{"id":45586,"date":"2018-08-21T10:50:18","date_gmt":"2018-08-21T08:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45586"},"modified":"2018-08-31T10:42:57","modified_gmt":"2018-08-31T08:42:57","slug":"der-inflationaere-gebrauch-des-wortes-populismus-ist-vermutlich-teil-einer-geplanten-pr-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45586","title":{"rendered":"Der inflation\u00e4re Gebrauch des Wortes Populismus ist vermutlich Teil einer geplanten PR-Strategie"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Wort war noch vor 20 Jahren nicht regelm&auml;&szlig;ig im Gebrauch. Es gab reihenweise &Auml;u&szlig;erungen, die als populistisch gebrandmarkt h&auml;tten werden k&ouml;nnen. (Auswahl siehe unten). Heute jedoch geht es Schlag auf Schlag. Der Begriff wird immer wieder &ndash; quasi als Schlagetot &ndash; eingesetzt. Er ist so inhaltsleer, zugleich vielf&auml;ltig gef&uuml;llt und wenig definiert, dass er freim&uuml;tig gebraucht werden kann. Ich mache im Folgenden zun&auml;chst auf zwei F&auml;lle aus den letzten Tagen aufmerksam und auf einen wirklich aufkl&auml;renden Beitrag zum Thema im &ldquo;Freitag&rdquo;. Auf den NachDenkSeiten konnten sie &Auml;hnliches immer wieder lesen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zum Einstieg also der Hinweis auf zwei F&auml;lle des Gebrauchs des Wortes Populismus aus den letzten Tagen:<\/strong><\/p><p><strong>Zum Ersten:<\/strong> Die immer wieder einschl&auml;gig t&auml;tige ARD, diesmal Studio Rom, zeigt, wie oberfl&auml;chlich und dennoch treffsicher man als Journalist mit diesem Begriff umgehen kann:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/kommentar\/genua-181.html\">Italiens Regierung und Genua<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/kommentar\/genua-181.html\">Lehrstunde in Sachen Populismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Zynisch, verlogen und dilettantisch &ndash; so handhabt Italiens Regierung den Br&uuml;ckeneinsturz von Genua. Das Krisenmanagement ist eine Lehrstunde dar&uuml;ber, was passiert, wenn Populisten an der Macht sind.<\/p>\n<p><em>Ein Kommentar von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom<\/em><\/p>\n<p>&hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Zum Zweiten<\/strong> hier ein Artikel im Organ des Deutschen Journalistenverbandes, Der Journalist<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<strong><a href=\"http:\/\/www.journalist-magazin.de\/hintergrund\/populismus-und-appeasement\">Populismus und Appeasement<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&hellip;\n <\/p><\/blockquote><p>Autor Michael Kraske schreibt einiges Vern&uuml;nftiges. Warum er dazu den Begriff Populismus verwenden muss, habe ich nicht begriffen. Vielleicht wegen der damit m&ouml;glichen Abwertung Anderer.<\/p><p><strong>Und hier der wirklich aufkl&auml;rende Artikel zum Thema:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/juergen-buxbaum\/populismus%20\">Populismus<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein manipulativer Begriff<\/strong><\/p>\n<p>JournalistInnen verwenden das Wort Populist selektiv. Es sagt nichts Konkretes, beleidigt die Leser und nimmt faktisch Politiker bisheriger Regierungen in Schutz. Von J&uuml;rgen Buxbaum.<\/p>\n<p>Bemerkungen &uuml;ber einen b&ouml;sartigen Begriff<\/p>\n<p>Die Begriffe populistisch, Populismus, und Populisten h&ouml;rt man nur selten in Gespr&auml;chen auf der Stra&szlig;e oder in Kneipen. Sie wurden in Umlauf gebracht und werden in erster Linie benutzt von Fernseh-, Radio- und ZeitungsjournalistInnen, von PolitikerInnen und PolitikwissenschaftlerInnen. Man darf davon ausgehen, dass sie diese W&ouml;rter w&auml;hlen, obwohl oder gerade weil sie wissen, dass sie vom Lateinischen populus (= Volk) stammen.<\/p>\n<p>&hellip;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Text stammt vom M&auml;rz 2018.<\/p><p>In den NachDenkSeiten konnten Sie schon vieles zum Thema lesen. Ich verweise auf einen eigenen Artikel:<\/p><blockquote><p>\n11. August 2016 <\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34572\">Populismus &ndash; &uuml;ber die selektive Anwendung dieses Schimpfwortes<\/a><\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der inzwischen inflation&auml;re Gebrauch des Wortes Populismus ist ein Beispiel f&uuml;r die systematisch betriebene Manipulation von Menschen.<\/strong><\/p><p>Hier wird eine besondere Methode zur Manipulation von Menschen sichtbar: <strong>die spiegelbildliche Ab- und Aufwertung<\/strong><\/p><p>Indem die etablierten politischen Parteien und Medien den Vorwurf Populismus immer wieder und im Chor zur Bezeichnung und Kennzeichnung der Konkurrenz, sei es nun rechts die AfD oder links die Linkspartei, werten sie diese politischen Gegner ab und erh&ouml;hen sich spiegelbildlich selbst. Es ist unglaublich, wie diese Methode funktioniert. Schauen Sie sich beispielhaft das obige Beispiel Nummer 1 an: der Korrespondent des Bayerischen Rundfunks in Rom, vermutlich, so nach Lekt&uuml;re des Textes, kein gro&szlig;es Licht, erscheint im Vergleich zu den Regierungsparteien Italiens, die er mit dem Etikett Populisten versieht, als dem besseren Teil der Gesellschaft zugeh&ouml;rig.<\/p><p>Diese spiegelbildliche Ab- und Aufwertung funktioniert &uuml;brigens auch in anderen Fachbereichen: <\/p><p>Indem zum Beispiel die westlichen Agitatoren aus Politik und Medien die Russen, die Syrer, die Iraner usw. als Feinde des Friedens und der Freiheit etikettieren, erscheinen sie spiegelbildlich als Hort von Demokratie, Freiheit und Frieden.<\/p><p><strong>Fr&uuml;her kam die &ouml;ffentliche Debatte ohne den inflation&auml;ren Gebrauch von Populismus aus:<\/strong><\/p><p>Politiker und Medien nutzten auch damals Formulierungen, die man heute mit dem Etikett Populismus versehen w&uuml;rde. Sie brauchten daf&uuml;r aber den Begriff nicht. Das lag nicht daran, dass damals keine, nach heutiger Wertung, populistischen Spr&uuml;che geklopft wurden. Der strategische Gebrauch des Begriffs Populismus war noch nicht erfunden. Ich nenne ein paar Beispiele f&uuml;r Aussagen und Etiketten fr&uuml;herer Zeiten, die man getrost als populistisch h&auml;tte bezeichnen k&ouml;nnen:<\/p><ul>\n<li>Bundeskanzler Adenauer und die CDU im Wahlkampf 1957: &bdquo;Keine Experimente&ldquo;<\/li>\n<li>Gei&szlig;ler nannte 1985 die SPD &bdquo;die f&uuml;nfte Kolonne Moskaus&ldquo;. Den Begriff Populismus brauchte man f&uuml;r die Zur&uuml;ckweisung dieses Etiketts nicht. Willy Brandt nannte Gei&szlig;ler nur &bdquo;den schlimmsten Hetzer&ldquo; in diesem Land.<\/li>\n<li>&bdquo;Deutsche. Wir k&ouml;nnen stolz sein auf unser Land&ldquo; plakatierte die SPD 1972. Populistisch! &ndash; m&uuml;sste man heute sagen.<\/li>\n<li>Die Achtundsechziger schrieben auf ihre Transparente zur Markierung ihrer Professoren:  &bdquo;Unter den Talaren&nbsp;&ndash;&nbsp;Muff von 1000 Jahren&ldquo;. Heute w&uuml;rde das Populismus genannt. <\/li>\n<li>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo; schrieb die SPD 1980 in Nordrhein-Westfalen in einer Anzeige &uuml;ber die Abbildung von 49 Kriegerwitwen samt kurzer trauriger Lebenserfahrung. Klarer Populismus w&uuml;rden heute die NATO-Freunde sagen.<\/li>\n<li>&bdquo;Weiter so&ldquo; war der Wahlslogan der CDU bei der Bundestagswahl.<\/li>\n<li>Noch einmal Gei&szlig;ler, 1983: &ldquo;Der Pazifismus der 30er Jahre, der sich in seiner gesinnungsethischen Begr&uuml;ndung nur wenig von dem unterscheidet, was wir in der Begr&uuml;ndung des heutigen Pazifismus zur Kenntnis zu nehmen haben, dieser Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst m&ouml;glich gemacht.&rdquo;&nbsp;<\/li>\n<li>Helmut Schmidt als Bundeskanzler: Modell Deutschland!<\/li>\n<\/ul><p>Diese wahllos zusammengestellten Aussagen sind alle mehr oder weniger eifrig und kritisch be&auml;ugt und diskutiert worden. Nie ist daf&uuml;r das Wort Populismus gebraucht worden. Zur Kennzeichnung gab es viele andere W&ouml;rter. Hetzer, L&uuml;gner, &Uuml;bertreiber usw.  Es ist wie anfangs vermerkt: Das Wort Populismus ist eine PR-Sch&ouml;pfung, geschaffen, um zwischen Oben und Unten zu teilen und um zwischen etablierten politischen Kr&auml;ften in Politik und Medien und den Auss&auml;tzigen in Politik und Gesellschaft zu spalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Wort war noch vor 20 Jahren nicht regelm&auml;&szlig;ig im Gebrauch. Es gab reihenweise &Auml;u&szlig;erungen, die als populistisch gebrandmarkt h&auml;tten werden k&ouml;nnen. (Auswahl siehe unten). Heute jedoch geht es Schlag auf Schlag. Der Begriff wird immer wieder &ndash; quasi als Schlagetot &ndash; eingesetzt. 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