{"id":45440,"date":"2018-08-13T12:12:06","date_gmt":"2018-08-13T10:12:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45440"},"modified":"2018-08-13T13:07:03","modified_gmt":"2018-08-13T11:07:03","slug":"die-schwarz-linke-koalitions-debatte-ein-vergiftetes-geschenk-an-die-linkspartei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45440","title":{"rendered":"Die schwarz-linke \u201eKoalitions-Debatte\u201c &#8211; ein vergiftetes Geschenk an die Linkspartei"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Diskussion um m&ouml;gliche Koalitionen zwischen CDU und LINKE wird ein neuer Akt des politischen Sommer-Theaters er&ouml;ffnet. Der CDU-Vorsto&szlig; verfolgt mutma&szlig;lich drei Ziele: innerparteiliche Solidarit&auml;t, Spaltung der LINKEN und eine Gleichsetzung von &bdquo;Rechts&ldquo; und &bdquo;Links&ldquo;. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nG&auml;be es einen Preis f&uuml;r die emsigste Regie- und Darsteller-Gruppe des diesj&auml;hrigen Sommerloch-Theaters &ndash; er w&uuml;rde mit Fug und Recht an die CDU gehen: Nach Pseudo-Debatten um das Asylrecht oder eine &bdquo;Dienstpflicht&ldquo; wurde am Wochenende ein weiteres &bdquo;hei&szlig;es Eisen&ldquo; behandelt: Koalitionen zwischen CDU und Linkspartei. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/koalition-mit-linken-kramp-karrenbauer-gegen-guenther-vorschlag-15733161.html\">Der Vorsto&szlig;<\/a> des schleswig-holsteinischen Ministerpr&auml;sidenten Daniel G&uuml;nther (CDU) verfolgt mutma&szlig;lich vor allem zwei strategische Ziele: Zum einen soll durch das scheinbare R&uuml;tteln an einem &bdquo;Tabu&ldquo; und die daraus folgende Aufregung sowie durch die anschlie&szlig;end gemeinsam formulierte Zur&uuml;ckweisung einer &bdquo;Kollaboration mit EX-SED-Kadern&ldquo; der innerparteiliche Zusammenhalt gest&auml;rkt werden.<\/p><p>Zum anderen war der kalkuliert &bdquo;skandal&ouml;se&ldquo; Vorschlag ein vergiftetes Geschenk an den &bdquo;Reformer&ldquo;-Fl&uuml;gel der Linkspartei: Ein &bdquo;Ritterschlag&ldquo; zur Koalitionsf&auml;higkeit durch einen CDU-Politiker mag zun&auml;chst sch&ouml;n klingen. Aber: Die g&ouml;nnerhafte &ouml;ffentliche Darstellung durch den politischen Gegner als &bdquo;normalisiert&ldquo;, also &bdquo;gez&auml;hmt&ldquo;, kann f&uuml;r die LINKE eigentlich nicht w&uuml;nschenswert sein. Gerade jetzt nicht: Eine f&uuml;r eine Koalition mit der CDU &bdquo;wohlerzogene&ldquo; Linkspartei erschiene vielen ihrer Anh&auml;nger wohl zu jeder Zeit als eine &bdquo;eingeknickte&ldquo; Partei. Aber gerade in Zeiten, in denen mit der neuen Sammlungsbewegung &bdquo;#Aufstehen&ldquo; ein <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/focus-umfrage-ein-drittel-der-deutschen-wuerde-wagenknechts-aufstehen-bewegung-waehlen_id_9395438.html\">gef&auml;hrliches Konkurrenzprodukt<\/a> zur reformerischen Linie des LINKEN-Parteivorstands entsteht, tut so eine Debatte besonders weh. <\/p><p><strong>Rechts- und linksradikal: Alles das Gleiche<\/strong><\/p><p>Dennoch gehen der Taktik, wie bestellt, auch einige LINKEN-Politiker auf den Leim: Sie betonen nicht die wegen inhaltlicher Differenzen bestehende Unm&ouml;glichkeit einer Koalition mit der CDU. Statt dessen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/linkspartei-bartsch-beklagt-hysterische-reaktionen-in-der-union-15735200.html\">beklagen sie sich &ouml;ffentlich<\/a> &uuml;ber die Zur&uuml;ckweisung durch Unions-Politiker. Politische Selbstachtung k&ouml;nnte man anders signalisieren.<\/p><p>In der Debatte schwingen weitere altbekannte Aspekte mit: Etwa wird die Gelegenheit der von G&uuml;nther gelieferten Steilvorlage beim Schopfe gepackt und die Linkspartei einmal mehr als eine Schwester im Geiste der AfD dargestellt. CDU-Generalsekret&auml;rin Annegret Kramp-Karrenbauer war die erste Politikerin, die in der Debatte &bdquo;Rechts&ldquo; und &bdquo;Links&rdquo; auf eine Stufe stellte: &bdquo;Wir lehnen Zusammenarbeit mit Linken und AfD weiterhin klar ab. Einige pragmatische K&ouml;pfe d&uuml;rfen nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass die programmatische Ausrichtung der Linkspartei bleibt und das rechtsradikale Profil der AfD auch.&ldquo; <\/p><p><strong>LINKE: Inhaltliche Erziehung der Partei mit dem AfD-Hebel<\/strong><\/p><p>Der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl blies <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/cdu-linkspartei-101.html\">wie viele andere<\/a> CDU-Funktion&auml;re ins gleiche Horn: &ldquo;Die Christlich Demokratische Union macht nichts mit Extremisten, nichts mit Links-, nichts mit Rechtsradikalen.&ldquo; Und f&uuml;r die FDP erkl&auml;rte der Parlamentarische Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Fraktion, Marco Buschmann: &ldquo;Ein B&uuml;ndnis mit der Linkspartei in Brandenburg ist der erste Schritt, der n&auml;chste k&ouml;nnte ein B&uuml;ndnis mit der AfD in Sachsen oder Th&uuml;ringen sein.&rdquo;<\/p><p>Einerseits soll die LINKE also mit der AfD auf eine Stufe gestellt werden. Andererseits soll die Linkspartei aber mit dem AfD-Hebel in eine &bdquo;verantwortungsvolle&ldquo; Politik gezwungen werden: Um eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern, m&uuml;sse die Partei notfalls inhaltliche &bdquo;Kr&ouml;ten schlucken&ldquo;, um gemeinsam mit der CDU die Demokratie zu retten. W&uuml;rde sich die Linkspartei in diese inhaltliche Sackgasse locken lassen, w&uuml;rde sie sich wohl endg&uuml;ltig bedeutungslos machen.  Vorbereitet wird diese Strategie etwa von Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Vincent Kokert und seiner &bdquo;gn&auml;digen&ldquo; Analyse der Ost-LINKEN: Er warnte vor einer &ldquo;Verteufelung&rdquo; der Linkspartei. Die Partei werde inzwischen von Menschen gepr&auml;gt, die &bdquo;dem Land nicht schaden&ldquo; wollten, sagte er der &ldquo;Rheinischen Post&ldquo;. Damit meint er wohl auch den fr&uuml;heren Vorsitzenden der Linksfraktion Gregor Gysi, der sich in der &ldquo;Rheinischen Post&rdquo; bereits beflissen die Frage stellt, was Union und Linke untern&auml;hmen, wenn nur eine solche Koalition eine Regierungsbeteiligung der AfD in einem Bundesland verhindern w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Schw&auml;chung der LINKE-Reformer st&auml;rkt Sammlungsbewegung<\/strong><\/p><p>Und so r&uuml;ckt durch die mutma&szlig;lich orchestrierte Koalitions-Initiative einerseits die CDU parteiintern zusammen &ndash; zumal G&uuml;nther bereits <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/parteien\/id_84265558\/nach-kritik-daniel-guenther-relativiert-plaene-zu-koalition-von-cdu-und-linken.html\">zur&uuml;ckgerudert ist<\/a>. Gleichzeitig wird die innerparteiliche Spaltung der LINKEN nochmals auf gro&szlig;er medialer B&uuml;hne verhandelt. Dieser Effekt wird durch die anma&szlig;ende &ouml;ffentliche Einteilung in &bdquo;brave LINKE&ldquo; (im Osten) und &bdquo;b&ouml;se LINKE&ldquo; (im Westen) verst&auml;rkt. <\/p><p>Aber: Fr&uuml;her hie&szlig; Spaltung bei der Linkspartei automatisch Schw&auml;chung. Doch mit dem Auftauchen der <a href=\"https:\/\/www.aufstehen.de\">neuen Sammlungsbewegung<\/a> gibt es nun einen potenziellen Hafen f&uuml;r genau jene LINKE-Anh&auml;nger, f&uuml;r die eine Koalition mit der CDU wohl das letzte fehlende Motiv zur Parteiflucht darstellen w&uuml;rde. Eine Darstellung der ostdeutschen Linkspartei-&bdquo;Reformer&ldquo; als potenzielle &bdquo;gez&auml;hmte&ldquo; CDU-Partner kann die Sammlungsbewegung mutma&szlig;lich st&auml;rken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Diskussion um m&ouml;gliche Koalitionen zwischen CDU und LINKE wird ein neuer Akt des politischen Sommer-Theaters er&ouml;ffnet. Der CDU-Vorsto&szlig; verfolgt mutma&szlig;lich drei Ziele: innerparteiliche Solidarit&auml;t, Spaltung der LINKEN und eine Gleichsetzung von &bdquo;Rechts&ldquo; und &bdquo;Links&ldquo;. 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