{"id":4532,"date":"2010-02-19T09:00:25","date_gmt":"2010-02-19T08:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4532"},"modified":"2014-11-25T09:36:07","modified_gmt":"2014-11-25T08:36:07","slug":"gewerkschaftliches-gutachternetzwerk-eckpunkte-fuer-die-fortfuehrung-des-bologna-prozesses-und-die-weiterentwicklung-der-akkreditierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4532","title":{"rendered":"Gewerkschaftliches Gutachternetzwerk: Eckpunkte f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Bologna-Prozesses und die Weiterentwicklung der Akkreditierung"},"content":{"rendered":"<p>In Kooperation von IGM, ver.di, IGBCE und organisiert von der Hans B&ouml;ckler Stiftung haben sich an Akkreditierungsverfahren von Studieng&auml;ngen beteiligte Gutachter, die sich gewerkschaftlichen Positionen verpflichtet f&uuml;hlen, zusammengeschlossen und ein <a href=\"http:\/\/www.gutachternetzwerk.de\/gutachternetzwerk\/file_uploads\/eckpunktebolognaakkreditierung.pdf\">Eckpunktepapier f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung des Bologna-Prozesses und die Weiterentwicklung der Akkreditierung [PDF &ndash; 864KB]<\/a> erarbeitet. Merkw&uuml;rdigerweise ist die GEW, in der wohl eher gerade Wissenschaftler organisiert sind, in diesem Netzwerk nicht vertreten.<br>\nDas Netzwerk versteht sich als Schnittstelle zwischen den Akkreditierungsagenturen und ihren Gutachterpools. Es ist angesichts dieser Affinit&auml;t des Netzwerks zu den Akkreditierungsagenturen nur zu verst&auml;ndlich, dass die Vorschl&auml;ge aus dem Blickwinkel von in solche Verfahren Eingebundenen gemacht werden. Und diese Vorschl&auml;ge sind leider nicht weitreichend genug und deshalb wenig erfolgversprechend. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nErfreulich ist, dass das Gutachternetzwerk die Kritik an der Umsetzung des Bologna-Prozesses aufgreift und ernst nimmt. Die Akkreditierungsagenturen und die Gutachter im Rahmen der Akkreditierungsverfahren sind jedoch Bestandteile des Bologna-Prozesses oder genauer dessen neoliberalen (deutschen) Auspr&auml;gung. Das Gutachternetzwerk &uuml;bernimmt v&ouml;llig unkritisch das <em>&bdquo;neue Verh&auml;ltnis von Staat und autonomen Hochschulen&ldquo;<\/em> und sieht sich eingebunden in den <em>&bdquo;Regelkreisen der (Selbst-)Steuerung der Qualit&auml;t von Studium und Lehre&ldquo;<\/em>. Dass die Gewerkschaften mit einem <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/stuf_proj_leitbild_2010.pdf\">&bdquo;Leitbild f&uuml;r eine demokratische und soziale Hochschule&ldquo; [PDF &ndash; 807KB]<\/a> ein Gegenmodell zur &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; entwickelt hat, scheint im gewerkschaftlichen Gutachternetzwerk offenbar noch nicht angekommen zu sein.<\/p><p>Das Gutachternetzwerk &uuml;bernimmt ziemlich unreflektiert das herrschende Reformparadigma, in dem der Autonomiebegriff verengt wird auf den R&uuml;ckzug staatlicher Verantwortung zugunsten einer unternehmerischen Autonomie der Hochschule und zugunsten einer der einzelunternehmerischen Wettbewerbslogik unterworfenen autokratischen Leitungsstruktur. <\/p><p>Angesichts dieser Anpassung an den laufenden &ouml;konomistischen Umbruch des gesamten Hochschulsystems  ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass das Gutachternetzwerk f&uuml;r eine <em>&bdquo;erfolgreiche Weiterf&uuml;hrung des Bologna-Prozesses&ldquo;<\/em> eintritt und ihn im Grundsatz f&uuml;r <em>&bdquo;richtig, notwendig, unumg&auml;nglich und unumkehrbar&ldquo;<\/em> h&auml;lt. Das ist exakt der keinen Widerspruch duldende Anspruch, mit dem in Deutschland alle so genannten &bdquo;Reformen&ldquo; von den Arbeitsmarkt-, &uuml;ber die Renten- bis zur Hochschulreform durchgepeitscht wurden. <\/p><p>Vor dem Hintergrund der geballten Kritik an den Auswirkungen des Bologna-Prozesses fordert das Gutachternetzwerk nunmehr <em>&bdquo;die urspr&uuml;nglichen Ziele des Bologna-Prozesses mit dem Kernpunkt einer besseren Qualit&auml;t von Studium und Lehre wieder konsequent in den Mittelpunkt zu stellen, deren Verwirklichung umfassend in Angriff zu nehmen und die Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ich muss eingestehen, dass ich selbst zum Zeitpunkt der Bologna-Erkl&auml;rung im Jahre 1999 gleichfalls an die Visionen und Hoffnungen, die damit verbunden waren, <a href=\"?p=2538\">geglaubt habe<\/a>. Man h&auml;tte jedoch schon kurze Zeit sp&auml;ter, ab Beginn der Umsetzung erkennen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, dass gerade in Deutschland der Bologna-Prozess in starkem Ma&szlig;e von der im Jahr 2000 auf dem Fr&uuml;hjahrsgipfel der Staats- und Regierungschefs beschlossenen sog. Lissabon Strategie &uuml;berlagert wurde. Als deren Ziel wurde ausgegeben, bis 2010 <em>&bdquo;die Union zum wettbewerbsf&auml;higsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.&ldquo;<\/em><\/p><p>War etwa nach der Bologna Agenda Hochschulbildung noch als &bdquo;&ouml;ffentliches Gut&ldquo; betrachtet worden und gab es dort noch eine soziale Dimension der Reform, so wurde mit der Lissabon Strategie Bildung als die Verbesserung des &bdquo;Humankapitalstocks&ldquo; und ein Studium als eine private Investition in das pers&ouml;nliche Humankapital umgedeutet. Der eher kooperative Ansatz der Bologna-Erkl&auml;rung und das Prinzip einer &bdquo;m&ouml;glichst geringen Stratifizierung des Hochschulsystems&ldquo; wurde durch das Wettbewerbsprinzip und die strategische Ausrichtung des Studiums auf die Employability (Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit) der Lissabon-Strategie verdr&auml;ngt.<\/p><p>Vor allem in Deutschland hat das nahezu s&auml;mtlichen neoliberalen Reformen zugrunde liegende negative Menschenbild auch die Umsetzung des Bologna-Prozesses wesentlich bestimmt. Die Hartz-IV-Reformen (das &bdquo;F&ouml;rdern und Fordern&ldquo;) und die Studienreform zeigen dabei frappierende Parallelen. Beide Reformen unterstellen letztlich Menschen ohne oder mit nur geringer Leistungsmotivation &ndash; also letztlich arbeits- oder studierunwillige Menschen, die durch Druck und Kontrolle und nicht durch positive Anreize oder attraktive Angebote zur Arbeitsdisziplin angehalten werden m&uuml;ssten (<a href=\"http:\/\/archiv.sueddeutsche.de\/N5N38A\/2968902\/Unfreie-Universitaeten.html\">Gustav Seibt in der S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/a> bzw. siehe <a href=\"\/?p=4092#h24\">hier<\/a>). Ohne &uuml;berhaupt nach der Studienmotivation zu fragen, wurden fast auf der ganzen Linie Studienarrangements eingef&uuml;hrt, die der Devise folgten &bdquo;ohne (Pr&uuml;fungs-)Druck, ohne Dauerkontrolle (z.B. der Anwesenheit) keine Leistung&ldquo; (Wolff-Dietrich Webler).<\/p><p>&Auml;hnlich wie danach bei der Einf&uuml;hrung des Abiturs nach 8 Jahren (G 8) gab es bei der Einf&uuml;hrung des Bachelors kaum eine Debatte um eine Neukonzeption der Studieng&auml;nge. Rigide und ohne genauere Bestimmung der Studienziele wurden &ndash; ganz anders als in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern &ndash; f&uuml;r alle (!) F&auml;cher das Bachelor-Studium auf 6 Semester &bdquo;gestaucht&ldquo;. &Uuml;ber bildungstheoretische oder gar gesellschaftspolitische Zielvorstellungen und &uuml;ber qualitative Elemente eines &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Studiums wurde nur in seltenen F&auml;llen diskutiert. Es ging um &bdquo;Module&ldquo; (wie auch immer aufeinander bezogen) statt um sinnvolle K&uuml;rzungen, um &bdquo;Workload&ldquo; statt um Studierbarkeit, um &bdquo;input&ldquo; statt um &bdquo;outcome&ldquo;, um &bdquo;credits&ldquo; statt um prozessbegleitendes Feedback, um Wissensakkumulation statt um wissenschaftliches Verst&auml;ndnis, um Verhaltenskontrolle (mit Anwesenheitspflichten und Selektionsdruck durch Pr&uuml;fungen) statt um die F&ouml;rderung der Eigenmotivation, um den Wettbewerb &bdquo;um die besten K&ouml;pfe&ldquo; statt um die optimale und breite Aussch&ouml;pfung des Bildungspotentials &ndash; ganz wie es die Sprache und die Ziele der Lissabon-Strategen vorgaben.<\/p><p>Es gab auch keinerlei Professionalisierung der Hochschullehre f&uuml;r die neuen Lehranforderungen, daf&uuml;r umso mehr Korrekturbelastungen und b&uuml;rokratische Regelungen (z.B. &uuml;ber die Zahl der Kreditpunkte).<br>\nDie Akkreditierungsagenturen waren der Akkreditierungsflut nicht gewachsen und es gab kaum eine Verst&auml;ndigung &uuml;ber die Qualit&auml;tsanforderungen. Noch so obskure &bdquo;Studienprofile&ldquo; wurden &bdquo;durchgewunken&ldquo;.<\/p><p>Das gewerkschaftliche Gutachternetzwerk m&uuml;sste sich angesichts des ziemlich katastrophalen Ist-Zustandes eigentlich, bevor es Vorschl&auml;ge &bdquo;f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung des Bologna-Prozesses&ldquo; macht, selbstkritisch fragen, wie es zu den jetzt von ihm selbst kritisierten Fehlentwicklung bei der Ausgestaltung der Bachelor- und Masterstudien gekommen ist. Schlie&szlig;lich haben doch auch die gewerkschaftsorientierten Gutachter selbst den neuen Studieng&auml;ngen ihr G&uuml;tesiegel verliehen. Sie h&auml;tten doch mit als Erste wissen k&ouml;nnen, dass die Studienpl&auml;ne &uuml;berfrachtet sind, dass es zu viele Pr&uuml;fungen gibt, dass Praxisphasen fehlten, dass die &Uuml;berg&auml;nge vom Bachelor zum Master oder die Anerkennung von Studienleistungen nicht klar geregelt waren. Kurz: Die Akkreditierungsagenturen haben doch die Paukstudieng&auml;nge nicht nur passieren lassen, sondern sogar gef&ouml;rdert. <\/p><p>Wie sich in anderen L&auml;ndern zeigte, war das nicht der Idee geschuldet, die hinter Bologna stand, denn dort hat man nicht &uuml;berall die gleichen Fehler gemacht wie in Deutschland.<\/p><p>Das Gutachternetzwerk polemisiert gegen eine &bdquo;unheilige Allianz&ldquo; von Gegnern des Bologna-Prozesses aus Strukturkonservativen oder aus Unf&auml;higkeit sich mit dessen Anforderungen auseinanderzusetzen. Diese Kritik ist teilweise berechtigt. Der &ouml;ffentlich artikulierte Widerstand gegen &bdquo;Bologna&ldquo; kommt &uuml;berwiegend aus dem Lager konservativer Ordinarien.<\/p><p>Man muss gewiss nicht zum keineswegs optimalen &bdquo;alten System&ldquo; zur&uuml;ckkehren, aber das Gutachternetzwerk m&uuml;sste sich auch Gedanken dar&uuml;ber machen, was es selbst vers&auml;umt hat und wie die Gutachter selbst dazu beigetragen hat, dass es zu den inzwischen allseits kritisierten Zust&auml;nden gekommen ist.<\/p><p>Man kann nicht alles auf die <em>&bdquo;permanente Unterfinanzierung und oft unzureichende Ausstattung der Hochschulen&ldquo;<\/em> oder auf die <em>&bdquo;kollektive Verantwortungslosigkeit&ldquo;<\/em> an den Hochschulen schieben. Das ist alles unbestritten, aber nicht die Hauptursache f&uuml;r die M&auml;ngel in den Studienstrukturen, die nahezu fl&auml;chendeckend eingef&uuml;hrt wurden.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich, sind in allererster Linie die Hochschulen und Fachbereiche f&uuml;r die Studieng&auml;nge und deren Gestaltung verantwortlich und k&ouml;nnen auch nur dort wieder korrigiert werden, aber haben die Akkreditierungsagentur nicht z.B. die starre Fixierung auf den 6-semestrigen Bachelor mitgemacht, ja sogar darauf gedrungen? Warum haben sie nicht schon lange <em>&bdquo;unn&ouml;tige bzw. unsachgem&auml;&szlig;e Vorgaben&ldquo;<\/em> kritisiert? Warum haben die Gutachter eigentlich nicht auf die <em>&bdquo;Studierbarkeit&ldquo;<\/em> geachtet? Warum haben sie nicht die &bdquo;gelungenen positiven Beispiele&ldquo; zum Ma&szlig;stab ihrer Akkreditierungen genommen?<\/p><p>Die Selbstkritik, <em>&bdquo;dass in etlichen F&auml;llen Studieng&auml;ngen trotz erkennbarer deutlicher Defizite die Akkreditierung erteilt wurden, wo sie besser h&auml;tte versagt werden sollen&ldquo;<\/em>, kommt reichlich sp&auml;t und die Begr&uuml;ndung, warum <em>&bdquo;manchmal (?) ein Auge zugedr&uuml;ckt wurde&ldquo;<\/em>, ist nicht gerade &uuml;berzeugend. Von den Gutachtergruppen seien nicht tats&auml;chlich existierende, mindestens einen Zyklus lang durchgef&uuml;hrte Studieng&auml;nge, sondern lediglich Konzepte beurteilt worden, so die Ausrede. Das Papier geduldig ist, wusste man schlie&szlig;lich schon bei Einf&uuml;hrung der Akkreditierungsverfahren.<br>\nWer hat denn vor allem auf <em>&bdquo;formale Kriterien, statt auf Inhalte, Methoden und effektive Strukturen&ldquo;<\/em> Wert gelegt? Wer hat denn dem <em>&bdquo;alten Input-Denken &hellip;Vorrang gegen&uuml;ber der Kompetenzorientierung&ldquo;<\/em> einger&auml;umt? Die Gutachter waren doch selbst an dem jetzt von ihnen als defizit&auml;r kritisierten Peer-Review-Verfahren beteiligt.<\/p><p>Man will ja dem Gutachternetzwerk gerne abnehmen, dass die beteiligten Gutachter aus Erfahrung kl&uuml;ger geworden sind. Nicht nachvollziehbar ist allerdings, dass sie jetzt nicht einmal mehr darauf dr&auml;ngen ihre <em>&bdquo;neuen Erkenntnisse&ldquo;<\/em> in die Re-Akkreditierung der fr&uuml;her von ihnen akkreditierten Studieng&auml;nge einzubringen. Stattdessen <em>&bdquo;unterst&uuml;tzen&ldquo;<\/em> sie nun einen Systemwechsel von der Programm- zur Systemakkreditierung und wollen also erneut <em>&bdquo;Neuland&ldquo;<\/em> betreten. Warum vertrauen sie nach den von ihnen selbst kritisierten Erfahrungen erneut darauf, dass die Hochschulen nur auf dem Papier ein System der Qualit&auml;tssicherung und &ndash;entwicklung vorlegen m&uuml;ssen? Warum verlangen sie nicht, selbst noch einmal zu &uuml;berpr&uuml;fen, was aus ihren fr&uuml;her (programm)-akkreditierten Studieng&auml;nge in der Praxis herausgekommen ist? Warum geben sie sich mit <em>&bdquo;Programmstichproben bei der Systemakkreditierung&ldquo;<\/em> zufrieden?<\/p><p>Die Vorschl&auml;ge f&uuml;r die Weiterentwicklung der Akkreditierungsagenturen m&ouml;gen einigen offenkundigen M&auml;ngeln abhelfen, mit solchen kleinen Korrekturen ist eine wirkliche Verbesserung aber nicht m&ouml;glich und nicht zu erwarten.<\/p><p>Am Anfang einer Neuausrichtung m&uuml;sste eine Verst&auml;ndigung &uuml;ber die Merkmale guter Lehre und h&ouml;herer Lehrkompetenz stehen (Vgl. Wissenschaftsrat <a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/texte\/8639-08.pdf\">&bdquo;Empfehlungen zur Qualit&auml;tsverbesserung von Lehre und Studium&ldquo; [PDF &ndash; 393 KB]<\/a>).<br>\nEs m&uuml;sste eine breite Debatte &uuml;ber die im jeweiligen Studium anzustrebenden Kompetenzprofile geben. Dabei sollte wieder eine gr&ouml;&szlig;ere fachliche Breite in der Qualifikation angestrebt werden und die Wahl- und Wahlpflichtanteile eines Studiums erweitert werden. Auch das freie Selbststudium m&uuml;sste wieder gef&ouml;rdert und gesch&uuml;tzt werden. Das neue Studienkonzept eines gestuften Studiums bed&uuml;rfte einer passenden und geeigneten Didaktik.<br>\nStatt einer viel zu engen Ausrichtung auf eine (oft nur fiktiv definierte) Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit, m&uuml;sste ein Studium eine hohe berufliche Flexibilit&auml;t und eine engere Verkn&uuml;pfung von Theorie- und Praxisbezug erm&ouml;glichen.<br>\nStatt eingepauktes Wissen in zahllosen Einzelklausuren abzufragen, m&uuml;ssten zusammenh&auml;ngende Lernergebnisse lernprozessbezogen und motivationsf&ouml;rdernd erhoben werden. Das Selbststudium m&uuml;sste wieder mehr Gewicht erhalten und gef&ouml;rdert werden. Module (wenn man denn Studienabschnitte so nennen m&ouml;chte) m&uuml;ssten sinnvoll aufeinander aufgebaut und in Sinneinheiten aufeinander bezogen sein. Einzelne Module m&uuml;ssten als Projektstudium verbindlich gemacht werden.<br>\nStudieren m&uuml;sste als Kompetenzerwerb zur selbst&auml;ndigen L&ouml;sung neuer Problem mit wissenschaftlichen Methoden verstanden werden. Ein Studium verlangt nicht nur Wissen sondern Verst&auml;ndnis und Handlungsf&auml;higkeit. Eine wissenschaftliche Ausbildung bedeutet auch Pers&ouml;nlichkeitsentwicklung und nicht nur Drill zur Absolvierung von Tests. Der Abschlussthesis m&uuml;sste als erste gr&ouml;&szlig;ere eigenst&auml;ndige wissenschaftliche Arbeit wieder gr&ouml;&szlig;eres Gewicht beigemessen werden und die Kreditpunkte sollten je nach Studienfortschritt steigendes Gewicht erlangen.<br>\nVor allem m&uuml;ssten Studierende wieder als selbstverantwortliche, erwachsene Subjekte ihrer eigenen Pers&ouml;nlichkeitsentwicklung betrachtet und behandelt werden, die nicht vor allem f&uuml;r den Arbeitsmarkt anzupassen sind, sondern auch als B&uuml;rger bereit sind ihre gesellschaftliche Verantwortung im Beruf und in ihrem Privatleben zu &uuml;bernehmen.<br>\nDas w&auml;ren nur einige wenige, aber wichtige Elemente einer <a hre=\"\/?p=4128\">Re-Reform des Bologna-Prozesses<\/a>.<\/p><p>Das Problem ist nur, dass bei einer solchen qualitativen Studienreform die bisherige Programmakkreditierung versagt hat und &ndash; so wie sie angelegt ist &ndash; auch versagen musste und dass die neue Systemakkreditierung f&uuml;r eine Urteilsfindung &uuml;ber solche qualitativen Elemente in den Studieng&auml;ngen ungeeignet ist. Dazu bed&uuml;rfte es eine neue Form von Studienreformkommissionen, die f&uuml;r einzelne Studieng&auml;nge zusammen mit den beteiligten Fachbereichen, mit externen Beteiligten aus der Praxis und &ndash; ich wage es sagen &ndash; dem hochschulplanerischen Staat Studienkonzepte entwickeln. Die Akkreditierungsagenturen m&ouml;gen dann vielleicht noch &uuml;berpr&uuml;fen, mit welchem Erfolg solche Reformkonzepte umgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kooperation von IGM, ver.di, IGBCE und organisiert von der Hans B&ouml;ckler Stiftung haben sich an Akkreditierungsverfahren von Studieng&auml;ngen beteiligte Gutachter, die sich gewerkschaftlichen Positionen verpflichtet f&uuml;hlen, zusammengeschlossen und ein <a href=\"http:\/\/www.gutachternetzwerk.de\/gutachternetzwerk\/file_uploads\/eckpunktebolognaakkreditierung.pdf\">Eckpunktepapier f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung des Bologna-Prozesses und die Weiterentwicklung der Akkreditierung [PDF &ndash; 864KB]<\/a> erarbeitet. Merkw&uuml;rdigerweise ist die GEW, in der wohl eher gerade<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4532\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[109,17],"tags":[320,434,453,565],"class_list":["post-4532","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gewerkschaften","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-bolognaprozess","tag-gew","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4532"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22702,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4532\/revisions\/22702"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}