{"id":45779,"date":"2018-09-02T11:45:11","date_gmt":"2018-09-02T09:45:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45779"},"modified":"2024-09-24T08:33:18","modified_gmt":"2024-09-24T06:33:18","slug":"die-andere-seite-des-john-mccain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45779","title":{"rendered":"Die andere Seite des John McCain"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180902-mccain-01.jpg\" alt=\"John McCain\" title=\"John McCain\"><\/div><p>Wenn die Grabreden der politischen Aufsteiger auf John McCain als abgehoben von der Realit&auml;t erscheinen, dann deshalb, weil sie die elit&auml;re Sichtweise widerspiegeln, die die milit&auml;rischen Interventionen der USA als ein Schachspiel betrachten, bei dem die Millionen Toten durch grundlose Angriffe lediglich als statistische Daten erscheinen, sagt Max Blumenthal. &Uuml;bersetzung <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/08\/27\/the-other-side-of-john-mccain\/\">aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<\/p><div class=\"clearRight\"><\/div><p><!--more--><br>\nAls der Kalte Krieg 1985 in seine Endphase trat, nahm die Journalistin Helena Cobban an einer akademischen Tagung in einem Luxushotel in der N&auml;he von Tucson, Arizona, teil, bei der es um die amerikanisch-sowjetischen Interaktionen im Nahen Osten ging. W&auml;hrend des &bdquo;Gala-Dinners mit Grundsatzrede&ldquo; erfuhr sie schnell, dass das eigentliche Thema des Abends &bdquo;Adoptiere einen Mudjahedin&ldquo; lautete. <\/p><p>&ldquo;Ich erinnere mich an die Unterhaltungen mit all diesen wohlhabenden republikanischen Damen aus den Vororten von Phoenix, bei denen ich gefragt wurde: &bdquo;Haben sie einen Muj adoptiert?&ldquo; erz&auml;hlte mir Cobban. &ldquo;Jeder hatte Geld versprochen, um ein Mitglied der afghanischen Mudjahedin im Namen des Sieges &uuml;ber die Kommunisten zu sponsern. Einige sa&szlig;en sogar bei der Veranstaltung neben ihrem pers&ouml;nlichen &bdquo;Muj&ldquo;. &rdquo;<\/p><p>Der Hauptredner des Abends war laut Cobban ein tatkr&auml;ftiges Neumitglied des Kongresses namens John McCain. W&auml;hrend des Vietnamkriegs war McCain von der nordvietnamesischen Armee gefangen genommen worden, nachdem er auf dem Weg zur Bombardierung einer zivilen Gl&uuml;hbirnenfabrik angeschossen worden war. Er verbrachte zwei Jahre in Einzelhaft und wurde gefoltert, was dauerhafte L&auml;hmungen bei ihm zur Folge hatte. McCain kehrte mit einer tiefen, anhaltenden Abscheu vor seinen fr&uuml;heren Entf&uuml;hrern aus dem Krieg zur&uuml;ck und bemerkte noch im Jahr 2000: &ldquo;Ich hasse diese Schlitzaugen. Ich werde sie hassen, solange ich lebe.&rdquo; Er wurde f&uuml;r die rassistische Bemerkung kritisiert und weigerte sich, sich zu entschuldigen. &ldquo;Ich habe von meinen Gef&auml;ngnisw&auml;rtern gesprochen&rdquo;, sagte er, &ldquo;und ich werde weiterhin in einer Sprache von ihnen sprechen, die manche Leute beleidigen k&ouml;nnte, aber sie haben meine Freunde misshandelt und gefoltert.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;McCains tiefsitzender Groll erkl&auml;rte seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Mudjahedin und die rechtsgerichteten Contra-Todesschwadronen in Mittelamerika &ndash; f&uuml;r jede Stellvertretergruppe, die auf die Zerst&ouml;rung kommunistischer Regierungen eingeschworen war.<\/p><p>McCain hatte sich so sehr der antikommunistischen Sache verschworen, dass er Mitte der 1980er Jahre Mitglied des Beirats des United States Council for World Freedom, der amerikanischen Mitgliedsorganisation der World Anti-Communist League (WACL) wurde. Geoffrey Stewart-Smith, ein ehemaliger Anf&uuml;hrer der britischen WACL-Sektion, der sich 1974 gegen die Gruppe gewandt hatte, beschrieb die Organisation als &ldquo;eine Versammlung  von Nazis, Faschisten, Antisemiten, F&auml;lschern, b&ouml;sartigen Rassisten und korrupten Selbstdarstellern. Sie hat sich zu einer antisemitischen Internationalen entwickelt&rdquo;.<\/p><p>Zusammen mit McCain geh&ouml;rten auch ber&uuml;chtigte Pers&ouml;nlichkeiten zu dieser Organisation, wie Jaroslav Stetsko, der ukrainische Nazi-Kollaborateur, der 1941 die Vernichtung von 7000 Juden &uuml;berwachte, der brutale argentinische Ex-Diktator Jorge Rafael Videla und der Anf&uuml;hrer der guatemaltekischen Todesschwadronen, Mario Sandoval Alarcon. Dann ehrte Pr&auml;sident Ronald Reagan die Gruppe, weil sie &ldquo;eine F&uuml;hrungsrolle &uuml;bernommen hatte, um auf den tapferen Kampf aufmerksam zu machen, der jetzt von den wahren Freiheitsk&auml;mpfern unserer Tage gef&uuml;hrt wird&rdquo;.<\/p><p><strong>Als Held verehrt<\/strong><\/p><p>Anl&auml;sslich seines Todes wird McCain auf &auml;hnliche Weise geehrt &ndash; als patriotischer Held und Freiheitsk&auml;mpfer f&uuml;r &acute;die Demokratie. Ein Strom von Heiligenlegenden flie&szlig;t aus den Washingtoner Medien, die er als seine wahre politische Basis bezeichnet hatte. Unter McCains begeisterten Anh&auml;ngern war Jake Tapper von CNN, den er als seinen pers&ouml;nlichen Stenografen f&uuml;r eine Reise nach Vietnam im Jahr 2000 ausw&auml;hlte. Als der ehemalige CNN-Moderator Howard Kurtz Tapper im Februar 2000 fragte: &ldquo;Wenn Sie im [Kampagnen-] Bus mitfahren, bem&uuml;hen Sie sich dann bewusst, nicht vom magischen Zauber McCains erfasst zu werden?&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Nein&ldquo;, scherzte Tapper, &bdquo;das funktioniert nicht. Es geht Ihnen wie Patty Hearst, als sie von der SLA entf&uuml;hrt wurde.&ldquo;<\/p><p>Aber der verstorbene Senator erhielt auch grundlos Anerkennung von einer Reihe bekannter Linksliberaler von George Soros bis zu seinem l&auml;stigen Klienten Ken Roth, dazu die drei Direktoren von Human Rights Watch und die bekannte &ldquo;demokratische Sozialistin&rdquo; Alexandra Ocasio-Cortez, die McCain als &ldquo;einmaliges Beispiel menschlichen Anstands&rdquo; lobte. Der Abgeordnete John Lewis, das Lieblingssymbol der B&uuml;rgerrechtsbewegung in Washingtons politischer Klasse, brachte die Erinnerung an McCain als &ldquo;Friedensk&auml;mpfer&rdquo; auf die Waagschale.<\/p><p>Wenn die lobpreisenden Trauerreden auf McCain aus dem Munde der verschiedensten politischen Aufsteiger und Davos-Stammg&auml;ste losgel&ouml;st von jeder Realit&auml;t erscheinen, dann deshalb, weil sie die elit&auml;re Sichtweise auf die amerikanischen Milit&auml;rinterventionen als eine Schachpartie perfekt widerspiegeln, in der Millionen Tote infolge der grundlosen Angriffe des Westens als blo&szlig;e Statistik erscheinen.<\/p><p>Im Amerika der letzten Jahre gab es nur wenige Figuren, die sich pers&ouml;nlich so sehr der dauerhaften Fortsetzung von Krieg und Imperialismus verschrieben hatten wie McCain. Aber in Washington &uuml;bersah man diesen entscheidenden Aspekt seiner Karriere geflissentlich oder tat ihn als unwichtige Eigenart eines edlen Staatsdieners ab, der trotzdem die Ehrerbietung Aller verdient.<\/p><p>McCain hielt nicht einfach donnernde Reden im Senat f&uuml;r jede gr&ouml;&szlig;ere Intervention der &Auml;ra nach dem Kalten Krieg, in denen er auf Sanktionen und verschiedene T&auml;uschungsman&ouml;ver dr&auml;ngte. Er war einmalig r&uuml;cksichtslos, wenn es darum ging, imperiale Ziele voranzutreiben, indem er von einer Konfliktzone zur n&auml;chsten eilte, um pers&ouml;nlich rechtsextreme Fanatiker als amerikanische Stellvertreter zu rekrutieren.<\/p><p>In Libyen und Syrien z&uuml;chtete er Mitgliedsorganisationen von al-Qaida als Verb&uuml;ndete heran und in der Ukraine hofierte McCain echte, Sieg-Heil schreiende Neonazis.<\/p><p>W&auml;hrend McCains Senatsb&uuml;ro als Clubhaus f&uuml;r Lobbyisten und Neokonservative der R&uuml;stungsindustrie fungierte, f&uuml;hrten seine faschistischen Verb&uuml;ndeten eine Kampagne der menschlichen Zerst&ouml;rung durch, die noch lange weitergehen wird, wenn die Blumen auf seinem Grab verwelkt sind.<\/p><p>Auch wenn amerikanische Medien versuchen, dieses Verm&auml;chtnis mit der Leiche des Senators zu begraben, ist es das, was der Welt von ihm in Erinnerung bleiben wird.<\/p><p><strong>&ldquo;Das ist nicht Al-Qaida&rdquo;<\/strong><\/p><p>Als 2011 ein gewaltsamer Aufstand in Libyen ausbrach, landete McCain mit dem Fallschirm in dem Land, um sich mit den F&uuml;hrern der gr&ouml;&szlig;ten Rebellenorganisation, der Libysch-Islamischen Kampfgruppe (LIFG), zu treffen, die gegen die Regierung von Muammar al-Gaddafi k&auml;mpfte. Sein Ziel war es, diese Bande von islamistischen Hardlinern in den Augen der Obama-Regierung, die damals eine milit&auml;rische Intervention in Erw&auml;gung zog, koscher erscheinen zu lassen.<\/p><p>Was dann passierte, ist gut dokumentiert, obwohl es kaum von der politischen Klasse in Washington diskutiert wird, die an der Bengasi-Scharade festhielt, um von dem wahren Skandal der sozialen Zerst&ouml;rung Libyens abzulenken. Gaddafis Wagenkolonne wurde von NATO-Jets angegriffen, sodass eine Bande von LIFG-K&auml;mpfern ihn mit einem Bajonett gefangennehmen, ermorden und seine Leiche in Misrata in einem Metzgerladen verrotten lassen konnte, w&auml;hrend die Fanboys der Rebellen Selfies mit seiner stinkenden Leiche schossen.<\/p><p>Ein Mord an schwarzen libyschen B&uuml;rgern durch die von McCain rekrutierten rassistischen, sektiererischen Milizen folgte unmittelbar auf die Ermordung des panafrikanischen F&uuml;hrers. Der IS besetzte Gaddafis Heimatstadt Sirte, w&auml;hrend Belhajs Milizen die Kontrolle &uuml;ber Tripolis &uuml;bernahmen und ein Krieg der Warlords begann. Entsprechend Gaddafis Warnungen wurde das zerst&ouml;rte Land zur Basis von Schlepperorganisationen f&uuml;r Migranten am Mittelmeer, wodurch das Erstarken der extremen Rechten in ganz Europa bef&ouml;rdert wurde und die Sklaverei nach Afrika zur&uuml;ckkehrte.<\/p><p>Viele m&ouml;gen Libyen als gescheiterten Staat bezeichnen, aber das Land stellt auch die erfolgreiche Verwirklichung der Vision dar, die McCain und seine Verb&uuml;ndeten auf der globalen B&uuml;hne erreicht haben.<\/p><p>Nach dem von der NATO organisierten Mord an Libyens F&uuml;hrer twitterte McCain: &ldquo;Gaddafi auf dem Weg nach drau&szlig;en, Bashar al-Assad ist der N&auml;chste.&rdquo;<\/p><p><strong>McCains Ressourcenverschwendung in Syrien<\/strong> <\/p><p>Genau wie Libyen hatte Syrien sich geweigert, sich dem Westen anzuschlie&szlig;en und wurde pl&ouml;tzlich mit einem Aufstand salafistischer K&auml;mpfer konfrontiert, die von der CIA bewaffnet worden waren. Wieder einmal machte es sich McCain zu seiner pers&ouml;nlichen Aufgabe, islamistische Aufst&auml;ndische in Amerika als eine Kreuzung zwischen den Minutemen und den Freedom Fighters der B&uuml;rgerrechtsbewegung zu verkaufen. Zu diesem Zweck nahm er einen jungen syrisch-amerikanischen Agenten namens Mouaz Moustafa unter seine Fittiche, der im Vorfeld der NATO-Invasion Berater des libyschen &Uuml;bergangsrates war.<\/p><p>Im Mai 2013 &uuml;berredete Moustafa McCain, einen illegalen Trip &uuml;ber die syrische Grenze zu unternehmen und sich mit einigen Freiheitsk&auml;mpfern zu treffen. Ein israelischer Million&auml;r namens Moti Kahana, der mit seiner NGO Amaliah die Aktionen der syrischen Opposition und des israelischen Milit&auml;rs koordinierte, behauptete, &ldquo;die Oppositionsgruppe finanziert zu haben, die Senator John McCain zu dem Besuch im vom Krieg zerrissenen Syrien eingeladen hatte&rdquo;.<\/p><p>&bdquo;Das k&ouml;nnte f&uuml;r ihn eine Art Bengasi-Moment gewesen sein&rdquo;, bemerkte Moustafa aufgeregt in einer Szene des Dokumentarfilms &ldquo;Red Lines&rdquo;, der seine Bem&uuml;hungen um einen Regime Change zeigte. &ldquo;[McCain] ging nach Bengasi, er kam zur&uuml;ck, wir bombardierten.&rdquo;<\/p><p>W&auml;hrend seiner kurzen Syrien-Exkursion traf sich McCain mit einer Gruppe von CIA-gef&ouml;rderten Aufst&auml;ndischen und segnete ihren Kampf. &ldquo;Der Senator wollte der Freien Syrischen Armee versichern, dass das amerikanische Volk ihren Ruf nach Freiheit und ihre Revolution unterst&uuml;tzt&rdquo;, sagte Moustafa in einem Interview mit CNN. McCains B&uuml;ro ver&ouml;ffentlichte prompt ein Foto, auf dem der Senator neben einem strahlenden Moustafa und zwei grimmig aussehenden bewaffneten K&auml;mpfern posierte.<\/p><p>Tage sp&auml;ter identifizierte der libanesische Daily Star die beiden M&auml;nner als Mohammad Nour und Abu Ibrahim. Beide waren ein Jahr zuvor an der Entf&uuml;hrung von elf Pilgern beteiligt gewesen und wurden von einem der &Uuml;berlebenden identifiziert. McCain und Moustafa kehrten in die USA zur&uuml;ck, wurden zum Spottobjekt von John Stewart, dem Moderator der Daily Show, und zum Fokus &auml;u&szlig;erst kritischer Berichte aus dem gesamten Medienspektrum. In einem Rathaus in Arizona wurde McCain von W&auml;hlern beschimpft, darunter auch Jumana Hadid, einer syrischen Christin, die davor warnte, dass die militanten Sektierer, mit denen er so eng verbunden war, ihren Heimatort mit V&ouml;lkermord bedrohten.<\/p><p>Aber McCain dr&auml;ngte trotzdem vorw&auml;rts. Auf dem Capitol Hill engagierte er eine weitere zwielichtige junge Agentin in seinem interventionistischen Theater. Sie hie&szlig; Elizabeth O&rsquo;Bagy und war Mitarbeiterin am Institute for Study of War, einer von der R&uuml;stungsindustrie finanzierten Denkfabrik, die von Kimberly Kagan vom neokonservativen Kagan-Clan geleitet wurde. Hinter den Kulissen beriet O&rsquo;Bagy Moustafa bez&uuml;glich seiner syrischen Notfall-Einsatztruppe, ein klarer Interessenkonflikt, der ihrem obersten G&ouml;nner im Senat sehr wohl bewusst war. Vor dem Senat zitierte McCain einen Leitartikel des Wall Street Journals von O&rsquo;Bagy, der seine Einsch&auml;tzung untermauerte, dass die syrischen Rebellen &uuml;berwiegend &ldquo;gem&auml;&szlig;igt&rdquo; und dem Westen gegen&uuml;ber potenziell freundlich gesonnen waren.<\/p><p>Tage sp&auml;ter kam heraus, dass O&rsquo;Bagy ihre Dissertation in Arabistik gef&auml;lscht hatte. Nachdem der blamierte Kagan O&rsquo;Bagy gefeuert hatte, absolvierte die akademische Betr&uuml;gerin eine weitere Runde durch die Washingtoner Dreht&uuml;ren und marschierte als McCains neueste au&szlig;enpolitische Beraterin in die Hallen des Kongresses ein.<\/p><p>McCain scheiterte endg&uuml;ltig mit der Absicht, dass die islamistischen &bdquo;Revolution&auml;re&rdquo; die Kontrolle von Damaskus &uuml;bernehmen. Die syrische Regierung &uuml;berlebte dank der Hilfe seiner Todfeinde in Teheran und Moskau, doch zuvor sorgte eine Milliarden Dollar schwere Bewaffungs- und Ausr&uuml;stungsaktion der CIA f&uuml;r das Ausl&ouml;sen einer der schlimmsten Fl&uuml;chtlingskrisen der Nachkriegsgeschichte. F&uuml;r McCain war es ein Gl&uuml;ck, dass andere Intrigen seine Aufmerksamkeit erforderten und neue Banden fanatischer Schurken seinen Segen brauchten. Monate nachdem er das Syrien-Projekt in den Sand gesetzt hatte, wandte der starrsinnige Militarist seine Aufmerksamkeit der Ukraine zu, wo sich damals, angestachelt durch US- und EU-finanzierte NGOs, ein B&uuml;rgerkrieg entwickelte. <\/p><p><strong>Kuscheln mit den Neo-Nazis in der Ukraine<\/strong><\/p><p>Am 14. Dezember 2013 kam McCain pers&ouml;nlich nach Kiew zu einem Treffen mit Oleh Tyanhbok, einem unbelehrbaren Faschisten, der sich zu einem wichtigen Oppositionsf&uuml;hrer entwickelt hatte. Tyanhbok war Mitbegr&uuml;nder der faschistischen Sozial-Nationalen Partei, einer rechtsextremen politischen Truppe, die sich selbst als &ldquo;letzte Hoffnung der wei&szlig;en Rasse, der Menschheit als solcher&rdquo; bezeichnete. Als Judenver&auml;chter hatte er sich beschwert, dass die &bdquo;Moskauer Judenmafia&ldquo; die Kontrolle &uuml;ber sein Land &uuml;bernommen h&auml;tte und war w&auml;hrend einer Rede fotografiert worden, als er den Arm zum Hitler-Gru&szlig; ausstreckte. <\/p><p>Nichts davon schien McCain  zu st&ouml;ren, auch nicht die Menge der Neo-Nazis aus dem Rechten Sektor, die den Maidan f&uuml;llte, als er die B&uuml;hne betrat, um sie anzustacheln. <\/p><p>&ldquo;Die Ukraine wird Europa n&uuml;tzen und Europa der Ukraine!&rdquo;, rief McCain unter dem Jubel der Massen, w&auml;hrend Tyanhbok an seiner Seite stand. Das Einzige, was ihn damals interessierte, war die Weigerung des gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten der Ukraine, einen Austerit&auml;tsplan der Europ&auml;ischen Union zu unterzeichnen und sich stattdessen f&uuml;r ein Wirtschaftsabkommen mit Moskau zu entscheiden.<\/p><p>McCain war so entschlossen, eine unabh&auml;ngige Regierung durch einen NATO-Vasallen zu ersetzen, dass er sogar &uuml;ber einen Milit&auml;rschlag gegen Kiew nachdachte. &ldquo;Ich sehe keine milit&auml;rische Option und das ist tragisch&rdquo;, klagte McCain in einem Interview &uuml;ber die Krise. Zum seinem Gl&uuml;ck kam der Regimewechsel kurz nach seinem Auftritt auf dem Maidan, und Tyanhboks Verb&uuml;ndete st&uuml;rzten sich hinein, um das Vakuum zu f&uuml;llen.<\/p><p>Bis zum Ende des Jahres war das ukrainische Milit&auml;r im Osten des Landes gefangen in einem blutigen Grabenkrieg mit den prorussischen Separatisten, die gegen den Staatsstreich waren. Eine Miliz, die mit der neuen Regierung in Kiew, Dnipro-1, in Verbindung stand, wurde von Amnesty-International-Beobachtern beschuldigt, humanit&auml;re Hilfe in einem von Separatisten kontrollierten Gebiet zu blockieren, einschlie&szlig;lich Essen und Kleidung f&uuml;r die kriegsgebeutelte Bev&ouml;lkerung.<\/p><p>Ein halbes Jahr sp&auml;ter erschien McCain auf der Trainingsbasis von Dnipro-1, gemeinsam mit den Senatoren Tom Cotton und John Barasso. &ldquo;Die Leute in meinem Land sind stolz auf euren Kampf und euren Mut&rdquo;, sagte McCain vor einer Versammlung von Milizsoldaten. Als er mit seinen Ausf&uuml;hrungen fortfuhr, schmetterten die K&auml;mpfer einen Gru&szlig; aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, der durch ukrainische Nazi-Kollaborateure bekannt geworden war: &ldquo;Ehre sei der Ukraine!&rdquo;<\/p><p>Heute besetzen rechtsextreme Nationalisten die Schl&uuml;sselpositionen in der prowestlichen Regierung der Ukraine. Sprecher des Parlaments ist Andriy Parubiy, der zusammen mit Tyanhbok die Sozial-Nationale Partei gr&uuml;ndete und F&uuml;hrer der Bewegung zu Ehren von Nazi-Kollaborateuren wie Stepan Bandera ist. Auf dem Titelblatt seines Manifests &ldquo;Blick von rechts&ldquo; von 1998 ist Parubiy in einem braunen Hemd im Nazi-Stil mit einer Pistole am G&uuml;rtel zu sehen. Im Juni 2017 begr&uuml;&szlig;ten McCain und der republikanische Sprecher des Repr&auml;sentantenhauses, Paul Ryan, Parubiy im Capitol zu dem, was McCain ein &bdquo;gutes Treffen&ldquo; nannte. Das war eine Motivationsspritze f&uuml;r die faschistischen Kr&auml;fte, die durch die Ukraine fegten.<\/p><p>In den vergangenen Monaten hat die Ukraine erlebt, wie eine staatlich gef&ouml;rderte neonazistische Miliz namens C14 Pogrome gegen die Roma-Bev&ouml;lkerung der Ukraine ver&uuml;bte, wie ein Landesparlament eine Ausstellung zu Ehren von Nazi-Kollaborateuren organisierte und das ukrainische Milit&auml;r formell den Nazi-Gru&szlig; &bdquo;Ehre der Ukraine&ldquo; als offizielle Gru&szlig;formel genehmigte. <\/p><p>Die Ukraine ist jetzt der kranke Mann Europas, auf st&auml;ndige Hilfe angewiesen und im Osten in einen endlosen Krieg verwickelt. Als Beweis f&uuml;r den Niedergang des Landes seit seiner sogenannten &ldquo;Revolution der W&uuml;rde&rdquo; hat der zutiefst unpopul&auml;re Pr&auml;sident Petro Poroschenko dem Sicherheitsberater des Wei&szlig;en Hauses, John Bolton, versprochen, dass sein Land &ndash; einst ein Kohlef&ouml;rderer auf Augenh&ouml;he mit Pennsylvania &ndash; jetzt  Kohle aus den USA importieren wird. Wieder einmal gilt eine Regime-Change-Operation, die einen gescheiterten, faschistischen Staat hervorbrachte, als einer der gr&ouml;&szlig;ten Erfolge McCains.<\/p><p>McCains Geschichte erinnert an eine der aufr&uuml;hrerischsten &Auml;u&szlig;erungen von Sarah Palin, einer anderen dummen Fanatikerin, die auf die Weltb&uuml;hne dr&auml;ngte. Im Oktober 2008 beschuldigte Palin Barack Obama in einer ausgesprochen weitschweifigen Rede, sich &ldquo;mit Terroristen abzugeben&rdquo;. Die Richtung wurde als l&auml;cherlich und an der Grenze zur Verleumdung angesehen. Wenn man jedoch auf McCains Karriere zur&uuml;ckblickt, erscheint die Anklage ziemlich ironisch.<\/p><p>Objektiv gesehen war es McCain, der sich mit Terroristen abgab und dem amerikanischen Steuerzahler so viele Ressourcen wie nur m&ouml;glich entzog, um das Chaos zu maximieren. Wir hoffen, dass die zerr&uuml;tteten Gesellschaften eines Tages in Frieden leben k&ouml;nnen.<\/p><p><em>Max Blumenthal ist ein preisgekr&ouml;nter Journalist und der Autor von B&uuml;chern einschlie&szlig;lich der Bestseller <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Republican-Gomorrah-Inside-Movement-Shattered\/dp\/1568584172\">Republican Gomorrah: Inside the Movement That Shattered the Party<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Goliath-Life-Loathing-Greater-Israel\/dp\/1568586345\">Goliath: Life and Loathing in Greater Israel<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/51-Day-War-Ruin-Resistance\/dp\/156858511X\">The Fifty One Day War: Ruin and Resistance in Gaza<\/a>, und des in der Entstehung befindlichen The Management of Savagery, das bei Verso erscheinen wird. Er hat au&szlig;erdem zahlreiche Artikel in den unterschiedlichsten Medien ver&ouml;ffentlicht, au&szlig;erdem viele Videos und Dokumentationen produziert, einschlie&szlig;lich &nbsp;<a href=\"https:\/\/vimeo.com\/145816483\">Je Ne Suis Pas Charlie<\/a>&nbsp;und k&uuml;rzlich <a href=\"https:\/\/killinggaza.com\/\">Killing Gaza<\/a>. Blumenthal gr&uuml;ndete 2015 das <a href=\"http:\/\/GrayzoneProject.com\">GrayzoneProject.com<\/a>, das er auch herausgibt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180902-mccain-01.jpg\" alt=\"John McCain\" title=\"John McCain\"\/><\/div>\n<p>Wenn die Grabreden der politischen Aufsteiger auf John McCain als abgehoben von der Realit&auml;t erscheinen, dann deshalb, weil sie die elit&auml;re Sichtweise widerspiegeln, die die milit&auml;rischen Interventionen der USA als ein Schachspiel betrachten, bei dem die Millionen Toten durch grundlose Angriffe lediglich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45779\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,123,171],"tags":[351,1516,1060,947,2022,1055,2102,2175,1268,921,2104,304,1052,911,2455,747,955,1352,1418,2147,1553,260,1556,357],"class_list":["post-45779","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-kampagnentarnworteneusprech","category-militaereinsaetzekriege","tag-afghanistan","tag-al-assad-baschar","tag-al-gaddafi-muammar","tag-arabellion","tag-failed-state","tag-fluechtlinge","tag-geostrategie","tag-interventionspolitik","tag-kalter-krieg","tag-kommunismus","tag-kriegsopfer","tag-kriegsverbrechen","tag-libyen","tag-maidan","tag-mccain-john","tag-nachruf","tag-neonazismus","tag-rechtsruck","tag-regime-change","tag-sowjetunion","tag-syrien","tag-ukraine","tag-usa","tag-vietnam"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45779"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121830,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45779\/revisions\/121830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}