{"id":45125,"date":"2018-07-24T12:30:08","date_gmt":"2018-07-24T10:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45125"},"modified":"2022-09-03T13:08:01","modified_gmt":"2022-09-03T11:08:01","slug":"1989-ff-den-polen-hat-der-westen-geholfen-russland-sollte-zerstoert-werden-mit-den-kriegstreibenden-folgen-sind-wir-jetzt-konfrontiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45125","title":{"rendered":"1989 ff.: Den Polen hat der Westen geholfen, Russland sollte zerst\u00f6rt werden. Mit den kriegstreibenden Folgen sind wir jetzt konfrontiert."},"content":{"rendered":"<p>Das ist der Kern eines BBC-Beitrages von Jeffrey Sachs. Er stammt aus dem Jahr 2014 und ist trotzdem hochaktuell. Der amerikanische &Ouml;konom Sachs war 1989 und in den Folgejahren als Berater f&uuml;r Polen und Russland &ndash; namentlich Gorbatschow und Jelzin &ndash; t&auml;tig. Diesen BBC-Beitrag nachzulesen, lohnt sich auch heute noch, auch wenn man nicht mit allem einverstanden ist, was Jeffrey Sachs sagt und beraten und getan hat. Das am 16.12.2014 erschienene Interview <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/magazine-30483873\">findet sich hier<\/a>. <strong>Josefa Zimmermann<\/strong> hat es f&uuml;r die NachDenkSeiten &uuml;bersetzt. Herzlichen Dank daf&uuml;r. Aus meiner Sicht besonders wichtige Passagen sind gefettet. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4326\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45125-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180724_Polen_hat_der_Westen_geholfen_Russland_sollte_zerstoert_werden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180724_Polen_hat_der_Westen_geholfen_Russland_sollte_zerstoert_werden_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180724_Polen_hat_der_Westen_geholfen_Russland_sollte_zerstoert_werden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180724_Polen_hat_der_Westen_geholfen_Russland_sollte_zerstoert_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45125-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180724_Polen_hat_der_Westen_geholfen_Russland_sollte_zerstoert_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180724_Polen_hat_der_Westen_geholfen_Russland_sollte_zerstoert_werden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Standpunkt: Warum das Weltgeschehen vom Ersten Weltkrieg und den Ereignissen von 1989 &uuml;berschattet ist<\/strong><\/p><p>Viele der heutigen globalen Probleme sind die Folgen schlechter und kleinlicher Entscheidungen, die am Ende fr&uuml;herer Konflikte getroffen wurden, schreibt <strong>Jeffrey Sachs<\/strong>.<\/p><p>Dies war ein Jahr gro&szlig;er weltpolitischer Jubil&auml;en. Der Beginn des Ersten Weltkriegs j&auml;hrt sich zum hundertsten Mal, ein Ereignis, das mehr als jedes andere die Weltgeschichte des letzten Jahrhunderts bestimmte. Wir feiern den 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer, der das Ende des Sowjetimperiums und des Kalten Krieges eingeleitet hat. Doch dabei nehmen wir etwas wahr, das weit mehr ist als nur eine schmerzliche Erinnerung. <\/p><p>Wie William Faulkner bemerkte, ist die Vergangenheit niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen. Der erste Weltkrieg und der Fall der Mauer pr&auml;gen bis heute unsere Realit&auml;t. Die Kriege in Syrien und im Irak sind das Erbe des Ersten Weltkriegs und die dramatischen Ereignisse in der Ukraine finden im Schatten von 1989 statt.<\/p><p>1914 und 1989 sind Schl&uuml;sselmomente, entscheidende Wendepunkte der Geschichte, auf denen die nachfolgenden Ereignisse aufbauen. Wie sich gro&szlig;e und kleine Nationen in solchen Schl&uuml;sselmomenten verhalten, ist ma&szlig;gebend f&uuml;r die k&uuml;nftige Entwicklung von Krieg und Frieden.<\/p><p><strong>Ich war direkt und pers&ouml;nlich bei den Ereignissen von 1989 anwesend und habe die Entwicklungen beobachtet &ndash; eine positive im Fall Polen und eine negative im Fall Russland. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich w&auml;hrend meiner T&auml;tigkeit als Wirtschaftsberater in den Jahren 1989-92 immer mit Sorge das Jahr 1914 im Blick hatte. Diese Sorge habe ich auch heute.<\/strong><\/p><p>Im Jahr 1919, am Ende des Ersten Weltkriegs, lehrte uns der gro&szlig;e britische &Ouml;konom John Maynard Keynes unsch&auml;tzbare und bleibende Lektionen &uuml;ber solche Wendepunkte, &uuml;ber den Einfluss von Entscheidungen der Siegerm&auml;chte auf die Wirtschaft der Besiegten und den Einfluss von Fehlentscheidungen der M&auml;chtigen auf den Verlauf zuk&uuml;nftiger Kriege.<\/p><p>Mit verbl&uuml;ffenden Einsichten, mit Vorausschau und literarischem Gesp&uuml;r prophezeite Keynes 1919 in seinem Buch &bdquo;Krieg und Frieden. Die wirtschaftlichen Folgen des Vertrages von Versailles&ldquo;, dass der Zynismus und die Kurzsichtigkeit, die dem Versailler Vertrag zugrunde lagen, insbesondere die Verh&auml;ngung von Reparationszahlungen gegen Deutschland und die nicht vorhandenen L&ouml;sungsans&auml;tze f&uuml;r die herannahende Finanzkrise der Schuldnerl&auml;nder, die europ&auml;ischen Volkswirtschaften zu einer anhaltenden Krise verurteilten und in der kommenden Generation tats&auml;chlich den Aufstieg eines weiteren rachs&uuml;chtigen Tyrannen einleiteten.<\/p><p>Keynes&rsquo; Aufschrei ist einer jener bemerkenswerten Geniestreiche, die &uuml;ber Generationen wirken. Dieses Buch und seine Lektionen erwiesen sich als wegweisend f&uuml;r meine eigene Karriere als politischer Berater und Analyst.<\/p><p>Als frischgebackener Wirtschaftswissenschaftler fand ich mich vor 30 Jahren pl&ouml;tzlich vor der Aufgabe, dem kleinen, abgeh&auml;ngten Land Bolivien bei der Suche nach einem Ausweg aus einer wirtschaftlichen Katastrophe zu helfen. Keynes&rsquo; Schriften halfen mir zu verstehen, dass Boliviens finanzielle Krise in sozialen und politischen Zusammenh&auml;ngen gesehen werden musste und dass Boliviens Gl&auml;ubiger, die USA, sich nicht aus der Verantwortung stehlen durften.<\/p><p>Meine Erfahrungen in Bolivien 1985-86 f&uuml;hrten im Fr&uuml;hjahr 1989 zu einer zweifachen  Einladung nach Polen durch die letzte kommunistische Regierung und durch die Gewerkschaftsbewegung Solidarno&#347;&#263;, die ihr entschiedener Gegner war. Polen war wie Bolivien finanziell bankrott. Und Europa war 1989 wie 1919 an einem Wendepunkt seiner Geschichte.<\/p><p>Michael Gorbatschow war an der Macht in der Sowjetunion und er wollte Europa in Frieden und Demokratie vereint sehen. Es war der Wunsch dieses gro&szlig;en Mannes, sein eigenes Land in &auml;hnlicher Weise zu einer neuen demokratischen Ordnung zu f&uuml;hren. In diesem bedeutsamen Jahr war Polen das erste Land in diesem Teil der Welt, das sich in Richtung Demokratie bewegte. Innerhalb kurzer Zeit wurde ich der erste ausl&auml;ndische Wirtschaftsberater der neuen polnischen Regierung. Ausgehend von Keynes setzte ich mich wieder f&uuml;r die Art von internationaler Hilfe ein, die ich f&uuml;r notwendig hielt, damit Polen den friedlichen und erfolgreichen &Uuml;bergang zu einem postkommunistischen demokratischen System schafft.<\/p><p><strong>Ich appellierte insbesondere an das Wei&szlig;e Haus, an Downing Street Nr. 10, den Elysee-Palast und das deutsche Kanzleramt und forderte unvoreingenommene Hilfe f&uuml;r Polen<\/strong> als wichtigen Schritt zum Aufbau eines neuen vereinten und demokratischen Europa.<\/p><p>F&uuml;r mich als Wirtschaftsberater waren es berauschende Tage. Manchmal schien es, als sei mein Wunsch dem Wei&szlig;en Haus Befehl. <strong>An einem Morgen im September 1989 wandte ich mich an die US-Regierung wegen einer Milliarde Dollar f&uuml;r die Stabilisierung der polnischen W&auml;hrung. Am Abend best&auml;tigte das Wei&szlig;e Haus das Geld. Kein Scherz, eine achtst&uuml;ndige Bearbeitungszeit von der Anfrage bis zum Ergebnis.<\/strong> Um das Wei&szlig;e Haus von einer drastischen Schuldenstreichung f&uuml;r Polen zu &uuml;berzeugen, brauchte ich etwas l&auml;nger, wobei die Verhandlungen auf hoher Ebene etwa ein Jahr dauerten, aber auch dies erwies sich als erfolgreich.<\/p><p>Der Rest ist Geschichte, wie man sagt. Polen f&uuml;hrte sehr tiefgehende Reformen durch, die teilweise auf Empfehlungen basierten, die ich mit ausgearbeitet hatte. <strong>Die USA und Europa unterst&uuml;tzten diese Ma&szlig;nahmen mit rechtzeitiger und gro&szlig;z&uuml;giger Hilfe. Polens Wirtschaft begann sich zu erneuern und zu wachsen und 15 Jahre sp&auml;ter wurde das Land ein vollwertiges Mitglied der Europ&auml;ischen Union.<\/strong><\/p><p><strong>Ich w&uuml;nschte, ich k&ouml;nnte an dieser Stelle mit meiner Geschichte vom Ende des Kalten Krieges aufh&ouml;ren und in gl&uuml;cklichen Erinnerungen schwelgen. Aber leider handelt sie nicht nur von den Erfolgen des Westens, zum Beispiel in Polen, sondern auch von einem gro&szlig;en Scheitern in Russland. W&auml;hrend die USA und Europa gegen&uuml;ber Polen gro&szlig;z&uuml;gig und planvoll agierten, war die Handlungsweise gegen&uuml;ber dem postsowjetischen Russland eher mit den schrecklichen Fehlern von Versailles vergleichbar. Und wir tragen die Konsequenzen bis heute.<\/strong><\/p><p>In den Jahren 1990 und 1991 bat mich die Regierung Gorbatschow angesichts der sich in Polen abzeichnenden positiven Ergebnisse um Beratung bei den Wirtschaftsreformen. <strong>Russland stand damals vor der gleichen finanziellen Katastrophe wie Bolivien Mitte der 1980-er Jahre und Polen 1989.<\/strong><\/p><p><strong>Im Fr&uuml;hjahr 1991 arbeitete ich mit Kollegen von Harvard und MIT zusammen, um Gorbatschow dabei zu helfen, vom Westen finanzielle Unterst&uuml;tzung zu erhalten als Teil seiner Bem&uuml;hungen um politische und wirtschaftliche Reformen. Doch unsere Bem&uuml;hungen waren ohne Erfolg &ndash; in Wirklichkeit sind sie vollkommen gescheitert.<\/strong><\/p><p><strong>Gorbatschow verlie&szlig; im Sommer 1991 den G7-Gipfel und kehrte mit leeren H&auml;nden nach Moskau zur&uuml;ck. Als er ohne Erfolg nach Moskau kam, versuchte man ihn durch eine Verschw&ouml;rung, den ber&uuml;chtigten August-Putsch, zu st&uuml;rzen, wovon er sich politisch nie wieder erholte.<\/strong> Nach dem Aufstieg Boris Jelzins und der anstehenden Aufl&ouml;sung der Sowjetunion bat mich Jelzins Wirtschaftsteam erneut um Hilfe, sowohl bei den technischen Herausforderungen der Stabilisierung als auch bei dem Bem&uuml;hen, von den USA und Europa die lebenswichtige finanzielle Unterst&uuml;tzung zu bekommen.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Ich k&uuml;ndigte Pr&auml;sident Jelzin und seinem Team baldige Hilfe an. Die Notfallhilfe f&uuml;r Polen wurde schlie&szlig;lich auch innerhalb von Stunden oder Wochen arrangiert. Sicher w&uuml;rde das Gleiche auch f&uuml;r das neue unabh&auml;ngige und demokratische Russland geschehen. Aber ich beobachtete mit Erstaunen und wachsendem Entsetzen, dass die ben&ouml;tigte Hilfe ausblieb.<\/strong><\/p><p><strong>Wo Polen Schuldenerleichterungen gew&auml;hrt wurden, sah sich Russland stattdessen harten Forderungen durch die USA und Europa ausgesetzt, seine Schulden vollst&auml;ndig zu begleichen. Wo Polen schnelle und gro&szlig;z&uuml;gige finanzielle Hilfe erhielt, gab es f&uuml;r Russland nur Kontrolleure des IWF, aber kein Geld. Ich bat die USA inst&auml;ndig, mehr zu tun. Ich wies auf die Erfolge in Polen hin, alles ohne Erfolg. Die US-Regierung bewegte sich nicht.<\/strong><\/p><p>Am Ende machte die schwere Finanzkrise in Russland alle Bem&uuml;hungen um Reformen und Normalit&auml;t zunichte. Die Reformregierung von Jegor Gaidar fiel in Ungnade und verlor die Macht. Nach zwei harten Jahren, in denen ich zu helfen versuchte, aber nichts erreichte, gab ich schlie&szlig;lich auf. Ein paar Jahre sp&auml;ter trat Wladimir Putin an Jelzins Stelle.<\/p><p><strong>W&auml;hrend dieses Debakels schoben US-Experten die Schuld auf die Reformer statt auf die Unt&auml;tigkeit der USA und Europas. Geschichte wird von den Siegern geschrieben, so sagt man. Und die USA f&uuml;hlten sich als der m&auml;chtige Sieger des Kalten Krieges. Sie sahen sich in keiner Weise verantwortlich f&uuml;r die Entwicklung Russlands nach 1991 und so ist es noch heute.<\/strong><\/p><p><strong>Ich brauchte 20 Jahre, um genau zu verstehen, was 1991 geschehen war. Warum hatten die USA, die sich gegen&uuml;ber Polen so klug und vorausschauend verhalten hatten, im Falle Russlands so grausam und voller Missachtung gehandelt? Schritt f&uuml;r Schritt und mit einer Erinnerung nach der anderen kam Licht ins Dunkel der Geschichte. Der Westen hatte Polen finanziell und diplomatisch geholfen, weil Polen zur Ostgrenze der expandierenden Nato werden sollte. Polen geh&ouml;rte zum Westen und verdiente daher Hilfe. Im Gegensatz dazu betrachteten die US-F&uuml;hrer Russland in &auml;hnlicher Weise wie Lloyd George und Clemenceau Deutschland in Versailles &ndash; als besiegten Feind, der zerst&ouml;rt werden sollte, anstatt ihm zu helfen.<\/strong><\/p><p>Ein k&uuml;rzlich erschienenes Buch des ehemaligen Nato-Kommandeurs General Wesley Clark berichtet von einer Unterhaltung, die er 1991 mit Paul Wolfowitz f&uuml;hrte, der damals Milit&auml;rstratege im Pentagon war. Wolfowitz erz&auml;hlte Clark, die USA h&auml;tten erkannt, dass sie jetzt im Nahen Osten und angeblich auch in anderen Regionen ungestraft agieren k&ouml;nnten, ohne dass russische Einmischung droht.<\/p><p><strong>Kurz gesagt, die USA spielten sich als Sieger und Tyrann auf, der die Fr&uuml;chte des Kalten Krieges notfalls durch Kriege ihrer Wahl einforderte. Die USA sind die M&auml;chtigen und Russland ist nicht in der Lage, ihnen Einhalt zu gebieten.<\/strong><\/p><p>In einer k&uuml;rzlich in Moskau gehaltenen Rede beschrieb Putin das Verhalten der USA fast mit den gleichen Worten wie Wolfowitz. &ldquo;Der Kalte Krieg endete&rdquo;, sagte Putin, &ldquo;aber er endete nicht mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit klaren und transparenten Vereinbarungen &uuml;ber die Einhaltung bestehender Regeln oder mit der Schaffung neuer Regeln und Standards. Dadurch entstand der Eindruck, dass die sogenannten &bdquo;Sieger&rdquo; des Kalten Krieg beschlossen hatten, Ereignisse mit Gewalt herbeizuf&uuml;hren und die Welt so umzugestalten, wie es ihren eigenen Bed&uuml;rfnissen und Interessen entspricht.&rdquo;<\/p><p>Damit m&ouml;chte ich Putin nicht von der Verantwortung f&uuml;r die j&uuml;ngsten illegalen, zynischen und gef&auml;hrlichen Gewaltakte in der Ukraine freisprechen. Aber ich m&ouml;chte helfen, sie zu erkl&auml;ren. Das Jahr 1989 wirft lange Schatten. <strong>Und der st&auml;ndige, k&uuml;rzlich erneut zum Ausdruck gebrachte Wunsch der Nato, die Ukraine in ihre Reihen aufzunehmen und damit bis zur russischen Grenze vorzudringen, muss als zutiefst unklug und provozierend angesehen werden.<\/strong><\/p><p><strong>1914 &ndash; 1989 &ndash; 2014, das ist unsere Geschichte. In der Ukraine stehen wir einem Russland gegen&uuml;ber, das seit 1991 verbittert ist &uuml;ber die Nato-Osterweiterung und die Feindseligkeiten der USA. Im Nahen Osten stehen wir vor den Tr&uuml;mmern des im Ersten Weltkrieg zerst&ouml;rten Osmanischen Reiches, das durch die zynische europ&auml;ische Kolonialherrschaft und den US-Imperialismus ersetzt wurde.<\/strong><\/p><p>Das Wichtigste ist, dass wir Entscheidungen f&uuml;r unsere Zeit treffen m&uuml;ssen. Werden wir unsere Macht in zynischer Weise f&uuml;r den Ausbau der Herrschaft einsetzen, weil wir glauben, dass wir durch die Reichweite der Nato mit Territorium, &Ouml;lreserven und anderer Beute belohnt werden? Oder werden wir verantwortungsvoll handeln, weil wir wissen, dass Gro&szlig;z&uuml;gigkeit und Hilfsbereitschaft die Grundlage sind f&uuml;r Vertrauen, Wohlstand und Frieden? Jede Generation muss diese Wahl neu treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist der Kern eines BBC-Beitrages von Jeffrey Sachs. Er stammt aus dem Jahr 2014 und ist trotzdem hochaktuell. Der amerikanische &Ouml;konom Sachs war 1989 und in den Folgejahren als Berater f&uuml;r Polen und Russland &ndash; namentlich Gorbatschow und Jelzin &ndash; t&auml;tig. Diesen BBC-Beitrag nachzulesen, lohnt sich auch heute noch, auch wenn man nicht mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45125\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,169,107,30],"tags":[2102,1644,2407,477,1878,466,799,663,312,1366,259,2147,953,325,260,1556,966,476,2085],"class_list":["post-45125","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-geostrategie","tag-gorbatschow-michail","tag-jelzin-boris","tag-keynesianismus","tag-naher-osten","tag-nato","tag-polen","tag-putsch","tag-reformpolitik","tag-reparationen","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-staatsbankrott","tag-staatsschulden","tag-ukraine","tag-usa","tag-weltkrieg","tag-weltwirtschaftskrise","tag-wolfowitz-paul"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45125"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45125\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87621,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45125\/revisions\/87621"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}