{"id":4531,"date":"2010-02-19T08:55:07","date_gmt":"2010-02-19T07:55:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4531"},"modified":"2015-12-16T14:48:18","modified_gmt":"2015-12-16T13:48:18","slug":"sexueller-missbrauch-wann-endlich-gehts-den-hehlern-an-den-kragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4531","title":{"rendered":"Sexueller Missbrauch: Wann endlich geht&#8217;s den Hehlern an den Kragen?"},"content":{"rendered":"<p>Vermutlich sind Hunderte von Kindern von Priestern und anderen Beauftragten der Katholischen Kirche missbraucht worden. Fachleute der Traumaforschung meinen, dass bei sexuellem Missbrauch die Gefahr posttraumatischer Belastungsst&ouml;rungen bei 60 % liegt. Zugleich ist in der &ouml;ffentlichen Debatte die Rede davon, dass die meisten dieser Verbrechen verj&auml;hrt sind. Kaum jemand spricht jedoch von den Hehlern, die diese Verj&auml;hrung m&ouml;glich machen. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nIch verfolge nun schon seit Beginn der Debatte die verschiedenen Meldungen und Kommentare. Dabei f&auml;llt auf, dass nur &auml;u&szlig;erst selten davon gesprochen wird, dass es Menschen und gesamte Einrichtungen gegeben haben muss und gibt, die den T&auml;tern den Ablauf der Verj&auml;hrungsfrist m&ouml;glich machen. Das sind die Schulleiter der Jesuiten-Schulen in Berlin, in St. Blasien und in Bonn zum Beispiel, vermutlich auch Lehrerkollegen. Das sind die Bisch&ouml;fe und ihre Beauftragten. Die vom Jesuitenorden beauftragte Rechtsanw&auml;ltin Raue hat diesen Auftrag schon seit 2007. Von 2007 bis heute sind vermutlich wiederum einige F&auml;lle, die sie untersuchen sollte, verj&auml;hrt.<\/p><p>Mitwisser hat es offensichtlich gegeben. Das zeigt schon die Tatsache, dass Priester\/Lehrer versetzt worden sind. Warum haben die Mitwisser ihr Wissen nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben? Gibt es einen eigenen Rechtsbereich der Katholischen Kirche, der die Unterschlagung solcher Straftaten mit den oben erw&auml;hnten bitteren Konsequenzen f&uuml;r die Betroffenen erlaubt? Das kann doch wohl nicht wahr sein. <\/p><p>Es ist also allerh&ouml;chste Zeit, dass die Staatsanwaltschaften t&auml;tig werden. Nicht nur zur Untersuchung der Frage, ob es noch T&auml;ter gibt, deren Straftat nicht verj&auml;hrt ist. Auch zur Untersuchung der Frage, wer solche Straftaten gedeckt hat, also zu den Hehlern geh&ouml;rt.<\/p><p>Wenn der britische Observer vom 14. August 2003  (<a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/world\/2003\/aug\/17\/religion.childprotection\">&bdquo;Vatican told bishops to cover up sex abuse&ldquo;<\/a>) richtig berichtet hat, dann hat der Vatikan 1962 selbst die Bisch&ouml;fe zum Verschweigen sexuellen Missbrauchs angehalten. Der Observer berichtet auch, dass es deutliche Anzeichen daf&uuml;r gibt, dass der damalige Kardinal Ratzinger und heutige Papst direkt mit diesen Verf&uuml;gungen zu tun hatte. W&ouml;rtlich:<\/p><blockquote><p>&ldquo;Lawyers point to a letter the Vatican sent to bishops in May 2001 clearly stating the 1962 instruction was in force until then. The letter is signed by Cardinal Ratzinger, the most powerful man in Rome beside the Pope and who heads the Congregation for the Doctrine of the Faith &ndash; the office which ran the Inquisition in the Middle Ages.<br>\nRev Thomas Doyle, a US Air Force chaplain in Germany and a specialist in Church law, has studied the document. He told The Observer: &lsquo;It is certainly an indication of the pathological obsession with secrecy in the Catholic Church, but in itself it is not a smoking gun. &hellip;&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Wer den Missbrauch an Kindern deckt und durch Verschweigen daf&uuml;r sorgt, dass die Strafverfolgung der T&auml;ter de facto unterbunden wird, der macht sich mitschuldig und sollte strafrechtlich belangt werden. Wenn das geschieht, dann ist wenigstens von daher ein Anreiz geschaffen, solche Straftaten einzugrenzen. Bisher m&uuml;ssen die T&auml;ter offensichtlich nur mit Versetzungen rechnen, vielleicht noch mit geringeren Karriereaussichten und anderen kleinen Strafen. &ndash; Das sollte ge&auml;ndert werden. Die Voraussetzung daf&uuml;r ist die Belangung der Verschweiger und der Zudecker, der Hehler.<\/p><p>Gel&ouml;st ist das Problem damit allerdings noch nicht. Der L&ouml;sung k&auml;me man nur n&auml;her, wenn die Katholische Kirche sich endlich vom Z&ouml;libat verabschiedet. <\/p><p>P.S.: <\/p><p>Bei Spiegel Online gab es am12. Februar 2010 einen lesenswerten Bericht &uuml;ber das Leiden von Norbert Denef, der als Kind jahrelang von einem katholischen Pfarrer missbraucht wurde (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/0,1518,677496,00.html\">Spiegel<\/a>). Er bekam als erstes deutsches Opfer eine finanzielle Entsch&auml;digung. Er k&auml;mpft jetzt daf&uuml;r, dass die Verj&auml;hrungsfrist im Zivilrecht aufgehoben wird, so dass die Missbrauchsopfer auch noch nach Eintritt der Verj&auml;hrungsfrist &ndash; in der Regel 10 Jahre nach Eintritt der Vollj&auml;hrigkeit &ndash; Schadenersatz verlangen k&ouml;nnen. Auch das ist ein guter Ansatz. Geldleistungen tun weh. Auch der katholischen Kirche. Vielleicht wacht sie dann auf.<br>\nDenefs Petition wurde vom Deutschen Bundestag nicht erh&ouml;rt, eine Gesetzes&auml;nderung abgelehnt. Er k&auml;mpft jetzt auf europ&auml;ischer Ebene weiter. Wenn Sie diese Aktion unterst&uuml;tzen wollen, dann <a href=\"http:\/\/norbert.denef.com\/petition\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vermutlich sind Hunderte von Kindern von Priestern und anderen Beauftragten der Katholischen Kirche missbraucht worden. Fachleute der Traumaforschung meinen, dass bei sexuellem Missbrauch die Gefahr posttraumatischer Belastungsst&ouml;rungen bei 60 % liegt. Zugleich ist in der &ouml;ffentlichen Debatte die Rede davon, dass die meisten dieser Verbrechen verj&auml;hrt sind. 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