{"id":4524,"date":"2010-02-17T08:51:50","date_gmt":"2010-02-17T07:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4524"},"modified":"2014-11-26T17:24:26","modified_gmt":"2014-11-26T16:24:26","slug":"tuerkische-regierung-haelt-am-staudammprojekt-fest-und-der-widerstand-in-der-bevoelkerung-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4524","title":{"rendered":"T\u00fcrkische Regierung h\u00e4lt am Staudammprojekt fest und der Widerstand in der Bev\u00f6lkerung geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Das umstrittene Ilisu-Staudammprojekt in der T&uuml;rkei galt offiziell als gescheitert, nachdem Deutschland, &Ouml;sterreich und die Schweiz die B&uuml;rgschaften f&uuml;r das Projekt stoppten. Als erstes Geldinstitut erkl&auml;rte die UniCredit\/Bank-Austria <a href=\"http:\/\/www.unicreditgroup.eu\/en\/events\/Event0464.htm\">ihren R&uuml;ckzug<\/a>, diesem Schritt folgten die deutsche DekaBank und die franz&ouml;sische Soci&eacute;t&eacute; G&eacute;n&eacute;rale. Begr&uuml;ndet wurde der Ausstieg mit der Nichterf&uuml;llung vertraglich vereinbarter Auflagen seitens der T&uuml;rkei. Der wahre Grund d&uuml;rfte vermutlich in der Bef&uuml;rchtung um die internationale Reputation angesichts der fragw&uuml;rdigen Umweltpolitik liegen. Die T&uuml;rkei kritisierte den R&uuml;ckzug der europ&auml;ischen L&auml;nder aus dem strittigen Staudammprojekt scharf und k&uuml;ndigte an, das Projekt trotz des Ausstiegs der Europ&auml;er weiter vorantreiben zu wollen. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nDer chinesische Botschafter in Ankara gab nun bekannt, dass China am Projekt interessiert sei. Des Weiteren ist die staatliche chinesische Exportversicherung Sinosure f&uuml;r eine Risikob&uuml;rgschaft im Gespr&auml;ch. Die t&uuml;rkischen Geldinstitute &bdquo;Garantibank&ldquo; und &bdquo;Akbank&ldquo;, die bereits in die Finanzierung des Projekts involviert sind, sollen nach dem Ausstieg der europ&auml;ischen Banken (Bank Austria 230 Mio. Euro, DEKA Bank 114 Mio. Euro, Soci&eacute;t&eacute; G&eacute;nerale, 156 Mio. Euro), die zus&auml;tzlichen Finanzierungen &uuml;bernehmen. Dagegen formierte sich heftiger Widerstand in der Bev&ouml;lkerung. Nach einer aktuellen &Auml;u&szlig;erung des t&uuml;rkischen Premiers Erdogan seien die fehlenden Finanzierungen nun gew&auml;hrleistet, allerdings wurde bislang nicht offiziell best&auml;tigt, dass die Banken die Vertr&auml;ge unterschrieben haben. Die Staudammgegner haben unterdessen angek&uuml;ndigt, den Widerstand, auch nach der 5. Bauank&uuml;ndigung Erdogans, fortzusetzen.<\/p><p>Am 6. Juli 2009 lief f&uuml;r die T&uuml;rkei die letzte Frist von 180 Tagen zur Erf&uuml;llung der Auflagen zum Schutz f&uuml;r Umwelt und der in der Region befindlichen Kulturg&uuml;ter ab. Die T&uuml;rkei lie&szlig; die Frist verstreichen, ohne die mehr als 150 Auflagen der Exportkreditversicherer &Ouml;sterreichs (&Ouml;sterreichische Kontrollbank, 285 Mio. Euro), Deutschlands (Euler-Hermes, 93,5 Mio. Euro) und der Schweiz (Serv, 135 Mio. Euro) <a href=\"\/?p=3493\">zu erf&uuml;llen<\/a>. Deshalb zogen die Exportkreditagenturen am 7. Juli 2009 ihre Garantien komplett zur&uuml;ck. Die T&uuml;rkei wertete die Entscheidung der europ&auml;ischen Exportkreditagenturen und Banken als politisch motiviert. Nach Meinung des t&uuml;rkischen Umweltministerium sei es lediglich eine Behauptung der Exportkreditagenturen, dass &bdquo;trotz einiger bedeutender Verbesserungen die Forderungen in den Gebieten des kulturellen Erbes und der Wiederansiedlung nicht innerhalb des vertraglich festgesetzten Zeitrahmens erf&uuml;llt wurden und es infolgedessen keine Basis gebe, das Projekt mit der Exportrisikoversicherung fortzusetzen&ldquo;. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.hurriyet.com.tr\/english\/domestic\/12022266.asp\">Hurriyet-DailyNews<\/a>)<\/p><p><strong>Das Projekt l&ouml;ste von Anfang an heftigen <a href=\"\/?p=3119\">Widerstand aus<\/a><\/strong><br>\nHeike Drillisch vom Berliner Aktionskreis Ilisu-Hasankeyf begr&uuml;&szlig;te den Ausstieg der Bundesregierung aus dem Ilisu-Projekt. &bdquo;Wir setzen darauf, dass auch andere m&ouml;gliche Finanziers wie chinesische Exportkreditagenturen und t&uuml;rkische Banken diese Standards nicht unterlaufen werden und die t&uuml;rkische Regierung jetzt umdenkt. Das Land verf&uuml;gt &uuml;ber ein riesiges Potenzial f&uuml;r alternative Energie- und Einkommensquellen, die weniger sch&auml;dlich f&uuml;r die Umwelt, die Menschen und Kulturg&uuml;ter sind.&rdquo; Nach Ansicht von ECA Watch &Ouml;sterreich (Teil einer weltweit agierenden Plattform von Umwelt-, Menschenrechts-, und Entwicklungsorganisationen, die sich gegen staatliche F&ouml;rderung von verantwortungslosen Exportprojekten richtet) ist positiv zu sehen, dass jede Firma und jeder Finanzier, die bzw. der sich im Ilisu-Staudammprojekt engagiert, mit internationalem Widerstand und &Auml;chtung konfrontiert werden. Das europ&auml;ische B&uuml;ndnis &bdquo;Stop Ilisu &ndash; Rettet Hasankeyf&ldquo; hat am 1. Februar eine sehr lesenswerte Brosch&uuml;re (bislang leider nur in Englisch) mit eindrucksvollen Fotos zum Staudammprojekt ver&ouml;ffentlicht, die unter <a href=\"http:\/\/www.stopilisu.com\/front_content.php\">&ldquo;StopIlisu&rdquo;<\/a> abgerufen werden kann. <\/p><p><strong>Andritz AG h&auml;lt sich bedeckt<\/strong><br>\nAls einziges in das Projekt involvierte europ&auml;ische Unternehmen verhandelte die &ouml;sterreichische Andritz AG weiter mit der T&uuml;rkei &uuml;ber das k&uuml;nftige Vorgehen. Der Vorstandsvorsitzende von Andritz, Wolfgang Leitner, &auml;u&szlig;erte sich am 9. September 2009 in der &ouml;sterreichischen Zeitung <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/wirtschaft\/economist\/501055\/index.do?from=suche.intern.portal\">&bdquo;Die Presse&ldquo;<\/a> zum Ausstieg der Exportkreditagenturen: &bdquo;Wir achten nat&uuml;rlich auf Standards, aber wir k&ouml;nnen nicht einfach Auftr&auml;ge ablehnen, nur weil eine Nichtregierungsorganisation dagegen ist &ndash; da verlieren wir unsere Glaubw&uuml;rdigkeit bei den Kunden.&ldquo; ECA Watch &Ouml;sterreich hat den Anlagenbauer Andritz AG wegen vielfacher Beteiligung an &ouml;kologisch und sozial verheerenden Projekten f&uuml;r den internationalen &ldquo;Public Eye Award&rdquo; vorgeschlagen, da Andritz in internationalen NGO Kreisen l&auml;ngst nicht mehr f&uuml;r Qualit&auml;t, sondern f&uuml;r Beteiligung an umweltsch&auml;dlichen Projekten stehe. &bdquo;Man muss leider sagen, wo Andritz draufsteht, ist oft eine Katastrophe drin&rdquo;, so Ulrich Eichelmann von ECA Watch &Ouml;sterreich. Der &bdquo;Public Eye Award&rdquo;, mit dem allj&auml;hrlich Wirtschaftsunternehmen f&uuml;r besonders r&uuml;cksichtsloses Verhalten ausgezeichnet werden, wurde am 27. Januar 2010 am Er&ouml;ffnungstag des Weltwirtschaftsgipfels in Davos von der Schweizer NGO &ldquo;Erkl&auml;rung von Bern&rdquo; und von Greenpeace <a href=\"http:\/\/www.eca-watch.at\/downloads\/Public_Eye_Nominierung_2010.pdf\">an Andritz vergeben [PDF &ndash; 94KB]<\/a>. Mittlerweile ist anscheinend auch Andritz vom dem Staudammprojekt abger&uuml;ckt. Alexander Schwab, Leiter der Andritz Hydro, sagte &bdquo;Ob man je Turbinen liefern werde, sei nicht abzusch&auml;tzen. Das werde erst in drei, vier Jahren entschieden, <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/wirtschaft\/international\/536147\/index.do?_vl_backlink=\/home\/wirtschaft\/international\/index.do\">wenn die Bauarbeiten fertig sind.&ldquo;<\/a>  <\/p><p><strong>Etappensieg f&uuml;r die Bewohner<\/strong><br>\nNach dem R&uuml;ckzug der europ&auml;ischen Exportkreditagenturen sollen nun die t&uuml;rkische Akbank und die Garanti Bank die Finanzierung aufbringen. Es wirkt geradezu paradox, dass sich die Garanti Bank in der T&uuml;rkei als Umweltbank vermarktet. In der t&uuml;rkischen Bev&ouml;lkerung formiert sich immer mehr Widerstand gegen das Projekt und auch gegen die Beteiligung der Banken. W&auml;hrend in Istanbul vor den Zentrale der Garanti Bank eine Protestaktion der NGO Doga Dernegi stattfand, hielt die Initiative zur &bdquo;Rettung von Hasankeyf&ldquo; in der Provinzhauptstadt Batman eine Pressekonferenz mit dem B&uuml;rgermeister von Diyarbakir, Osman Baydemir, und 20 weiteren B&uuml;rgermeistern aus der Region ab. Dabei wurden die beiden t&uuml;rkischen Banken aufgefordert, aus dem Projekt auszusteigen, da ansonsten tausende Kunden ihre Konten k&uuml;ndigen werden. (Quelle: <a href=\"http:\/\/m-h-s.org\/ilisu\/front_content.php?idcat=143&amp;idart=586\">m-h-s<\/a>)<\/p><p>Im Januar wurden die Bewohner des Ilisu-Staudammgebiets mit der Tatsache konfrontiert, dass sie im Sommer ihre D&ouml;rfer verlassen sollen, ohne dass ihnen ausreichende Entsch&auml;digungen gezahlt bzw. neue Einkommensm&ouml;glichkeiten angeboten wurden. Auch die Menschen au&szlig;erhalb der antiken Stadt Hasankeyf m&uuml;ssen laut Medienberichten ihr Land fast entsch&auml;digungslos f&uuml;r den Staudamm abtreten. Kaum zu glauben, dass ein Gerichtsurteil die angebotenen Entsch&auml;digungssummen sogar noch einmal auf umgerechnet 43 Cent pro Quadratmeter halbierte. Damit k&ouml;nnen die Betroffenen weder neues Land, eine kleine Stadtwohnung, geschweige denn eine geeignete Unterkunft f&uuml;r eine Gro&szlig;familie <a href=\"http:\/\/m-h-s.org\/ilisu\/front_content.php?idcat=143&amp;idart=583\">erworben werden<\/a>. <\/p><p>Am 12. Februar wurde die Landenteignung vom Verwaltungsgericht in Diyarbakir f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rt. Die Dorfbewohner von Kesmek&ouml;pr&uuml; III (Dorf gegen&uuml;ber Hasankeyf) hatten geklagt, da sie der Staat ohne auf ihre Forderungen einzugehen, enteignet hatte. Das Gerichtsurteil ist ein Erfolg f&uuml;r die betroffenen Landwirte, denn nun muss <a href=\"http:\/\/m-h-s.org\/ilisu\/front_content.php?idcat=143&amp;idart=601\">neu verhandelt werden<\/a>. Gegen die Wasserprivatisierungswelle in der T&uuml;rkei hat sich inzwischen ein <a href=\"\/?p=3852\">breites B&uuml;ndnis formiert<\/a>, die Staudammgegner sind mittlerweile gut aufgestellt und haben prominente Unterst&uuml;tzer, auch in Deutschland, <a href=\"http:\/\/m-h-s.org\/ilisu\/front_content.php?idart=487\">gewinnen k&ouml;nnen<\/a> . <\/p><p><strong>Medien als Manipulationsmittel<\/strong><br>\nWie sehr Politik und Medien versuchen die Menschen &uuml;ber die Umsiedlung am Staudamm zu manipulieren und zu t&auml;uschen, zeigt z.B. eine zehnteilige Dokumentarfilmreihe, die im staatlichen Fernsehen mit dem Titel &bdquo;Die Hoffnung auf Wasser&ldquo; gesendet wird. Der Film zeigt Menschen, die umgesiedelt wurden bzw. deren Umsiedlung bevorsteht. Es werden Menschen interviewt, die gl&uuml;cklich und zufrieden sind, da sie nun &uuml;ber warmes Wasser und Sonnenernergie verf&uuml;gen. Die Sponsoren des Films sind &uuml;brigens Baufirmen. G&uuml;ven Eken, Vorsitzender des Naturvereins in der T&uuml;rkei, kritisiert den Dokumentarfilm mit den Worten: &bdquo;Wenn Baufirmen eine Serie &uuml;ber Staudammprojekte finanzieren, dann ist das so, als produziere eine R&uuml;stungsfirma einen <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/wirtschaft\/eastconomist\/529832\/index.do\">Film f&uuml;r den Frieden<\/a>.&ldquo;<\/p><p><strong>Hinweis auf &bdquo;Water makes money&ldquo; &ndash; Ein Filmprojekt gegen die Privatisierung von Wasser<\/strong><\/p><p>In der T&uuml;rkei sollen Seen, Fl&uuml;sse, Quellen und andere Gew&auml;sser privatisiert werden. Das Gesch&auml;ft mit dem Wasser lockt Trinkwasser- und Bew&auml;sserungsfirmen an, aber auch Energie-, Bergbau-, Chemie-, Bauunternehmen und Nahrungsmittelkonzerne. Das Gesch&auml;ft mit dem Wasser verspricht hohe Renditen und wird zur privaten Profitquelle f&uuml;r Investoren und Aktion&auml;re. Trotz der bekannt gewordenen erheblichen Defizite hinsichtlich der Ziele der Armutsbek&auml;mpfung, Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit ist weder eine Abkehr von der Staudamm- noch von der Privatisierungspolitik zu erkennen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation Attac mit B&uuml;ndnispartnern den Film <a href=\"http:\/\/www.watermakesmoney.com\/\">&bdquo;Water makes money&ldquo;<\/a> auf den Weg gebracht, der im M&auml;rz in die Kinos kommt. Es ist ein Film &bdquo;von unten&ldquo;, der u.a. zeigen wird, was Paris und andere franz&ouml;sische Gemeinden aus der Herrschaft von Veolia &amp; Konsorten gelernt haben. Der Film f&uuml;hrt vor Augen, dass die Privatisierungen mit einer auf Generationen angelegten Vorsorge f&uuml;r &ouml;rtliche Grundwasser, der kontinuierlichen Wartung und Instandhaltung nichts mehr zu tun hat. Allein der Globalplayer Veolia, ist heute in 72 L&auml;ndern auf allen f&uuml;nf Kontinenten pr&auml;sent und in k&uuml;rzester Zeit, durch Beteiligungen beispielsweise in 450 deutschen Kommunen, zum gr&ouml;&szlig;ten Versorger im Trink- und Abwasserbereich aufgestiegen. St&auml;ndig melden die franz&ouml;sischen Globalplayer neue Eroberungen und versprechen g&uuml;nstigere Finanzierungsm&ouml;glichkeiten, Effektivit&auml;t und Nachhaltigkeit. In Frankreich, der Heimat der Konzerne, versorgen Veolia und Suez 8 von 10 B&uuml;rgern mit Wasser, aufgrund der negativen Erfahrungen glaubt kaum mehr jemand den Verhei&szlig;ungen. Mehr als hundert franz&ouml;sische Kommunen wollen die Kontrolle &uuml;ber diese lebenswichtigen Dienste wieder zur&uuml;ckholen. <\/p><p>Attac f&uuml;hrt das Beispiel an, dass Veolia f&uuml;r den Erwerb der Abwasseraufbereitung in Braunschweig, keinen Cent Eigenkapital aufgebracht hat. Der &bdquo;Kaufpreis&rdquo; und die Investitionen werden nur mit Krediten der Nord LB und der &ldquo;Pleitebank&rdquo; Dexia finanziert, zur&uuml;ckzuzahlen mit Zins und Zinseszins von den Braunschweiger B&uuml;rgern. Der Film dreht sich um die Welle der Wasserprivatisierung, die sich in den letzten 10-15 Jahren durch die ganze Welt bewegt. Heere von Beraterfirmen klopfen bei finanziell klammen Kommunen an die T&uuml;r und versprechen Geldsegen, in Form neuer Gesch&auml;ftsmodelle wie Public Private Partnership (PPP), an welchen Beraterfirmen und Investoren pr&auml;chtig verdienen, aber die Kunden zur Kasse gebeten werden. Wir alle kennen die Versprechen insbesondere vor den Wahlen, dass keinesfalls privatisiert werde. Aber wie wir wissen, wird vor der Wahl, w&auml;hrend des Krieges und nach der Jagd heftig gelogen und so hei&szlig;t es dann nicht selten nach der Wahl, dass das Abwasser bzw. Trinkwasser nur f&uuml;r 30, 60 oder 90 Jahre von privaten Anbietern betrieben werde, jedoch die Anlagen im Besitz der Kommunen bleiben. Der B&uuml;rger wird schlichtweg f&uuml;r dumm verkauft. Die umfassenden Vertr&auml;ge, &uuml;berdies meist in englischer Sprache, versteht kaum ein Stadt- oder Gemeinderat, obendrein bekommen viele Kommunen den vollen Vertragstext gar nicht zu Gesicht. Sp&auml;ter kommt dann das b&ouml;se Erwachen, denn es geht nicht um eine qualitativ hochwertige, nachhaltige Versorgung zu vertr&auml;glichen Preisen f&uuml;r die Verbraucher sondern allein um den Profit. Infrastrukturobjekte sind bei privaten Investoren begehrt, denn aufgrund der langen Laufzeit und der Investitionen, die der Staat in vielen Jahren mit viel Geld get&auml;tigt hat, sind sie in einem relativ guten Zustand. &Uuml;berdies ist eine sichere Rendite zu erwarten, da der Vertragspartner h&ouml;chste Bonit&auml;t besitzt und die B&uuml;rger auf die Leistungen angewiesen sind. Auch f&uuml;r Beraterfirmen sind PPP-Projekte im Infrastrukturbereich hoch attraktiv, da sie f&uuml;r die Ausarbeitung der Machbarkeitsstudien und der den Projekten zugrunde liegenden Vertr&auml;ge Honorare in Millionenh&ouml;he verlangen k&ouml;nnen, f&uuml;r die letztendlich der Steuerzahler zahlt. Welcher B&uuml;rgermeister oder welcher Regierungschef w&uuml;rde nachtr&auml;glich zugeben, dass er den Steuerzahler gesch&auml;digt hat? Obendrein kann nach mehreren Jahren kaum noch jemand f&uuml;r eine Fehlentscheidung zur Verantwortung gezogen werden. Meist sind die Verantwortlichen dann l&auml;ngst nicht mehr im Amt und ihren Nachfolgern bleibt nur noch das belastende Erbe, die vertraglichen Verpflichtungen zu erf&uuml;llen. Der Schaden trifft immer den Steuerzahler und der kann sich ohnehin kaum noch wehren. <\/p><p>Der Film &bdquo;Water makes money&ldquo; befasst sich mit Hintergr&uuml;nden, Profiteuren und Auswirkungen der Wasserpolitik. Es ist ein investigativer Film, der vielen Menschen die Augen &uuml;ber das globale Gesch&auml;ft mit dem Wasser &ouml;ffnen wird. Wenn ein Dokumentarfilm &uuml;ber die uns&auml;gliche Wasserpolitik um die Welt geht, besteht die Hoffnung, dass sich weltweit Widerstand gegen das Gesch&auml;ft mit dem Wasser formiert und ein globales Umdenken von Wasser als Handelsware zu Wasser als Menschenrecht stattfindet. Er soll den Menschen Mut machen sich f&uuml;r den Verbleib des Wassers in B&uuml;rgerhand zu engagieren. <\/p><p>&Uuml;brigens hat Konstantin Wecker die Musik f&uuml;r den Film komponiert. Er unterst&uuml;tzt den Film, weil ihm unbegreiflich ist, dass Menschen der Meinung sind, man m&uuml;sse mit Wasser Gesch&auml;fte machen. Es m&uuml;sse seiner Ansicht nach alles getan werden, damit alle Menschen auf der Welt Zugang zu sauberen Trinkwasser haben. Es sei ungeheuerlich, dass Kommunen, ja ganze L&auml;nder ihr Wasser, ihre Seen und Fl&uuml;sse an Privatfirmen verscherbeln. Man bedenke nur welche Macht in den H&auml;nden dieser Firmen liegt. Das werfe die Frage auf, was in 20 oder 30 Jahren ist, wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten werde? Diese Macht sei erschreckend, so Konstantin Wecker. <\/p><p>Protestaktionen, Presseaktivit&auml;ten und Veranstaltungen haben bereits zu der Trendwende gef&uuml;hrt, dass Exportkreditagenturen und europ&auml;ische Banken aus dem Projekt ausgestiegen sind. Das ist ein demokratischer Erfolg. Ein Projekt wie der Ilisu-Staudamm ist aber erst dann wirklich gescheitert, wenn der Auftraggeber T&uuml;rkei nicht mehr daran festh&auml;lt. Daf&uuml;r braucht es eine breite B&uuml;rgerbewegung, die sich friedlich, mutig und beharrlich gegen dieses Vorhaben stellt und es braucht aufgekl&auml;rte B&uuml;rger und Politiker, die sich von den Profiteuren der Wasserpolitik nichts mehr vormachen lassen. <\/p><p><strong>Aktueller Hinweis:<\/strong><br>\n<strong>Privatisierung von Gew&auml;ssern soll beendet werden<\/strong><br>\nMit einem Gesetzentwurf zur Regelung der Privatisierung von bundeseigenen oberirdischen Gew&auml;ssern (17\/653) will die Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen den Verkauf dieser Gew&auml;sser beenden. Lediglich eine &Uuml;bertragung der Seen an die Bundesl&auml;nder sowie an Umweltstiftungen oder Umweltvereinigungen &rdquo;zu Zwecken des Naturschutzes und zur Vermeidung weiterer Privatisierungen&ldquo; solle noch m&ouml;glich sein, schreiben die Abgeordneten in dem Entwurf.<br>\nIn der Begr&uuml;ndung hei&szlig;t es, besonders in Ostdeutschland w&uuml;rden viele Gew&auml;sser derzeit zum Verkauf stehen. Dem weiteren Verkauf m&uuml;sse jedoch Einhalt geboten werden, da die Privatisierung die Nutzung der Seen zur Naherholung und zum Naturtourismus gef&auml;hrden k&ouml;nne. Au&szlig;erdem k&ouml;nne die &ouml;kologische Funktion der Gew&auml;sser in Gefahr geraten. Daher m&uuml;sse es f&uuml;r stehende bundeseigene Oberfl&auml;chengew&auml;sser ein grunds&auml;tzliches Verkaufsverbot geben. Da sich die Seen im Eigentum des Bundes befinden w&uuml;rden, stehe dem Haushaltsgesetzgeber als &rdquo;Herr des Budgets&ldquo; die Dispositionsfreiheit &uuml;ber die Gew&auml;sser zu. Daher k&ouml;nne der Bund auch vorsehen, dass die Gew&auml;sser in seinem Eigentum bleiben. Eine &Uuml;bertragung an die L&auml;nder oder an Umweltstiftungen solle jedoch als Ausnahme m&ouml;glich werden. Dabei m&uuml;ssten jedoch Voraussetzungen erf&uuml;llt werden: So d&uuml;rfe das &uuml;bertragene Gew&auml;sser nur zu Naturschutzzwecken verwendet werden. Und es m&uuml;sse au&szlig;erdem sichergestellt werden, dass keine Weiterver&auml;u&szlig;erung erfolge. Auch eine Vermietung oder Verpachtung der Gew&auml;sser soll ausgeschlossen sein.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/2010_02\/2010_039\/01.html\">Deutscher Bundestag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das umstrittene Ilisu-Staudammprojekt in der T&uuml;rkei galt offiziell als gescheitert, nachdem Deutschland, &Ouml;sterreich und die Schweiz die B&uuml;rgschaften f&uuml;r das Projekt stoppten. Als erstes Geldinstitut erkl&auml;rte die UniCredit\/Bank-Austria <a href=\"http:\/\/www.unicreditgroup.eu\/en\/events\/Event0464.htm\">ihren R&uuml;ckzug<\/a>, diesem Schritt folgten die deutsche DekaBank und die franz&ouml;sische Soci&eacute;t&eacute; G&eacute;n&eacute;rale. Begr&uuml;ndet wurde der Ausstieg mit der Nichterf&uuml;llung vertraglich vereinbarter Auflagen seitens der T&uuml;rkei.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4524\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[162,20,144,178],"tags":[238,999,950,1000,335,446],"class_list":["post-4524","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energiepolitik","category-landerberichte","category-private-public-partnership","category-ressourcen","tag-attac","tag-erdogan-recep-tayyip","tag-tuerkei","tag-veolia","tag-wasserversorgung","tag-wecker-konstantin"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4524"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4524\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22698,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4524\/revisions\/22698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}