{"id":45820,"date":"2018-09-03T14:36:25","date_gmt":"2018-09-03T12:36:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45820"},"modified":"2018-09-03T15:17:32","modified_gmt":"2018-09-03T13:17:32","slug":"klammheimliche-erhoehung-der-kfz-steuer-eher-ein-weiterer-kotau-vor-der-autolobby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45820","title":{"rendered":"\u201eKlammheimliche Erh\u00f6hung der KfZ-Steuer\u201c? Eher ein weiterer Kotau vor der Autolobby!"},"content":{"rendered":"<p>Wer in der letzten Woche den Wirtschaftsteil der S&uuml;ddeutschen Zeitung gelesen hat, der staunte nicht schlecht. Eine &bdquo;klammheimliche Erh&ouml;hung&ldquo; der KfZ-Steuer werde ab September <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/verkehrspolitik-die-klammheimliche-erhoehung-der-kfz-steuer-ist-ein-unding-1.4099130\">vollzogen<\/a> und dies sei nat&uuml;rlich ein &bdquo;Unding&ldquo;, so SZ-Ressortleiter &bdquo;Mobilit&auml;t&ldquo; Peter Fahrenholz. Das sehen auch <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5532744\/\">ADAC<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.sis-verlag.de\/archiv\/steuerpolitik-gesetzgebung\/meldungen\/8781-bdst-zu-kfz-steuer-das-ist-steuererhoehung-durch-die-hintertuer\">Bund der Steuerzahler<\/a> so, die von einer &bdquo;Steuererh&ouml;hung durch die Hintert&uuml;r&ldquo; sprechen. Hintergrund ist die l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Novellierung des offiziellen Pr&uuml;fverfahrens f&uuml;r Autoabgase, die dem bisherigen Betrug der Autokonzerne zumindest in Teilen einen Riegel vorschiebt. Steuerbetrug zu beenden, ist etwas anderes, als Steuern zu erh&ouml;hen. Hinzu kommt, dass die Autolobby mit der jetzigen L&ouml;sung sehr gut leben kann. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDass der offiziell angegebene Kraftstoffverbrauch von Autos mit der Realit&auml;t nur sehr wenig zu tun hat, ist ein offenes Geheimnis. Seri&ouml;se <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39955\">Forschungsreihen<\/a> beziffern die Differenz zwischen realem und angegebenem Verbrauch mit durchschnittlich 42% &ndash; besonders interessant ist dabei, dass die Abweichung seit 2001, als sie nur 9% betragen hat, kontinuierlich und fast linear von Jahr zu Jahr steigt. Die Motoren werden zwar in der Tat von Generation zu Generation effizienter, die Autos werden jedoch auch immer gr&ouml;&szlig;er und schwerer und haben immer mehr Zubeh&ouml;r an Bord, das den Spritverbrauch weiter in die H&ouml;he treibt. Bislang hatten die Automobilhersteller bei der &bdquo;Ermittlung&ldquo; des angegebenen Verbrauchs weitestgehend Narrenfreiheit. Es war gestattet, den Wagen f&uuml;r den Test mit steinharten, d&uuml;nnen Rennradreifen ohne nennenswerten Rollwiderstand auszur&uuml;sten und alle Zusatzverbraucher, wie Klimaanlage oder Bordcomputer, und sogar schweres &bdquo;Zubeh&ouml;r&ldquo;, wie beispielsweise die Sitze, vorher auszubauen. Der Test selbst fand dann &ndash; vorwiegend auf dem Pr&uuml;fstand &ndash; unter optimierten, aber komplett realit&auml;tsfernen Bedingungen statt. Beschleunigt wurde im &bdquo;Opa-mit-Hut-Tempo&ldquo; und bei 120km\/h war ohnehin Schluss. Da ist es kein Wunder, dass selbst monstr&ouml;se SUVs nun einen Kraftstoffverbrauch vermelden konnten, der vor zwei Jahrzehnten noch bei Kleinwagen wettbewerbsf&auml;hig gewesen w&auml;re. <\/p><p>Paradoxerweise wusste nat&uuml;rlich jeder, dass diese Werte so gar nicht stimmen k&ouml;nnen. Dennoch hat die Politik beide Augen vor dem Betrug der Automobilkonzerne geschlossen. Dies war und ist eine klare Verletzung des demokratischen Auftrags. Dies sieht man beim Thema Verbraucherschutz. Wenn ein Auto im Schnitt fast 50% mehr als offiziell angegeben verbraucht, so ist dies ein Betrug am Konsumenten. W&uuml;rden Brauereien ihre Bierflaschen nur zur H&auml;lfte f&uuml;llen, st&uuml;nde tags drauf bereits der Verbraucherschutz vor der T&uuml;r. Wenn es um des Deutschen liebstes Kind geht, spielt Verbraucherschutz jedoch offenbar keine Rolle. Dabei geht es bei normaler Nutzung um eine vierstellige Eurosumme &ndash; pro Jahr wohlgemerkt! Bundesweit l&auml;sst sich der Mehrverbrauch auf die unglaubliche Summe von 5,5 Milliarden Euro beziffern. Es geht hierbei also beileibe nicht um Peanuts. <\/p><p>Noch unverst&auml;ndlicher ist, dass der Gesetzgeber diesen Betrug faktisch &uuml;ber Jahre hinweg legitimiert hat. F&uuml;r die Bemessung der Kraftfahrzeugsteuer spielen n&auml;mlich die Kohlenstoffdioxidemissionen des zu besteuernden Fahrzeugs eine wichtige Rolle. Kohlenstoffdioxid (CO2) entsteht bei der Verbrennung fossiler Kraftstoffe und h&auml;ngt dabei direkt mit dem Kraftstoffverbrauch zusammen. Die von den Autoherstellern angegebenen Verbrauchswerte sind somit also die Grundlage des jeweiligen KfZ-Steuersatzes. Oder um es anders auszudr&uuml;cken: Durch die zu niedrig angegebenen Verbrauchswerte haben die Autohersteller den Fiskus systematisch um Milliardeneinnahmen geprellt. Legt man die realen Verbrauchswerte zu Grunde, entgehen dem Staat durch diesen Betrug rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.<\/p><p>Diesen systematischen Steuerbetrug hat nun paradoxerweise ausgerechnet der &bdquo;Diesel-Skandal&ldquo; indirekt in den Fokus ger&uuml;ckt. Durch die realit&auml;tsferne Bemessung der Stickstoffoxide, die im &bdquo;Diesel-Skandal&ldquo; eine Rolle spielen, musste die EU ein neues Messverfahren einf&uuml;hren. Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Worldwide_harmonized_Light_vehicles_Test_Procedure\">WLTP-Verfahren<\/a> misst jedoch nicht nur realistischere Stickstoffoxid-Emissionen, sondern auch einen realistischeren Kraftstoffverbrauch, da es zahlreiche Manipulationsm&ouml;glichkeiten untersagt und etwas realit&auml;tsn&auml;here Testbedingungen vorgibt. Experten sch&auml;tzen, dass der gemessene Kraftstoffverbrauch beim WLTP-Verfahren rund 25% &uuml;ber dem alten Messverfahren liegt. Damit werden die angegebenen Verbrauchswerte k&uuml;nftig realistischer, liegen aber immer noch deutlich unter den realen Werten. F&uuml;r die Autohersteller h&auml;tte es also weitaus schlimmer kommen k&ouml;nnen. <\/p><p>Mit den neuen Verbrauchswerten steigt nun aber auch die Basis f&uuml;r die Bemessung der KfZ-Steuer. Wenn die Autos nun &bdquo;offiziell&ldquo; auf dem Papier 25% mehr verbrauchen, steigt auch die zu entrichtende KfZ-Steuer &uuml;ber den Daumen gepeilt um diesen Wert.  W&uuml;rde man es mit der KfZ-Steuer ernst meinen, m&uuml;sste also nun f&uuml;r jeden zugelassenen Wagentyp ein neuer offizieller Kraftstoffverbrauch ermittelt werden und damit jeder Halter ab September eine h&ouml;here, dem realen Verbrauch zumindest in Teilen angepasste Steuer zahlen. Dies konnte die Autolobby jedoch verhindern. Die neue Bemessung anhand des WLTP-Verfahrens gilt nur f&uuml;r Neuwagen, die nach dem 1. September 2019 zugelassen werden. <\/p><p>Allein schon daher ist es absurd, von einer &bdquo;Steuererh&ouml;hung&ldquo; zu sprechen, da davon zum Zeitpunkt der Einf&uuml;hrung kein einziger Autofahrer betroffen ist. Auch in diesem Jahr wird der Fiskus auf 1,2 Milliarden Euro verzichten, die ihm eigentlich zustehen. Dies kann man auch als Subvention des Autoverkehrs betrachten. <strong>Den Wegfall der Betrugsm&ouml;glichkeiten bei der Steuerbemessung als Steuererh&ouml;hung umzudichten, ist grotesk; in all seiner Absurdit&auml;t allerdings durchaus repr&auml;sentativ f&uuml;r die neoliberale Linie der S&uuml;ddeutschen.<\/strong><\/p><p>Spannend wird es noch, wie die realistischeren Rechengrundlagen nun in die offiziellen Klimaziele eingehen. Da 12% der Emissionen des Klimagases CO2 aus dem PKW-Verkehr stammen, m&uuml;ssten die &bdquo;offiziellen CO2-Emissionen&ldquo; durch die Novellierung des Messverfahrens um ganze 3% (25% von 12%) steigen und Deutschland damit noch weiter hinter seine Zusagen aus s&auml;mtlichen Klimaabkommen zur&uuml;ckfallen. Da das neue Messverfahren nur f&uuml;r Neuwagen gilt, wird sich diese Anpassung jedoch &uuml;ber Jahre hinweg hinziehen. Das Erreichen der Klimaziele wird dadurch jedoch nicht nur in der Realit&auml;t, sondern nun auch auf dem Papier noch aussichtloser. Und daran wird der neuerliche Kotau vor der Autolobby ganz sicher nichts &auml;ndern.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/68ae7cfb67ef42c7b7c038d0293e5d3c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in der letzten Woche den Wirtschaftsteil der S&uuml;ddeutschen Zeitung gelesen hat, der staunte nicht schlecht. Eine &bdquo;klammheimliche Erh&ouml;hung&ldquo; der KfZ-Steuer werde ab September <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/verkehrspolitik-die-klammheimliche-erhoehung-der-kfz-steuer-ist-ein-unding-1.4099130\">vollzogen<\/a> und dies sei nat&uuml;rlich ein &bdquo;Unding&ldquo;, so SZ-Ressortleiter &bdquo;Mobilit&auml;t&ldquo; Peter Fahrenholz. 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