{"id":45783,"date":"2018-09-01T09:05:31","date_gmt":"2018-09-01T07:05:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45783"},"modified":"2018-12-30T14:11:43","modified_gmt":"2018-12-30T13:11:43","slug":"keine-macht-der-welt-kann-mich-daran-hindern-lula-zu-vertrauen-und-ihm-zu-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45783","title":{"rendered":"\u201eKeine Macht der Welt kann mich daran hindern &#8230; Lula &#8230; zu vertrauen und ihm zu glauben!\u201d"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180901-lula-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Es war der <em>trending topic<\/em> in den sozialen Netzwerken Brasiliens am sp&auml;ten Nachmittag des 30. August 2018: der Gef&auml;ngnis-Besuch von Martin Schulz bei Ex-Pr&auml;sident Lula da Silva. Mit Ausnahme des liberalen <a href=\"http:\/\/www.jb.com.br\/_conteudo\/pais\/2018\/08\/2188-ex-presidente-do-parlamento-europeu-martin-schulz-visita-lula-na-prisao.html\"><em>Jornal do Brasil<\/em><\/a> unterschlugen die konservativen brasilianischen Medien die Nachricht, wurden jedoch von europ&auml;ischen Medien wie <a href=\"http:\/\/br.rfi.fr\/brasil\/20180830-ex-lider-do-partido-social-democrata-da-alemanha-martin-schulz-visita-lula-na-prisao\">Radio France International <em>RFI<\/em><\/a>, dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/martin-schulz-besucht-luiz-inacio-lula-da-silva-im-gefaengnis-vor-brasilien-wahl-a-1225827.html\"><em>Spiegel<\/em><\/a> und selbst von der <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/martin-schulz-im-gef%C3%A4ngnis-bei-lula-da-silva\/a-45299471\"><em>Deutschen Welle<\/em><\/a> beflissentlich daran erinnert. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Martin Schulz nach seinem Gef&auml;ngnis-Besuch von Ex-Pr&auml;sident Lula &ndash; Ein Bericht aus brasilianischer Sichtweise<\/strong><\/p><p>Die Niederlassung der Bundespolizei in Curitiba, in deren 4. Stock Ex-Pr&auml;sident Luiz In&aacute;cio Lula da Silva eine abgeschirmte 15qm-Zelle belegt, stand mal wieder unter Einsatz-Stress wegen angestauten und hoch respektierten Staatsbesuchen. Der Visite von Martin Schulz war n&auml;mlich wenige Stunden zuvor die des portugiesischen Professors an der Universit&auml;t Coimbra und internationalen Aktivisten Dr. Boaventura de Souza Santos vorausgegangen.<\/p><p>Nie zuvor in ihrer 325-j&auml;hrigen Geschichte wurde die zwar 2 Millionen Einwohner z&auml;hlende, jedoch merklich provinziell wirkende s&uuml;dbrasilianische Metropole so massiv und in so kurzer Zeit von derart bunter einheimischer und internationaler Prominenz besucht. Obendrein zur Anteilnahme am Schicksal eines &bdquo;Kriminellen&ldquo; emp&ouml;ren sich Polizei, Staatsanw&auml;lte und das erzreaktion&auml;re Fu&szlig;volk des hier beheimateten, urteilenden Lula-Scharfrichters S&eacute;rgio Moro, der mit Widmungen der amerikanischen <em>Time<\/em> und Preisen der landesgr&ouml;&szlig;ten Mediengruppe <em>O Globo<\/em> zum medial verh&ouml;kerten Justizhelden seit 2014 Curitiba erstmals in die internationalen Schlagzeilen hievte.<\/p><p><strong>Die Welt gibt sich vor Lulas Zelle die Klinke in die Hand &ndash; und die Justiz antwortet mit Schikanen<\/strong><\/p><p>Es ist keine Mutma&szlig;ung, sondern ein offenes Geheimnis, dass Moro, der vom US- Departement of State ausgebildete <em>Task-Force-Punisher<\/em>, so manches Mal w&auml;hrend der Verh&ouml;re Lulas &ndash; insbesondere wenn der Ex-Pr&auml;sident Episoden seiner mehr als hundertfachen internationalen Staatsbesuche, z.B. das Dinner mit Queen Elisabeth schilderte &ndash; nerv&ouml;s auf seinem Richterstuhl hin und her rutschte und &ndash; von Neid besessen? &ndash; die Kontrolle &uuml;ber seine zuckenden Mundwinkel verlor. Ebenso hat sich millionenfach unter Lulas Anh&auml;ngern herumgesprochen, dass jeder auch noch so geringe Erfolg der Petitionen seiner Anw&auml;lte gegen&uuml;ber Moros Vorgesetzten im Obersten Gerichtshof (STF) oder ein bescheidenes 1 Prozent in der unaufhaltsam steigenden W&auml;hlergunst des H&auml;ftlings sofort zwischen Moro und der Staatsanwaltschaft abgekartete Vergeltungsma&szlig;nahmen gegen seine Justizgesuche oder seine Parteifreunde zur Folge haben.<\/p><p>Vergeltung zum Beispiel gegen&uuml;ber Martin Schulz&lsquo; Begleiter, den ehemaligen B&uuml;rgermeister S&atilde;o Paulos und Lula-Vize Fernando Haddad, gegen den die konservativen Medien vor wenigen Tagen ein zweifelhaftes, verstaubtes und vor sich hin schmorendes Verfahren wegen angeblicher &bdquo;Mittelveruntreuung&ldquo; beim Bau des Fahrradweges durch S&atilde;o Paulo wieder ausgegraben haben, in dem der zust&auml;ndige Richter selbst kommentiert, es sei davon auszugehen, dass Haddad davon nichts wusste. Doch seien diese Machenschaften beim Namen genannt: Sie werden von der Staatsanwaltschaft der Presse zugespielt, als Hinterhalt gegen Haddads Popularit&auml;t als Lulas potenzieller Stellvertreter oder gar als zuk&uuml;nftiger Pr&auml;sident Brasiliens.<\/p><p><strong>Der erste Sozialdemokrat, der brasilianischen Boden nicht aus Gesch&auml;ftsinteressen betritt<\/strong><\/p><p>Perverse Spielchen wie dieses m&uuml;ssen auch dem ehemaligen EU-Parlamentsvorsitzenden und Kanzlerkandidaten Schulz aufgefallen, wenn nicht gar erkl&auml;rt worden sein, der vor den Kameras von dem Zellenbesuch sichtlich beeindruckt schien, als er eingestand, in der Person Lula &bdquo;eine sehr mutige, sehr k&auml;mpferische und optimistische Person aufgefunden&rdquo; zu haben, mit der er seit etlichen Jahrzehnten zusammengearbeitet habe. Besonnen und diplomatisch <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Lula\/videos\/292150891579092\/\">sprach Martin Schulz<\/a> zun&auml;chst durch die Blume, es liege zwar nicht in seinem Ermessen, &uuml;ber die juristischen Feinheiten der Prozessf&uuml;hrung gegen Lula zu urteilen, doch wie so zahlreiche Juristen und Politiker vor ihm erkl&auml;rte nun auch der deutsche Sozialdemokrat, eines sei klar: dass n&auml;mlich die Umst&auml;nde des Falles berechtigte Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Prozesses zulassen.<\/p><p>Gefeiert wurden in den der Arbeiterpartei (PT) nahestehenden Medien zwei willkommene Aussagen von Schulz. Zum einen seine Bekr&auml;ftigung, Brasilien spiele eine sehr wichtige Rolle in der internationalen Politik, und in diesem Sinne sollte die Justiz die Anweisung des UN-Ausschusses f&uuml;r Menschenrechte zugunsten Lulas Kandidatur akzeptieren (siehe <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45628\">&bdquo;Die R&uuml;ckkehr der Linken ist ein Albtraum!&rdquo;<\/a>). Zum anderen seine &Uuml;berzeugung, die PT, Lula und die brasilianische Linke st&uuml;nden als Symbol f&uuml;r die internationale Zusammenarbeit in Fragen der Menschen- und Grundrechte; schlie&szlig;lich sein Votum daf&uuml;r, dass &bdquo;Brasilien wieder zu einem weltweiten Motor der Demokratisierung&ldquo; zu machen sei. Das seien die Gr&uuml;nde, weshalb er sich im Namen seiner Parteifreundinnen und -freunde mit der Arbeiterpartei und ihrem Kandidaten solidarisiere. &bdquo;Keine Macht der Welt kann mich daran hindern, einem Mann, mit dem ich viele Jahre eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, zu vertrauen und ihm zu glauben!&rdquo;, erkl&auml;rte Schulz energisch.<\/p><p>Obwohl so manch deutsche(r) Leserin und Leser, Aktivistin und Aktivist Schulz dieses Glaubensbekenntnis nicht abnimmt, will ich dieser begr&uuml;ndeten Skepsis aus brasilianischer Perspektive widersprechen. Nach nahezu 45 Jahren ist der gegen Angela Merkel unterlegene Kanzlerkandidat der erste Sozialdemokrat seit Willy Brandt und Helmut Schmidt, der nicht als Lobbyist deutscher Konzerne, sondern als &Uuml;berbringer der Solidarit&auml;t zu einem politischen Gefangenen nach Brasilien reist. Nein, kein salbungsvoller Spruch, ich wei&szlig;, wovon ich rede.<\/p><p><strong>Goldene Uhren und Atomvertr&auml;ge mit Diktatoren<\/strong><\/p><p>&bdquo;Vage erinnerte ich mich, dass Willy Brandt als Au&szlig;enminister der Gro&szlig;en Koalition Kurt G. Kiesingers bereits 1968 die Unterzeichnung eines Abkommens zur wissenschaftlich-technischen Kooperation in Brasilien mit dem Ziel vorbereitet hatte, Nukleartechnologie dorthin zu liefern. Auf der Grundlage des &bdquo;Lei de Seguran&ccedil;a Nacional&ldquo; (Gesetz der Nationalen Sicherheit) regierte Junta-General Artur da Costa e Silva das Land im Ausnahmezustand auf Dauer. Willy Brandt, ehemaliger Widerstandsk&auml;mpfer gegen Hitler, schenkte ihm eine goldene Uhr&rdquo;, notierte ich in einem vor vier Jahren ver&ouml;ffentlichten Essay (Der Atomdeal und die Ungehorsamen &ndash; TAZ, 06. M&auml;rz 2014).<\/p><p>Waren Brandt und 1975 seinem Parteifreund und Nachfolger, Helmut Schmidt, die Ausschaltung des ihnen so teuren demokratischen Rechtsstaats, die drakonische Medienzensur, die Unterdr&uuml;ckung der Gewerkschaften, die geheimen paramilit&auml;rischen Todeskommandos, die Folterzentren, die Folter-Opfer, das Schicksal hunderter politischer H&auml;ftlinge etwa nicht bekannt? Oder nichts wert? Bei der Verteidigung seines atomaren &bdquo;Jahrhundertgesch&auml;fts&ldquo; schaute zumindest das offizielle Deutschland bei den Verbrechen seines Gesch&auml;ftspartners weg.<\/p><p>Es kam aber noch dicker. Die Unterzeichnung des deutsch-brasilianischen Atomvertrags vom Juni 1975 &ndash; der mittels deutscher Technologie den Bau von acht Atomkraftwerken, einer Anreicherungs- und einer Wiederaufbereitungsanlage in Brasilien vorsah &ndash; habe ich in Erinnerung als publizistischen &bdquo;Vergeltungsschlag&ldquo;: Die &bdquo;Bombe&ldquo; wurde synchron gez&uuml;ndet mit dem aus Wyhl auf die gesamte Bundesrepublik &uuml;berschwappenden Protest gegen die Atomenergie. Umso vehementer stellte sich die Regierung hinter die Atomindustrie f&uuml;r die Ausbreitung der gef&uuml;rchteten Technologie in den damaligen, zumeist autorit&auml;ren und diktatorischen &bdquo;Schwellenl&auml;ndern&ldquo; S&uuml;dafrika, Iran, Argentinien und Brasilien.<\/p><p>Nach mehr als vierzig Jahren sah ich die Schlagzeilen und Pressemeldungen lebendig vor Augen, die wochenlang das Auftragsvolumen von zw&ouml;lf Milliarden DM als &bdquo;Jahrhundert-Gesch&auml;ft&ldquo; feierten. Es feierte die Atomindustrie, angef&uuml;hrt vom Kernkraftbauer Siemens-KWU &ndash; doch die Medien feierten mit. Auch der Staat, damals regiert vom sozialdemokratischen Kanzler Helmut Schmidt, der sich an der Seite des nun herrschenden Generals Ernesto Geisel fotografieren lie&szlig; &ndash; der gleiche General, von dem der CIA Beweise hatte, dass er die Erschie&szlig;ung von Regimegegnern befehligte (Em memorando, diretor da CIA diz que Geisel autorizou execu&ccedil;&atilde;o de opositores durante ditadura &ndash; G1, 10, Mai 2018). Und Helmut Schmidts BND will davon nichts gewusst haben?<\/p><p>Was mir &ndash; als wenige Jahre zuvor aus Brasilien eingereister und nach Demokratie lechzender junger Mensch &ndash; nicht in den Sch&auml;del passen wollte, war: Wie konnte nur die deutsche SPD ein solches Gesch&auml;ft mit der Diktatur in Bras&iacute;lia unterzeichnen? Das &bdquo;Jahrhundertgesch&auml;ft&ldquo; war zur &bdquo;Staatssache&ldquo; erkl&auml;rt worden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, etwa der damaligen&nbsp;<em>Frankfurter Rundschau<\/em>, wurde der geheiligte Pluralismus-Begriff au&szlig;er Kraft gesetzt, die Gleichschaltung der Presse verordnet und Westdeutschland zur Republik der atomaren Einhelligkeit reduziert; die IG-Metall mit im strahlenden Boot. <\/p><p><strong>Lulas erste Verhaftung, oder: Es geht auch anders<\/strong><\/p><p>Allerdings h&auml;tte Martin Schulz ruhig einige IG-Metall-Vertreter in seine Delegation laden sollen. Denen h&auml;tte Lula eine Sehns&uuml;chte erweckende Episode erz&auml;hlt, an der ich zusammen mit dem wackeren Edmund M&ouml;ller, damals Herausgeber der IG-Metall-Funktion&auml;rszeitschrift &bdquo;Der Gewerkschafter&ldquo;, als &bdquo;Strippenzieher&ldquo; agierte.<\/p><p>Es war der 19. April 1980, es d&auml;mmerte noch in S&atilde;o Bernardo do Campo, am Industrieg&uuml;rtel S&atilde;o Paulos, als eine Stimme vor Lulas Haust&uuml;r bellte: &bdquo;Herr Luiz In&aacute;cio, hier spricht die Polizei!&rdquo;. Lulas Freund, der Dominikaner-M&ouml;nch Frei Betto, der auf der Couch schlief, bat die Offiziere, sie m&ouml;gen warten und weckte den gesuchten Mann. Es waren acht Offiziere, zwei von ihnen mit Maschinengewehren bewaffnet. An diesem Tag wurden der Gewerkschaftsf&uuml;hrer Lula als Vorsitzender der Metallarbeitergewerkschaft S&atilde;o Bernardo do Campos und 14 seiner Kameraden zur politischen Polizei (Dops) gebracht und nach dem Nationalen Sicherheitsgesetz angeklagt.<\/p><p>Die Arbeiterpartei (PT) war gerade vor wenigen Monaten gegr&uuml;ndet worden, zu tausenden str&ouml;mten Regimegegner verschiedenster ideologischer Couleur zur neuen Sammlung. Der Grund f&uuml;r die Verhaftungen, so die Regierung, sei der fl&auml;chendeckende Streik gewesen, der u.a. die Montagewerke von VW und Daimler-Benz lahmlegte. Die Armee erkl&auml;rte, sie habe &bdquo;nichts damit zu tun&rdquo;, doch eine Verschlusssache der Milit&auml;rs enth&uuml;llte, dass gewaltt&auml;tige Festnahmen geplant waren. &bdquo;Die Auswirkungen, die auf bestimmte Verhaftungen folgten &hellip; bewirkten mehr Publizit&auml;t als sonst &uuml;blich, was zu negativen Reflexen f&uuml;hrte&rdquo;, hie&szlig; es in dem Dokument. Dops-Chef Romeu Tuma war &uuml;ber Lulas Verhaftung beunruhigt und prophezeite, sie werde ihn zum Helden machen.<\/p><p>Wie Recht behielt doch Tuma! &bdquo;Als Lula verhaftet wurde, rangierte er laut Datafolha bei 30 Prozent in W&auml;hlerumfragen. Nun ist er auf Tuchf&uuml;hlung mit 40 Prozent. Die Anwendung von Ausnahmebestimmungen gegen die Rechtsordnung hat nur dazu beigetragen, die PT zu st&auml;rken&ldquo;, zieht Star-Journalist und nicht nur Lula-, sondern S&eacute;rgio-Moro-Gegner Reinaldo Azevedo 39 Jahre sp&auml;ter wieder die gleiche Bilanz (Na pauta do TSE nesta 6a., a presen&ccedil;a ou n&atilde;o de Lula no hor&aacute;rio eleitoral. H&aacute; lei. O que ela diz? E o risco de se optar por ainda mais heterododoxia &ndash; Redetvuol, 30. August 2018).<\/p><p>Aber zur&uuml;ck und zur eigentlichen Pointe. Lula und Kameraden verblieben 1979 kaum 31 Tage in Haft, derart lautstark und massiv regte sich in- und ausl&auml;ndischer Protest gegen die Willk&uuml;r der Verhaftung und die weiterhin andauernde Besetzung der Gewerkschaftszentrale von S&atilde;o Bernardo do Campo. Zu dieser Zeit weilte zuf&auml;llig Bundeskanzler Helmut Schmidt in S&atilde;o Paulo und bat offenbar um ein Treffen mit Lula, von dem bis heutigen Datums nicht klar ist, ob Lula noch hinter Gittern sa&szlig;. &ldquo;&hellip; Schmidt besuchte auch den Gewerkschafter und sp&auml;teren Pr&auml;sidenten Lula da Silva im Gef&auml;ngnis&ldquo;, schrieb Gr&uuml;nen-Politiker J&uuml;rgen Trittin in einem Schmidt-Nachruf in <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2015-11\/helmut-schmidt-nachruf-juergen-trittin\">DIE ZEIT<\/a> und trug somit zur medialen Mythenbildung bei. Vielmehr soll Schmidt Lula in sein 5-Sterne-Hotel beordert haben, eine Begegnung, die Lula 30 Jahre sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QoRr45mnTWc\">dem 91-j&auml;hrigen Altkanzler erwiderte<\/a> &ndash; diesmal als Pr&auml;sident Brasiliens.<\/p><p>W&auml;hrenddessen hatten Edmund M&ouml;ller und ich eine Idee: eine Kampagne der Zeitschrift &bdquo;Der Gewerkschafter&ldquo; f&uuml;r die Befreiung der Gewerkschafter mit einer Geldsammlung zur Betriebswiederaufnahme der Gewerkschaftszentrale. Eine Artikelreihe wurde vereinbart, jedoch auch &bdquo;logistische Schritte&ldquo;, mit denen ich beauftragt wurde. Also reiste ich, erstens, quer durch die damalige Bundesrepublik, berichtete in von der IG Metall einberufenen Betriebsversammlungen bei VW in Wolfsburg und Daimler-Benz in Stuttgart &uuml;ber die Lage im fernen Brasilien. Und bat vereinbarungsgem&auml;&szlig; die Kollegen &bdquo;zur Kasse&ldquo;.<\/p><p>Zweitens lag jedoch vor mir die mulmig stimmende &bdquo;Fernmission&ldquo;: die Ablieferung und Quittierung der ca. 8.000 DM des eingesammelten Solidarit&auml;tsfonds. Mein Problem: Zwar hatte inzwischen Geisels Nachfolger, General Jo&atilde;o Barista Figueiredo, eine Generalamnestie &ndash; unter Einschluss der Folterer &ndash; erlassen, doch als jahrelang auf der schwarzen Liste der Sicherheitsapparate der Diktatur stehender &bdquo;internationaler Nestbeschmutzer&ldquo; hegte ich berechtigte Zweifel an meiner Unversehrtheit bei der Landung in S&atilde;o Paulo.<\/p><p>Es ging gerade nochmal gut, ein halbes Jahr sp&auml;ter sa&szlig;en Lula und ich w&auml;hrend einer Folgeverhandlung zu seiner Anklage nebeneinander. Ich glaubte, es g&auml;be keinen sichereren Ort als das Milit&auml;rgericht und steckte ihm die 8.000 DM in seine Jackentasche. Am Tag darauf &ndash; es war unangenehm k&uuml;hl &ndash; interviewte ich Luiz In&aacute;cio Lula da Silva in seiner Wohnung, angew&auml;rmt von mehreren Dosen <em>Cacha&ccedil;a<\/em>, einem Zuckerrohrschnaps, den ein Sohn des Gewerkschaftsf&uuml;hrers eiligst in einer 5-Liter-Flasche beim Kr&auml;merladen an der Ecke zu besorgen hatte.<\/p><p>Die Kampagne des &bdquo;Gewerkschafter&ldquo; wurde ein glatter Erfolg. Die Spender gingen nicht leer aus. Edmund M&ouml;ller entsch&auml;digte sie mit eingekauften, politischen Originalgem&auml;lden eines in Berlin lebenden brasilianischen Kunstmalers. Ich hatte weniger Gl&uuml;ck. Trotz eines politischen und eines fachlichen Gutachtens jeweils aus der Feder M&ouml;llers und Erhard Epplers &ndash; damaliger Minister f&uuml;r Internationale Entwicklungszusammenarbeit &ndash; wurde ich von der Doktoranden-Stipendienauswahl der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgeschlossen. Hinter vorgehaltener Hand durfte ich Monate sp&auml;ter erfahren, dass die damaligen &bdquo;Kanalarbeiter&ldquo; in der SPD, M&ouml;llers und meine &bdquo;Lula-Frei&ldquo;-Kampagne als &bdquo;linke Unterwanderung&ldquo; abgestempelt und verflucht hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180901-lula-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Es war der <em>trending topic<\/em> in den sozialen Netzwerken Brasiliens am sp&auml;ten Nachmittag des 30. August 2018: der Gef&auml;ngnis-Besuch von Martin Schulz bei Ex-Pr&auml;sident Lula da Silva. Mit Ausnahme des liberalen <a href=\"http:\/\/www.jb.com.br\/_conteudo\/pais\/2018\/08\/2188-ex-presidente-do-parlamento-europeu-martin-schulz-visita-lula-na-prisao.html\"><em>Jornal do Brasil<\/em><\/a> unterschlugen die konservativen brasilianischen Medien die Nachricht, wurden jedoch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45783\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,20,190],"tags":[329,1613,2163,742,2056,2177,399,1193],"class_list":["post-45783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-landerberichte","category-wahlen","tag-brandt-willy","tag-brasilien","tag-gefaengnis","tag-ig-metall","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-militaerdiktatur","tag-schmidt-helmut","tag-schulz-martin"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45783"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48065,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45783\/revisions\/48065"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}