{"id":45160,"date":"2018-07-26T13:52:04","date_gmt":"2018-07-26T11:52:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45160"},"modified":"2020-12-03T13:49:20","modified_gmt":"2020-12-03T12:49:20","slug":"brennpunkt-afrika-auch-wenn-die-debatte-unbequem-ist-muessen-wir-sie-endlich-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45160","title":{"rendered":"Brennpunkt Afrika &#8211; Auch wenn die Debatte unbequem ist, m\u00fcssen wir sie endlich f\u00fchren"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon paradox &ndash; w&auml;hrend wir pausenlos &uuml;ber das Thema &ldquo;Fl&uuml;chtlinge&rdquo; sprechen, schweigen wir lieber zu den Fluchtursachen. Neben Kriegen und politischen Unruhen spielen vor allem bei den Fl&uuml;chtlingen aus Schwarzafrika &ouml;konomische Motive die wichtigste Rolle. Dieser Teilaspekt ger&auml;t auch am schnellsten zwischen die ideologischen M&uuml;hlsteine der Diskutanten. W&auml;hrend die Rechte von Wirtschaftsfl&uuml;chtlingen und dem Untergang Europas fabuliert, suchen gro&szlig;e Teile der Linken die Schuld im &bdquo;Kapitalismus&ldquo; und der Ausbeutung Afrikas durch den wei&szlig;en Mann. Das ist sicherlich gut gemeint, aber &bdquo;unterkomplex&ldquo; und f&uuml;hrt uns in der Debatte auch nicht weiter. Und es ist wichtig, dass wir diese Debatte jetzt f&uuml;hren und m&ouml;glichst schnell zu Ergebnissen kommen, denn die Uhr tickt unaufh&ouml;rlich und durch Wegsehen werden wir das Problem nicht l&ouml;sen k&ouml;nnen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7121\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45160-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180726_Brennpunkt_Afrika_eine_notwendige_Debatte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180726_Brennpunkt_Afrika_eine_notwendige_Debatte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180726_Brennpunkt_Afrika_eine_notwendige_Debatte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180726_Brennpunkt_Afrika_eine_notwendige_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45160-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180726_Brennpunkt_Afrika_eine_notwendige_Debatte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180726_Brennpunkt_Afrika_eine_notwendige_Debatte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu bitte auch den Artikel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27289\">Afrikas Fl&uuml;chtlinge, Afrikas Probleme und unsere Verantwortung<\/a>&ldquo;, auf dem dieser Artikel zum Teil argumentativ aufbaut.<\/em><\/p><p>Die individuellen Gr&uuml;nde, sein Gl&uuml;ck im entfernten Europa zu suchen und die ebenso gef&auml;hrliche wie kostspielige Reise &uuml;ber das Mittelmeer anzutreten, sind mannigfaltig, haben aber meist einen gemeinsamen Nenner. Egal ob es sich um den senegalesischen Fischer, der seine Familie nicht mehr ern&auml;hren kann, den nigerianischen Ingenieur, der in seinem Land keinen Job findet, oder den liberianischen H&auml;uptlingssohn handelt, f&uuml;r den es als Zweitgeborenen trotz vergleichsweise guter Ausbildung keinen angemessenen Job in seinem Heimatdorf gibt &ndash; fast alle &ldquo;Wirtschaftsfl&uuml;chtlinge&rdquo; treten den langen Weg nach Norden an, weil ihre Heimat ihnen keine Zukunft bietet und sie keine Perspektiven f&uuml;r sich sehen.&nbsp;<\/p><p><strong>Die &ouml;konomische Ebene<\/strong><\/p><p>Die hoffnungslose Situation Afrikas im weltweiten Vergleich l&auml;sst sich durch folgende Zahl anschaulich belegen: Waren 1980 noch 1,6 Prozent der afrikanischen Exporte Fertigwaren, so sind es heute nur noch 0,8 Prozent. Afrika befindet sich nach g&auml;ngigen Ma&szlig;st&auml;ben gr&ouml;&szlig;tenteils immer noch in der vorindustriellen Zeit. Industrie ist so gut wie nicht vorhanden, die Verarbeitung von Rohstoffen zu Fertigprodukten nimmt einen verschwindend geringen Teil der Wirtschaftskraft ein. Afrika exportiert Rohstoffe und bestimmte Agrarg&uuml;ter. Volkswirtschaftlich ist dies jedoch nicht einmal ein Tropfen auf dem hei&szlig;en Stein, da gerade bei Rohstoffen und Agrarexporten die &ldquo;Wertsch&ouml;pfung&rdquo; in der Regel nicht beim ersten Teil der Wertsch&ouml;pfungskette h&auml;ngenbleibt. Von einer Tafel Schokolade, die Sie f&uuml;r 50 Cent im Supermarkt kaufen, bleiben im Schnitt gerade einmal 3 Cent bei den Kakaobauern in Afrika. Das f&uuml;hrt dazu, dass die Familienmitglieder einer Kakaobauernfamilie in der Elfenbeink&uuml;ste im Schnitt auf einen Tageslohn <a href=\"https:\/\/de.makechocolatefair.org\/themen\/kakaopreise-und-einkommen-der-kakaobauern-und-baeuerinnen\">von nur 45 Eurocent<\/a>&nbsp;kommen. Bei Rohstoffen wie Koltan, Nickel oder Erd&ouml;l ist die Verteilung noch dramatischer. Von den Erd&ouml;lexporten Angolas, die das Gros der Wirtschaftskraft dieses Landes ausmachen, profitieren direkt oder indirekt nur 2% der Bev&ouml;lkerung. Am Rest gehen nicht nur die Profite vorbei. Durch die Aufwertung der W&auml;hrung durch die Exporte (Stichwort &ldquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holl%C3%A4ndische_Krankheit\">Holl&auml;ndische Krankheit<\/a>&ldquo;) verschlechtert sich die Konkurrenzsituation anderer Wirtschaftszweige und f&uuml;hrt so zu einer noch dominanteren Position der Rohstoffexporte, an denen die Masse nicht teilhaben kann.&nbsp;<\/p><p>Afrikas &ouml;konomisch dramatischstes Problem ist die niedrige Produktivit&auml;t und die damit verbundene mangelnde Wettbewerbsf&auml;higkeit, die alle Sektoren betrifft. Daher k&ouml;nnen afrikanische G&uuml;ter und Produkte sich in einem freien und offenen Markt auch nicht durchsetzen. Trotz niedriger L&ouml;hne haben afrikanische Produkte aufgrund der niedrigen Produktivit&auml;t einen vergleichsweise hohen St&uuml;ckkostenpreis. Wenn ein chinesischer Textilhersteller Baumwolle aus dem Mali importiert und daraus in China ein T-Shirt fertigt, kann er dieses T-Shirt im Mali g&uuml;nstiger anbieten als ein lokaler Textilproduzent. Wenn er das T-Shirt dann auch noch in Bangladesch oder Myanmar fertigen l&auml;sst, ist die Preisdifferenz sogar noch h&ouml;her. Afrika ist aufgrund seiner niedrigen wirtschaftlichen Produktivit&auml;t abgeh&auml;ngt.<\/p><p>Von Optimisten wird an dieser Stelle immer wieder gerne auf die &ldquo;ordentlichen&rdquo; Wirtschaftswachstumsraten Afrikas verwiesen. Doch dieser Eindruck kann t&auml;uschen. Zum Einen verzerren Preisdifferenzen auf den Rohstoffm&auml;rkten nat&uuml;rlich auch die Wirtschaftszahlen von Staaten, die fast ausschlie&szlig;lich Rohstoffe exportieren, ohne dass dies eine gro&szlig;e Auswirkung auf die &ouml;konomische Situation der Bev&ouml;lkerung h&auml;tte. Wenn sich der &Ouml;lpreis verdoppelt, jubeln nat&uuml;rlich Angolas korrupte Eliten, die nun noch mehr SUVs aus Deutschland, iPhones aus den USA oder Champagner aus Frankreich bestellen k&ouml;nnen. Das Volk hat von dieser Form des Wirtschaftswachstums aber nur sehr wenig. Doch selbst wenn man diesen Effekt herausrechnet, sind die vermeldeten positiven Zahlen oft wenig aussagekr&auml;ftig.<\/p><p><strong>Die demografische Falle<\/strong><\/p><p>Nehmen wir Uganda als Beispiel. Der zentralafrikanische Staat wies in den letzten Jahren ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 3,5% aus &ndash; das ist &uuml;brigens nur halb so viel, wie f&uuml;r ein qualitatives Wachstum n&ouml;tig w&auml;re. Gleichzeitig wuchs jedoch  die ugandische Bev&ouml;lkerung im Schnitt ebenfalls um 3,5%. Das Mini-Wirtschaftswachstum wird also durch das Bev&ouml;lkerungswachstum komplett aufgezehrt, so dass unter dem Strich nur mehr ein Nullwachstum bleibt. Doch es kommt noch schlimmer, als diese statistischen Zahlen vermuten lassen.<\/p><p>Im Land mit seinen 37 Millionen Einwohnern werden pro Jahr 1,6 Millionen Kinder geboren &ndash; zum Vergleich: das mehr als doppelt so bev&ouml;lkerungsreiche Deutschland kommt auf 785.000 Geburten pro Jahr. Dank Impfprogrammen, Entwicklungshilfe und medizinischem Fortschritt hat sich die Kindersterblichkeit in Uganda alleine in den letzten zehn Jahren halbiert. Die Folge: Jedes Jahr dr&auml;ngen mehr und mehr Sch&uuml;ler und Studenten in die Schulen und Unis und immer mehr Arbeitskr&auml;fte auf den Arbeitsmarkt; viel zu viel, um versorgt zu werden. Selbst stattliche Investitionen in das Bildungssystem werden vom schieren Nachschub an neuen Sch&uuml;lern aufgezehrt, die Wirtschaft kann gar nicht so schnell wachsen, um allen Schulabg&auml;ngern einen Job zu bieten; schon gar nicht einen qualifizierten Job. Da kommt es, wie es kommen muss: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Uganda momentan bei sagenhaften 80%. J&auml;hrlich verlassen dort 40.000 Menschen die Universit&auml;ten des Landes und k&auml;mpfen dann um 8.000 freie Jobs f&uuml;r Jungakademiker. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, wohin diese Entwicklung f&uuml;hrt &ndash; zu Krieg oder zu Massenmigration.&nbsp;<\/p><p>Und Uganda ist kein Einzelfall. Die Bev&ouml;lkerung Schwarzafrikas hat sich im vergangenen Jahrhundert verzehnfacht. F&uuml;r das laufende Jahrhundert geht die UN davon aus, dass sich die Gesamtbev&ouml;lkerung bis 2050 von einer auf rund zwei Milliarden Menschen verdoppeln wird. Die zugrundeliegenden Entwicklungen sind ja nicht neu und auch Europa hat dies durchgemacht. In der vorindustriellen Zeit sind Geburtenraten und Sterblichkeit hoch. Mit der Industrialisierung sinkt &ndash; vor allem durch den medizinischen Fortschritt &ndash; die Sterblichkeit, w&auml;hrend die Geburtenziffern nur sehr langsam zur&uuml;ckgehen. W&auml;hrend dieser Zeit &ldquo;explodiert&rdquo; die Gesamtbev&ouml;lkerung. Sp&auml;ter&nbsp; sinkt dann aber auch &ndash; vor allem durch Bildung und Sozialsysteme &ndash; die Geburtenrate und am Ende steht die industrialisierte Gesellschaft mit niedriger Geburten- und Sterberate bei konstanter bis sinkender Bev&ouml;lkerung. Afrika genie&szlig;t momentan die Segnungen moderner Medizin, ohne gleichzeitig eine Industrialisierung zu beschreiten. Die Sterblichkeit sinkt massiv, w&auml;hrend die Geburtenziffern nur sehr langsam zur&uuml;ckgehen. Gleichzeitig w&auml;chst die Wirtschaft nicht viel schneller als die Bev&ouml;lkerung und das Bev&ouml;lkerungswachstum macht die ohnehin zu niedrigen Investitionen in Wirtschaft und Bildung zunichte. Und diese tiefschwarze Prognose steht bereits am Ende der &ldquo;internen&rdquo; Faktoren. Wenn man nun auch noch die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27289\">&ldquo;externen&rdquo; Faktoren<\/a>, also das ungerechte Freihandelsregime, die Interessen der Gro&szlig;konzerne aus den Industriel&auml;ndern, den Klimawandel, die &Uuml;berfischung und und und mit hinzuz&auml;hlt, bleibt wenig Raum f&uuml;r Optimismus.<\/p><p><strong>Falsche Hilfe nutzt auch dann nichts, wenn sie gut gemeint ist<\/strong><\/p><p>Anders als bei den &ldquo;externen Faktoren&rdquo; ist bei den &ldquo;internen Faktoren&rdquo; auch f&uuml;r den reichen globalen Norden kaum Handlungsspielraum. Schon aus humanit&auml;ren Gr&uuml;nden verbietet sich jegliche Debatte &uuml;ber Geburts- und Sterblichkeitsraten. Sind also Krieg und Massenflucht unvermeidlich, wie es Konfliktforscher mit ihrer Theorie des &ldquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Youth_Bulge\">youth bulge<\/a>&rdquo; (Jugend&uuml;berschuss) vorhersagen? Zumindest wenn es der Weltgemeinschaft (so es sie denn gibt) nicht gelingt, m&ouml;glichst schnell das Ruder herumzurei&szlig;en, muss man hier wohl selbst als chronischer Optimist seine Zweifel bekommen. Und um es gleich vorwegzunehmen: Afrika ist kein Jota damit geholfen, wenn deutsche Linke nun &uuml;ber offene Grenzen philosophieren. Der Kontinent braucht keinen &ldquo;Abnehmer&rdquo; f&uuml;r seine &uuml;bersch&uuml;ssige Jugend, sondern eine Perspektive, dieser Jugend eine Chance zu geben und ihre konstruktiven Kr&auml;fte vor Ort freizusetzen. Dies festzustellen, hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Wenn dies nicht gelingt, droht ein Szenario, an dessen Ende entweder &ldquo;offene Grenzen&rdquo; oder eine &ldquo;Totale Abschirmung&rdquo; steht, wobei letzteres angesichts der &ouml;ffentlichen Meinung wohl wesentlich realistischer ist. Es w&auml;re daher sch&ouml;n, wenn progressive Kr&auml;fte bei diesem Thema nicht immer nur an sich selbst, sondern an diejenigen denken, um die es geht: die Afrikaner.<\/p><p>Aber wie k&ouml;nnte es denn &uuml;berhaupt gelingen, einen r&uuml;ckst&auml;ndigen, aber an Rohstoffen, Menschen, Kreativit&auml;t und Gestaltungswillen ungemein reichen Kontinent auf die Spur zu bringen? Zu allererst muss Afrika die Freiheit bekommen, sich vom Freihandelssystem abzukoppeln. Auch Deutschland hing im 19. Jahrhundert hoffnungslos hinter dem fr&uuml;h industrialisierten England zur&uuml;ck und konnte den R&uuml;ckstand sp&auml;ter aufholen. China war 1980 noch ein bitterarmes Entwicklungsland und z&auml;hlt heute zu den fortschrittlichsten Industriestaaten der Welt. In beiden F&auml;llen konnten die Volkswirtschaften jedoch nur aufschlie&szlig;en, weil sie sich gnadenlos protektionistisch vom Weltmarkt abgekoppelt haben. Das Freihandelsmantra des fairen Wettbewerbs unter Gleichberechtigten hei&szlig;t im konkreten Fall, dass ein zehnj&auml;hriges M&auml;dchen gegen einen Schwergewichtsweltmeister antreten muss &ndash; es kann zwischen Afrika und den fortschrittlichen Volkswirtschaften keinen &ldquo;fairen Wettbewerb unter Gleichberechtigten&rdquo; geben. Afrika kann sich nur dann entwickeln, wenn es massive Wettbewerbsvorteile bekommt, wenn es seine eigenen M&auml;rkte abschotten und gleichzeitig seine G&uuml;ter in den globalen Norden zollfrei einf&uuml;hren darf. Man k&ouml;nnte sogar dar&uuml;ber nachdenken, diese Zollfreiheit nur auf Vor- und Fertigprodukte, nicht aber auf Rohstoffe anzuwenden, um der Wirtschaft einen zus&auml;tzlichen Anreiz zu geben, in Afrika zu investieren. Denn wichtig ist vor allem, dass in Afrika m&ouml;glichst schnell m&ouml;glichst viele m&ouml;glichst qualifizierte Jobs geschaffen werden. Und wenn die sich &bdquo;im Markt&ldquo; selbst refinanzieren und ihrerseits wirtschaftliche Impulse ausl&ouml;sen, sind wir schon mal ein gro&szlig;es St&uuml;ck weiter.<\/p><p>Ein weiteres Problem ist die sogenannte &ldquo;Entwicklungshilfe&rdquo;. Heute wissen wir, dass die traditionelle Entwicklungshilfe eher Schokolade f&uuml;r einen Zuckerkranken ist und ersatzlos abgeschafft werden muss. Stattdessen sollte der Norden sein Programm zur Hilfe zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit massiv ausbauen. Was spricht beispielsweise dagegen, erfahrene deutsche Ingenieure, die aufgrund ihres Alters in Deutschland keinen Job mehr bekommen, auf freiwilliger Basis nach Afrika zu schicken, um dort vor Ort den einheimischen Unternehmern Tipps zu geben, wie man mit seinen Produkten aktiv auf die europ&auml;ischen M&auml;rkte kommt? Was spricht dagegen, die 0,7% des Bruttoinlandsprodukts der Industriel&auml;nder, die im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.bmz.de\/de\/ministerium\/ziele\/2030_agenda\/historie\/MDGs_2015\/index.html\">Millenniumsentwicklungsziele<\/a> in die Entwicklungshilfe gehen sollten, stattdessen in einen gro&szlig;en F&ouml;rdertopf zu &uuml;berweisen, der kleinen und mittleren afrikanischen Unternehmen zinslose Darlehen oder gar Beihilfen f&uuml;r sinnvolle Projekte zur Verf&uuml;gung stellt? Vor allem bei digitalen Dienstleistungen, Software- und App-Programmierung k&ouml;nnten afrikanische Technologie-Cluster mit der richtigen Unterst&uuml;tzung schon vergleichsweise schnell auch weltweit konkurrenzf&auml;hig sein und auf den lokalen M&auml;rkten sind sie ja schon heute die Marktf&uuml;hrer.&nbsp;<\/p><p><strong>Die Scheinheiligkeit der gesamten Debatte<\/strong><\/p><p>An konkreten Beispielen mangelt es nicht. Wichtig ist, dass wir von unserem hohen Ross herabsteigen und &ndash; sicher nicht aus b&ouml;sem Willen heraus &ndash; unserer Fantasie vom &ldquo;edlen Wilden&rdquo; hinterherrennen. Die pittoresken Piroge, mit denen senegalesische Fischer ihren mageren Fang nach Hause bringen, sind zwar romantisch, stellen aber kein ernsthaftes Modell f&uuml;r die Zukunft dar. Es ist der falsche Ansatz, diese Piroge vor den Fangflotten der EU zu sch&uuml;tzen, auch wenn dies unseren Vorstellungen einer &bdquo;sch&ouml;neren Welt&ldquo; entsprechen mag. Die Fischer im Senegal wollen keine Sch&ouml;nheit, sondern ihre Familien ern&auml;hren. Richtiger w&auml;re es daher, die senegalesische Fischerei zu modernisieren und gleichzeitig vor der EU zu sch&uuml;tzen. Ansonsten l&auml;uft Afrika dem Rest der Welt n&auml;mlich immer hinterher &hellip; nur halt dann unter &ldquo;Schutzbedingungen&rdquo;. Aber das sollte ja nicht das Ziel sein.<\/p><p>Den einen gro&szlig;en Gegenentwurf, mit dem Afrika gerettet werden kann, gibt es nicht; wohl aber zahlreiche kleinere Entw&uuml;rfe, die in der Summe die gro&szlig;e kommende Katastrophe zwar nicht verhindern, aber zumindest abfedern k&ouml;nnten. Die Uhr tickt jedoch und jedes Z&ouml;gern kostet Menschenleben. Wir sollten endlich aufh&ouml;ren, dieses Thema als &ldquo;Migrations-&rdquo; oder &ldquo;Fl&uuml;chtlingsthema&rdquo; zu begreifen. Denn dies ist nur unsere sehr subjektive Perspektive. Wir sehen die gro&szlig;en Probleme Afrikas offensichtlich nur in Form kenternder Fl&uuml;chtlingsboote im Mittelmeer und &uuml;berf&uuml;llter &ldquo;Ankerzentren&rdquo; und polemisieren dann etwas von Grenzschutz und Fl&uuml;chtlingsabwehr oder halt offenen Grenzen f&uuml;r alle. Wollen wir unsere Humanit&auml;t bewahren, sind diese Positionen aber kaum durchzuhalten, wenn die Migrationsstr&ouml;me zum Regelfall werden; und das werden sie, wenn wir nicht vor Ort gegensteuern. Diese Debatte sollte jedoch nicht um unsere &ldquo;Angst vor dem schwarzen Mann&rdquo;, sondern um Afrika, um Afrikas Perspektiven, um Afrikas Chancen gehen und daher auch nicht von alten, wei&szlig;en M&auml;nnern und Frauen, sondern von den Betroffenen gef&uuml;hrt werden. Aber wann haben Sie zuletzt einen afrikanischen Intellektuellen, &Ouml;konomen, Soziologen oder Migrationsforscher in dieser Debatte geh&ouml;rt? Noch nie? Da sind sie nicht allein. Fangen wir also doch erst einmal an, den Betroffenen zuzuh&ouml;ren und setzen dann alle Mittel in Bewegung, um Afrika zu retten. Tun wir es nicht, werden wir wohl oder &uuml;bel in Zukunft noch sehr h&auml;ufig &uuml;ber Kriege und Massenflucht debattieren m&uuml;ssen. Aber wer will das schon?<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/c5719b86f48a46e1b1f56a2eb2d8dd21\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon paradox &ndash; w&auml;hrend wir pausenlos &uuml;ber das Thema &ldquo;Fl&uuml;chtlinge&rdquo; sprechen, schweigen wir lieber zu den Fluchtursachen. Neben Kriegen und politischen Unruhen spielen vor allem bei den Fl&uuml;chtlingen aus Schwarzafrika &ouml;konomische Motive die wichtigste Rolle. Dieser Teilaspekt ger&auml;t auch am schnellsten zwischen die ideologischen M&uuml;hlsteine der Diskutanten. 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