, Infrastrukturprojekte wie bspw. zur Krim oder einen Bericht &uuml;ber die Konsumfreuden der Mittelschicht.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-13.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small>Shopping Mall Sankt Petersburg<\/small><\/p><p>Alle Russland-Reiseberichte im deutschen Fernsehen fokussieren viel zu stark auf Verfall, Armut und Tristesse auf dem Land. Fast drei Viertel (<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/analysen\/140107\/analyse-die-raeumliche-perspektive\">73%<\/a>) <strong>der russischen Bev&ouml;lkerung lebt aber in St&auml;dten<\/strong>, rund die H&auml;lfte davon in den 13 Millionenst&auml;dten: Moskau, Sankt Petersburg, Nowosibirsk, Jekaterinburg, Nischni Nowgorod, Samara, Omsk, Kasan, Rostow am Don, Tscheljabinsk, Ufa, Wolgograd (ehemals Stalingrad) und Perm, nur 27% leben auf dem in den Reiseberichten immer &uuml;berproportional gezeigten Land. Sicher gibt es auch da Plattenbau-Siedlungen, die eher arm wirken. Nat&uuml;rlich sind 200 EUR Rente skandal&ouml;s wenig und der russische Staat m&uuml;sste endlich mehr unternehmen, um niedrige Renten oder auch niedrige Staatsl&ouml;hne zu erh&ouml;hen. Aber es gibt einige Fakten, die muss man einfach erz&auml;hlen, sonst bekommt man ein verf&auml;lschtes und unvollst&auml;ndiges Russlandbild.<\/p><p>Bei den Schilderungen <strong>russischer &ldquo;Armut&rdquo;<\/strong> &uuml;bersehen viele, dass sich die &ldquo;Betroffenen&rdquo; selbst oft gar nicht so arm empfinden, vor allem wenn man bedenkt, woher sie kommen. <\/p><p>1. Fast 2\/3 aller Russen hatten w&auml;hrend der <strong>90-er Jahre<\/strong>, in den Zeiten des postsowjetischen Zerfalls unter Jelzin, mit westlicher Demokratie, nicht einmal genug zu essen, L&ouml;hne und Renten wurden monatelang nicht bezahlt, Bildung, Medizin, Sicherheit lagen am Boden bzw. waren gar nicht mehr existent. Dieses Trauma steckt &uuml;brigens allen &auml;lteren Russen noch in den Knochen, die darunter leiden mussten. Die 90-er Jahre unter Jelzin und westlicher wirtschaftlicher F&uuml;hrung gelten in Russland als die schlimmste Zeit der letzten 80 Jahre.<\/p><p>Fast alle konnten ihre Situation seitdem verbessern. Und heute geht es mindestens 2\/3 der Russen gut, sie haben ihre Wohnung, ihr Auto, eine &ndash; wenn auch verbesserungsbed&uuml;rftige &ndash; medizinische Versorgung, ihre Kinder wieder Bildung, Sicherheit, die meisten k&ouml;nnen in den Urlaub verreisen &hellip; <\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=41571012\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-14.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Entwicklung BIP in Russland<br>\nVon Dostojewskij &ndash; Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0<\/small><\/p><p>2. In den letzten 20 Jahren hat der Staat fast alle <strong>Wohnungen an seine B&uuml;rger verschenkt<\/strong>, f&uuml;r &uuml;ber 90% der Russen entstehen keine Mietkosten. Die Kosten f&uuml;r Energie, Strom, Wasser, Gas sind &auml;u&szlig;erst gering, zusammen meist weniger als 50 EUR\/Monat. Grundnahrungsmittel sind sehr g&uuml;nstig oder werden gar in der eigenen Datscha angebaut. Russen haben v&ouml;llig andere monatliche Kosten. Das, wof&uuml;r deutsche Familien oft mehr als 50% ihres Einkommens ausgeben m&uuml;ssen, entf&auml;llt f&uuml;r Russen fast v&ouml;llig.<\/p><p>3. Als Russland seinen B&uuml;rgern die Wohnungen geschenkt hat, haben sie nur vergessen, das jeweilige Gemeinschaftsgut zu regeln: Hausfassaden, Treppenaufg&auml;nge, Lifte, G&auml;rten &hellip; das alles geh&ouml;rt &ldquo;niemandem&rdquo;, kaum einer k&uuml;mmert sich und deshalb findet man zwar oft wundersch&ouml;ne, moderne Wohnungen, aber nicht selten in einem &auml;u&szlig;erlich heruntergekommenen, verwahrlosten Haus, oft in einer tristen Plattenbausiedlung.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-15.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small> Wohnung in einer Plattenbausiedlung Wolgograd<\/small><\/p><p>Russland ist nicht arm, es ist reich. Das Verm&ouml;gen ist nur asozial verteilt. Russland ist weltweit das Land mit der gr&ouml;&szlig;ten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gensverteilung\">Ungleichverteilung<\/a> des Verm&ouml;gens. Obwohl die sozialen, wirtschaftlichen Fragen f&uuml;r die meisten Russen die dringendsten &uuml;berhaupt sind, sehen die wenigsten die Dimensionen und Folgen der Ungleichverteilung der Verm&ouml;gen. Das Meinungsforschungsinstitut <a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/en\/2018\/05\/08\/societal-problems\/\">Levada<\/a> ermittelt regelm&auml;&szlig;ig, welche Probleme sie f&uuml;r sich pers&ouml;nlich am schwerwiegendsten erachten:<\/p><p>1. zu hohe Preise (63%)<br>\n2. Armutsrisiko (47%)<br>\n3. drohende Arbeitslosigkeit (40%)<\/p><p>Erst sekund&auml;r werden Probleme genannt wie <\/p><p>4. Korruption (35%)<br>\n6. Verteilungsgerechtigkeit (33%) &hellip;<br>\n14. B&uuml;rokratie (12%) &hellip;<br>\n20. Rechtsstaatlichkeit (7%).<\/p><p>Laut dem Suisse Global Wealth Report 2016 kontrolliert ein Prozent der russischen Bev&ouml;lkerung mehr als 74,5 Prozent des Verm&ouml;gens. Laut Rosstat-Statistik gelten in Russland 20,3 Millionen Menschen, also 13,9 Prozent der Bev&ouml;lkerung, als arm.<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-16.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Modernes Moskau &ndash; Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Russland ist unter Putin zwar stabiler und wohlhabender geworden, aber immer noch das oder eines der asozialsten L&auml;nder der Welt. Das Land tut fast nichts zur &ldquo;Aufhebung von Ungleichheit und als Unterdr&uuml;ckung begriffenen Sozialstrukturen, zugunsten der wirtschaftlich oder gesellschaftlich Benachteiligten.&rdquo;<\/p><p>Putins Politik hat Russland nach au&szlig;en gesch&uuml;tzt, von der IWF-Hoheit und westlichen Falsch-Beratern befreit und die ausl&auml;ndische Ausbeutung russischer Rohstoffreserven verhindert. Auch Ordnung, Sicherheit und Stabilit&auml;t im Inneren wieder hergestellt. Auch hat sie Russland von der politischen Regentschaft der Oligarchen befreit. Wichtig und gut. Nur hat Russland vor dem entscheidenden Schritt gekniffen, das durch die <strong>Oligarchen<\/strong> verbrecherisch geraubte Volkseigentum wieder in irgendeiner Form zu renationalisieren. Wenn ich an Deutschland denke, welche Macht die Top100 mit knapp 2% entfalten, dann sind Top100-Oligarchen mit 35% des Volksverm&ouml;gens und erwiesener krimineller Energie kein akzeptabler Zustand. Auch sind diese in ihren politischen Manipulationsm&ouml;glichkeiten momentan nur durch die Putinsche Machtvertikale gehindert. Dort aber, wo sie nicht wirken kann, auf regionaler Ebene, nutzen die Reichen und M&auml;chtigen Korruption, die Schw&auml;chen mangelnder Rechtsstaatlichkeit zur Durchsetzung ihrer Interessen auf Kosten Schw&auml;cherer.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/tax-the-oligarchs\/german?barrier=accesspaylog#jAAfvRcBLTslaMyZ.99\">Joseph Stiglitz<\/a>, Wirtschafts-Nobelpreistr&auml;ger und Chef-Berater von Bill Clinton, damaliger Chef&ouml;konom der Weltbank, forderte eine 90%-ige Besteuerung f&uuml;r Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne der Privatisierungen, um die <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Wohlstandspl&uuml;nderung in der &Auml;ra Jelzin zurechtzur&uuml;cken.&rdquo;<br>\nAm wichtigsten aber sei es, die Vergiftung und Gef&auml;hrdung der Demokratie durch das Oligarchengeld in der russischen Politik zu mindern.\n<\/p><\/blockquote><p>Auch dadurch bleiben die zahlreichen inneren Probleme ungel&ouml;st, keinerlei Fortschritt bei Korruption und Kleptokratie in Justiz oder B&uuml;rokratie. Einen zwar recht gesundenden privaten Mittelstand, aber das Millionenheer von Staatsbeamten, &Auml;rzten, Polizisten, Lehrern mit 15-25.000 RUB monatlich, 250-400 EUR, asoziale Verteilungspolitik, <strong>13% Flat-Tax<\/strong> ab 1 RUB Einkommen, <strong>degressive Sozialabgaben<\/strong>, was dazu f&uuml;hrt, dass <\/p><blockquote><p>\nArme in Russland fast 43%, aber Reiche nur etwas mehr als 13% Abgaben leisten m&uuml;ssen\n<\/p><\/blockquote><p>Innere Probleme wie ungen&uuml;gende staatliche Leistungen f&uuml;r Rente, Bildung, Medizin, Infrastruktur, kein funktionierendes Gesundheitssystem, keine innovationsf&auml;hige Wirtschaft, fast alles rohstoffbasiert, ungebremster Kapitalabfluss ins Ausland, &hellip; <\/p><p>Russlands soziale und wirtschaftliche Probleme sind enorm. Gerade wir in Deutschland haben aber &uuml;berhaupt keinen Grund (mehr), auf Russland mit H&auml;me zu schauen. Es gibt in Russland viel mehr Aufbruch als Verfall, viel mehr Modernit&auml;t als Tristesse. Leider verhindern die westlichen Aggressionen, dass alternative Politikentw&uuml;rfe zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Russlands st&auml;rker zum Zug kommen, wie sie etwa Grudinin, der Kandidat der KP, bei den letzten Pr&auml;sidentschaftswahlen in die Diskussion brachte. Aber angesichts der bedrohlichen Lage setzen die Russen derzeit wieder verst&auml;rkt auf Stabilit&auml;t und Sicherheit, die Putin verk&ouml;rpert, niemand will die positiven Entwicklungen, die Verbesserungen seit den 90-er Jahren wieder gef&auml;hrden.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\"> <strong>Isolation, Nationalismus, Militarismus: Sehnsucht nach alter St&auml;rke<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-17.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Immer wieder, auch bei der WM-Berichterstattung &bdquo;ZDF: Russlands Geheimnisse&ldquo; werden Russlands angebliche Gro&szlig;macht-Sehns&uuml;chte bem&uuml;ht: &ldquo;Das gr&ouml;&szlig;te Land der Erde, das sich nach alter Gr&ouml;&szlig;e sehnt&rdquo;, auch wenn man zur Untermauerung dieser Behauptung eine extremistische Nationalistin mit Kalaschnikow (&ldquo;Covergirl der neuen Rechten RUS&rdquo;) bem&uuml;hen muss, die offensichtlich nicht unbedingt typisch f&uuml;r russische Frauen und auch nicht DEN russischen Blick auf die Welt sein kann. Klassischerweise bem&uuml;ht man aber daf&uuml;r in Deutschland direkt Wladimir Putin, der 2005 ja den <\/p><blockquote><p>\n<strong>Zusammenbruch der Sowjetunion als &ldquo;gr&ouml;&szlig;te geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts&rdquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>bezeichnet hat. Mit diesem Zitat belegen die deutschen Mainstream-Medien stets Russlands Schmerz &uuml;ber den Zusammenbruch des Imperiums oder gar des ersten kommunistischen Staates, angebliche Bestrebungen nach alter Gr&ouml;&szlig;e, St&auml;rke und Macht sowie einer angeblichen, dem Westen gegen&uuml;ber feindlichen Gesinnung. Addieren sie jetzt noch die angeblich aggressiven russischen Interventionen, etwa auf der Krim, ist f&uuml;r sie das russische Bedrohungsszenario, gegen das sich die NATO sch&uuml;tzen m&uuml;sse, perfekt: <\/p><blockquote><p>\neine russische <em>&ldquo;Sehnsucht nach dem Imperium, nach dem Status einer Supermacht, nach dem Sozialismus. &hellip; dem Stolz, Angeh&ouml;riger einer der beiden Superm&auml;chte zu sein, und der Illusion, im wirtschaftlich-moralisch &uuml;berlegenen System zu leben.&rdquo;<br>\n&ldquo;Es war deshalb f&uuml;r Putin ein Leichtes, diese nationalen Sehns&uuml;chte f&uuml;r seine imperialistische Politik zu mobilisieren.&rdquo; <\/em><br>\n<a href=\"http:\/\/www.kas.de\/wf\/doc\/kas_47123-544-1-30.pdf?161121144811\">Konrad-Adenauer-Stiftung<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Laut einer repr&auml;sentativen Umfrage des unabh&auml;ngigen <a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/2017\/12\/25\/nostalgiya-po-sssr\/\">Levada-Zentrums<\/a> bedauern 58 Prozent der Russen (2000 gar 75%) den Zerfall der Sowjetunion.<\/p><p><em>&ldquo;Alleine diese Zahl sowie die nostalgisch-patriotische Stimmung im Land zeigen, wie sehr die Zeit vor 1990 in die russische Gegenwart hineinwirkt.&rdquo;<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/270666\/die-bedeutung-der-wm-fuer-russlands-politische-fuehrung-und-fuer-die-russische-gesellschaft\">bpb 2017<\/a>)<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-18.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Dabei musste doch auch die KAS anerkennen, dass die Russen wie andere Sowjetb&uuml;rger 1991 mehrheitlich f&uuml;r das Ende der UdSSR waren bzw. gar abgestimmt haben und dass ihr Schmerz &uuml;ber den Kollaps der UdSSR nichts mit patriotischen Supermacht-Sehns&uuml;chten zu tun hatte, sondern vielmehr mit pers&ouml;nlichen Leiden, die diesem Kollaps nachfolgten: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Un&uuml;bersehbar waren die negativen Folgen, die sich aus dem Ende des multi-nationalen Imperiums ergaben: Jahrzehntelang waren Kirgisen nach Moskau, Litauer nach Omsk, Moldawier nach Baku oder Ukrainer nach Alma Ata gezogen &hellip; Auf einmal fanden sie sich durch Staatsgrenzen von ihren Familien getrennt oder als ethnische Minderheit in neugeschaffenen Nationalstaaten. In zahlreichen F&auml;llen wuchsen sich die ethnischen Spannungen zu gewaltsamen Konflikten aus, etwa immer wieder zwischen Kirgisen, Usbeken und Tadschiken im Ferghanatal. An anderen Orten kam es sogar zu teilweise langj&auml;hrigen B&uuml;rgerkriegen wie in Bergkarabach, Transnistrien oder Abchasien.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Als ich 2011 zum ersten Mal mit Russen eine Diskussion dar&uuml;ber f&uuml;hrte, begr&uuml;ndeten viele den Schmerz in etwa so: <\/p><blockquote><p>\n<em>&ldquo;in der Sowjetunion war es f&uuml;r die meisten einfachen Menschen besser, heute ist alles vor die Hunde gegangen, Bildung, Medizin, schau dir doch die Stra&szlig;en an &hellip; alles kaputt, &uuml;berall M&uuml;ll &hellip; nachts kann man sich kaum noch nach drau&szlig;en wagen, &uuml;berall Mord und Todschlag, &hellip; die Armen leben viel schlechter als fr&uuml;her, haben viel weniger&rdquo;<\/em> &hellip; <em>&ldquo;alles Verbrecher da oben, Gorbatschow hat uns alles genommen und Jelzin war der schlimmste von all den Verbrechern&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Als wir allein waren, erg&auml;nzte Wanja: <em>&ldquo;Ich bin froh, dass die Sowjetunion zu Ende gegangen ist, ich war lange in Deutschland, konnte reisen und arbeite heute international im IT-Bereich.&rdquo;<\/em> &hellip; <em>&ldquo;aber f&uuml;r viele ist es schwer, sie haben viel verloren, manche alles, und da war niemand, wie bei Euch im Osten, der geholfen hat.&rdquo;<\/em><\/p><p>Besonders auf dem russischen Land war die Lage damals wohl noch nicht viel besser geworden, herrscht immer noch ziemliche Depression. Ich erinnerte mich, was ich 2003 in <em><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2003\/42\/russland_neu\/seite-3\">Die ZEIT<\/a><\/em> gelesen hatte: <\/p><blockquote><p>\n<em>Wer in Priorzernja die russische Seele sucht, wird eine gedem&uuml;tigte, verzweifelte, sehns&uuml;chtige finden. Fr&uuml;her, da war Kommunismus, und das war ein Segen f&uuml;rs einfache Volk. &ldquo;Wir sind das einfache Volk&rdquo;, sagt Fjodor. Fr&uuml;her gab es Wohnung, Schule, Studium. Alles umsonst. Da bl&uuml;hten Wissenschaft und Medizin. Da kannte man keine Drogen und wusste nichts von Mord auf Bestellung. Breschnjew ist der Held des einfachen Volkes, Gorbatschow der gro&szlig;e Verbrecher. Nach der Perestrojka sei alles niedergegangen. Wer einen kleinen Garten in die &ldquo;Schei&szlig;okratie&rdquo; retten konnte, durfte von Gl&uuml;ck reden.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und genau so empfinden die Menschen in Russland das Ende der UdSSR vor allem als menschliche, soziale Katastrophe, und nicht etwa als Verlust der Supermachtstellung, und genauso begr&uuml;ndet es auch <a href=\"https:\/\/de.sputniknews.com\/politik\/20170613316141538-putin-sowjetunion-katastrophe\/\">Putin<\/a>, weitgehend vom Westen ignoriert und verf&auml;lscht: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Das Allererste und Wichtigste besteht darin, dass 25 Millionen Russen sich &uuml;ber Nacht im Ausland befanden. Das ist tats&auml;chlich eine der gr&ouml;&szlig;ten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. In Russland selbst seien &ldquo;die Sozial- und Krankenversorgung zusammengebrochen, ganze Wirtschaftssparten darnieder gekommen, die Armee fristete ein elendes Dasein, Millionen von Menschen rutschten unter die Armutsgrenze. In unserem Land kam es zu einem regelrechten B&uuml;rgerkrieg &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Am 8. Dezember 1991 unterzeichneten Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch die formelle Aufl&ouml;sung der Sowjetunion, ohne Absprache mit Gorbatschow oder den zw&ouml;lf anderen Sowjetrepubliken. Rund neun Monate davor hatten die Sowjetb&uuml;rger bei einem Referendum mehrheitlich (76,4 Prozent) f&uuml;r ein Weiterbestehen der UdSSR gestimmt. Die meisten Russen verbinden die ersten postsowjetischen Jahre mit Chaos, totaler Armut und Raubkapitalismus. <\/p><p><strong>Isolation: Die erste Entfremdung<br>\nDie westliche (Mit-)Verantwortung f&uuml;r Russlands Chaos in den 90-ern<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-19.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>In der fr&uuml;hen postsowjetischen Phase zu Beginn der 90-er waren die Russen noch <strong>voller Vertrauen und Hoffnung in den Westen<\/strong>. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/bayern\/article162358819\/Der-Westen-ist-schuld-an-Putin-wie-er-jetzt-ist.html\"><em>WELT<\/em>: Daniel Biskup<\/a>, Fotograf, Freund und Kenner Russlands: &ldquo;Nach dem gesellschaftlichen Umw&auml;lzungen unter Gorbatschow und Jelzin Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre dachten viele Russen, der Westen w&uuml;rde ihr Land mit offenen Armen empfangen. Damals hab&rsquo; ich Bilder gemacht von einem Soldaten im Bus mit russischer und amerikanischer Flagge. Auf einem anderen Bus stand: <em>&ldquo;Success &ndash; Russian American Joint Venture&rdquo;<\/em>. Das kann man sich heute schon nicht mehr vorstellen.&rdquo;<\/p><p>Auch in der Politik und Wirtschaft erfolgte rasch die Orientierung an die USA. Naomi Klein beschreibt in ihrem Buch <em>&ldquo;Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus&rdquo;<\/em> Jelzins rasche und sklavische Orientierung an Milton Friedman und &raquo;die Chicago Boys&laquo;, die im Zusammenspiel mit dem IWF Russland zu einer &bdquo;rigiden finanziellen Stabilisierung nach Rezepten einer &rsaquo;<strong>Schocktherapie<\/strong>&lsaquo;.&rdquo; zwangen. Russland war, &auml;hnlich wie wir es in Griechenland erlebt hatten, aufgrund seiner Kreditabh&auml;ngigkeit, dem Westen, dem IWF ausgeliefert. Klein beschreibt den Einfluss der USA: <em>&ldquo;Lawrence Summers, damals Staatssekret&auml;r im US-Finanzministerium, warnte, &raquo;der Schwung der russischen Reformen muss wieder belebt und intensiviert werden, um eine nachhaltige multilaterale Unterst&uuml;tzung sicherzustellen&laquo;. Der IWF vernahm die Botschaft, und ein versprochener Kredit von 1,5 Milliarden Dollar wurde nicht ausbezahlt.&rdquo;<\/em><\/p><p>Der Westen hatte wie in Griechenland oder in der Ukraine den IWF geschickt, eine Armee an Beratern, Gesetzesschreiber. Statt Russland zu helfen, zerst&ouml;rten sie die russische Wirtschaft, <strong>nutzten die russischen M&auml;rkte<\/strong>, trieben Russland zum Import 70% westlicher Waren und begannen, <strong>billig russische Rohstoffe abzusch&ouml;pfen<\/strong>. Sie trieben Russland eigenn&uuml;tzig in Chaos, Verbrechen, Armut, Hunger und Fremdbestimmung. Sie zwangen Russland zu &uuml;bereilten Privatisierungen, W&auml;hrungs- und Preisfreigaben, zu schneller, unangepasster &Uuml;bernahme westlicher Gesetze zur Demokratie und Freiheit, die allerdings nichts au&szlig;er Freiheiten f&uuml;r Schurken und Verbrecher brachten. Der Staat war zusammengebrochen und musste 1998 den Bankrott erkl&auml;ren, er konnte weder f&uuml;r seine B&uuml;rger sorgen noch sie vor Verbrechen besch&uuml;tzen. Millionen Russen verloren in der sogenannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russlandkrise\"><em>Rubelkrise<\/em><\/a>, &uuml;brigens ausgel&ouml;st durch George Soros, ihre Altersersparnisse, die Inflationsrate stieg auf 85 %, viele Banken gingen in die Insolvenz und der Anteil der Armen Russlands stieg deutlich.<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-20.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.kanka.de\/kartte\/index.htm\">Professor Dr. h.c. Wolfgang Kartte<\/a> &dagger;, 1976 bis 1992 Pr&auml;sident des Bundeskartellamtes, 1992-1997 Wirtschaftsberater der Russischen F&ouml;deration im Auftrag der Bundesregierung und der Europ&auml;ischen Union, beschreibt dies so:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Das g&auml;ngige Rezept des Internationalen W&auml;hrungsfonds, n&auml;mlich gro&szlig;z&uuml;gige langfristige Kredite, verbunden mit der Auflage offener M&auml;rkte und strikter Anti-Inflationspolitik auf Seiten der Empf&auml;ngerl&auml;nder, n&uuml;tzt in jedem Fall den westlichen Exporteuren und Rohstoffeink&auml;ufern und freut die Banken und spekulativen Anleger in New York, London und Frankfurt. Die betroffenen L&auml;nder hingegen werden h&auml;ufig &uuml;berfordert, weil Anpassungsprozesse, die zweifellos notwendig sind, &uuml;berst&uuml;rzt eingeleitet werden. Sie bringen dann h&auml;ufig schockartig soziale Verwerfungen mit sich, die den Transformationsprozess bei der Bev&ouml;lkerung unglaubw&uuml;rdig machen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Die westlichen Berater Russlands haben ihr anf&auml;ngliches Renommee inzwischen gr&uuml;ndlich verspielt. Falsch war ohne Frage die einseitige Ausrichtung westlicher Ratschl&auml;ge auf die Freigabe der Preise, die &Ouml;ffnung der M&auml;rkte und die Bek&auml;mpfung der Inflation. Die Behauptung amerikanischer Monetaristen der sogenannten Chicago-Schule, offene M&auml;rkte, staatlich garantierte Verf&uuml;gungsrechte und stabiles Geld reichten aus, um eine Marktwirtschaft spontan entstehen zu lassen, hat sich, zumindest f&uuml;r Russland, als fataler Irrtum erwiesen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und auch der ehemalige Chef-Berater von Clinton, der damalige &Ouml;konom der Weltbank und Nobelpreistr&auml;ger Joseph Stiglitz, warf dem IWF\/Westen eine falsche Politik zum systematischen Pl&uuml;ndern der Schwellenl&auml;nder, insbesondere auch Russland, vor. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.russland.news\/reden\/morenews.php?iditem=14\">Michail Gorbatschow<\/a> fasst die russischen Irritationen und Entfremdungen 2007 so zusammen: <\/p><blockquote><p>\n<strong>&ldquo;Jelzin hat alles zerschlagen und man hatte das Gef&uuml;hl, der Westen freut sich, wenn es Russland schlecht geht.&rdquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>. <\/p><p><strong>Isolation &ndash; Entfremdung mit dem Westen<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-21.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Das westliche Naarativ vom isolierten Russland. links: ARD, rechts Wirklichkeit<\/small><\/p><p>Die Behauptung, Russland stehe allein und isoliere sich zusehends von dem Rest der Welt, ist ein beliebtes Narrativ westlicher Geschichtenerz&auml;hlung. Richtig ist, dass sich Russland nach den negativen Erfahrungen der 90-er Jahre, nach den ausgeschlagenen Partner- und Friedensangeboten Putins, den imperialistischen USA\/NATO-Interventionen im Irak, Libyen, Georgien, Ukraine oder in Syrien sowie der zunehmenden Hetze des Westens gegen Russland nicht mehr blind dem Westen anvertraut.<\/p><p>Seit Jahren ist es der Westen, der eine mediale und politische Abdr&auml;ngung und Isolation Russlands betreibt. Statt Russland als Partner in einer friedlichen Welt aufzubauen, baute der Westen Putin und mittlerweile ganz Russland als Feindbild auf. Statt den Ausgleich berechtigter Interessen aller Beteiligten zu suchen, setzte der Westen aggressiv seine Interessen und Werte r&uuml;cksichtslos durch. Selbst jetzt stellt sich Russland sicher nicht gegen die ganze Welt, allein in den BRICS-Partnerstaaten Russlands lebt ein Vielfaches mehr an Menschen als in denen der USA\/NATO.<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-22.png\" alt=\"WM\" width=\"300\"><\/a><br>\n<small>Russlands neue Partner; Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>&ldquo;Der gr&ouml;&szlig;te Fehler von unserer Seite in Bezug auf den Westen war, dass wir ihm zu sehr vertraut haben&rdquo;, sagte <a href=\"https:\/\/de.sputniknews.com\/politik\/20171019317945883-russland-westen-vertrauen\/\">Putin<\/a>. &ldquo;Und ihr Fehler war, dass sie dieses Vertrauen als Schw&auml;che wahrgenommen und es missbraucht haben&rdquo;, f&uuml;gte er hinzu.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/bayern\/article162358819\/Der-Westen-ist-schuld-an-Putin-wie-er-jetzt-ist.html\"><em>WELT<\/em>: Daniel Biskup<\/a>, Fotograf, Freund und Kenner Russlands: &ldquo;Ich denke, das hat was mit entt&auml;uschter Liebe zu tun. &hellip; De facto aber hat der Westen die Geschehnisse damals zu einer Art finalen Episode im Kampf der Systeme &ndash; Kommunismus gegen Kapitalismus &ndash; umgedeutet. Der Aufbruch, den die Russen sich selbst verordnet hatten, wurde als Sieg des Westens &uuml;ber den Osten interpretiert. Das haben die Russen gesp&uuml;rt. Das hat sie gekr&auml;nkt. Denn sie wollten als Partner auf Augenh&ouml;he behandelt werden.&rdquo;<\/p><p>Russland blieb nichts anderes &uuml;brig, sich nach neuen Partnern und Verb&uuml;ndeten umzuschauen. Der Westen jedenfalls hat Russland als Partner ausgeschlagen, h&auml;tte Russland nur als sich bedingungslos unterwerfenden Vasall akzeptiert.<\/p><p>S&auml;mtliche Vorschl&auml;ge Russlands f&uuml;r partnerschaftliche Zusammenarbeit seit 2001 wurden vom Westen zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber ebenso auch mitleidig bel&auml;chelt und f&uuml;r unn&ouml;tig befunden. Auf den Verlierer des Kalten Krieges m&uuml;sse man keine R&uuml;cksicht mehr nehmen, der habe sich dem US\/NATO-Hegemon und seinen Kriegen und Interventionen einfach zu unterwerfen &ndash; so der Tenor der westlichen Politik.<\/p><p>Und Russland hat lange unt&auml;tig zugeschaut, wie der Westen ein Land, eine Partner Russlands nach dem anderen bombardierte, &uuml;berfiel und\/oder einem Regime-Change aussetzte bzw. diesen ungehemmt bef&ouml;rderte (Farbrevolutionen), sei es Serbien, Afghanistan, Georgien, Irak, Libyen oder Syrien. &ldquo;Die Erfahrungen mit der Libyen-Intervention der NATO 2011 und dem gewaltsam induzierten Regimewechsel in diesem Land wirkten sich direkt auf diese Haltung Russlands aus.&rdquo; Prof. <a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=3936\">Gerhard Mangott<\/a> Und selbst danach habe Russland in Syrien, so Mangott weiter, noch lange auf eine friedliche L&ouml;sung hingearbeitet. Doch auch in Syrien hat der Westen seine Regime-Change-Interventionen hemmunglos weiter getrieben und beim Putsch in Kiew 2014 endg&uuml;ltig zu weit getrieben und Russland so zu Konsequenzen gezwungen.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717_0X.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\n<small>M&uuml;nchner Konferenz f&uuml;r Sicherheitspolitik, 1. Februar 2014: US-Aussenminister trifft sich drei Wochen vor dem Umsturz in der Ukraine mit der Maidan-Opposition, Petro Poroschenko, Witali Klitschko und Arsenij Jazenjuk. Abb.: Marc M&uuml;ller, Creative Commons<\/small><\/p><p>Als Russland sich diese imperialistischen US-NATO-Interventionen, -Regime-Changes und -Kriege gegen alle russischen Partner-L&auml;nder nicht mehr gefallen lassen konnte, wurde das Land vom Westen in die Isolation getrieben und zum Feind erkl&auml;rt, was Gabor Steingart, damals Herausgeber des Handelsblatts in &ldquo;Politik der Eskalation: Der Irrweg des Westens&rdquo; scharf kritisierte: &ldquo;Der deutsche Journalismus hat binnen weniger Wochen von besonnen auf erregt umgeschaltet. Das Meinungsspektrum wurde auf Schie&szlig;schartengr&ouml;&szlig;e verengt. &hellip; Westliche Politik und deutsche Medien sind eins.&rdquo;, was auch Gabriele Krone Schmalz in ihrem j&uuml;ngsten Buch &ldquo;Eiszeit&rdquo; beklagte. &ldquo;Putin ist der Gegner der freien Welt, der sich der Verbreitung des &ldquo;Guten&rdquo; in den Weg stellt.&ldquo;<\/p><p>Aus westlicher Sicht liest sich das so: &ldquo;Auch darf nicht untersch&auml;tzt werden, wie sehr Russland immer noch nach dem richtigen Weg sucht, sich zu organisieren und die f&uuml;r sich passenden politischen und gesellschaftlichen Strukturen aufzubauen. In Russland selbst ist deshalb oft von einem eigenen Weg die Rede. Die Idee, einfach westliche Standards und Strukturen zu kopieren, gilt als gescheitert. (<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/270666\/die-bedeutung-der-wm-fuer-russlands-politische-fuehrung-und-fuer-die-russische-gesellschaft\">bpb 2017<\/a>)<\/p><p><strong>&ldquo;Wir sind in der Lage, viel zu verzeihen. Arroganz nicht.&rdquo;<\/strong><\/p><p>Die Chefredakteurin <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/13\/margarita-simonjan-rt-wladimir-putin-twitter\">Margarita Simonjan<\/a> von &ldquo;Russia Today&rdquo; erkl&auml;rt, in einem pers&ouml;nlichen Statement nach den Pr&auml;sidentschaftswahlen 2018, warum immer mehr RussInnen Putin unterst&uuml;tzen &ndash; und sich vom Westen abwenden: <\/p><div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-23.png\" alt=\"WM\" width=\"178\" align=\"right\"><br>\n<small>Abb.: kremlin.ru<\/small><\/div><p>&ldquo;Wir wollen nun nicht mehr so weiterleben wie ihr. Etwa 50 Jahre lang wollten wir &ndash; insgeheim oder ganz offen &ndash; so leben wie ihr, nun aber nicht mehr.&rdquo; Und schuld daran seid ihr, my Western friends. Ihr selbst habt bei uns das &ldquo;Russen ergeben sich nie&rdquo;-Programm eingeschaltet. <\/p><p>Und jetzt habt ihr daf&uuml;r gesorgt, dass wir euch nicht mehr respektieren &ndash; mit euren kurzsichtigen Sanktionen, der herzlosen Erniedrigung unserer Sportler (einschlie&szlig;lich der Behinderten), euren Skripals und der demonstrativen Gleichg&uuml;ltigkeit gegen&uuml;ber liberalen Grundwerten wie der Unschuldsvermutung. &hellip; Mit all euren Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, den inquisitorischen Heucheleien und den L&uuml;gen &ndash; mit all dem habt ihr uns dazu gebracht, euch nicht mehr zu respektieren. Euch und eure so genannten Werte. Ihr selbst habt daf&uuml;r gesorgt, dass bei uns Patriotismus jetzt als Gegensatz zum Liberalismus gilt, obwohl diese Konzepte einander nicht ausschlie&szlig;en.<\/p><p>Ihr habt daf&uuml;r gesorgt, dass wir uns in diesem verlogenen Dilemma f&uuml;r den Patriotismus entschieden haben. Dabei sind ja viele von uns Liberale. Ich zum Beispiel.&rdquo; <\/p><p>. <\/p><p><strong>Russland Nationalismus??<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-24.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Schon allein aufgrund seiner heterogenen Struktur k&ouml;nnte die russl&auml;ndische F&ouml;deration einen einheitlichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalismus#Ideologie\">Nationalismus<\/a> nicht einfach so umsetzen. Zu gro&szlig; sind die kulturellen, ethnischen, religi&ouml;sen und\/oder abstammungsbedingten Unterschiede. Russland ist einer der am meisten <a href=\"http:\/\/www.eu-asien.de\/Russland-Informationen\/Uebersicht\/Bevoelkerung-Russland.html\">multinationalen und -ethnischen Staaten<\/a> der Welt. In Russland leben Vertreter von etwa 140-160 Nationalit&auml;ten und ethnischen Gruppen. Zwar sind etwa 3\/4 ethnische Russen, aber in der F&ouml;deration leben auch 5 Mio. Tataren, 3 Mio. Ukrainer, 2 Mio. Baschkiren, 2 Mio. Tschuwaschen, 1,5 Mio. Tschetschenen, 1,2 Mio. Armenier, je knapp 1 Mio. Mordwinen, Awaren, Wei&szlig;russen, Kasachen, Udmurten, Aserbaidschaner, Marier, Deutsche, Kabardiner, Osetiner, Darginer oder je 0,5 Mio. Burjaten, Jakuten, Kumyken, Inguschen, Lezgen, teilweise in autonomen Teilrepubliken.<\/p><p>Rund ein Drittel bis die H&auml;lfte der Russen bezeichnen sich als Orthodoxe, ferner leben aber auch rund 20 Mio. Muslime, 3 Mio. andersgl&auml;ubige Christen, knapp 2 Mio. Buddhisten und 0,5 Mio. Juden in dem multireligi&ouml;sen Vielv&ouml;lkerstaat Russland. Die J&uuml;dische Autonome Oblast ist eine autonome Verwaltungsregion Russlands. Tatarstan, Tschetschenien, Dagestan sind autonome islamische Republiken. <\/p><p><strong>Das multi-nationale und multi-ethnische Russland<\/strong><\/p><p>Immer wieder schw&auml;rmen einige russlandfreundliche AfD-ler, in Russland w&uuml;rde Putin noch &ldquo;richtig&rdquo; nationale, anti-islamische Politik machen. &ldquo;Putin ist kein Islamkuscher. Der wird mit den Terroristen fertig.&rdquo; &ndash; Das ist nat&uuml;rlich Unsinn, reine Fantasie.<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-25.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Das Foto bspw. zeigt Muslime zum Opferfest in Moskau. Wohl kaum etwas, was Pegida-Herzen h&ouml;herschlagen l&auml;sst. Allein in Moskau leben 2 Mio. Muslime, in einigen Republiken des Kaukasus oder Tatarstan sind sie in der Mehrheit und d&uuml;rfen bspw. sogar regional Kopftuchpflicht einf&uuml;hren. Und von wegen &ldquo;national&rdquo;. Russland ist eine F&ouml;deration aus &uuml;ber 100 verschiedenen Ethnien und 38 (!) anerkannten Amtssprachen. Man mag hier ja patriotisch sein &hellip; aber mindestens ebenso selbstverst&auml;ndlich multi-ethnisch und multi-religi&ouml;s.<\/p><p>Und Putin, oder besser Russland, d&auml;mmte islamistischen Terror auch nicht (nur) durch H&auml;rte und Verfolgung ein, sondern vor allem (auch) durch &uuml;berdurchschnittliche Aufbauhilfe und Modernisierung f&uuml;r den Kaukasus, etwa des ehemals von der Scharia heimgesuchten Tschetscheniens, einer Teilrepublik, die neben Dagestan oder auch Tatarstan besonders von den wahhabitischen Staaten Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate oder Katar mit Predigern, S&ouml;ldnern und Terroristen unterwandert wurde. Dorthin flie&szlig;en Milliarden, Grosny bekommt das h&ouml;chste Geb&auml;ude Europas, die islamische Teilrepublik Tatarstan gilt mit als die reichste und modernste u.v.m.<\/p><p>Au&szlig;erdem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xZ7sQnPq3Lw\">bekennt sich Pr&auml;sident Putin stets so zum Islam<\/a> in Russland, dass PEGIDA-Anh&auml;nger in Schockstarre verfallen w&uuml;rden.<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der traditionelle Islam ist Teil der russischen Kultur&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Muslime sind ein wichtiger Teil des russischen, multinationalen Volkes.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\nRussland ist aus gegenseitigen Bereicherungen der Kultur, der Tradition und der Religionen entstanden und zieht daraus seine Eigenart und Kraft.\n<\/p><\/blockquote><p>Der Kreml unterst&uuml;tzt den Aufbau und Erhalt muslimischer Ausbildungsst&auml;tten in der F&ouml;deration, die Selbst&auml;ndigkeit der islamischen Teilrepubliken. So erlaubt Russland die faktische Kopftuchpflicht, Alkoholverbot in Tschetschenien. u.v.m. &ldquo;Russland kuscht nicht vor dem Islam.&rdquo; Der Islam geh&ouml;rt selbstverst&auml;ndlich zu Russland, er ist ein gro&szlig;er Teil seiner Identit&auml;t. Die ARD-Reportage &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/sendung\/unser-russland-12-100.html\">Unser Russland<\/a>&rdquo; zeigt in Teil 4 zum einen, wie Tatarstan den Angriff des politischen Islamismus abwehren und wie sich in Kasan und der ganzen Republik ein friedliches Miteinander von Orthodoxie und Islam entwickeln konnte. <\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-26.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Staat, orthodoxe Kirche und islamische Moschee friedlich nebeneinander<br>\nKasaner Kreml, Sitz der Regierung von Tatarstan, Mari&auml;-Verk&uuml;ndigungs-Kathedrale, Kul-Scharif-Moschee &ndash; Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Putin und seine Regierung verfolgen deshalb auch keineswegs einen russischen Nationalismus, ganz sicher nicht nach innen. <strong>Russischer Nationalismus<\/strong> betont den rassischen und ethnischen Gedanken, ein Russe zu sein, und grenzt viele V&ouml;lker der heutigen russl&auml;ndischen F&ouml;deration aus. &ldquo;Schluss mit dem Durchf&uuml;ttern des Kaukasus&rdquo; fordern sie etwa unter ihren schwarz-gelb-wei&szlig;en Fahnen und k&auml;mpfen gegen eine Islamisierung Russland. Vertreter dieses rassischen Russentums sind etwa Eduard Limonow und Alexander Dugin, Gr&uuml;nder der Nationalbolschewistischen Partei Russlands, Dugin dann der Eurasischen Partei. Und eben Nawalny, der den sogenannten Russischen Marsch der Ultranationalisten aktiv unterst&uuml;tzte und wiederholt zum Rassenhass insbesondere gegen Kaukasier oder Zentralasiaten anstachelte. Das ist das russische Pendant zu den Ukra-Faschisten und Nazis der Svoboda und dem Rechten Sektor. Schirinowski ist dabei nur ein Hofnarr des Kreml, der Spr&uuml;che von links nach rechts br&uuml;llt, aber in wichtigen Fragen immer mit dem Kreml stimmt &ndash; ein Auffangbecken f&uuml;r Unzufriedene.<\/p><p><strong>Russischer Patriotismus<\/strong> hingegen will diese verschiedenen V&ouml;lker und Religionen aber in einem Staat einen:<br>\n<em>&ldquo;Das russische Volk&rdquo;, das sind Menschen, die ihr Bewusstsein unabh&auml;ngig von der ethnischen Zugeh&ouml;rigkeit auf der Tradition der tausendj&auml;hrigen russischen Staatlichkeit gr&uuml;nden, zur russischen Kultur geh&ouml;ren und\/oder russische Sprachen sprechen. Wer das Land voranbringt, der ist ein Russe&rdquo;<\/em>, erkl&auml;rte etwa der Historiker Juri Krupnow. Die russl&auml;ndische F&ouml;deration als multi-ethnische und -religi&ouml;se Gemeinschaft ist auch Kreml-Position. Neben Traditionalismus soll dieser Patriotismus dem fragilen Gebilde Russische F&ouml;deration eine gemeinsame Identit&auml;t geben, die nicht auf Russentum der Rasse oder Religion beruht.<\/p><p>Wenn &uuml;berhaupt m&uuml;sste man Tendenzen zu einem russischen Nationalismus nach au&szlig;en hin suchen. Man kann die Kreml-Politik berechtigterweise mit vielem belegen, autokratisch, imperialistisch, o.&auml;. aber sie ist weit entfernt davon, rassistisch oder islamfeindlich zu sein.<\/p><p>******<\/p><p>Auch wenn Nationalismus in Russland nicht Mainstream oder bestimmende Politik ist, kann schon von der derzeit herrschenden patriotischen Welle ein allzu gro&szlig;er Druck auf Andersdenkende bzw. sogar nur auf Nichtinteressierte ausgehen. Ein(e) Sch&uuml;lerIn bspw., die\/der eines der ganz wenigen begehrten Stipendien zum kostenlosen Studieren bekommen will, sollte sich besser an den staatstragenden Aktivit&auml;ten beteiligen. Art und Weise der Krim-Eingliederung zu kritisieren u.&auml;. f&uuml;hrt eben auch schnell zu einem Stempel als unpatriotisch. Aber auch das ist aus Deutschland nicht unbekannt. Auch unsere Wiedervereinigung war Verfassungsauftrag, Widerstand gegen die Merkel-Fl&uuml;chtlingspolitik wurde vom Mainstream &ldquo;tabuisiert&rdquo; &ndash; wir haben nur andere Etiketten daf&uuml;r als unpatriotisch. <\/p><p><strong>Russlands Militarismus<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-27.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/stalingrad-wladimir-putin-und-der-kampf-um-die-erinnerung-a-1191221.html\">SPIEGEL: 75 Jahre Stalingrad &ndash; Kampf um die Erinnerung<\/a><\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Je weiter der Sieg zur&uuml;ckliegt, desto m&auml;chtiger scheinen die Paraden. Kampfjets donnern &uuml;ber den &ldquo;Platz der gefallenen K&auml;mpfer&rdquo;. &hellip; &ldquo;Wir zeigen, was wir k&ouml;nnen&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Unter Pr&auml;sident Wladimir Putin ist das staatliche Gedenken immer milit&auml;rischer geworden.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Letzteres bleibt eine Behauptung, die nicht belegt wird, deren Wahrheitsgehalt f&uuml;r niemanden in Deutschland &uuml;berpr&uuml;fbar ist, nur in den Echokammern gleichgerichteter deutscher Propaganda st&auml;ndig wiederholt wird. Der SPIEGEL-Aufmacher zeigt ein Bild von Putins Gedenken am Mahnmal &ldquo;Mutter Heimat&rdquo;. Denn obwohl das Gedenken angeblich immer milit&auml;rischer und m&auml;chtiger werden soll, l&auml;sst sich kein passendes Bild von Putin finden. An der angeblich so zentralen und wichtigen Milit&auml;rparade nahm Putin, obwohl vor Ort, n&auml;mlich auch gar NICHT teil&hellip;. <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/75-jahrestag-wie-russland-die-schlacht-um-stalingrad-heute-ausnutzt\/20922734.html?ticket=ST-4370592-fWOzDWfSM3dJqrEkig2a-ap3\">Handelsblatt: Wie Russland die Schlacht um Stalingrad heute ausnutzt<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000073466079\/Rueckkehr-nach-Stalingrad-nach-75-Jahren\">derstandard.at &ndash; R&uuml;ckkehr nach Stalingrad nach 75 Jahren<\/a><\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Je weiter der Sieg zur&uuml;ckliegt, desto gr&ouml;&szlig;er und pomp&ouml;ser werden die Paraden&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Das zeigt zwei Tendenzen an: Erstens gibt es in der j&uuml;ngeren Vergangenheit wenig zu feiern f&uuml;r die Russen. Zweitens deuten sie auf die zunehmende Militarisierung der russischen Gesellschaft hin.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wieder diese Behauptungen, die nicht belegt sind, deren Wahrheitsgehalt f&uuml;r niemanden in Deutschland &uuml;berpr&uuml;fbar ist, nur in den Echokammern gleichgerichteter deutscher Propaganda st&auml;ndig wiederholt wird. Wenn Frankreich den Sturm auf die Bastille j&auml;hrlich mit einer ebenso gro&szlig;en Milit&auml;rparade begeht, ist es f&uuml;r die deutschen Medien was? Folklore? Wenn Russland seinen milit&auml;rischen Sieg bei Stalingrad im 2. Weltkrieg AUCH mit einer Milit&auml;rparade begeht, ist es f&uuml;r die deutschen Medien zunehmender Nationalismus und Militarismus!<\/p><p>Die ganze Woche &uuml;ber gab es <strong>mehr als 200 verschiedene Veranstaltungen zum 75-j&auml;hrigen Jubil&auml;um<\/strong> des Sieges in der Schlacht von Stalingrad, neben der Milit&auml;rparade Konzerte, eine Lasershow, ein Feuerwerk, Lesungen von Gedichten und Briefen &uuml;ber den Krieg, interaktive Ausstellungen, Videoinstallationen, Kranz- und Blumenniederlegungen, Veteranen-Ehrungen, Empf&auml;nge, &hellip; auch der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin kam. Auf dem Mamajew-H&uuml;gel legte er einen Kranz an der Ewigen Flamme nieder und Blumen am Grab von Veteranen, traf sich mit Sch&uuml;lern. Dann besuchte der Pr&auml;sident ein Gala-Konzert. Hier gratulierte er den Veteranen zum Sieg und besuchte noch das interaktive Historische Museum. <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180209-Besmertni-polk.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-28.jpg\" alt=\"\" width=\"500\"><\/a><\/p><p>Der Vorwurf deutscher Medien &uuml;ber angeblich zunehmenden russischen Militarismus hat erkennbar System und wird j&auml;hrlich immer wieder propagandistisch und verf&auml;lschend erneuert. W&auml;hrend in Wolgograd am Tag des Sieges aber kaum 20.000 Menschen die Milit&auml;rparade besuchen, sind es immer 100-200.000 Menschen, die am sogenannten <strong>Besmertni Polk<\/strong> teilnehmen oder zusehen, einer russischen Graswurzelbewegung, bei der Familien die Bilder ihrer Vorfahren friedlich und singend durch die Stadt tragen und so ihrer Opfer feierlich gedenken. In ganz Russland tun das mittlerweile 5-10 Millionen Menschen. Diese feierlichen und friedlichen Bilder werden in den deutschen Medien aber permanent versteckt, daf&uuml;r die der Milit&auml;rparaden ins Zentrum ger&uuml;ckt.<\/p><p>Auf der Basis der eigenen, verengten Berichterstattung l&auml;sst sich dann sogar wie im Handelsblatt oder im Standard v&ouml;llig wirklichkeitsverleugnend behaupten: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Opfer geraten bei den jetzigen Feierlichkeiten aber in den Hintergrund.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Eine unfassbare Groteske, wenn man sich das Veranstaltungsprogramm oder das Besuchsprogramm Putins anschaut oder die Feierlichkeiten selbst erlebt hat.<\/p><p>Es ist unfassbar, dass sich ausgerechnet Deutschland, das sich jedem offiziellen Gedenken an die &uuml;ber 20 Millionen sowjetischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges verweigert, erhebt, um &uuml;ber fehlendes russisches Opfergedenken zu klagen.<\/p><p>Diktatur ohne Meinungs-, Demonstrations- oder Pressefreiheit und ohne Rechtsstaatlichkeit<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-29.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Unterh&auml;lt man sich etwa in Berlin-Mitte mit Bekannten, Freunden, selbst aus sogenannten Bildungs-Schichten, dann bekommt man als bekennender &ldquo;Russlandversteher in Ausbildung&rdquo; S&auml;tze an den Kopf geknallt wie: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Russen m&uuml;ssen doch das machen, was Putin will.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;In Russland gibt es doch keine Zeitung, die kritisch &uuml;ber die Krim-Annexion berichten darf.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Putin l&auml;sst doch jede Demo gegen seine Politik verbieten&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;In Russland darf man doch seine Meinung gar nicht frei &auml;u&szlig;ern. Die Stasi ist doch dort &uuml;berall.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Putin l&auml;sst doch jeden verschwinden, der ihm nicht in den Kram passt!&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Es herrscht ein absoluter Mangel an kritischem Denken. Propaganda! Was man ihnen erz&auml;hlt, das glauben sie &hellip;&rdquo; beschwert sich die <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/warum-das-volk-hinter-putin-steht-vielen-russen-fehlt-es-an-kritischem-denken\/10657292.html\">deutsche Berichterstattung<\/a> oft &uuml;ber die Leichtgl&auml;ubigkeit der Russen. Wenn ich mit obigen Kommentaren konfrontiert werde, stelle ich fest: Offensichtlich hat auch die deutsche Propaganda ganze Arbeit geleistet.\n<\/p><\/blockquote><p>.<\/p><p><strong>&ldquo;In Russland herrscht keine Meinungsfreiheit &ndash; Kritiker werden weggesperrt&rdquo;<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-30.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>&ldquo;Gibt es in Russland Meinungsfreiheit? Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Meinungsfreiheit? &hellip; Nein! &hellip;. Doch, ja &hellip;. ein bisschen &hellip; vielleicht auch mehr &hellip;<\/p><p>Eigentlich unfassbar, dass man es erw&auml;hnen muss: &ldquo;Es ist nicht so, dass man etwas gegen Putin sagt, in der n&auml;chsten Nacht kommt ein abgedunkelter Lieferwagen und am n&auml;chsten Tag gilt man als pl&ouml;tzlich verschwunden und findet sich in einem Gulag wieder. Viele Russen sind keine Putin-Anh&auml;nger, stehen dazu und leben ganz normal au&szlig;erhalb von Gef&auml;ngnissen. Dennoch herrscht nat&uuml;rlich auch keine echte Meinungsfreiheit &ndash; <strong>wir befinden uns in einer Graustufe dazwischen<\/strong>.&rdquo; <a href=\"http:\/\/www.russland.news\/meinungsfreiheit-in-russland-und-deutschland\/\">Roland Bathon russland.news<\/a>.<\/p><p>Wer sich schon einmal politisch mit Russen unterhalten hat, der wei&szlig;, wie kritisch, z.T. ver&auml;chtlich, sich diese &uuml;ber ihre Regierung, Politiker, Staatsbeamten &auml;u&szlig;ern &ndash; privat, &ouml;ffentlich, immer wieder, ohne jede Hemmungen oder irgendwelche Gefahr. Kritiker werden nicht einfach &ndash; wie immer wieder in westlichen Medien behauptet &ndash; weggesperrt. <\/p><p>Aber ja, wer beim Staat als Professor, Lehrer oder Journalist Karriere machen will, der sollte sich in Russland besser nicht au&szlig;erhalb des Mainstreams stellen. Vielfach wird Druck ausge&uuml;bt, der Linientreue oder gar vorauseilenden Gehorsam f&ouml;rdert. Das ist zu kritisieren. Aber sicher nicht von oben herab. Denn wie werden systemkritische Journalisten, Professoren in Deutschland behandelt? Wer besch&auml;ftigt die denn noch? Werden kritische Stimmen in Deutschland nicht vom Mainstream als Verschw&ouml;rungstheoretiker, Querfrontler bek&auml;mpft und ausgegrenzt? <\/p><p>Aber selbst bei der <strong>systemkritischen Opposition<\/strong> &ldquo;echte&rdquo; Kommunisten, Sozialisten bzw. prowestliche Liberale und Neofaschisten sollte man sich laut Roland Bathon von der Vorstellung verabschieden, jede Bet&auml;tigung dieser Gruppen w&uuml;rde durch sofortige Verhaftung und Verbannung nach Sibirien beendet. Die Einschr&auml;nkungen der Meinungsfreiheit in Russland sind heute viel subtiler. <\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-31.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Protest gegen Putins Ukraine-Politik, Moskau 15.3.2014 Abb.: Wikimedia Commons<\/small><\/p><blockquote><p>\n<strong>&ldquo;Warum kommen so viele russische Oppositionelle ins Gef&auml;ngnis?<\/strong><br>\nWeil sie Oppositionelle sind. Zwar werden sie nicht deswegen verknackt, aber der Zusammenhang zwischen Strafma&szlig; und politischer Orientierung ist nicht zu &uuml;bersehen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>klagt die <a href=\"https:\/\/de.rbth.com\/blogs\/2013\/07\/22\/vom_umgang_mit_der_opposition_wegsperren_oder_umarmen_25055\">Rossijskaja Gaseta<\/a>, laut <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rossijskaja_gasetaAmtsblatt\">Wikipedia<\/a> der russischen Regierung mit einer Auflage von 432.000. <em>&ldquo;Vom Umgang mit der Opposition: wegsperren oder umarmen?&rdquo;<\/em><\/p><p>Eine Schuldirektorin wurde gek&uuml;ndigt, weil sie Exkursionen ihrer Sch&uuml;ler mit finanzieller Beteiligung der Eltern abhielt, was in Russland zwar verboten, aber allgemein &uuml;blich ist. Ihre Tochter war als Nawalny-Unterst&uuml;tzerin aktiv. Das schien einigen Eltern nicht gefallen zu haben, die sie gemeldet haben &hellip; <\/p><p>Roland Bathon: Das beste Paradebeispiel ist wie so oft <strong>Pussy Riot<\/strong>. Diese und die K&uuml;nstlergruppe &ldquo;Wojna&rdquo;, aus der sie entstanden ist, gab es nicht erst ein paar Wochen vor der Verhaftung. Sie war schon l&auml;nger zutiefst oppositionell aktiv. Pussy-Riot-Auftritte gab es vor der Christ-Erl&ouml;ser-Kathedrale bereits in der Metro, in Einkaufszentren und am Roten Platz. Wojna machte die verschiedensten provokanten Aktionen, vom Gruppensex im Museum bis zum vaginal eingef&uuml;hrten Tiefk&uuml;hlh&auml;hnchen. Der Staatsapparat schlug jedoch erst dann richtig zu, als Pussy Riot etwas taten, was nach russischem Recht eindeutig gesetzeswidrig ist und von der russischen Bev&ouml;lkerungsmehrheit deutlich missbilligt wurde: Das Punkgebet in der Christ-Erl&ouml;ser-Kathedrale, dem wahrscheinlich wichtigsten orthodoxen Kirchenbau Russlands. Die &ldquo;St&ouml;rung der Religionsaus&uuml;bung&rdquo; ist, wie in Deutschland, in Russland unter anderer Bezeichnung unter Strafe gestellt und man nutzte die Chance, die ungeliebten Oppositionellen nun scharf abzuurteilen. Jetzt war auch die eigene Bev&ouml;lkerungsmehrheit einverstanden.<\/p><p>Die Verurteilung von Nawalny, Chodorkowski oder Pussy Riot sind aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist genauso fragw&uuml;rdig: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;<strong>Warum sitzen so viele Menschen<\/strong>, die Verbrechen begangen haben, oder zumindest dessen verd&auml;chtig sind, in Russland <strong>nicht im Gef&auml;ngnis?<\/strong><br>\nWeil sie auf die eine oder andere Weise zum Lager der &ldquo;Macht&rdquo; geh&ouml;ren.&rdquo;<br>\nRossijskaja Gaseta\n<\/p><\/blockquote><p>Zumindest im Russland der 90-er bis Anfang der 00-er Jahre haben fast alle Unternehmer, Selbst&auml;ndige irgendwie gegen das Gesetz versto&szlig;en, so zahlten nur 5% der Unternehmen &uuml;berhaupt ihre Steuern, Korruption herrschte allerorten. Es war und ist also ein Leichtes, jemandem &ldquo;etwas anzuh&auml;ngen&rdquo; und daf&uuml;r die von Reichen und M&auml;chtigen leicht instrumentalisierbare Staatsanwaltschaft, Gerichtsbarkeit einzusetzen: Der eine wird f&uuml;r etwas verurteilt, wof&uuml;r der andere nicht einmal angeklagt wird. <\/p><p>Die Korruption im Lande und die Vorteilsannahmen von Politikern ist ein Riesenproblem: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Es ist eine traurige Sache mit der Gerechtigkeit in Russland. Eigentlich m&uuml;sste man fast die gesamte politische und wirtschaftliche Elite des Landes einsperren, inklusive zahlreicher Figuren, die heute Opposition spielen. Aber das geht nat&uuml;rlich nicht. Wer soll denn dann das Land regieren?&rdquo;<br>\nRossijskaja Gaseta\n<\/p><\/blockquote><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-32.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><\/p><p><small> CC0 Creative Commons<\/small><\/p><p>Bei diesen Zeilen erinnerte ich mich an das Gespr&auml;ch mit Wanja:<\/p><p>&ldquo;<strong>Und Demokratie?<\/strong>&rdquo; fragte ich &hellip; Schallendes Lachen. <\/p><p>&ldquo;Demokratie? Dermokratie hei&szlig;t das bei uns &hellip; von &#1076;&#1077;&#1088;&#1100;&#1084;&#1086;&#769;, die Schei&szlig;e [vulg.]&rdquo; &hellip; &ldquo;sicher ist Demokratie ein sch&ouml;nes Ideal &hellip; aber was willst du machen, wenn alle, die das Volk w&auml;hlt, ohnehin nur an sich denken und machen, was die Oligarchen wollen &hellip; Demokratie in Russland bedeutet doch nur, dass du bestimmst, wer das Geld bekommt, damit er das macht, was den Oberen nutzt. Egal, was du machst, wen du w&auml;hlst, als Volk bleibst du immer in der Schei&szlig;e.&rdquo; &hellip; <\/p><p>&ldquo;Gibt es denn keine Guten?&rdquo; <\/p><p>&ldquo;was glaubst du, wie lange einer &uuml;berleben w&uuml;rde, der wirklich f&uuml;r das Volk gegen die M&auml;chtigen arbeitet?&rdquo; &hellip; &uuml;berleg doch mal, was passiert, wenn einer wie Petuchow* wirklich mal was gegen die Oligarchen, f&uuml;r das Volk macht?&hellip; er wird einfach umgebracht &hellip; oder &hellip; xyz &hellip; oder kritische Journalisten wie zxy &hellip; oder die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anna_Stepanowna_Politkowskaja\">Politkowskaja<\/a> &hellip;? <\/p><p>* <a href=\"https:\/\/off-guardian.org\/2016\/09\/17\/who-killed-vladimir-petukhov\/\">B&uuml;rgermeister Petuchow<\/a> wurde nach &ldquo;Volksmeinung&rdquo; von Chodorkowskis Leuten umgebracht, weil er diesen n&ouml;tigen wollte, seine Steuerschulden zu bezahlen.<\/p><p>*************** <\/p><p>So oder so &auml;hnlich denken viele Russen, &ldquo;die da oben&rdquo; machen ohnehin alles nur zu ihrem eigenen Vorteil, Demokratie kannst du vergessen, klappt nicht &hellip; (in Deutschland?) Besonders nach den Erfahrungen in den 90-ern, wo Demokratie hohl blieb und nur zu Hunger, Chaos und Untergang f&uuml;hrte &ndash; ohne dass die einfachen Menschen von irgendjemandem gesch&uuml;tzt wurden. <\/p><p>F&uuml;r Russen bedeuten Menschenrechte in erster Linie eine w&uuml;rdige, gesch&uuml;tzte, medizinisch versorgte Existenz, dass ihr Leben materiell halbwegs gesichert ist, was man ja durch die schmerzhaften Verbrechens- und Hunger-Erfahrungen, die die Russen in den 90-ern machen mussten, auch verstehen sollte.<\/p><p>Zu ihren dr&auml;ngendsten Problemen z&auml;hlen sie deshalb zu hohe Preise (63%) &ndash; viele Russen kalkulieren &ldquo;hart am Limit&rdquo; &ndash; ein Armutsrisiko (47%), drohende Arbeitslosigkeit (40%).<\/p><blockquote><p>\n<strong>Begrenzte B&uuml;rgerrechte oder demokratische Freiheiten (Presse- und Meinungsfreiheit) halten lediglich 2-5% in Russland f&uuml;r ein Problem, mangelnde Rechtsstaatlichkeit 7%.<\/strong><br>\n<em><a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/en\/2018\/05\/08\/societal-problems\/\">Meinungsforschungsinstitut Levada-Center<\/a><\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die <em><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article168791205\/Das-merkwuerdige-Verhaeltnis-der-Russen-zur-Demokratie.html\">WELT<\/a><\/em> kommentierte das Ergebnis: &ldquo;Die Menschen haben andere Probleme, als sich &uuml;ber die Vorz&uuml;ge demokratischer Freiheiten Gedanken zu machen.&rdquo; <\/p><p>Es ist sicher richtig, dass die Russen andere Probleme haben, das genau sagen sie ja selbst, aber zum anderen konnte ihnen auch noch niemand die &ldquo;Vorz&uuml;ge demokratischer Freiheiten&rdquo; beweisen, jedenfalls nicht in den sogenannten &ldquo;demokratischen West-90-ern&rdquo;, wo Freiheit nur Freiheit f&uuml;r Kriminelle (Oligarchen) bedeutete, sich auf Kosten der einfachen Menschen zu bereichern &ndash; ohne dass diese von irgendjemandem gesch&uuml;tzt wurden. Und zum weiteren bedeuten diese 2-5% auch, dass die allermeisten Menschen &uuml;berhaupt keine Defizite f&uuml;r sich bzgl. fehlender Meinungsfreiheit erkennen k&ouml;nnen &ndash; sie k&ouml;nnen sagen, was sie denken, und tun das auch.<\/p><p>Entgegen der westlichen <em><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/fernsehzuschauer-fordern-putin-zum-ruecktritt-auf-15062377.html\">Berichterstattung<\/a><\/em> tun sie das etwa auch bei den j&auml;hrlichen <strong>Putin-B&uuml;rgerfragestunden<\/strong>, 4-5 Stunden live im Fernsehen, und reflektieren so die Probleme des Landes, die seine B&uuml;rger wirklich interessieren. Auch die <strong>TV-Diskussionen<\/strong> enthalten fast immer oppositionelle Vertreter, Ukra-Nationalisten, gar US-Journalisten, auch wenn die Moderation die Mainstream-Dominanz aus&uuml;bt &ndash; aber auch das ist in Deutschland ja nicht unbekannt, in den F&auml;llen, in denen systemkritische Opposition gegen NATO, gegen Neoliberalismus &uuml;berhaupt eingeladen wird. <\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-33.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small> <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/sendung\/unser-russland-12-100.html\">ARD &ldquo;Unser Russland&rdquo;<\/a><\/small><\/p><p>Im Gegensatz zu dieser Erkenntnis stellt sich ARD-Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies immer wieder vor die Kamera und zeichnet das Bild einer Diktatur, spricht von Russen, die sich nicht trauen, vor der Kamera ihre Kritik an der Regierung zu &auml;u&szlig;ern. Er beklagt, viele Russen zeigten <strong>neuerdings Scheu, vor westlichen Kameras<\/strong> aufzutreten. Und er kennt auch den Grund. Sie h&auml;tten Angst vor Repressionen, Kritik gelte in Russland neuerdings als unpatriotisch. Ein aus seiner Sicht weiterer Beleg f&uuml;r Einsch&uuml;chterung, f&uuml;r fehlende Meinungsfreiheit in Russland.<\/p><p>Aber haben denn nicht auch viele Deutsche Scheu, <strong>in russischen Sendern<\/strong> aufzutreten oder gar nur deren Nutzung einzugestehen? Es gibt Dutzende Boykottaufrufe gegen RT Deutsch. Schon einfache Links auf deren Ver&ouml;ffentlichungen f&uuml;hren oft genauso zur Ausgrenzung und Verleumdung &ndash; <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur\/medien\/-nachdenkseiten--die-fragwuerdige-anti-luegenpresse-front--23312592\">die NachDenkSeiten waren oft genug selbst Opfer<\/a> &ndash; nicht als unpatriotisch, aber als Aluhuttr&auml;ger, Wahnwichtel, Verschw&ouml;rungstheoretiker, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27377\">Querfrontler<\/a>. Gibt ein deutscher Politiker ihnen doch mal ein Interview, wird er vom Mainstream scharf kritisiert, er <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/sigmar-gabriel-gibt-angela-merkel-mitschuld-am-aufkommen-der-afd-a-1167451.html\">unterst&uuml;tze und &ldquo;adle&rdquo; ein russisches Propagandainstrument<\/a>. Treten deutsche Journalisten, Wissenschaftler, Sportler, K&uuml;nstler in &ldquo;russischen Propagandasendern&rdquo; auf, selbst nur im Kultur-Programm, beginnen Verfolgungskampagnen und Anklagen, sie seien <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/regional\/berlin\/berlin\/wird-talk-master-fuer-putins-propaganda-45432998.bild.html\">Hilfe f&uuml;r Putins Russen-Sender<\/a>, sie w&uuml;rden <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article155513086\/Ein-deutscher-Schurke-im-Dienste-Wladimir-Putins.html\">Putins Propagandamaschine bedienen<\/a>, so wie etwa bei &ldquo;TV-B&ouml;sewicht&rdquo; Claude-Oliver Rudolph, der eine Kultur-Diskussionsshow bei RT f&uuml;hren wollte. <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/regional\/berlin\/berlin\/wird-talk-master-fuer-putins-propaganda-45432998.bild.html\">Wie ist es, Putins Propaganda zu verbreiten?<\/a> oder &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article155513086\/Ein-deutscher-Schurke-im-Dienste-Wladimir-Putins.html\">Ein deutscher Schurke im Dienste Wladimir Putins<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Das deutsche Attribut &ldquo;<strong>Putinversteher<\/strong>&ldquo;, das es sogar in die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Putinversteher\">englische Wikipedia<\/a> schaffte, wird heute zur Ausgrenzung und Gei&szlig;elung jedes nicht hasserf&uuml;llten, kriegs- oder mindestens sanktionsschreienden Diskutanten, Politikers oder Journalisten benutzt. Sind das keine Belege f&uuml;r Einsch&uuml;chterung, f&uuml;r Versuche, die Mainstream-Meinung zu verabsolutieren, Meinungsfreiheit faktisch zu begrenzen? Man sollte die gemachten Vorw&uuml;rfe eben schon realistisch und damit auch moralisch einordnen. Und der politische Mainstream generell &uuml;bt eben Druck aus auf systemkritische Opposition. Es ist sicher so, dass es in Russland daf&uuml;r eher juristische Einschr&auml;nkungen geben kann, Rechtsstaatlichkeit allgemein funktioniert nicht &hellip; Aber will man in Deutschland gerade in den Medien, Wissenschaft oder gar in der Politik Karriere machen, sein Geld verdienen, kommt man ebenso schnell an faktische Grenzen der Meinungsfreiheit, wird man ebenso auf Mainstream-Linie gen&ouml;tigt wie in Russland.<\/p><p>Mag sein, dass der ein oder andere Russe sich scheut, &ouml;ffentlich gegen den russischen Mainstream zu agieren. Entscheidender aber ist, dass auch in <strong>Russland<\/strong> die H&ouml;hepunkte deutscher Propaganda gegen Russland im TV gezeigt werden, die ZDF-Falschberichte mit gekauften Kronzeugen &uuml;ber einen angeblichen russischen Krieg in der Ukraine, unbelegte Schauerm&auml;rchen &uuml;ber russische Schwulen-KZs von Golineh Atai oder gerade auch hochaktuell, die ARD-Kampagne gegen Russland und sein angebliches Staatsdoping, die zum Ausschluss russischer Sportler von der Olympiade f&uuml;hrten und in Russland zu einer breiten Diskussion im ganzen Volk. Jeder halbwegs informierte Russe wei&szlig; nat&uuml;rlich um den Olympia-Ausschluss der eigenen Sportler durch diese ARD-&ldquo;Recherchen&rdquo;, um die deutschen Homosexuellen-Horrorgeschichten &uuml;ber Russland und die anderen Kampagnen etwa auch den Skripal-Rausschmiss russischer Diplomaten. Alle werden auch in Russland oft thematisiert. In diesem Umfeld wundert sich Lielischkies, in der Vergangenheit selbst schon verantwortlich f&uuml;r zahlreiche <strong>Falschberichte<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/falschbericht-der-ard-tagesthemen-ziehen-ukraine-bericht-zurueck\/10783920.html?ticket=ST-4596006-4EDfauZ4yTsWDe1HEglV-ap3\">zugunsten ukrainischer Freiwilligen-Bataillone<\/a> &ndash; sprich Ukra-Faschisten &ndash; <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/falsche-bilder-bei-der-ard-zum-ukraine-konflikt-propagandatricks-oder-pannen-in-serie\/10637680.html\">zulasten ukrainischer Separatisten<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/ukraine-berichterstattung-fehlschuesse-der-ard-13188001.html\">zulasten Russlands<\/a> &uuml;ber die Zur&uuml;ckhaltung vieler Russen, sich kritisch &uuml;ber sein Land, &uuml;ber Politik oder gar als betroffener Homosexueller in einer ARD-Kamera zu &auml;u&szlig;ern?<\/p><p>Diese Ablehnung vieler Russen erl&auml;utert <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/72151-ard-studio-moskau-niveau-sind\/\">Gert Ewen Ungar bei RT Deutsch<\/a> so: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der begr&uuml;ndet schlechte Ruf des westlichen und auch des deutschen Journalismus in Russland an sich, was der deutsche Journalismus unter anderem dem Wirken von Hajo Seppelt verdankt, ist Grund f&uuml;r die Verweigerung von Aussagen gegen&uuml;ber deutschen und westlichen Journalisten. Man m&ouml;chte einfach nicht das Wort im Munde herumgedreht bekommen und instrumentalisiert werden. Die Beispiele, das genau das immer wieder passiert, sind an Zahl enorm.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Herr Lielischkies sollte verstehen, dass nicht jeder Russe gleich &ldquo;Angst und Bedrohung&rdquo; ausgesetzt ist, nur weil er keine Lust hat, sich mit jemandem zu unterhalten, der ihn eben noch mehrfach beleidigt und &ouml;ffentlich durch den Dreck gezogen hat. <a href=\"https:\/\/www.irishtimes.com\/sport\/soccer\/russia-2018-thanks-vlad-for-a-world-cup-full-of-contradictions-1.3540398\">IRISH TIMES<\/a> zeigt Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Zur&uuml;ckhaltung der Russen ausl&auml;ndischen Medien gegen&uuml;ber: &ldquo;There&rsquo;s a word you hear Russians using when they refer to how they are portrayed by the outside world: &ldquo;Propaganda.&rdquo; All the assumptions; the Russians don&rsquo;t smile, the hooligans will beat you up, the food will be awful. How dumb and insulting it must all seem to them.&rdquo;<\/p><p>. <\/p><p><strong>&ldquo;In Russland darf man nicht gegen Putin demonstrieren&rdquo;<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-34.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Wikimedia Commons<\/small><\/p><p>Sicher kein Beleg f&uuml;r fehlende Meinungsfreiheit in Russland sind die angeblichen <strong>Demonstrationsverbote<\/strong> und <strong>Verhaftungswellen<\/strong> bei den verschiedenen Nawalny-Aktionen. Nichts davon ist hierbei tats&auml;chlich eine Menschenrechtsverletzung des russischen Staates. Denn Nawalny bekommt sie i.d.R. alle genehmigt. Er legt nur seine Demo-Vorhaben gerne bewusst dorthin, wo sie nie genehmigt werden k&ouml;nnen &ndash; in Moskau etwa auf die Tverskaya, einer 10-spurigen Hauptverkehrsstra&szlig;e in der N&auml;he des Roten Platzes, am besten noch, wenn 1 Million Russen dort einen Umzug abhalten &ndash; um der westlichen Propaganda Bilder und Futter f&uuml;r angebliche Menschenrechtsverletzungen zu geben.<\/p><p>Dass er jedes Mal Alternativvorschl&auml;ge der Moskauer Verwaltung ablehnt, dass 98 der 100 angemeldeten Demos im Land v&ouml;llig unbehelligt stattfinden k&ouml;nnen, dass Verhaftete bereits nach wenigen Stunden und Feststellung der Personalien freikommen, wird im Westen verschwiegen. Die fr&ouml;hlichen Party-Selfies der verhafteten Nawalny-Anh&auml;nger aus den Polizeiautos in den sozialen Medien sprechen B&auml;nde und konterkarieren die Schreckensbilder ihrer Verhaftungen. Hier werden nicht Demonstrations- oder Menschenrechte unterdr&uuml;ckt, hier werden medienwirksame Provokationen f&uuml;r westliche Propaganda inszeniert.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-35.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small>Oppositionspolitiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ilja_Walerjewitsch_Jaschin\">Ilja Jaschin<\/a> l&auml;sst sich auf diesem REUTERS Bild von der Polizei verhaften<\/small><\/p><p><strong>Deutsche Medien Moskau 12.07.2017:<\/strong> &hellip;. Nawalny &hellip; | einzig bekannter Oppositioneller Russlands &hellip; | meldet eine Demo an &hellip; | &hellip; &hellip; | &hellip; die Beh&ouml;rden verbieten &hellip; | &hellip; &hellip; | Nawalny wird verhaftet | Die Demo findet trotzdem statt | &hellip; &hellip; | Es kommt zu Hunderten Verhaftungen, <em>&ldquo;friedliche Demonstranten werden weggesperrt = keine Demonstrationsfreiheit = staatliche Willk&uuml;r&rdquo;<\/em><\/p><p><strong>Realit&auml;t Moskau 12.07.2017:<\/strong> Der rechtsradikale Rassist und Nationalist <strong>Nawalny<\/strong> | <strong>einzig bekannter Oppositioneller<\/strong> in den westlichen Medien | <strong>meldet eine Demo<\/strong> auf der Tverskaja <strong>an<\/strong>, wo 1 Million Menschen den Nationalfeiertag feiern werden | &hellip;<strong>die Beh&ouml;rden<\/strong> schlagen Alternativen vor, keine 2 km vom Kreml entfernt &hellip; | Nawalny weigert sich unter falschem Vorwand | <strong>Nawalny<\/strong> ruft wiederholt zu einer nicht genehmigten Demo auf und <strong>wird verhaftet<\/strong> | <strong>Die Demo beginnt<\/strong> trotzdem auf der Stra&szlig;e, wo 1 Million Menschen den Nationalfeiertag feiern | In 98 anderen russischen St&auml;dten laufen angemeldete Demos friedlich und ohne Verhaftungen ab | Polizei beendet die Provokation des Moskauer Umzuges | <strong>Es kommt zu Hunderten Verhaftungen<\/strong>, zur Feststellung der Personalien, nach wenigen Stunden sind alle frei<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-36.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small>Oppositionspolitiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ilja_Walerjewitsch_Jaschin\">Ilja Jaschin<\/a> meldet auf Twitter seinen gelungenen Coup<\/small><\/p><p>&hellip;<\/p><p><strong>&ldquo;In Russland gibt es keine Pressefreiheit&rdquo;<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-37.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Wikimedia Commons<\/small><\/p><p>Pressefreiheit? &hellip; Naja! &hellip;. eher nein &hellip;. oder doch schon &hellip;<\/p><p>In Russland gibt es auch die m&auml;chtige Meinungsf&uuml;hrerschaft, den <strong>Mainstream<\/strong> der Herrschenden, der Partei &ldquo;Einiges Russland&rdquo; (ER) mit Putin an ihrer realen Spitze. [Parteivorsitzender: Dmitri Medwedew] Umgeben sind sie von der linientreuen Presse, der gro&szlig;en Mehrheit der TV-Kan&auml;le und Radiostationen sowie Zeitungen, die weitgehend das verbreiten, was den Zielen der Herrschenden dienlich ist. Das passiert nicht unbedingt im direkten Zwang, sondern eher in einer Art vorauseilendem Gehorsam mit der Schere im Kopf der Journalisten.<\/p><p>Die <strong>&ldquo;systemimmanente&rdquo; Opposition<\/strong> aus Kommunisten, &ldquo;Gerechtes Russland&rdquo; bzw. Liberaldemokraten (in Deutschland etwa die halbe LINKE, GR&Uuml;NEN bzw. FDP) kann sich in Russland nahezu frei bet&auml;tigen, verf&uuml;gt &uuml;ber eigene, unzensierte Publikationen, aber dennoch nicht &uuml;ber eine ann&auml;hernd so gro&szlig;e Meinungsmacht wie die der ER. Es handelt sich &ndash; im Gegensatz zur gelegentlichen westlichen Darstellung &ndash; auch nicht um Pseudo-Opposition, nur weil sie nicht gegen jede Putin-Entscheidung ist. Sonst w&auml;ren die Gr&uuml;nen in Deutschland momentan auch keine Opposition.<\/p><p>Die <strong>systemkritische Opposition<\/strong> &ldquo;echte&rdquo; Kommunisten, Sozialisten bzw. prowestliche Liberale und Neofaschisten stehen zun&auml;chst einmal lediglich unter einer verst&auml;rkten Beobachtung der offiziellen Machtelite und ihrer sekundierenden linientreuen Medien. Berichtet wird &uuml;ber sie in den staatstreuen Massenmedien derweil nach M&ouml;glichkeit nicht. Und wenn es gar nicht anders geht, nat&uuml;rlich nicht positiv und nicht gro&szlig;. Die intensiven Beobachter sind aber sehr gut informiert und warten genau ab, bis diese Opposition einen entscheidenden Fehler macht. &Uuml;ber gro&szlig;e eigene Publikationen verf&uuml;gen sie nicht. Internet-Blogs wie der von Nawalny sind ihre Haupt-Publikationen. Allerdings wurde &uuml;ber ihren &ldquo;Marsch des Friedens&rdquo; mit einigen Zehntausend Demonstranten gegen die Ukrainepolitik Russlands bspw. im Staatsfernsehen schon ausf&uuml;hrlich berichtet, ausf&uuml;hrlicher und objektiver jedenfalls als etwa &uuml;ber die Anti-TTIP-Demo im deutschen Mainstream, auch mit direkten, pers&ouml;nlichen Statements. <\/p><p>F&uuml;r mich ist der Zustand der <strong>russischen Mainstreammedien<\/strong> propagandistisch, einseitig und beklagenswert &ndash; aber eher wie bei uns in Deutschland selbst, als etwa wie in einer Diktatur. Das, was die westliche Propaganda &uuml;ber Russland immer unter &ldquo;keine Meinungsfreiheit&rdquo;, &ldquo;fehlende Pressefreiheit&rdquo; sowie &ldquo;Bedrohung, Verfolgung und Ermordung kritischer Journalisten&rdquo; laufen l&auml;sst, beruht gr&ouml;&szlig;tenteils auf feindseliger Verf&auml;lschung, auch und vor allem durch die vom Westen selbst eingesetzten bzw. betriebenen NGOs. So sind <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reporter_ohne_Grenzen\">Reporter ohne Grenzen<\/a> oder auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Human_Rights_Watch\">Human Rights Watch<\/a> wesentlich von NED aus den USA oder George Soros finanziert, allein letztere mit 100 Millionen Dollar &ndash; was nicht einmal die Wikipedia leugnen kann. Deren Urteil ist somit weder neutral noch glaubhaft. Eine Analyse und Kritik der russischen Medien muss also selbst und differenzierter erfolgen: <\/p><p>Im Mainstream des Staatsfernsehens sind systemkritische Stimmen selten, eher nur in den TV-Diskussionen zu vernehmen: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Wissen Sie, ich denke, am st&auml;rksten ist die Selbstzensur. Denn die Bedrohung des eigenen Lebens, der Gesundheit, der Familie, die Angst, den Job zu verlieren &ndash; das alles zwingt Journalisten zur Selbstzensur.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>so etwa <a href=\"https:\/\/www.dekoder.org\/de\/article\/selbstzensur-echo-wenediktow-felgengauer\">Alexej Wenediktow<\/a>, Chefredakteur von Echo Moskwy, im Interview mit <em>The New Times<\/em>.<\/p><p>Eher weniger der Selbstzensur unterworfen sind die eigenen, gro&szlig;en, oppositionellen <strong>systemkritischen Medien<\/strong> wie die <em>The New Times\/Nowoje Wremja, Kommersant, die Novaya Gazeta<\/em>, &hellip; die z.T. ein Vielfaches an Auflage haben, wie vergleichbare deutsche systemkritische Zeitungen, etwa <em>Neues Deutschland, Junge Welt, (Freitag)<\/em>. Mit Radio <em>Echo Moskwy<\/em> wird sogar eine der kritischsten Medien auf Staatskosten (Gasprom) finanziert und unterhalten, der Kreml oft daf&uuml;r intern kritisiert, dass er sich selbst seine gr&ouml;&szlig;ten Feinde z&uuml;chtet.<\/p><p>Mit <em>Doschd<\/em> existiert gar ein oppositioneller, systemkritischer TV-Sender und dennoch einige Zeit im Kabelangebot in ganz Russland. Dessen Reichweite wurde allerdings tats&auml;chlich politisch begrenzt: Denn <em>Doschd<\/em> machte eine Umfrage &ldquo;h&auml;tten die Leningrader im Zweiten Weltkrieg nicht besser aufgegeben&rdquo; und schlachteten damit eine heilige Kuh Russlands, denn der Widerstand gegen Nazi-Deutschland ist eine solche. Sofort startete die linientreue Presse einen gut organisierten Shitstorm gegen &ldquo;Doschd&rdquo; und flugs nahmen viele Kabelnetzbetreiber den diskreditierten Sender aus ihrem Programm. Ziel erreicht. Hier musste nicht einmal jemand verhaftet werden. (<a href=\"http:\/\/www.russland.news\/meinungsfreiheit-in-russland-und-deutschland\/\">russland.ru<\/a>) Erreichte er fr&uuml;her noch 1-2 Millionen, gibt es ihn heute, KenFM &auml;hnlich, haupts&auml;chlich &uuml;bers <strong>Internet<\/strong>. Dort gibt es auch eine gro&szlig;e, vielf&auml;ltige Zahl oppositioneller Medien, Blogs &hellip; einige nach Zensurma&szlig;nahmen allerdings nur &uuml;ber IP-Generatoren erreichbar. Inhaltlich sind diese Medien z.T. extrem scharf und berichten mit westlicher Agenda &uuml;ber angebliche Schwulen-KZs in Tschetschenien, Korruption, russische Soldaten im Donbass, Krim-Annexion u.&auml;. Auch zahlreiche <strong>ausl&auml;ndische Medien<\/strong> aus den USA, GB oder Deutschland wie Radio Liberty, BBC, Deutsche Welle u.a. senden und berichten auf Russisch.<\/p><p>Eine <strong>Medienvielfalt<\/strong> in Russland ist also trotz gegenteiliger westlicher Behauptungen tats&auml;chlich vorhanden. Politisch gen&uuml;gt es dem Kreml, &auml;hnlich wie auch der deutschen Politik, die Staatsmedien, das TV, eben den <strong>Mainstream<\/strong> zu kontrollieren. F&uuml;r die kritischen 10-15% existieren aber auch in Russland trotz diverser Repressalien mindestens ebenso viele, gro&szlig;e und kritische Medien wie in Deutschland.<\/p><p><strong>Nachzulesen ist die kritische russische Medien-Opposition, die es laut westlicher Propaganda eigentlich gar nicht geben d&uuml;rfte, sogar auf Deutsch unter <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.dekoder.org\/\">dekoder.org<\/a><\/strong>.<\/p><p>Ein merkw&uuml;rdiges Demokratieverst&auml;ndnis beweisen westliche Kommentatoren, wenn sie die &Uuml;bernahme der <strong>Oligarchen-TV-Sender<\/strong> wie etwa NRT oder ORT als staatliche Zensurma&szlig;nahmen gegen die Pressefreiheit gei&szlig;eln. Denn nicht nur nach eigenen Aussagen waren es diese Reichen und M&auml;chtigen, Oligarchen wie Beresowski, Chodorkowski, Potanin oder Gussinski, die Russlands Medien und Politik dominierten, Wahlen und politische Entscheidungen nach ihrem Belieben beeinflussen und kaufen konnten. Die Begrenzung der medialen und politischen Macht dieser Oligarchen war und ist deshalb eine Grundvoraussetzung f&uuml;r die Herstellung einer funktionierenden Demokratie in Russland. Dass der russische Staat diese Mainstream-Medien nicht mit ausreichenden Freiheitsgraden versorgt, sondern in seinem Sinne dominiert, ist bedauernswert. Ich kann das im Hinblick auf unsere &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien aber nicht als Alleinstellungsmerkmal erkennen. Noch niemals seit dem Kalten Krieg waren ARD- oder ZDF-Nachrichten so treu auf Regierungslinie. Und selbst die Sport-&ldquo;Berichterstattung&rdquo; betreibt politische Propaganda.<\/p><p>. <\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\"> <strong>Russland unterdr&uuml;ckt und mordet seine Kritiker<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"hhttps:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-38.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0 <\/small><\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der russische Pr&auml;sident hat das Land weiter radikalisiert. Oppositionelle werden entweder nicht zu Wahlen zugelassen (Alexej Nawalny) oder kommen auf mysteri&ouml;se Art ums Leben (Boris Nemzow). Presse- und Meinungsfreiheit werden durch Kontrolle und Morde an Journalisten (Maxim Borodin, Iwan Safronow) eingeschr&auml;nkt.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In seiner <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2018-05\/fussball-wm-russland-fifa-boykott-pro-contra\/komplettansicht\">ZEIT-Hetzschrift<\/a> unterstellt dieser Extrem-Propagandist Putin direkt, f&uuml;r politische Morde zu sorgen, was in <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2015-03\/putin-nemzow-hitler-mord-russland-fsb-moskau\">ZEIT II<\/a> <em>&ldquo;Putin hat Nemzow exekutieren lassen&rdquo;<\/em> sogar noch einmal zugespitzt wird. Nicht so plump hetzerisch, aber auch hinreichend stellt <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/reportage-dokumentation\/dokus\/sendung\/unser-russland-12-100.html\">&ldquo;Unser Russland&rdquo; der ARD<\/a> die Verbindung unaufgekl&auml;rter Morde mit der Kremlf&uuml;hrung her: In dieser Reisereportage f&uuml;hrte Lielischkies seine beinahe erste Station zuf&auml;llig gleich auf die Br&uuml;cke, wo sich der Mord an Nemzow ereignete, ganz in der N&auml;he des Kreml, wie er betonte, beklagte, dass die M&ouml;rder zwar verhaftet und verurteilt wurden, ein Attent&auml;ter get&ouml;tet wurde, Drahtzieher aber wie bei allen russischen Morden an Kritikern oder Journalisten nicht festgestellt werden konnten, sprach mit Aktivisten der Gedenk-Mahnwache, die die Blumen, Plakate regelm&auml;&szlig;ig gegen das &ldquo;Kreml-R&auml;umkommando&rdquo; verteidigen m&uuml;ssen. Palina &ndash; sichtlich uninformiert &ndash; zeigt sich geb&uuml;hrend schockiert, wie nah am Kreml der Mord passierte, &hellip; <\/p><p><a class=\"web\" href=\"hhttps:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-39.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>&ldquo;Nemzow Br&uuml;cke&rdquo; Moskau 2015 <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\"><em>cc-by-2.0<\/em><\/a><\/small><\/p><p>Was k&uuml;mmert es da schon, dass 2015 schon niemand ernsthaft annahm, dass Putin einen f&uuml;r den Mainstream unbedeutenden Politiker ermorden l&auml;sst, der klar nicht einmal die 5%-H&uuml;rde schafft. Einmal mehr erfolgt die Vorverurteilung Russlands durch die Wiederholung unbelegter Anschuldigungen und die einseitige Auslegung von Indizien (Kremln&auml;he). Sogar Garri Kasparow bekundete, nicht daran zu glauben, dass Putin die Ermordung wollte, aber die aufhetzende Propaganda-Situation verantwortlich machte.<\/p><p>Sogar die <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/internationales\/europa\/russland\/47998\/russlandbild-deutscher-medien\">Bundeszentrale f&uuml;r Politische Bildung<\/a> beklagt sich dar&uuml;ber: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;wobei sich fast durchgehend ein Putin-kritischer Mainstream durchgesetzt hat, der zeitweise zu einer regelrechten <strong>&ldquo;D&auml;monisierung&rdquo; des Pr&auml;sidenten<\/strong> abgleitet. Das zeigte sich beispielsweise in der Berichterstattung &uuml;ber den Mord an dem Oppositionellen Boris Nemzow im Februar 2015, nachdem zahlreiche Medien es so darstellten, als sei Putin pers&ouml;nlich f&uuml;r den Mord verantwortlich gewesen, obwohl daf&uuml;r jeder Beleg fehlte. &hellip; Das h&auml;lt aber vor allem Kolumnisten und Kommentatoren der verschiedenen Zeitungen keineswegs davon ab, ausgiebig vom deutschen Schreibtisch aus &uuml;ber Russland zu schreiben und g&auml;ngige Klischees zu verbreiten.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a class=\"web\" href=\"hhttps:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-40.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Gedenkmarsch zur Ermordung Nemzows am 1.3.2015 in Moskau, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\"><em>cc-by-2.0<\/em><\/a><\/small><\/p><p>Die westliche Propaganda erweckt den Eindruck, dass Morde an politisch aktiven Journalisten und Kritikern seit dem Amtsbeginn Putins 1999\/2000 in Russland stark zugenommen h&auml;tten, als Folge dessen autorit&auml;ren, undemokratischen F&uuml;hrungsstils. Das Gegenteil ist der Fall:<\/p><p><strong>Journalistenmorde<\/strong> gab es schon und besonders in den sogenannten demokratischen Zeiten Russland unter Jelzin und westlicher F&uuml;hrung. In der halben Zeit gar ein Vielfaches! So wurden u.a. lt. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Medien_in_Russland#Gewalt_gegen_Journalisten\">Wikipedia<\/a><\/p><blockquote><p>\n<strong>zwischen 1993 und 1999 in Russland gem&auml;&szlig; einer Statistik der russischen Journalisten-Gewerkschaft 201 Journalisten ermordet. <\/strong><br>\n(Roland Haug z&auml;hlt in seinem Buch Die Kreml AG 261 Attentate.)\n<\/p><\/blockquote><p>Diese haben also offensichtlich nichts damit zu tun, dass Putin\/der Kreml ab 2000 seine neu-autorit&auml;re Agenda durchsetzen wollte und Mordbefehle an unliebsame, kritische Journalisten ausstellen w&uuml;rde, sondern damit, dass die Politik in Russland immer noch mafi&ouml;s und die Mafia politisch unterwegs sind.<\/p><p>Denn in Russland wurden in den 90-ern und werden bis heute die <strong>gro&szlig;en Gesch&auml;fte<\/strong> immer noch in und durch die <strong>Politik<\/strong> gemacht. Beeinflusst die Finanzoligarchie im Westen direkt die Politik, Gesetzgebung und Parlamentsentscheidungen zu ihren Gunsten, herrschen in Russland neben diesem Lobbyismus immer noch Korruption, die Lenkung von Verwaltungs- oder Rechtsentscheidungen und auch <strong>Verbrechen als Mittel zu Durchsetzung der Interessen der Oligarchen<\/strong> etwa gegen st&ouml;rende Konkurrenten oder l&auml;stige Journalisten. Es gilt in Russland als offenes Geheimnis, dass alle f&uuml;hrenden Oligarchen der 90-er wie Beresowski, Chodorkowski, Potanin oder Gussinski ihre Milliarden nicht ohne Verbrechen, nicht ohne Ermordung st&ouml;render Politiker, Beamter, Journalisten zusammenrauben konnten. Und nicht ohne Grund werden bis heute bei vielen politisch motivierten Morden tschetschenische T&auml;ter ermittelt, Heimat der, wie auch im Westen bekannt, gr&ouml;&szlig;ten Mafia-Organisation Russland. Journalisten sind in Russland dann besonders gef&auml;hrdet, wenn sie im Dunstkreis von Korruption recherchieren, dem gro&szlig;en Geld, Verbrechen, den Schandtaten der Oligarchie auf der Spur sind, irgendjemand Reichem und M&auml;chtigem in die Quere kommen.<\/p><p>Auch die in der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2015-02\/putin-moskau-nemzow\">westlichen Berichterstattung<\/a> immer wieder aufgef&uuml;hrten <strong>Mordopfer<\/strong> wie Natalja Estemirowa, Anna Politkowskaja, Paul Klebnikow oder der in Gro&szlig;britannien vergiftete russische Ex-Agent <strong>Alexander Litwinenko<\/strong> standen oft direkt und offensichtlich den Machenschaften skrupelloser Oligarchen wie Chodorkowski oder Beresowski im Weg. So machte Walter Litwinenko im &bdquo;Perwij Kanal&ldquo; (Erster Kanal) einen Gesch&auml;ftsmann aus dem Umfeld von Boris Beresowski f&uuml;r die Ermordung seines Sohnes verantwortlich.<\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/paul-klebnikow\/der-pate-des-kreml.html\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-41.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><\/p><p>Und auch Paul Klebnikow hatte die Aktivit&auml;ten verschiedener russischer Oligarchen nachverfolgt und ver&ouml;ffentlicht &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/paul-klebnikow-der-pate-des-kreml-boris-beresowski-und-die.730.de.html?dram:article_id=101582\">Der Pate des Kreml &ndash; Boris Beresowski und die Macht der Oligarchen<\/a>&rdquo;<\/p><blockquote><p>\nSeine (Anm.: Beresowskis) Zerst&ouml;rungskraft war selbst f&uuml;r russische Verh&auml;ltnisse unglaublich. 1997 hat das Innenministerium versucht, das Autowerk von den Banditen zu s&auml;ubern, dabei stie&szlig;en die Beamten auf <strong>65 Auftragsmorde<\/strong>. Das waren Morde an Managern aus der Unternehmensleitung oder auch an Autoverk&auml;ufern. Die ganze Zeit floss Blut, wo immer er auftauchte. Boris Beresowski ist f&uuml;r Paul Klebnikow die Inkarnation des B&ouml;sen,und das belegt er stichhaltig.\n<\/p><\/blockquote><p>In diese Reihe verbrecherischer Oligarchen geh&ouml;rt vor allem auch, <strong>Michail Chodorkowski (&#1052;&#1080;&#1093;&#1072;&#1080;&#1083; &#1061;&#1086;&#1076;&#1086;&#1088;&#1082;&#1086;&#1074;&#1089;&#1082;&#1080;&#1081;)<\/strong>, den die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/international\/world\/mikhail-khodorkovsky-i-believe-putin-is-capable-of-change-a-1215799.html\">West-Propaganda<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/fifa-wm-2018\/video\/video-putins-meisterwerk--eine-wm-um-macht-und-millionen-100.html\">die ARD<\/a> und vor allem auch Lielischkies immer wieder als Kronzeuge eines besseren Russland f&uuml;r mehr Demokratie auff&uuml;hrt und gar einen Film zu seiner Verteidigung drehte, &ldquo;Kreml, Knast und Korruption&rdquo;. <\/p><p>Mitte der 90-er war er im Kabinett Jelzin f&uuml;r den Bereich zust&auml;ndig, der die Privatisierung von Erd&ouml;lunternehmen, u.a. eben von Yukos, regelte. Mit diesem Wissensvorsprung und Kontakten konnte seine Menatep-Bank Aktienanteile des Mineral&ouml;lunternehmens Yukos in ihren Besitz bringen. Als Hausbank von Yukos wiederum sorgte er nun daf&uuml;r, dass die verdeckte Manetep-Tochter Rosprom unter Leitung von Platon Lebedew bei den Auktionen 95\/96 von Yukos allein zum Zug kam, Mitbieter wurden Informationen und der Zugang zur Auktion vorenthalten. Chodorkowskis Rosprom bekam so den riesigen Yukos-Konzern (Wert damals schon rund 10. Mrd $) f&uuml;r 309 Mio. $ vom Staat RUS. <\/p><p>&ldquo;Als gro&szlig;e Unternehmen zwecks Privatisierung zur Auktion gingen, durften Banken die Gebote annehmen und konnten &ndash; in Kenntnis der Offerten &ndash; selbst mitbieten. Sie w&auml;hlten die zugelassenen Bieter aus und bevorzugten dabei eigene Tochterfirmen. Nach dem Urteil des deutschen Russland-Experten Wolfgang Kartte war der Jukos-Konzern auf dem Weltmarkt mit seinen &Ouml;lreserven gut 40 Milliarden Dollar wert.&rdquo; &ndash; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-16358511.html\">SPIEGEL<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-42.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small>Michail Chodorkowski Abb.: Wikimedia Commons<\/small><\/p><p>Joseph E. Stiglitz, Ratsvorsitzender der Wirtschaftsberater von US-Pr&auml;sident Bill Clinton, Chef-&Ouml;konom der Weltbank und Wirtschafts-Nobelpreistr&auml;ger warnte schon 2003: &ldquo;Schlimmer noch: Wird die Hinterlassenschaft der unrechtm&auml;&szlig;igen Privatisierung nicht angegangen, k&ouml;nnte sich die wirtschaftliche Oligarchie wahrscheinlich auch noch in eine politische verwandeln. In diesem Licht sollte man Putins Vorgehen gegen Khodorkowsky sehen. Denn, wenn die Oligarchen ihre &uuml;blen Aneignungen mit Erfolg behaupten k&ouml;nnen, kann man sich leicht vorstellen, dass jemand wie Khodorkowsky, der schon damit begonnen hat, neben seinem Wirtschaftsimperium eine politische Maschine aufzubauen, seine Yukos-Anteile versilbert, seinen Reichtum in einer Steueroase vor der K&uuml;ste in Sicherheit bringt und ihn zur Manipulation der russischen Politik benutzt.&rdquo;<\/p><p>Er forderte damals eine Ma&szlig;nahme, um die <em>&ldquo;Wohlstandspl&uuml;nderung in der &Auml;ra Jelzin zurechtzur&uuml;cken. Am wichtigsten ist aber, dass sie, auch wenn sie nicht die Bildung einer handhabbaren Demokratie sicherstellen w&uuml;rde, zum mindesten die Gef&auml;hrdung der Demokratie mindern k&ouml;nnte, die von der zunehmend vergiftenden Rolle, die das Geld in der russischen Politik spielt, ausgeht.&rdquo;<\/em><\/p><p><a class=\"web\" href=\"hhttps:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/de\/\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-43.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Chodorkowski ist also zu 100% ein Privatisierungsbetr&uuml;ger, der RUS viele Milliarden gestohlen hat und wie Beresowski mit Auftragsmorden in Verbindung zu bringen ist &ndash; jedenfalls deutlich berechtigter als im Falle Putins. Chodorkowski, ein 100%-iger Verbrecher, einer der Handvoll Oligarchen, die in den 90-ern Russland ausraubten, das Land medial, politisch dominierten, Jelzin die Wiederwahl erkauften (<em>&ldquo;Ich kann Parlamente und Wahlen kaufen&rdquo;<\/em>) und <strong>Hunderte st&ouml;rende Politiker, Beamte, Journalisten genau auf die Weise beseitigten<\/strong>, die Lielischkies im Falle Nemzows nun so scheinheilig beklagt.<\/p><p>Erinnert sei nur an <strong>Vladimir Petukhov<\/strong>. Als B&uuml;rgermeister der Stadt Nefteyugansk, in der die Firmenzentrale beheimatet war, warf er Chodorkowskij (Yuganskneftegas) vor, seine Steuern zu hinterziehen. Als weder der Chef der Steuerbeh&ouml;rde noch der Leiter der Steuerinspektion reagierten, trat er in den Hungerstreik. Am Morgen des 26. Juni 1998 auf dem Weg zur Arbeit wurde Petukhov mit einer Maschinenpistole get&ouml;tet. Der Mord ereignete sich am Geburtstag von Michail Chodorkowski. Bewohner blockierten Stra&szlig;en, forderten eine strafrechtliche Untersuchung und warfen Fensterscheiben von Yukos ein. Die Untersuchung ergab 2 Tatverd&auml;chtige, Popov und Prichodko. Beide fand man in den folgenden Tagen ermordet auf. Nicht nur Chodorkowskis Sicherheitschef Alexej Pitschugin wurde wegen mehrfachen Mordes verurteilt, sondern auch Chodorkowskis langj&auml;hriger Partner Leonid Nevzlin, der 2. Mann bei Yukos. <em>&ndash; <\/em><a href=\"https:\/\/off-guardian.org\/2016\/09\/17\/who-killed-vladimir-petukhov\/\">off-guardian.org<\/a><\/p><p>Man stelle sich vor, bei einem der Mordf&auml;lle g&auml;be es im Umfeld derart direkte Verbindungen zu Putin! &hellip;Die westlichen Medien w&uuml;rden sich &uuml;berschlagen. &hellip; &Uuml;ber den Mordfall Petukhov berichten sie bis heute nicht. W&auml;re ich Buchmacher, kurz vor einem &ouml;ffentlichen J&uuml;ngsten Gericht, meine Quoten (1-10) f&uuml;r eine &uuml;berf&uuml;hrte Mitwisserschaft \/ Mordbeteiligung folgender Verd&auml;chtiger s&auml;hen ungef&auml;hr so aus: <\/p><p>Beresowski: 1.08<br>\nChodorkowski: 1.18<br>\nPutin: 9.78 <\/p><p>In der Regel\/wahrscheinlich m&uuml;ssen die Oligarchen gar nicht den Auftrag f&uuml;r konkrete Morde gegeben haben. Sie haben &ldquo;Sicherheitschefs&rdquo; angestellt, die solch schmutzige Gesch&auml;fte f&uuml;r sie erledigten und bis heute noch erledigen. Politik &ndash; Korruption &ndash; Verbrechen sind in Russland leider immer noch dicht beisammen.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-flag.png\" alt=\"WM\" width=\"20\"> <strong>Russland, das Homosexuelle unterdr&uuml;ckt und verfolgt<\/strong><\/p><p><a class=\"web\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"external\"><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-44.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/a><br>\n<small>Abb.: Creative Commons CC0<\/small><\/p><p>Die Situation homosexueller Russen ist sicher nicht gut. Es gibt homophobe Missst&auml;nde und auch Diskriminierungen. Zu oft und zu stark wirken gesellschaftliche Mechanismen zu ihrer Ausgrenzung. Zwar ist das Ausleben homosexueller Neigungen im Gegensatz zu 80 anderen L&auml;ndern nicht verboten, aber faktisch oft stark eingeschr&auml;nkt. Und das nicht nur in streng muslimischen Gebieten des Kaukasus oder der streng orthodoxen Provinz. Selbst in den &ldquo;Gay-Metropolen&rdquo; Moskau, Sotschi oder Sankt Petersburg ist das offene Ausleben von Homosexualit&auml;t eher nur im Nachtleben wirklich frei m&ouml;glich, w&auml;hrend es etwa besonders f&uuml;r Politiker, Journalisten oder andere Personen des &ouml;ffentlichen Lebens, aber auch im normalen beruflichen Umfeld geboten ist, sich nicht zu outen.<\/p><p>Dennoch ist es eine Verf&auml;lschung westlicher Propaganda, dass sich Homosexuelle in Russland zwangsweise verstecken m&uuml;ssten oder gar systematisch verfolgt w&uuml;rden. Es gibt durchaus nicht wenige homosexuelle Sportvereine, Motorradclubs, eine &ouml;ffentliche und aktive Szene, in Sankt Petersburg etwa Gay-Clubs (Central Station), Variet&eacute;s (Club Cabaret), Banjas (Bunker), Bars (Blue Oyster) oder gar einen Gay-Strand (in Sestroretsk), Cafes, Saunen und auch nach der Einf&uuml;hrung des sogenannten &ldquo;Anti-Schwulen-Gesetzes&rdquo; LGBT-Demonstrationen in Russland.<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-45.jpg\" alt=\"WM\" width=\"500\"><br>\n<small>Homosexuelles Nachtleben Sankt Petersburg 2016<\/small><\/p><p>Die <strong>westlichen Horrorgeschichten<\/strong> verf&auml;lschen die Lebenswirklichkeit Homosexueller und sind nichts als anti-russische Propaganda und Volksverhetzung. Dabei kopierten einige Medien sogar Art und Weise rechtsradikaler Hetze, die sie im eigenen Land bek&auml;mpfen, und bauschten ungekl&auml;rte oder bedauerliche Einzelf&auml;lle zu einer Hetze gegen ganz Russland und seine Menschen auf. <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der im Westen verbreitete Eindruck, Schwulenverfolgung in Russland geh&ouml;re zum Alltag, ist in etwa so richtig wie die gelegentlich im Ausland anzutreffende Meinung, dass die H&auml;lfte der Deutschen Faschisten seien, nur weil rechtsextreme Parteien gelegentlich in Landtage einziehen.&rdquo;<br>\n&ndash; Matthias Schepp, Der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/reise-nach-sotschi-zu-besuch-bei-den-eisbadenen-in-moskau-a-942956.html#tag5%20\">SPIEGEL<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>1.) Die unfassbare L&uuml;gengeschichte der ARD von Golineh Atai &uuml;ber russische KZs f&uuml;r Schwule, mit Folter und Mord<\/strong>, die die Propaganda &uuml;bernahm und ausweitete:<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.huffingtonpost.de\/albert-serna-jr\/russland-tschetschenien-homosexuelle-schwule_b_16486968.html\"><em>HuffPost<\/em>: Wie im Konzentrationslager<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2017-04\/tschetschenien-homosexuelle-maenner-festnahmen-verschleppung\"><em>ZEIT<\/em>: Beh&ouml;rden verfolgen und t&ouml;ten Schwule<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/reisen\/service\/fussball-wm-2018-schwulenhass-sogar-beim-baecker-auswaertiges-amt-raet-bei-russland-reisen-zur-vorsicht_id_9050782.html\"><em>Focus<\/em>: Schwulenhass sogar beim B&auml;cker<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Ausf&uuml;hrliche Stellungnahmen und Korrekturen findet man (nur) bei <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/international\/49345-schwulen-genozid-in-tschetschenien-neues\/\">RT Deutsch<\/a>.<\/p><p>2.) Hetz-Propaganda in WDR, phoenix, BBC<br>\n<em><a href=\"https:\/\/programm.ard.de\/?sendung=2872515273201656\">Nackte Angst &ndash; Russische Jagd auf Schwule<\/a><\/em><br>\n&ldquo;Hunted: The War On Gays In Russia&rdquo;<\/p><p><img decoding=\"async\" title=\"WM\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180717-rus-46.png\" alt=\"WM\" width=\"500\"><\/p><p>Dass der Film L&uuml;genhetze ist, verwundert nicht. Ben Steele erstellte den Film f&uuml;r HBO &ndash; Time Warner, USA. Aber dass das deutsche &Ouml;ffentlich-Rechtliche so eine Kampfpropaganda sendet, grenzt an Volksverhetzung &hellip;<\/p><p><strong>Propaganda-Kette &uuml;ber die Situation Russland: <\/strong><\/p><p>gesellschaftliche Vorurteile \/ Hasstiraden \/ radikale Gewaltexzesse \/ staatliche Gewalt \/ juristische Defizite<\/p><p>Der Film beginnt mit einer Gruppe radikaler Russen, die homophobe Vorurteile und Hasstiraden &auml;u&szlig;ern.<\/p><p><em>&ldquo;Einige Russen behandeln sie als Beute. Schwule werden als Tiere betrachtet.&rdquo;<\/em><\/p><p>Es wird so getan, als ob es sich um eine weit verbreitete Volksmeinung handelt. Tats&auml;chlich bekennen sich die gezeigten Russen &uuml;ber ihre schwarz-gelb-wei&szlig;en Fahnen allerdings zur faschistisch-nationalistischen extremen Rechten des Landes. Ohne Probleme lie&szlig;en sich diese verachtensw&uuml;rdigen Hasstiraden &uuml;ber Schwule oder Ausl&auml;nder auch in den USA oder bei uns so finden.<\/p><p><em>&ldquo;Gewaltt&auml;tige &Uuml;bergriffe auf Homosexuelle haben dramatisch zugenommen. Es ist fast ein Trend. Die Bedrohung geh&ouml;rt zum Alltag. Schwule leben in st&auml;ndiger Gefahr.&rdquo;<\/em><\/p><p>Es werden zwei einzelne YouTube-Videos gezeigt mit n&auml;chtlichen, gewaltt&auml;tigen &Uuml;bergriffen auf Homosexuelle. Schlimme Bilder, die sich aber ebenso in den USA gegen&uuml;ber Schwarzen wie auch bei uns gegen&uuml;ber Ausl&auml;ndern, sicher sogar gegen&uuml;ber Homosexuellen so finden lassen. Die Behauptung, dass dies zum Alltag geh&ouml;rt, wird weder belegt noch irgendwie sonst untermauert.<\/p><p><em>Die Rechte von Homosexuellen. Auch vor Gericht scheinen sie kaum noch zu existieren. Homosexuelle werden von B&uuml;rgergruppen gejagt und vom Staat verfolgt. Die homosexuelle Community ist unter Beschuss. Es ist wird immer schlimmer. Die Leute haben immer mehr Angst.<\/em><\/p><p>So, so &hellip; sie scheinen kaum noch zu existieren &hellip; Als Beweis wird ein Prozess gegen einen klerikalen Aktivisten gezeigt, der angeklagt wurde (immerhin), weil er einen LGBT-Aktivisten t&auml;tlich angegriffen hatte &hellip; es wird beklagt, dass er immer noch nicht verurteilt wurde. Gerade Time Warner m&uuml;sste doch wissen, wie viele US-B&uuml;rger nicht einmal angeklagt wurden, selbst als sie unbewaffnete schwarze Mitb&uuml;rger erschossen! Zahlen, Fakten werden auch hier nicht genannt, ebenso wenig wie bekannte F&auml;lle, in denen homophobe Gewalt in Russland mit z.T. langj&auml;hrigen Gef&auml;ngnisstrafen belegt wurde.<\/p><p><em>Der Teil des Gesetzes, der erlaubt, homosexuellen Eltern ihre Kinder wegzunehmen, w&uuml;rde sogar Hitler gl&uuml;cklich machen. Sie haben guten Grund, Angst vor den Beh&ouml;rden zu haben. <\/em><\/p><p>Das Gesetz, das alle Propaganda f&uuml;r &ldquo;nicht-traditionelle Lebensweisen&rdquo; in Russland mit Ordnungsstrafen untersagt, ist falsch und schlimm. Es gibt aber keine M&ouml;glichkeit, Eltern ihre Kinder wegzunehmen. Selbst der Film gesteht ein, dass das nur einige Radikale in der Duma fordern w&uuml;rden.<\/p><p><em>Wenn sie kommen, um meine Kinder zu holen, m&uuml;ssen sie mich erschie&szlig;en. Ich werde bis zum Schluss k&auml;mpfen.<\/em><\/p><p>Und so endet das Propaganda-Machwerk mit einer weinenden Umarmung zweier Frauen, die sich und ihre Kinder bis zum letzten Blutstropfen gegen den &ldquo;bewiesen&rdquo; grausamen russischen Staat wehren m&uuml;ssen &hellip; auf tats&auml;chliche F&auml;lle solchen Kindesentzuges bei homosexuellen Eltern wartet man vergeblich.<\/p><p><em>Die, die es sich leisten k&ouml;nnen, verlassen Russland schon jetzt.<\/em><\/p><p>Das h&auml;tte Time Warner sicher gerne. Mit unglaublichen L&uuml;gen und Verf&auml;lschungen arbeitet etwa der im deutschen &Ouml;R gezeigte Film &ldquo;Nackte Angst &ndash; Russische Jagd auf Homosexuelle&rdquo; sowie eine Vielzahl &auml;hnlicher Zeitungs- oder Online-&ldquo;Berichte&rdquo;.<\/p><p>Auch ich lehne die Gesetzes-Versch&auml;rfung ab. Aber ich lehne auch die westliche Hetz-Kampagne ab. Ich verb&uuml;nde mich in Russland mit Oppositionellen, um gegen den vielfachen <strong>Neo-Konservatismus<\/strong> vorzugehen, der besonders von Jelena Misulina vorangetrieben wird, dazu geh&ouml;ren, neben diesem Gesetz, Religion in den Staat aufzunehmen, Abtreibungsverbot, F&ouml;rderung der 3-Kinder-Ehe, Webseiten f&uuml;r Schimpfw&ouml;rter abzustrafen, u.v.m. Es ist ein schlimmer Versuch, eine neue russische Identit&auml;t zu schaffen, der einen starken psychologischen Druck erzeugt und Andersdenkende zu Illegalen macht. Das ist bigott und r&uuml;ckst&auml;ndig. Es geht aktuell auch gerade einher mit dem beherrschenden Patriotismus, der Kritiker versucht, als Verr&auml;ter abzustempeln.<\/p><p>Aber die arrogante, &uuml;berzogene und verfehlte westliche Hetze gegen Russland schadet den betroffenen Menschen und der Opposition. Wenn man berechtigte Kritik an dem Gesetz zu einer Hetze gegen die russische Gesellschaft und die Normen der Menschen aufbaut, treibt man sie nur hinter Putin und schlie&szlig;t ihre Reihen der Trutzburg. &ldquo;Der Westen will uns seine Normen aufzwingen.&rdquo; Die westliche Medien-Hetze &ndash; auch und gerade im Fall Pussy Riot &ndash; ist nicht an den Menschen Russlands interessiert. Sie soll Russland und die Menschen dort isolieren.<\/p><p>Der so breit gezeigte und gelobte Film ist tats&auml;chlich ersch&uuml;tternd &ndash; weil propagandistisch verlogen und hetzerisch. Wer Russland nicht kennt, mag sich aufhetzen lassen &hellip; er ist aber so wenig bei der Realit&auml;t, wie es Filme w&auml;ren, mit Titeln wie:<\/p><ul>\n<li>&ldquo;Nackte Angst &ndash; US-Amerikanische Jagd auf Schwarze&rdquo;<\/li>\n<li>&ldquo;Nackte Angst &ndash; Deutsche Jagd auf Fl&uuml;chtlinge&rdquo; <\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Michael Steinke<\/strong>&nbsp;ist Diplom-Kaufmann und arbeitet als Projektmanager (Kunst) im Internet. Er lebt seit 2012 zeitweise, seit 2016 &uuml;berwiegend in Russland.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der NachDenkSeiten-Leser <strong>Michael Steinke<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45005#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] hat die Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaft in Russland besucht und sich vier Wochen lang vor Ort einen eigenen Eindruck gemacht. F&uuml;r die NachDenkSeiten schildert er seine Erfahrungen und Gedanken nun in einer dreiteiligen Serie und stellt sie der negativen Medienkampagne gegen&uuml;ber, die seit Wochen auf Hochtouren l&auml;uft. Lesen Sie heute das ausf&uuml;hrliche<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45005\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,168,123,20,183,132],"tags":[1546,881,2408,964,1915,1545,916,840,441,834,2190,1256,1623,589,2407,963,1544,2301,1760,2402,2303,1571,1865,305,893,835,466,1283,1337,1806,2409,1415,1597,915,1539,259,776,2147,420,460,590,1338,687,291,1540],"class_list":["post-45005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-gleichstellung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-medienkritik","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-ard","tag-armut","tag-atai-golineh","tag-chodorkowski-michail","tag-doping","tag-dpa","tag-dugin-alexander","tag-focus","tag-freiheit","tag-fussball","tag-genderpolitik","tag-homosexualitaet","tag-huffington-post","tag-iwf","tag-jelzin-boris","tag-jukos","tag-kampagnenjournalismus","tag-konfrontationspolitik","tag-kriminalitaet","tag-lgbtq","tag-lielischkies-udo","tag-mafia","tag-meinungsfreiheit","tag-menschenrechte","tag-militarisierung","tag-nationalismus","tag-nato","tag-nawalny-alexej","tag-oligarchen","tag-patriotismus","tag-plutokratie","tag-pressefreiheit","tag-pussy-riot","tag-putin-wladimir","tag-rtl","tag-russland","tag-schockstrategie","tag-sowjetunion","tag-spiegel","tag-sz","tag-taz","tag-transatlantiker","tag-ungleichheit","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-zdf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45005"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45005\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45022,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45005\/revisions\/45022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}