{"id":45776,"date":"2018-09-01T11:45:39","date_gmt":"2018-09-01T09:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45776"},"modified":"2018-09-03T07:19:17","modified_gmt":"2018-09-03T05:19:17","slug":"leserbriefe-zu-lasst-uns-sachsenversteher-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45776","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eLasst uns Sachsenversteher werden!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Artikel &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45722\">Lasst uns Sachsenversteher werden!<\/a>&rdquo; von Jens Berger rief ein au&szlig;ergew&ouml;hnlich starkes Echo bei den Lesern hervor, was wohl teils an seiner Sichtweise und teils an der Intensit&auml;t der Vorkommnisse in Chemnitz selbst liegt. Die weit auseinanderliegenden Ansichten in den Leserbriefen zeigen einmal mehr, dass es sich um ein hoch komplexes Thema handelt. Dies in einer Welt, in der wir uns als Menschheit eher auf Konflikte zubewegen zu scheinen, als nach deren L&ouml;sung zu suchen, im Dialog miteinander. Diese Leserbriefsammlung ist aufgrund der vielen Zuschriften recht lang ausgefallen. Vielen Dank an alle Leser, die uns geschrieben haben!  Zusammengestellt von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>ich kann ihren Groll gegen die Salon-Linken aus dem sog. Juste-Milieu und ihre medialen Vertreter &ndash; wie Jakob Augstein &ndash; sehr gut nachvollziehen. Auch ich &auml;rgere mich in M&uuml;nchen oft genug &uuml;ber die gr&uuml;ne Schickeria.<\/p><p>Aber mit diesem Artikel gehen Sie eindeutig zu weit!<\/p><p>Was ist ihre Absicht? M&ouml;chten Sie dem braunen Gewalt-Mob, der durch Chemnitz marodiert etwa Dispens qua sozialer Bedingungen erteilen? Unter dem Motto: Du hattest eine schwere Kindheit, jetzt tob dich ruhig mal auf der Sta&szlig;e aus?<\/p><p>Sie fordern Verst&auml;ndnis f&uuml;r Leute die Hetzjagden auf Fremde veranstalten und nach Lynchjustiz schreien? Nat&uuml;rlich ist die soziale Lage die Erkl&auml;rung f&uuml;r diese Entwicklungen &ndash; aber doch keine Entschuldigung. Mit dem gleichen Argument k&ouml;nnten auch arabische Clans ihre Drogen-Deals rechtfertigen. Schlie&szlig;lich kamen die zun&auml;chst auch von ganz unten.<\/p><p>F&uuml;r mich liegt der Skandal weniger in den Aufm&auml;rschen der Chaoten, als in der offensichtlich wohlwollenden Duldung durch die stillschweigende Mehrheit der Sachsen, bis hinauf in Polizei, Verwaltung und Politik. Wie sich auch in den Wahlergebnissen zeigt, tendiert Sachsens Bev&ouml;lkerung zum Rechtsradikalismus mit Tendenz zum Rechtsextremismus. Warum sollte man daf&uuml;r Verst&auml;ndnis haben?<br>\nSchlie&szlig;lich gibt es auch in Westdeutschland soziale Brennpunkte: warum gibt es keine Nazi-Aufm&auml;rsche in Dortmund, Bremerhaven oder Hamburg-Wilhelmsburg?<\/p><p>Sie haben v&ouml;llig recht: die Wut und der Hass richtet sich gegen die Falschen. Aber was ist mit der &bdquo;Denkfaulheit&ldquo; der Sachsen? Selbst mit der geringsten Schulbildung und ohne je das Wort &bdquo;Manifestation&ldquo; geh&ouml;rt zu haben, kann man verstehen, dass die Herkunft oder das Aussehen eines Menschen kein Grund sind, ihn tot zu schlagen.<br>\nEs ist keine Frage der &ouml;konomischen Potenz, ob ich verwirrten jungen Menschen Werte wie Solidarit&auml;t und N&auml;chstenliebe vorlebe. Aber genau das tun die Sachsen in ihrem unertr&auml;glichen Selbstmitleid nicht. Die Haltung des typischen Pegidisten ist vielmehr: ich m&ouml;chte nicht die Sklavenhaltung abschaffen; ungerecht ist nur, dass ICH nicht zu den Sklaventreibern geh&ouml;re.<\/p><p>Daf&uuml;r kann ich beim besten Willen nicht das geringste Verst&auml;ndnis aufbringen. Vielmehr hei&szlig;t es hier: Wehret den Anf&auml;ngen!!<\/p><p>Mit Gr&uuml;&szlig;en aus Taufkirchen<br>\nMartin Sutor<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Jens Berger,<\/p><p>den &uuml;berwiegenden Teil Ihrer Beitr&auml;ge in den Nachdenkseiten sch&auml;tze ich sehr. Da kann es ja auch mal passieren, dass ein Beitrag etwas daneben geht. Dies trifft f&uuml;r mich f&uuml;r den o. g. Beitrag zu den aktuellen Ausschreitungen in Chemnitz aber auf jeden Fall zu. Vorweg r Einordnung meiner Mail, Ich geh&ouml;re nicht zu denen, die wie Jacob Augstein im &bdquo;Spermienlotto 6 Richtige mit Zusatzzahl&ldquo; gezogen haben, sondern entstamme einem Arbeiterhaushalt.<\/p><p>Was mir nicht einsichtig ist sind die &bdquo;besorgten B&uuml;rger&ldquo; die sich ohne Ber&uuml;hrungsangst zu den &bdquo;Pimmeln mit Ohren&ldquo; gesellen und gegen die Pogromstimmung offenbar nicht viel einzuwenden haben. Dazu z&auml;hlen auch die PEGIDA-Anh&auml;nger, die in Dresden &bdquo;Absaufen, Absaufen&ldquo; rufen, oder in Freital schreiend und drohend einen Bus mit Fl&uuml;chtlingen blockieren. Ich bin der &Uuml;berzeugung, dass es in Sachsen einen &uuml;berproportional hohen Anteil von Menschen gibt, die sich von der Linken nicht mehr ansprechen lassen. Lesen Sie mal die Zuschriften auf PI und die dort vorherrschenden Bezeichnungen f&uuml;r die Linke mit &bdquo;Mauerm&ouml;rder&ldquo; und &bdquo;SED&ldquo;. Die Begeisterung f&uuml;r die AfD als &bdquo;letzte Rettung&ldquo; Deutschlands begr&uuml;ndet sich bei den Kommentierenden in der Asylpolitik dieser Partei. Die sozialpolitischen Vorstellungen der AfD sind den Kommentierenden offenbar v&ouml;llig egal, dazu habe ich noch nie einen Kommentar gelesen. Die fremdenfeindliche Grundstimmung werden Sie beim Gro&szlig;teil dieser Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ver&auml;ndern k&ouml;nnen, da es bei diesen Zeitgenossen meist darum geht, das deutsche Volk vor dem Untergang durch die geplante &bdquo;Umvolkung&ldquo; zu bewahren. Bei solchen Menschen will ich auch kein &bdquo;Sachsenversteher&ldquo; oder anderweitiger Versteher werden, sondern bin schon froh, wenn ich als &bdquo;linke Zecke&ldquo; mit Sympathie f&uuml;r die &bdquo;Mauerm&ouml;rderpartei&ldquo; vor t&auml;tlichen Angriffen dieser Menschen verschont bleibe.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nHans G&ouml;&szlig;ler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger,<br>\n&nbsp;<br>\nden apostrophierten epischen Rechtsruck sehe ich hier im Ruhrgebiet schon lange auf uns zu kommen und ich finde, dass diese Diskussion endlich offener gef&uuml;hrt werden muss.<\/p><p>Ganz viele Menschen in meinem Umfeld, die nie verd&auml;chtig waren nationalsozialistisch zu denken, geben sich die vermeintliche Bl&ouml;&szlig;e, dass sie &ndash; im Sinne&nbsp; der direkten &Uuml;bersetzung &ndash; immer wieder &Auml;usserungen der G&uuml;te &rdquo; uns soll es besser gehen als denen &rdquo; von sich geben.<br>\n&nbsp;<br>\nMit den meisten kann man dar&uuml;ber reden und irgendwann, sp&auml;testens bei der Frage warum man sich nicht die Politkmacher als B&ouml;sewichte aussucht, kann ich so etwas wie Einsicht erkennen. Es sind ( ich bin 57 Jahre alt ) die durch die Agenda 2010 &rdquo; Abgeh&auml;ngten &ldquo;, die schon drei&szlig;ig Jahre gearbeitet haben und sich berechtigt vom Staat verarscht vorkommen und bei mangelndem intellektuellen Horizont und mangelndem Informationstand die Ausgrenzung vornehmen und dem noch Schw&auml;cheren die Schuld f&uuml;r das eigene Dilemma geben.<br>\n&nbsp;<br>\nEs sind die &Auml;ngste und die un&uuml;bersehbaren sozialen Einschnitte der Vergangenheit, die die Menschen, die sich eben nicht anders artikulieren k&ouml;nnen, in die rechte Ecke treibt.<\/p><p>Und davon, gibt es m.E. im Ruhrgebiert genug. Nur der Umstand, dass wir es seit den 1970er Jahren gelernt haben, Migranten in unseren Alltag zu integrieren, wird den epischen Rechtsruck des Ruhrgebietes noch ein wenig hinausz&ouml;gern.<br>\n&nbsp;<br>\nIch kenne so gut wie keinen Menschen mehr, der hier nicht die Schnauze voll hat und sagt: Das wird uns hier alles zu viel. Keine Lohnerh&ouml;hungen, keine ausk&ouml;mmlichen Renten, eine schlechte Infrastruktur etc. pp und dann &ndash; ich vermute im Bundesschnitt &uuml;berproportional &ndash; zu viele Ausl&auml;nder. Noch gibt es genug Brot und Spiele, aber so eine eindeutige negative Tendenz habe ich bisher hier nie wahrgenommen.<br>\n&nbsp;<br>\nSo kommt es mir wie eine Farce vor, dass die Partei, die f&uuml;r mich als Pazifist als einzige Partei w&auml;hlbar ist, wegen ihrer vermeintlich restriktiven Fl&uuml;chtlingspolitischen Ideen in die rechte ( Querfront-) Ecke gedr&auml;ngt wird.<br>\n&nbsp;<br>\nAuch aus diesem Aspekt verbinde ich mit &ldquo;#Aufstehen&rdquo; die Hoffnung, dass in diesem Land endlich mehr offene Debatten entstehen k&ouml;nnen und politische Brandstifter viel schneller entlarvt werden k&ouml;nnen.<br>\n&nbsp;<br>\nFreundliche Gr&uuml;&szlig;e von<br>\nMichael Krater<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Dank an Jens Berger!<br>\n&nbsp;<br>\nDas ist das Qualifizierteste, was ich bis jetzt &uuml;ber das Thema (nicht nur die Vorf&auml;lle in &ldquo;Chemnitz&rdquo;) gelesen habe.<br>\n&nbsp;<br>\nDie &ldquo;sozio&ouml;konomische Unzufriedenheit&rdquo; aufgrund prek&auml;rer Besch&auml;ftigungs- und Lebensverh&auml;ltnisse ist dabei ein Aspekt.<br>\n&nbsp;<br>\nWeitere Aspekte lassen sich m.E. nur psychologisch und moralisch erkl&auml;ren.<br>\n&nbsp;<br>\nIch pers&ouml;nlich beobachte z.B. in meinem Umfeld (Gro&szlig;stadt in Sachsen) auch viele verunsicherte, vergr&auml;mte, unbefriedigte Menschen, die ihrem Frust anl&auml;&szlig;lich der &ldquo;Fl&uuml;chtlingskrise&rdquo; freien Lauf lassen und nicht selten die einfachen Parolen der &ldquo;Rattenf&auml;nger&rdquo; nachplappern.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nDoch&nbsp;viele dieser Menschen geh&ouml;ren eben nicht zum Prekariat, sondern haben einen relativ gut nach Tarif bezahlten und&nbsp;sind eigentlich Gewinner der Einheit gewesen.<br>\nDieses Ph&auml;nomen l&auml;&szlig;t sich m.E. nur psychologisch als&nbsp;Auswirkung&nbsp;und Verinnerlichung des Neoliberalismus erkl&auml;ren.<\/p><p>Das ware m.E: ein&nbsp;weiterer Ansatz, der ernsthaft bearbeitet werden m&uuml;&szlig;te.<br>\n&nbsp;<br>\nDar&uuml;ber hinaus haben viele Menschen das Empfinden, dass unsere Gesellschaft nur noch &uuml;ber wenig moralische Integrit&auml;t verf&uuml;gt.<br>\n&nbsp;<br>\nViele Gr&uuml;&szlig;e &amp; weiter so!<br>\nWolfgang Franke<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<br>\nLiebes Nachdenkseiten-Team,<\/p><p>tausend Dank f&uuml;r diesen Artikel, denn es umschreibt die ideologischen Scheuklappen, mit denen viele durch die Welt gehen, die sich eigentlich als Linke verstehen und es entspricht in etwa dem Tenor, der bei Diskussionen &uuml;ber den Osten, AfD und Rechte vorherrscht. <\/p><p>Ich w&uuml;rde es aber gerne noch ein St&uuml;ck weit um meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen erg&auml;nzen. Eine kritische Bestandsaufnahme halte ich n&auml;mlich f&uuml;r sehr wichtig, insbesondere weil ich in der politischen Linken (gemeint sind sowohl die Partei dieLINKE als auch links-autonome Gruppen) manchmal eine gesunde Reflexionsf&auml;higkeit und Verst&auml;ndnis in Bezug auf die Problematik mit den Rechten oft vermisse. <\/p><p>Mich beschleicht daher manchmal der Eindruck, dass die pol. Linke fast nur noch innerhalb der besser gestellten Mittelschicht existiert, f&uuml;r die soziale Fragen nur etwas Theoretisches sind, also etwas, wor&uuml;ber man in einem Marx-Kreis diskutiert ohne einen direkten Bezug zu den realen Problemen, die z.B. mittellose Rentner in Chemnitz haben k&ouml;nnten. In jedem Fall scheint man es zwar zur Kenntnis zu nehmen, dass es strukturschwache, arme Quartiere gibt, wo Menschen ohne Perspektive leben, f&uuml;r die sich niemand interessiert. Mit diesen Leuten ist man h&ouml;chstens nur dann solidarisch, wenn es darum geht sie und ihr Schicksal zu bedauern, oder Almosen zu geben. Man schaltet aber sofort auf stur, sobald&nbsp; sich jemand wagt sich kritisch &uuml;ber Einwanderer oder auch Merkels Einwanderungspolitik zu &auml;ussern. <\/p><p>Dies f&uuml;hrt dazu, dass man die Systemfrage, die sich zwangsl&auml;ufig aus marxistischen Gedankenkonstrukten in heutigen Zeiten durchaus ergeben k&ouml;nnte, gar nicht erst stellt. Vielmehr werden sogar diejenigen unterdr&uuml;ckt, f&uuml;r die diese Frage von Bedeutung ist und die nicht bereit sind zuzulassen, dass die Rechtsextremen K&ouml;pfe derer Menschen vergiften, die in dieser Gesellschaft mit am allermeisten benachteiligt werden. Man hat sich n&auml;mlich nur darauf eingeschossen gegen Nazis zu sein und dabei ist so ziemlich jeder verd&auml;chtig, der an der sch&ouml;nen Utopie von der bunten Welt ohne Grenzen Zweifel hat. Es ist so, als w&uuml;rde man es gar nicht wahr haben wollen welche Auswirkungen das bereits heute in unserem sozio-&ouml;konomischen Umfeld hat. <\/p><p>Vielleicht liegt es aber einfach daran, dass man im Bildungsb&uuml;rgertum seit je her die Meinung vertritt, dass man nur lange genug studieren und arbeiten muss, um aufzusteigen und schlechte Lebensverh&auml;ltnisse sind meistens nur eine Folge des mangelnden Ehrgeizes (=Leistung) Einzelner. Die Chancengleichheit wird jedenfalls oft nur am Zugang zur Bildung und Kultur gemessen, was selbstverst&auml;ndlich auch wichtig ist, eine grunds&auml;tzliche und fundierte Kritik an unserem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell wird dabei allerdings selten ge&uuml;bt. Auch hier herrscht n&auml;mlich der Konsens, dass man ja eigentlich gegen das Schweinesystem ist, aber eben nur solange alles wie gewohnt weiter l&auml;uft und man genug Zeit zum Diskutieren hat. <\/p><p>Mag sein, dass das alles ziemlich pessimistisch klingt, aber mir f&auml;llt es insgesamt auf wie sehr man sich darum bem&uuml;ht bestimmte unbequemen Themen und damit verbundene Gedanken zu vermeiden. Die mediale Manipulation tr&auml;gt ja auch Fr&uuml;chte, so dass die Massenpanik zu einem Dauerzustand geworden ist, weil sich an den entscheidenden Stellen nichts mehr bewegt und die nur noch von Leuten belagert werden, die nichts wert sch&auml;tzen k&ouml;nnen, woraus sie selbst keinen Profit ziehen k&ouml;nnen. <\/p><p>Also wieder zur&uuml;ck auf START. Irgendwie erstaunlich, dass es sich immer noch nicht herum gesprochen hat, dass man die Rechten sehr viel effektiver bek&auml;mpfen kann, wenn man sich entschieden und offensiv denen entgegen stellt, die ungez&uuml;gelten Materialismus und Egoismus zu ihrer Religion und Ayn Rand zu ihrer G&ouml;ttin gemacht haben. Es ist aber alles, wie immer, nicht so einfach. <\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e,&nbsp;<br>\nE.Rozanski<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>ich m&ouml;chte mich gern zu Ihrem Artikel von heute, &bdquo;Lasst uns Sachsenversteher werden!&ldquo;, &auml;u&szlig;ern.<\/p><p>Ich selbst muss nicht erst zum Sachsenversteher werden, ich bin geb&uuml;rtiger Sachse, komme aus einer Kleinstadt ganz in der N&auml;he von Chemnitz, lebe allerdings seit fast 7 Jahren berufsbedingt in Bonn.<\/p><p>Im Grundsatz stimme ich Ihrem Artikel auch voll und ganz zu, m&ouml;chte allerdings erg&auml;nzend anmerken, dass es in Sachsen in der Tat ein echtes Problem mit Rechtsradikalismus gibt. Und dieses Problem gibt es auch nicht erst seit einigen Jahren, sondern das gab es schon lange vor der massiven Sozialabbaupolitik, insbesondere durch die Agenda 2010. Man kann dies ziemlich gut bereits seit der Wende beobachten (und vermutlich gab es das auch schon zu tiefsten DDR-Zeiten). Damals waren es vor allem westdeutsche NPDler, die in den Osten str&ouml;mten, weil sie dort ein gro&szlig;es Potential rechten Gedankenguts sahen und dort ihre Strukturen aufbauten. Vereinfachend kam hinzu, dass es im Osten eben auch kaum Ausl&auml;nder gab; sieht man mal von den vietnamesischen Gastarbeitern ab, die es schon zu DDR-Zeiten gab, konnte man Ausl&auml;nder mehr oder weniger an einer Hand abz&auml;hlen. Nun gibt es Untersuchungen, die belegen, dass Ausl&auml;nderfeindlichkeit am besten dort gedeiht, wo es kaum Ausl&auml;nder gibt, und so stie&szlig; das sehr schnell auf fruchtbaren Boden.<\/p><p>Die Politik in Sachsen hat dieses Thema seit den fr&uuml;hen 90er Jahren komplett verschlafen. Es ist nicht so, dass es nicht f&uuml;r jedermann zu sehen war, der die Augen aufmachte. Es hat schlicht niemanden interessiert. Die s&auml;chsische Politik, bis 2004 wurde Sachsen immerhin allein von der CDU regiert, danach in wechselnden Koalitionen unter F&uuml;hrung der CDU, hat schlicht geleugnet, dass es ein Problem gibt. Als linker Jugendlicher habe ich das Problem damals jedoch tagt&auml;glich zu sp&uuml;ren bekommen.<\/p><p>Eine Bekannte arbeitet als Sozialarbeiterin bei der s&auml;chsischen Landjugend. In dieser Funktion betreut sie vor allem Jugendclubs im Landkreis Mittelsachsen. Auch sie bekam und bekommt das Problem tagt&auml;glich zu sp&uuml;ren; eher &bdquo;linkere&ldquo; Jugendclubs wurden immer mal wieder von Neonazis &uuml;berfallen. Hinzu kommt, dass es unter linken Sachsen ein offenes Geheimnis ist, dass auch die Polizei von Neonazis unterwandert ist, also auch von dieser Seite nur bedingt Hilfe zu erwarten ist. Und das hat nichts, aber auch gar nichts mit Unzufriedenheit in der Bev&ouml;lkerung zu tun, sondern ist dem jahrelangen Kopf in den Sand stecken der verantwortlichen Politiker geschuldet.<\/p><p>Und hier muss ich ausnahmsweise mal &ndash; auch wenn ich ihn ansonsten &uuml;berhaupt nicht sch&auml;tze &ndash; auf der ARD-Faktenfinder verweisen, der die ganze Geschichte <a href=\"http:\/\/faktenfinder.tagesschau.de\/inland\/rechtsextremismus-sachsen-101.html\">ganz gut zusammenfasst<\/a>.<\/p><p>Ihr &ndash; durch und durch valider &ndash; Punkt, dass die Unzufriedenheit in der Bev&ouml;lkerung diese nach rechts r&uuml;cken l&auml;sst, ist in dieser Konstellation daher leider nur die halbe Wahrheit, zumal Sachsen von den neuen Bundesl&auml;ndern noch das wirtschaftlich &bdquo;st&auml;rkste&ldquo; Bundesland ist. Den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt geht es noch dreckiger als den Sachsen, und auch da gibt es zur Gen&uuml;ge rechte Strukturen, aber in Sachsen war das schon immer speziell.<\/p><p>Und auch einige der Typen, die da in Chemnitz &bdquo;demonstriert&ldquo; haben, sind weniger unzufrieden, als dass sie jetzt viel mehr die Chance wittern, ihrem blanken Ausl&auml;nderhass Ausdruck zu verleihen. So machte kurz nach dem Todesfall in Chemnitz der Begriff &bdquo;Kanakenklatschen&ldquo; die Runde, ein Begriff, den ich noch zu gut aus meiner eigenen Jugend kenne.<\/p><p>Unzufriedenheit in der Bev&ouml;lkerung ist in diesen Zeiten leider mehr als angebracht, aber die Unzufriedenen sollten sich vielleicht auch mal Gedanken dar&uuml;ber machen, mit wem sie sich hier gemein machen. Denn es ist beileibe nicht nur Unzufriedenheit, die hier in Fl&uuml;chtlingshass umschl&auml;gt, sondern es ist latent vorhandene Ausl&auml;nderfeindlichkeit, die leider tats&auml;chlich in vielen K&ouml;pfen in Sachsen existiert, und die auch nicht wegginge, wenn es pl&ouml;tzlich allen gut ginge. Das kann ich Ihnen leider aus eigener Erfahrung best&auml;tigen.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJens Berger<br>\n(nicht irritieren lassen, ich hei&szlig;e wirklich auch so)<\/p><p><em><strong>Replik Jens Berger Nachdenkseiten:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Namensvetter,<\/em><\/p><p><em>sch&ouml;nen Dank f&uuml;r den &auml;u&szlig;erst interessanten Leserbrief, dem ich auch gar nicht widersprechen will. Dass es in Sachsen auch ein Neonazi-Problem gibt, ist offensichtlich und auch die anderen Punkte, die Sie ansprechen, sind m.E. unstrittig. Mir geht es um zwei Sachen: Zum Einen um die Gr&uuml;nde der Unzufriedenheit, die Sie ja selbst ansprechen. Zum Anderen geht es aber auch um die mediale und politische Aufarbeitung und hier wird m.E. grob vereinfacht und die Sache damit noch schlimmer gemacht. Wenn &ndash; rein hypothetisch &ndash; 5% der Sachsen nun Nazis sein sollten, dann w&auml;ren 95% der Sachsen eben keine Nazis. Nach allem, was ich &ndash; auch von Leuten, die vor Ort waren &ndash; geh&ouml;rt habe, waren von den Demonstranten in Chemnitz die meisten keine &bdquo;Glatzen&ldquo; oder &bdquo;Rechtsextreme&ldquo;. Und die verlinkten O-T&ouml;ne der beiden SPIEGEL-Berichte geben genau diesen Eindruck wieder. Das sind die Menschen, um die es sich f&uuml;r die politische Linke zu k&auml;mpfen lohnt. Die &bdquo;echten&ldquo; Nazis sind ohnehin verloren und k&ouml;nnen wohl nicht mehr &bdquo;resozialisiert&ldquo; werden. Aber das ist ein anderes Thema.<\/em><\/p><p><em>beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger,<\/p><p>ich habe gerade einen sehr sch&ouml;nen Moment gehabt, als ich Ihren Artikel &ldquo;Lasst uns Sachsenversteher werden!&rdquo; gelesen habe.<\/p><p>Der Artikel ist mutig (eigentlich absurd, aber so ist es) und trifft meiner Meinung nach exakt den Kern des Problems. <\/p><p>Philip Warnecke<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes Nachdenkseiten-Team,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r diesen ausgewogenen Beitrag.<\/p><p>Ich wohne nicht weit von Chemnitz entfernt und ich kenne Menschen, die in Chemnitz wohnen und arbeiten, die auch auf dem Stadtfest am Sonntag waren.<\/p><p>Wir alle unterst&uuml;tzen Fl&uuml;chtlinge in unserem Umfeld. Was aber in der vorallem &uuml;berregionalen Presse, in Funk und Fernsehen geschrieben und gesagt wird ist aus meiner Sicht schlicht und ergreifend Volksverhetzung!<br>\nEs gibt keine &bdquo;Hetzjagden&ldquo; in Chemnitz und jeder kann mit dem &uuml;blichen Risiko (in l&auml;ndlichen Regionen eher geringen Risiko) sich auch Nachts im &ouml;ffentlichen Raum bewegen ohne, dass es irgendwelche &bdquo;Nazis&ldquo; gibt, die da Randale machen. Randale machen die &uuml;blichen Besoffenen und Jungm&auml;nner mit zuviel Testoteron aller Nationen.<\/p><p>Die Darstellungen in Zeit und Spiegel machen alle Sachsen zu Nazis und man f&uuml;hlt sich dabei sooo wohl. Wenn sie das gleiche mit irgendeiner Minderheit machen w&uuml;rden, w&uuml;rde ihnen das eigene Geschrei (&bdquo;Emp&ouml;rung&ldquo;) um die Ohren fliegen. Aber bei Putin und Sachsen darf jeder noch einmal.<\/p><p>Wenn Herr Augstein glaubt &bdquo;SAchsen&ldquo; schreiben zu m&uuml;ssen, dann ist das f&uuml;r mich so als w&uuml;rde h&auml;tte ich ihn mit Geobbels verglichen. Seine nachgereichte Entschuldigung reicht mir hier bei weitem nicht!<\/p><p>Ich habe nicht und werde nicht AfD w&auml;hlen, aber das was hier passiert ist, ist Wahlwerbung f&uuml;r die AfD erster Klasse und ich erwarte 30% AfD in Sachsen f&uuml;r n&auml;chstes Jahr.<\/p><p>Eigentlich h&auml;tte ich schon erwartet, dass als sich die Ereignisse in Chemnitz abzeichneten, die Politik h&auml;tte reagieren m&uuml;ssen. Es macht mit Sicherheit keinen Spa&szlig; sich gewaltbereiten, aufgeheizten Menschen gegen&uuml;ber zu treten. Aber man h&auml;tte hier an der Wurzel sehr wohl ein Zeichen setzen k&ouml;nnen.&nbsp;<br>\nWo war denn die Oberb&uuml;rgermeisterin? Wo waren Politiker, wie Kretschmer, Kipping (geboren in Dresden), Dulig oder auch Lokalpolitiker?&nbsp;<br>\nSch&ouml;n w&auml;re es nicht geworden, aber da h&auml;tten alle diese Maulhelden, die so gerne auf &bdquo;die Sachsen&ldquo; schimpfen und sich dann wundern nicht gew&auml;hlt zu werden Flagge zeigen k&ouml;nnen und ja, sie h&auml;tten auch Unterst&uuml;tzung bekommen und nicht zuletzt meine!<\/p><p>Also entweder war da nichts, was sich durchaus mit den Berichten in der Lokalpresse und aus den Gespr&auml;chen mit meinen Bekannten deckt, oder aber der Politik ist letzlich alles egal, Hauptsache Emp&ouml;rung, Hauptsache gegen Sachsen und seien es die eigenen W&auml;hler.&nbsp;<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nS. Bernstein<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<br>\n&nbsp;<br>\ndas Wort &ldquo;verstehen&rdquo; kann man in zweierlei Weise interpretieren. Die <em><strong>erste<\/strong><\/em> ist, etwas zu verstehen und meint die F&auml;higkeit, z.B. Sachverhalte oder Prozesse wissenschaftlich analysieren zu k&ouml;nnen hinsichtlich ihrer Ursachen, Wirkmechanismen, Folgen usw.<\/p><p>Das Erstarken des Rechtsradikalismus vor allem in Sachsen seit den 90er Jahren mit seinen Ursachen, die sowohl in den sozialen Verwerfungen und daraus resultierenden &Auml;ngsten in der Bev&ouml;lkerung als auch in den v&ouml;llig falschen Reaktionen des Staates auf das Problem rechter Gewalt zu suchen sind, kann so verstanden werden. Seit den Ereignissen von Hoyerswerda wird das Staatsversagen im Umgang mit rechter Gewalt immer wieder deutlich. Die kollektive Erfahrung der rechtsgerichteten, sich zusammenrottenden, meist j&uuml;ngeren und m&auml;nnlichen Bev&ouml;lkerung, dass ihre auf Anwendung von Gewalt beruhenden Aktionen einerseits durchaus erfolgreich sind (Heime f&uuml;r Vertragsarbeiter oder Fl&uuml;chtlinge wurden ger&auml;umt, Politik hat sich nach rechts verschoben, Wahlerfolge rechter Parteien), andererseits f&uuml;r sie pers&ouml;nlich kaum negative Folgen hatten (Polizei und Justiz in Sachsen haben sich gegen rechts sehr zur&uuml;ckgehalten) pr&auml;gt die rechte Szene nachhaltig. Ich kann hier nur dem Beitrag von David Begrich in der TS vom 28.08.2018 zustimmen.<\/p><p>Die zweite Interpretationsm&ouml;glichkeit ist, <strong><em>jemanden<\/em><\/strong> zu verstehen und umfasst die F&auml;higkeit, sich in einen Menschen hineinzuversetzen, seine Motive und Gef&uuml;hle nachvollziehen zu k&ouml;nnen und damit ein gewisses Verst&auml;ndnis f&uuml;r sein Denken und Handeln aufzubringen. Personen des rechten Spektrums gehen zun&auml;chst nicht von dem Grundsatz der Aufkl&auml;rung aus, dass alle Menschen von Geburt an gleichwertig sind und gleiche Rechte beanspruchen k&ouml;nnen. Sie teilen Menschen ein in minderwertige, meist am Rande der Gesellschaft stehende Gruppen (Obdachlose, Behinderte, Homosexuelle, Ausl&auml;nder) und h&ouml;herwertige, meist starke Menschen. Das Recht des St&auml;rkeren und die Anwendung von Gewalt ist deshalb so etwas wie ein Grundrecht rechter Gesinnung und rechter Ethik. Von Politik bis Beh&ouml;rdenpraxis werden sie leider immer wieder in diesen Erfahrungen best&auml;tigt.<\/p><p>Hierf&uuml;r kann ich niemals Verst&auml;ndnis aufbringen, weil es f&uuml;r mich eine Frage des Charakters und der pers&ouml;nlichen &Uuml;berzeugung vom Funktionieren eines Gemeinwesens ist, dass man pers&ouml;nlichen Frust nicht an anderen Menschen ausl&auml;sst, dass man nicht auf Schw&auml;chere losgeht, dass man Grundwerte wie Solidarit&auml;t und Mitmenschlichkeit achtet. Aus diesem Grund werde ich wohl nie ein &ldquo;Rechtsradikalenversteher&rdquo; oder &ldquo;Rechtsmobversteher&rdquo; sein k&ouml;nnen. Sehr wohl bin ich aber ein &ldquo;Versteher&rdquo; jener Sachsen, die gegen rechts auf die Stra&szlig;e gehen und daf&uuml;r auch Schikanen von Polizei oder Justiz auf sich genommen haben. Der Begriff &ldquo;Sachsenversteher&rdquo; in seiner Verallgemeinerung l&auml;sst vermuten, dass alle Sachsen dem Generalverdacht der rechten Gesinnung unterstellt werden,&nbsp; was erstens nicht den tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnissen entspricht und zweitens unfair denen in Sachsen gegen&uuml;ber ist, die sich mutig einem rechten vermeintlichen Mainstream entgegenstellen.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nThomas Bautzer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<\/p><p>ich bin in Chemnitz geboren, habe lange in Karl-Marx-Stadt gelebt. Nach dem Studium bin ich nach Wilhelm-Pieck-Stadt Guben &uuml;bersiedelt (der Arbeit nach &ndash; Arbeitsmigrant).. Heute lebe ich in Guben. Der gro&szlig;e Betrieb Chemiefaserwerk besch&auml;ftigt nicht mal mehr 10% der urspr&uuml;nglichen dort Arbeitenden. Nur wenig mehr als es damals Werkt&auml;tige in Forschung und Entwicklung gab!<\/p><p>Die Deindustrialisierung Ostdeutschlands ist das Ergebnis der von uns Ostdeutschen erk&auml;mpften friedlichen Revolution. Na ich bin ja froh, dass es friedlich war! Meine syrischen Patenfamilien haben da ganz andere Erfahrungen!<\/p><p>Da ich nach der Wende eine kleine F\/E-Gruppe Projektentwicklung Erneuerbare Energien f&uuml;hren konnte, wei&szlig; ich, was EE kann und was eben nicht!. Eine sichere Stromversorgung geh&ouml;rt nicht dazu. Genau deshalb ist Kohle wichtig! Verfl&uuml;ssigtes und russisches Erdgas ist f&uuml;r uns Deutsche ein gutes Erpressungsmittel! Und dabei denke ich besonders an die USA, denn die rechnen Schulden ja in US-Dollar, die sie einfach neu ausgeben. Und wir sind ja Exportweltmeister&nbsp;L<\/p><p>Der wirtschaftliche Wiederaufstieg Deutschlands nach beiden Weltkriegen ist wesentlich damit zu begr&uuml;nden, dass mit Bergbau und Kohle eine unabh&auml;ngige Basis vorhanden war. Nun Ostdeutschland hatte es da nicht nur wegen der Reparationen wesentlich schwerer.<\/p><p>Braunkohle war die wesentliche Energiebasis in Ostdeutschland. Obwohl drittgr&ouml;&szlig;ter Uranf&ouml;rderer ging alles in die Sowjetunion. Trotz des&nbsp; Stromvertrages wurde die Braunkohlef&ouml;rderung zwar auf 30% zur&uuml;ckgefahren, aber die Stromproduktion nur halbiert und wesentlich modernisiert, so dass im Osten die modernen Kraftwerke mit 43% Wirkungsgrad stehen. Hier stehen auch keine Kraftwerke aus Adenauers Zeiten mehr (&bdquo;Sollen Kohlekraftwerke aus der Zeit Konrad Adenauers&hellip;&ldquo;, Rede Dr. Hofreiter 4.12.2014), sondern nur die aus&nbsp; Honeckers Zeiten mit 37-39% Wirkungsgrad!<\/p><p>Auch die Treibhausgaseinsparung in ganz Deutschland korreliert mit der Menge der nicht gef&ouml;rderten Braunkohle in Ostdeutschland! 1989 wurden in der DDR noch 300 Mio.t Braunkohlegef&ouml;rdert, heute 65 Mio.t in Ostdeutschland!<\/p><p>Macht weiter so Ihr links\/gr&uuml;nen Liberalisten! Die Lausitz hat bei der Bundestagswahl bis auf Dr. Schulze (CDU) nur AfD-Kandidaten gew&auml;hlt, Wenn nicht welche, die sonst nie CDU w&auml;hlen, da geholfen h&auml;tten, w&auml;re das Direktmandat an die AfD gegangen!<\/p><p>Es geht nicht nur um Arbeitspl&auml;tze und deren sozialvertr&auml;gliche Abwicklung! Es geht um einen strukturellen Neuaufbau! Leider auch um einen teuren Wiederaufbau von Infrastruktur, die leider mit der Industrie und Landwirtschaft in Ostdeutschland mit abgewickelt wurde!&nbsp;<\/p><p>Noch gibt es junge Alte die helfen k&ouml;nnen, doch das ist begrenzt! Ich m&ouml;chte nicht W&uuml;stung wie nach dem 30 j&auml;hrigen Krieg in Ostdeutschland haben!<\/p><p><strong>#Aufstehen<\/strong><\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nHorst Wetzel<br>\nDiplom-Physiker im Unruhestand&nbsp;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>Bravo zu Ihrem heutigen Beitrag.&nbsp;<\/p><p>Will man die Erfolge der AfD und sonstige rechtsradikale Tendenzen in Ostdeutschland (Reichsb&uuml;rger, Pegida etc.) tats&auml;chlich zu verstehen versuchen, statt nur zu verurteilen, muss man sich in der Tat anschauen, wo denn der versprochene Wohlstand auf breiter Front geblieben ist.&nbsp;<\/p><p>Symptomatisch war f&uuml;r mich der &bdquo;Sparwahn&ldquo; ostdeutscher Landesregierungen, wonach an den aktuellen Ausgaben gespart werden m&uuml;sse, um die Schulden des Landes &bdquo;abzuzahlen&ldquo; statt durch neue Kredite (die ja absehbar durch entsprechende Verfassungsklauseln verboten werden) zu ersetzen.&nbsp;<\/p><p>Symptomatisch f&uuml;r die Wahrnehmung der Fl&uuml;chtlingskrise durch viele Ostdeutsche sind die Sparhaushalte in Sachsen-Anhalt f&uuml;r die Haushaltsjahre 2013\/14 und 2014\/15 und der dann aus Anla&szlig; der Fl&uuml;chtlingskrise 2015 schlagartig erfolgende Nachtragshaushalt 2015.&nbsp;<\/p><p>Vgl. hierzu <a href=\"https:\/\/mf.sachsen-anhalt.de\/finanzen\/haushalt\/haushalt-archiv\/doppelhaushalt-20152016\/\">die Reden des zust&auml;ndigen Finanzministers Bullerjahn 2014 und 2015<\/a> und hier f&uuml;r den <a href=\"https:\/\/www.hallelife.de\/nachrichten\/aktuelles\/details\/Mehr-fuer-Bildung-weniger-fuer-Kommunen-Landesregierung-beschliesst-Sparhaushalt-.html\">Zuschnitt des vorangegangen Haushalts<\/a>.<\/p><p>Zum Verst&auml;ndnis der Situation in Ostdeutschland muss man sich auch vor Augen halten, dass die politische Sozialisation hierzulande ausschlie&szlig;lich im neoliberalen Umfeld erfolgte. Es gibt danach im allgemeinen Bewusstsein weit verbreitet keine politische Alternative innerhalb des etablierten politischen Systems.&nbsp;<\/p><p>Der grunds&auml;tzlich gebotene Fl&uuml;chtlingshumanismus &uuml;berfordert einige ostdeutsche Zeitgenossen, weil er das symbolische Privileg des &bdquo;Deutschseins&ldquo; in Frage stellt. Die weit verbreitete Geisteshaltung in diesem Zusammenhang ist Hysterie, die uns auf dem Bildschirm als L&auml;cherlichkeit entgegenkommt.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nErik Jochem<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>12. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>ich teile Ihr Bed&uuml;rfnis, diesen gesellschaftlichen Konflikt analytisch zu betrachten und dabei systemische Ursachen in den Blick zu nehmen. Deshalb ist es richtig, sich in die Menschen in Chemnitz und anderswo hineinzuversetzen und zu &uuml;berlegen, an welchen Schrauben man drehen muss, um ihnen ihre Wut zu nehmen, ohne, dass man dies auf dem R&uuml;cken von Migranten und Fl&uuml;chtlingen austr&auml;gt.&nbsp;<\/p><p>Aber in meiner Brust schl&auml;gt auch ein zweites Herz, dass die Sache etwas gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;iger angeht und angesichts der Menschen und ihren Worten Trauer und Wut empfindet. Viele sagen, man d&uuml;rfe die protestierenden Menschen dort nicht pauschal als Rechtsextreme betrachten. Ich denke, die sind alle Erwachsen und wissen, wo sie mitlaufen. Und wenn sie dort mitlaufen, m&uuml;ssen sie mit der Kategorisierung leben. Allgemein nervt es mich immer mehr, schlimme Dinge zu rechtfertigen, indem man nach Gr&uuml;nden sucht, die ganz woanders liegen. Wenn vor mir eine Person steht, die all ihre Probleme, ihre Wut und den Hass an unschuldigen Menschen ausl&auml;sst und sich dabei derma&szlig;en gewaltvoll und aggressiv gibt, muss sie mit einer entsprechenden Gegenreaktion von mir rechnen. So etwas Dummes muss man von einem Erwachsenen Menschen nicht hinnehmen.&nbsp;<\/p><p>Und wenn man angesichts der Menschen in Chemnitz, der Bilder und Videos, die es zu sehen gibt, daf&uuml;r pl&auml;diert, diese Menschen zu &ldquo;verstehen&rdquo;, tut man auf v&auml;terliche Weise so, als ob diese Menschen unf&auml;hig w&auml;ren, ihre tats&auml;chlichen Interessen zu vertreten. Man macht sich verd&auml;chtig, etwas Unentschuldbares zu entschuldigen, weil es ja tieferliegende (und wirklich schlimme) Ursachen g&auml;be.<\/p><p>Ich denke, diese Menschen wissen, wo sie mitlaufen und verdienen im aktuellen Kontext kein Verst&auml;ndnis, sondern Widerstand. Wenn es stimmt, dass die Menschen in Chemnitz differenzierte Kritik an diversen Dingen &uuml;ben und nicht &uuml;ber den rechtsextremen Kamm geschert werden d&uuml;rfen, warum tauchen sie dann alle zusammen jetzt auf? Der rassistische Reflex gewisser sozio&ouml;konomischer Gruppen ist nicht entschuldbar, sondern irrational und verdient kein Verst&auml;ndnis. In einem K&uuml;chengespr&auml;ch toleriere ich solche irrationale Positionen nicht, ebenso wenig sollte man dies auf der Makro-Ebene tun.&nbsp;<\/p><p>Auch wenn es bei Ihrer Website um das Nachdenken geht, w&uuml;rde ich mich sehr freuen, wenn Sie auch hin und wieder symbolische Aktionen starten, um sich glasklar gegen Rassismus zu positionieren. Nicht, dass ich da an Ihrer Position zweifle, aber damit w&uuml;rden Sie auch allen anderen helfen, die versuchen, dagegen anzustehen. Auf Gegendemonstrationen hinzuweisen, w&uuml;rde ja vollkommen ausreichen. Falls dies ohnehin geschieht, habe ich das &uuml;bersehen und der Hinweis ist nat&uuml;rlich hinf&auml;llig.<\/p><p>Ich bin auch der Meinung, dass ein neoliberales Wirtschaftssystem durch entsprechenden Druck Ausl&auml;nderfeindlichkeit f&ouml;rdert. Eine soziale Politik w&uuml;rde wahrscheinlich das Schlimmste verhindern, aber das ist grade nicht die Baustelle. Dar&uuml;ber wird schon lange diskutiert, doch parlamentarische Mehrheiten f&uuml;r einen Richtungswechsel kommen nicht zu Stande. Nun auf dieser Position zu beharren ist viel zu einfach, wenn Sie mich fragen, weil die Wut der Menschen schon lange rassistisch geframed ist. Aus dieser Grube kommt man nicht mehr r&uuml;ckw&auml;rts raus. Der Konflikt verl&auml;uft an der Linie &ldquo;Migration und Flucht&rdquo;. Wer versucht, ihn dort hinzutragen, wo er hingeh&ouml;rt, n&auml;mlich zum Wirtschaftssystem, tut zwar theoretisch etwas gutes, macht sich aber auch selbst zu einem Zuschauer in der aktuellen Situation.<\/p><p>Liebe Gr&uuml;&szlig;e<br>\nG. J<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45722\">Lasst uns Sachsenversteher werden!<\/a>&rdquo; von Jens Berger rief ein au&szlig;ergew&ouml;hnlich starkes Echo bei den Lesern hervor, was wohl teils an seiner Sichtweise und teils an der Intensit&auml;t der Vorkommnisse in Chemnitz selbst liegt. Die weit auseinanderliegenden Ansichten in den Leserbriefen zeigen einmal mehr, dass es sich um ein hoch komplexes Thema handelt.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45776\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[159,103,125,161],"tags":[1550,1933,1198,423,282,339,955,956,575,421,288,1352,1123,340],"class_list":["post-45776","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-leserbriefe","category-rechte-gefahr","category-wertedebatte","tag-agenda-2010","tag-antifaschismus","tag-augstein-jakob","tag-austeritaetspolitik","tag-buergerproteste","tag-chauvinismus","tag-neonazismus","tag-npd","tag-ostdeutschland","tag-polizei","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-rechtsruck","tag-sachsen","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45776"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45776\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45802,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45776\/revisions\/45802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}