{"id":45269,"date":"2018-08-02T13:01:39","date_gmt":"2018-08-02T11:01:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45269"},"modified":"2019-01-13T16:24:23","modified_gmt":"2019-01-13T15:24:23","slug":"der-fall-magnitski-meisterstueck-politischer-pr-und-trauriges-versagen-der-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45269","title":{"rendered":"Der Fall Magnitski &#8211; Meisterst\u00fcck politischer PR und trauriges Versagen der Medien"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180802-Magnitski-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>2009 starb der russische Wirtschaftspr&uuml;fer Sergei Magnitski in einem Moskauer Untersuchungsgef&auml;ngnis. Drei Jahre sp&auml;ter schafften es die Betreiber eines dubiosen Hedge-Fonds, durch monumentale Lobbying-Aktivit&auml;ten in den USA ein Gesetz namens &ldquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Magnitsky_Act\">Magnitsky Act<\/a>&rdquo; durchzudr&uuml;cken, das als Vorl&auml;ufer weiterer Anti-Russland-Sanktionen gelten kann. Auch auf europ&auml;ischer Ebene l&auml;uft die Lobby-Maschinerie in Sachen Magnitski auf Hochtouren. Doch was ist in diesem Fall &uuml;berhaupt wahr? War Magnitski ein Whistleblower, der Verbrechen des russischen Staates aufdecken wollte und deshalb sterben musste, wie es die PR des Hedge-Fonds und Verb&uuml;ndete aus den transatlantischen Think Tanks rund um die ehemalige Gr&uuml;nen-Politikerin Marieluise Beck behaupten? Dies k&ouml;nnen Sie in jeder Zeitung so nachlesen. Doch es gibt berechtigte Zweifel an dieser Geschichte. Zweifel, denen auch in einem vom ZDF und Arte produzierten <a href=\"http:\/\/kudosfamily.com\/film\/1122\">Dokumentarfilm<\/a> nachgegangen wird. Der ist offensichtlich so brisant, dass die Anti-Russland-Lobby rund um Marieluise Beck den Film, der auf Festivals bereits mit Preisen &uuml;berh&auml;uft wurde, bis heute durch rechtliche Drohungen zur&uuml;ckhalten konnte. All dies sollte man im Hinterkopf behalten; vor allem dann, wenn Beck und Co. mal wieder &uuml;ber die Bedrohung der Pressefreiheit in Russland dozieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3574\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45269-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180802_Der_Fall_Magnitski_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180802_Der_Fall_Magnitski_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180802_Der_Fall_Magnitski_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180802_Der_Fall_Magnitski_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45269-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180802_Der_Fall_Magnitski_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180802_Der_Fall_Magnitski_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Der Versuch einer Kurzfassung der Vorgeschichte<\/strong><\/p><p>Um die sehr komplizierte Thematik ein wenig greifbarer zu machen, lohnt es sich, die Vorkommnisse vor zehn Jahren von der medialen und politischen Aufarbeitung erst einmal zu trennen. Wer war Sergei Magnitski und warum musste er sterben? All dies ist wohl nicht zu beantworten, wenn man die Geschichte nicht mit der eigentlichen Schl&uuml;sselperson beim &ldquo;Fall Magnitski&rdquo; anf&auml;ngt &ndash; dem britischen Hedge-Fonds-Manager Bill Browder. Der geb&uuml;rtige US-Amerikaner, der aus Steuergr&uuml;nden die britische Staatsangeh&ouml;rigkeit annahm, geh&ouml;rte in den &ldquo;wilden Jahren&rdquo; der Jelzin-&Auml;ra zu den gr&ouml;&szlig;ten ausl&auml;ndischen Finanzspekulanten, die ihren Teil vom gigantischen russischen Kuchen abbekommen wollten. Sein Hedge-Fonds &ldquo;Hermitage Capital&rdquo; konnte in der Russischen F&ouml;deration binnen weniger Jahre vom Steuerparadies Guernsey &uuml;ber weitere Steuerparadiese, wie die russische Republik Kalm&uuml;ckien, Aktiva von mehr als vier Milliarden US-Dollar ergattern. Hermitage war damit die Nummer Eins auf dem russischen Markt. Dass man es mit den Gesetzen und vor allem der Steuerpflicht nicht so genau nahm, versteht sich schon fast von selbst. So waren halt die &ldquo;R&auml;uberjahre&rdquo; im &ldquo;wilden Osten&rdquo;, wie sie heute retrospektiv genannt werden.&nbsp;Vor Gericht gelten solche Ausreden jedoch bekanntlich nicht. <\/p><p>Das Ende dieser &Auml;ra begann um das Jahr 2003 herum, als der neue Pr&auml;sident Putin seine Position gefestigt hatte und langsam, aber immer deutlicher gegen diejenigen Oligarchen und Gl&uuml;cksritter vorging, die sich nicht an die neuen Regeln hielten. Die ordnungsgem&auml;&szlig;e Versteuerung der Gewinne, sowie das Verbot, Anteile an strategischen Unternehmen au&szlig;er Landes zu verschieben, geh&ouml;rte nun mit zu den Regeln. Bill Browder, der anfangs opportunistisch Putin durchaus unterst&uuml;tzte, nahm diese Drohungen offenbar nicht ernst und geriet sowohl wegen Steuerhinterziehung als auch (das h&auml;ngt miteinander zusammen) wegen des Verschiebens von Firmenanteilen &uuml;ber Briefkastenfirmen in Steueroasen schnell in das Visier der Beh&ouml;rden. Da Browder nicht kooperieren wollte, wurde ihm 2005 die Einreise nach Russland verwehrt. Bis zu diesem Zeitpunkt verlaufen die Erz&auml;hlstr&auml;nge von Browder und Co. und seinen Kritikern weitestgehend gleichf&ouml;rmig, obgleich der Spekulant nat&uuml;rlich andere Akzente setzt. Was ab 2007 mit Browders Firmengeflecht geschah, ist jedoch bis heute nicht klar zu beantworten.<\/p><p><strong>Die &bdquo;offizielle&ldquo; Browder\/Beck-Variante<\/strong><\/p><p>Geht es nach Bill Browder und seinen Unterst&uuml;tzern, wie der antirussischen Publizistin Marieluise Beck, setzte eine mafi&ouml;se Vereinigung aus Halbweltgr&ouml;&szlig;en und Staatsbeamten 2007 zur gro&szlig;angelegten Enteignung von Browders Imperium an. Dazu habe man angeblich ohne Grund die Firmenzentrale gest&uuml;rmt und wichtige Stempel und Gr&uuml;ndungsurkunden entwendet und sp&auml;ter gef&auml;lscht, um die Browder-Firmen an einen Strohmann zu &uuml;berschreiben und dann mit gef&auml;lschten Firmenkennzahlen vom russischen Staat eine Steuerr&uuml;ckerstattung i.H.v. 230 Mio. US-Dollar zu ergaunern. Die T&auml;ter hatten demnach Erfolg und der geprellte russische Staat &uuml;bernahm die &ldquo;Sicherheiten&rdquo; aus dem Browder-Imperium, um wieder an das gestohlene Geld zu kommen. 2009 tauchte jedoch der von Browder beauftrage Moskauer Staranwalt Sergei Magnitski auf, entdeckte den Betrug, wurde dann von korrupten Beamten inhaftiert, r&uuml;ckte selbst unter Folter nicht von seinen Anschuldigungen ab und musste dies mit seinem Leben bezahlen. Dass Magnitski unter den menschenunw&uuml;rdigen Bedingungen in russischen Gef&auml;ngnissen litt und wegen der unzureichenden und inkompetenten medizinischen Versorgung im Untersuchungsgef&auml;ngnis starb, ist dabei auch unstrittig. 20 Beamte wurden im Rahmen einer vom russischen Staat veranlassten Untersuchung entlassen, grundlegende Gesetze mussten ge&auml;ndert werden. Strittig ist jedoch, ob Magnitski ein heldenhafter Whistleblower oder ob er nicht als Teil der Browder-Maschinerie selbst an Straftaten beteiligt war, erwischt wurde und in diesem Zusammenhang auf tragische Art und Weise w&auml;hrend der Untersuchungshaft starb.<\/p><p><strong>Die alternative Nekrasov-Variante<\/strong><\/p><p>Dies legt zumindest der von ZDF und Arte produzierte Dokumentarfilm &ldquo;<a href=\"http:\/\/kudosfamily.com\/film\/1122\">The Magnitsky Act &ndash; Behind the Scenes<\/a>&rdquo; nahe, in dem der Grimme-Preistr&auml;ger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andrei_Lwowitsch_Nekrassow\">Andrej Nekrasov<\/a> den Magnitski-Fall akribisch untersucht. Nekrasovs wohl wichtigste <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Bill-Browder-und-seine-Geschichte-vom-Tod-des-angeblichen-Whistleblowers-Magnitski-4108672.html\">Erkenntnis<\/a> ist dabei, dass die im Westen verbreitete &ldquo;offizielle Version&rdquo;, die aufgrund der Relevanzkriterien nat&uuml;rlich auch zur &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Leonidowitsch_Magnitski\">Wikipedia-Wahrheit<\/a>&ldquo; wurde, sich nahezu 1:1 einzig und allein auf Aussagen und Dokumente von Browder und seinen Anw&auml;lten st&uuml;tzt. Selbst wenn Browder nun eine hoch seri&ouml;se, &uuml;ber s&auml;mtliche Zweifel erhabene und ehrbare Person w&auml;re, l&auml;ge hier doch ein Interessenkonflikt vor. Selbstverst&auml;ndlich hat Browder das Ziel, sich als Opfer dubioser Machenschaften und nicht selbst als verurteilten Wirtschafts- und Steuerkriminellen darzustellen; stets mit dem Fernziel versehen, Putin zu st&uuml;rzen und sein Milliardenverm&ouml;gen in Russland irgendwann einmal zur&uuml;ckzubekommen.&nbsp;<\/p><p>Gesichert <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Magnitski-Fall-Die-Erinnerungsluecken-des-Bill-Browder-4077321.html\">ist auch<\/a>, dass Browder mehrfach die Unwahrheit gesagt hat und seine Version etliche logische L&uuml;cken aufweist. So war Sergei Magnitski beispielsweise gar kein Anwalt, sondern ein auf Steuerrecht spezialisierter Betriebspr&uuml;fer, der f&uuml;r Browder &ouml;fters als Berater t&auml;tig war. Die Akten legen wohl auch nahe, dass Browder selbst &ndash; vielleicht sogar mit Hilfe Magnitskis &ndash; den Trick mit den f&auml;lschlicherweise zur&uuml;ckgeforderten Steuerr&uuml;ckzahlungen praktiziert hat. Es ist also ebenso gut m&ouml;glich, dass Browder und Magnitski nicht Opfer, sondern Mitt&auml;ter der Mafia waren, um auf illegale Art und Weise den russischen Staat wieder um die Millionen und Milliarden zu bringen, die Browder wohl nach eigenem Ermessen &ldquo;zustehen&rdquo;.&nbsp;<\/p><p>Auch diese Variante, die im Dokumentarfilm zumindest angedacht wird, ist keinesfalls belegbar und was sich genau in diesem Wirtschaftskrimi abgespielt hat, werden wir wohl auch nie in Erfahrung bringen. Nun gibt es zahlreiche Kriminalf&auml;lle, die niemals aufgekl&auml;rt werden. Aber der Fall Magnitski ist etwas Besonderes, da er mittlerweile ein Politikum ist. Betrachten wir also nun die zweite Ebene, die politische und mediale Aufarbeitung des Falls Magnitski.<\/p><p><strong>Ein grandioser Lobby-Erfolg<\/strong><\/p><p>Kaum war Sergei Magnitski unter der Erde, begann Bill Browder bereits mit seinen intensiven Lobby-Anstrengungen. Der Brite, der die US-Staatsb&uuml;rgerschaft aus steuerlichen Gr&uuml;nden abgegeben hatte, bet&auml;tigte sich nun in Washington als Lobbyist in eigener Sache. Einer seiner ersten gro&szlig;en Erfolge war es, den heute schwerkranken republikanischen &ldquo;Falken&rdquo; John McCain mit ins Boot <a href=\"https:\/\/www.foreign.senate.gov\/press\/ranking\/release\/cardin-mccain-react-to-revocation-of-bill-browders-us-visa-\">zu holen<\/a>. Gemeinsam schaffte man es 2012, eine Gesetzesnovelle mit dem Namen &ldquo;Magnitsky Act&rdquo; einzubringen, die als eine der ersten Russland-Sanktionen der Gegenwart noch zu Obamas Zeiten das politische Klima zwischen den USA und Russland ruinierte und die den Beginn einer bis heute nicht endenwollenden Kaskade gegenseitiger Sanktionen und Beschuldigungen einleitete. 2016 wurde der &ldquo;Magnitsky Act&rdquo; sogar erweitert und dient nun als &ldquo;Global Magnitsky Act&rdquo; als Rechtsrahmen, weltweit die Verm&ouml;genswerte ausl&auml;ndischer Regierungsbeamter zu beschlagnahmen, die in Verdacht stehen, die Menschenrechte zu verletzen. Es versteht sich schon fast von selbst, dass damit keine &ldquo;pro-amerikanischen&rdquo; Verbrecher gemeint sind. Die meisten nicht-russischen Personen auf der Sanktionsliste stammen aus Nicaragua und geh&ouml;ren den Sandinisten an, die Washington ohnehin ein Dorn im Auge sind.<\/p><p>Der &ldquo;Magnitsky Act&rdquo; ist jedoch kein rein amerikanisches Ph&auml;nomen. Auch auf EU- und Europarat-Ebene hat Bill Browder ganze Arbeit geleistet. 2013 verabschiedete das Europaparlament eine <a href=\"http:\/\/www.assembly.coe.int\/nw\/xml\/XRef\/Xref-XML2HTML-en.asp?fileid=20409&amp;lang=en\">&ldquo;Empfehlung&rdquo;<\/a>&nbsp;an die europ&auml;ischen Regierungen, &auml;hnliche Gesetze wie den amerikanischen &ldquo;Magnitsky Act&rdquo; zu verabschieden. Dies wurde bislang von Estland, Lettland, Litauen und erst <a href=\"https:\/\/www.rferl.org\/a\/british-house-of-comments-approves-magnitsky-bill-targeting-russian-human-rights-abusers\/29203547.html\">im Mai diesen Jahres<\/a> auch von Gro&szlig;britannien befolgt. Erstaunlich ist hier vor allem, dass die Empfehlung des Europaparlaments sich auf den Bericht des Schweizer Sonderberichterstatters Andreas Gross bezieht, der sich seinerseits offenbar vor allem auf Dokumente <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Bill-Browder-und-seine-Geschichte-vom-Tod-des-angeblichen-Whistleblowers-Magnitski-4108672.html\">gest&uuml;tzt hat<\/a>, die er direkt und indirekt von Bill Browder bekommen hat. Als Partnerin von Browder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WZ3N_ceBUsY\">trat<\/a> auf europ&auml;ischer Ebene &uuml;brigens die dubiose ehemalige Gr&uuml;nen-Politikerin Marieluise Beck auf, die als ausgemachter Falke gilt und mittlerweile ihr eigenes Think Tank betreibt.&nbsp;<\/p><p>Politik und Medien gehen im Fall Magnitski Seit&acute; an Seit&acute;. Im gesamten medialen Mainstream wird die hierzulande offizielle &ldquo;Browder\/Beck-Version&rdquo; nicht hinterfragt, obgleich es dazu zahlreiche Gr&uuml;nde g&auml;be. Im Gegenteil &ndash; bis heute gilt Bill Browder als wackerer K&auml;mpfer f&uuml;r Menschenrechte und edler &ldquo;Putin-Gegner&rdquo;. Risse an diesem Narrativ werden gar nicht erst zugelassen.<\/p><p><strong>Wir beerdigen die Pressefreiheit am Tag der Pressefreiheit<\/strong><\/p><p>Der 3. Mai 2016 wurde als Tag der Pressefreiheit gefeiert. An diesem Tag sollte auf Arte der Dokumentarfilm &ldquo;The Magnitzky Act &ndash; Behind the Scenes&rdquo; ausgestrahlt werden. Der Film ist eine Dokumentation des als Putin-Kritiker geltenden Grimme-Preistr&auml;gers Andrej Nekrasov. Nekrasov kamen selbst <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/gesellschaft\/71488-hinter-kulissen-wie-aus-fall\/\">erst w&auml;hrend der Recherche<\/a> zum Film erhebliche Zweifel an der Browder-\/Beck-Version und als guter Journalist lie&szlig; er diese Zweifel auch in seinen sehr kritischen Film einflie&szlig;en. Nekrasov stellt unbequeme Fragen und wenn man den Film verfolgt hat, kann man die unkritischen Berichte der gro&szlig;en Medien und die politischen Entscheidungen auf Basis der Schilderungen Browders nicht mehr ohne weiteres teilen. Genau dies war f&uuml;r Browder und Marieluise Beck ein zu gro&szlig;es Risiko. Also ging man in die Offensive.<\/p><p>Kurz vor Ausstrahlung der Dokumentation <a href=\"https:\/\/augenaufunddurch.net\/2016\/04\/30\/arte-und-der-fall-magnizki\/\">lobbyierte<\/a> Marieluise Beck in den Gremien von ZDF und Arte und Bill Browder lie&szlig; aus den fernen USA eine gepfefferte Klagedrohung an die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen versenden. Er f&uuml;hle sich in seinen Pers&ouml;nlichkeitsrechten verletzt. Das ist zwar Unsinn, aber das Prozesskostenrisiko bei einem Streit um die Pers&ouml;nlichkeitsrechte eines milliardenschweren Hedge-Fonds-Managers ist nicht eben unerheblich. So knickten ZDF und Arte ein und strichen die Dokumentation am Tag der Pressefreiheit aus ihrem Programm.<\/p><p><strong>Hat Putin etwas in den Hinterhand?<\/strong><\/p><p>Daraufhin wurde es ruhig um den Magnitski-Fall. In den USA <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2017\/07\/13\/how-russia-gate-met-the-magnitsky-myth\/\">brachte Robert Parry<\/a> auf der Seite consortiumnews.com immer wieder etwas zum Thema, in Deutschland war es das M&uuml;nchner Onlinemagazin Telepolis, das den Fall ehrenwerterweise <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/suche\/?q=Magnitski&amp;make=tp&amp;sort_by=date\">h&auml;ufig kritisch begleitete<\/a>. Aufhorchen mussten jedoch alle Pressevertreter, als Wladimir Putin bei der abschlie&szlig;enden Pressekonferenz zum Gipfel in Helsinki den Namen Browder <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Groteskes-politisches-Spiel-nach-dem-Trump-Putin-Treffen-4117588.html\">in den Mund nahm<\/a>. Laut Putin habe Browder sein in Russland ergaunertes Verm&ouml;gen unter anderem auch f&uuml;r nicht unerhebliche Wahlkampfspenden an Hillary Clinton eingesetzt und dabei sollen ihm offenbar auch die amerikanischen Dienste zu Hilfe gekommen sein. Das ist durchaus im Rahmen des M&ouml;glichen und w&auml;re &ndash; so Russland diese Vorw&uuml;rfe denn belegen kann &ndash; ein echter Knaller in der verr&uuml;ckten Debatte darum, wer im Wahlkampf wen  wann warum unterst&uuml;tzt hat. Ein Wirtschaftskrimineller, der es auf Russlands Sch&auml;tze abgesehen hat und Clinton unterst&uuml;tzt, w&auml;re da nat&uuml;rlich ein Punkt, der den Trump-Gegnern &auml;u&szlig;erst ungelegen kommt.<\/p><p><strong>Auf die Medien ist leider kein Verlass<\/strong><\/p><p>Warten wir also ab. Was man jedoch bereits jetzt als Zwischenres&uuml;mee sagen kann, ist, dass (nicht nur) in dieser Frage auf unsere Medien absolut kein Verlass mehr ist. Man plappert nach, was ein einschl&auml;gig voreingenommener Beteiligter erz&auml;hlt, l&auml;sst sich seine Kommentare von einer radikal subjektiven Lobbyistin in den Block diktieren und nimmt Zweifel an dieser Version noch nicht einmal zur Kenntnis. Schlimmer noch &ndash; man unterdr&uuml;ckt Kollegen, die ihren Job noch ernst nehmen und stellt sich nicht hinter sie, wenn sie Opfer von Zensur werden. Das ist &ndash; mit Verlaub &ndash; hundserb&auml;rmlich und das ist dann auch das eigentliche Fazit aus dem &ldquo;Magnitski-Fall&rdquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180802-Magnitski-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>2009 starb der russische Wirtschaftspr&uuml;fer Sergei Magnitski in einem Moskauer Untersuchungsgef&auml;ngnis. Drei Jahre sp&auml;ter schafften es die Betreiber eines dubiosen Hedge-Fonds, durch monumentale Lobbying-Aktivit&auml;ten in den USA ein Gesetz namens &ldquo;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Magnitsky_Act\">Magnitsky Act<\/a>&rdquo; durchzudr&uuml;cken, das als Vorl&auml;ufer weiterer Anti-Russland-Sanktionen gelten kann. Auch auf europ&auml;ischer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45269\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,123,127,183,138],"tags":[1070,1811,1090,285,2548,305,2549,2350,1415,915,259,1307,1019,1540],"class_list":["post-45269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-medienkritik","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","tag-arte","tag-beck-marieluise","tag-clinton-hillary","tag-hedgefonds","tag-magnitzki-sergej","tag-menschenrechte","tag-nekrasov-andrej","tag-nicaragua","tag-pressefreiheit","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-telepolis","tag-wirtschaftssanktionen","tag-zdf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45269"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45276,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45269\/revisions\/45276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}