{"id":4558,"date":"2010-02-22T10:00:44","date_gmt":"2010-02-22T09:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4558"},"modified":"2014-08-06T14:58:52","modified_gmt":"2014-08-06T12:58:52","slug":"gehirnwaesche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4558","title":{"rendered":"Gehirnw\u00e4sche"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind geradezu umzingelt von interessengeleiteten Think-Tanks, die reflexartig ihre Gesch&uuml;tzrohre in Stellung bringen, wenn sie ihre sozialstaatsfeindlichen Positionen gef&auml;hrdet sehen. Das umso mehr, wenn diese Gefahr vom h&ouml;chsten Gericht ausgeht. Als Denkfabriken getarnte Propaganda-Agenturen versuchen sofort, mit allen Mitteln die Stimmung im Lande in ihrem Sinne zu beeinflussen und sie drehen selbst den Karlsruher Richtern ihren Spruch im Munde herum.<br>\nWenn es nicht gelingt, diese massive Manipulation der &Ouml;ffentlichen Meinung zu durchschauen und damit auch zu durchbrechen, dann bleibt die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung Freiwild dieser Propagandaapparatur, die mit viel Geld und publizistischer Macht ausgestattet ist.<br>\nWesterwelle ist dabei nur der Bauchredner und die spendengeh&auml;tschelte Marionette derjenigen, die auch hinter den PR-Agenturen stehen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Exklusiv&ldquo; berichtete am 20. Februar die &bdquo;Wirtschaftswoche&ldquo; &ndash; um es besonders spannend zu machen &ndash; nat&uuml;rlich &uuml;ber eine noch &bdquo;unver&ouml;ffentlichte&ldquo; ZEW-Studie unter der &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/politik-weltwirtschaft\/kuerzung-von-hartz-iv-motiviert-zur-jobsuche-422818\/\">&bdquo;K&uuml;rzung von Hartz IV motiviert zur Jobsuche&ldquo;<\/a>. Fazit der Studie:<br>\nJe h&auml;rter Arbeitsagenturen mit unkooperativen Hartz-IV-Empf&auml;ngern verfahre, desto h&ouml;her sei die Wahrscheinlichkeit, dass diese wieder einer geregelten Arbeit nachgingen&hellip;<br>\nBei Hartz-IV-Empf&auml;ngern, die einem sanktionsfreudigen Jobcenter zugeteilt seien, sei die Wahrscheinlichkeit eines sozialversicherungspflichtigen Jobs nach der Sanktion &bdquo;signifikant h&ouml;her als im Falle ohne Leistungsk&uuml;rzung aufgrund einer milden Sanktionsstrategie&ldquo;&hellip;<br>\nNach acht Monaten betrage &bdquo;der Anstieg der Besch&auml;ftigungswahrscheinlichkeit der Sanktionierten bereits mehr als 50 Prozentpunkte.&ldquo; (Wie gro&szlig; die Menge in absoluten Zahlen ist, die in einen sozialversicherungspflichtigen Job erreicht haben, wird nicht gesagt.)<\/p><p>Dieser Bericht &uuml;ber eine so genannte Studie ist ein typisches Beispiel, wie in Deutschland seit Jahren Meinung gemacht wird. <\/p><p>Vor wenigen Tagen hatte das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass die Hartz IV-Gesetze &bdquo;mit dem Grundrecht auf Gew&auml;hrleistung eines menschenw&uuml;rdigen Existenzminimums aus Art 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsgebot des Art. 20 Abs. 1 GG unvereinbar&ldquo; ist. Das Urteil begr&uuml;ndet einen &bdquo;absoluten&ldquo; und &bdquo;unverf&uuml;gbaren Anspruch&ldquo; sowohl auf die &bdquo;physische Existenz des Menschen&ldquo; als auch auf &bdquo;die Sicherung der M&ouml;glichkeit&hellip;zu einem Mindestma&szlig; an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben&ldquo;(Rdnr. 135 des <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/ls20100209_1bvl000109.html\">Urteils<\/a>). Damit sind logischerweise auch die in &sect; 31SGB II vorgesehenen Sanktionen gegen Hartz IV-Empf&auml;nger in Frage gestellt. Denn wenn die Regels&auml;tze nach Hartz IV das &bdquo;menschw&uuml;rdige Existenz-Minimum&ldquo; sichern, so darf dieser kleinste Wert eigentlich nicht unterschritten werden.<\/p><p>Diese Gefahr f&uuml;r die Sanktionsregelungen sehen nat&uuml;rlich auch die Sozialstaatsgegner und prompt wird eine Studie des &bdquo;Zentrums f&uuml;r Europ&auml;ische Wirtschaftsforschung&ldquo; (ZEW) in die Welt gesetzt, die belegen soll, dass je mehr Druck mittels Sanktionen auf die Arbeitslosen ausge&uuml;bt wird, desto h&ouml;her sei eine Besch&auml;ftigungswahrscheinlichkeit. Sanktionen also unbeschadet von der Tatsache, ob mit den K&uuml;rzungen ein &bdquo;menschenw&uuml;rdiges Existenzminimum&ldquo; unterschritten w&uuml;rde. <\/p><p>Nun k&ouml;nnte man einwenden die normative verfassungsrechtliche Grenze, die das oberste Gericht setzt, sei das eine, die Wirklichkeit spreche halt eine andere Wahrheit aus. Aber es handelt sich bei dieser Studie nicht um eine empirische Erhebung, sondern um eine &bdquo;Modellrechnung&ldquo;. Und f&uuml;r alle Modellrechnungen gilt, dass die Annahmen entscheidend f&uuml;r das Ergebnis sind. Es gilt dabei der alte Satz &bdquo;garbage in, garbage out&ldquo; oder wo man M&uuml;ll hineinsteckt, kommt auch M&uuml;ll heraus.<\/p><p>Nun ist das ZEW f&uuml;r seine Annahmen bekannt; es setzt die neoklassische Dogmatik, wonach der Arbeitsmarkt ger&auml;umt w&uuml;rde, wenn nur die L&ouml;hne niedrig genug sind, als <a href=\"\/?p=2546\">undiskutierbar voraus<\/a>.<br>\nDer Leiter des Instituts, der Vorsitzende des Sachverst&auml;ndigenrats, Wolfgang Franz, und &bdquo;sein&ldquo; ZEW vertreten in ihrer wirtschaftspolitischen Ausrichtung eine eindeutige &ouml;konomische Denkschule. Er ist Verfasser eines der ganz wenigen deutschen Lehrb&uuml;cher zur &bdquo;Arbeitsmarkt&ouml;konomie&ldquo; und kommt auch dort immer wieder zu dem Ergebnis, dass ausschlie&szlig;lich die Verbesserung der Investitionsbedingungen und die <a href=\"\/?p=1203\">Senkung der L&ouml;hne die Heilswege zur Senkung der Arbeitslosigkeit<\/a> sind.<\/p><p>Man kann sicher nicht bestreiten, dass das ZEW als ein &bdquo;renommiertes&ldquo; Forschungsinstitut gilt, bestreiten darf man allerdings mit Fug und Recht, dass es ein &bdquo;unabh&auml;ngiges&ldquo; Institut ist. Jedenfalls darf man einer Vielzahl seiner Auftraggeber aus der Wirtschaft einen eindeutigen Interessensbezug unterstellen, wenn sie ihre Forschungsmittel an dieses Institut vergeben.<\/p><p>Das Forschungszentrum ist vom Land Baden-W&uuml;rttemberg, von der Universit&auml;t Mannheim und der Wirtschaft des Landes gegr&uuml;ndet worden. &Uuml;ber 40 Prozent der Finanzmittel entstammen aus drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten und &uuml;ber 20 Prozent stammen von Unternehmen und Verb&auml;nden (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/topthemen\/meldung_show.php?LFDNR=1180&amp;KATEGORIE=1\">ZEW<\/a>). Ideelle und finanzielle Unterst&uuml;tzung erf&auml;hrt das ZEW auch durch den 1993 gegr&uuml;ndeten F&ouml;rderkreis Wissenschaft und Praxis am ZEW e.V. In dem gemeinn&uuml;tzigen Verein haben sich Vertreter der Wirtschaft insbesondere aus der Metropolregion und Baden-W&uuml;rttemberg zusammengeschlossen, um die Arbeit des ZEW mit Rat und Tat zu begleiten. Seine Mitglieder sind namhafte regionale und &uuml;berregionale Unternehmen sowie Pers&ouml;nlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft und eine <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/daszew\/foerderkreismitglieder.php3\">gro&szlig;e Zahl von Unternehmen<\/a>. (Es lohnt sich, die Liste einmal durchzugehen.)<\/p><p>Wolfgang Franz publiziert u.a. auch beim wirtschaftsliberalen <a href=\"http:\/\/archiv.insm.de\/Downloads\/PDF_-_Dateien\/Publikationen_Kostenlose_Downloads\/Stiftung_Marktwirtschaft\/Stabilitaets_und_Wachstumspakt.pdf\">&bdquo;Kronberger Kreis&ldquo; [PDF &ndash; 147KB]<\/a>. Dieser Kreis wird wiederum von der marktradikalen &bdquo;Stiftung Marktwirtschaft&ldquo; gef&ouml;rdert wird und deren Publikationen werden gerne von der &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; empfohlen. Ganz interessant ist, dass Franz auch wiederum dem Mannheimer Forschungsinstitut &Ouml;konomie und demographischer Wandel (MEA) und dessen Leiter B&ouml;rsch-Supan verbunden ist, ein Institut das vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft mitfinanziert und einer der aktivsten Think Tanks f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der privaten Altersvorsorge ist.<\/p><p>Fast durchg&auml;ngig gelangt das ZEW bei seinen Studien zum Ergebnis, die L&ouml;hne sind zu hoch, die Steuern sind zu hoch oder die Hartz-Reformen d&uuml;rfen nicht aufgeweicht werden. Noch vor wenigen Tagen forderte der Instituts-Chef Wolfgang Franz in der konservativen Welt, den <a href=\"\/?p=4439#h05\">Hartz IV-Regelsatz von 359 auf 251 Euro zu senken<\/a>.<br>\nInsofern passt die (angeblich) neue Studie voll und ganz in die ideologische Linie dieses Instituts.<\/p><p>Man k&ouml;nnte den Zeitpunkt der Ver&ouml;ffentlichung dieser Studie so kurz nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts noch als zuf&auml;llig abtun, aber kaum hatten die Karlsruher Richter gesprochen, da gingen schon nahezu alle neoliberale oder wirtschaftsabh&auml;ngige &bdquo;Think Tanks&ldquo; in Stellung und fahren seither eine regelrechte Kampagne gegen diesen f&uuml;r den Gesetzgeber verbindlichen Spruch aus Karlsruhe. <\/p><p><strong>Kieler &bdquo;Institut f&uuml;r Weltwirtschaft&ldquo;<\/strong><br>\nSchon einen Tag nach dem Urteil warnt das Kieler &bdquo;Institut f&uuml;r Weltwirtschaft&ldquo; (IfW) vor einer teilweise zwingend geforderten <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,druck-678478,00.html\">Anhebung der Regels&auml;tze<\/a>. <\/p><p>Wer dieses Institut f&uuml;r ein unabh&auml;ngiges wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut h&auml;lt, sollte sich nur einmal dessen &bdquo;Wirtschafts&ldquo;-Beirat ansehen. Dort beraten Martin Blessing (Commerzbank), Stefan Dr&auml;ger (Dr&auml;gerwerke), Dr. John Feldmann (BASF), Robert Friedmann (W&uuml;rth Gruppe), Dr. Reinhard G&ouml;hner (BDA), Thorsten Grenz (Veolia), Dr. Kurt-Ludwig Gutberlet (BSH Bosch und Siemens Hausger&auml;te), Dr. Tessen von Heydebreck (Deutsche Bank), Frau Liz Mohn (Bertelsmann), Dr. Klaus Murmann (Sauer-Danfoss), Steffen Naumann (Axel Springer), Professor Dr. Bernd Rohwer (IHK Schleswig-HoIstein), Dr. Johannes Teyssen (E.ON), Frau OB Angelika Volquartz (Landeshauptstadt Kiel) und Reinier Zwitserloot (Wintershall) (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ifw-kiel.de\/forderung\/brucke-zur-wirtschaft\/folder.2009-03-04.1333703778\">Institut f&uuml;r Weltwirtschaft &ndash; Kiel<\/a>).<br>\nDer Pr&auml;sident des IfW, Dennis Snower, ist unl&auml;ngst mit dem Vorschlag hervorgetreten, dass durch die Abschaffung der Arbeitslosenversicherung die Arbeitslosigkeit <a href=\"\/?p=2577\">halbiert werden k&ouml;nne<\/a>. <\/p><p><strong>&bdquo;Institut zur Zukunft der Arbeit&ldquo;<\/strong><br>\nAuch das &bdquo;Institut zur Zukunft der Arbeit&ldquo; (IZA) reagiert prompt und kramt eine alte Studie aus dem Jahre 2007 hervor, aus der sich ergibt, dass die Furcht der Durchschnittsverdiener vor einem Absturz in die Langzeitarbeitslosigkeit unbegr&uuml;ndet sei und warnt vor einer <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/318\/503540\/text\/print.html!\">Aufweichung von Hartz IV<\/a>. <\/p><p>Auch dieses Institut ist alles andere als unabh&auml;ngig: Pr&auml;sident ist immer noch Klaus Zumwinkel, bis zu seiner Verurteilung als Steuerhinterzieher Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post World Net. Vor allem die Deutsche Post AG h&auml;lt das IZA aus.<br>\nDirektor ist Professor Zimmerman gleichzeitig Chef des DIW. Zimmermann posiert gerne in Anzeigen f&uuml;r die <a href=\"http:\/\/archiv.insm.de\/Die_INSM\/Anzeigenarchiv\/_Der_Erfolg_der_Politik_laesst_sich_am_Wachstum_messen._\/_Der_Erfolg_der_Politik_laesst_sich_am_Wachstum_messen._.html\">Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft<\/a>. Er hat f&uuml;r die neoliberale <a href=\"\/?p=333#more-333\">Gleichschaltung des DIW gesorgt<\/a>.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.iza.org\/index_html?lang=de&amp;mainframe=http%3A\/\/www.iza.org\/de\/webcontent\/index_html\">&bdquo;Policy Fellow&ldquo;<\/a> ist u.a. der geschasste Bundesagentur-Chef Florian Gerster und heutige Headhunter und Vorsitzender des Investitionsbeirats des <a href=\"\/?p=1513\">Private-Equity-Unternehmens Fortress<\/a>, Pr&auml;sident des selbst ernannten Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustellerdienste (AGV-NBZ) und Unterst&uuml;tzer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Auch Thilo Sarrazin oder der der ber&uuml;chtigte Bezirksb&uuml;rgermeister Neuk&ouml;llns Heinz Buschkowsky d&uuml;rfen als &bdquo;Fellows&ldquo; nicht fehlen. (Auch da lohnt sich ein Blick in die Liste.)<\/p><p><strong>Raffelh&uuml;schen<\/strong><br>\nUnd selbstverst&auml;ndlich darf auch Professor Raffelh&uuml;schen, Direktor des Instituts f&uuml;r Finanzwissenschaft an der Universit&auml;t Freiburg, in diesem Chor nicht fehlen. Ausgerechnet noch in der Bild-Zeitung verk&uuml;ndet er <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/02\/13\/hartz-iv-streit\/7-bittere-wahrheiten-ueber-hartz-iv.html\">&bdquo;Sieben bittere Wahrheiten &uuml;ber Hartz IV&ldquo;<\/a> und behauptet &ndash; im v&ouml;lligen Widerspruch zum Bundesverfassungsgericht &ndash; dass Hartz IV eben nicht ein menschenw&uuml;rdiges Existenzminimum sichern muss, sondern nur &bdquo;als Zusatzleistung f&uuml;r Menschen gedacht ist, die mit ihrem regul&auml;ren Einkommen nicht genug verdienen&ldquo; und dass &bdquo;viele Arbeitslose mit Hartz IV mehr Geld, als in einem regul&auml;ren Job verdienen w&uuml;rden&ldquo;. Und das obwohl er wissen m&uuml;sste, dass regul&auml;r Arbeitende in jedem Fall, sei es durch &bdquo;Aufstocken&ldquo;, Wohngeldanspr&uuml;che oder Freibetr&auml;ge in jedem Falle mehr haben als Langzeitarbeitslose. Hartz IV ist in jedem Falle das Minimum (Siehe dazu <a href=\"\/?p=4525#h04\">Wie sich alle mit Hartz IV verrechnen<\/a>.) <\/p><p>&Uuml;ber Raffelh&uuml;schens Interessenbez&uuml;ge haben wir auf den NachDenkSeiten schon vielfach berichtet. Monitor hat ihn schon vor laufender <a href=\"\/?p=1294\">Kamera ertappt<\/a>. Er ist nicht nur bekannt als wissenschaftliches Sprachrohr f&uuml;r die Privatisierung der Sozialversicherungen und gefragter Interviewpartner in Talkshows, sondern auch so genannter Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Au&szlig;erdem ist er wissenschaftlicher Berater des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Victoria Versicherung AG. Raffelh&uuml;schen ist auch im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe, zu deren Gesellschaften Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV Deutsche Krankenversicherung, D.A.S. und die KarstadtQuelle Versicherungen geh&ouml;ren. Zudem war er Dauergast auf Werbeveranstaltungen des Finanzdienstleisters MLP.<\/p><p><strong>Karl-Br&auml;uer-Institut<\/strong><br>\nDas Karl-Br&auml;uer-Institut stellte rasch Berechnungen vor, wonach sich f&uuml;r viele Besch&auml;ftigte ihre Arbeit nicht lohne. Diese Tabelle wurde nat&uuml;rlich sofort von der &bdquo;seri&ouml;sen&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0\/Doc~E14C41FD68903404AA9BD78247EABABA0~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">FAZ<\/a> und als Nachzieher prompt auch von der <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/politik\/2010\/02\/08\/hartz-iv-studie\/in-diesen-branchen-lohnt-sich-arbeit-nicht-mehr.html\">Bild-Zeitung<\/a> ver&ouml;ffentlicht. Auf kritische Nachfragen musste sich selbst das Karl-Breuer-Institut von den Ergebnissen der <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/16128\/wie-sich-alle-mit-hartz-iv-verrechnen\/\">FAZ distanzieren<\/a>.<\/p><p>Auch das Karl-Breuer-Institut ist nur ein angeblich wissenschaftliches Aush&auml;ngeschild des Bundes der Steuerzahler. Der sog. &bdquo;Bund der Steuerzahler&ldquo;, dessen Mitglieder zu 60 bis 70 Prozent aus Unternehmen und dem gewerblichen Mittelstand kommen, ist nichts anderes als eine Lobbyorganisation, die <a href=\"\/?p=2475\">gegen Steuern und Sozialabgaben zu Felde zieht<\/a>.<\/p><p><strong>Institut der deutschen Wirschaft<\/strong><br>\nNicht weiter erstaunlich ist es, dass sich auch der in allen Medien pr&auml;sente Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael H&uuml;ther im Handelsblatt zu Wort meldet und im Verfassungsgerichtsurteil &bdquo;keinerlei Aufforderung zu einer Anhebung der Regels&auml;tze nach Hartz IV&ldquo; sieht und unter dem Deckmantel von &bdquo;Respekt&ldquo; und &bdquo;individueller Autonomie&ldquo; die Zusch&uuml;sse f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/Portals\/0\/pdf\/kolumnen\/oe\/kolumne_oe_190210.pdf\">Miet- und Heizkosten kritisiert [PDF &ndash; 131KB]<\/a>. <\/p><p><strong>Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft<\/strong><br>\nDie arbeitgeberfinanzierte Propagandaagentur &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM) schickt seine Botschafter, wie <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Community\/Standpunkte\/Kolumnen\/Baring-Staat-tritt-auf-die-Bremse.html\">Arnulf Baring<\/a> ins Feld oder propagiert &bdquo;Neidtheoretiker&ldquo; wie <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Community\/Standpunkte\/Kolumnen\/Bolz-Sozialstaat.html\">Norbert Bolz<\/a> die den &bdquo;sozial gez&auml;hmten (!) Sozialstaat&ldquo; (ein Widerspruch in sich) fordern.<\/p><p>Es w&auml;ren noch eine ganze Reihe dieser sozialstaatsfeindlichen Sprachrohre zu nennen und zu zitieren, die mit <a href=\"\/?p=4528\">&bdquo;T&auml;uschungsman&ouml;vern&ldquo;<\/a> das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nachtr&auml;glich als Gebot f&uuml;r einen weiteren Sozialabbau uminterpretieren wollen. <\/p><p>Der Mechanismus den diese Propagandaagenturen dabei nutzen ist immer der Gleiche: sie zaubern eine angeblich &bdquo;wissenschaftliche&ldquo; Studie aus dem Hut oder spielen sich als wissenschaftliche &bdquo;Experten&ldquo; auf und k&ouml;nnen darauf bauen, dass von der Bild-Zeitung, &uuml;ber die FAZ, die Wirtschaftsmagazine bis hin zur &bdquo;liberalen&ldquo; S&uuml;ddeutschen Zeitung die Medien als Resonanzboden dienen. <\/p><p>Durch diesen Theaterdonner dringen keine nachdenklichen Stimmen mehr durch und nach einem wochenlangen Dauerfeuer ist die Stimmung in der Bev&ouml;lkerung wieder auf die passende Linie gebracht. Und wenn man den Umfragen der Bild-Zeitung Glauben schenken w&uuml;rde, dann hat es dieses Propaganda-Netzwerk schon in wenigen Tagen geschafft eine <a href=\"http:\/\/www.ad-hoc-news.de\/westerwelle-umfrage-mehrheit-begruesst-hartz-iv-debatte--\/de\/Thema-des-Tages\/21068512\">Mehrheit zu gewinnen<\/a>. <\/p><p>(Wobei man allerdings getrost unterstellen kann, dass auch diese Umfrage get&uuml;rkt ist. Angeblich 72 Prozent finden danach die Sozialstaatsdebatte gut. Warum sollten eigentlich nicht drei Viertel der Befragten nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil eine Debatte dar&uuml;ber nicht gut finden? Die entscheidenden Fragen, n&auml;mlich ob das Urteil richtig ist und die Befragten die derzeitigen Regels&auml;tze f&uuml;r ausreichend halten, wurden offenbar nicht gestellt.)<\/p><p>Ich bin bei dieser Aufz&auml;hlung bewusst nicht auf die &Auml;u&szlig;erungen von Guido Westerwelle eingegangen. Er spielte mit seinen bewusst provozierenden Spr&uuml;chen nur den medialen T&uuml;r&ouml;ffner f&uuml;r diese Kampagne.<\/p><p><strong>Um was geht es letztlich bei dieser Meinungsmache?<\/strong><\/p><p>Sie k&ouml;nnen es bei jedem Blick in die Medien selbst beobachten: Die Finanzkrise, die Wirtschaftskrise, eine aktive Wirtschaftspolitik zur Linderung der Arbeitslosigkeit, alle diese zentralen politischen Themen kommen nicht mehr vor. Man hat die &ouml;ffentliche Debatte von der zunehmenden Armut und vor allem von der Umverteilung von unten nach oben abgelenkt und auf einen Verteilungskonflikt zwischen Niedrigverdienenden und Arbeitslosen gelenkt.<br>\nEs war schon immer der Trick der Herrschenden, den Zorn der Beherrschten auf den Klassenkampf im Armenhaus zu lenken. <\/p><p>p.s.:<br>\n<strong>Entgeltliche Nebeneink&uuml;nfte von Guido Westerwelle 16. Legislaturperiode<\/strong><br>\nVortr&auml;ge und Seminare:<br>\nAgentur Schenck: &uuml; 7.000 Euro<br>\nAspecta HDI Gerling Lebensversicherung AG:&uuml; 7.000 Euro<br>\nAXA Krankenversicherung AG: &uuml; 7.000 Euro<br>\nClose Brothers Seydler AG: &uuml; 7.000 Euro<br>\nCongress Hotel Seepark, Thun\/Schweiz: &uuml; 7.000 Euro<br>\nCSA Celebrity Speakers GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nDS Marketing GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\necon Referenten-Agentur: &uuml; 7.000 Euro<br>\nEDEKA Handelsgesellschaft: &uuml; 7.000 Euro<br>\nUTOP Speaker Agency GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nFertighaus WEISS GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nFlossbach &amp; von Storch Verm&ouml;gensmanagement AG: &uuml; 7.000 Euro<br>\nGemini Executive Search: &uuml;ber 7.000 Euro<br>\nGenossenschaftsverband Frankfurt: &uuml; 7.000 Euro<br>\nHannover Leasing GmbH &amp; Co. KG: &uuml; 7.000 Euro<br>\nLazard Asset Management Deutschland GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nLGT Bank AG, Z&uuml;rich\/Schweiz: &uuml; 7.000 Euro<br>\nLupus Alpha Asset Management GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nLupus Alpha Asset Mangement GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nMACCS GmbH, Berlin: &uuml; 7.000 Euro<br>\nMaritim Hotelgesellschaft mbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nMovendi GmbH, Lohmar-Honrath: &uuml; 7.000 Euro<br>\nRednerdienst &amp; Pers&ouml;nlichkeitsmanagement Matthias Erhard, M&uuml;nchen: &uuml; 7.000 Euro<br>\nServiceplan Agenturgruppe f&uuml;r innovative Kommunikation GmbH &amp; Co. KG: &uuml; 7.000 Euro<br>\nSolarhybrid AG, Brilon: &uuml; 7.000 Euro<br>\nTeam Event Marketing GmbH: &uuml; 7.000 Euro<br>\nVincero Holding GmbH &amp; Co. KG: &uuml; 7.000 Euro<br>\nWolfsberg &ndash; The Platform for Executive &amp; Business Development, Ermatingen\/Schweiz: &uuml; 7.000 Euro<br>\nFunktionen in Unternehmen (jeweils &uuml; 7000 Euro)<br>\nARAG Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG,<br>\nAufsichtsrat<br>\nHamburg-Mannheimer Versicherungs-AG,<br>\nBeirat, bis 31. Dezember 2008<br>\nTellSell Consulting GmbH,<br>\nBeirat, 2006<br>\n(Quelle: <a href=\"http:\/\/meta.tagesschau.de\/id\/33378\/westerwelle-schlaegt-weiter-in-dieselbe-kerbe\">Meta Tagesschau<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind geradezu umzingelt von interessengeleiteten Think-Tanks, die reflexartig ihre Gesch&uuml;tzrohre in Stellung bringen, wenn sie ihre sozialstaatsfeindlichen Positionen gef&auml;hrdet sehen. Das umso mehr, wenn diese Gefahr vom h&ouml;chsten Gericht ausgeht. 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