{"id":45722,"date":"2018-08-28T12:46:56","date_gmt":"2018-08-28T10:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45722"},"modified":"2018-09-14T10:28:16","modified_gmt":"2018-09-14T08:28:16","slug":"lasst-uns-sachsenversteher-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45722","title":{"rendered":"Lasst uns Sachsenversteher werden!"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_berger.jpg\" alt=\"Jens Berger\" title=\"Jens Berger\"><\/div><p>Chemnitz am Sonntagmorgen &ndash; drei junge Deutsche werden mit Messern niedergestochen, einer von ihnen erliegt wenige Stunden sp&auml;ter den Verletzungen. Tatverd&auml;chtig sind ein Syrer und ein Iraker. Als erste Meldungen &uuml;ber den Totschlag &uuml;ber die sozialen Netzwerke verbreitet werden, eskaliert die ohnehin bereits angespannte Lage vor Ort, rechtsextreme Hooligans nutzen die Situation und treffen auf eine planlos agierende Polizei. &bdquo;Sachsen halt&ldquo;, wie einige besonders schlaue Intellektuelle nun h&auml;misch sp&ouml;tteln. Doch die Vorf&auml;lle von Chemnitz sind nicht die Ursache, sondern vielmehr ein Symptom einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung, die sich nicht durch H&auml;me, Arroganz und schablonenhaftes Denken aus der Welt schaffen l&auml;sst. Wenn wir nicht bald damit anfangen, den Ursachen der Unzufriedenheit auf den Grund zu gehen, droht dem Land ein epischer Rechtsruck. Nicht nur in Sachsen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8405\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45722-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180828_Lasst_uns_Sachsenversteher_werden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180828_Lasst_uns_Sachsenversteher_werden_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180828_Lasst_uns_Sachsenversteher_werden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180828_Lasst_uns_Sachsenversteher_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45722-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180828_Lasst_uns_Sachsenversteher_werden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180828_Lasst_uns_Sachsenversteher_werden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Jakob Augstein hat es gut. Der millionenschwere Verlagserbe und Vorzeigelinke hat offenbar allen Grund, auf Menschen herabzuschauen, die beim Spermienlotto keine sechs Richtigen mit Zusatzzahl hatten. &bdquo;Pimmel mit Ohren&ldquo;, so nennt er die &bdquo;stiernackigen M&auml;nner&ldquo; aus den Videos aus Chemnitz in seinem denkfaulen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/chemnitz-immer-wieder-sachsen-kolumne-von-jakob-augstein-a-1225128.html\">SPIEGEL-Kommentar<\/a> zu den Vorkommnissen. Sicher, diese &bdquo;Manifestationen einer parallelen Netzgesellschaft&ldquo; (Zitat Augstein) werden keine Ausbildung auf teuren Eliteuniversit&auml;ten genossen haben und wahrscheinlich noch nicht einmal wissen, was eine &bdquo;Manifestation&ldquo; eigentlich ist. So sind sie halt, &bdquo;die Sachsen&ldquo;, die Augstein als &bdquo;deutsche Ungarn&ldquo; bezeichnet, die zwar unser Geld, aber von &bdquo;der liberalen Demokratie des Westens&ldquo; und unseren &bdquo;Werten&ldquo; nichts wissen wollen. Vielleicht sollte Jakob Augstein diese neunmalklugen Weisheiten einmal auf einer B&uuml;hne vor dem Chemnitzer Nischel zum Besten geben. Die &bdquo;Pimmel mit Ohren&ldquo; werden sicher tief beeindruckt sein, sich eine vern&uuml;nftige Frisur stehen lassen, bei einer Eliteuniversit&auml;t einschreiben und fortan Augsteins Werte predigen. Die Botschaft h&ouml;r ich wohl, allein mir fehlt der Glauben. Schlussendlich bespa&szlig;t Augstein mit derlei selbstgerechten Predigten von der linksliberalen Kanzel doch ohnehin nur seine eigene Echokammer, die bei derlei wortgewandten Sachsen-Bashing sicher ihren Flat White auf die MacBook-Tastatur prustet. Wen interessieren schon die gemeinen Chemnitzer? Die linksliberalen Eliten sicherlich nicht. <\/p><p>Dabei h&auml;tte Augstein eigentlich nur die beiden durchaus lesenswerten Vor-Ort-Berichte seiner Kollegen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/chemnitz-nach-den-ausschreitungen-alle-boesen-sollen-wieder-gehen-a-1225166.html\">Steffen L&uuml;dke<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/chemnitz-wie-die-polizei-eine-stadt-den-rechten-ueberliess-a-1225238.html\">Raphael Thelen<\/a> anschauen m&uuml;ssen, um seine Selbstgerechtigkeit zumindest mit einem Anfangsverdacht zu hinterfragen. Denn wenn man nur die richtigen Fragen stellt, erh&auml;lt man &bdquo;sogar&ldquo; von den Chemnitzern sehr aussagekr&auml;ftige Antworten. Da werden dann die soziale Schieflage, die prek&auml;re Situation am Arbeitsmarkt oder die Altersarmut klar als eigentliche Gr&uuml;nde f&uuml;r eine recht konkrete sozio&ouml;konomische Unzufriedenheit genannt, die sich offenbar mangels realistisch erscheinender politischer Perspektiven in einer diffusen Fremdenfeindlichkeit den Weg bahnt, die jedoch recht selektiv zu Tage tritt &ndash; &bdquo;die Stadt sei nicht mehr so sicher wie fr&uuml;her&ldquo;, man habe nichts gegen Migranten, aber &bdquo;die B&ouml;sen [unter ihnen] sollen wieder gehen&ldquo;. Statistik hin, Statistik her, die Menschen f&uuml;hlen sich unsicher. Dar&uuml;ber kann man nun lamentieren oder die Sorgen ausnahmsweise auch einmal ernst nehmen. Denn dies sind anscheinend beileibe keine Einzelmeinungen, sondern durchaus Ausdruck einer allgemeinen Stimmungslage. <\/p><p>Daran kann man bereits erkennen, was alles schief l&auml;uft. Eigentlich ist die politische Linke ja als Sprachrohr der Menschen pr&auml;destiniert, die sich sozio&ouml;konomisch benachteiligt f&uuml;hlen. Gefragt, warum sie dann gegen Fl&uuml;chtlinge sei und nicht &bdquo;einfach mehr Umverteilung fordere&ldquo;, gab eine 64-j&auml;hrige Chemnitzerin dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/chemnitz-wie-die-polizei-eine-stadt-den-rechten-ueberliess-a-1225238.html\">SPIEGEL<\/a> folgende Antwort:  &bdquo;Weil man ja gegen irgendwen sein muss, und mit denen ist es einfach.&ldquo; Diesen Satz sollte sich vor allem die politische Linke ganz genau anschauen und sich dar&uuml;ber Gedanken machen, warum der Protest gegen die sozio&ouml;konomischen Verh&auml;ltnisse von breiten Schichten der Bev&ouml;lkerung offenbar gar nicht mehr als Option wahrgenommen wird. Ja, das &bdquo;teile und herrsche&ldquo; scheint sich in unseren K&ouml;pfen festgesetzt zu haben. Chemnitz ist ein Symptom daf&uuml;r. Die Frage ist: Wo sind die Antworten? Und wie lassen sich Ursachen bek&auml;mpfen?<\/p><p>Hier w&auml;ren nun wahre intellektuelle Vordenker auf Seiten der Linken gefordert. Vordenker, die die n&ouml;tige radikale Selbstkritik nicht scheuen und Perspektiven f&uuml;r progressive Antworten entwickeln, die von den Betroffenen als echte Option wahrgenommen werden. Sich nun &uuml;ber &bdquo;Pimmel mit Ohren&ldquo; lustig zu machen, ist intellektuelles D&uuml;nnbrettbohren &ndash; nur nicht anecken, nur nichts Falsches denken oder gar sagen, immer den Weg des geringsten Widerstandes. So ist einem zwar der Applaus der Echokammer sicher, aber wen interessieren schon &bdquo;parallele Netzgesellschaften&ldquo;? Wer sich lieber mit opportunistischen Albernheiten abgibt, vertut in der heutigen Situation nicht nur die Chance, der Gesellschaft einen Schubs in die richtige Richtung zu verpassen, sondern erledigt indirekt die K&auml;rrnerarbeit der politischen Rechten. Das gilt auch f&uuml;r die linken &bdquo;Wohlf&uuml;hlthemen-Hipster&ldquo;, die die Sorgen und Probleme einer kleinen gro&szlig;st&auml;dtischen Elite aufs Tableau des linken Diskurses gehievt haben und sich mit profanen Verteilungsfragen gar nicht mehr abgeben wollen. <\/p><p>Wenn die Linke keine Antworten gibt und keine Optionen liefert, wird die Rechte den Sieg davontragen. Alleine schon, weil es so viel einfacher ist, &bdquo;gegen Fl&uuml;chtlinge zu sein&ldquo;, als sich gegen eine Gesellschaftsform zu positionieren, die durch eine derart massiv sozio&ouml;konomische Schieflage gepr&auml;gt ist wie die unsere. Wollen wir D&uuml;nnbrettbohrer oder Sachsenversteher sein? Ich pl&auml;diere f&uuml;r Letzteres.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/9932929e463440328706c725decb8c72\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_berger.jpg\" alt=\"Jens Berger\" title=\"Jens Berger\"\/><\/div>\n<p>Chemnitz am Sonntagmorgen &ndash; drei junge Deutsche werden mit Messern niedergestochen, einer von ihnen erliegt wenige Stunden sp&auml;ter den Verletzungen. Tatverd&auml;chtig sind ein Syrer und ein Iraker. 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