{"id":45421,"date":"2018-08-12T11:45:34","date_gmt":"2018-08-12T09:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45421"},"modified":"2018-08-17T10:31:08","modified_gmt":"2018-08-17T08:31:08","slug":"eine-kampfansage-an-die-profiteure-des-hungers-auf-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45421","title":{"rendered":"Eine Kampfansage an die Profiteure des Hungers auf der Welt"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180812_feyder.jpg\" alt=\"Jean Feyder\" title=\"Jean Feyder\"><\/div><p>Krieg, Umweltzerst&ouml;rung und Ausbeutung: Die Profite global agierender Konzerne werden oft auf Kosten der Umwelt und der Menschen in Entwicklungsl&auml;ndern eingestrichen, und westliche Staaten messen h&auml;ufig mit zweierlei Ma&szlig;, wenn es um Menschenrechte und Waffenexporte geht. <strong>Jean Feyder<\/strong>, international anerkannter Experte f&uuml;r Entwicklungsfragen und langj&auml;hriger Vertreter Luxemburgs bei den Vereinten Nationen in Genf, fordert in seinem Buch <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/leistet-widerstand\/\">Leistet Widerstand!<\/a> die Politik mit klaren Worten auf, endlich zu handeln und der globalisierten Gleichg&uuml;ltigkeit den Riegel vorzuschieben. Ein Auszug.<br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li>Artikel 1 der Menschenrechtserkl&auml;rung besagt: &raquo;Alle Menschen sind frei und gleich an W&uuml;rde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Br&uuml;derlichkeit begegnen.&laquo;<\/li>\n<li>Artikel 2: &raquo;Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erkl&auml;rung verk&uuml;ndeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger &Uuml;berzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Verm&ouml;gen, Geburt oder sonstigem Stand.&laquo;<\/li>\n<li>Artikel 3: &raquo;Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.&laquo;<\/li>\n<li>Artikel 25: &raquo;Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gew&auml;hrleistet, einschlie&szlig;lich Nahrung, Kleidung, Wohnung, &auml;rztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidit&auml;t oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umst&auml;nde.&laquo;<\/li>\n<\/ul><p>Drei Jahre nach dem Ende der H&ouml;lle des Zweiten Weltkrieges wurde die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte zur Grundlage f&uuml;r eine neue Weltordnung. Wo bleibt die Umsetzung dieser Erkl&auml;rung und dieser Artikel, wenn jeden Tag 25.000&nbsp;Menschen, haupts&auml;chlich Kinder, an Hunger und Unterern&auml;hrung sterben, eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten jeden Tag an Hunger leiden, jedes Jahr immer noch rund eine Million Menschen an AIDS\/HIV sterben, 445.000 an Malaria und mehr als 500.000&nbsp;Frauen w&auml;hrend oder nach der Geburt ihr Leben verlieren? Selten waren Rassismus und Intoleranz so weit verbreitet.<\/p><p>Wo bleibt die Umsetzung des Rechtes des pal&auml;stinensischen Volkes auf Selbstbestimmung, ein Recht, das im ersten Artikel sowohl des Internationalen Paktes &uuml;ber b&uuml;rgerliche und politische Rechte wie im Internationalen Pakt &uuml;ber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte verankert ist? Warum schweigen wir, wenn in Gaza eine ganze Bev&ouml;lkerung in einem Gef&auml;ngnis unter freiem Himmel von extremer Armut bedroht ist und keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser und anderen Grundnahrungsmitteln hat? Was ist mit der W&uuml;rde jener Menschen in Griechenland, die in M&uuml;lltonnen herumst&ouml;bern m&uuml;ssen, um das Allernotwendigste zum &Uuml;berleben zu finden? Wie k&ouml;nnen die unerbittlichen, erfolglosen Austerit&auml;tsprogramme in Griechenland noch l&auml;nger hingenommen werden? <\/p><p>Es ist an der Zeit, die Kultur der Menschenrechte in den westlichen Staaten zu &uuml;berdenken und den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten dieselbe Bedeutung beizumessen wie den zivilen und politischen. Der Kampf gegen jede Form von Folter, f&uuml;r Presse- und Meinungsfreiheit bleibt unerl&auml;sslich. Aber warum wird es so still im Westen, wenn es darum geht, die Achtung des Rechtes auf Leben, auf Ern&auml;hrung, auf Gesundheit, auf Erziehung von Millionen von Mitmenschen einzufordern? <\/p><p>Der Stellenwert der Menschenrechte gegen&uuml;ber den Rechten der multinationalen Unternehmen ist neu zu bestimmen, wie es auch die Richter des Internationalen Tribunals gegen Monsanto verlangen. Konzerne haben Verantwortung zu &uuml;bernehmen f&uuml;r die Achtung der Menschenrechte. Das ist nicht auf freiwilliger Basis zu erreichen. Vertr&auml;ge sind auszuarbeiten, die der Straflosigkeit der multinationalen Unternehmen bei der Verletzung der Menschenrechte ein Ende setzen. Genau dies entspricht dem Auftrag einer in Genf vom Menschenrechtsrat eingesetzten Arbeitsgruppe, die eine weltweite B&uuml;rgerinitiative voll unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Nicht nur die Achtung der Menschenrechte, auch soziale Werte, wie Gerechtigkeit und Solidarit&auml;t sind in der Gesellschaft st&auml;rker zur Geltung zu bringen. Das Bruttoinlandsprodukt als oberster Ma&szlig;stab der Wirtschafts- und Sozialpolitik ist durch einen F&auml;cher von Indikatoren, die f&uuml;r Lebensqualit&auml;t stehen, zu ersetzen&nbsp;&ndash; ein Perspektivwechsel, f&uuml;r den es auch in Deutschland eine klare Mehrheit geben sollte.<\/p><p>Wir leben auf einem gef&auml;hrlichen Planeten, der von einer Vielzahl von Krisen bedroht ist: Finanzkrise, Eurokrise, Hungerkrisen, Klimakrise, Fl&uuml;chtlings- und Migrantenkrise, Terrorismus, Energiekrise und Militarismus. <\/p><p>Die Ausgaben f&uuml;r Waffen steigen Jahr f&uuml;r Jahr, 2016 erreichten sie 1.686&nbsp;Milliarden Dollar, davon entfielen 611&nbsp;Milliarden allein auf die USA, w&auml;hrend f&uuml;r Entwicklungshilfe nur knappe 143&nbsp;Milliarden aufgeboten wurden. Es ist an der Zeit, dass alle Industriestaaten ihren in der UNO und in der EU vorgesehenen Verpflichtungen nachkommen und wenigstens 0,7&nbsp;Prozent ihres nationalen Reichtums f&uuml;r Entwicklungshilfe bereitstellen. Und die EU-Staaten m&uuml;ssen endlich die Politikkoh&auml;renz, die in Artikel 208 des Vertrages von Lissabon vorgesehen ist, ernst nehmen und aufh&ouml;ren, mit einer Hand zwei-, dreimal wegzunehmen, was sie mit der anderen im Entwicklungsbereich geben.<\/p><p>Europa muss endlich dem Neoliberalismus im Finanz- und Handelsbereich eine klare Absage erteilen. Der Staat hat priorit&auml;r die Interessen der Gesellschaft durchzusetzen, nicht die der Konzerne. F&uuml;r viele Experten ist die Finanzkrise von 2008 noch lange nicht &uuml;berwunden. Die getroffenen Regulierungsma&szlig;nahmen werden als weitgehend unzureichend angesehen. Wir leben in einem System, in dem tagt&auml;glich 98&nbsp;Prozent aller Transaktionen im Finanzsektor get&auml;tigt werden und nur zwei Prozent in der Realwirtschaft. Neue Finanzblasen k&ouml;nnen jeden Moment entstehen und auf einmal platzen. Effektive Regulierungsma&szlig;nahmen sind einzuf&uuml;hren: Banken m&uuml;ssten Einlage- und Kreditgesch&auml;fte streng von allen Investitions- und Spekulationsgesch&auml;ften trennen, Hedgefonds und Handel mit Derivativen sind zu unterbinden, wie auch jede Spekulation mit Agrarrohstoffen. <\/p><p>Steuerparadiese sind zu beseitigen. Es w&auml;re zweifelslos im Interesse jedes Landes, jedes Staates und aller B&uuml;rger und B&uuml;rgerinnen, wenn die Konzerne und Kapitalbesitzer &uuml;berall einen gerechten Steueranteil bezahlen w&uuml;rden. Die Umsetzung neuer EU-Besteuerungsdirektiven f&uuml;r multinationale Unternehmen ist aufmerksam zu verfolgen, auch um m&ouml;gliche Schlupfl&ouml;cher aufzudecken. Steuerverwaltungen sind zu verst&auml;rken. Konzerne wie auch die Finanz- und Fondsindustrie haben ihre Gewinne, die sie in Entwicklungsl&auml;ndern erwirtschaftet haben, auch dort zu versteuern und d&uuml;rfen diesen L&auml;ndern nicht ihre Steuersubstanz entziehen und so die Resultate der &ouml;ffentlichen Entwicklungshilfe wieder vernichten.<\/p><p>Wie vom Collectif Tax Justice L&euml;tzebuerg verlangt, soll offen und transparent gekl&auml;rt werden, wer vom Steuersystem profitiert, wie viel, wo und durch wen. Das Steuergeheimnis gro&szlig;er Konzerne darf nicht als Vorwand dienen, um Aufkl&auml;rung zu verhindern. Diese Aufkl&auml;rungsarbeit sollte einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss anvertraut werden, dessen Einsetzung bisher ergebnislos nur von einer Partei, Die Linke (D&eacute;i L&eacute;nk), gefordert wurde. <\/p><p>Wir brauchen v&ouml;llig andere Handelsregeln. Wie es &uuml;ber hundert Universit&auml;tsprofessoren fordern, sind Verhandlungen &uuml;ber Handelsvertr&auml;ge in voller Transparenz zu f&uuml;hren und sowohl die Parlamente wie auch die B&uuml;rger sind bei der Vorbereitung von Verhandlungsmandaten einzubinden. Beide Seiten haben klare Verpflichtungen gegen den Klimawandel und die Treibhausgasemissionen einzugehen wie auch im Bereich der Besteuerung multinationaler Konzerne. Handelsvertr&auml;ge haben nachhaltiges Wirtschaften zu beg&uuml;nstigen. Der &ouml;kologische Fu&szlig;abdruck muss verringert werden. Die Menschenrechte und die ILO-Arbeitsnormen sind voll zu respektieren.<\/p><p>Von gr&ouml;&szlig;ter Wichtigkeit sind gerechtere Beziehungen und Handelsspielregeln gegen&uuml;ber den Entwicklungsl&auml;ndern. Anstatt eine noch st&auml;rkere Liberalisierung ihrer Wirtschaften einzufordern, anstatt wirtschaftliche Partnerschaftsabkommen aufzuzwingen und ratifizieren zu lassen, w&auml;re es f&uuml;r die EU notwendig und sinnvoll, eine neue Entwicklungs-, Handels- und Landwirtschaftspolitik einzuf&uuml;hren. Diese m&uuml;sste den enormen Produktivit&auml;tsunterschieden in Industrie und Landwirtschaft Rechnung tragen, Exporte zu Dumpingpreisen stoppen und das Prinzip der Nichtreziprozit&auml;t wieder zur Anwendung bringen. Schluss muss sein mit der skandal&ouml;sen Doppelmoral einer EU, die die Entwicklungsl&auml;nder zu mehr Liberalisierungsma&szlig;nahmen n&ouml;tigt, zugleich aber den eigenen Agrarmarkt sch&uuml;tzt und hohe Z&ouml;lle auf die Importe sensibler Agrarprodukte erhebt!<\/p><p><em>Jean Feyder: <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/leistet-widerstand\/\">&bdquo;Leistet Widerstand! Eine andere Welt ist m&ouml;glich&ldquo;<\/a>, 256 Seiten, Westend Verlag, 1. M&auml;rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180812_feyder.jpg\" alt=\"Jean Feyder\" title=\"Jean Feyder\"\/><\/div>\n<p>Krieg, Umweltzerst&ouml;rung und Ausbeutung: Die Profite global agierender Konzerne werden oft auf Kosten der Umwelt und der Menschen in Entwicklungsl&auml;ndern eingestrichen, und westliche Staaten messen h&auml;ufig mit zweierlei Ma&szlig;, wenn es um Menschenrechte und Waffenexporte geht. <strong>Jean Feyder<\/strong>, international anerkannter Experte f&uuml;r<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45421\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,37,146,132,161],"tags":[1487,1532,292,305,890,849,1367,1154,592,335],"class_list":["post-45421","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-globalisierung","category-soziale-gerechtigkeit","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wertedebatte","tag-entwicklungshilfe","tag-entwicklungslaender","tag-finanzkasino","tag-menschenrechte","tag-menschenwuerde","tag-nahrungsmittel","tag-ruestungsausgaben","tag-steuermodell","tag-trennbanken","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45421"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45421\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45423,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45421\/revisions\/45423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}