{"id":45045,"date":"2018-07-19T13:37:13","date_gmt":"2018-07-19T11:37:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45045"},"modified":"2018-08-03T10:09:57","modified_gmt":"2018-08-03T08:09:57","slug":"gegen-trump-die-neue-universalformel-in-der-polit-pr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45045","title":{"rendered":"&#8220;Gegen Trump&#8221; &#8211; die neue Universalformel in der Polit-PR"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180719_trump_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>&ldquo;Gemeinsam gegen Trump&rdquo; &ndash; <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/japan-eu-freihandelsabkommen-103.html\">so betitelte<\/a> die Tagesschau am Dienstag die Verabschiedung des europ&auml;isch-japanischen Freihandelsabkommens JEFTA. &ldquo;Na, wenn dieses Abkommen gegen Trump ist, muss es ja gut sein&rdquo; &ndash; so die offenbar von der Politik gewollte Botschaft, die von unkritischen Medien willf&auml;hrig transportiert wird. Erst gestern &ldquo;eskalierte&rdquo; die EU-Kommission in den Schlagzeilen einmal mehr &ldquo;den Konflikt mit Trump&rdquo;, in dem sie den Technologiekonzern Google zu einem Rekordbu&szlig;geld verdonnerte. Der SPIEGEL meldete gar eine &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/google-bussgeld-eu-kommission-eskaliert-konflikt-mit-donald-trump-a-1219098.html\">4,3-Milliarden-Euro-Botschaft an Trump<\/a>&ldquo;  Was das Ganze mit &ldquo;Trump&rdquo; zu tun haben soll, ist und bleibt jedoch ungewiss. JEFTA und das Kartellverfahren gegen Google haben ihre Urspr&uuml;nge bereits in der Obama-&Auml;ra und mit Trump wirklich nichts zu tun. Und da wo die EU Trump mal die Stirn bieten k&ouml;nnte, knickt sie erb&auml;rmlich ein &ndash; wie bei den Milit&auml;rausgaben. Wahrscheinlich ist das Get&ouml;ne bei trumpfernen Entscheidungen genau deshalb so laut. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5845\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45045-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180719_Gegen_Trump_die_neue_PR_Universalformel_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180719_Gegen_Trump_die_neue_PR_Universalformel_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180719_Gegen_Trump_die_neue_PR_Universalformel_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180719_Gegen_Trump_die_neue_PR_Universalformel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45045-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180719_Gegen_Trump_die_neue_PR_Universalformel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180719_Gegen_Trump_die_neue_PR_Universalformel_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Seit 2013 sitzen Unterh&auml;ndler der EU und Japans zusammen, um ein gemeinsames Freihandelsabkommen zu verhandeln. Ende 2016, als in den USA gleichzeitig der Nachfolger von Obama gew&auml;hlt wurde, war man sich im Grunde einig. Die Wirtschaftslobbyisten beider Verhandlungspartner hatten das JEFTA-Abkommen ausformuliert, lediglich das Thema &ldquo;Investitionsschutzabkommen&rdquo; war immer noch strittig, wurde Ende 2016 aus dem Abkommen herausgel&ouml;st und wird nun parallel zu JEFTA verhandelt. Vor gut einem Jahr, am Vorabend des G-20-Gipfels in Hamburg, einigte man sich dann auch auf die finale Version von JEFTA und darauf, dass man das Abkommen im Sommer 2018 unterzeichnen k&ouml;nne, so dass es Anfang 2019 in Kraft tritt. Das ist jetzt passiert. Mit irgendwelchen Unstimmigkeiten mit Trump hat das alles &uuml;berhaupt nichts zu tun. Selbst mit sehr viel M&uuml;he ist kein Trump-Bezug zu erkennen. Warum wird das Abkommen dann jetzt als &ldquo;Anti-Trump-Ma&szlig;nahme&rdquo; verkauft?<\/p><p>Die Antwort d&uuml;rfte recht einfach sein. Anti-Trump ist im Trend. Die Anti-Trump-Hysterie in den Medien muss keinen Superlativ mehr scheuen und Oma Erna und Opa Heinz verbinden mit dem &ldquo;b&ouml;sen orangefarbenen dicken Mann aus Amerika&rdquo; so ziemlich alles Negative, das man sich vorstellen kann. Ein Abkommen, das &ldquo;gegen Trump&rdquo; ist, muss dann nat&uuml;rlich ein gutes Abkommen sein. Doch JEFTA ist nicht gegen Trump und schon gar nicht gut. Die zahlreichen Nachteile, die NGOs wie LobbyControl und Greenpeace in einer <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/wp-content\/uploads\/JEFTA_Analye.pdf\">kompakten Brosch&uuml;re<\/a> zusammengestellt haben, sprechen eine klare Sprache. JEFTA ist ein Abkommen f&uuml;r Konzerne, f&uuml;r Lobbyisten, f&uuml;r das Finanzkapital und gegen die Mitarbeiter, gegen Transparenz und Mitbestimmung und gegen die Interessen der Allgemeinheit. Oma Erna und Opa Heinz m&uuml;ssten JEFTA also eigentlich ablehnen. Da kommt der PR-Schachzug, JEFTA als Anti-Trump-Ma&szlig;nahme zu verkaufen nat&uuml;rlich wie gerufen. Und anstatt &uuml;ber diese PR-Strategie aufzukl&auml;ren, nutzen Medien wie die Tagesschau sie sogar selbst.<\/p><p>Ein wenig komplizierter verh&auml;lt es sich da schon mit der Kartellstrafe gegen Google. Auch die hat zwar mit Trump &uuml;berhaupt nichts zu tun, ist aber auch nicht erkennbar gegen die Interessen der &Ouml;ffentlichkeit. Kurz zusammengefasst geht es um Googles Gesch&auml;ftspraxis, Handyhersteller, die Googles Betriebssystem Android nutzen, zu zwingen, verschiedene Apps von Google gleich mit zu installieren. Google verschenkt sein Betriebssystem und verdient Geld mit den Daten, die Android und die hauseigenen Apps sammeln. Dieses Gesch&auml;ftsmodell benachteiligt jedoch andere App-Anbieter, die auch gerne Daten sammeln w&uuml;rden, und verst&ouml;&szlig;t damit gegen EU-Recht. Die Strafe ist somit &ndash; auch in ihrer H&ouml;he &ndash; durchaus angemessen. Doch was hat sie Trump zu tun? Nichts.<\/p><p>Die EU-Verfahren gegen Google laufen seit 2010, das Teilverfahren wegen Andorid seit 2015 &ndash; es wurde also in der Obama-&Auml;ra aufgenommen. Vergleichbare Strafen gegen US-Firmen wie Mircosoft, Intel oder Google gibt es alle paar Jahre. Die allermeisten Kartellstrafen betreffen jedoch die traditionelle Industrie und die Banken; zudem stammt ein Gro&szlig;teil der bestraften Unternehmen aus der EU &ndash; vor dem gestrigen Google-Urteil bildete das &ldquo;LKW-Kartell&rdquo;, bestehend aus Daimler, Scania, DAF, Renault\/Volvo, Iveco und MAN den obersten Platz in der Strafgeld-Hitparade. Die genannten Konzerne wurden zu 3,8 Mrd. Euro Strafe verurteilt. Eine politische Ausrichtung ist hier jedoch noch nicht einmal mit viel Phantasie zu erkennen.<\/p><p>Das sieht auch jenseits des Atlantiks nicht anders aus. Die 4,3 Mrd. US$, die VW in den USA wegen der manipulierten Dieselabgas-Software zahlen musste, waren sicher keine &ldquo;Anti-Merkel-Ma&szlig;nahme&rdquo;. Und auch die bislang h&ouml;chste jemals verh&auml;ngte Einzelstrafe war eher unpolitisch. Oder vertritt irgendwer ernsthaft die Position, dass die 18,7 Mrd. US$, die BP 2015 f&uuml;r die Folgen der &Ouml;lpest im Golf von Mexiko zahlen musste, eine &ldquo;Anti-May-Ma&szlig;nahme&rdquo; waren? Warum sollten die 4,3 Mrd. Euro, die Google nun wohl zahlen muss, dann eine &ldquo;Anti-Trump-Ma&szlig;nahme&rdquo; sein? Die Konzerne haben gegen die Gesetze versto&szlig;en und werden daf&uuml;r zur Kasse gebeten. Ganz oben dabei im Schurken-Rating ist &uuml;brigens die Deutsche Bank, die seit Beginn der Finanzkrise in 13 F&auml;llen auf bislang rund 11,75 Mrd. US$ Strafgelder verurteilt wurde. Der unangefochtene Oberschurke ist und bleibt jedoch die Bank of America, die in 28 F&auml;llen zu bislang 56,25 Mrd. US$ verurteilt wurde &ndash; gefolgt von JPMorgan Chase (28,35 Mrd. US$) und Citigroup (15,43 Mrd. US$). <\/p><p>Man kann sich nun vortrefflich dar&uuml;ber streiten, ob diese Strafen angemessen, zu niedrig oder zu hoch sind. Pers&ouml;nlich w&uuml;rde ich bei derart uneinsichtigen Wiederholungst&auml;tern wie den Banken sogar eine Zerschlagung oder Liquidation f&uuml;r angemessener halten. Aber die Interpretation, diese oder jene Strafe sei eine &ldquo;Ma&szlig;nahme&rdquo; gegen den Regierungschef des Landes, in dem das straff&auml;llige Unternehmen seinen Sitz hat, erscheint dann doch absurd. Hier scheint vielmehr die Phantasie mit den Journalisten durchzugehen. Wer einen Hammer in der Hand hat, sieht &uuml;berall nur N&auml;gel. Und wer den ganzen Tag nur &uuml;ber Trump schreibt, sieht offenbar &uuml;berall einen &ldquo;Trump-Bezug&rdquo;; ob es den nun gibt oder nicht. Geschenkt.<\/p><p>Viel erstaunlicher ist da schon, dass ausgerechnet bei den politischen Themen, bei denen es tats&auml;chlich einen klaren Trump- oder besser USA-Bezug gibt, Politik und Medien auf Tauchstation gehen. Wenn &ldquo;Europa&rdquo; oder &ldquo;die EU&rdquo; oder von mir aus &ldquo;Merkel&rdquo; denn so tapfer &ldquo;gegen Trump&rdquo; vorgehen, warum tut man dann denn nichts auf dem Gebiet der R&uuml;stungs-, Sicherheits- und Au&szlig;enpolitik? Warum sagt man nicht klipp und klar, die USA k&ouml;nnen sich ihre &ldquo;2%-Forderung&rdquo; f&uuml;r R&uuml;stungsausgaben abschminken und ihre Kriege k&uuml;nftig alleine f&uuml;hren? Das w&uuml;rde auch von Trump als &ldquo;Anti-Trump&rdquo; wahrgenommen. Und wenn man den &ldquo;b&ouml;sen orangefarbenen dicken Mann aus Amerika&rdquo; so richtig die Stirn bieten will &ndash; warum bringt man dann nicht endlich einmal die Schlie&szlig;ung amerikanischer Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte ins Spiel?&nbsp;<\/p><p>So sehr &ldquo;gegen Trump&rdquo; ist man dann offenbar doch nicht. Im Gegenteil. Das Label &ldquo;Gegen Trump&rdquo; scheint man sehr selektiv immer dann herauszuholen, wenn es darum geht, nicht eben popul&auml;re Ma&szlig;nahmen zu verkaufen. Warten wir also ab, bis die Rente mit 69 als Ma&szlig;nahme gegen Trump verkauft wird und der Spitzensteuersatz wegen Trump abgesenkt werden muss. Sp&auml;testens wenn der Dorfb&uuml;rgermeister die Schlie&szlig;ung der letzten Kita als heroischen Akt der Lokalpolitik gegen Trump verkauft, sollten jedoch auch Oma Erna und Opa Heinz skeptisch werden.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/e34c5be774cd4c4cb1440b4529a722ea\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180719_trump_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>&ldquo;Gemeinsam gegen Trump&rdquo; &ndash; <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/japan-eu-freihandelsabkommen-103.html\">so betitelte<\/a> die Tagesschau am Dienstag die Verabschiedung des europ&auml;isch-japanischen Freihandelsabkommens JEFTA. &ldquo;Na, wenn dieses Abkommen gegen Trump ist, muss es ja gut sein&rdquo; &ndash; so die offenbar von der Politik gewollte Botschaft, die von unkritischen Medien willf&auml;hrig transportiert<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45045\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,37,183,85,11],"tags":[2411,266,615,895,1490,1497,2173,1563,2069,1367,420,451,1800,1371],"class_list":["post-45045","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-globalisierung","category-medienkritik","category-pr","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bussgeld","tag-deutsche-bank","tag-eu-kommission","tag-freihandel","tag-google","tag-japan","tag-jefta","tag-kartell","tag-militaerstuetzpunkte","tag-ruestungsausgaben","tag-spiegel","tag-tagesschau","tag-trump-donald","tag-volkswagen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45045"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45047,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45045\/revisions\/45047"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}