{"id":45137,"date":"2018-07-25T08:49:27","date_gmt":"2018-07-25T06:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45137"},"modified":"2026-01-27T11:59:37","modified_gmt":"2026-01-27T10:59:37","slug":"parteienfinanzierung-sobald-sich-soziale-ungleichheit-in-politische-ungleichheit-uebersetzt-ist-die-demokratie-in-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45137","title":{"rendered":"Parteienfinanzierung: \u201eSobald sich soziale Ungleichheit in politische Ungleichheit \u00fcbersetzt, ist die Demokratie in Gefahr\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180725_sawatzki.jpg\" alt=\"Annette Sawatzki\" title=\"Annette Sawatzki\"><\/div><p>Im Windschatten der WM haben CDU\/CSU und die SPD das Parteiengesetz ge&auml;ndert &ndash; im Eilverfahren. Grund: Die Gro&szlig;e Koalition m&ouml;chte die staatliche Parteienfinanzierung um 25 Millionen Euro erh&ouml;hen. Linke, Gr&uuml;ne und FDP rufen nun das Bundesverfassungsgericht an, um den Beschluss von den Karlsruher Richtern &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen. <strong>Annette Sawatzki<\/strong> von LobbyControl spricht von einem &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/2018\/06\/parteienfinanzierung-foul-an-der-demokratie\/\">Foul an der Demokratie<\/a>&ldquo;. Im NachDenkSeiten-Interview erkl&auml;rt Sawatzki, was es mit dem &bdquo;Foul&ldquo; auf sich hat und verweist zugleich auf die Gefahren f&uuml;r die Demokratie, die sich durch die private Parteienfinanzierung ergeben. Ein Interview von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4288\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45137-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180725_Soziale_Ungleichheit_und_politische_Ungleichheit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180725_Soziale_Ungleichheit_und_politische_Ungleichheit_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180725_Soziale_Ungleichheit_und_politische_Ungleichheit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180725_Soziale_Ungleichheit_und_politische_Ungleichheit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45137-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180725_Soziale_Ungleichheit_und_politische_Ungleichheit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180725_Soziale_Ungleichheit_und_politische_Ungleichheit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Union und SPD haben gerade ein &bdquo;Foul an der Demokratie&rdquo; begangen &ndash; sagt LobbyControl. Worum geht es?<\/strong><\/p><p>Die Gro&szlig;e Koalition hat zum WM-Auftakt im Eilverfahren das Parteiengesetz ge&auml;ndert. Dabei hat sie keine der seit langem bekannten Schwachstellen des Gesetzes reformiert, sondern die staatliche Parteienfinanzierung um 25 Millionen Euro j&auml;hrlich erh&ouml;ht. Im Prinzip ist eine solche Erh&ouml;hung nichts Verwerfliches: Die staatliche Finanzierung bemisst sich in erster Linie nach den Wahlergebnissen. Sie zu erh&ouml;hen kann helfen, Parteien unabh&auml;ngiger vom Einfluss privater Gro&szlig;spender und Sponsoren zu machen. <\/p><p><strong>Aber? <\/strong><\/p><p>Wenn man diesen Schritt macht, ist es zugleich notwendig, die privaten Geldquellen der Parteien sch&auml;rfer zu regulieren und transparenter zu machen. Das hat die Koalition jedoch nicht getan. <\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich, dass der Bundestag so schnell das Gesetz beschlossen hat? <\/strong><\/p><p>Die Regierungsfraktionen haben das Gesetz in einem Hauruck-Verfahren gegen den Widerstand der Opposition durchgedr&uuml;ckt. Dabei haben Union und SPD zwar die formalen Regeln beachtet, aber ungeschriebene Regeln nicht eingehalten, die zum guten demokratischen Umgang geh&ouml;ren und im Bundestag seit Jahrzehnten Usus waren. So wird &uuml;blicherweise bei Reformen des Parteiengesetzes zun&auml;chst ein fraktions&uuml;bergreifender Konsens hergestellt. Denn wenn die Gesch&auml;ftsgrundlage aller Parteien in einem Alleingang der Regierungsfraktionen ver&auml;ndert wird, bek&auml;me die Sache schnell ein Geschm&auml;ckle. Doch diesmal hat die Koalition die Opposition einfach &uuml;berrumpelt. Auch der Widerstand der Opposition und die teils sehr drastische inhaltliche Kritik der Sachverst&auml;ndigen haben die Koalition jedoch nicht dazu gebracht, ihren Plan zu korrigieren.  <\/p><p>Zudem hat Schwarz-Rot die Expertenanh&ouml;rung im Innenausschuss so kurzfristig angesetzt, dass nur drei der sieben Sachverst&auml;ndigen es schafften, schriftliche Stellungnahmen einzureichen &ndash; und das auch erst 30 Minuten vor Sitzungsbeginn. Eine fundierte inhaltliche Auseinandersetzung ist in einem solchen Tempo kaum m&ouml;glich, und mehrere Gutachter haben aus ihrem Unmut dar&uuml;ber auch kein Hehl gemacht.<\/p><p><strong>Was ist denn die Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Erh&ouml;hung der Parteienfinanzierung?<\/strong><\/p><p>Schwarz-Rot nennt drei Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass die Parteien angeblich mehr Geld brauchen: Die Digitalisierung, mehr innerparteiliche Demokratie und angeblich gestiegene Transparenz- und Rechenschaftsanforderungen. <\/p><p><strong>Wie glaubw&uuml;rdig ist diese Begr&uuml;ndung?<\/strong><\/p><p>Schon aufgrund ihrer K&uuml;rze ist sie nicht &uuml;berzeugend. Union und SPD haben nicht einmal grobe Kostensch&auml;tzungen vorgelegt, anhand derer irgendwie nachvollziehbar w&auml;re, warum sie ausgerechnet 25 Millionen j&auml;hrlich fordern. Warum nicht zehn oder 50 Millionen? Zudem kann bezweifelt werden, dass die genannten Faktoren zwangsl&auml;ufig kostentreibend wirken. Nat&uuml;rlich kostet beispielsweise der professionelle Betrieb von Social-Media-Kan&auml;len Geld, doch zugleich sind durch Digitalisierung in vielerlei Hinsicht Einsparungen m&ouml;glich. Deshalb konnten die Piraten als Partei der Digitalisierung mit sehr wenig Geld die innerparteiliche Demokratie viel weitertreiben als alle anderen Parteien. Die GroKo h&auml;tte zumindest ansatzweise zeigen m&uuml;ssen, inwieweit und warum ein Mehr an Digital und Demokratie angeblich so teuer ist. Doch das hat sie nicht getan. <\/p><p>Stattdessen hat sie die ziemlich freche Behauptung aufgestellt, zu den kostentreibenden Faktoren geh&ouml;rten gestiegene Transparenz- und Rechenschaftsanforderungen. Dabei gibt es die gar nicht &ndash; denn insbesondere die Union sperrt sich seit Jahren gegen mehr Transparenz und gegen schnellere, umfassendere Rechenschaftslegung. Die SPD fordert solche Ma&szlig;nahmen zwar auf dem Papier, hat sie, wenn es ernst wurde, aber immer wieder preisgegeben. <\/p><p><strong>Linke, Gr&uuml;ne und FDP gehen nun gegen den Beschluss vor. Was beabsichtigen die Parteien? Und: Halten Sie den Weg f&uuml;r erfolgsversprechend?<\/strong><\/p><p>Die drei Fraktionen rufen gemeinsam das Bundesverfassungsgericht an, das Gesetz zu &uuml;berpr&uuml;fen. F&uuml;r eine solche Normenkontrollklage braucht es ein Viertel der Bundestagsabgeordneten. Ich m&ouml;chte keine Wette abschlie&szlig;en, wie Karlsruhe urteilen wird &ndash; aber ich bin positiv &uuml;berrascht, dass es Gr&uuml;nen und Linken gelungen ist, die f&uuml;r das Quorum notwendige FDP mit ins Boot zu holen. Die FDP hat in der Vergangenheit mit dazu beigetragen, dass der Vorwurf der &bdquo;Selbstbedienung&ldquo; gegen Politiker und Parteien popul&auml;r geworden ist. Ich finde es gut, dass jetzt drei Parteien signalisieren, dass sie sich dieses Etikett nicht ankleben lassen und kein zus&auml;tzliches Geld kassieren wollen, wenn sie die Begr&uuml;ndung daf&uuml;r nicht vertretbar finden.<\/p><p><strong>Sie setzen sich schon l&auml;nger intensiv mit der Parteienfinanzierung in Deutschland auseinander. Welche Probleme gibt es?<\/strong><\/p><p>Die Probleme liegen aus unserer Sicht nicht auf der Seite der staatlichen, sondern auf Seiten der privaten Parteienfinanzierung. Es gibt viel zu wenig Transparenz und zu viele Einflussm&ouml;glichkeiten f&uuml;r private Geldgeber. Grunds&auml;tzlich h&ouml;hlt die M&ouml;glichkeit, auf finanziellem Wege politisch Einfluss zu nehmen, das demokratische Grundprinzip &bdquo;ein Mensch, eine Stimme&ldquo; aus. Sobald sich soziale Ungleichheit in politische Ungleichheit &uuml;bersetzt, ist die Demokratie in Gefahr. Die notwendigen Schutzvorkehrungen dagegen reichen bisher nicht aus. <\/p><p><strong>Aktuell gibt es in Deutschland auch keine Obergrenze f&uuml;r Parteispenden.<\/strong><\/p><p>Ja, und zu den Spendern geh&ouml;ren auch juristische Personen, also Unternehmen und Wirtschaftsverb&auml;nde. Das ist keineswegs selbstverst&auml;ndlich in liberalen Demokratien. In Frankreich beispielsweise d&uuml;rfen nur nat&uuml;rliche Personen spenden &ndash; und auch das nur bis zu 7.500 Euro j&auml;hrlich. <\/p><p><strong>Wie ist es dann hierzulande?<\/strong><\/p><p>In Deutschland  gibt es regelm&auml;&szlig;ig Einzelspenden im f&uuml;nf-, sechs- und manchmal siebenstelligen Bereich.<\/p><p><strong>Was bedeutet das?<\/strong><\/p><p>Das bedeutet, dass wenige finanzstarke Akteure ganz erheblich Einfluss auf die Ausstattung der Parteien und ihre Chancen im politischen Wettbewerb haben. Im kommunalen Bereich, auf Wahlkreisebene k&ouml;nnen schon deutlich kleinere Betr&auml;ge gro&szlig;es Gewicht haben und im Wahlkampf entscheidende Vorteile verschaffen. <\/p><p><strong>Parteispenden sind aber nicht gleichbedeutend mit Korruption?<\/strong><\/p><p>Absolut nicht. Parteispenden k&ouml;nnen bei Korruptionsvorg&auml;ngen eine Rolle spielen, aber Spenden und Bestechung sind nicht dasselbe. Grunds&auml;tzlich ist es legitim, wenn B&uuml;rger in einem gewissen Rahmen mit Geld oder Sachleistungen die Partei ihrer Wahl unterst&uuml;tzen. Tats&auml;chlich kommen auch die meisten privaten Zuwendungen von Kleinspendern und Mitgliedern, die weniger als 3.300 Euro im Jahr geben. Die Annahme sogenannter Einflussspenden, die offensichtlich in Erwartung einer Gegenleistung gezahlt werden, ist gesetzlich verboten. Falls doch einmal ein Zusammenhang zwischen einer Gro&szlig;spende und einer politischen Entscheidung sichtbar wird, drohen Strafzahlungen und auch die W&auml;hler reagieren. Die FDP flog 2013 auch deshalb aus dem Bundestag, weil sie nach Annahme einer Millionenspende des M&ouml;venpick-Eigners eine Mehrwertsteuersenkung f&uuml;r Hoteliers durchgesetzt hatte und &ouml;ffentlich als &bdquo;M&ouml;venpick-Partei&ldquo; blo&szlig;gestellt war. <\/p><p><strong>Es w&auml;re aber doch auch ziemlich naiv anzunehmen, dass Gro&szlig;spender nur v&ouml;llig uneigenn&uuml;tzig handeln.  Und dass ihre Spenden keinerlei Auswirkungen auf die Parteien selbst haben, oder?<\/strong><\/p><p>In der Tat. Deswegen fordern wir, endlich eine Obergrenze f&uuml;r Parteispenden  einzuziehen und f&uuml;r umfassende und schnelle Transparenz zu sorgen. Denn finanzielle Einflussnahme kann umso wirksamer sein, wenn sie verdeckt erfolgt. <\/p><p>Derzeit ver&ouml;ffentlicht die Bundestagsverwaltung nur Einzelspenden von &uuml;ber 50.000 Euro zeitnah. Betr&auml;ge, die im Laufe eines Jahres 10.000 Euro &uuml;bersteigen, stehen erst rund zwei Jahre sp&auml;ter in den Rechenschaftsberichten der Parteien. Zu viel Geld bleibt zu lange im Dunkeln. So bleiben drei Viertel der Unternehmensspenden langfristig anonym. Zudem k&ouml;nnen Spender die Ver&ouml;ffentlichungspflicht durch St&uuml;ckelung leicht umgehen. Auch Strohmann-Systeme sind m&ouml;glich, bei denen etwa Firmenmitarbeiter Betr&auml;ge unterhalb der Ver&ouml;ffentlichungsgrenze spenden und das Geld dann vom Chef zur&uuml;ckerstattet bekommen. Aktuell gibt es in Regensburg einen solchen Fall, bei dem offenbar Korruption im Zusammenhang mit gro&szlig;en Bauprojekten im Spiel ist. Dagegen hilft nur eine deutliche Absenkung der Transparenzschwellen, wie wir sie seit vielen Jahren fordern.<\/p><p><strong>Gibt es aktuell einen besonders gewichtigen Fall im Zusammenhang mit Gro&szlig;spendern?<\/strong><\/p><p>Ja, und dabei wird ein anderes Schlupfloch im Parteiengesetz genutzt, um die AfD mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu unterst&uuml;tzen und dabei anonym zu bleiben: sogenannte &bdquo;Parallelaktionen&ldquo;. <\/p><p><strong>Parallelaktionen?<\/strong><\/p><p>Das ist Wahlkampfunterst&uuml;tzung durch Dritte, f&uuml;r die die beg&uuml;nstigte Partei nicht die Verantwortung &uuml;bernehmen will. Bei so etwas m&uuml;ssen in Deutschland die Geldgeber bisher nicht offengelegt werden. <\/p><p>Konkret hat ein &uuml;ber die Schweizer PR-Agentur Goal AG gesteuerter Tarnverein in allen AfD-Wahlk&auml;mpfen seit M&auml;rz 2016 Wahlplakate, Massenzeitungen, Anzeigen und Internetwerbung mit Wahlaufrufen zugunsten der AfD finanziert und unter die Leute gebracht. Es ist klar, dass die Millionen, die daf&uuml;r ausgegeben wurden, nicht aus Kleinspenden stammen &ndash; sie lagen gro&szlig;enteils schon vor der Gr&uuml;ndung des Tarnvereins auf dem Tisch. Die AfD behauptet, sie h&auml;tte mit all dem nichts zu tun, obwohl inzwischen viele Indizien und teils auch konkrete Beweise vorliegen daf&uuml;r, dass diese Behauptung nicht stimmt. <\/p><p>Wir haben schon vor Jahren auf das Problem hingewiesen, dass durch &bdquo;Parallelaktionen&ldquo; Wahlk&auml;mpfe auf undurchsichtige Weise beeinflusst werden k&ouml;nnen. Damals ging es um relativ kleine F&auml;lle, der Gesetzgeber blieb unt&auml;tig, und nun gibt es ein gro&szlig;es Problem damit. Finanziell gesehen handelt es sich um die mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Finanzspritze zugunsten einer Partei seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten. Ein Problem dabei ist, dass die Ermittlungskompetenzen der Aufsichtsbeh&ouml;rde, also der Bundestagsverwaltung, sehr begrenzt sind. Gleichwohl darf sie das der AfD nicht durchgehen lassen und auch der Gesetzgeber muss endlich handeln. Wenn ganze Wahlk&auml;mpfe von anonymen Finanziers gesteuert werden k&ouml;nnen, ist die Demokratie massiv bedroht. <\/p><p><strong>Was ist unter Parteisponsoring zu verstehen?<\/strong><\/p><p>Auf den ersten Blick betrachtet scheint Parteisponsoring dem Sponsoring im Sport oder in der Kultur &auml;hnlich: der Sponsor zahlt daf&uuml;r, dass er sich bei Parteiveranstaltungen oder in Parteimedien mit seinen Anliegen darstellen darf. Doch Parteien sind nicht mit dem DFB oder der Elbphilharmonie vergleichbar &ndash; denn beim Sponsern einer Partei kauft sich der Sponsor zugleich die M&ouml;glichkeit, in Kontakt mit politischen Entscheidungstr&auml;gern zu kommen. Sponsoring ist damit ein Lobbyinstrument. Bei Parteitagen von CDU, SPD, FDP und Gr&uuml;nen dr&auml;ngen sich bis zu 100 zahlende Aussteller, von Audi bis zum Immobilienverband ZIA. Und die Parteitage sind nur die Spitze des Eisbergs &ndash; auch Sommerfeste, Empf&auml;nge, Tagungen, F&uuml;hrungskr&auml;fte-Seminare und Veranstaltungen der Jugendorganisationen werden gesponsert. <\/p><p>Sponsoring ist in den letzten Jahren eine beliebte Alternative zu Parteispenden geworden, denn es bietet f&uuml;r Unternehmen bzw. ihre Verb&auml;nde eine ganze Reihe von Vorteilen: So ist Parteisponsoring als Betriebsausgabe von der Steuer absetzbar &ndash; was mit klassischen Parteispenden seit rund 25 Jahren nicht mehr geht. &Ouml;ffentliche Unternehmen wie die Deutsche Bahn umgehen zudem per Sponsoring das f&uuml;r sie geltende gesetzliche Spendenverbot. Und anders als bei Spendern ist die Anonymit&auml;t der Sponsoren vor der breiten &Ouml;ffentlichkeit gewahrt. Konzerne wie Philip Morris oder VW wenden f&uuml;r Parteisponsoring in Deutschland  jeweils deutlich mehr als 100.000 Euro im Jahr auf. In den Rechenschaftsberichten findet man dazu aber nichts &ndash; die Summen flie&szlig;en anonym in verschiedene Sammelposten ein. <\/p><p>Aus unserer Sicht steht das im Konflikt mit dem Grundgesetz, das in Art. 21 verlangt, dass die Parteien &uuml;ber die Herkunft ihrer Mittel Rechenschaft ablegen m&uuml;ssen. Wir fordern, das Parteiengesetz hier endlich der ver&auml;nderten Realit&auml;t anzupassen und auch das Sponsoring einer umfassenden Transparenzpflicht zu unterwerfen. Eine Alternative w&auml;re, Sponsoring ganz zu verbieten, wozu bisher aber nur die Linkspartei bereit ist.<\/p><p><strong>Nochmal zu den Obergrenzen bei Parteispenden. Die Parteien scheinen sich sehr schwer damit zu tun. Warum?<\/strong><\/p><p>Die Bereitschaft dazu ist bei den Parteien sehr unterschiedlich &ndash; je nachdem, wie abh&auml;ngig sie selbst von Gro&szlig;spendern sind, oder umgekehrt davon, dass sie ihre Unabh&auml;ngigkeit unter Beweis stellen wollen. Union und FDP, die im letzten Jahr 90 Prozent aller Gro&szlig;spenden kassiert haben, leben auch politisch von ihrer N&auml;he zu Unternehmen und Wirtschaftsverb&auml;nden.  Die Linke hingegen will nicht nur Unternehmensspenden und Sponsoring verbieten, sondern nimmt auch selbst solche Gelder nicht an. Bei der SPD ist es kompliziert &ndash; sie m&ouml;chte die Partei der kleinen Leute sein, doch sie beklagt sich auch schon mal, wenn sie von S&uuml;dwestmetall weniger Geld bekommt als die Gr&uuml;nen. Sie fordert einen &ndash; recht hohen &ndash; Spendendeckel von 100.000 Euro pro Spender, Partei und Jahr, r&auml;umt dem Thema bisher aber nicht die Priorit&auml;t ein, die n&ouml;tig w&auml;re, um gegen den Widerstand in der Union einen Schritt weiterzukommen.<\/p><p>Seit dem Flick-Skandal, der CDU-Spendenaff&auml;re und der Gr&uuml;ndung von NGOs wie LobbyControl hat zwar ein Bewusstseinswandel eingesetzt. In einige Parteiprogramme wurden Forderungen nach sch&auml;rferen Regeln f&uuml;r Parteispenden und Lobbyismus insgesamt aufgenommen. Jenseits davon verschlie&szlig;en aber weiterhin zu viele die Augen davor, wie sehr finanzielle Einflussnahmen die Demokratie gef&auml;hrden. Schon der Eindruck, dass Einfluss genommen werden kann, gef&auml;hrdet Demokratie. Wenn B&uuml;rger aufgrund von Aff&auml;ren und Skandalen diesen Eindruck gewinnen, entstehen Frustration und Wut, selbst wenn viele Politiker\/innen ihren Job gewissenhaft machen und nicht k&auml;uflich sind. Viele Menschen gehen dann nicht mehr zur Wahl, manche wenden sich Feinden der Demokratie zu. Die Frage, &bdquo;wie h&auml;ltst du es mit dem Geld&ldquo;, ist deshalb eine Gretchenfrage der Demokratie.  <\/p><p><strong>LobbyControl hat eine eigene <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Parteispenden-Datenbank\">Parteispenden-Datenbank<\/a> angelegt. Was hat es damit auf sich? Wie funktioniert diese?<\/strong><\/p><p>Wir haben damit trotz unseres schmalen Budgets eine Aufgabe &uuml;bernommen, die in anderen L&auml;ndern von den Beh&ouml;rden erledigt wird. Wir wollen, dass sich die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler auch in Deutschland schnell und einfach &uuml;ber Parteispenden informieren k&ouml;nnen. Die Bundestagsverwaltung stellt lediglich die geb&uuml;ndelten Rechenschaftsberichte der Parteien als gescannte PDF-Dateien ins Netz. Wer sich &uuml;ber die finanziellen Verflechtungen ein Bild machen wollte, musste bislang diese Konvolute von vielen hundert Seiten in m&uuml;hseliger Kleinarbeit durchgehen. B&uuml;rgernahe Information sieht anders aus. Deshalb haben wir eine Datenbank entwickelt, die alle ver&ouml;ffentlichten Gro&szlig;spenden seit 2000 umfasst. Sie ist in unser Online-Lexikon Lobbypedia integriert und erm&ouml;glicht allen Interessierten gezielte Suchabfragen nach Geldgebern und Empf&auml;ngern, umfassende Recherchen und auch Datenexport. Damit wollen wir den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern, aber auch Journalist\/innen und Wissenschaftler\/innen erm&ouml;glichen, sich mit wenigen Klicks kostenlos zur informieren und in der gesellschaftlichen Debatte die sachliche Auseinandersetzung &uuml;ber das Thema voranzubringen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180725_sawatzki.jpg\" alt=\"Annette Sawatzki\" title=\"Annette Sawatzki\"\/><\/div>\n<p>Im Windschatten der WM haben CDU\/CSU und die SPD das Parteiengesetz ge&auml;ndert &ndash; im Eilverfahren. Grund: Die Gro&szlig;e Koalition m&ouml;chte die staatliche Parteienfinanzierung um 25 Millionen Euro erh&ouml;hen. Linke, Gr&uuml;ne und FDP rufen nun das Bundesverfassungsgericht an, um den Beschluss von den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45137\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,188,126,209,127,189],"tags":[1260,616,708,2417,1475,1310,897,687,1347],"class_list":["post-45137","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-bundesregierung","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-parteien-und-verbaende","tag-groko","tag-lobbycontrol","tag-nichtwaehler","tag-parteienfinanzierung","tag-parteispenden","tag-sponsoring","tag-transparenz","tag-ungleichheit","tag-wahlkampf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45137","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45137"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45137\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84465,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45137\/revisions\/84465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45137"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}