{"id":45561,"date":"2018-08-20T12:15:57","date_gmt":"2018-08-20T10:15:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45561"},"modified":"2019-03-20T23:37:35","modified_gmt":"2019-03-20T22:37:35","slug":"putins-tanz-auf-der-nase-der-transatlantiker-russland-deutschland-und-das-ringen-um-rationalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45561","title":{"rendered":"Putins Tanz auf der Nase der Transatlantiker &#8211; Russland, Deutschland und das Ringen um Rationalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem skurrilen Auftritt des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin in &Ouml;sterreich und dem anschlie&szlig;enden Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wollten Russland und europ&auml;ische Partner mutma&szlig;lich klarstellen: &bdquo;Wir lassen uns nicht erpressen.&ldquo; Das zielstrebige Vorantreiben der Pipeline Nord Stream 2 wiegt bei der Analyse der deutsch-russischen Beziehungen schwerer als die antirussische Propaganda. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9375\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45561-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180821_Putins_Tanz_auf_der_Nase_der_Transatlantiker_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180821_Putins_Tanz_auf_der_Nase_der_Transatlantiker_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180821_Putins_Tanz_auf_der_Nase_der_Transatlantiker_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180821_Putins_Tanz_auf_der_Nase_der_Transatlantiker_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45561-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180821_Putins_Tanz_auf_der_Nase_der_Transatlantiker_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180821_Putins_Tanz_auf_der_Nase_der_Transatlantiker_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Man muss die &ouml;sterreichische Au&szlig;enministerin Karin Kneissl (parteilos, f&uuml;r die FP&Ouml;) nicht wertsch&auml;tzen, um die hohe Symbolik ihrer Hochzeitsfotos mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin einzuordnen. An diesem Wochenende haben Russland und europ&auml;ische Partner mit minimalem Aufwand eine effektvolle Botschaft platziert: &bdquo;Wir tanzen auf den Hochzeiten, auf denen wir wollen!&ldquo; Man k&ouml;nnte anf&uuml;gen: &bdquo;Und nicht auf denen, die uns die USA zugestehen.&ldquo; Die ganze Inszenierung des Putin-Besuchs sollte eine &uuml;bersteigerte &bdquo;Normalit&auml;t&ldquo; suggerieren &ndash; als sei es selbstverst&auml;ndlich, dass ein verfemter Regierungschef nach vier Jahren erstmals wieder die Bundeskanzlerin besucht oder &ouml;ffentlich mit &bdquo;umstrittenen&ldquo; Politikerinnen turtelt. Der Tanz auf der Hochzeit war denn auch ein ziemlich dreister Tanz auf der Nase der Transatlantiker. <\/p><p>Die Motive f&uuml;r das Putin-Merkel-Treffen hat auch die &bdquo;Tagesschau&ldquo; mutma&szlig;lich richtig <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/merkel-2377.html\">analysiert<\/a>: &ldquo;Angesichts eines irrlichternden Pr&auml;sidenten in den USA finden Merkel und Putin wieder n&auml;her zusammen.&rdquo; Und ausnahmsweise m&ouml;chte man auch Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Ausw&auml;rtige Politik zustimmen: &ldquo;Die (Merkel und Putin) werden vor allem gegen&uuml;ber den Amerikanern demonstrieren wollen, dass es Interessen&uuml;berschneidungen gibt und dass man sich nicht erpressen lassen will bei bestimmten Themen.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Nebenbei&ldquo; wird Nord Stream 2 festgeklopft<\/strong><\/p><p>Geschickt wurde die Energiepolitik in die Dramaturgie der Putin-Visite mit einbezogen. Das zielstrebige <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/kommentar-bei-nord-stream-2-sind-sich-merkel-und-putin-einig-das-ist-gut-fuer-ganz-europa\/22928938.html?ticket=ST-1302590-zdQgxf3z47pGUd9Laxf1-ap4\">Vorantreiben<\/a> der von den USA bek&auml;mpften Pipeline Nord Stream 2 sollte dabei ebenso wie der ganze Besuch etwas Selbstverst&auml;ndliches verstr&ouml;men &ndash; dementsprechend niedrig werden die <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/mecklenburg-vorpommern\/Nord-Stream-2-Verlegung-der-Rohre-startet,nordstream288.html\">j&uuml;ngsten konkreten Fortschritte<\/a> bei der Entwicklung der Pipeline geh&auml;ngt. Dass Russland und Deutschland dieses hochpolitische Projekt als &bdquo;rein wirtschaftlich&ldquo; <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/inland\/74715-treffen-von-merkel-und-putin\/\">bezeichnen<\/a>, ist mutma&szlig;lich Teil einer Strategie: Unbeirrt von Sanktionen und antirussischer Stimmungsmache und unter dem Radar der oberfl&auml;chlichen Politik-Berichterstattung wird handfeste deutsch-russische Politik vorangetrieben. Fortschritte werden dabei nicht als Triumphe gefeiert, sondern nach M&ouml;glichkeit kleingeredet.<\/p><p>Auf das Ph&auml;nomen eines starken deutsch-russischen Handelsvolumens trotz Sanktionen und russenfeindlicher Propaganda macht auch die Nachrichtenagentur dpa aufmerksam: &bdquo;Putin wies auch darauf hin, dass Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner Russlands ist. Ohne die EU-Sanktionen anzusprechen sagte er, dass das Handelsvolumen im vergangenen Jahr um 22 Prozent zugenommen habe. Deutsche Unternehmen machten in Russland einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar (43 Mrd Euro) mit rund 270.000 Besch&auml;ftigten. Trump d&uuml;rfte auch die positive Handelsbilanz Deutschlands mit Russland ein Dorn im Auge sein, zumal er seinerseits zuletzt die Sanktionen gegen Russland versch&auml;rft hatte.&ldquo;<\/p><p><strong>Transatlantische Medien sch&auml;umen<\/strong><\/p><p>Erwartungsgem&auml;&szlig; <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/gas-t-geschenk-zum-staatsbesuch-rot-rotes-brandenburg-feiert-putin-pipeline-56729818.bild.html\">gei&szlig;elte<\/a> die &bdquo;Bild&ldquo;-Zeitung denn auch  <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/nordstream-2-anschlusspipeline-in-brandenburg-bewilligt-a-1223750.html\">Brandenburgs k&uuml;rzliche Zustimmung<\/a> zur Pipeline Nord Stream 2: &ldquo;Vorteil f&uuml;r Putin: Er kann der verfeindeten Ukraine und den Kreml-kritischen Polen und baltischen Staaten jederzeit den Gashahn abdrehen. Und sein Staatskonzern Gazprom hat Westeuropas Gasnetz in der Hand. Die Osteurop&auml;er haben vor der Pipeline gewarnt, USA und NATO ebenfalls.&ldquo; In einem Bericht &uuml;ber Putins vorgelagerten Besuch in &Ouml;sterreich <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/politik-ausland\/oesterreichs-aussenministerin-heiratet-was-will-putin-bei-der-hochzeit-56734962.bild.html\">stapelte<\/a>  &bdquo;Bild&ldquo; die bekannten und unbewiesenen Vorw&uuml;rfe: &ldquo;Der Mann, der in der Ukraine und in Syrien Krieg f&uuml;hrt, der Hacker-Attacken, Wahlbeeinflussung und Propaganda-Krieg gegen den Westen befehligt &ndash; weinselig bei einer westeurop&auml;ischen Spitzen-Politikerin? Zuletzt kam ein russischer Zar 1913 zur Hochzeit an einen &ouml;sterreichischen Hof.&ldquo;<\/p><p>Ebensowenig von der antirussischen Meinungsmache wollte die &bdquo;S&uuml;ddeutsche Zeitung&ldquo; lassen. In einem Gastbeitrag anl&auml;sslich des Putin-Besuchs <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2018-08\/wladimir-putin-angela-merkel-syrien-idlib\">verkl&auml;rte<\/a> der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Human Rights Watch Kenneth Roth einmal mehr die syrischen Islamisten: &ldquo;Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Samstag in Meseberg mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin zusammentrifft, liegt das Schicksal von 2,3 Millionen Menschen in der syrischen Provinz Idlib in ihren H&auml;nden. Der letzte gro&szlig;e Zufluchtsort der Regierungsgegner diente bisher als Fluchtventil.&rdquo; Es bestehe zudem &ldquo;das Risiko, dass die russisch-syrischen Streitkr&auml;fte ihre charakteristischen wahllosen und manchmal vors&auml;tzlichen Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastrukturen wie Krankenh&auml;user wieder aufnehmen&rdquo; w&uuml;rden, so Roth.<\/p><p><strong>Einige Zeitungen scheren aus der Propaganda aus<\/strong><\/p><p>Abgesehen von diesen stark transatlantisch gepr&auml;gten Medien scheint aber die k&uuml;hle und pragmatische Strategie Putins und Merkels bei einigen Redakteuren zu verfangen. Die gro&szlig;en deutschen Medien sind noch immer weit entfernt von einer distanzierten und ausgewogenen Darstellung Russlands. Aber viele mittelgro&szlig;e Zeitungen konnten dem Besuch des russischen Pr&auml;sidenten positive Aspekte abgewinnen: So <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/presseschau-aus-deutschen-zeitungen.2287.de.html\">h&auml;lt es<\/a> etwa die &bdquo;Mittelbayerische Zeitung&ldquo; f&uuml;r &ldquo;klug und richtig, dass die Kanzlerin den Draht zum Kremlchef aufrechterh&auml;lt&rdquo;, denn &ldquo;viele Probleme sind ohne Moskau nicht zu l&ouml;sen. (&hellip;) Angesichts von Donald Trumps wendiger Politik via Twitter wirkt Putin fast schon wie ein Garant von Stabilit&auml;t&ldquo;. <\/p><p>Die &bdquo;Neue Osnabr&uuml;cker Zeitung&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/presseschau-aus-deutschen-zeitungen.2287.de.html\">meint<\/a>: &ldquo;Unerwartet positiv ist der neue Ansatz, f&uuml;r das gebeutelte Syrien gemeinsam mit Frankreich und der T&uuml;rkei nach L&ouml;sungen zu suchen. (&hellip;) Der neue Anlauf dokumentiert, dass eine Zukunft f&uuml;r Syrien nur gemeinsam mit Putin gestaltet werden kann&ldquo;. Und die &bdquo;Hannoversche Allgemeine Zeitung&ldquo; spricht zwar von einem &bdquo;harten Poker&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/presseschau-aus-deutschen-zeitungen.2287.de.html\">befindet aber<\/a>: &bdquo;Doch schon das Treffen als solches ist ein Hoffnungsschimmer in d&uuml;sterer Zeit.&ldquo;<\/p><p>Auff&auml;llig unauff&auml;llig wurde im Nachhinein &uuml;ber das Treffen berichtet. Das liegt zum einen an der wie verschworen wirkenden Verschwiegenheit Merkels und Putins. Zum anderen treffen sich an diesem Punkt mutma&szlig;lich die Interessen, sowohl der Gegner als auch der Freunde einer deutsch-russischen Ann&auml;herung: Beide Seiten wollten offensichtlich das Treffen medial nicht unn&ouml;tig aufbauschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem skurrilen Auftritt des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin in &Ouml;sterreich und dem anschlie&szlig;enden Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wollten Russland und europ&auml;ische Partner mutma&szlig;lich klarstellen: &bdquo;Wir lassen uns nicht erpressen.&ldquo; Das zielstrebige Vorantreiben der Pipeline Nord Stream 2 wiegt bei der Analyse der deutsch-russischen Beziehungen schwerer als die antirussische Propaganda. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45561\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,162,11],"tags":[771,459,877,315,2608,915,259,1553,460,1338,1556,1019],"class_list":["post-45561","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-energiepolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-oesterreich","tag-bild","tag-erdgas","tag-merkel-angela","tag-nord-stream","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-syrien","tag-sz","tag-transatlantiker","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45561","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45561"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45561\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45609,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45561\/revisions\/45609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}