{"id":45740,"date":"2018-08-29T14:12:39","date_gmt":"2018-08-29T12:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45740"},"modified":"2018-12-30T14:12:27","modified_gmt":"2018-12-30T13:12:27","slug":"jair-bolsonaro-der-praesidentschaftskandidat-der-maerkte-und-des-faschistischen-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45740","title":{"rendered":"Jair Bolsonaro \u2013 Der Pr\u00e4sidentschaftskandidat der \u201eM\u00e4rkte\u201d und des faschistischen Brasilien"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180829-Bolsonaro-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Verschiedentlich wurde in brasilianischen Medien spekuliert, die &bdquo;Kommandozentrale&rdquo; des parlamentarischen Putschs, der vor zwei Jahren Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthob, werde vor dem Hintergrund wachsender sozialer Proteste, insbesondere jedoch wegen dem unaufhaltsamen Popularit&auml;ts-Hoch von Ex-Pr&auml;sident Luiz In&aacute;cio Lula da Silva, die f&uuml;r den kommenden 7. Oktober angesetzten Parlaments- und Pr&auml;sidentschaftswahlen vertagen oder gar ersatzlos streichen. Dazu fehlte dieser Zweckallianz zwischen ausl&auml;ndischen Banken, Gro&szlig;grundbesitzern, Medien, einer als &bdquo;Ausnahmezustand&ldquo; bezeichneten Justiz und Milit&auml;rs allerdings der politische Konsens. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDaf&uuml;r gab es zwei Gr&uuml;nde. Zum einen sollte die peinliche De-facto-Regierung Michel Temer ger&auml;uschlos verabschiedet, ihre Agenda des Sozialstaats-Abbaus jedoch mit demokratischem Anstrich, also freien Wahlen, legitimiert und fortgesetzt werden. Zum anderen erkannte die ultra-liberale Allianz, dass der Machtblock erhalten werden k&ouml;nne, wenn das mehrheitlich aus konservativ-korrupten Politikern zusammengesetzte Zweikammer-Parlament siegessicher zur Wiederwahl antritt; was knappe eineinhalb Monate vor der Abstimmung ernsthaft zu bef&uuml;rchten ist.<\/p><p>Im ersten Halbjahr 2018 schien es jedoch so, als k&ouml;nne sich die brasilianische Rechte auf keinen gemeinsamen der 10 Konservativen unter den insgesamt 13 Pr&auml;sidentschafts-Aspiranten einigen, der der Popularit&auml;t und dem Wahlpotenzial Lula da Silvas gewachsen w&auml;re. Trotz bem&uuml;hter Medieninszenierungen stagnieren der rechts-sozialdemokratische Gouverneur S&atilde;o Paulos, Geraldo Alckmin, und Michel Temers Finanzminister und Kandidat, der ehemalige Bank-Boston-CEO Henrique Meirelles, bei jeweils 6 Prozent und lachhaften 1 Prozent der W&auml;hlerintentionen.<\/p><p>Mit dr&ouml;hnenden Auftritten wagte es jedoch ein Quereinsteiger, Lula die Stirn zu bieten: Jair Bolsonaro, Hauptmann des Heeres a.D., seit 26 Jahren Bundesparlaments-Abgeordneter, mit dem steinzeitlich gesinnten General a.D. Antonio Hamilton Mour&atilde;o als seinem Vize. Nach neuesten Umfragen des Datafolha-Instituts von Ende August und in einem vom wahrscheinlichen Kandidatur-Verbot Lulas gekennzeichneten Wahlszenario f&uuml;hrt Bolsonaro mit rund 19 Prozent der Stimmabsichten das Rennen um die brasilianische Pr&auml;sidentschaft an, gefolgt von Lulas bisherigem Vize, jedoch auch potenziellem Stellvertreter, Fernando Haddad.<\/p><p><strong>Ein neoliberal-totalit&auml;res Phantom geistert durch Brasilien<\/strong><\/p><p>Die bedrohliche F&uuml;hrungsposition des Rechtsradikalen verleitete selbst konservative bis liberale internationale Medien zu Warntiteln. <em>The Guardian<\/em> (19. April) mahnte, &bdquo;Trump of the tropics: the &lsquo;dangerous&rsquo; candidate leading Brazil&rsquo;s presidential race&ldquo;. <em>The Economist<\/em> (11. August) tadelte, &bdquo;Bras&iacute;lia, we have a problem. The danger posed by Jair Bolsonaro&rdquo;, und die von Jean-Paul Sartre gegr&uuml;ndete, franz&ouml;sische <em>Lib&eacute;ration<\/em> (15. August) alarmierte: &ldquo;Au Br&eacute;sil, un ex-militaire pour liquider la d&eacute;mocratie&rdquo;.<\/p><p>Der Guardian-Vergleich mit Donald Trump klingt jedoch gewagt, vielleicht gar als Beleidigung des US-Pr&auml;sidenten, derart umnachtet und demenziell ist Bolsonaros innen- wie au&szlig;enpolitische Agenda, sind seine Auftritte gegen Linke, Frauen, sexuelle Minderheiten und ethnische Mehrheiten, wie die von Sklaven abstammenden Afrobrasilianer. Dem inhaltsleeren Schwachsinn des Pr&auml;sidentschaftskandidaten &ndash; der in seiner ersten Fernsehdebatte antwortete, &bdquo;Ma&szlig;nahmen zur Verhinderung der Kindersterblichkeit? Es hat mit der Ern&auml;hrung der Mutter zu tun, viele schwangere Frauen tun nichts f&uuml;r ihre Mundhygiene.&ldquo; &ndash; kam jedoch ein Absolvent der radikal-neoliberalen Chicagoer Schule Milton Friedmans zur Hilfe.<\/p><p>In erstaunlichem Gegensatz zur Politik der zwar von Bolsonaro nach wie vor gelobten Milit&auml;rdiktatur &ndash; die von 1964 bis 1985 den brasilianischen Staat mit der F&ouml;rderung staatseigener Betriebe, Infrastruktur und Logistik vergr&ouml;&szlig;erte und die seit 1946 in Kraft befindlichen sozialstaatlichen Arbeits- und Rentengesetzgebungen unber&uuml;hrt lie&szlig; &ndash; predigt des Hauptmanns a.D. finanzpolitischer Sprecher und mutma&szlig;licher, k&uuml;nftiger Finanzminister, Paulo Guedes (siehe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AhlWYtxyLgo\">Video<\/a>), die Radikal-Privatisierung &uuml;berlebender und rentabler Staatsbetriebe und des &ouml;ffentlichen Rentensystems. Erstere soll zur Tilgung der &ouml;ffentlichen Verschuldung die Staatskassen mit umgerechnet 175 Milliarden Euro auff&uuml;llen, Letztere nach &bdquo;chilenischem Vorbild&ldquo; von privaten Pensionsfonds verwaltet werden.<\/p><p>Guedes dozierte in den 1980-er Jahren Wirtschaftsdoktrin an der Universidad de Chile, soll nach unbest&auml;tigten Angaben auch Berater General Pinochets gewesen sein. Nach Brasilien zur&uuml;ckgekehrt war er sowohl Gr&uuml;ndungsmitglied des libert&auml;ren <em>Think Tanks<\/em> Instituto Millenium &ndash; das mit dem von den Koch-Brothers finanzierten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39824\">Atlas Network<\/a> verzahnt ist &ndash; als auch der brasilianischen Pactual-Investment-Bank BTG, die in Chile einen der sechs gr&ouml;&szlig;ten privaten Pensionsfonds mit einem Anlageverm&ouml;gen &uuml;ber Dollar-Milliarden betreibt (BTG Pactual concreta la adquisici&oacute;n del 100% del controlador de de AFP PlanVital &ndash; La Tercera, 14. Juli 2014).<\/p><p>Ein bisher schwer anzunehmender, allerdings im Fall mangelnder Einheit der linksdemokratischen Parteien wahrscheinlicher Wahlsieg Bolsonaros w&auml;re ein Fluch der Geschichte, n&auml;mlich eine Sp&auml;tvariante des totgeglaubten chilenischen Pinochetismus. Bolsonaro verspricht jedenfalls die Verbindung von skrupellosem, anachronistischem Wirtschaftsliberalismus mit angek&uuml;ndigter, brutaler Repression.<\/p><p>Au&szlig;enpolitisch sorgte der <em>Law&amp;Order-Freak<\/em> bereits f&uuml;r zwei diplomatische Skandale. Anfang August drohte der Ex-Milit&auml;r, er werde im Fall seines Wahlsiegs die w&auml;hrend der Amtszeit Lulas im Jahr 2010 eingeweihte Botschaft Pal&auml;stinas zum Abzug aus Brasilien auffordern. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte er an (Bolsonaro promete retirar embaixada da Palestina do Brasil &ndash; O Estado de S&atilde;o Paulo, 07. August 2018), es k&ouml;nne in Brasilia keine pal&auml;stinensische Vertretung geben, &bdquo;weil Pal&auml;stina kein Land ist&ldquo; <em>(sic!)<\/em>.<\/p><p>Als Reaktion auf die Verf&uuml;gung des UN-Sachverst&auml;ndigen-Komitees f&uuml;r Menschenrechte zugunsten seines Rivalen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45628\">Luiz In&aacute;cio Lula da Silvas Wahlauftritt<\/a> polterte der Konfuser zehn Tage sp&auml;ter, er werde auch &bdquo;den Austritt Brasiliens aus den Vereinten Nationen&rdquo; betreiben (Bolsonaro diz que vai tirar Brasil da ONU se for eleito presidente &ndash; G1\/Globo News, 18. August 2018).<\/p><p>Drei Jahre zuvor hatte Bolsonaro in einem Interview Migranten, insbesondere syrische Fl&uuml;chtlinge in Brasilien, als &bdquo;den Abschaum der Menschheit&rdquo; bezeichnet (Bolsonaro chama refugiados de &ldquo;esc&oacute;ria do mundo&rdquo; &ndash; Zeitschrift Exame, 22. September 2015). Die ideologische Saat ging Mitte August 2018 im Grenzgebiet zu Venezuela auf: Ein wutentbrannter Mob griff zwei Lager mit venezolanischen Fl&uuml;chtlingen in der Stadt Paracaima an, setzte die Zelte der rund 2.000 Hilfesuchenden in Brand und schlug die zumeist notleidenden Venezolaner in die Flucht.<\/p><p><strong>Die Partei des Hate Speechs<\/strong><\/p><p>Trotz seiner verbalen Lobeshymnen auf &bdquo;die Bek&auml;mpfung der Korruption&ldquo; und dessen Mastermind, Richter S&eacute;rgio Moro, ist Bolsonaro bekannt als ge&uuml;btes Schlitzohr. Zu seiner Kandidatur-Aufstellung wechselte der Ex-Hauptmann in k&uuml;rzester Zeit von der sogenannten PSC (Christlich-Sozialen Partei) &uuml;ber die sogenannte PEN (Nationale &Ouml;kologische Partei) zur sogenannten PSL (Sozial-Liberalen Partei, mit maximal 10 Abgeordneten) zweimal seine parteipolitische Zugeh&ouml;rigkeit. Die Eigenschaftsbezeichnung &bdquo;sogenannt&ldquo; ist im Wirrwarr der brasilianischen Parteienlandschaft angemessen.<\/p><p>Den fahrl&auml;ssigen Wahlbeh&ouml;rden fiel nichts Besseres ein, als tats&auml;chlich 25 Parteien im Parlament zuzulassen, von denen mindestens 20 zumeist konservative Gruppierungen reine &bdquo;Miet-Parteien&ldquo; sind, wie der brasilianische Volksmund den fortgesetzten, politischen Kleiderwechsel von Parlamentariern bezeichnet, die aus opportunistischem Kalk&uuml;l pers&ouml;nlicher Vorteile und bar jedweder ideologischer und ethischer Prinzipien ihre Parteizugeh&ouml;rigkeit &bdquo;h&auml;ufiger als ihre Intimw&auml;sche wechseln&ldquo;. So auch Bolsonaro.<\/p><p>Verf&uuml;gt Bolsonaros PSL kaum &uuml;ber 10 Abgeordnete im Bundesparlament, muss jedoch vor dem Kleinreden seiner Bedeutsamkeit gewarnt werden. Mit nahezu 465.000 erzielten Stimmen bei der Wahl von 2014 geh&ouml;rt der im Jahr 1988 ohne Rentenanspruch und ehrlos aus den Streitkr&auml;ften entlassene, damalige Hauptmann zu den meistgew&auml;hlten brasilianischen Parlamentariern.<\/p><p>Seine W&auml;hlerbasis rekrutiert sich aus aktiven und pensionierten Milit&auml;rs und Polizisten, Teilen der unteren Mittelschichten und einer Schar nach Heldentaten sehns&uuml;chtiger, von primitivem Antikommunismus angetriebener, sozialer Verlierer, die <em>Law &amp; Order<\/em>, die kaltbl&uuml;tige Liquidierung von Kriminellen, Gewalt gegen Frauen und Schwule predigen und seit den Aufm&auml;rschen von 2014 gegen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff eine neue &bdquo;Milit&auml;r-Intervention&ldquo; einforderten.<\/p><p>Professioneller, jedenfalls gerissener als die brasilianische Linke, beherrschen seine Anh&auml;nger die sozialen Netzwerke und eine Legion von Internet-Seiten verbreitet millionenfach <em>online<\/em> des Hauptmanns <em>fake news<\/em> und Hasspredigten. Des ehemaligen Milit&auml;rs unheilvolle Profilmischung ist eine brasilianische Variante des weltweiten <em>Zeitgeists<\/em> verbl&ouml;deter, stumpfsinniger, krakeelender und um sich schlagender Fortschrittsfeinde, von Gegnern multikultureller Gesellschaften und des demokratischen Rechtsstaats.<\/p><p>Bolsonaros brutale Schm&auml;hrufe und menschenfeindliche Beschimpfungen sind weltweit kaum zu &uuml;berbieten. Sie reichen von Hoheliedern auf die blutigen lateinamerikanischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts, &uuml;ber Erniedrigungen von Frauen und Homosexuellen, bis zu rassistischen Ausf&auml;llen gegen schwarze Brasilianer und Indianer.<\/p><p>Hier einige Kostproben:<\/p><ul>\n<li><em>&bdquo;Ich pflege Vorurteile, und bin sehr stolz darauf&ldquo;<\/em>, gestand er 2011 in einem Interview mit der Zeitschrift &Eacute;poca.<\/li>\n<li><em>&bdquo;Ich bin Armee-Hauptmann, meine Mission ist es zu t&ouml;ten&rdquo;<\/em> (Vortrag in Porto Alegre, Juni 2017).<\/li>\n<li><em>&bdquo;Der Fehler der Diktatur war, dass sie folterte und nicht t&ouml;tete&rdquo;<\/em> (Im Programm von Radio Jovem Pan, Juli 2016).<\/li>\n<li><em>&bdquo;Pinochet h&auml;tte mehr Menschen umbringen sollen&rdquo;<\/em> (Im Interview mit der Zeitschrift Veja, Ausgabe 1575, 02. Dezember 1998).<\/li>\n<li><em>&bdquo;Zur Zeit der Diktatur h&auml;tten sie ruhig 30.000 korrupte Typen erschie&szlig;en sollen, angefangen mit Pr&auml;sident Fernando Henrique&rdquo;<\/em> (In einem Fernsehprogramm vom Mai 1999, als Bolsonaro die Schlie&szlig;ung des Parlaments forderte).<\/li>\n<li><em>&bdquo;Ihr vermisst Angeh&ouml;rige? Wer Knochen sucht, sind Hunde&ldquo;<\/em> (Zu Familienangeh&ouml;rigen von verschwundenen politischen H&auml;ftlingen der Diktatur, Mai 2009).<\/li>\n<li><em>&bdquo;Ich w&auml;re dazu unf&auml;hig, ein homosexuelles Kind zu lieben. Ich w&uuml;rde lieber einen meiner S&ouml;hne bei einem Unfall sterben lassen, als ihn mit einem Schnurrbart schmusen zu sehen&rdquo;<\/em> (Im Interview mit Playboy Magazin, Dezember 2011).<\/li>\n<\/ul><p>Zum Thema Homosexualit&auml;t sagte er kategorisch, nachdem Ex-Pr&auml;sident F. H. Cardoso im Mai 2002 eine Flagge mit den Regenbogen-Farben zum Schutz gleichgeschlechtlicher Ehen hochgehalten hatte:<\/p><ul>\n<li><em>&bdquo;Dagegen k&auml;mpfen oder diskriminieren werde ich nicht, wenn ich aber zwei M&auml;nner auf der Stra&szlig;e sehe, die sich k&uuml;ssen, werde ich zuschlagen&rdquo;.<\/em><\/li>\n<li><em>&bdquo;Frauen sollten weniger verdienen, weil sie schwanger werden. Wenn sie [aus dem Mutterschaftsurlaub] zur&uuml;ckkehren, werden sie einen weiteren Monat Urlaub haben, was bedeutet, dass sie nur f&uuml;nf Monate in einem Jahr gearbeitet haben&ldquo;<\/em> (Im Interview mit der Zeitung Zero Hora, Februar 2015).<\/li>\n<li><em>&bdquo;Ich vergewaltige Dich nicht, weil Du es nicht verdient hast.&rdquo;<\/em> (Zur Abgeordneten der Arbeiterpartei, Maria do Ros&aacute;rio, im Dezember 2014).<\/li>\n<\/ul><p>Am 17. April 2016 war Jair Bolsonaro einer der Wortf&uuml;hrer des parlamentarischen Putschs gegen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff, die er wiederholt, doch bei dieser Gelegenheit  besonders mit einem Lobeslied auf ihren Folterer &ndash; den f&uuml;r die Ermordung von mindestens  50 politischen Gefangenen beschuldigten Oberst Carlos Alberto Brilhante&nbsp;Ustra &ndash; beleidigte. <\/p><p>W&auml;hrend der Abstimmung &uuml;ber die Amtsenthebung <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iUbI4cJv-NI\">schrie der Rechtsradikale<\/a> in die Mikrofone:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;An diesem ruhmreichen Tag &hellip; gibt es einen Mann, der in die Geschichte eingehen wird &ndash; Herzlichen Gl&uuml;ckwunsch, Parlamentspr&auml;sident Eduardo Cunha! Sie [die Linken] haben 1964 verloren und verlieren noch einmal im Jahr 2016. Im Namen der Familie und der Unschuld der Kinder, die von der PT verachtet wurden, gegen den Kommunismus, das S&atilde;o-Paulo-Forum [linker Regierungen Lateinamerikas] und im Ged&auml;chtnis an Oberst Brilhante Ustra, stimme ich Ja [zur Amtsenthebung Dilma Rousseffs]!&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Bolsonaros Strafregister<\/strong><\/p><p>Gegen den Heeres-Hauptmann waren bis 1988 vom Obersten Milit&auml;rgericht (STM) Brasiliens 11 Ermittlungsverfahren, einstweilige Verf&uuml;gungen, Petitionen und Strafma&szlig;nahmen wegen &bdquo;schwerer Verst&ouml;&szlig;e gegen die Armee-Disziplin&ldquo; eingeleitet worden. Doch ein wahrlich explosiver Fall erreichte Jahre sp&auml;ter auch den Obersten Gerichtshof (STF).<\/p><p>In einem Artikel und einer darauffolgenden Reportage des Nachrichtenmagazins VEJA aus dem Jahr 1986 hatte der damals Uniformierte &uuml;ber einen heiklen Geheimplan geplaudert. Im Klartext: Bolsonaro hatte einen terroristischen Anschlag geplant. Aus dem 96-seitigen Bericht des Armee-Geheimdienstes (CIE) mit dem Aktenzeichen Nr. 394\/1990 geht hervor, dass als &bdquo;Signal der Unzufriedenheit&ldquo; mit dem Soldanpassungs-Programm der Armee Bomben in Kasernen und Rios Wasser-Hauptversorgungssystem hochgehen sollten (Exclusivo: Os documentos do Ex&eacute;rcito sobre a expuls&atilde;o de Bolsonaro da Escola de Oficiais ap&oacute;s plano terrorista &ndash; Diario do Centro do Mundo, 07. November 2017).<\/p><p>VEJA gelang der Zugang zu handgezeichneten Skizzen Bolsonaros, auf denen die Guandu-Pipeline zur Wasserversorgung Rio de Janeiros erkennbar ist, die mit einer elektrisch gez&uuml;ndeten Ladung Dynamit in die Luft gesprengt werden sollte. Bolsonaro bestritt die VEJA-Reportage mit der Behauptung, Reporterin und Text-Autorin C&aacute;ssia Maria &bdquo;niemals gesehen&ldquo; zu haben. Dem Nachrichtenmagazin gelang es jedoch, den Hauptmann der L&uuml;ge zu &uuml;berf&uuml;hren, die Journalistin konnte sehr wohl zwei Treffen in der Wohnung des Milit&auml;rs in Gegenwart von Zeugen beweisen.<\/p><p>Gutachter der Bundespolizei (Pol&iacute;cia Federal) gelangten zur eindeutigen Schlussfolgerung, dass die Notizen und Skizzen sehr wohl aus der Feder Bolsonaros stammten. Drei Oberste unterzeichneten zudem eine Erkl&auml;rung, in der sie Bolsonaro &bdquo;unmoralisches Verhalten&ldquo; vorwarfen, insbesondere das Zuspielen von Insiderwissen an die Presse, &bdquo;das mit dem milit&auml;rischen Ehrenkodex und dem Anstand der Waffengattung unvereinbar&ldquo; sei.<\/p><p>Der Beschuldigte hingegen bestritt systematisch, der Mastermind des geplanten Anschlags gewesen zu sein, der zahllosen Menschen das Leben gekostet h&auml;tte, und legte beim Obersten Milit&auml;rgericht (STM) Berufung ein. Wie im Brasilien der grassierenden Straflosigkeit nicht anders zu erwarten, erkl&auml;rte das STM mit 8:4 Stimmen den potenziellen Attent&auml;ter f&uuml;r &bdquo;nicht schuldig&rdquo;. Die Bestrafung f&uuml;r die unerlaubte Weitergabe von Hinweisen &uuml;ber innere Angelegenheiten des Heeres belie&szlig; das Gericht bei 15 Tagen sanften Arrests.<\/p><p>&bdquo;Ich hatte nicht vor, in die Politik zu gehen, der Fall hat mir aber geholfen, weil ich bekannt war&ldquo;, br&uuml;stete sich Bolsonaro 2014 gegen&uuml;ber der Presse und erkl&auml;rte fast 30 Jahre nach dem Attentatsplan, anstatt ihn in der &Ouml;ffentlichkeit zu disqualifizieren, h&auml;tten jene Meutereien in der Kaserne ihm umgekehrt geholfen, Ber&uuml;hmtheit zu erlangen und gew&auml;hlt zu werden.<\/p><p><strong>Steve Bannon als Wahlberater?<\/strong><\/p><p>Bolsonaro wird maximal 10 Sekunden Werbezeit f&uuml;r Radio und Fernsehen haben. Nach brasilianischem Wahlrecht wird die Zeit f&uuml;r Medienauftritte einer Partei nach der Anzahl ihrer Sitze im Parlament bemessen. Vor den Wahlen 2014 besa&szlig; die Schrumpfpartei PSL gerade mal 2, seitdem besitzt sie 10 Abgeordnete; die Mindestanforderung f&uuml;r Bolsonaros Teilnahme an Fernsehdebatten. Als zahlenm&auml;&szlig;ig zweitgr&ouml;&szlig;ter Parlaments-Fraktion, mit 61 Abgeordneten, stehen Lulas Arbeiterpartei (PT) immerhin 11,5 der insgesamt 95 Minuten politischer Werbezeit im Fernsehen zur Verf&uuml;gung.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180829-Bolsonaro-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Bolsonaro versucht daher, seine Benachteiligung mit anderen Mitteln auszubalancieren. So registrierte ein Stromwerkzeug f&uuml;r Internet-Verkehr, dass der Hashtag #JairMessiasBolsonaro &ndash; mit angeblichen 1,29 Millionen Followern auf Twitter &ndash; nicht nur in Brasilien, sondern in Kathmandu und Zypern operiert, was auf den Einsatz von Robotern hindeutet.<\/p><p>K&ouml;nnte Steve Bannon ein subtiler Hinweis auf &bdquo;andere Mittel&ldquo; sein? Eine entsprechende Anspielung machte Bolsonaros Sohn Eduardo <a href=\"https:\/\/twitter.com\/BolsonaroSP\/status\/1025718449425788929\">mit einem Tweet<\/a> vom vergangenen 3. August. &bdquo;Ich traf Steve Bannon @SteveKBannon, @realDonaldTrump Trumps-Kampagnenstratege. Wir besprachen Verschiedenes und kamen zu dem Schluss, dass wir die gleiche Weltanschauung hatten. Er sagte, er sei begeistert von der Bolsonaro-Kampagne. Wir stehen in Kontakt und b&uuml;ndeln Kr&auml;fte, haupts&auml;chlich gegen den kulturellen Marxismus&ldquo;, prahlte der freigestellte Polizist und Parlamentarier, wie sein Vater, mit einem Foto an der Seite Bannons.<\/p><p>Seitdem sind in sozialen Netzwerken, jedoch auch in internationalen Medien (Ex-estrategista de Trump avan&ccedil;a na frente europeia e entra na mira da campanha de Bolsonaro &ndash; El Pa&iacute;s, 06. August 2018) Hinweise auf eine angebliche Berater-Funktion des ehemaligen Chefstrategen Donald Trumps f&uuml;r Bolsonaros Pr&auml;sidentschaftskampagne im Umlauf. Der Ex-Banker Bannon habe sich zur Verf&uuml;gung gestellt, doch dies &bdquo;bedeute nat&uuml;rlich nichts Finanzielles. Wir haben diesen Punkt sehr deutlich gemacht. Die Unterst&uuml;tzung wird sich auf Internet-Tipps, Analyse, Daten-Interpretation, diese Art von Dingen erstrecken&ldquo;, erkl&auml;rte Bolsonaros Sohn.<\/p><p>&bdquo;Bolsonaros Mission in Brasilien&rdquo; wiege schwerer als Trumps Pr&auml;sidentschaftskampagne, soll wiederum Bannon erkl&auml;rt haben, was als Hinweis auf die strategische Bedeutung der brasilianischen Wahl f&uuml;r die Geopolitik des US-amerikanischen Deep State und Big Money verstanden werden soll. &bdquo;Mit Lulas bevorstehender Verhaftung sollten die brasilianischen Konservativen es ernst nehmen mit Jair Bolsonaro&ldquo;, betitelte Bannons rechtsradikale Postille Breitbart bereits im April eine seitenlange Warnung der exilkubanischen Polit-Agitatorin Frances Martel (With Lula Arrest Imminent, Brazil&rsquo;s Conservatives Need Jair Bolsonaro to Get Serious&ldquo; (Breitbart, 06. April 2018).<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;W&auml;hrend Lula als &sbquo;Mann des Volkes&lsquo; agierte und die Stimme der Armen vertrat, w&auml;hrend er sein Geld f&uuml;r ein Luxushotel am Strand ausgab (sic!), hat sich Bolsonaro f&uuml;r Recht und Ordnung, Familienwerte und den Widerstand gegen den Sozialismus eingesetzt. F&uuml;r ein Nachbarland Venezuelas ist dieser letzte Punkt entscheidend.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Auf dem Papier bietet Bolsonaro dem niedergeschlagenen brasilianischen W&auml;hler genau das an, was er seit Jahren verlangt: Unterst&uuml;tzung f&uuml;r eine so armselige Polizei, die um Toilettenpapier bitten muss, eine lautstarke Opposition gegen das Maduro-Regime, das Brasiliens korrupteste Bev&ouml;lkerung bereicherte und gleichzeitig sein eigenes Volk verarmte. Ferner, &hellip; Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Grunds&auml;tze des freien Marktes und einen Plan zur Anziehung ausl&auml;ndischer Investitionen durch Bek&auml;mpfung der Korruption. F&uuml;r amerikanische Konservative wird Bolsonaros Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Waffenrechte und &sbquo;Familienwerte&lsquo; ebenfalls attraktiv sein&ldquo;, fasste Martel exemplarisch den plumpen, doch auch aggressiven <em>Mindset<\/em> der rechtsradikalen Wende-Strategen zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180829-Bolsonaro-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Verschiedentlich wurde in brasilianischen Medien spekuliert, die &bdquo;Kommandozentrale&rdquo; des parlamentarischen Putschs, der vor zwei Jahren Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthob, werde vor dem Hintergrund wachsender sozialer Proteste, insbesondere jedoch wegen dem unaufhaltsamen Popularit&auml;ts-Hoch von Ex-Pr&auml;sident Luiz In&aacute;cio Lula da Silva, die f&uuml;r den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45740\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[122,20,125,190],"tags":[1276,2095,2454,1613,2102,1959,1256,2056,233,273,663,826,1943,1347],"class_list":["post-45740","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demoskopieumfragen","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","category-wahlen","tag-attentat","tag-bannon-steve","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-geostrategie","tag-hate-speech","tag-homosexualitaet","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-marktliberalismus","tag-privatvorsorge","tag-putsch","tag-rassismus","tag-rousseff-dilma","tag-wahlkampf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45740"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45740\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48066,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45740\/revisions\/48066"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}