{"id":45753,"date":"2018-08-30T09:16:45","date_gmt":"2018-08-30T07:16:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45753"},"modified":"2019-06-03T07:39:16","modified_gmt":"2019-06-03T05:39:16","slug":"des-saechsisch-christlichen-ministerpraesidenten-angst-vor-den-fremdvoelkern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45753","title":{"rendered":"Des s\u00e4chsisch-christlichen Ministerpr\u00e4sidenten Angst vor den Fremdv\u00f6lkern"},"content":{"rendered":"<p>Die Vorkommnisse, die sich vor wenigen Tagen im s&auml;chsischen Chemnitz abgespielt haben, bestimmen auch heute noch die Debatte.  Gerne wird dabei pauschal gegen die Sachsen ausgeteilt und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45722\">verallgemeinert, was das Zeug h&auml;lt<\/a>. Das ist zu kritisieren. Dennoch l&auml;sst sich nicht von der Hand weisen, dass es in Sachsen ein Problem mit Rechtsextremismus und mit Fremdenfeindlichkeit gibt. Warum dies so ist, ist eine spannende Frage. <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> versucht der Frage auf unkonventionelle Art und Weise n&auml;herzukommen; mit einem Bericht &uuml;ber Kurt Biedenkopfs Alptraum und dessen Vorgeschichte.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_519\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-45753-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180830_Des_saechsisch_christlichen_Ministerpraesidenten_Angst_vor_den_Fremdvoelkern_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180830_Des_saechsisch_christlichen_Ministerpraesidenten_Angst_vor_den_Fremdvoelkern_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180830_Des_saechsisch_christlichen_Ministerpraesidenten_Angst_vor_den_Fremdvoelkern_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180830_Des_saechsisch_christlichen_Ministerpraesidenten_Angst_vor_den_Fremdvoelkern_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=45753-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180830_Des_saechsisch_christlichen_Ministerpraesidenten_Angst_vor_den_Fremdvoelkern_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180830_Des_saechsisch_christlichen_Ministerpraesidenten_Angst_vor_den_Fremdvoelkern_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir wohnten in unserem Haus am Chiemsee; der Garten war &auml;hnlich wie in Wirklichkeit, aber weitl&auml;ufiger. Am hinteren Gartentor standen einige Menschen brauner Hautfarbe. Sie hatten das Tor ge&ouml;ffnet, z&ouml;gerten aber, in den Garten einzudringen. Pl&ouml;tzlich kamen weitere Menschen in wei&szlig;en Gew&auml;ndern, zum Teil mit Turbanen und wei&szlig;en Kopfbedeckungen. Sie warfen Abfall in den Garten, zum Teil in zerbeulten Beh&auml;ltnissen. Eines dieser Beh&auml;ltnisse flog in die N&auml;he des Hauses und fing an zu brennen. Die Menschen fingen an, in den Garten einzudringen. Ihnen voran kam ein kr&auml;ftig gewachsener gro&szlig;er Mann mit wei&szlig;em Turban und wei&szlig;em Gewand auf mich zu. Er hielt einen schweren Gegenstand in der Hand, mit dem er mich angreifen wollte.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das trug am 12. September 1990 ein gewisser Kurt Biedenkopf in sein Tagebuch ein. Was er da aufschrieb, war ein Traum gewesen. &bdquo;Gegen Morgen hatte ich einen merkw&uuml;rdigen Traum&ldquo;, schrieb er im Wachzustand und schrieb ihn dann auf. <\/p><p>Wer war dieser Biedenkopf? Und warum und wo tr&auml;umte er damals so etwas? Und warum fand er es so wichtig, um es zehn Jahre sp&auml;ter in seinem Buch &bdquo;1989-1990. Ein deutsches Tagebuch&ldquo; zu ver&ouml;ffentlichen? (Siedler Verlag in der Verlagsgruppe Bertelsmann, Berlin 2000 &ndash; &uuml;brigens, wie sich sp&auml;ter herausstellte, &uuml;bernahm der Verlag die Ver&ouml;ffentlichung nur mithilfe einer hohen Subvention aus der s&auml;chsischen Staatskasse). Wir m&uuml;ssen etwas ausholen, denn vieles, was heute hochkommt, hat eine Vorgeschichte, die schon mal in Vergessenheit geraten kann. <\/p><p><strong>Wahlkampf im eroberten Sachsen<\/strong><\/p><p>Damals k&auml;mpfte der Tr&auml;umer als CDU-Spitzenkandidat um den Wahlsieg in Sachsen. Der neu ausgerufene Freistaat Sachsen sollte nach der &bdquo;Wende&ldquo; zur freieren Welt r&uuml;ckerobert werden. Zwischen seinen Wahlkampfauftritten erholte sich der christliche Million&auml;r in seiner Villa in &Uuml;bersee, einer Promi-Enklave am idyllischen Chiemsee, tief im verwandten Freistaat Bayern. <\/p><p>1989 hatte dem Tr&auml;umer sein Freund, der K&ouml;lner Bauunternehmer Heinz Barth, eine Gastprofessur an der Universit&auml;t Leipzig finanziert. Da konnte sich Biedenkopf mit marktwirtschaftlichem Ges&auml;usel bei den Sachsen bekannt machen. Die Transfers zwischen der sch&ouml;nen Welt am bayerischen Seeufer und dem armen Osten besorgte Barth mit seinem Firmen-Learjet. So gewann Biedenkopf die Wahl und wurde s&auml;chsischer Ministerpr&auml;sident. W&auml;hrend dieser beiden Jahre f&uuml;hrte Biedenkopf sein Tagebuch. <\/p><p>Zur weiteren Vorgeschichte geh&ouml;rt noch Folgendes: Sponsor Barth stammte aus Zwickau und war aus der DDR in den Westen gefl&uuml;chtet. Biedenkopfs Familie &ndash; sein Vater war bis zum bitteren Ende Direktor im NS-Musterbetrieb Buna\/Chemnitz gewesen, der auch eine Niederlassung in Auschwitz betrieb &ndash; hatte sich schon vor der DDR-Gr&uuml;ndung aus verst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden in den christlich gewendeten deutschen Westen davongemacht. Mit CDU-Parteibuch und Studium in den USA wurde Biedenkopf zum &bdquo;Querdenker&ldquo;, als der er z.B. sp&auml;ter auch von Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der gesch&auml;tzt wurde. Zur Bildung einer Querfront machte der SPD-Mann Schr&ouml;der den CDU-Querdenker 2005 zum Vorsitzenden der Kommission zur Reform der Unternehmensmitbestimmung.<\/p><p>Den Querdenker-Ruf hatte er sich verdient, weil er in den 1970er Jahren im bundesrepublikanischen Westen sich moderner gab als der br&auml;sige Parteivorsitzende Helmut Kohl. So hatte Biedenkopf die gewerkschaftliche Mitbestimmung nicht rundweg abgelehnt, sondern daf&uuml;r gesorgt, dass 1972 das Betriebsverfassungsgesetz &ndash; mit Zustimmung der SPD &ndash; politisch flachgehalten wurde, die Betriebsr&auml;te aber mehr Informationsrechte im Betrieb erhielten. Biedenkopf war bis 1973 in der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung des Waschmittelkonzerns Henkel, bevor er zum Posten des CDU-Generalsekret&auml;rs querte. In elit&auml;ren Zirkeln wie der &bdquo;Trilateralen Kommission&ldquo; br&uuml;tete er mit gleichgesinnten Querdenkern wie Henry Kissinger &uuml;ber neuartige antidemokratische Szenarien. <\/p><p><strong>Unangenehmer Besuch im armen Altersheim<\/strong><\/p><p>Bereits eine Stunde nach dem Traum, so der Tagebuchschreiber 1990, sei er mit Barths Learjet nach Osten geflogen worden. Er besuchte ein verfallendes Altersheim im Dresdner Stadtteil Grobitz (der &Uuml;berflieger schrieb im Tagebuch den Namen des Stadtteils falsch &ndash; richtiger Name: Gorbitz). Die 250 alten Menschen haben sich &uuml;ber die Zusammenlegung in Zweibettzimmern beklagt, schrieb der Wahlk&auml;mpfer in sein Tagebuch. Der Heimleiter habe sich beklagt, dass er kein Geld habe, um im Hof wenigstens ein bisschen Gr&uuml;n anzulegen. Doch Biedenkopf habe Rettung versprochen: &bdquo;Ich versprach, zuk&uuml;nftige Investoren in Dresden zu bewegen, das Problem zu l&ouml;sen.&ldquo; <\/p><p>Biedenkopf hatte in seiner Dresdner Regierungszeit zun&auml;chst seinen Freund, den Investor Barth, mit Bauauftr&auml;gen &uuml;berh&auml;uft. Dessen Paunsdorf-Center beg&uuml;nstigte der Ministerpr&auml;sident mit einem unter der Hand verbilligten Grundst&uuml;ck. Er garantierte zudem die Auslastung des Centers durch die Anmietung von B&uuml;ros f&uuml;r s&auml;chsische Beh&ouml;rden, und zwar zum &uuml;berteuerten Mietpreis. Sachsen war unter Biedenkopf das Eldorado f&uuml;r staatliche Subventionen an westliche Investoren, die sich mit ausgelagerten Niedriglohn-Arbeitspl&auml;tzen bedankten. Der M&uuml;nchner Baul&ouml;we Max Schlereth jonglierte Biedenkopf und verwandtschaftlichen Anhang gerne an mittelmeerische Urlaubsziele, denn der Ministerpr&auml;sident hielt seine Hand gn&auml;dig auch &uuml;ber Schlereths Projekte bei Biedenkopfs Wahlvolk, wie der Spiegel gen&uuml;&szlig;lich und ohne wirkliche Kritik ausbreitete. <\/p><p>Auch selbst griff der Ministerpr&auml;sident gern in die Staatskasse, nicht nur f&uuml;r den Druck seines fremdenfeindlichen Tagebuchs. So auch etwa f&uuml;r private Dienste, die staatliches Personal in der von ihm in Dresden bewohnten Villenanlage unter dem Kommando von Frau Ingrid absolvieren musste. Daneben nutzte sie auch mal den ministerpr&auml;sidentlichen Dienstwagen f&uuml;r private Zwecke, etwa den verbilligten Einkauf bei IKEA. F&uuml;r die Einliegerwohnung in seiner Villa am Chiemsee &ndash; dort hielten sich seine Personensch&uuml;tzer gelegentlich auf &ndash; verlangte der Sch&uuml;tzenswerte eine Miete von 120.000 Mark von seinem Staat. &Uuml;brigens, um es nicht zu vergessen: Der s&auml;chsische Ministerpr&auml;sident wurde damals auch Mitglied im Aufsichtsrat der als Aktiengesellschaft von Dow Chemical neu eroberten Buna-Werke.<\/p><p><strong>Querfront<\/strong><\/p><p>Der Traum, so notierte der Gesponserte damals im Wachzustand weiter, bevor er die n&ouml;rgelnden Alten in Grobitz bzw. Gorbitz mit seiner Investorenwerbung zu tr&ouml;sten versuchte: &bdquo;Dann endete der Traum. Ich habe in der Vergangenheit viel &uuml;ber die Gefahr eines Einwanderungsdrucks aus dem S&uuml;den auf Europa gesprochen. Dies war wohl eine Umsetzung dieser Gedanken in Bilder.&ldquo; &Uuml;ber diese Umzingelung durch kn&uuml;ppelschwingende Turbantr&auml;ger aus dem S&uuml;den und n&ouml;rgelnde Altenheimbewohner aus dem Osten hat er damals und seitdem also &bdquo;viel gesprochen&ldquo;.<\/p><p>Biedenkopfs Traum und Gespr&auml;che sind offensichtlich angekommen oder geerntet worden, auch bei  Demagogen und Straft&auml;tern der unteren Ebene. Eines Querdenkers Querfront. Man hat ja wohl mal zu tr&auml;umen gedurft haben, in einem Land, das man befreien wollte vom B&ouml;sen.<\/p><p><em>Leicht &uuml;berarbeiteter Nachdruck aus: Werner R&uuml;gemer: Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet&hellip; Transatlantische Sittenbilder aus Politik und Wirtschaft, Geschichte und Kultur. K&ouml;ln 2017, 2. Auflage, S. 160ff.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorkommnisse, die sich vor wenigen Tagen im s&auml;chsischen Chemnitz abgespielt haben, bestimmen auch heute noch die Debatte. 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