{"id":45210,"date":"2018-07-30T13:05:20","date_gmt":"2018-07-30T11:05:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45210"},"modified":"2019-08-26T10:53:32","modified_gmt":"2019-08-26T08:53:32","slug":"fuenf-autobosse-110-jahren-autogeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45210","title":{"rendered":"F\u00fcnf Autobosse \u2013 110 Jahre Autogeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Mit Sergio Marchionne starb eine markante Figur der internationalen Autoindustrie, derjenigen Branche, die in den gro&szlig;en f&uuml;hrenden Industriel&auml;ndern USA, China, Japan, Deutschland, Frankreich, S&uuml;dkorea und Italien Leitbranche ist, die den Weltkapitalismus formt und die zugleich seit 1974 auch den Zyklus der Weltkonjunktur ma&szlig;geblich bestimmt. Die Medien brachten anl&auml;sslich des Tods von Marchionne freundliche und teilweise geradezu liebevolle Portr&auml;ts des &bdquo;Mannes mit Pullover&ldquo;. Das soll meine Sache nicht sein, auch wenn ich zu der Auffassung neige, dass Marchionne im Vergleich zu dem in Schrauben verliebten Martin Winterkorn (Ex-VW-Boss) und den Brutalo-Sanierern Carlos Tavares (Peugeot-Citroen-Opel) und Carlos Ghosn (Renault-Nissan-Mitsubishi) wie eine nonkonformistische, sympathische Lichtgestalt erschien. Von <strong>Winfried Wolf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSoll man Autobosse charakterisieren? Man soll dies tun. Gerade auch als Demokrat, als &Ouml;konom und als leidenschaftlicher Verkehrswissenschaftler. Auch wenn es dabei nicht so sehr um Portr&auml;ts der Individuen geht, sondern um solche, in denen die Bedeutung der jeweiligen Autobosse f&uuml;r die Leitbranche Autoindustrie und f&uuml;r das wichtigste Kultprodukt des modernen Kapitalismus, das Auto, herausgearbeitet wird. <\/p><p>Greifen wir uns f&uuml;nf Autobosse heraus, die f&uuml;r exakt 110 Jahre Weltbranche Auto stehen.<\/p><p><strong>Henry Ford (1863-1947)<\/strong><\/p><p>Henry Ford ist ohne Zweifel der Begr&uuml;nder der Massenproduktion von Autos. Der erste in gro&szlig;er St&uuml;ckzahl gefertigte Pkw war das &bdquo;Model T&ldquo;. Es wurde erstmals vor 110 Jahren, 1908, pr&auml;sentiert. Die Flie&szlig;bandproduktion, die es bei Ford ab 1913 gab, war allerdings bereits wesentlich fr&uuml;her und in einem anderen Sektor des Weltkapitalismus eingef&uuml;hrt worden: in den Schlachth&ouml;fen von Chicago. Als Ford mit der Massenproduktion von Autos startete, hatten dort, wie von Upton Sinclair in dem bereits 1905 erschienenen, ausgezeichneten Werk &bdquo;The Jungle&ldquo; (&bdquo;Der Dschungel&ldquo;) beschrieben, bereits &bdquo;eine Viertelmilliarde Tiere&ldquo; das &bdquo;Schlachten per Flie&szlig;band&ldquo; durchlaufen. Henry Ford &uuml;bernahm die Technik. In Chicago wurden seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Tiere zur Fabrik herangekarrt anstatt das T&ouml;ten zu den Tieren zu bef&ouml;rdern. Just Vergleichbares  beschreibt Ford: &bdquo;Der erste Fortschritt [der Flie&szlig;band-Einf&uuml;hrung; W.W.] bestand darin, dass wir die Arbeit zu den Arbeitern heranschafften statt umgekehrt. Heute befolgen wir zwei [&hellip;] Prinzipien [&hellip;] einen Arbeiter [&hellip;] niemals mehr als nur einen Schritt tun zu lassen und nirgends zu dulden, dass er sich bei der Arbeit nach den Seiten oder vorn&uuml;ber zu b&uuml;cken braucht [&hellip;] Das Nettoresultat [&hellip;] ist eine Verminderung der Anspr&uuml;che an die Denkt&auml;tigkeit der Arbeitenden&hellip;&ldquo; (H. Ford, Erfolg im Leben &ndash; Mein Leben und Werk , M&uuml;nchen 1952, S.55ff &ndash; USA: My Life and Work, 1922). Was f&uuml;r die Tiere den Tod bedeutete, erwies sich als abt&ouml;tend f&uuml;r das Menschsein, als Steigerung der Entfremdung im Prozess der Lohnarbeit.<\/p><p>Ford war nicht nur &uuml;berzeugter Judenhasser, ein Jahrzehnt lang Herausgeber der antisemitischen Tageszeitung &bdquo;Dearborn Independent&ldquo; und ein &Uuml;berzeugungst&auml;ter, der massenhaft die antisemitische Hetzschrift &bdquo;Protokolle der Weisen von Zion&ldquo;, eine F&auml;lschung der zaristischen Geheimpolizei zwecks Sch&uuml;ren von Pogromen, verbreiten lie&szlig;.  Die oft (z.B. bei Wikipedia) zitierten Distanzierungen Fords vom Antisemitismus waren offenkundig taktischer Natur. Als Ford am 30. Juli 1938 seinen 75. Geburtstag feierte, bestand der H&ouml;hepunkt darin, dass  ihm von den deutschen Konsuln Fritz Heiler und Karl Kapp der h&ouml;chste deutsche Orden, den das Deutsche Reich, der NS-Staat unter Adolf Hitler, einem Ausl&auml;nder gew&auml;hren konnte, das &bdquo;Gro&szlig;kreuz des Adlerordens&ldquo;, verliehen wurde. Klaus Wiegrefe <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-8440647.html\">schrieb im &bdquo;Spiegel&ldquo; vom 7. Dezember 1998<\/a> auf Basis von damals neu aufgetauchten Dokumenten: &bdquo;Zwei Jahre sp&auml;ter &ndash; Hitler hatte seinen Krieg bereits begonnen &ndash; weigerte sich der so Ausgezeichnete, einer Bitte des amerikanischen Pr&auml;sidenten nachzukommen und Gro&szlig;britannien mit Flugzeugmotoren auszuhelfen. Das verbiete ihm, erkl&auml;rte Ford, sein Pazifismus. Das chronisch devisenschwache Dritte Reich, immer auf der Suche nach teuren Rohstoffen  aus dem Ausland, wurde von Ford jedoch durch Tauschgesch&auml;fte unterst&uuml;tzt. Ford exportierte in Deutschland gefertigte Autos und versorgte daf&uuml;r das Reich  mit Gummi, wie aus einem geheimen Untersuchungsbericht der amerikanischen Armee von 1945 hervorgeht, den die US-Regierung im M&auml;rz [1998; W.W.] freigab. [&hellip;] F&uuml;r Ford  war das R&uuml;stungsgesch&auml;ft lukrativ. Wie aus einer [&hellip;] Untersuchung der amerikanischen Milit&auml;rbeh&ouml;rden  hervorgeht, konnte Ford seine Ertr&auml;ge zwischen 1938 und 1942 verdoppeln.&ldquo;<\/p><p>Die Autofabriken der Ford Motor Company in Deutschland produzierten bis Ende des Weltkriegs f&uuml;r die NS-Kriegswirtschaft. Sie setzten dabei Tausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. Die Ford-Fabriken in K&ouml;ln und Berlin wurden bis Ende 1944 von den alliierten Bomberflotten verschont. Die Ford-Fabriken waren Vorbild f&uuml;r das VW-Werk in Fallersleben (heute Wolfsburg), wobei Ford f&uuml;r das VW-Werk Entwicklungshilfe leistete. Ferdinand Porsche und der Fiat-Gr&uuml;nder und Mussolini-Freund Giovanni Agnelli weilten mehrmals mit Teams in den USA, um die Ford-Autofabriken zu inspizieren, die dortigen Produktionstechniken zu &uuml;bernehmen und Fords Idee vom &bdquo;Auto f&uuml;r jedermann&ldquo; mit der deutschen bzw. mit der italienischen faschistischen Ideologie des &bdquo;Autos f&uuml;r den kleinen Mann&ldquo; zu verschmelzen. <\/p><p>Auch w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs gab es geheimgehaltene Treffen des Ford-Managements aus den USA mit Top-Leuten der deutschen Ford-Werke; der bereits zitierte Bericht des &bdquo;Spiegel&ldquo;: &bdquo;Im Juni 1943 traf sich der Verwalter der K&ouml;lner Ford-Werke heimlich mit US-Managern im neutralen Portugal. Und ein portugiesischer  Kurier schmuggelte Berichte der Pariser Ford-Zentrale im besetzten Frankreich, die der deutschen Ford-Tochter unterstellt war, nach Lissabon. Von dort gelangten sie in die USA.&ldquo; <\/p><p><strong>Heinrich Nordhoff (1899-1968)<\/strong><\/p><p>Nordhoff steht f&uuml;r die enge Verbindung der US-Autoproduktion mit der NS-R&uuml;stungsproduktion und f&uuml;r die nahtlose Konversion von R&uuml;stungswirtschaft zu ziviler Fertigung.<\/p><p>Nordhoff arbeitete seit dem Jahr 1929 f&uuml;r General Motors und hier f&uuml;r den Autobauer Opel, der im selben Jahr von GM &uuml;bernommen worden war. Die GM\/Opel-Werke produzierten, wie die Ford-Fabriken in Deutschland, umgehend nach Hitlers Macht&uuml;bernahme uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r die NS-R&uuml;stungsproduktion. Es bedurfte keiner Enteignung und keines von au&szlig;en eingesetzten Verwalters, um die Treue des GM-Opel-Managements zur NSDAP zu gew&auml;hrleisten. Allerdings zogen sich die GM-Manager mit US-Pass ab Beginn des Zweiten Weltkriegs aus der Opel-Spitze zur&uuml;ck &ndash; womit wiederum Heinrich Nordhoff in der Karriereleiter nach oben r&uuml;cken konnte. Er wurde 1939 stellvertretendes Vorstandsmitglied der Adam Opel AG und drei Jahre sp&auml;ter Leiter des wichtigsten Opel-Produktionswerks.<\/p><p>Bei Opel (&uuml;berwiegend in R&uuml;sselsheim) wurden, wie der Buchautor und begnadete Verfasser der Studie des US-Senats &uuml;ber die Verschw&ouml;rung der US-Autoindustrie gegen die Eisenbahnen, Bradford C. Snell (&bdquo;Snell-Study&ldquo;) 1974 belegte, &bdquo;50 Prozent aller propellergetriebenen Aggregate, die f&uuml;r den Mittelstreckenbomber Ju-88 zum Einsatz gelangten&ldquo;, gefertigt. Dort wurden auch wichtige Bestandteile der D&uuml;senantriebsaggregate f&uuml;r die Me-262 hergestellt &ndash; des weltweit ersten, einsatzf&auml;higen Kampfflugzeugs mit D&uuml;senantrieb. Dieses h&auml;tte Hitlers &bdquo;Wunderwaffe&ldquo; werden k&ouml;nnen &ndash; wenn am Ende nicht der Sprit gefehlt h&auml;tte. (<a href=\"http:\/\/www.worldcarfree.net\/resources\/freesources\/American.htm\">Die Snell-Study siehe hier<\/a>)<\/p><p>Nordhoff war ab Juli 1942 Leiter des Opel-Lkw-Werks in Brandenburg (&bdquo;Opel-Blitz&ldquo;). Der Mann war ab diesem Zeitpunkt NS-&bdquo;Wehrwirtschaftsf&uuml;hrer&ldquo;. Das Opel-Werk wurde als &bdquo;Kriegsmusterbetrieb&ldquo; ausgezeichnet. Es &ndash; das hei&szlig;t: seine Belegschaft, die zu einem wachsenden Teil aus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern bestand &ndash; lieferte bis Kriegsende an die faschistische Wehrmacht 130.000 Fahrzeuge, &uuml;berwiegend Lkw. Nordhoff forderte von der Belegschaft, die &bdquo;Kr&auml;fte auf das eine Ziel zu konzentrieren, den deutschen Sieg.&ldquo; Stephan Krull zieht in seinem Buch &uuml;ber VW und Porsche verst&ouml;rende Parallelen zu Nordhoff-Ansprachen als VW-Chef in den 1950er Jahren, als dieser die Besch&auml;ftigten weiter als &bdquo;meine Arbeitskameraden&ldquo; titulierte und t&ouml;nte:  &bdquo;Solange wir eine geschlossene Mannschaft bleiben, alle bereit, unser Bestes zu geben f&uuml;r die gemeinsame Sache&ldquo;). (Stephan Krull, Volksburg &ndash; Wolfswagen, Hannover 2013, S.71).<\/p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Nordhoff zun&auml;chst als &bdquo;Hauptschuldiger&ldquo; f&uuml;r NS-Verbrechen, doch dann bereits 1947 als &bdquo;entlastet&ldquo; eingestuft. Die britische Besatzungsmacht berief ihn am 7. November 1947 zum VW-Chef &ndash; offizieller Titel ab 1948: Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH. Nordhoff blieb bis zu seinem Tod 1968 Chef des bald wieder gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Autokonzerns.<\/p><p>Unter Nordhoff gelang dem VW-Konzern bereits in den 1950er Jahren eine erste globale Ausrichtung des Unternehmens u.a. mit Werken in Brasilien, Mexiko und S&uuml;dafrika. Es gab dabei eine enge Zusammenarbeit mit dem Apartheid-Regime in Pretoria und ab 1964 eine solche mit der Milit&auml;rdiktatur in Brasilien. (<a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/brasilien\/politik-brasilien\/nicht-nur-an-der-diktatur-verdient-vw-hat-mitgemacht\/\">Siehe Gaby Webers Recherchen<\/a>). <\/p><p>Nordhoff wird im R&uuml;ckblick oft daf&uuml;r kritisiert, dass er &bdquo;zu lange&ldquo; &ndash; bis zu seinem Tod &ndash; &bdquo;am luftgek&uuml;hlten Boxermotor im Heck&ldquo; (Wikipedia) und damit am Kraft-durch-Freude-Wagen, wie er von Ferdinand Porsche f&uuml;r die NS-Wehrmacht entwickelt worden war, festgehalten hatte. Diese Kritik ist nat&uuml;rlich berechtigt; schlie&szlig;lich geriet VW 1974\/75 in der ersten weltweiten Autokrise nach dem Zweiten Weltkrieg in eine tiefe Krise. Andererseits war es eben dieses einfache Pkw-Modell, das die Massenmotorisierung in einem nach dem Zweiten Weltkrieg relativ armen Land erm&ouml;glichte. Und es waren in vergleichbaren L&auml;ndern zu vergleichbaren Zeiten vergleichbare Pkw-Modelle, die diese Massenmotorisierung erm&ouml;glicht hatten: Vor dem Ersten Weltkrieg und zwischen den beiden Weltkriegen Fords Tin Lizzy, nach dem Zweiten Weltkrieg Fiats &bdquo;Topolino&ldquo; und &bdquo;Cinquecento&ldquo; in Italien und die Modelle 2CV, R4 und Simca1000 in Frankreich.  Nordhoff: &bdquo;Wir sind arm und Amerika ist reich. Deutschland sollte deshalb dorthin folgen, wohin VW es f&uuml;hrt &ndash; und nicht umgekehrt.&ldquo;<\/p><p>Der KdF-Wagen steht &ndash; wie der Fiat-Topolino in Italien &ndash; f&uuml;r den fast nahtlosen &Uuml;bergang von der R&uuml;stungsproduktion auf zivile Fertigung. Ach! Wie m&uuml;hsam ist doch oft das Gesch&auml;ft f&uuml;r uns R&uuml;stungs- und Kriegsgegner, wenn wir &ndash; wie dies Anne Rieger bewundernswert im Fall der R&uuml;stungsindustrie tut &ndash; f&uuml;r Konversion eintreten: weg vom Auto, hin zu den &bdquo;Produkten&ldquo;, die eine Verkehrswende erm&ouml;glichen. Siehe meine 2018 ver&ouml;ffentlichte Arbeit zur Kritik der &bdquo;Elektromobilit&auml;t&ldquo; (isw-Report 112\/113) und meine neuen Studien zur st&auml;dtischen Mobilit&auml;t <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion-hannover.de\/nc\/presse\/detail\/news\/a-n-h-oe-r-u-n-g-gem-35-der-geschaeftsordnung-des-rates-zum-thema-saubere-luft-und-mehr-mobilitaet\/\">in Hannover<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/180730-dortmund-verkehrswende-juli2018-ww02.pdf\">in Dortmund<\/a>.<\/p><p>F&uuml;r die Autobosse war diese Konversion nie ein echtes Problem. Da wurde wiederholt &ndash; in den USA, in Japan, in Italien und in Deutschland &ndash; munter in beide Richtungen konvertiert: von zivil auf kriegerisch und von R&uuml;stung f&uuml;r den Krieg zur Hochr&uuml;stung f&uuml;r die Massenmotorisierung. Wie sagte es doch die NS-Gr&ouml;&szlig;e, zu diesem Zeitpunkt Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Hermann G&ouml;ring, am 8. Juli 1938 vor Automanagern: &bdquo;Was, meine Herren, bedeutet Ihr Werk gegen&uuml;ber der Nation? [&hellip;] Was bedeutet das alles, wenn Sie eines Tages statt Flugzeugen Nachtt&ouml;pfe machen! Das ist ja einerlei&hellip;&ldquo; (OMGUS-Report, Ermittlungen gegen die Deutsche Bank, Neuauflage 1985, S. 150).<\/p><p>So ist es. Es ist einerlei, ob Kampfflugzeuge oder Kampf-SUVs, ob  Bomber-Propeller oder Porzellan-Nachtt&ouml;pfe, ob K&uuml;bel-Wagen oder VW-K&auml;fer produziert werden &ndash; solange der Profit stimmt.  <\/p><p><strong>Lee Iacocca (geboren 1924)<\/strong><\/p><p>Lee Iacocca repr&auml;sentiert zun&auml;chst den H&ouml;hepunkt der US-Autoindustrie. Er steht dann aber auch f&uuml;r den Niedergang der US-Autoindustrie und f&uuml;r die staatlichen Eingriffe einer US-Regierung, die bis dahin den &bdquo;freien Kapitalismus&ldquo; predigte. Obgleich der Gipfel seiner T&auml;tigkeit als Automanager in den 1970er und 1980er Jahre liegt, steht er f&uuml;r ein fr&uuml;hes staatlich-dirigiertes &bdquo;America-first!&ldquo;-Programm, wie es 35 Jahre sp&auml;ter von Donald Trump gepredigt und praktiziert wird.<\/p><p>Als Iacocca 1946 seine erste T&auml;tigkeit bei Ford aufnahm, stammten mehr als 80 Prozent aller Autos, die irgendwo auf der Welt hergestellt wurden, aus den USA &ndash; und mehr als 90 Prozent  aller Autos, die irgendwo auf der Welt registriert wurden, rollten zuvor &uuml;ber die Flie&szlig;b&auml;nder der den Weltmarkt monopolisierenden vier US-Autokonzerne GM, Ford, Chrysler und American Motors (der letztgenannte Konzern ging 1979 eine Kooperation mit Renault ein und wurde 1987 von Chrysler &uuml;bernommen).  1980, auf dem H&ouml;hepunkt von Iacoccas Karriere, als dieser Chrysler-Boss war, war der erstgenannte Anteil auf 25 Prozent und der zweite auf 35 Prozent zusammengeschrumpft. Dies war das entscheidende Indiz f&uuml;r den Niedergang der US-Industrie.<\/p><p>1970 bis 1978 war Iacocca Pr&auml;sident der Ford Motor Company, dem zweitgr&ouml;&szlig;ten Pkw-Hersteller der Welt. Der Eigent&uuml;mer und Erbe des Firmengr&uuml;nders, Henry Ford II, feuerte Iacocca 1978  aus ungekl&auml;rten &ndash; offensichtlich pers&ouml;nlichen &ndash;Gr&uuml;nden. Iacocca stieg beim damals bereits maroden Chrysler-Konzern, in Detroit die Nr. 3, ein. Er startete dort &ndash; einem Hollywood-Drehbuch gleich &ndash; einen pers&ouml;nlichen Rachefeldzug gegen Ford und &ndash; so die eigenen und die vorherrschenden, verkl&auml;renden Darstellungen &ndash; gegen den Rest der Autowelt. Tats&auml;chlich gelang die Chrysler-Sanierung zun&auml;chst. Das deutsche Gro&szlig;b&uuml;rgerblatt, hinter dem ein kluger Kopf vermutet wird, bilanzierte 1983: &bdquo;Iacocca verdient alle Bewunderung, die ihm zuteil wird. Dass der Name Chrysler  in Amerika wieder einen guten Klang hat [&hellip;] ist fast ausschlie&szlig;lich sein Verdienst.&ldquo; (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Juli 1983). <\/p><p>Wirklich &ndash; das pers&ouml;nliche Verdienst von Lee A. Iacocca? In Wirklichkeit war der Mann die Charaktermaske f&uuml;r einen beispiellos brutalen Sanierungsprozess, der dennoch am Ende wirkungslos bleiben sollte: Die Chrysler-Auslandsengagements wurden alle abgesto&szlig;en (und damit u.a. die Pkw-Fabriken von Chrysler-Europe, Ex-Simca, sp&auml;ter Talbot, in den Ruin getrieben; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44879\">siehe W. Wolf auf NachdenkenSeiten<\/a>). Die verbliebene Chrysler-Belegschaft wurde nochmals halbiert &ndash; von 133.000 auf 65.000 Besch&auml;ftigte. Die Automobilarbeitergewerkschaft UAW und die Restbelegschaft wurden zu massiven Lohn-Konzessionen erpresst. Vor allem erhielt Chrysler einen Staatskredit in einer damals kaum vorstellbaren H&ouml;he von 1,2 Milliarden US-Dollar (damals 4 Milliarden DM). Der Kredit wurde noch in den letzten Tagen der US-Regierung unter Jimmy Carter gew&auml;hrt. Auf diese Weise konnte der nachfolgende US-Pr&auml;sident Ronald Reagan &ndash; zusammen mit seinen radikalen Chicago-Boys, die nach au&szlig;en die reine Lehre vom freien Markt predigten &ndash; Lee A. Iacocca als Lichtgestalt und &bdquo;F&uuml;hrer der freien Wirtschaft&ldquo; lobpreisen. Was diesem wiederum dazu verhalf, dass sein Buch &bdquo;Iacocca &ndash; eine amerikanische Karriere&ldquo; ein Welterfolg wurde.<\/p><p>Aus Chrysler aber wurde &uuml;ber drei Jahrzehnte hinweg ein Sanierungs- und Pleitefall. Siehe unten unter &bdquo;Sergio Marchionne&ldquo;.<\/p><p>Sehr lehrreich sind die S&auml;tze, die Iacocca &uuml;ber die Chrysler-Sanierung schrieb &ndash; allerdings zu einem Zeitpunkt, als alle Welt noch glaubte, die Sanierung sei gelungen: &bdquo;Wir mussten viele Leute feuern [&hellip;] Es ist wie im Krieg. Wir haben gesiegt, doch mein Sohn ist nicht zur&uuml;ckgekehrt. Es gab Not und Elend. Existenzen wurden zerst&ouml;rt, Eltern mussten ihre Kinder vom College nehmen, begannen zu trinken, lie&szlig;en sich scheiden. Den Konzern als Ganzes haben wir gerettet, aber nur um einen enormen pers&ouml;nlichen Preis, der vielen Menschen abverlangt wurde.&ldquo; (Eine Amerikanische Karriere, D&uuml;sseldorf und Wien 1985, S.290f).<\/p><p>Iacocca pers&ouml;nlich wurde eher wenig abverlangt. Der Mann wurde und ist Multimillion&auml;r.<\/p><p><strong>Osamu Suzuki (geboren 1930)<\/strong><\/p><p>Dieser Autotycoon (den Namen Suzuki erhielt er durch Einheirat in den Suzuki-Clan) steht f&uuml;r dreierlei: Erstens f&uuml;r den Aufstieg eines japanischen R&uuml;stungskonzerns, der nach dem Zweiten Weltkrieg zivile Produkte herstellt. Zweitens f&uuml;r den Aufstieg des japanischen Kapitalismus in den 1970er Jahren zu einem der vier gro&szlig;en imperialistischen Player. Und schlie&szlig;lich drittens f&uuml;r den Aufstieg eines japanischen Autokonzerns zu einem Global Player, der zur Gruppe der zehn gr&ouml;&szlig;ten Autokonzerne z&auml;hlt.<\/p><p>Das Unternehmen Suzuki hatte sich im Zweiten Weltkrieg als Teil des japanisch-industriellen Komplexes (u.a. mit der Herstellung von Munition) zu einem ma&szlig;geblichen Unternehmen des japanischen Kapitalismus gemausert. Nach dem Weltkrieg startete der Konzern mit der Fertigung von Landmaschinen,  Heizungsl&uuml;ftern und Webst&uuml;hlen. Ab den 1950er Jahren dominierten Motorr&auml;der das Gesch&auml;ft. 1955 wurde der erste Suzuki-Kleinwagen vorgestellt. Bis heute ist Suzuki auf Kleinwagen spezialisiert; anders als VW  oder Ford oder Fiat blieb der Konzern bei dieser Spezialisierung und konzentriert sich damit auf die kaufkr&auml;ftige Massennachfrage in den kapitalistischen Zentren &ndash; und nicht zuletzt in &bdquo;emerging markets&ldquo; wie Indonesien, Thailand  und Indien. <\/p><p>Osamu Matsuda &ndash; sp&auml;ter Osamu Suzuki &ndash; begann seine Karriere bei der Suzuki Motor Corporation 1958. Er ist die Personifizierung der genannten Firmenphilosophie. Er steht seit 1978 und nunmehr seit vier  Jahrzehnten an der Spitze des Autoherstellers und gilt als der &bdquo;am l&auml;ngsten amtierende F&uuml;hrer der weltweiten Autoindustrie&ldquo; (Wikipedia; englisch). Er baute Suzuki zum Weltkonzern aus, indem er bewusst die Konfrontation mit den real oder scheinbar &bdquo;ganz Gro&szlig;en&ldquo; mied und zugleich dem Verdr&auml;ngungswettbewerb auf den gro&szlig;en, ges&auml;ttigten Autom&auml;rkten in Nordamerika und Westeuropa weitgehend aus dem Weg ging. Stattdessen eroberte Suzuki die Autom&auml;rkte in Thailand, Indonesien, auf den Philippinen, in Pakistan, Bangladesch, Vietnam, S&uuml;dkorea, &Auml;gypten &ndash; und nicht zuletzt in Indien, wo Suzuki mit seiner &ndash; aus eigenen Kr&auml;ften aufgebauten &ndash; Tochter Maruti der unangefochtene Marktf&uuml;hrer ist. <\/p><p>Anders als die Konkurrenz ging Suzuki nicht das Risiko gro&szlig;er &Uuml;bernahmen ein (wie dies VW mit Seat und Skoda; Daimler mit Fokker, Chrysler und Mitsubishi, Renault mit Nissan und Mitsubishi, Peugeot mit Citroen, Talbot und Opel, BMW mit Rover oder Ford mit Saab und Volvo getan hatten). Aktuell produziert Suzuki in 31 L&auml;ndern und dort in 60 Fabriken.<\/p><p>Diese Zur&uuml;ckhaltung wurde zwei Mal aufgegeben. 2010 ging Osamu Suzuki ein enges B&uuml;ndnis mit VW ein. VW &uuml;bernahm in diesem Zusammenhang sogar 19,9 Prozent des Suzuki-Aktienkapitals. Als der VW-Mehrheitsaktion&auml;r Ferdinand Piech dann jedoch &uuml;berheblich davon quasselte, Suzuki werde &bdquo;die n&auml;chste Marke&ldquo; im VW-Imperium, zog Osama Suzuki die Notbremse. Die Verbindung wurde getrennt; ein veritabler Rosenkrieg zwischen den Auto-Patriarchen Piech und Suzuki wurde in aller &Ouml;ffentlichkeit und vor Gerichten ausgetragen.<\/p><p>2016 gab es den n&auml;chsten Paukenschlag. Die Bosse von Toyota &ndash; Akio Toyoda &ndash; und von Suzuki &ndash; Osamu Suzuki &ndash; verk&uuml;ndeten, zuk&uuml;nftig eine enge Allianz bilden und insbesondere auf dem Kleinwagen-Sektor zusammenarbeiten zu wollen. Dabei will Toyota insbesondere die Tochter Daihatsu mit Suzuki zusammenbringen. Im Mai 2018 verk&uuml;ndeten beide Unternehmen, dass die Zusammenarbeit vertieft und konkretisiert wird. <\/p><p>Das aber w&uuml;rde hei&szlig;en, dass die Nummer 1 und die Nr. 10 der weltgr&ouml;&szlig;ten Autohersteller den Weltautomarkt revolutionieren und zumindest rein rechnerisch mit gro&szlig;em Abstand zur Konkurrenz an die Weltspitze vorr&uuml;cken w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Sergio Marchionne (1962-2018)<\/strong><\/p><p>Sergio Marchionne f&auml;llt im Kreis der hier vorgestellten Autobosse aus dem Rahmen. Nicht nur hinsichtlich seiner vogelwilden Pers&ouml;nlichkeit. Marchionne war &ndash; im Gegensatz zu allen anderen hier vorgestellten Autobossen &ndash; nie ein Mann mit &bdquo;Benzin im Blut&ldquo;: Der Sohn eines Carabinieri  war branchenfremd, als er 2004 an die Spitze von Fiat berufen wurde. Dennoch l&auml;sst sich der Nonkonformist hinsichtlich seiner Rolle in der Weltautobranche charakterisieren: Marchionne steht &ndash; so sehr er als Sanierer gelobt wird &ndash; in dreifacher Weise f&uuml;r <em>Niedergang<\/em>. Erstens f&uuml;r den Niedergang der US-Autoindustrie.  Zweitens f&uuml;r den Niedergang der italienischen Autoindustrie. Und drittens f&uuml;r den Niedergang des italienischen Kapitalismus als Resultat des teutonischen Euro-Regimes.<\/p><p>Nach au&szlig;en hatte der Mann Erfolg. Als er Fiat &uuml;bernahm, schien die Fabbrica Italiana Automobili Torino, deren Kurzform &bdquo;Fiat&ldquo; lateinisch auch  hei&szlig;t &bdquo;Es werde!&ldquo; [welch ein branding!], vor der Pleite zu stehen. &bdquo;Wir verlieren Tag f&uuml;r Tag zwei Millionen Euro&ldquo; &ndash; so Marchionnes Analyse beim Amtsantritt. Und wie das im Kapitalismus so ist: In solchen Zeiten am Abgrund d&uuml;rfen Frauen beziehungsweise Branchenfremde ans Ruder. Unter Marchionnes F&uuml;hrung hat sich die Zahl der im Fiat-Konzern <em>weltweit<\/em> gefertigten Autos mehr als verdoppelt (von 2 Millionen auf 4,7 Millionen Einheiten). Der Konzern ist aktuell profitabel. Auch konnte der Autohersteller von einem weitgehend auf Europa konzentrierten Unternehmen zu einem Konzern umgebaut werden, der zumindest in drei der f&uuml;nf gro&szlig;en Kernm&auml;rkte  f&uuml;r Autos passabel vertreten ist: in Westeuropa, in Nordamerika und in Lateinamerika.<\/p><p>Womit wir bei <em>Niedergang Nummer 1<\/em> w&auml;ren. Fiat stieg 2009 bei dem US-Konzern Chrysler, der &ndash; ebenso wie GM &ndash; in der gro&szlig;en Krise 2007-2009 &ndash; Konkurs anmelden und vom US-Staat mit gewaltigen Steuermilliarden gerettet werden musste, zun&auml;chst mit einem 20-Prozent-Anteil ein. GM steht heute wieder auf eigenen Beinen, ist aber seither strukturell deutlich geschw&auml;cht &ndash; auch weil das Unternehmen wichtige internationale Allianzen  (so eine solche mit Suzuki) und eine wichtige Tochter (Opel bzw. Vauxhall) aufgeben musste. Der Chrysler-Konzern, der von dem Italo-Amerikaner Iacocca angeblich &bdquo;gerettet&ldquo;  wurde (und der 1998 bis 2004 Teil des Daimler-Imperiums war), wurde jetzt ausgerechnet von dem Italo-Kanadier Marchionne in den Fiat-Konzern integriert. (Die vollst&auml;ndige Integration erfolgte erst 2014). Damit ist die US-Autoindustrie substanziell geschw&auml;cht. Sie hat siebzig Jahre lang die Weltbranche Auto dominiert. Sie befindet sich seit den 1970er Jahren auf dem R&uuml;ckzug. Sie wurde in der Krise 2007\/2009 endg&uuml;ltig aus dem Rennen um den Spitzenplatz geworfen. Das Statement des Barack-Obama-Teams im Jahr 2012 &bdquo;Osama bin Laden ist tot &ndash; General Motors lebt&ldquo; erwies sich als doppelt falsch. GM z&auml;hlt heute eher zu den walking deads. Und aus dem US-Krieg gegen den Terrorismus erwachsen immer m&auml;chtigere sogenannte terroristische Gruppen.<\/p><p>Den <em>Niedergang Nummer zwei<\/em> orchestrierte Marchionne h&ouml;chstpers&ouml;nlich (wobei John Elkann, der Erbe der Eignerfamilie Agnelli, ihn dabei offensiv unterst&uuml;tzte). Fiat ist faktisch seit einigen Jahren zerschlagen. 2014 wurde die letzte Fiat-Hauptversammlung in Turin abgehalten. Seither liegt der Firmensitz in Amsterdam und der steuerliche Sitz in London. Die Lkw-Sparte wurde abgespalten. Wichtige Industriebeteiligungen sind verkauft. Die aktuellen Gewinne des Konzerns sind in starkem Ma&szlig; abh&auml;ngig vom &ndash; derzeit noch prosperierenden &ndash; Markt f&uuml;r SUVs; es handelt sich vor allem um Profite aus dem Verkauf von Pkw der Marken Jeep, Dodge, Renegade und RAM und von Luxus-Pkw (Alfa Romeo, Ferrari, Maserati, Lancia). Der Kleinwagenbereich &ndash; urspr&uuml;nglich die St&auml;rke von Fiat &ndash; wurde massiv zur&uuml;ckgefahren. In China ist Fiat nur marginal vertreten. <\/p><p>Damit aber kann vorhergesagt werden: In der n&auml;chsten Wirtschaftskrise wird der Autohersteller Fiat existenziell gebeutelt werden. Und es war Marchionne selbst gewesen, der eine Zukunft von Fiat nur in einem Zusammengehen mit einem der ganz Gro&szlig;en sah. F&uuml;r ein solches Projekt aber erhielt er kein gr&uuml;nes Licht &ndash; oder es fehlte ihm daf&uuml;r das eine und andere Jahr. Die &bdquo;Frankfurter Allgemeine Zeitung&ldquo; bilanzierte bereits 2014: &bdquo;L&auml;ngst ist eingetreten, was sich vor wenigen Jahren weder italienische &Ouml;konomen noch Gewerkschafter vorstellen konnten: Italien ist keine bedeutende Autonation mehr.&ldquo; (2. August 2014) <\/p><p>Das Drama, das Marchionne verk&ouml;rpert, wird durch den <em>Niedergang Nummer drei<\/em> vollkommen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde die Autofertigung in Italien radikal gekappt. Die Pkw-Produktion im Land &ndash; die fast ausschlie&szlig;lich von Fiat (zusammen mit den Fiat-T&ouml;chtern Alfa Romeo, Lancia und Ferrari) bestimmt wird &ndash; lag 1990 noch bei 1,9 Millionen Fahrzeugen. 2017 waren es nur noch etwas mehr 700.000 Einheiten. In Krisenzeiten &ndash; so im Jahr 2013 &ndash; lag diese Zahl sogar bei weniger als 400.000. Zu diesem Niedergang kam es seit der Einf&uuml;hrung des Euro. Und dies aus gutem Grund &ndash; konkretisiert f&uuml;r ein typisches Fiat-Produkt. In fr&uuml;heren Zeiten konnte das Fiat-Mittelklasse-Modell Ritmo (sp&auml;ter der Fiat Uno) gegen das Modell Golf von VW relativ erfolgreich konkurrieren, weil die nationale W&auml;hrung Lire immer weder stark abgewertet wurde. Allein im Zeitraum M&auml;rz 1979 bis August 1993 verlor diese gegen&uuml;ber der Deutschen Mark 52 Prozent ihres Werts. Rein rechnerisch verbilligte sich damit der Preis des Ritmo bzw. des Uno auf dem deutschen Markt (und auf M&auml;rkten, die eng mit der DM verbunden waren) im selben Ma&szlig;. Diese M&ouml;glichkeit gibt es seit 1999 nicht mehr. Auch aus diesem Grund hat Fiat gro&szlig;e Teile seiner Autoproduktion in Nicht-Euro-L&auml;nder wie Polen und USA ausgelagert. <\/p><p>Wobei Fiat hier stellvertretend f&uuml;r die Krise des italienischen Kapitalismus steht. Der Weltmarktanteil Italiens hat sich seit 1980 auf 2,3 Prozent halbiert. 1995 war Italien der sechstgr&ouml;&szlig;te Exporteur der Welt; 2017 lag das Land auf Rang 10. <\/p><p>Vor allem befindet sich Italien seit einem Jahrzehnt in einer Stagnationsphase. Das Land werkelt  im Vorkrisenmodus. Oder auch: Es torkelt am Rande des Abgrunds. Die &ouml;ffentlichen Schulden Italiens lagen 1980 bei 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, bei der Euroeinf&uuml;hrung betrug diese Quote 100 Prozent; 2017 wurden 130 Prozent erreicht. Damit aber liegt die italienische Schuldenquote nur wenig unter dem Niveau, das Griechenland am Beginn der gro&szlig;en Krise dieses Landes, 2010, erreicht hatte. Wobei die absolute Summe der &ouml;ffentlichen Schulden Italiens in H&ouml;he von 2,5 Billionen Euro das Achtfache der griechischen Schulden ausmacht. Es gibt gute Gr&uuml;nde davon auszugehen, dass &ndash; <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/business\/comment\/italy-new-recession-eurozone-china-ashoka-mody-european-central-bank-a8430486.html\">wie es in einer Analyse des britischen &ldquo;Independent&ldquo; vom 4. Juli 2018 hei&szlig;t<\/a>, &bdquo;Italy could face the perfect storm&ldquo;, dass Italien im Fall der n&auml;chsten weltweiten Krise vor einem perfekten Orkan stehen k&ouml;nnte.<\/p><p>Italien als Industriestaat in der Euro-Zwangsjacke befindet sich auf der Verliererstra&szlig;e. Just dies war auch der Befund von Sergio Marchionne. Dessen Kernaussage lautete, dass man im Heimatland des Turiner Autobauers nicht profitabel produzieren k&ouml;nne. Als Beispiel f&uuml;hrte er an, dass von dem jeweiligen operativen Ertrag von Fiat so gut wie kein Euro in Italien selbst verdient werde. Falls sich die Situation im &bdquo;bel paese&ldquo; nicht grundlegend &auml;ndern werde, s&auml;he sich &ndash; so Marchionne &ndash; der Autokonzern gezwungen, seine Produktion schrittweise ins Ausland zu verlagern. Was er tat. Und was weiter &ndash; nunmehr ohne Marchionne &ndash; erfolgen wird. <\/p><p>Wobei der Mann mit dem Pullover nicht nur auf Pressekonferenzen  hemds&auml;rmelig Wahrheiten sagte. Er trat auch gegen&uuml;ber den Besch&auml;ftigten in Detroit oder Turin hemds&auml;rmelig auf und verlangte Lohnverzicht auf Lohnverzicht. <\/p><p>Da waren Lee A. Iacocca und Sergio Marchionne derselben Auffassung. Beide argumentierten: &bdquo;Wir befinden uns im Krieg&ldquo;. Es handelt sich um einen Krieg gegen Umwelt, St&auml;dte, Klima und Besch&auml;ftigte. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Winfried Wolf<\/strong> ist Chefredakteur von Lunapark21. Zum Thema Autoindustrie und Verkehr erschienen vom Autor in j&uuml;ngerer Zeit u.a  Verkehr. Umwelt. Klima. Die Globalisierung des Tempowahns (2. Aufl. Wien 2009; Promedia),[zusammen mit Bernhard Knierim] Bitte umsteigen, 20 Jahre Bahnreform (Stuttgart 2014; Schmetterling), abgrundtief + bodenlos. Stuttgart 21, sein absehbares Scheitern und die Kultur des Widerstands (PapyRossa, K&ouml;ln Januar 2018 und Elektro-Pkw als Teil der Krise der aktuellen Mobilit&auml;t (isw-Report 112\/113; Mai 2018).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Sergio Marchionne starb eine markante Figur der internationalen Autoindustrie, derjenigen Branche, die in den gro&szlig;en f&uuml;hrenden Industriel&auml;ndern USA, China, Japan, Deutschland, Frankreich, S&uuml;dkorea und Italien Leitbranche ist, die den Weltkapitalismus formt und die zugleich seit 1974 auch den Zyklus der Weltkonjunktur ma&szlig;geblich bestimmt. Die Medien brachten anl&auml;sslich des Tods von Marchionne freundliche und teilweise<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45210\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[131,73],"tags":[1565,2421,2139,2138,1852,577,416,554,906,2420,1556,1371],"class_list":["post-45210","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","category-verkehrspolitik","tag-automobilindustrie","tag-chrysler","tag-fiat","tag-ford","tag-general-motors","tag-italien","tag-nationalsozialismus","tag-opel","tag-ruestungsindustrie","tag-suzuki","tag-usa","tag-volkswagen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45210"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54376,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45210\/revisions\/54376"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}