{"id":45846,"date":"2018-09-05T08:36:56","date_gmt":"2018-09-05T06:36:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45846"},"modified":"2018-12-30T13:37:54","modified_gmt":"2018-12-30T12:37:54","slug":"vermaechtnisse-eines-imperialen-traums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45846","title":{"rendered":"Verm\u00e4chtnisse eines imperialen Traums"},"content":{"rendered":"<p>Vor 73 Jahren, am 2. September 1945, endete mit Japans Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde der Zweite Weltkrieg in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; seine Erblasten sind indes l&auml;ngst nicht abgetragen. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45846#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Herbst 1940, als die japanischen Faschisten in Indochina eindrangen, um es als St&uuml;tzpunkt im Krieg gegen die Alliierten zu benutzen, verrieten die franz&ouml;sischen Kolonialherren unser Land, gaben es in die H&auml;nde der Eroberer und kapitulierten vor Japan. Seitdem hat unser Volk unter dem doppelten japanisch-franz&ouml;sischen Druck zu leiden. Das verschlechterte die ohnehin jammervolle Lage des Volkes. Ende 1944 und Anfang 1945 starben in weiten Gebieten, von Quang Tri im S&uuml;den bis  zum Norden des Landes, &uuml;ber zwei Millionen unserer Landsleute an Hunger. Am 9. M&auml;rz 1945 entwaffneten die Japaner die franz&ouml;sischen Truppen. Und wieder sind die franz&ouml;sischen Kolonialherren geflohen, oder sie haben vor den Japanern kapituliert. So vermochten sie nicht nur nicht, uns zu &sbquo;sch&uuml;tzen&rsquo;, sondern sie verkauften im Gegenteil unser Land im Laufe von f&uuml;nf Jahren zweimal an die Japaner. (&hellip;) De facto hat unser Land im Herbst 1940 aufgeh&ouml;rt, franz&ouml;sische Kolonie zu sein; es wurde zu einer japanischen. Nach der Kapitulation Japans stand das ganze Volk unseres Landes auf, nahm die Macht in seine H&auml;nde und gr&uuml;ndete die Demokratische Republik Vietnam. So haben wir eigentlich unsere Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit den Japanern und nicht den Franzosen entrissen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auszug aus der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung von Ho Chi Minh am 2. September 1945 in Hanoi anl&auml;sslich der Gr&uuml;ndung der Demokratischen Republik Vietnam<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben uns geirrt, schrecklich geirrt. Menschen k&ouml;nnen sich irren. Ich gebe mit schmerzhafter Offenheit und schweren Herzens zu, dass dieser Gemeinplatz, bezogen auf Vietnam, auch auf mich und die amerikanische F&uuml;hrungselite meiner Generation zutrifft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Robert McNamara, von 1960 bis 1968 US-Verteidigungsminister und sp&auml;ter Weltbank-Pr&auml;sident, 1995 in seinem Memoirenband &bdquo;In Retrospect: The Tragedy and Lessons of Vietnam&ldquo;<\/p><p><strong>Kolonien werden unabh&auml;ngig<\/strong><\/p><p>Am 14. August 1945, wenige Tage nach den Atombombenabw&uuml;rfen &uuml;ber Hiroshima und Nagasaki, nahm der japanische Kaiser Hirohito seine Kapitulationsrede auf, die am n&auml;chsten Tag im Radio ausgestrahlt wurde. Am 2. September schlie&szlig;lich kam es auf dem in der Sagami-Bucht vor Tokio ankernden US-Schlachtschiff <em>USS Missouri<\/em> offiziell zur Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde. Japans politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung, die Ost-, S&uuml;dostasien und zahlreiche Inseln im Pazifik mit Krieg und Zerst&ouml;rung &uuml;berzogen hatte, musste fortan den Befehlen des Siegers USA gehorchen. Widerwillig und mit Abscheu, wie die Gesten des Oberbefehlshabers der japanischen Armee, General Umezu Yoshijiro, verrieten. Bevor er zusammen mit Au&szlig;enminister Shigemitsu Mamoru seine Unterschrift unter die Kapitulationsurkunde setzte, r&auml;usperte und schn&auml;uzte er sich mehrfach und laut. Ein Benehmen, das in Ostasien als ungeb&uuml;hrlich und zutiefst unmanierlich gilt.<\/p><p>Gro&szlig;e Jubelfeiern pr&auml;gten am 15. August 1945 in zahlreichen St&auml;dten Asiens das Bild. Das japanische Kolonialjoch war abgesch&uuml;ttelt, und die fr&uuml;heren westlichen Kolonialherren hatten sich als zutiefst verwundbar erwiesen. Grund genug f&uuml;r die vielschichtigen &ndash; bewaffneten und politischen &ndash; antikolonialen Organisationen, Partisanengruppen und Parteien, auf ein Ende &auml;u&szlig;erer Bevormundung zu dr&auml;ngen und die Unabh&auml;ngigkeit ihrer L&auml;nder anzustreben. Denen das als erste gelang, waren Indonesien und Vietnam.<\/p><p>Im Gegensatz etwa zu Birma (dem heutigen Myanmar) und den Philippinen hatte Tokio urspr&uuml;nglich keine &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; f&uuml;r Indonesien vorgesehen. Erst in der Sp&auml;tphase des Krieges versuchten die Japaner, das riesige Inselreich auch weiterhin zu kontrollieren, indem sie den zun&auml;chst kooperationswilligen, sp&auml;ter auf Distanz zu Tokio gegangenen F&uuml;hrern der Unabh&auml;ngigkeitsbewegung, Sukarno und Mohammad Hatta, die staatliche Souver&auml;nit&auml;t in Aussicht stellten. Darum ging es noch kurz vor der Kapitulation, als Sukarno und Hatta am 9. August 1945 von den Japanern nach Vietnam geflogen wurden, um dort mit ranghohen japanischen Milit&auml;rs zusammenzutreffen. Am 14. August kehrten die beiden indonesischen Politiker nach Batavia (Jakarta) zur&uuml;ck, wo sie am 17. August 1945 die Unabh&auml;ngigkeit der freien Republik Indonesien ausriefen. Die Niederlande erkannten Indonesien allerdings erst Ende Dezember 1949 als souver&auml;nen Staat an, nachdem s&auml;mtliche Versuche fehlgeschlagen waren, die Inseln mit Waffengewalt zur&uuml;ckzuerobern.<\/p><p>Just an dem Tag, da Japan seine Kapitulationsurkunde unterschreiben musste, am 2. September 1945, ging in Vietnam die <em>Viet Minh<\/em> (Liga f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit Vietnams), die als B&uuml;ndnis antikolonialer, nationalistischer und kommunistischer Kr&auml;fte sowohl gegen die Franzosen als auch gegen die Japaner gek&auml;mpft hatte, in die politisch-diplomatische Offensive. Nachdem am 18. August ein Nationaler Volkskongress der <em>Viet Minh<\/em> den allgemeinen Aufstand, die &bdquo;Augustrevolution&rdquo;, beschlossen hatte, verk&uuml;ndete Ho Chi Minh am 2.September die Unabh&auml;ngigkeit der Demokratischen Republik Vietnam. Die <em>Viet Minh<\/em> hatte geschickt ein kurzzeitiges Machtvakuum genutzt und setzte auf die Unterst&uuml;tzung der Alliierten. Die Anfangspassagen der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung orientierten sich stark am US-amerikanischen Vorbild. Doch Frankreich k&auml;mpfte hartn&auml;ckig um die Wiederherstellung seiner politischen und &ouml;konomischen Macht. Seine Niederlage <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bE0GsAhFO0A\">in der Schlacht von Dien Bien Phu im Fr&uuml;hjahr 1954<\/a> und weltweite Proteste gegen den Krieg f&uuml;hrten am 20.\/21. Juli zur Unterzeichnung der Genfer Indochina-Abkommen. Diese beendeten vorerst die Kampfhandlungen, brachten aber nicht die Unabh&auml;ngigkeit und Einheit Vietnams. Das sollten allgemeine, freie Wahlen im Jahre 1956 besiegeln. Bis dahin wurde entlang des 17. Breitengrads eine milit&auml;rische Demarkationslinie gezogen, die das Land faktisch teilte. W&auml;hrend Hanoi auf die Durchf&uuml;hrung der in den Genfer Abkommen festgelegten allgemeinen Wahlen dr&auml;ngte, lehnte Saigon diese rundweg ab &ndash; aus Furcht vor einem Wahlsieg Ho Chi Minhs. Zu Beginn der 1960er Jahre war die Chance einer friedlichen Wiedervereinigung vertan und der innervietnamesische Konflikt durch die West-Ost-Blockkonfrontation internationalisiert worden.<\/p><p><strong>Korea und Vietnam &ndash; Teilung und Krieg<\/strong><\/p><p>Vor allem in der fr&uuml;heren japanischen Kolonie Korea bejubelten die Menschen &uuml;berschw&auml;nglich das Ende des Krieges. Dort hoffte man, nunmehr endlich in Freiheit und Selbstbestimmung leben zu k&ouml;nnen. Die in den Untergrund gedr&auml;ngte antijapanische Opposition aus Nationalisten, Konservativen und Kommunisten konnte jetzt &ouml;ffentlich und legal wirken. Aus ihren Reihen waren in s&auml;mtlichen Landesteilen &ouml;rtliche Volkskomitees als Tr&auml;ger eines demokratischen Neubeginns entstanden. Am 6. September 1945 tagte die Repr&auml;sentativversammlung dieser Komitees in der Hauptstadt Seoul. Wichtigstes Konferenzergebnis war die Bildung einer gesamtnationalen Regierung der Volksrepublik Korea. Diese Republik hatte allerdings zwei Geburtsfehler: ihr blieb internationale Anerkennung versagt, und sie war kurzlebig.<\/p><p>Bereits vor der Kapitulation Japans hatten sich die USA und die Sowjetunion darauf verst&auml;ndigt, die koreanische Halbinsel entlang des 38. Breitengrads in zwei Besatzungszonen aufzuteilen und zun&auml;chst treuh&auml;nderisch zu verwalten. Im Norden hatte die Rote Armee und im s&uuml;dlichen Teil hatten die USA das Sagen. Am 8. September 1945 landete die 7. US-Infanteriedivision in Incheon an der Westk&uuml;ste Koreas. Die Besatzungstruppen unter F&uuml;hrung von General John R. Hodge ignorierten die gerade gebildete Regierung der Volksrepublik Korea und installierten stattdessen die U.S. <em>Army Military Government in Korea<\/em> (USAMGIK) als einzig legitime Regierung. Da keines ihrer Mitglieder Koreanisch sprach, lehnte die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung diese Regierung rundweg ab und sah ihre gerade erst wiedergewonnene Freiheit durch die amerikanische &bdquo;Befreiung&ldquo; gef&auml;hrdet.<\/p><p>Als Mitte November 1945 ein Kongress der Volksrepublik es ablehnte, sich selbst aufzul&ouml;sen, erkl&auml;rte General Hodge ihn kurzerhand f&uuml;r ungesetzlich. Auf Initiative der <em>USAMGIK<\/em> konstituierte sich Mitte Februar 1946 ein so genannter Parlamentarischer Demokratischer Rat, dessen Vorsitzender der eigens aus den USA eingeflogene Exil-Koreaner Dr. Rhee Syngman wurde. Obgleich Rhee die koreanische Nachkriegsrealit&auml;t nicht kannte, wurde er mit US-amerikanischer R&uuml;ckendeckung zum Chef der vormals mit den Japanern kollaborierenden Kr&auml;fte &ndash; Gro&szlig;grundbesitzer, Kapitalisten und Staatsb&uuml;rokraten &ndash; aufgebaut. Selbst Mitglieder der <em>USAMGIK<\/em> &auml;u&szlig;erten offen Kritik am autorit&auml;ren Regierungsstil Rhees.<\/p><p>Im September 1946 erlie&szlig;en die amerikanischen Beh&ouml;rden Haftbefehl gegen namhafte kommunistische F&uuml;hrer. Diese setzten sich daraufhin in den n&ouml;rdlichen Landesteil ab. Wenig sp&auml;ter kam es im S&uuml;den zu gewaltsamen Protesten, die von US-Truppen und rechten paramilit&auml;rischen Schl&auml;gertrupps niedergeschlagen wurden. Ausl&ouml;ser dieses als &bdquo;Hungerrevolte&ldquo; in die Geschichte eingegangenen Aufstandes waren die sozialen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse; &uuml;berall im Lande mangelte es an Nahrungsmitteln, Kleidung und Unterk&uuml;nften. Protest und Widerstand gegen diese miserable Lage wurden ausgerechnet von Polizeikr&auml;ften unterdr&uuml;ckt, die von den Japanern ausgebildet und nunmehr der US-Oberaufsicht unterstellt waren.<\/p><p>Die sowjetische Besatzungsmacht im n&ouml;rdlichen Landesteil unter Generaloberst Terenti F. Schtykow lie&szlig; die Volkskomitees gew&auml;hren und protegierte die antijapanische Partisanentruppe um Kim Il-Sung, eine unter damals mehreren. Im Fr&uuml;hjahr 1946 setzte der Norden ein sozialpolitisches Signal, als eine weitreichende Bodenreform &uuml;ber 700.000 besitzlosen Bauernfamilien zu Landbesitz verhalf. Dieses Land hatte fr&uuml;her Gro&szlig;grundbesitzern geh&ouml;rt, die aber in den S&uuml;den geflohen waren. F&uuml;r Kim war dies zweifellos ein gro&szlig;er Legitimationsgewinn, zumal eine &auml;hnliche Reform im S&uuml;den der Halbinsel ausblieb.<\/p><p>Da sich im Nachbarland China bereits ein Sieg der von Mao Tse-tung gef&uuml;hrten Kommunistischen Partei abzeichnete, lag Korea unmittelbar an der Nahtstelle des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. Am 15. August 1948 konstituierte sich im S&uuml;den der Halbinsel mit US-amerikanischer Hilfe die Republik Korea. Am 9. September 1948 zog der Norden nach und rief &ndash; mit sowjetischer Unterst&uuml;tzung &ndash; die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Damit war die Teilung des Landes besiegelt. In den Hauptst&auml;dten Seoul und Pj&ouml;ngjang ert&ouml;nte schrille Propaganda, die Einheit notfalls gewaltsam zu erzwingen. Bewaffnete Provokationen beider Seiten an der Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrads h&auml;uften sich. Und am 25. Juni 1950 &uuml;berschritten nordkoreanische Truppen und Panzerverb&auml;nde die Demarkationslinie. Wenige Tage sp&auml;ter nahmen sie die s&uuml;dkoreanische Metropole Seoul ein und stie&szlig;en rasch bis zur s&uuml;dlichen Hafenstadt Pusan vor.<\/p><p>General Douglas MacArthur, Oberkommandierender der US-Streitkr&auml;fte im Fernen Osten und gleichzeitig Kommandeur der von den Vereinten Nationen entsandten, von 15 L&auml;ndern gestellten Truppen, holte zur Gegenoffensive aus. Als diese den Yalu erreichte, den Grenzfluss zwischen Nordkorea und der Volksrepublik China, schickte Mao Tse-tung so genannte Freiwilligenverb&auml;nde an die Front. General MacArthur drohte daraufhin gemeinsam mit Generalskollegen in der <em>U.S. Air Force<\/em> mit dem Einsatz von Atombomben, um die grenznahen chinesischen St&auml;dte zu &bdquo;pulverisieren&rdquo;. Das ging der Truman-Regierung in Washington doch zu weit: Aus Furcht davor, die Dinge k&ouml;nnten aus dem Ruder geraten und die Gefahr eines Dritten Weltkrieges heraufbeschw&ouml;ren, musste MacArthur demissionieren.<\/p><p>Drei Jahre dauerte dieser Krieg, in dem die Frontverl&auml;ufe mehrfach wechselten und in dessen Verlauf die modernsten Waffen eingesetzt wurden, darunter Napalm, bakteriologische, Milzbrand erregende Mittel. Erst nach z&auml;hem diplomatischen Ringen kam es am 27. Juli 1953 in dem unwirtlichen Ort Panmunjom auf der H&ouml;he des 38. Breitengrads zum Waffenstillstandsabkommen. Unterzeichnet wurde es lediglich von Nordkorea, der Volksrepublik China und den US-amerikanischen Gener&auml;len William K. Harrison und Mark W. Clark im Auftrag der Vereinten Nationen. S&uuml;dkoreas Pr&auml;sident Rhee Syngman weigerte sich nicht nur, das Abkommen zu unterschreiben. Er wollte den Krieg fortsetzen. Erst als die US-Regierung einem bilateralen Sicherheitspakt zustimmte, ihr in S&uuml;dkorea stationierter Oberbefehlshaber auch die Kommandogewalt &uuml;ber die s&uuml;dkoreanischen Truppen &uuml;bernahm und der s&uuml;dkoreanischen Seite betr&auml;chtliche Wirtschafts-, Finanz- und Milit&auml;rhilfe in Aussicht gestellt wurden, erkl&auml;rte sich auch Rhee bereit, die Waffenstillstandsklauseln zu respektieren.<\/p><p>Bis heute ist die koreanische Halbinsel durch eine 240 Kilometer lange sogenannte &bdquo;entmilitarisierte Zone&ldquo; gespalten. Ein Euphemismus ohnegleichen: Tats&auml;chlich stehen sich dort noch heute eine Million Soldaten gegen&uuml;ber, darunter im S&uuml;den zirka 28.500 US-amerikanische GIs. W&auml;hrend ebenfalls bis heute diplomatische Beziehungen zwischen dem einstigen Aggressor Japan und Nordkorea ausstehen, sorgte ausgerechnet der ehemalige Leutnant Okamoto Minoru im Dienste des japanischen Kaisers f&uuml;r eine &bdquo;Auss&ouml;hnung&ldquo; zwischen Seoul und Tokio, als er 1965 den &bdquo;Normalisierungsvertrag&ldquo; zwischen beiden L&auml;ndern unterzeichnete. Ex-Leutnant Okamoto Minoru war der s&uuml;dkoreanische General Park Chung-Hee, Seouls &bdquo;starker Mann&ldquo; von 1961 bis 1979. Als Kollaborateur der Japaner hatte er deren Kaiser Hirohito einst geschworen, &bdquo;wie eine Kirschbl&uuml;te im Heiligen Krieg f&uuml;r die Errichtung der Gr&ouml;&szlig;eren Ostasiatischen Gemeinsamen Wohlstandssph&auml;re und in Verteidigung des odo rakudo (Reich des Rechten) zu fallen&ldquo;.<\/p><p>In der Republik Vietnam (S&uuml;dvietnam) waren die USA in die Fu&szlig;stapfen der japanischen und franz&ouml;sischen Kolonialisten getreten und hatten dort direkt die Kriegf&uuml;hrung &uuml;bernommen, nachdem Anfang August 1964 ein angeblicher Angriff nordvietnamesischer Kriegsschiffe auf einen amerikanischen Zerst&ouml;rer in internationalen Gew&auml;ssern, die sogenannte Tongking-Aff&auml;re, den Krieg ausweitete. Auf dessen H&ouml;hepunkt k&auml;mpften nahezu eine Million vietnamesische Soldaten und Milizion&auml;re sowie knapp 550.000 GIs gegen die nordvietnamesische Volksarmee und s&uuml;dvietnamesische Partisanenverb&auml;nde. US-Kampfbomber warfen bei Luftangriffen in Indochina knapp acht Millionen Tonnen Bomben ab, das Vierfache der Bombenmenge, die w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs &uuml;ber Europa abgeworfen wurde. Der Krieg zog auch die Nachbarstaaten Kambodscha und Laos in Mitleidenschaft und kostete &uuml;ber 3,5 Millionen Menschen das Leben. Weit mehr Menschen wurden verwundet und verkr&uuml;ppelt. Entlaubungsaktionen mit  &bdquo;Agent Orange&ldquo; und Fl&auml;chenbombardements mit Napalm zwangen Millionen Menschen, in die St&auml;dte zu fliehen. Am 27. Januar 1973 wurde zwar im Abkommen von Paris das Ende des Krieges vereinbart. Doch noch zwei erbitterte Kampfjahre vergingen, bis Saigon kapitulierte und die letzten US-amerikanischen Staatsb&uuml;rger mit Hubschraubern au&szlig;er Landes geschafft wurden. Wie in Korea zwei Jahrzehnte zuvor, hatte ein weiterer imperialer Nachfolgekrieg des Zweiten Weltkriegs die L&auml;nder Vietnam, Kambodscha und Laos in Schutthaufen verwandelt.<\/p><p><strong>Wohlwollender Umgang mit dem Aggressor<\/strong><\/p><p>Um die Sowjetunion und die am 1. Oktober 1949 unabh&auml;ngig gewordene Volksrepublik China in Schach zu halten und den &bdquo;Vormarsch des Kommunismus in Asien&ldquo; einzud&auml;mmen, war Washington auf Japan als Verb&uuml;ndeten im Osten ebenso angewiesen wie im Westen auf die Bundesrepublik Deutschland. Von den USA milit&auml;risch protegiert, mit Wirtschafts- und Finanzhilfen gro&szlig;z&uuml;gig ausgestattet, konnte Japan schrittweise wieder eine Machtposition in Ost- und S&uuml;dostasien erlangen.<\/p><p>Unter dem Besatzungsregime US-Generals Douglas MacArthur, des Oberkommandierenden der US-Streitkr&auml;fte im Fernen Osten, wurde Japan nach seiner Kapitulation am 2. September 1945 von der Au&szlig;enwelt abgeriegelt: Die japanische W&auml;hrung, der Yen, war nicht konvertierbar und den Japanern waren Auslandsreisen untersagt. Das Import- und Exportgesch&auml;ft des Landes blieb eine Dom&auml;ne der USA. Politisch setzte MacArthur eine nach US-amerikanischem Vorbild geschaffene Verfassung durch, die am 7. Mai 1947 in Kraft trat. Deren Kernpunkte: die Kompetenzen des Kaisers wurden beschnitten und der Artikel 9 verbot jegliche Wiederaufr&uuml;stung des Landes.<\/p><p>Glimpflich kamen die Architekten des japanischen Militarismus davon. Eine mit Deutschland vergleichbare &bdquo;Entnazifizierung&rdquo;, wie halbherzig diese auch durchgef&uuml;hrt worden war, gab es nicht einmal ansatzweise. Das Alliierte Kriegsgericht f&uuml;r den Fernen Osten, vergleichbar dem N&uuml;rnberger Tribunal, verh&auml;ngte Ende 1948 gegen sieben vormals hochrangige Politiker und Milit&auml;rs die Todesstrafe durch den Strang. Kaiser Hirohitos Verantwortung f&uuml;r und seine Verstrickung in Japans imperiale Politik blieben tabuisiert, obgleich schwere Vorw&uuml;rfe gegen den Tenno erhoben wurden. Washington ging es weniger um die &ouml;ffentliche Demontage Hirohitos, als vielmehr um die Entflechtung von Mythos und Authentizit&auml;t. Per Direktive wurde der Staats-Shinto (&bdquo;Weg der G&ouml;tter&rdquo;) verboten, der von der Existenz einer mystisch verkl&auml;rten nationalen Gro&szlig;familie unter F&uuml;hrung des Kaisers ausging und keine Trennung zwischen mythischer und authentischer Geschichte duldete.<\/p><p>&Auml;hnlich dem f&uuml;r Europa entworfenen Marshallplan wurde f&uuml;r Japan ein umfassendes Aufbau- und Wirtschaftshilfeprojekt entworfen, um die Produktion wieder in Gang zu bringen. (Arbeiterstreiks, die bereits seit 1946 auf einen grundlegenden Wandel in Gesellschaft und Politik abzielten, wurden von den Besatzungstruppen niedergeschlagen. Am 1. Februar 1947 war ein Generalstreik gewaltsam aufgel&ouml;st und im Juli 1948 das generelle Streikverbot im &ouml;ffentlichen Dienst durchgesetzt worden.) Die Parit&auml;t der Landesw&auml;hrung, des Yen, wurde gegen&uuml;ber dem Dollar mit 360 zu eins festgesetzt. Eine Niedrigzinspolitik stattete die Gro&szlig;unternehmen mit ben&ouml;tigten Krediten aus. &bdquo;Da die japanische Wirtschaft nach ernsthaften Zerst&ouml;rungen (&hellip;) neu beginnen mu&szlig;te, mu&szlig;ten die Finanzierungskosten f&uuml;r die Industrie so niedrig wie m&ouml;glich gehalten werden. W&auml;re eine freie Zinsbildung erfolgt, so w&auml;ren die Kapitalkosten sehr hoch gewesen, da die auf dem Markt verf&uuml;gbaren Gelder begrenzt und die Nachfrage sehr gro&szlig; war&rdquo;. (Asami 1972: S. 52) Die Gro&szlig;banken, die in der Vorkriegsperiode als Schaltstellen der Oligopole fungiert hatten, wurden nicht angetastet und die fr&uuml;heren Wirtschaftsimperien weder entflochten noch demontiert. Mittels niedrig verzinster Kredite im Zuge einer staatlich gelenkten Billig-Geldpolitik vermochten die notorisch hochverschuldeten, mit einer vergleichsweise d&uuml;nnen Eigenkapitaldecke ausgestatteten Unternehmen qua eigener Konzernbanken ihre alten Stellungen zu behaupten. Nach <em>Capital International Perspective<\/em>, einer im Dezember 1971 in Z&uuml;rich publizierten Aktienanalyse, betrug das Eigenkapital von 742 namhaften japanischen Gesellschaften au&szlig;erhalb des Finanzsektors, deren Aktien an der Tokioter B&ouml;rse gehandelt wurden, nur 19,4 Prozent der gesamten Bilanzpassiva. Zum Vergleich: Bei US-amerikanischen und britischen Gesellschaften lag dieser Anteil &uuml;ber 46 Prozent.<\/p><p>&Ouml;konomisch profitierte Japan zudem vom Koreakrieg. Das milit&auml;rische Engagement der USA in Korea stimulierte die Rekonstruktion und Expansion des japanischen Kapitalismus. Die damals von &Ouml;konomen als &bdquo;Korea-Boom&rdquo; charakterisierte Phase des konjunkturellen Aufschwungs, des &bdquo;Wirtschaftswunders&rdquo;, war Ausdruck der sprunghaft gestiegenen US-Nachfrage nach japanischen Produkten. Die Gesamtsumme der japanischen Sonderbeschaffungen im Zuge des Koreakrieges betrug zwischen 1951 und 1957 nahezu vier Milliarden Dollar. 1952, als die Einnahmen aus dem Sonderbedarf mit umgerechnet 750 Millionen Dollar ihren H&ouml;hepunkt erreichten, machte allein der Anteil des Sonderbedarfs &uuml;ber 40 Prozent des gesamten japanischen Exportvolumens aus. Schon kurz nach Beginn des Koreakrieges (Sommer 1950) waren die Aktienkurse der japanischen Gro&szlig;betriebe um durchschnittlich 200 Prozent angestiegen.<\/p><p>Rascher als erwartet setzte Washington alle Hebel in Bewegung, um mit Japan zu einem geregelten Modus vivendi zu gelangen, der die Souver&auml;nit&auml;t des Landes wieder herstellte und dessen Rolle als Prellbock gegen den Kommunismus in Ostasien im Rahmen westlicher Sicherheitsinteressen festigte. Am 8. September 1951 wurde der Friedensvertrag mit Japan in San Francisco unterzeichnet, der am 28. April 1952 in Kraft trat. In diesem Vertrag blieb die Regelung japanischer Reparationszahlungen unber&uuml;cksichtigt. Die Verlegung eines Gro&szlig;teils der zuvor in Japan stationierten US-amerikanischen Truppen nach Korea f&uuml;hrte zur Schaffung einer Nationalen Polizeireserve, die mit 75.000 Mann den Grundstock einer k&uuml;nftigen Armee bildete. Bereits ein Jahrzehnt sp&auml;ter, im Jahre 1962, betrug die St&auml;rke der in Japan sogenannten <em>Jieitai<\/em> (Selbstverteidigungsstreitkr&auml;fte) 244.000 Mann. Eingebettet waren diese in ein milit&auml;risches Dreierallianz-System, dem neben den USA und Japan noch S&uuml;dkorea angeh&ouml;ren.<\/p><p>Mit Milit&auml;rausgaben in H&ouml;he von umgerechnet 30 Milliarden Dollar rangierte Japan 1990 bereits weltweit an dritter Stelle und nimmt in Asien die Spitzenstellung ein. Sollte Tokio den Artikel 9 der Nachkriegsverfassung weiter aush&ouml;hlen (mittlerweile wird er bereits im Sinne einer &bdquo;kollektiven Verteidigung&ldquo; ausgelegt), was konservative und ultrarechte Politiker als l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige &bdquo;Japanisierung&rdquo; und &bdquo;&Uuml;berwindung des Selbsthasses&ldquo; propagieren, w&auml;re nur noch ein Tabu zu brechen &ndash; n&auml;mlich der Aufbau einer eigenen Atomstreitmacht.<\/p><p><strong>&bdquo;Befriedung&ldquo; und Comeback der Eliten<\/strong><\/p><p>In den Philippinen wurde nach dem Krieg die schlagkr&auml;ftigste antijapanische Widerstandsorganisation, die <em>Hukbalahap<\/em>, von der alten und neuen Kolonialmacht USA illegalisiert und bek&auml;mpft. Da die <em>Hukbalahap<\/em> nicht f&uuml;r den Austausch von Besatzern gek&auml;mpft hatte, f&uuml;hrte sie ihren Kampf im Untergrund weiter und benannte sich in Volksbefreiungsarmee, <em>Hukbong Mapagpalaya ng Bayan<\/em> (kurz: HMB), um. Erst Mitte der 1950er Jahre &ndash; nach erbitterter &bdquo;Aufstandsbek&auml;mpfung&ldquo;, politischer Kooptation und Zuteilung von Land an ehemalige Huk-K&auml;mpfer auf der S&uuml;dinsel Mindanao &ndash; gelang es Manila, die HMB milit&auml;risch zu besiegen.<\/p><p>Die w&auml;hrend des Krieges von US-Pr&auml;sident Roosevelt gegebene Zusage, alle Filipinos, die Seite an Seite mit den GIs gek&auml;mpft h&auml;tten, erhielten nach Kriegsende Entsch&auml;digungen und w&uuml;rden wie ihre amerikanischen Kampfgef&auml;hrten in den Genuss einer Krankenversicherung und Rente kommen, wurde nicht eingehalten. Bereits Anfang 1946 passierte den US-amerikanischen Kongress ein Gesetz, das diesen Gleichheitsgrundsatz ausdr&uuml;cklich nicht anerkannte. Mehr noch: Eine von der Truman-Regierung zugesagte Nothilfelieferung von urspr&uuml;nglich 620 Millionen US-Dollar wurde im US-Senat um 100 Millionen Dollar abgesenkt. Und die von der <em>U.S.-Philippine War Damage Corporation<\/em> urspr&uuml;nglich in Aussicht gestellten 1,25 Milliarden Dollar an Reparationszahlungen flossen nicht in voller H&ouml;he. Als die <em>War Damage Corporation<\/em> 1950 ihren Betrieb einstellte, hatte sie lediglich 388 Millionen Dollar an private Antragsteller ausgezahlt, die meist enge Kontakte zur Regierung in Manila unterhielten.<\/p><p>Das ebenfalls 1946 in Kraft getretene Philippinische Handelsgesetz oder der <em>Bell Trade Act<\/em> garantierte sogar <em>parity rights<\/em>. So genossen die US-Amerikaner in den Philippinen dieselben Rechte wie Filipinos in den USA. Die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA in den Philippinen blieb auf Dauer so dominant, dass die am 4. Juli 1946 ausgerufene Republik der Philippinen faktisch eine Neokolonie blieb. Vor allem wegen der politischen Erpressbarkeit ihres ersten Pr&auml;sidenten Manuel Roxas, der den japanischen Besatzern als Reiseintreiber gedient hatte. In Roxas&rsquo; Amtszeit fiel auch die Entscheidung, Washington den Unterhalt und Ausbau der gr&ouml;&szlig;ten au&szlig;erhalb des nordamerikanischen Kontinents befindlichen Milit&auml;rbasen (darunter <em>Clark Air Field<\/em> und die <em>Subic Naval Base<\/em> der 7. US-Flotte) zu gestatten. Diese wiederum nutzte das US-Milit&auml;r als bedeutsames logistisches Zentrum der Kriege gegen Korea (1950-53) sowie gegen Vietnam, Laos und Kambodscha (1965-75).<\/p><p><strong>Kollektive Amnesie<\/strong><\/p><p>Ignoranz und das Leugnen und Verdr&auml;ngen der Opferschicksale sind Ausdruck einer bestimmten Haltung, Erziehung und Kultur des Vergessens, die im Nachkriegs-Japan politisch durchgesetzt wurde und bis heute &ouml;ffentlich praktiziert wird. Doch Ignoranz und Vergessen beziehungsweise Politiken des Vergessen-Machens blieben keineswegs auf Japan beschr&auml;nkt, wo allj&auml;hrlich anl&auml;sslich der Gedenkfeiern der Atombombenabw&uuml;rfe &uuml;ber Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August) lediglich die Opferrolle betont wird.<\/p><p>Die Siegermacht USA betrieb w&auml;hrend der Verhandlungen des Alliierten Kriegsgerichts f&uuml;r den Fernen Osten in Tokio eine perfide Politik, indem nicht einmal Anklage gegen die F&uuml;hrungsriege der notorischen &bdquo;Einheit 731&ldquo; erhoben wurde, die in China den qualvollen Tod zahlloser Zivilisten durch bakteriologische und chemische Kriegf&uuml;hrung zu verantworten hatte. Der &bdquo;intelligence value&ldquo;, der nachrichtendienstliche Wert beziehungsweise die Verwertung dieser &bdquo;Experimente an lebendigem Material&ldquo;, wurde h&ouml;her eingesch&auml;tzt als die Wahrung ethischer Normen und die Notwendigkeit juristischer Ma&szlig;nahmen. Schlie&szlig;lich ging es darum, die Erkenntnisse der &bdquo;Einheit 731&ldquo; kriegsrelevant, im Koreakrieg, zu nutzen.<\/p><p>In Korea sind erst in den vergangenen zwei Dekaden ernsthaft historische Studien betrieben worden, um Massaker an der Zivilbev&ouml;lkerung kurz vor und w&auml;hrend des Koreakrieges genauer zu untersuchen. In der &Auml;ra des Kalten Krieges stand au&szlig;er Frage, dass solche Verbrechen von den nordkoreanischen Kommunisten ver&uuml;bt worden seien. Bis nach und nach ans Licht kam, dass solche Morde auf Anweisung hoher Milit&auml;rs aus den USA und S&uuml;dkorea erfolgten und von aufgebrachten rechten B&uuml;rgerwehren und Milizen exekutiert wurden. Zumindest unter Intellektuellen und Mitgliedern junger, geschichtsinteressierter Nichtregierungsorganisationen in S&uuml;dkorea w&auml;chst die Einsicht, dass, wer Opfer angemessen gew&uuml;rdigt sehen will, T&auml;terrollen nicht verschweigen darf. Das betrifft beispielsweise Untersuchungen &uuml;ber die Rolle des koreanischen Wachpersonals w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges im Dienste der Japaner sowie den Einsatz s&uuml;dkoreanischer Eliteeinheiten w&auml;hrend des Vietnamkrieges. In beiden F&auml;llen, so Aussagen von Betroffenen und Zeitzeugen, h&auml;tten jene sich &auml;u&szlig;erst brutal und sadistisch geb&auml;rdet.<\/p><p>Und in den schlie&szlig;lich unabh&auml;ngig gewordenen Kolonien? Wo immer die jeweilige Befreiungs- oder Unabh&auml;ngigkeitsbewegung schnell siegte &ndash; wie im Falle Indonesiens und Vietnams &ndash;, waren die politischen und sozialen Verh&auml;ltnisse so undurchsichtig und die Probleme der Menschen so schwerwiegend, dass an eine W&uuml;rdigung der zahlreichen Kriegsopfer nicht zu denken war. Bis heute wird weder in Indonesien noch in Malaysia (dem fr&uuml;heren Malaya) und Thailand von offizieller Seite der Hunderttausende <em>Romushas<\/em> (Zwangsarbeiter) gedacht. Bis heute bleibt, vor allem aus Gr&uuml;nden politischer Opportunit&auml;t, das Verh&auml;ltnis der VR China und Japan wegen des Nanking-Massakers (1937\/38) angespannt. Duldete Beijing lange keine Opfer des japanischen Militarismus, sondern nur &bdquo;Heroen des sozialistischen Aufbaus&ldquo;, so ging man in Tokio davon aus, im &bdquo;Gro&szlig;en Ostasiatischen Krieg&ldquo; f&uuml;r eine gerechte Sache, &bdquo;Kampf gegen den wei&szlig;en Kolonialismus und Imperialismus&ldquo;, gek&auml;mpft zu haben. Opfer passten nicht ins (rechte Geschichts-)Bild und werden von einflussreichen politischen Kreisen in Japan schlichtweg noch immer geleugnet.<\/p><p>Auf dem indischen Subkontinent f&uuml;hrte 1947 der siegreiche Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft zur Gr&uuml;ndung Pakistans, das unter anderem wegen der Kaschmir-Region in Konflikt mit Indien steht. Und seitdem Birma im Jahre 1948 seine Unabh&auml;ngigkeit erhielt, befand sich dessen riesiger Armee- und Geheimdienstapparat im permanenten Kriegszustand mit nationalen Minderheiten, die zumindest f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Autonomie stritten. Allesamt Konflikte, die 73 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vielerorts noch ungel&ouml;st sind und schmerzlich nachwirken.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. <strong>Rainer Werning<\/strong>, Politikwissenschaftler &amp; Publizist mit den Schwerpunkten S&uuml;dost- und Ostasien, ist u.a. Philippinen- und (Nord-)Korea-Dozent an der Akademie f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (AIZ) in Bonn-R&ouml;ttgen. Er ist Koherausgeber der Ende des Jahres im Berliner regiospectra Verlag erscheinenden 6. Auflage des Handbuch Philippinen.<\/em><\/p><p><strong><em>Anmerkungen<\/em><\/strong><\/p><ul>\n<li><em>Asami, Tadahiro (1972), in: Finanzierung und Entwicklung, Nr. 4, S. 52, Hamburg.<\/em><\/li>\n<li><em>Bergamini, David (1971): Japan&rsquo;s Imperial Conspiracy, New York\/London.<\/em><\/li>\n<li><em>Ienaga, Saburo (1978): The Pacific War: World War II and The Japanese, 1931-1945, New York.<\/em><\/li>\n<li><em>Yanaga, Chitoshi (1968): Big Business in Japanese Politics, New Haven\/London.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 73 Jahren, am 2. September 1945, endete mit Japans Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde der Zweite Weltkrieg in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; seine Erblasten sind indes l&auml;ngst nicht abgetragen. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45846#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171],"tags":[2019,2311,2020,379,1043,2102,1620,1497,1268,1312,1792,1611,2104,304,2457,2069,2250,1485,1971,1367,1366,1983,2147,1556,357,2376,966,1979],"class_list":["post-45846","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-agent-orange","tag-befreiungsbewegungen","tag-biochemische-waffen","tag-china","tag-frankreich","tag-geostrategie","tag-indonesien","tag-japan","tag-kalter-krieg","tag-kambodscha","tag-kolonialismus","tag-kriegsluegen","tag-kriegsopfer","tag-kriegsverbrechen","tag-laos","tag-militaerstuetzpunkte","tag-nachkriegszeit","tag-nordkorea","tag-philippinen","tag-ruestungsausgaben","tag-reparationen","tag-suedkorea","tag-sowjetunion","tag-usa","tag-vietnam","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-weltkrieg","tag-wirtschaftswunder"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45846"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45846\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48044,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45846\/revisions\/48044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}