{"id":45242,"date":"2018-08-01T08:45:57","date_gmt":"2018-08-01T06:45:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45242"},"modified":"2019-01-12T11:07:11","modified_gmt":"2019-01-12T10:07:11","slug":"ring-frei-zu-runde-dreizehn-die-endlosschleife-im-armen-bashing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45242","title":{"rendered":"Ring frei zu Runde Dreizehn \u2013 Die Endlosschleife im Armen-Bashing"},"content":{"rendered":"<p>Regelm&auml;&szlig;iges &ouml;ffentliches Bashing gegen&uuml;ber Hartz-IV-Empf&auml;ngern geh&ouml;rt hierzulande ja inzwischen schon zum guten Ton. Ist das doch unverzichtbar, um dem seit Einf&uuml;hrung der Agenda 2010 nicht verebbenden Widerstand in der Bev&ouml;lkerung ein so dringend notwendiges Erregungspotential entgegenzusetzen. Denn ohne eine gezielte Stimmungsmache gegen die &Auml;rmsten der Armen in unserem Land w&uuml;rde wohl immer mehr die Erkenntnis Raum greifen, dass etwas faul ist im Staate Deutschland. Von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45242#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4183\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45242-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180801_Die_Endlosschleife_im_Armen_Bashing_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180801_Die_Endlosschleife_im_Armen_Bashing_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180801_Die_Endlosschleife_im_Armen_Bashing_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180801_Die_Endlosschleife_im_Armen_Bashing_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45242-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180801_Die_Endlosschleife_im_Armen_Bashing_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180801_Die_Endlosschleife_im_Armen_Bashing_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer erinnert sich nicht an die menschenverachtenden Worte aus dem Wirtschafts- und Arbeitsministerium Wolfgang Clements, das schon 2005 im Zusammenhang mit Arbeitslosen von &bdquo;<a href=\"https:\/\/bildblog.de\/871\/parasiten\/\">Parasiten<\/a>&ldquo; und &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2005\/10\/para-o25.html\">parasit&auml;rem Verhalten<\/a>&ldquo; geschrieben hatte. Sein ehemaliger Parteigenosse, der Berliner Finanzsenator und kurzzeitige Bundesbanker Thilo Sarrazin, meinte 2009 &auml;u&szlig;ern zu m&uuml;ssen, dass es Hartz-IV-Empf&auml;nger &bdquo;gern warm haben&ldquo; und viele von ihnen <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/altersvorsorge\/thilo-sarrazin-hartz-iv-empfaenger-haben-es-gerne-warm_aid_398686.html\">die Zimmertemperatur &bdquo;mit dem Fenster regulieren&ldquo;<\/a> w&uuml;rden. An anderer Stelle empfahl Sarrazin den Sozialleistungsempf&auml;ngern, doch lieber kalt zu duschen, da &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!5146728\/\">ein Warmduscher noch nie im Leben weit gekommen<\/a>&ldquo; sei. Ganz abgesehen von seinem dubiosen <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/article1649762\/Sarrazin-entwickelt-Hartz-IV-Speiseplan.html\">Hartz-IV-Speiseplan<\/a>. Glaubte der SPD-Arbeitsminister Franz M&uuml;ntefering noch <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/online\/2006\/20\/Schreiner\">sinnverzerrend<\/a> das Bibelzitat aus dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/2._Brief_des_Paulus_an_die_Thessalonicher#Sonstiges\">2. Paulusbrief an die Thessalonicher<\/a> &bdquo;Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen&ldquo; gegen die vermeintlich Arbeitsfaulen einsetzen zu k&ouml;nnen, belehrte der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/article702517\/Beck-empfiehlt-Arbeitslosem-sich-zu-waschen-und-zu-rasieren.html\">damalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck<\/a> einen Arbeitslosen mit den Worten &bdquo;Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.&ldquo; Auf dem Schirm behalten sollte man gleichfalls den auch heute noch sehr quirlig in diesem gesellschaftlichen Feld agierenden damaligen SPD-Bezirksb&uuml;rgermeister von Berlin-Neuk&ouml;lln, Heinz Buschkowsky, der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/landespolitik\/buschkowsky-neukoelln-zum-betreuungsgeld-das-ist-zynismus-pur\/1622398.html\">2009 u.a. &auml;u&szlig;erte<\/a>, dass das Betreuungsgeld &bdquo;in der deutschen Unterschicht versoffen wird&ldquo;.<\/p><p>Doch nicht nur Vertreter der einst so stolzen Arbeiterpartei SPD gefallen sich in der Rolle des &bdquo;Endlich-hat-jemand-mal-die-Wahrheit-gesagt&ldquo;-Aufkl&auml;rers. Ebenfalls 2009 beschrieb der inzwischen verstorbene CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Mi&szlig;felder eine damalige Erh&ouml;hung des Regelsatzes f&uuml;r Kinder als einen <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/online\/2009\/08\/missfelder-tabak-hartz-4\">&bdquo;Anschub f&uuml;r die Tabak- und Spirituosenindustrie&ldquo;<\/a>. Hessens Ministerpr&auml;sident Roland Koch (CDU) bezeichnete Hartz-IV als angenehme Variante des Lebens und forderte 2010 eine <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/roland-koch-arbeitspflicht-fuer-hartz-iv-empfaenger_aid_471278.html\">Arbeitspflicht f&uuml;r Arbeitslose<\/a>, welche &ndash; nebenbei bemerkt &ndash; allerdings gegen die <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MRK\/4.html\">Europ&auml;ische Menschenrechtskonvention Art. 4<\/a> sowie das deutsche <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/12.html\">Grundgesetz Art. 12<\/a> versto&szlig;en w&uuml;rde. Der hessische Justizminister Christean Wagner wollte 2005 <a href=\"https:\/\/www.mopo.de\/justiz-wirbel-um-fussfessel-aeusserung-des-hessischen-justizministers-wagner-20011774\">mithilfe von Fu&szlig;fesseln<\/a> in einer h&ouml;chst bemerkenswerten Kombination &bdquo;Langzeitarbeitslosen und therapierten Suchtkranken&ldquo; die Chance bieten, &bdquo;zu einem geregelten Tagesablauf zur&uuml;ckzukehren und in ein Arbeitsverh&auml;ltnis vermittelt zu werden&ldquo;.<\/p><p>Und auch die Vertreter der anderen Parteien stimmten flei&szlig;ig in diesen Kanon ein. Da gab es den vom damaligen FDP-Vorsitzenden und Bundesau&szlig;enminister Guido Westerwelle behaupteten, inzwischen schon legend&auml;r zu nennenden <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6369097\/Ich-spreche-die-Sprache-die-verstanden-wird.html\">&bdquo;anstrengungslosen Wohlstand&ldquo;<\/a> der Sozialleistungsempf&auml;nger. Der Bremer FDP-Landesvorsitzende <a href=\"https:\/\/www.gegen-hartz.de\/news\/verhoehnte-bremer-fdp-politiker-hartz-iv-bezieher\">Oliver M&ouml;llenst&auml;dt forderte 2009<\/a>, Frauen von einer Erh&ouml;hung des Regelsatzes auszunehmen, da diese &bdquo;das Geld eher in den n&auml;chsten Schnapsladen tragen, als es zur Vorsorge und selbstbestimmten Familienplanung investieren&ldquo; w&uuml;rden. Der damalige WELT-Kolumnist und sp&auml;tere AfD-Bundesvorsitzende Konrad Adam forderte 2006 gar die <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article159946\/Wer-soll-waehlen.html\">Entziehung des Wahlrechts<\/a> f&uuml;r &ndash; von ihm so bezeichnete &ndash; &bdquo;Nettostaatsprofiteure&ldquo;, das bedeutet in seinem Verst&auml;ndnis u.a. Beamte, Arbeitslose und Rentner.<\/p><p>Diese nur exemplarische Auflistung verdeutlicht eindrucksvoll, wie Spitzenpolitiker verschiedener Parteien seit Jahren permanent und auf allen Kan&auml;len Stimmungsmache gegen Arme und Arbeitslose betreiben. Die so erzeugte Meinungshoheit &uuml;ber den Stammtischen erh&auml;lt jedoch noch weiteren Auftrieb, da die unterschiedlichsten Medien nicht nur als Resonanzk&ouml;rper f&uuml;r die Meinungsmache von Politikern herhalten, sondern sie sich auch ihrerseits aktiv an den Kampagnen beteiligen. Auch abseits der seit Jahren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3434\">durchg&auml;ngigen Stimmungsmache des Kampagnenblattes BILD<\/a>, das regelm&auml;&szlig;ig Sozialleistungsempf&auml;nger auf seiner Titelseite in Gro&szlig;buchstaben als &bdquo;faule Dr&uuml;ckeberger&ldquo;, &bdquo;faule St&uuml;tzeempf&auml;nger&ldquo;, &bdquo;Hartz-IV-Schmarotzer&ldquo; oder &bdquo;Sozialschmarotzer&ldquo; tituliert, zeichnen gern private TV-Sender in diversen Sendungen, aber noch h&auml;ufiger in ganzen Sendeformaten ein abwertendes Bild &bdquo;des&ldquo; (!) Hartz-IV-Empf&auml;ngers, das diesen in den Augen der Zuschauer als gesellschaftlichen Paria erscheinen l&auml;sst.<\/p><p>Waren es vor Jahren noch &ouml;ffentlichkeitswirksam inszenierte Einzelpersonen wie Arno D&uuml;bel, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur\/medien\/bild-kampagne-gegen--florida-rolf--hinterhofwohnung-statt-miami-beach-3114432\">&bdquo;Florida-Rolf&ldquo;<\/a> und &bdquo;Karibik-Klaus&ldquo;, mithilfe derer eine gesamtgesellschaftliche Abgrenzungsstrategie gegen&uuml;ber den &bdquo;faulen, auf dem Sofa sitzenden, dauerqualmenden und saufenden Hartzern&ldquo; erfolgreich gestartet wurde, wurde dies inzwischen durch zwar nur m&auml;&szlig;ig erfolgreiche, aber nichtsdestotrotz best&auml;ndig weitergef&uuml;hrte Formate im Privatfernsehen &agrave; la &bdquo;Familien im Brennpunkt&ldquo;, &bdquo;Hartz und herzlich&ldquo;, &bdquo;Frauentausch&ldquo; oder &bdquo;Sozialfahnder ermitteln&ldquo; perpetuiert. Allen Formaten gemein ist jedoch, dass es sich dabei um Scripted Reality, also von Laienschauspielern, i.d.R. real Betroffenen, nach Regieanweisungen gespielte, nur vermeintliche Realit&auml;t, handelt. Ihr Verhalten ebenso wie ihr Umfeld soll auf den Zuschauer authentisch wirken, dabei ist es doch nur eine nach Regieanweisungen inszenierte &bdquo;Wirklichkeit&ldquo;. Insofern ist dem intimen TV-Kenner, aber gleichzeitig auch als TV-Outlaw bekannten Oliver Kalkofe nur zuzustimmen, wenn er die Entwicklung von Scripted Reality als <a href=\"https:\/\/meedia.de\/2018\/07\/16\/die-grossen-sender-haben-ihr-publikum-jahrelang-nicht-gut-behandelt-kalkofes-bittere-bilanz-der-vergangenen-zehn-fernsehjahre\/\">&bdquo;schlimmstes Sendeformat der letzten zehn Jahre&ldquo;<\/a> brandmarkt. Das ist auch deswegen besonders bedeutungsvoll, da ein enormer Teil des Vormittags- und Nachmittagsprogramms der privaten Sender mit den kosteng&uuml;nstig produzierten inszenierte-Realit&auml;t-Sendungen gef&uuml;llt wird &ndash; der Rest sind die 93-sten Wiederholungen amerikanischer Sitcoms samt ihrer eingespielten Lacher.<\/p><p>Die neuesten &bdquo;Familienmitglieder&ldquo; dieser Pseudo-Doku-Soaps sind beim Fernsehsender RTL2 das vierteilige &bdquo;Promis auf Hartz IV&ldquo; und auf seinem dazugeh&ouml;rigen Muttersender RTL &bdquo;Zahltag &ndash; Ein Koffer voller Chancen&ldquo;. In &bdquo;Promis auf Hartz IV&ldquo; wechselt das Million&auml;rs-Ehepaar von Sayn-Wittgenstein f&uuml;r 4 Wochen mal kurz aus ihrer 25-Millionen-Villa auf Mallorca in eine kleine 50-qm-Wohnung nach K&ouml;ln &ndash; und spielt anschlie&szlig;end f&uuml;r diese 4 Wochen Hartz IV. Dabei bleiben nicht nur die faktischen Lebensumst&auml;nde der real Betroffenen <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/recht\/soziale-ungleichheit-promis-auf-hartz-iv-eine-szene-zeigt-wie-sehr-rtl-ii-arme-menschen-verachtet_id_8897332.html\">fast komplett auf der Strecke<\/a>, sondern es wird auch vollst&auml;ndig ausgeblendet, dass das vierw&ouml;chige So-Tun-als-ob und die anschlie&szlig;ende R&uuml;ckkehr in den mond&auml;nen Million&auml;rsalltag lediglich einen kurzen Besuch bei der Armut bedeutet. Dass zum Abschluss des Sendeformats der gn&auml;d&lsquo;ge Herr gleichmal die meisten der Hartz-IV-Empf&auml;nger als <a href=\"https:\/\/www.huffingtonpost.de\/entry\/promis-auf-hartz4-furstenpaar-ist-sich-sicher-70-prozent-sind-schmarotzer_de_5aeabad0e4b06748dc8fa512?utm_hp_ref=de-hartz-iv\">&bdquo;Sozialschmarotzer&ldquo; tituliert<\/a>, rundet das Bild eher sogar noch ab. Denn ein wirklich realistisches Bild vom deprimierenden Alltag der Betroffenen zu zeichnen, war ohnehin nicht das Ziel der Sendereihe, sondern vielmehr die kontinuierliche Fortsetzung des Armen-Bashings.<\/p><p>Demgegen&uuml;ber begibt sich &bdquo;Zahltag &ndash; Ein Koffer voller Chancen&ldquo; auf die andere Seite der Gesellschaft &ndash; allerdings mit vergleichbarer Zielsetzung. Dass hierbei &ndash; neben der als Cindy aus Marzahn bekannten Ilka Bessin und dem Gr&uuml;ndungsberater Felix Th&ouml;nnessen &ndash; auch der schon zuvor erw&auml;hnte Heinz Buschkowsky zum Zuge kommt, ist wohl kaum als Zufall zu bezeichnen. Gilt er doch in manchen Kreisen als ein &bdquo;Mann der offenen Worte&ldquo;, als einer, der ausspricht, was andere sich nicht trauen, als &bdquo;Mann der unbequemen Wahrheit&ldquo;. Seine hemds&auml;rmelige Art, sich volkst&uuml;mlich auszudr&uuml;cken, mag zwar von einigen als b&uuml;rgernah betrachtet werden. Letzten Endes ist es aber nichts anderes als seine tiefsitzende Verachtung gegen&uuml;ber den Armen, ohne den Ansatz irgendwelcher empathischen Gedanken. Und so nimmt es auch nicht Wunder, wenn die Sendereihe von Beginn an dem Zuschauer das Gef&uuml;hl vermittelt, als Spanner bei ein paar Exoten in absurden Situationen zu fungieren. So &auml;hnlich wie Dschungelcamp &ndash; nur ohne dem Essen von K&auml;nguruhhoden und dem &Uuml;bergie&szlig;en mit Schaben. Aber immerhin auch hier ebenfalls mit den h&ouml;hnischen Kommentaren aus dem Off. Am Ende geht es auch in diesem Sendeformat wieder darum, die Arbeitslosen vorzuf&uuml;hren, indem diese beweisen m&uuml;ssen, nicht dem g&auml;ngigen Klischee des &bdquo;faulen Arbeitslosen&ldquo; zu entsprechen, wie dies auch die <a href=\"https:\/\/www.vice.com\/de\/article\/xwkdk4\/zahltag-zeigt-dass-hartz-iv-empfangende-bei-rtl-immer-noch-keine-menschen-sein-durfen\">Vice-Autorin Lisa Ludwig festh&auml;lt<\/a>. Denn dies schwingt zu jeder Zeit &ndash; offen oder latent &ndash; in allen Darstellungen mit.<\/p><p>Doch es ist weniger das gezeichnete Bild der Arbeitslosen, welches aus einer einzelnen oder aus zwei Sendungen resultiert, das die &ouml;ffentliche Wahrnehmung der Betroffenen so nachhaltig pr&auml;gt, sondern die seit mehr als 10 Jahren durchg&auml;ngige Permanenz dieser immergleichen, schablonenhaften Darstellung. Diese Permanenz tr&auml;gt bei einem Teil der Bev&ouml;lkerung trotz des h&auml;ufigen Widerspruchs zu ihrer eigenen Lebenswirklichkeit immer noch &uuml;ppige Fr&uuml;chte und verfestigt so das Bild vom arbeitsscheuen, phlegmatischen und &bdquo;bildungsfernen&ldquo; (als Surrogat f&uuml;r dummen), ja regelrecht verwahrlosten Arbeitslosen.<\/p><p>Hier muss allerdings angemerkt werden, dass diese Sendeformate ausschlie&szlig;lich durch die privaten TV-Kan&auml;le ausgestrahlt werden. Insbesondere gerade aufgrund der seit Jahren anhaltenden Diskussionen um die Geb&uuml;hr f&uuml;r die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender und des k&uuml;rzlich ergangenen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45023\">Urteils des Bundesverfassungsgerichts<\/a> dazu muss man &ndash; trotz aller berechtigten Kritik an Teilen der Berichterstattung der &Ouml;ffentlich-Rechtlichen &ndash; festhalten, dass sie sich an einer solchen kampagnenartigen Verhetzung von Arbeitslosen generell nicht beteiligen. Auf der anderen Seite ist darauf hinzuweisen, dass hinter dem privaten Fernsehsender RTL sowie der Vielzahl seiner RTL-Tochtersender als auch hinter dem Sender Vox der Bertelsmann-Konzern steckt, der mehr als nur ma&szlig;geblich die Gesetze der Agenda 2010 mitgeschrieben hat, wie auch in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fR4KXILpYUQ\">&bdquo;Anstalt&ldquo; vom April 2018<\/a> anschaulich dargestellt wurde. Der Konzern hat so auch einen Teil des Feldes f&uuml;r seine zuk&uuml;nftigen T&auml;tigkeiten selbst bestellt. Dies sollte auch ber&uuml;cksichtigt werden, wenn wieder einmal eine Studie aus dem Hause Bertelsmann Kinderarmut in Deutschland, die zwangsl&auml;ufig immer auch mit der Armut der Eltern verbunden ist, feststellt und tr&auml;nenreich beklagt. An dieser Stelle nur einmal exemplarisch drei Studien-Beispiele aus den letzten drei Jahren <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2016-09\/kinderarmut-deutschland-hartz-iv\">2016<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/arm-und-reich\/kinderarmut-laut-bertelsmann-studie-in-deutschland-ein-dauerzustand-15259242.html\">2017<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!5516599\/\">2018<\/a>.<\/p><p>Dass diese perpetuierten Negativ-Kampagnen &uuml;ber Arbeitslose im Speziellen, aber auch &uuml;ber Arme und weitere Minderheitengruppen im Allgemeinen nicht allein im Medienraum, sondern auch in der Gesellschaft selbst ihre Wirkung entfalten, sollte eigentlich eine Binse sein. Schon Prof. Wilhelm Heitmeyer hat in seiner zehnj&auml;hrigen Langzeitstudie &bdquo;Deutsche Zust&auml;nde&ldquo; von 2002 bis 2011 u.a. eine <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5105531\/\">Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung von Arbeitslosen und Obdachlosen<\/a> festgestellt, die er unter dem Begriff der &bdquo;gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit&ldquo; zusammengefasst hat. An diesen Erkenntnissen hat sich seither bis zum heutigen Tag auch nichts ge&auml;ndert. Eher im Gegenteil. Die Ressentiments haben sich aufgrund der stetigen Fortsetzung aller Arten &ouml;ffentlicher Stimmungsmache noch weiter verst&auml;rkt. Dass dies nicht nur in die K&ouml;pfe der Menschen eingedrungen ist, sondern zunehmend auch in ihr Handeln &uuml;bergreift, ist bittere Realit&auml;t. Denn wer andere Menschen als minderwertig, als &ouml;konomisch wertlos und als Belastung f&uuml;r die Gesellschaft begreift, empfindet es irgendwann auch nicht mehr als verwerflich, an diesen &bdquo;unwerten Menschen&ldquo; sein pers&ouml;nliches M&uuml;tchen zu k&uuml;hlen. J&uuml;ngstes diesbez&uuml;gliches, schreckliches Beispiel war das <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/elsa-koester\/es-brennt\">Anz&uuml;nden zweier Obdachloser<\/a> am S-Bahnhof Berlin-Sch&ouml;neweide.<\/p><p>Diese Zunahme der <a href=\"http:\/\/gegenblende.dgb.de\/++co++b4a826b6-d7fa-11e2-a40c-52540066f352\">&bdquo;rohen B&uuml;rgerlichkeit&ldquo;<\/a>, wie Wilhelm Heitmeyer es bezeichnete, speist sich unter anderem auch aus der permanenten, abwertenden Verunglimpfung von Armen und Arbeitslosen, wie sie auch durch die oben kritisierten Fernsehformate &bdquo;Promis auf Hartz IV&ldquo; und &bdquo;Zahltag &ndash; Ein Koffer voller Chancen&ldquo; &ouml;ffentlichkeitswirksam gezeichnet wird. Die Verrohung der Gesellschaft wird zwar von vielen heftig kritisiert, aber noch viel zu wenige begreifen, dass wir alle knietief in den Ursachen f&uuml;r diese Verrohung stehen. Es ist an uns allen, diesen Formaten der <a href=\"https:\/\/www.rationalgalerie.de\/kritik\/das-tittytainment-programm.html\">&bdquo;Tittytainment&ldquo;-Unterhaltung<\/a>, wie sie Ulrich Gellermann im R&uuml;ckgriff auf den fr&uuml;heren US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski bezeichnete, endlich die Rote Karte zu zeigen und auch anderen begreiflich zu machen, dass die Abwertung anderer Menschen dem friedlichen Zusammenleben von uns allen diametral entgegensteht. Es ist an der Zeit, diese wiederholten Tiefschl&auml;ge mit Disqualifikation zu ahnden, um den bisherigen dreizehn Runden des Armen-Bashings keine weiteren folgen zu lassen. Das w&auml;re ein erster kleiner Schritt, der zunehmenden Verrohung unserer Gesellschaft Einhalt zu gebieten.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Lutz Hausstein<\/strong>, Wirtschaftswissenschaftler, ist als Arbeits- und Sozialforscher t&auml;tig. Seit der Einf&uuml;hrung der Agenda 2010 beteiligt er sich aktiv am Kampf gegen Armut, Ungleichheit und f&uuml;r soziale Gerechtigkeit. In seinen 2010, 2011 und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/Studie_Was_der_Mensch_braucht_2015.pdf\">2015<\/a> erschienenen Untersuchungen &bdquo;Was der Mensch braucht&ldquo; ermittelte er einen alternativen Regelsatzbetrag f&uuml;r die soziale Mindestsicherung. Er ist u.a. Ko-Autor des Buches &bdquo;Wir sind emp&ouml;rt&ldquo; der Georg-Elser-Initiative Bremen (2012), Verfasser des Buches &bdquo;Ein Pl&auml;doyer f&uuml;r Gerechtigkeit&ldquo; (2012) sowie Mitautor des NGfP-Sammelbandes &bdquo;Gesellschaftliche Spaltungen&ldquo; (2018).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regelm&auml;&szlig;iges &ouml;ffentliches Bashing gegen&uuml;ber Hartz-IV-Empf&auml;ngern geh&ouml;rt hierzulande ja inzwischen schon zum guten Ton. Ist das doch unverzichtbar, um dem seit Einf&uuml;hrung der Agenda 2010 nicht verebbenden Widerstand in der Bev&ouml;lkerung ein so dringend notwendiges Erregungspotential entgegenzusetzen. Denn ohne eine gezielte Stimmungsmache gegen die &Auml;rmsten der Armen in unserem Land w&uuml;rde wohl immer mehr die Erkenntnis<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45242\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,140,123,183,11,161],"tags":[1882,1550,1011,232,1377,661,2460,634,257,251,1627,1602,1141,1588,1370,1539,705,389,2422,1872,448],"class_list":["post-45242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-adam-konrad","tag-agenda-2010","tag-beck-kurt","tag-bertelsmann","tag-buschkowsky-heinz","tag-clement-wolfgang","tag-gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit","tag-heitmeyer-wilhelm","tag-koch-roland","tag-muentefering-franz","tag-missfelder-philipp","tag-nuetzlichkeitsrassismus","tag-obdachlosigkeit","tag-private-medien","tag-reality-tv","tag-rtl","tag-sarrazin-thilo","tag-sozialrassismus","tag-verrohung","tag-wagner-christean","tag-westerwelle-guido"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45242"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48412,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45242\/revisions\/48412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}