{"id":45718,"date":"2018-08-28T09:09:23","date_gmt":"2018-08-28T07:09:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45718"},"modified":"2019-05-20T07:44:20","modified_gmt":"2019-05-20T05:44:20","slug":"mohssen-massarrat-fragt-linke-sammlungsbewegung-wohin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45718","title":{"rendered":"Mohssen Massarrat fragt: \u201eLinke Sammlungsbewegung, wohin?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In einer Woche wird die Sammlungsbewegung #Aufstehen auch offiziell das Licht der Welt erblicken. Kritiker sprechen von einer Initiative von oben ohne Unterbau. Dies sieht <strong>Mohssen Massarrat<\/strong> anders. Der emeritierte Professor f&uuml;r Sozialwissenschaften begreift #Aufstehen vielmehr als Anreiz, selbst zur Feder zu greifen, sich &uuml;ber die Inhalte einer solchen Bewegung Gedanken zu machen und dadurch einen Unterbau f&uuml;r #Aufstehen zu schaffen. Seine pers&ouml;nlichen Gedanken zur Sammlungsbewegung hat er in einem Gastartikel f&uuml;r die NachDenkSeiten dokumentiert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Linke Sammlungsbewegung, wohin?<\/strong><\/p><p>Der gegenw&auml;rtig desastr&ouml;se Zustand der Reformparteien allein rechtfertigt eine neue und in die Gesellschaft hineinwirkende Initiative wie die linke Sammlungsbewegung. Die potentiellen Reformparteien, so wie sie sich gegenw&auml;rtig pr&auml;sentieren, sind insgesamt zu schwach, agieren neben- oder gar gegeneinander. Wenn die SPD-Parteivorsitzende Andrea Nahles bei ihrem ARD-Sommer-Interview trotz aktueller Umfragen, die die SPD bei 17% zeigen, nichts Besseres einf&auml;llt, als l&auml;chelnd zu verk&uuml;nden, dass sie sehr zufrieden sei, dass aber bei den Umfragen noch eine Schippe drauf m&uuml;sse, dann kann man ahnen, dass die SPD sich im Groko-Milieu wohlf&uuml;hlt und auch nichts tun will, um ihrem endg&uuml;ltigen Niedergang ernsthaft gegenzusteuern. Die SPD scheint aus eigener Kraft nicht imstande zu sein, sich von ihrer antisozialen Agendapolitik zu trennen. Auch die Rebellion der Jusos scheint sich mehr oder weniger in Luft aufgel&ouml;st zu haben. Die Gr&uuml;nen haben zwar im Moment etwas Aufwind, aber nur auf Kosten der SPD und der Linken, jedoch nicht durch die Mobilisierung neuen W&auml;hlerpotentials. Die absurde Konkurrenz gegeneinander ist offenbar f&uuml;r die Gr&uuml;nen ein Wert an sich geworden, wenn Robert Habeck sich zum Ziel gesetzt hat, die SPD &uuml;berholen zu wollen. Fakt ist, dass auch die Gr&uuml;nen weiterhin viel zu sehr im Sumpf der rot-gr&uuml;nen-neoliberalen Modernisierungsrhetorik ausharren. Zudem haben sie sich von ihren pazifistischen Wurzeln weit entfernt und k&ouml;nnen daher gegen die neue Aufr&uuml;stung Deutschlands und der EU keine Rolle spielen. Auch die Linkspartei hat lange die Langzeitarbeitslosen &uuml;bersehen, weil auch sie diese strategisch wichtige Gruppe als W&auml;hlerpotential abgeschrieben hatte. Sie hatte offensichtlich die politische Bedeutung der Massenarbeitslosigkeit jahrelang untersch&auml;tzt und vers&auml;umt, das Projekt Allgemeine Arbeitszeitverk&uuml;rzung als die soziale L&ouml;sung f&uuml;r mehrere Millionen Arbeitslose und Unterbesch&auml;ftigte anzuschieben. So wurden Teile der eigenen W&auml;hlerbasis und Millionen vernachl&auml;ssigte Menschen leichtfertig der AfD &uuml;berlassen.<\/p><p>Insofern ist der Zeitpunkt f&uuml;r eine linke Sammlungsbewegung und f&uuml;r einen gesellschaftlichen Aufbruch genau richtig. Die dringende Frage, die im Raum steht, ist, welche politischen Inhalte den gew&uuml;nschten Aufbruch ausl&ouml;sen k&ouml;nnen und wie der Prozess sinnvollerweise organisiert und kommuniziert werden soll. Richtig und zu begr&uuml;&szlig;en ist, dass die Initiatoren nicht mit einem festen Programm starten wollen. Die Tatsache, dass ich &ndash; und wahrscheinlich auch viele andere &ndash; mich angesprochen f&uuml;hle, zur Feder zu greifen und mir &uuml;ber die Inhalte einer solchen Bewegung Gedanken zu machen, spricht f&uuml;r den gew&auml;hlten Ansatz. So entsteht auch eine &ouml;ffentliche Debatte von unten, die verhindert, dass die Initiative nach ihrem Start wieder in der Versenkung verschwindet. So kann aber die zugegebenerma&szlig;en von oben ergriffene Initiative erst einmal als Rahmen, als Aufforderung zum Handeln, als eine neue M&ouml;glichkeit f&uuml;r alle verstanden werden, denen der politische Spielraum zu einem neuen sozial&ouml;kologischen Aufbruch in den bestehenden Parteien zu eng geworden ist. Auch die gegenw&auml;rtig schwachen sozialen Bewegungen sowie entt&auml;uschte und resignierte Individuen h&auml;tten eine Chance, ihre Lethargie zu &uuml;berwinden und ihre brach liegende Energie in einen neuen Aufbruch zu kanalisieren. Immerhin geht es zu allererst darum, den gef&auml;hrlichen Rechtsruck zu bremsen. Und das allein ist lohnend genug, die Initiative nicht in Bausch und Bogen zur&uuml;ckzuweisen. Und es geht vor allem auch darum, die neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung und ihrer konservativ-liberalen Nachfolgeregierungen zu beenden. Die linke Sammlungsbewegung m&uuml;sste also m. E. zwei Aufgaben erf&uuml;llen: Sie m&uuml;sste zum einen in die Reformparteien hineinwirken und sie beeinflussen bzw. radikalisieren, damit sich die Voraussetzungen f&uuml;r die Entstehung eines inhaltlich vernetzten Reformlagers hin zu einer sozial&ouml;kologischen Perspektive deutlich verbessern. Und zum anderen m&uuml;sste sie die inzwischen isoliert und nebeneinander daherwurschtelnden sozialen Bewegungen wieder zusammenf&uuml;hren. Ich m&ouml;chte hier einige inhaltliche Eckpunkte auflisten und n&auml;her begr&uuml;nden, die die Umsetzung beider Aufgaben befl&uuml;gelt k&ouml;nnten:<\/p><p><strong>Das Recht auf Arbeit in das Grundgesetz<\/strong><\/p><p>Es kann kein Zweifel bestehen: die gegenw&auml;rtige Versch&auml;rfung der Einkommensungleichheit, der Armutsentwicklung und der um sich greifenden sozialen Unsicherheit hat ihren Ursprung in der Agenda-Politik der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung. Diese Politik besiegelte das Ende des Wohlfahrtstaates und verschob die gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse zu Gunsten der reichen Eliten und des Finanzsektors. Diese Politik hat Grundlagen des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft in Deutschland ausgehebelt und fahrl&auml;ssig &uuml;ber Bord geworfen, die nach dem Sieg &uuml;ber den Faschismus und dem Ende des Zweiten Weltkriegs erk&auml;mpft worden waren. Die in den 1990er Jahren entstandene Massenarbeitslosigkeit wurde zu einem Hebel des Systemwechsels von der Sozialen zur Radikalen Marktwirtschaft. Durch die Agenda-&bdquo;Reformen&ldquo; entstand eine neue Form des Kapitalismus mit Massenarbeitslosigkeit als sozialem Fundament der totalen Marktfreiheit. Das repressive Hartz-IV-System, das in die Agenda-&bdquo;Reform&ldquo; eingebaut wurde, geh&ouml;rt ebenso zu diesem Fundament, weil es Angst hervorruft und die Besch&auml;ftigten dazu zwingt, die prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse von heute hinzunehmen, um morgen nicht noch schlechter dastehen zu m&uuml;ssen. Die Wechselwirkung von Massenarbeitslosigkeit, sinkendem Lohnniveau und Angst, in Hartz IV, d.h. in das unterste Systemglied, abzust&uuml;rzen, erm&ouml;glicht eine strukturelle Umverteilung von unten nach oben, garantiert den Bestand des spekulativen Finanzsektors und sichert die Herrschaft der Superreichen. Dieses System l&auml;sst zwar kosmetische Verbesserungen, wie Mindestlohn, geringf&uuml;gige Anhebung der Renten zur Linderung der Altersarmut, Erh&ouml;hung der Mindestfreibetr&auml;ge bei spezifischen Gruppen, Einf&uuml;hrung einer M&uuml;tterrente etc., als Spielwiese f&uuml;r die SPD zu, eine strukturelle Ver&auml;nderung schlie&szlig;t es jedoch grunds&auml;tzlich aus. Die Abschaffung der Hartz-IV-Sanktionen f&uuml;r junge Arbeitslose, wie sie Andrea Nahles in der letzten Woche in die Diskussion warf, bedeutet, dass sie im Grundsatz weiter am System Hartz IV festh&auml;lt. Aus alledem ergibt sich, dass ein Aufbruch f&uuml;r soziale Reformen, der eine menschenw&uuml;rdige Gesellschaft ansteuert, die &Uuml;berwindung der Massenarbeitslosigkeit an die oberste Stelle aller sozialpolitischen Reformen stellen muss. Denn nur so ist es m&ouml;glich, das System Agenda 2010 als Ganzes zu &uuml;berwinden und dar&uuml;ber hinaus auch an dem Fundament des Finanzmarktkapitalismus zu r&uuml;tteln. Dazu eignet sich m. E. die Forderung nach der Aufnahme von <em>Recht auf Arbeit in die Verfassung<\/em> als ein strategisches Ziel der linken Sammlungsbewegung. Dieses Ziel erscheint sicherlich als zu radikal und unrealistisch &ndash; das ist es auch wirklich auf den ersten Blick. Bei n&auml;herem Hinsehen lassen sich jedoch viele Gr&uuml;nde anf&uuml;hren, die f&uuml;r diese Forderung sprechen:<\/p><p><em>Erstens<\/em> stellt diese Forderung die angemessene politische Gegenstrategie zu der l&auml;ngst in der Verfassung verankerten <em>Schuldenbremse<\/em> dar. Mit diesem Schritt haben die neoliberalen Politiker den Weg daf&uuml;r geebnet, den Sozialabbau und damit die Fr&uuml;chte der Agenda-Politik f&uuml;r alle Ewigkeit verfassungsm&auml;&szlig;ig abzusichern. Die Verankerung des Rechts auf Arbeit in der Verfassung ist so gesehen sogar unumg&auml;nglich geworden, wenn man verhindern will, dass Unternehmer und Verm&ouml;gensbesitzer die Verfassung einseitig f&uuml;r ihre Sonderinteressen missbrauchen.<\/p><p><em>Zweitens<\/em> zwingt das verfassungsm&auml;&szlig;ige Recht auf Arbeit die Regierungen zu einem Politikwechsel und letztlich zur Herstellung von Vollbesch&auml;ftigung. Die Besch&auml;ftigungspolitik erh&auml;lt die oberste Priorit&auml;t jedweder Wirtschaftspolitik und damit einen gesellschaftlichen Rang, der l&auml;ngst verloren gegangen ist. Recht auf Arbeit stellt einen politischen Frontalangriff auf die vorherrschende neoliberale Ideologie und den Finanzmarktkapitalismus dar und kehrt deren Priorit&auml;ten, wie prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse, Massenarbeitslosigkeit und Angst in ihr Gegenteil. Der Kampf um das Recht auf Arbeit ist ein Kampf f&uuml;r die Beseitigung des Hartz-IV-Systems, der Leiharbeit, der Dumpingl&ouml;hne und der Kinder- und Altersarmut.<\/p><p><em>Drittens<\/em> wird die &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber das Recht auf Arbeit der neoliberalen Propaganda, es g&auml;be in Deutschland bereits Vollbesch&auml;ftigung und die deutsche Wirtschaft w&uuml;rde sogar unter einem riesigen Fachkr&auml;ftemangel leiden, entgegenwirken und diese als dreiste L&uuml;ge entlarven. Seit ca.15 Jahren wiederholen die Unternehmensverb&auml;nde und die neoliberalen Politiker sowie die Medien gebetsm&uuml;hlenartig immer und &uuml;berall das angebliche Problem des Fachkr&auml;ftemangels, um offensichtlich &uuml;ber die Tatsache der Massenarbeitslosigkeit einen Schleier der Vergessenheit zu legen. Tats&auml;chlich reden heute alle in den Industrieverb&auml;nden, in den Medien und auch in den Parteien &ndash; und nicht nur bei der CDU\/CSU &ndash; vom Fachkr&auml;ftemangel. Niemand redet aber davon, dass in Deutschland trotz statistischer Verf&auml;lschung selbst nach offiziellen Angaben immer noch 2.5 Millionen Menschen arbeitslos und ca.1 Million Menschen unterbesch&auml;ftigt sowie ca. 4 Millionen teilzeitbesch&auml;ftigt sind, von denen ein Teil viel lieber Vollzeit arbeiten m&ouml;chte, um von eigenem Lohn leben zu k&ouml;nnen. Zwar gibt es brachenspezifisch auf dem Arbeitsmarkt tats&auml;chlich Engp&auml;sse. Von einem fl&auml;chendeckenden Mangel an Fachkr&auml;ften kann jedoch keine Rede sein, der aus internen Ressourcen kurz- und mittelfristig nicht zu beheben w&auml;re. Ich behaupte sogar, dass die Unternehmer und der Staat bewusst nicht hinreichend Fachkr&auml;fte ausbilden, weil es <em>erstens<\/em> schlicht billiger ist, die im Ausland ausgebildeten Fachkr&auml;fte abzuwerben und sich die Investitionskosten zu sparen und weil <em>zweitens<\/em> der Import ausl&auml;ndischer Fachkr&auml;fte dem neoliberalen Leitgedanken entgegenkommt. Denn dadurch bleibt die Massenarbeitslosigkeit bestehen und der permanente Druck auf die arbeitenden Menschen und deren Lohnniveau aufrechterhalten. Das aktuell im Bundeskabinett verhandelte <em>Fachkr&auml;ftemangel Einwanderungsgesetz<\/em> dient genau diesem Zweck und soll f&uuml;r diese Strategie den gesetzlichen Rahmen schaffen. Anstatt Fachkr&auml;fte im Pflegebereich auszubilden und die L&ouml;hne anzuheben, hat die Bundesregierung bisher auch tats&auml;chlich die Strategie verfolgt, vor allem aus den osteurop&auml;ischen und asiatischen Staaten, Pflegepersonal zu rekrutieren und das Lohnniveau in diesem Bereich m&ouml;glichst niedrig zu halten. Die Kritik von Sahra Wagenknecht an dem aktuellen <em>Fachkr&auml;ftemangel Einwanderungsgesetz<\/em> ist daher ebenso richtig wie ihr Vorschlag, die Fachkr&auml;fte hier im Lande auszubilden.<\/p><p>Fachkr&auml;ftemangel ist und bleibt solange eine M&auml;r, wie das Lohnniveau gem&auml;&szlig; den Marktgesetzen nicht sp&uuml;rbar ansteigt. H&auml;tte es ihn in allen Bereichen wirklich gegeben, w&auml;re nicht nur das allgemeine Lohnniveau deutlich gestiegen. Auch die &uuml;ber 800.000 Leiharbeiter, die s&auml;mtlich die Anforderungen an Fachkr&auml;fte weitestgehend erf&uuml;llen, h&auml;tten l&auml;ngst in Normalarbeitsverh&auml;ltnisse &uuml;bergeleitet werden m&uuml;ssen. Dann w&auml;re es auch nicht m&ouml;glich gewesen, Abermillionen Menschen sowohl in der Privatwirtschaft wie im &ouml;ffentlichen Sektor sachgrundlos befristet zu besch&auml;ftigen. Best&uuml;nde tats&auml;chlich &uuml;berall Fachkr&auml;ftemangel, so w&uuml;rden die Betroffenen, die diskriminiert und wirtschaftlich schlechter gestellt sind oder durch Befristung der Arbeitsverh&auml;ltnisse in Unsicherheit gehalten werden, ihre menschenunw&uuml;rdigen Jobs sofort k&uuml;ndigen. Und umgekehrt w&uuml;rden Arbeitgeber, die angeblich h&auml;nderingend nach Fachkr&auml;ften suchen, diese sofort nach Bedingungen einstellen, die mit den Besch&auml;ftigung Suchenden ausgehandelt w&uuml;rden. So w&uuml;rde das Leiharbeitssystem und das System von sachgrundlos befristet Besch&auml;ftigen &uuml;ber Nacht verschwinden und auch das Lohnniveau deutlich st&auml;rker ansteigen. Da wir aber eine solche den Marktgesetzen entsprechende Entwicklung nicht feststellen k&ouml;nnen, muss man das Geschrei nach Fachkr&auml;ftemangel als eine gezielte Inszenierung betrachten, die mit Fakten entlarvt werden muss.<\/p><p><em>Viertens<\/em> stellt das durch die Verfassung garantierte Recht auf Arbeit das Pendant zur ebenso radikal wie einleuchtenden &ouml;kologischen Forderung der Gr&uuml;nen dar, den Klimaschutz im Grundgesetz zu verankern. Dadurch entst&uuml;nde ein inhaltlich fundiertes B&uuml;ndnis mit den Gr&uuml;nen f&uuml;r eine Verfassungsdebatte, um f&uuml;r einen l&auml;ngst f&auml;lligen Strukturwandel die erforderliche Rechtsgrundlage zu schaffen. Die Kombination beider radikaler Forderungen h&auml;tte auf jeden Fall den Charme, die Gr&uuml;nen mit den linken Reformern in der SPD und der Linkspartei als Ganzes inhaltlich zusammenzuf&uuml;hren und die Protagonisten beider Lager vom gemeinsamen Eintreten f&uuml;r beide Projekte zu &uuml;berzeugen.<\/p><p>Das verfassungsm&auml;&szlig;ige Recht auf Arbeit ist keine Utopie, sie ist auch im Kapitalismus realisierbar, z. B. durch eine fl&auml;chendeckende Arbeitszeitverk&uuml;rzung. Diese m&uuml;sste mit der Produktivit&auml;tsentwicklung sogar gekoppelt werden, zumal im Zuge der Digitalisierung weitere massive Entlassungen von Besch&auml;ftigten in allen Branchen zu erwarten sind. Die besondere Hervorhebung der Forderung, das Recht auf Arbeit in der Verfassung zu verankern, l&auml;sst sich damit begr&uuml;nden, dass die Verwirklichung dieses Rechts in s&auml;mtliche gesellschaftliche Bereiche hineinwirkt, generell die gegenw&auml;rtige soziale Unsicherheit, die Massenarbeitslosigkeit, die niedrigen L&ouml;hne und Renten sowie das Schreckgespenst Hartz IV &uuml;berwindet und auch dazu f&uuml;hrt, die wachsende Einkommensungleichheit sowie Kinder- und Altersarmut deutlich zu entsch&auml;rfen. Hinzu kommt, dass eine solche Entwicklung die Binnenkaufkraft st&auml;rkt und f&uuml;r neue Investitionen sowie steigendes Steueraufkommen zur Finanzierung von &ouml;ffentlichen Aufgaben substanzielle Anreize schafft. Mindestens genau so wichtig ist, dass sie das Bestreben der Unternehmer und Verm&ouml;gensbesitzer bremst, ihre &uuml;bersch&uuml;ssigen Gewinne statt in der Realwirtschaft in den unproduktiven Finanzsektor zu investieren. Mit Vollbesch&auml;ftigung und steigenden L&ouml;hnen auf das normale marktm&auml;&szlig;ige Niveau d&uuml;rfte die Ursache der &uuml;bersch&uuml;ssigen Gewinne ohnehin entfallen. Diese Strategie r&uuml;ttelt schlie&szlig;lich, wenn man so will, auch an den Fundamenten des Finanzmarktkapitalismus und dessen neoliberaler Ideologie. So w&auml;re die Aussicht realistisch, die M&auml;rkte endlich den Bed&uuml;rfnissen der Gesellschaft unterzuordnen und den politischen Debattenraum f&uuml;r zukunftsf&auml;hige Ver&auml;nderungen und die Weiterentwicklung der Demokratie signifikant zu erweitern. <\/p><p><strong>Radikaler Klimaschutz<\/strong><\/p><p>Angela Merkel eilt der Ruf voraus, Klimakanzlerin zu sein, weil es ihr gelungen war, bei den globalen Verhandlungen um Klimaschutzziele eine konstruktive Rolle zu spielen. Ihr gleichzeitiges Scheitern, im eigenen Land, den selbst gesetzten Zielen hinterherzulaufen, zeigt jedoch den riesigen Unterschied zwischen der Definition von Klimazielen und der politischen Praxis zur Erreichung dieser Ziele. Deutschland ist inzwischen weit davon entfernt, das selbst gesetzte Ziel von 20 % Emissionsreduktion bis 2020 gegen&uuml;ber 1990 zu erreichen. Dekarbonisierung braucht einen Masterplan. Genau diesen hat jedoch die Bundesregierung nicht. Sie vertraut weiterhin den Marktinstrumenten wie &Ouml;kosteuer und Emissionshandel. Diese Illusion teilen mit den Koalitionsparteien leider auch die Gr&uuml;nen und manche Umweltorganisationen wie der BUND. Beide diese Instrumente sind jedoch zu schwach, um die Jahrhundertaufgabe zu meistern und den Klimawandel zu bremsen. Steigende Energie- bzw. CO2-Preise m&ouml;gen die einkommensschwachen Konsumenten fossiler Energien zu einer Verhaltens&auml;nderung bewegen, die finanzstarken Konsumenten stecken die moderat steigenden Energiepreise mit Leichtigkeit weg, ohne den Verbrauch drastisch zu reduzieren. Diese reagieren erst dann, wenn die Preise f&uuml;r Kohle, &Ouml;l, Benzin etc. dramatisch ansteigen und die Renditen sp&uuml;rbar fallen. Davon kann jedoch angesichts des steigenden Angebots an fossilen Energietr&auml;gern auf den Weltm&auml;rkten nicht ausgegangen werden. Wie sollte es auch m&ouml;glich sein, die Konsumenten zu einer Reduktion ihres Energieverbrauchs aufzufordern, solange sie auf den Weltm&auml;rkten jede gew&uuml;nschte Menge an fossilen Energien zu immer noch sehr niedrigen Preisen erwerben k&ouml;nnen? Tats&auml;chlich sind zu den traditionellen fossilen Energietr&auml;gern auch die durch Fracking gewonnenen fossilen &Ouml;le und Gase, vor allem in den USA, hinzugekommen. Das viel beschworene Peak Oil wurde so auf Jahrzehnte hinausgeschoben.<\/p><p>Die bisherigen Erfolge zum Ausbau von regenerativer Stromproduktion in Deutschland ist auch definitiv nicht das Ergebnis der Marktkr&auml;fte, sondern das Ergebnis von politisch festgelegten Mengen beispielsweise durch das Energieeinsparungsgesetz von 2005, das in Deutschland die Energiewende einleitete. Dass China inzwischen zu dem Land mit den h&ouml;chsten Mengen regenerativer Stromproduktion aufgestiegen ist und den Anteil der fossilen Energietr&auml;ger am Energieangebot nennenswert reduzierte, ist noch weniger darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass China die am weitesten entwickelte Marktwirtschaft aufweist. Auch in China ist der relative Erfolg der Transformation ihres Energiesystems die Folge der politischen Entscheidung und der Entwicklung eines nationalen Plans zur Reduzierung des Angebots an fossilen Energietr&auml;gern. Die Erfahrungen mit dem deutschen Energieeinsparungsgesetz und dem Modell China m&uuml;ssten im Grunde jeder politischen Partei und jedem Energie-Experten einleuchten, die vom Klimaschutz nicht nur reden, sondern f&uuml;r eine konsequente Klimaschutzpolitik eintreten und auch bereit sind, die ideologischen Scheuklappen beiseite zu legen. Demnach ist klar, dass Klimaschutz national und international ohne ein strenges Regulierungskonzept nicht auskommen wird. Auch die Tatsache, dass die Gr&uuml;nen den Klimaschutz in das Grundgesetz festschreiben wollen, zeigt, dass auch sie hinsichtlich der Wirkungskraft von Marktinstrumenten desillusioniert sind. Offensichtlich versprechen sie sich von diesem Vorsto&szlig; ein deutlich st&auml;rkeres politisches Handeln in Sachen Klimaschutz. Dieses kann aber eine zielgerichtete Regulierung des Energieangebots sein, in dem der sofortige Ausstieg aus der Kohle der erste Schritt sein m&uuml;sste.<\/p><p>Der Inhalt der Regulierung w&auml;re dann logischerweise die schrittweise Reduktion des Angebots von allen Formen fossiler Energietr&auml;ger, so dass die naturwissenschaftlich festgelegten Klimaschutzziele auch zielgenau erreicht werden. Bei einer solchen Regulierungskonzeption, so sie politisch definiert und gesetzlich festgelegt ist, bleibt f&uuml;r fossile Energiekonsumenten kein Entrinnen mehr, weder f&uuml;r die gro&szlig;en und reichen noch f&uuml;r die einkommensschwachen Konsumenten. Erst auf der Basis eines solchen aus den Klimaschutzerfordernissen abgeleiteten Regulierungskonzepts beginnen die M&auml;rkte richtig zu funktionieren. Erst dann steigen die Preise der fossilen Energietr&auml;ger auf jenes Niveau an, das hoch genug sein wird und f&uuml;r die Konsumenten den erforderlichen Anreiz liefert, um auf den alternativen Pfad der regenerativen Energietechnologien umzusteigen. Wie man sich leicht vorstellen kann, bleibt die Regulierung auf die Angebotsreduktion beschr&auml;nkt. Alle anderen Bereiche, vor allem die Technologiem&auml;rkte, bleiben unreguliert und m&uuml;ssen auch unreguliert bleiben, damit sich die besten Technologieoptionen zur Energiewende im Wettbewerb durchsetzen k&ouml;nnen. <em>Ein wirksamer Klimaschutz braucht mit oder ohne dessen Verankerung in der Verfassung auf jeden Fall einen Masterplan zur systematischen Reduktion des fossilen Energieangebots, national und international.<\/em><\/p><p><strong>Bezahlbare Wohnungen f&uuml;r alle<\/strong><\/p><p>Grund und Boden sind wie alle anderen nat&uuml;rlichen Reicht&uuml;mer nicht reproduzierbare &ouml;ffentliche G&uuml;ter und m&uuml;ssten daher allen Menschen zur Nutzung zur Verf&uuml;gung stehen. Im Kapitalismus wird die Nutzung jedoch durch das Privateigentum monopolisiert. Die Einnahmen der Bodeneigent&uuml;mer beruhen allein auf der Macht des Privateigentums und nicht auf irgendeiner Leistung des Eigent&uuml;mers. Diese sind daher leistungslose Einnahmen. Wird das Bauland knapp, so steigen die Bodenpreise und die Mieteinnahmen der Grundeigent&uuml;mer. Oft werden durch steigende Bodenpreise und Mieten Wohnungen f&uuml;r die unteren Einkommensschichten unbezahlbar. In der Tat ist das Hauptproblem f&uuml;r eine solche Entwicklung, wie wir diese gegenw&auml;rtig in Deutschland vorfinden, in allererster Linie steigende Bodenpreise, nicht jedoch steigende Baukosten. Diese werden in der Regel durch den Wettbewerb auf dem Baumarkt unter den Bauunternehmern bestimmt. Die Baukosten k&ouml;nnen je nach dem Stand der Bautechnik und der Produktivit&auml;t steigen oder aber auch fallen. Anders die Bodenpreise, die je nach dem Stand der Bodenverknappung, mal langsam und mal schnell, jedoch stets ansteigen, aber nie fallen. Denn Grund und Boden sind wie alle nat&uuml;rlichen Ressourcen nicht reproduzierbar und ihrem Charakter nach knapp. Eine rein privatwirtschaftliche Wohnungsversorgung h&auml;tte demnach zwangsl&auml;ufig zur Folge, dass die Bodenpreise und Mieten permanent steigen, die Bodeneigent&uuml;mer stets reicher und die gro&szlig;e Mehrheit der Menschen &auml;rmer werden und daher gezwungen sind, in die st&auml;dtische Peripherie zu ziehen, wo die Bodenpreise niedriger sind. Um einer marktm&auml;&szlig;ig &bdquo;normalen&ldquo;, sozial aber zerst&ouml;rerischen Entwicklung der Bodenpreise im Kapitalismus Einhalt zu gebieten, bedarf es einer am Gemeinwohl orientierten politischen Intervention, die daf&uuml;r sorgt, dass auch im Kapitalismus Wohnungen f&uuml;r alle Schichten bezahlbar bleiben. F&uuml;r steigende Bodenpreise gibt es viele Gr&uuml;nde: Steigende Bev&ouml;lkerungszahl, steigender Wohlstand bzw. pro-Kopf-Fl&auml;chenbedarf, R&uuml;ckzug der &ouml;ffentlichen Hand aus der sozialen Wohnungsversorgung, letztlich aber auch k&uuml;nstliche Baulandverknappung und Bodenspekulation.<\/p><p>Die gegenw&auml;rtige Wohnungskrise resultiert vor allem aus der neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte, die darin bestand, auch die Wohnungsversorgung allein den M&auml;rkten zu &uuml;berlassen. Der R&uuml;ckzug des Staates aus dem sozialen Wohnungsbau und das Vers&auml;umnis der Kommunen, rechtzeitig hinreichend kommunales Bauland zur Verf&uuml;gung zu stellen, beruht auf der neoliberalen Ideologie, dass <em>die M&auml;rkte es schon richten werden<\/em>. Fakt ist jedoch, dass dank dieser Ideologie die Sozialwohnungen von 4 Millionen in 1987 (ehemaliges Bundesgebiet) auf 1,5 Millionen in 2013 reduziert wurden, so dass gegenw&auml;rtig mehrere Millionen Menschen au&szlig;erstande sind, &uuml;ber bezahlbare Wohnungen zu verf&uuml;gen. Genau hier m&uuml;sste eine linke Sammlungsbewegung ansetzen und durch entsprechende politische Forderungen der neoliberalen Wohnungsbaupolitik eine konsequente und nachvollziehbare Alternative entgegensetzen. Die Kommunen m&uuml;ssten rasch und ausreichend neues Bauland erschlie&szlig;en und den Investoren zu m&ouml;glichst niedrigen Bodenpreisen f&uuml;r den massiven Ausbau von sozialen Wohnungen zur Verf&uuml;gung stellen. Und es m&uuml;sste au&szlig;erdem auch eine <em>Bodenpreissteuer<\/em> eingef&uuml;hrt werden, deren H&ouml;he sinnvollerweise an den Bodenpreisanstieg gekoppelt ist. Mit diesem Instrument werden, unabh&auml;ngig von der l&auml;ngst f&auml;lligen Grundsteuerreform, zwei Ziele gleichzeitig erreicht: Zum einen die R&uuml;ckf&uuml;hrung von zus&auml;tzlichen leistungslosen Einkommen aus den H&auml;nden der Immobilienbesitzer in die &ouml;ffentlichen Kassen. Und zum anderen die Schaffung einer zus&auml;tzlichen Finanzierungsquelle zur Subventionierung des sozialen Wohnungsbaus.<\/p><p><strong>Bek&auml;mpfung von Fluchtursachen<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung und die Regierungsparteien werden nicht m&uuml;de, vollmundig von der Bek&auml;mpfung der Fluchtursachen zu reden, gehandelt haben sie bisher jedoch gegen die Fl&uuml;chtlinge, sie sollten tunlichst in libyschen Auffanglagern oder anderswo, jedoch fernab von Europa und Deutschland ihrem Schicksal &uuml;berlassen werden. Hier kommt der linken Sammlungsbewegung die Aufgabe zu, laut und deutlich auf die de facto imperialistischen Fluchtursachen aufmerksam zu machen und Alternativen zu zeigen. In allererster Linie muss die EU-Agrarpolitik an den Pranger gestellt werden. Durch die Subventionierung der EU-Agrarexporte (z. B. Fleisch-, H&uuml;hner- und Milchprodukte und Getreide etc.) werden gerade kleinb&auml;uerliche Agrarbetriebe in zahlreichen Staaten, vor allem in Afrika, buchst&auml;blich in den Bankrott getrieben. Dank k&uuml;nstlich verbilligter Agrarexporte aus der EU wird die Existenz von Millionen afrikanischer Agrarbetriebe bedroht, die auf den eigenen nationalen M&auml;rkten nicht mehr wettbewerbsf&auml;hig sind. Als w&auml;re diese unversch&auml;mt egoistische Art, entgegen eigenen Freihandelspostulaten, schutzlose und ohnehin verarmte afrikanische Bauern in den Ruin zu treiben, nicht genug. Mit den EU-Z&ouml;llen behindern Deutschland und die EU auch noch den Import jener afrikanischen Agrarprodukte, die bei Freihandel auf den EU-M&auml;rkten Preisvorteile h&auml;tten und durch den Export ihrer Produkte viele Menschen in der Landwirtschaft besch&auml;ftigen k&ouml;nnten. EU First hat also eine lange Tradition in der Weltwirtschaft, jedenfalls lange bevor Donald Trump mit seiner Politik <em>America First<\/em> die Welt emp&ouml;rt hat. Es ist doch ganz klar: diese gezielte Zerst&ouml;rung der Existenzgrundlage der armen afrikanischen Bauern zu Gunsten reicher EU-Gro&szlig;bauern ist eine der Hauptursachen daf&uuml;r, dass autochtone Wachstumsprozesse in Afrika &uuml;berhaupt nicht greifen k&ouml;nnen und dass seit mehreren Dekaden mehrere Hundert Millionen Afrikaner keine nachhaltige Besch&auml;ftigungsperspektive fanden. Der Wachstumseffekt der EU-Agrarpolitik gegen&uuml;ber Afrika mag f&uuml;r die EU selbst gering und fast vernachl&auml;ssigbar sein, ihre Wirkung f&uuml;r die afrikanischen Volkswirtschaften ist jedoch verheerend. Denn der Ruin der Landwirtschaft in den afrikanischen Staaten bedeutet eine Senkung deren Binnenkaufkraft und gleichzeitig auch den Stillstand in deren Industriesektoren. Die afrikanischen &Ouml;konomien werden auf diese Weise niemals in der Lage sein, die rasch wachsende Nachfrage nach Arbeitspl&auml;tzen zu befriedigen. So t&uuml;rmt sich zunehmend die lokale Massenarbeitslosigkeit auf, die nunmehr keine andere Perspektive zul&auml;sst, als dass die Menschen dort sich auf den Weg nach Europa machen.<\/p><p>Europas Eliten begehen mit der Agrar- und im weitesten Sinne auch der Handelspolitik ein politisches Verbrechen nicht nur an den Afrikanern, die ihre angestammte Heimat nicht aus freien St&uuml;cken, sondern gezwungenerma&szlig;en verlassen. Sie nehmen die zerst&ouml;rerischen Folgen ihrer Politik auch an den eigenen Bev&ouml;lkerungen hin, wenn sie sehenden Auges die Fl&uuml;chtlingskrise weiter anschwellen lassen. Die Forderung offener Grenzen, wie sie innerhalb der Linkspartei diskutiert wird, mag angesichts dieser verbrecherischen Politik der europ&auml;ischen Regierungen moralisch verst&auml;ndlich sein. Sie stellt faktisch jedoch keine L&ouml;sung des Problems dar. Ganz im Gegenteil kann eine solche Politik Wasser auf die M&uuml;hlen der neoliberalen Eliten in Europa sein. Denn diese instrumentalisieren die Fl&uuml;chtlinge in den EU-L&auml;ndern als billige Arbeitskr&auml;fte und f&uuml;r Lohnsenkung gegen die eigene Bev&ouml;lkerung, zerst&ouml;ren also das Sozialgef&uuml;ge der EU-Gesellschaften, nachdem sie die Lebensgrundlage von Afrikas Gesellschaften zerst&ouml;rt und Fluchtbewegungen verursacht haben. Dieser Teufelskreis darf moralisch nicht legitimiert und gest&auml;rkt, sondern er muss durch die linke Sammlungsbewegung konsequent durchbrochen werden. Eine perspektivisch wirksame L&ouml;sung in diesem Sinne muss darauf ausgerichtet sein, die EU an einer weiteren Sch&auml;digung afrikanischer und anderer Dritte-Welt-Volkswirtschaften zu hindern und diesen L&auml;ndern zu helfen, den Menschen in ihren eigenen Heimatl&auml;ndern eine Perspektive zu geben. Dazu w&auml;re es f&uuml;r die linke Sammlungsbewegung politisch angebracht, eindringlich zu fordern, dass die Bundesregierung und die EU-Kommission s&auml;mtliche Agrarsubventionen f&uuml;r die eigenen Agrarexporte umgehend streichen und auch die Z&ouml;lle auf afrikanische Exporte vollst&auml;ndig aufheben. Das allein w&uuml;rde jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht reichen, den Menschen in Afrika in ihrer Heimat langfristig eine Besch&auml;ftigungsperspektive zu sichern. Notwendig ist daher die Umstellung der EU-Entwicklungspolitik und der IWF-Strukturanpassungsprogramme auf den Aufbau von Schutzma&szlig;nahmen gegen die ungez&uuml;gelten Importe aus dem Weltmarkt und f&uuml;r die St&auml;rkung afrikanischer Binnenm&auml;rkte. Erst m&uuml;ssten afrikanische Agrar- und Industrieunternehmen stark genug werden und fest auf eigenen Beinen stehen, um dann durch die internationale Arbeitsteilung in der Lage zu sein, &ouml;konomische Vorteile, die sich durch ihre niedrigeren L&ouml;hne und die nat&uuml;rlichen Ressourcen f&uuml;r sie ergeben, f&uuml;r das Wachstum in eigenen L&auml;ndern zu nutzen.<\/p><p><strong>R&uuml;stungsausgaben senken<\/strong><\/p><p>Erinnern wir uns: R&uuml;stungslobbyisten w&auml;re es Anfang der 2000er Jahre beinahe gelungen, die j&auml;hrliche Steigerung von R&uuml;stungsausgaben zur verfassungsm&auml;&szlig;igen Pflicht f&uuml;r die EU-Staaten zu machen. Gl&uuml;cklicherweise haben Referenden in Frankreich und Holland den Vertrag &uuml;ber eine Verfassung f&uuml;r Europa von 2005 zu Fall gebracht. Fast zeitgleich zur Entstehung des EU-Verfassungsentwurfs beschloss 2002 der Nato-Gipfel in Prag die 2%-Regel f&uuml;r die Nato-Staaten. In Deutschland hat seit einigen Jahren Ursula von der Leyen m&auml;chtig die Propagandatrommel f&uuml;r die massive Aufr&uuml;stung Deutschlands zur Erreichung des 2%-Ziels ger&uuml;hrt. Dazu vers&auml;umte sie in keiner Talk Show, die R&uuml;stungssteigerung unter dem Vorwand, <em>die Eigenst&auml;ndigkeit Deutschlands und der EU gegen&uuml;ber den Vereinigten Staaten zu st&auml;rken<\/em>, zu rechtfertigen, leider offensichtlich mit Erfolg. 39% der Deutschen bef&uuml;rworten inzwischen die Steigerung der R&uuml;stungsausgaben auf 2% des BIP. Nun nimmt Heiko Maas mit dem Konzept <em>balancierter Partnerschaft<\/em> einen neuen Vorsto&szlig; zur angeblichen Emanzipation von den USA, der sich als ein gigantisches Aufr&uuml;stungsprojekt f&uuml;r Deutschland und die EU herausstellen k&ouml;nnte.<\/p><p>Der deutsche Au&szlig;enminister bringt in einem Beitrag f&uuml;r das Handelsblatt am 22. August eine neue internationale Ordnung ins Gespr&auml;ch, in der Deutschland, zusammen mit Frankreich und anderen EU-Staaten, ein Gegengewicht zu den USA bilden sollte. &bdquo;Es liege im ureigenen Interesse Europas, den europ&auml;ischen Pfeiler der Nato zu st&auml;rken &ndash; auch mit h&ouml;heren Verteidigungsausgaben&ldquo;, schreibt Maas. Da er jedoch das gegenw&auml;rtige milit&auml;rische Gewicht der USA mit ihren 3,4 % Verteidigungsausgaben, das ihr aufw&auml;ndiges nukleares Abschreckungspotential und &uuml;ber 800 Milit&auml;rbasen auf dem ganzen Globus einschlie&szlig;t, nicht in Zweifel zieht und grunds&auml;tzlich in Frage stellt, entwirft Maas, vom Ergebnis her betrachtet eine Strategie f&uuml;r ein gigantisches transatlantisches Wettr&uuml;sten, ganz im Sinne der US-R&uuml;stungsindustrie und der weiteren Vertiefung der europ&auml;ischen Abh&auml;ngigkeit von den USA, also zu einer gegenteiligen Entwicklung zu dem Ziel, das der Au&szlig;enminister vorgibt, erreichen zu wollen. Denn durch die Steigerung der EU-R&uuml;stungsausgaben profitiert in erster Linie der US-milit&auml;risch-industrielle Komplex, der bei den meisten R&uuml;stungsg&uuml;tern technologisch der europ&auml;ischen R&uuml;stungsindustrie weit voraus ist. Eine Steigerung der R&uuml;stungsausgaben in der EU k&auml;me daher neuen Auftr&auml;gen, vor allem f&uuml;r die US-R&uuml;stungsindustrie, gleich und bedeutete eine noch gr&ouml;&szlig;ere Abh&auml;ngigkeit der EU von den Vereinigten Staaten von Amerika.<\/p><p>Ohne die Sinnhaftigkeit des milit&auml;rischen Gewichts der USA, samt deren nuklearer Kapazit&auml;ten und Milit&auml;rbasen in der Welt, grunds&auml;tzlich in Frage zu stellen und zu allererst die USA zu einer umfassenden Abr&uuml;stung aufzufordern, hie&szlig;e ein europ&auml;isches Gegengewicht zu den USA doch nichts Anderes als eine massive nukleare Aufr&uuml;stung der EU und eine Ausdehnung von deren Milit&auml;rbasen in der ganzen Welt. Hat sich der Au&szlig;enminister &uuml;berhaupt einen einzigen Gedanken gemacht, wohin sein Vorschlag eigentlich f&uuml;hren w&uuml;rde? W&uuml;rde man jedoch diesen Weg der absoluten Ressourcenvernichtung und Konfliktexpansion nicht gehen wollen, st&uuml;nde nicht eine europ&auml;ische Aufr&uuml;stung, sondern eine amerikanische Abr&uuml;stung auf der weltpolitischen Agenda. Die Schaffung neuer Weltw&auml;hrungen, z. B. durch die St&auml;rkung des Euro und damit die Beseitigung der Monopolmacht des Dollars als gegenw&auml;rtig einzige Weltw&auml;hrung, w&uuml;rde einen wichtigen Hebel zur zwangsweisen Abr&uuml;stung der USA darstellen, da diese ihre unvorstellbaren R&uuml;stungsausgaben nicht durch Steuern der US-B&uuml;rger, sondern durch die Monopolmacht des Dollars finanzieren. Insofern enth&auml;lt Maas&rsquo; Vorsto&szlig; nicht nur eine absurde milit&auml;rische Sto&szlig;richtung, sondern auch einen &ouml;konomisch richtigen Kern, wenn er im selben Beitrag die Einrichtung eines europ&auml;ischen W&auml;hrungsfonds ins Spiel bringt. Dadurch sollten Zahlungskan&auml;le entstehen, die von den USA unabh&auml;ngig sind und damit so auch ein wirkungsvoller Schutz der europ&auml;ischen Unternehmen vor US-Sanktionen erm&ouml;glichen. Vor diesem Hintergrund m&uuml;sste sich eine linke Sammlungsbewegung auch die gegenw&auml;rtig zentrale Forderung der Friedensbewegung <em>Abr&uuml;stung statt Aufr&uuml;stung<\/em> zueigen machen und diese noch radikaler vertreten. Denkbar w&auml;re dazu beispielsweise die verfassungsm&auml;&szlig;ige Fundierung einer j&auml;hrlichen Senkung der R&uuml;stungsausgaben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Woche wird die Sammlungsbewegung #Aufstehen auch offiziell das Licht der Welt erblicken. Kritiker sprechen von einer Initiative von oben ohne Unterbau. Dies sieht <strong>Mohssen Massarrat<\/strong> anders. 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