{"id":45615,"date":"2018-08-22T08:50:24","date_gmt":"2018-08-22T06:50:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45615"},"modified":"2019-02-06T10:42:43","modified_gmt":"2019-02-06T09:42:43","slug":"autofreundliche-bahnpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45615","title":{"rendered":"Autofreundliche Bahnpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Frank S. f&auml;hrt normalerweise mit dem Auto. Doch diesmal gedachte er im Zug bequem zu speisen, hin und wieder aus dem Fenster auf die vor&uuml;bergleitende Landschaft zu schauen und endlich ein Buch zu lesen, dessen Lekt&uuml;re er sich schon lange vorgenommen hatte. Doch daraus wurde nichts. Eine realistische Satire zur Saunabahn. Von <strong>Wolfgang Bittner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSehr geehrter Bahnchef,<\/p><p>seit Langem schon m&ouml;chte ich Sie zu Ihrer autofreundlichen Bahnpolitik begl&uuml;ckw&uuml;nschen. Jetzt habe ich einen aktuellen Anlass: Mein Freund Frank Schweisser in R&uuml;sselsheim wollte k&uuml;rzlich seine kranke Mutter in Hathenow besuchen. Er kaufte also zu einem nicht geringen Preis eine Fahrkarte von R&uuml;sselsheim &uuml;ber Frankfurt (Main), Hannover, Berlin und Frankfurt (Oder) nach Hathenow in Brandenburg. Normalerweise f&auml;hrt er als Mitarbeiter eines gro&szlig;en Autowerks mit dem Auto. Doch diesmal gedachte er im Zug bequem zu speisen, hin und wieder aus dem Fenster auf die vor&uuml;bergleitende Landschaft zu schauen und endlich ein Buch zu lesen, dessen Lekt&uuml;re er sich schon lange vorgenommen hatte. Doch daraus wurde nichts.<\/p><p>Bereits in Frankfurt (Main) hatte der ICE aufgrund technischer Schwierigkeiten mehr als eine Stunde Versp&auml;tung, und mein Freund musste einen sp&auml;teren Zug nehmen, in dem seine Platzkarte keine G&uuml;ltigkeit hatte. Da Werkt&auml;tige wie er nur &uuml;bers Wochenende fahren k&ouml;nnen, war der ICE ziemlich &uuml;berf&uuml;llt, au&szlig;erdem war die K&uuml;hlung ausgefallen, was bei hohen Au&szlig;entemperaturen sehr unangenehm war. So durfte er zwischen schwitzenden und schimpfenden Mitreisenden bis Hannover drei Stunden lang stehend im Gang saunieren.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich bekam er seinen Anschlusszug nicht, sodass auch hier die Platzreservierung entfiel. Zwar funktionierte diesmal die K&uuml;hlung, doch Frank Schweisser musste bis Berlin wieder stehen. So ging es nun weiter in dr&uuml;ckender Enge nach Frankfurt (Oder), wo der letzte Bus nach Hathenow schon lange abgefahren war. Kurz vor einem Kreislaufzusammenbruch musste mein Freund seinen Neffen anrufen, der ihn mitten in der Nacht mit dem Auto vom Bahnhof abholte.<\/p><p>Bis dahin war es eine Horrorfahrt! Aber Frank Schweisser &ndash; Sie werden es kaum glauben &ndash; war gl&uuml;cklich. Gl&uuml;cklich wie lange nicht. Denn nur so, erkl&auml;rte er mir k&uuml;rzlich, l&auml;sst sich das Fortbestehen des seit L&auml;ngerem bedrohten Autowerks und damit der Erhalt seines Arbeitsplatzes sicherstellen. Dank Ihrer schonungslos zielgerichteten Verkehrspolitik zu Lasten der DB-Fahrg&auml;ste! <\/p><p>Bitte weiter so, ich danke Ihnen herzlich<br>\nIhr<br>\nPaul Obermeier, Werkmeister<\/p><p><em>Leicht aktualisiert aus <strong>Wolfgang Bittners<\/strong> Satire-Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-abschaffung-der-demokratie\/\">Die Abschaffung der Demokratie<\/a>&ldquo;, Westend Verlag 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank S. f&auml;hrt normalerweise mit dem Auto. Doch diesmal gedachte er im Zug bequem zu speisen, hin und wieder aus dem Fenster auf die vor&uuml;bergleitende Landschaft zu schauen und endlich ein Buch zu lesen, dessen Lekt&uuml;re er sich schon lange vorgenommen hatte. Doch daraus wurde nichts. Eine realistische Satire zur Saunabahn. 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