{"id":45535,"date":"2018-08-20T09:00:05","date_gmt":"2018-08-20T07:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45535"},"modified":"2018-12-30T14:16:05","modified_gmt":"2018-12-30T13:16:05","slug":"der-mediale-feldzug-des-internationalen-waehrungsfonds-gegen-demokratische-wahlen-in-lateinamerika-teil-1-die-maerkte-haben-mitspracherecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45535","title":{"rendered":"Der mediale Feldzug des Internationalen W\u00e4hrungsfonds gegen demokratische Wahlen in Lateinamerika \u2013 Teil 1: \u201eDie M\u00e4rkte haben Mitspracherecht\u201d"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180820-Wahlen-in-Lateinamerika.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Dass der Internationale W&auml;hrungsfonds (IWF) Nothilfen f&uuml;r krisengesch&uuml;ttelte L&auml;nder weltweit mit unannehmbaren sozialen und entwicklungspolitischen Auflagen &ndash; n&auml;mlich skrupellosen Lohnk&uuml;rzungen, Beschneidung von Pensionen und &ouml;ffentlichen Gesundheitsdiensten und Privatisierungen nationalstaatlicher Verm&ouml;genswerte &ndash; verkn&uuml;pft, ist selbst in Europa sp&auml;testens seit dem Austerit&auml;ts-Diktat der sogenannten Troika gegen&uuml;ber Griechenland bekannt. Die Grenze des Vorstellbaren &uuml;berbietet jedoch die Unverfrorenheit des IWF, in das politische Geschehen lateinamerikanischer Kernstaaten mit medialem Kesseltreiben zur Beeinflussung der j&uuml;ngsten und bis Jahresende 2018 noch bevorstehenden Pr&auml;sidentschaftswahlen einzugreifen, was als einmalige und bodenlose Intrige der Administration Christine Lagardes gegen demokratische Spielregeln angezeigt werden muss. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Chronik einer kontinentalen Diskreditierungs-Kampagne<\/strong><\/p><p>Das R&auml;nkespiel begann im Januar 2018 mit einem Artikel im Wirtschafts- und Finanzblatt <em>Valor Econ&ocirc;mico<\/em>, der f&uuml;hrenden brasilianischen Mediengruppe Organiza&ccedil;&otilde;es Globo, unter dem wortw&ouml;rtlich &uuml;bersetzten Titel &bdquo;Der IWF sieht in den Wahlen Risiken f&uuml;r die Verbesserung der brasilianischen Wirtschaft&ldquo;. Diese Behauptung hatte Alejandro Werner, Direktor f&uuml;r den Bereich Westliche Hemisph&auml;re des in den USA beheimateten Fonds, in einem Bericht von Ende Januar &uuml;ber die volkswirtschaftlichen Aussichten der L&auml;nder Lateinamerikas und der Karibik f&uuml;r 2018 aufgestellt, in dem er die an Zynismus grenzende Bilanz von einer &bdquo;Konjunkturbelebung in Brasilien&ldquo; unter der De-facto-Regierung Michel Temer zog, die vom &bdquo;unsicheren Ausgang der Parlamentswahlen 2018 beeintr&auml;chtigt werden k&ouml;nnte&rdquo; (FMI v&ecirc; riscos para melhora da economia brasileira com elei&ccedil;&atilde;o &ndash; Valor Econ&ocirc;mico, 25. Januar 2018).<\/p><p>Wenige Wochen sp&auml;ter zog die in New York und Miami angesiedelte Agentur <em>Latin Finance<\/em> &ndash; die sich als &bdquo;weltweit f&uuml;hrende Informationsquelle &uuml;ber Finanzm&auml;rkte und Volkswirtschaften Lateinamerikas und der Karibik&ldquo; anbietet &ndash; mit einer &bdquo;Szenarienbeschreibung&ldquo; nach, in der die von den anstehenden Pr&auml;sidentschaftswahlen angeblich ausgel&ouml;sten &bdquo;Unsicherheiten&ldquo; nun auf den gesamten Kontinent &uuml;bertragen wurden. Als schwergewichtige Quelle der Panikmache verwies Autor Mick Bowen allerdings auf eine Tagung des m&auml;chtigsten finanzpolitischen Lobbyisten-Verbandes um die America Society im <em>Council of the Americas<\/em> (AS-COA), im &Uuml;brigen auch Herausgeber der einflussreichen und h&ouml;chst umstrittenen Zeitschrift <a href=\"http:\/\/www.americasquarterly.org\/\">Americas Quarterly<\/a>.<\/p><p><strong>&bdquo;Marktfreundliche F&uuml;hrer&ldquo;<\/strong><\/p><p>Bowens Artikel (Elections spread uncertainty across Latin America &ndash; LatinFinance, 07. M&auml;rz 2018) erschien knapp drei, respektive f&uuml;nf Monate vor den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Kolumbien und Mexiko, als die Umfragen ungeahnte W&auml;hlerpr&auml;ferenzen f&uuml;r die fortschrittlichen Kandidaten Gustavo Petro, in Kolumbien, und Andr&eacute;s Manuel L&oacute;pez Obrador (AMLO), in Mexiko, signalisierten. Progressive Kandidaten sollten jedoch Acht geben, warnte Luisa Palacios, Leiterin des Marktforschungsunternehmens Medley Global Advisor, auf der Podiumsdiskussion der AS-COA.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In Lateinamerika finanzierst Du Dich mit den M&auml;rkten &hellip; Man kann mit einer sehr linken Plattform nicht v&ouml;llig aus dem Gleis springen wollen, wenn man internationale Finanzierung und lokale Finanzierung braucht &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Jetzt muss jeder Kandidat eine Marktplattform haben&rdquo;, predigte Palacios mit Verweis auf Zahlen, die zeigen sollten, wer das Sagen hat. Ausl&auml;ndische Anleihegl&auml;ubiger halten n&auml;mlich rund 60 Prozent der in Peso ausgeschriebenen mexikanischen Anleihen, 50 Prozent der Anleihen Perus, rund 25 Prozent der Anleihen Kolumbiens und rund 20 Prozent der Staatsanleihen Brasiliens.<\/p><p>Da die Rohstoffpreise gegenw&auml;rtig weit unter den H&ouml;chstst&auml;nden von 2011 liegen, seien die Regierungen Lateinamerikas wieder stark auf Dollar-Milliarden der internationalen Finanzm&auml;rkte angewiesen. Dieses Vertrauen &bdquo;<em>k&ouml;nnte der Wall Street in den Pr&auml;sidentschaftswahlen in Lateinamerika eine unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig m&auml;chtige Stimme verleihen<\/em>&rdquo;, erkl&auml;rte ungeniert die Medley-Managerin.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Populismus&ldquo;-Keule<\/strong><\/p><p>Mitte April 2018 nahm der IWF bereits Mexiko ins Visier. Die Nachrichtenagentur Cadena <em>Digital de Not&iacute;cias<\/em> schrieb: &bdquo;Die politische Unsicherheit erzeugt Risiken f&uuml;r Mexiko, warnt der IWF&ldquo; (La incertidumbre politica genera riesgos para M&eacute;xico, advierte el FMI &ndash; CDN, 17. April 2018). Unter einem vielsagenwollenden Bild von einer Hand, die einen Wahlzettel in eine Urne steckt, zitierte CDN die IWF-Ermahnung: &bdquo;Die bevorstehenden Wahlen in Mexiko, in Brasilien und Kolumbien werden wirtschaftliche Auswirkungen haben&rdquo;.<\/p><p>Der Artikel war eine kaschierte Anspielung auf AMLO, den sozialdemokratischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten der Partei MoReNa (Bewegung f&uuml;r die Nationale Regenerierung), der bereits drei Monate vor seiner erfolgreichen Wahl vom vergangenen 1. Juli mit ca. 40 Prozent der W&auml;hlerintentionen seine Hauptrivalen Ricardo Anaya, Jos&eacute; Antonio Meade und Jaime Rodr&iacute;guez Calder&oacute;n hoffnungslos abgeh&auml;ngt hatte. Als die Schwarzmalerei kaum mehr als gleichg&uuml;ltiges Schulterzucken unter den W&auml;hlern erzeugte, injizierte der IWF nun knappe vier Wochen sp&auml;ter einen Kampfbegriff in die Wahldebatte: den &bdquo;Populismus&ldquo;; selbstverst&auml;ndlich den progressiven Kandidaten zugeordnet.<\/p><p>&bdquo;IWF sieht Wahlen als Unsicherheitsfaktor und Populismus als &sbquo;Risiko&lsquo; &ldquo;, mahnte die Internet-Plattform <em>La Otra Opini&oacute;n<\/em> (FMI ve elecciones como factor de incertidumbre y populismo como &ldquo;riesgo&rdquo; &ndash; 11. Mai 2018). Mit einem Verweis auf die Hochkonjunktur des Rechts-Populismus in Europa wagten es die IWF-B&uuml;rokraten, extravagante Assoziationen zu mutma&szlig;lichen &bdquo;Links-Populisten&ldquo; in Lateinamerika herzustellen. Namen wurden nicht genannt, doch gemeint waren selbstverst&auml;ndlich renommierte Verfechter des sozialen Wohlfahrts- und des Rechtsstaats wie L&oacute;pez Obrador, Gustavo Petro und Luiz In&aacute;cio Lula da Silva; allesamt als potenzielle Gef&auml;hrder der &bdquo;Konjunkturbelebung&ldquo; d&auml;monisiert.<\/p><p><em>La Otra Opini&oacute;n<\/em>, sollte man wissen, geh&ouml;rt dem Rechtsau&szlig;en und AMLO-Erzfeind Ricardo Alem&aacute;n, ein in der mexikanischen Medienszene &auml;u&szlig;erst kontroverser Name. Mit &bdquo;Populismus&ldquo; bediente sich Alem&aacute;n am Mode-Schlagwort der liberalen Attacken gegen Verfechter sozialstaatlicher Politik. Verk&uuml;rzt behaupten die Liberalen, die Populisten verspr&auml;chen das Unerreichbare oder ein vor&uuml;bergehendes Placebo &ndash; also ein sozialstaatliches &bdquo;Arzneimittel&rdquo;, das eigentlich gar keines ist &ndash; ohne die Kosten oder das Defizit zu ber&uuml;cksichtigen, die ihre Vorschl&auml;ge erzeugten. &bdquo;Populisten sagen, was Menschen h&ouml;ren wollen, auch wenn es sich um unheilbare Probleme handelt&ldquo;, lautet der Diskurs. In einem Wort: &bdquo;Populisten sind Demagogen und gef&auml;hrden die freie Marktwirtschaft&ldquo;.<\/p><p>Nach Meinung Oliver Marcharts, &ouml;sterreichischer politischer Philosoph und Soziologe, eine inhaltslose Polemik des &bdquo;liberalen Antipopulismus&rdquo;, der systematisch versucht, jede Form einer popul&auml;ren Politik zu delegitimieren. Und somit jegliche Form, die Interessen breiterer Bev&ouml;lkerungsschichten gegen eine Politik zu mobilisieren, die an diesen Interessen vorbeigeht. Somit eine Form von Abwehrkampf gegen Alternativen &ndash; ohne auf die Inhalte dieser Alternativen einzugehen.<\/p><p>Die Medienkampagne mit dem &bdquo;Populismus&ldquo;-Gespenst hatte allerdings AS-COA und America&acute;s Quarterly-Hausautor Brian Winter fr&uuml;hzeitig Ende 2017 befeuert. &bdquo;Die gro&szlig;e Frage f&uuml;r Lateinamerika im Jahr 2018 ist, ob die W&auml;hler auch diese konstruktivere Sichtweise [&bdquo;moderater Regierungen&ldquo; wie Mauricio Macris &ndash; sic!] verfolgen. Oder werden sie die populistische Wut und den nationalistischen Stolz w&auml;hlen, der einen gro&szlig;en Teil der Welt zu erobern scheint? Es ist unm&ouml;glich, es zu diesem Zeitpunkt genau zu wissen, aber die Wetten sind gewaltig. Politiker und Investoren in Washington und anderswo w&uuml;rden gut daran tun, dem viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken&ldquo;, ereiferte sich Winter (Is Populism Making a Comeback in Latin America? Foreign Policy, 23. Oktober 2017).<\/p><p><strong>T&auml;uschungsman&ouml;ver und F&auml;lschungen des IWF<\/strong><\/p><p>Beseelt von diesem Geist der Schattenwelten und liiert mit der Mediengruppe O Globo als Marktschreier nahm sich der IWF im vergangenen Juni nun Brasilien vor. Mit dem unseri&ouml;sen Titel &bdquo;IWF: Wahlen in Brasilien k&ouml;nnen dem Wirtschaftswachstum schaden&rdquo; (FMI: Elei&ccedil;&otilde;es no Brasil podem prejudicar o crescimento da economia &ndash; <em>Valor Econ&ocirc;mico<\/em> 23.Juli 2018) wurden wirtschaftsstatistische Unwahrheiten und Vorbehalte gegen Wahlrecht und Demokratie verbreitet.<\/p><p>Desmond Lachman, ehemaliger IWF-Abteilungsleiter f&uuml;r Entwicklungspolitik, fuhr schwere rhetorische Gesch&uuml;tze auf. &bdquo;Man muss hoffen, dass die brasilianischen Pr&auml;sidentschaftskandidaten f&uuml;r die Wahlen im kommenden Oktober die deutlichen Signale ernst nehmen, die von den M&auml;rkten und jetzt vom Internationalen W&auml;hrungsfonds &uuml;ber die beunruhigenden wirtschaftlichen Aussichten Brasiliens ausgesendet werden. Wenn nicht, sollten wir uns auf eine gro&szlig;e Wirtschaftskrise in der achtgr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Welt gefasst machen, die die Weltwirtschaft in Aufruhr versetzen k&ouml;nnte&ldquo;, mahnte der Spezialist f&uuml;r globale Makro&ouml;konomie auf der Internetseite des Think Tanks <em>American Enterprise Institute<\/em> (Markets, IMF send Brazil clear message: Reform your economy &ndash; American Enterprise, 23. Juli 2018). Vom &bdquo;Mangel an politischem Willen&ldquo; abgesehen, hatte der ehemalige IWF-Funktion&auml;r in diesem Text auch im Handumdrehen die potenziellen Verantwortlichen f&uuml;r &bdquo;weitere beunruhigende Anzeichen&ldquo; ausgemacht: n&auml;mlich &bdquo;das starke Auftreten populistischer Kandidaten in den Umfragen&ldquo;.<\/p><p>Doch was meinen &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; und der IWF mit &bdquo;Sanierung&ldquo; der &ouml;ffentlichen Finanzen? Sie meinen in Brasilien die Durchsetzung, notfalls das skrupellose Durchpeitschen zweier f&uuml;r das spekulative, unproduktive Kapital relevanter &bdquo;Reformen&ldquo;. Nach monatelangen Konfrontationen zwischen der De-facto-Regierung Michel Temer und der linksdemokratischen Opposition gelang dem Pr&auml;sidenten 2017 mithilfe des &uuml;berwiegend stockkonservativen Parlaments die Verabschiedung einer sogenannten &bdquo;Arbeitsgesetz-Reform&ldquo;, die mit fl&auml;chendeckender Prekarisierung der Arbeitsverh&auml;ltnisse Brasilien mittlerweile 13 Prozent &ndash; in harten Zahlen: 13,4 Millionen &ndash; Arbeitslose beschert (Desempregados no Brasil somam 13,4 milh&otilde;es, nota IBGE &ndash; Valor Econ&ocirc;mico, 29. Mai 2018). Weltbank und IWF forderten jedoch auch eine &bdquo;Rentenreform&rdquo;, &uuml;ber die seit &uuml;ber einem Jahr im Parlament ebenso z&auml;h verhandelt wird. Temer antwortete mit einem Gesetz, das die Sozialausgaben f&uuml;r die kommenden 20 Jahre einfriert.<\/p><p>Dennoch, trotz der erwiesenen, korrupten Handlung Temers, sogenannte &bdquo;Haushalts-Novellierungsantr&auml;ge&ldquo; &ndash; genannt &bdquo;Emendas Parlamentares&ldquo; &ndash; in H&ouml;he von umgerechnet 6,7 Milliarden Euro an regierungstreue Parlamentarier im Austausch f&uuml;r ihr Votum <a href=\"https:\/\/congressoemfoco.uol.com.br\/especial\/noticias\/governo-avalia-ter-arsenal-de-r-30-bilhoes-para-aprovar-previdencia-diz-jornal\/\">gegen die Beibehaltung des &ouml;ffentlichen Rentensystems zu bewilligen<\/a>, gelang dem De-facto-Regime bisher nicht dessen Verabschiedung; vor allem nicht wegen dem Aufbegehren der W&auml;hlerbasis der bestochenen Parlamentarier, die sich u.a. aus Kleinunternehmern und kleinen bis mittelgro&szlig;en Bauern und Beamten zusammensetzt, die ihre ohnehin sp&auml;rlichen Renten und Pensionen gef&auml;hrdet sehen. Die durch den parlamentarischen Putsch vom April 2016 an die Macht gelangte Temer-Administration hat keinen einzigen Grund zum Feiern. Sie wird von 82 Prozent der Befragten abgelehnt und verzeichnet, zwischen 1 und 10, eine Qualit&auml;tsnote von 1,9.<\/p><p>Gegen den Strom der allgemeinen Erkenntnis wagte der IWF im April dennoch die Prognose, das brasilianische Bruttosozialprodukt werde 2018 mindestens um 2,3 Prozent und 2019 um weitere 2,5 Prozent <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/economia\/noticia\/fmi-melhora-previsao-para-pib-do-brasil-e-estima-alta-de-23-em-2018.ghtml\">zunehmen<\/a>. Doch schon drei Monate danach zog der Fonds seine Zukunftsdeutung zur&uuml;ck und dr&uuml;ckte die Erwartungen <a href=\"https:\/\/noticias.r7.com\/economia\/fmi-reduz-projecao-de-crescimento-brasileiro-em-2018-para-18-23072018\">auf maximal 1,8 Prozent herunter<\/a>. Dass es dabei bleiben wird, scheint jedoch jetzt schon zweifelhaft.<\/p><p>Die Demontage der Sozialpolitik der vorangegangenen Regierungen der Arbeiterpartei zeigt ihr Gesicht. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat Mitte August eine Umfrage zum Thema &ldquo;Armut im Kindes- und Jugendalter&rdquo; gestartet und auf Alarmstufe geschaltet: 61 Prozent der brasilianischen Kinder und Jugendlichen sind von Armut in vielf&auml;ltiger Auspr&auml;gung betroffen (6 em cada 10 crian&ccedil;as e adolescentes brasileiros vivem na pobreza &ndash; Unicef Brasil, 14. August 2018).<\/p><p>Kein Wunder, dass zum ersten Mal nach 26 Jahren auch die Kindersterblichkeit im Lande zunimmt. Allein wegen banalen Durchfallerkrankungen erlebte zwischen 2015 und 2016 die Sterblichkeit von Kindern unter f&uuml;nf Jahren einen landesdurchschnittlichen Anstieg von 12 Prozent; im brasilianischen Nordosten jedoch alarmierende 48 Prozent. Die explosionsartige Kindersterblichkeit &bdquo;k&ouml;nnte in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise stehen&ldquo;. Der Abbau der Besch&auml;ftigung und die Einkommensverringerung k&ouml;nnten zur Zunahme von Krankheitsf&auml;llen beigetragen haben, war in brasilianischen Medien zu lesen (Depois de 26 anos, taxa de mortalidade infantil volta a aumentar no Brasil &ndash; IG, 26. Juli 2018).<\/p><p>Nach Einsch&auml;tzung der Kinderschutz-Stiftung Abrinq k&ouml;nnten Temers Haushaltsk&uuml;rzungen sowie die finanzielle Dosierung, wenn nicht gar K&uuml;rzung, von Sozialprogrammen wie dem Familien-Bonus und dem Storch-Netzwerk &ndash; die M&uuml;tter in der Schwangerschaft und im Wochenbett unterst&uuml;tzen &ndash; ebenfalls zur Verschlechterung der S&auml;uglingsindikatoren beigetragen haben. Die Zugangsbehinderung zu Gesundheitsdiensten habe folglich die Verschlechterung anderer Indikatoren wie der Impf-Rate bewirkt. Der IWF verschweigt schlichtweg die Massen-Verelendung, die umgekehrt vom UNO-Hochkommissariat f&uuml;r&nbsp;Menschenrechte&nbsp;(UNHCHR) in einem Kommuniqu&eacute; von Anfang August schwer ger&uuml;gt wurde.<\/p><p>Das UNHCHR forderte Brasilien dazu auf, sein Wirtschaftsprogramm zu &uuml;berdenken. &bdquo;K&uuml;rzungen von Haushaltsausgaben, insbesondere von Sozialprogrammen, bewirken eine Versch&auml;rfung der Ungleichheiten und eine Benachteiligung der &Auml;rmsten &hellip; In Armut lebende Menschen und andere marginalisierte Gruppen leiden unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig stark unter strengen wirtschaftlichen Regulierungen in einem Land, das bereits als Beispiel f&uuml;r fortschrittliche Ma&szlig;nahmen zur Armutsbek&auml;mpfung und zur F&ouml;rderung der sozialen Eingliederung galt&rdquo;, mahnt der Bericht (Corte de gastos no Brasil est&aacute; agravando desigualdades, dizem especialistas da ONU &ndash; BBC Brasil, 03. August 2018).<\/p><p>Es sei unannehmbar, dass wirtschaftliche Entscheidungen der Regierung in den letzten Jahren &bdquo;das Recht auf Wohnen, Essen, Wasser, sanit&auml;re Einrichtungen, Bildung, Vorsorge und Gesundheit behindern und bestehende Ungleichheiten versch&auml;rfen&rdquo;. &bdquo;Die Erreichung von makro&ouml;konomischen und Wachstumszielen kann nicht auf Kosten der Menschenrechte geschehen: Die Wirtschaft ist der Diener der Gesellschaft, nicht ihre Herrin&rdquo;, warnten die Vereinten Nationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180820-Wahlen-in-Lateinamerika.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Dass der Internationale W&auml;hrungsfonds (IWF) Nothilfen f&uuml;r krisengesch&uuml;ttelte L&auml;nder weltweit mit unannehmbaren sozialen und entwicklungspolitischen Auflagen &ndash; n&auml;mlich skrupellosen Lohnk&uuml;rzungen, Beschneidung von Pensionen und &ouml;ffentlichen Gesundheitsdiensten und Privatisierungen nationalstaatlicher Verm&ouml;genswerte &ndash; verkn&uuml;pft, ist selbst in Europa sp&auml;testens seit dem Austerit&auml;ts-Diktat der sogenannten Troika gegen&uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45535\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,134,123,145,132,190],"tags":[423,1613,283,589,217,2160,2145,305,1570,2047,1191,288,312,1609,637,1976,1254],"class_list":["post-45535","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-finanzen-und-waehrung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wahlen","tag-austeritaetspolitik","tag-brasilien","tag-finanzmaerkte","tag-iwf","tag-kinderarmut","tag-kolumbien","tag-lateinamerika","tag-menschenrechte","tag-mexiko","tag-peru","tag-populismus","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reformpolitik","tag-rentenreform","tag-staatsanleihen","tag-temer-michel","tag-tina"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45535"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48069,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45535\/revisions\/48069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}