{"id":45884,"date":"2018-09-09T11:45:45","date_gmt":"2018-09-09T09:45:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45884"},"modified":"2018-12-30T13:36:31","modified_gmt":"2018-12-30T12:36:31","slug":"endstation-manila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45884","title":{"rendered":"Endstation Manila"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein beklemmend-schauriger Anblick, zum Wochenbeginn ausgerechnet den Hitler-Idi-Amin-Marcos-Verehrer Rodrigo R. Duterte und eingefleischten Pal&auml;stinenserfeind Benjamin Netanyahu gemeinsam h&auml;ndesch&uuml;ttelnd auf Fotos diverser Nachrichtenagenturen abgebildet zu sehen. Der erste Israel-Besuch eines philippinischen Pr&auml;sidenten h&auml;tte nebst Waffengesch&auml;ften und anderen bilateralen Vertr&auml;gen weitaus Interessanteres im Umgang zwischen Filipinos und Juden zutage f&ouml;rdern k&ouml;nnen &ndash; zahlreichen j&uuml;dischen Intellektuellen, Schriftstellern, Wissenschaftlern und K&uuml;nstlern bot der s&uuml;dostasiatische Inselstaat w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs immerhin eine sichere Zufluchtst&auml;tte vor Hass, Verfolgung und Naziterror. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45884#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nAls w&auml;hrend der sogenannten Reichspogromnacht ein aufgebrachter Nazimob randalierte, j&uuml;dische H&auml;user und Gesch&auml;fte zerst&ouml;rte, Synagogen in Brand setzte und Kinder aus dem Fenster warf, organisierten Filipinos am 19. November 1938 im fernen Manila eine riesige Protestrallye, um diese barbarischen Akte zu brandmarken. Rasch sollten auch Taten folgen; zahlreiche Verfolgte fanden Schutz in den Philippinen. Erm&ouml;glicht wurde dies durch das Engagement von Einzelpersonen und der philippinischen Commonwealth-Regierung (damals noch unter US-Hoheit) mit Pr&auml;sident Manuel L. Quezon an der Spitze. Manila und Schanghai waren zu jener Zeit die Orte in der Welt, wo eine vergleichsweise nachsichtige und f&uuml;r politisch Verfolgte liberale Immigrationspolitik herrschte.<\/p><p><strong>Willige Helfer\/innen<\/strong><\/p><p>Den Philippinen war es m&ouml;glich, eine eigene Einwanderungspolitik &ndash; frei von Beschr&auml;nkungen etwa bei der Festlegung der Einwanderungsquoten &ndash; zu betreiben. Nachdem die erste Welle von Fl&uuml;chtlingen im September 1938 angekommen war, wuchs die j&uuml;dische Community zahlenm&auml;&szlig;ig weiter an. Sie erreichte mit etwa 2.500 Mitgliedern Ende 1942 ihren H&ouml;chststand.<\/p><p>Anfang April 2005 meldete der philippinische Botschafter in Israel, Antonio C. Modena, seinem Au&szlig;enministerium in Manila, dass man an der geb&uuml;hrenden Anerkennung der Rolle arbeite, die dem philippinischen Volk im Hinblick auf die Hilfestellungen zukomme, die man j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlingen bei ihrer Flucht aus dem von Nazis besetzten Europa gew&auml;hrte. Er f&uuml;hrte aus:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das philippinische Volk begr&uuml;&szlig;te die j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlinge zu einer Zeit auf den Philippinen, als der Rest der Welt einem Volk die T&uuml;ren zuschlug, das eine sichere Zuflucht vor der Tyrannei der Nazis suchte. Man sollte dem philippinischen Volk sicherlich daf&uuml;r Anerkennung zollen, dass es an einem hohen moralischen Standard festhielt und Humanit&auml;t zeigte.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Der Botschafter wies darauf hin, dass es u.a. auch die US-amerikanische Regierung (in Miami) ablehnte, &uuml;ber 930 Juden aufzunehmen, die sich an Bord des Schiffes &bdquo;<em>MS St. Louis<\/em>&ldquo; befanden. Dieses war vom Deutschen Reich gechartert worden, um zu beweisen, dass kein anderes Land die Juden wollte. Die Geschehnisse sind in dem Film &bdquo;<em>Reise der Verdammten<\/em>&ldquo; nach dem Buch von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts dokumentiert worden.<\/p><p>Neben Alaska, Madagaskar, Mexiko, der Dominikanischen Republik und Pal&auml;stina z&auml;hlten eben auch die Philippinen weltweit zu den L&auml;ndern beziehungsweise Gebieten, die als neue Heimat f&uuml;r die weltweit verstreute j&uuml;dische Diaspora in Betracht gezogen wurde. So war urspr&uuml;nglich geplant, eine Wohnsiedlung f&uuml;r j&uuml;dische Fl&uuml;chtlinge in Marikina (heute ein Teil von Metro Manila) sowie einen gr&ouml;&szlig;eren Farmkomplex f&uuml;r Juden auf der gr&ouml;&szlig;ten s&uuml;dlichen Insel Mindanao zu errichten.<\/p><p>Pr&auml;sident Quezon und die Autorit&auml;ten des Commonwealth waren 1939 darauf vorbereitet, im Zuge der weiteren Kolonisierung des an nat&uuml;rlichen Ressourcen &uuml;beraus reichen Mindanao (wo bereits vor dem Krieg eine der weltweit gr&ouml;&szlig;ten japanischen Kolonien existierte) etwa 2.000 j&uuml;dische Familien sofort in die Philippinen hereinzulassen. J&auml;hrlich sollten dann etwa 5.000 weitere Familien folgen &ndash; bis zu einer Obergrenze von 30.000. Mindanao, insbesondere die Ebene von Bukidnon im n&ouml;rdlichen Teil der Insel, war als Hauptansiedlungsgebiet vorgesehen. Gesetzliche Verz&ouml;gerungen, aber auch die japanische Invasion und Eroberung der Philippinen vereitelten letztlich diesen Plan. Dennoch gelangten die ersten j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlinge bereits im September 1938 nach Manila, wo deren Gemeinde mit etwa 2.500 Mitgliedern Ende 1942 ihren H&ouml;chststand erreichte. Eine f&uuml;r beide Seiten vorteilhafte Regelung; den Fl&uuml;chtlingen blieben Repression und Verfolgung erspart, w&auml;hrend die philippinische Seite von den vielf&auml;ltigen Talenten der Immigrant\/innen profitierte.<\/p><p><strong>Vitale j&uuml;dische Gemeinde in Manila<\/strong><\/p><p>Mit Emil Bachrach und Morton I. Netzorg tauchten zwei bedeutsame Namen zur vorletzten Jahrhundertwende in der j&uuml;dischen Community in Manila auf. Emil Bachrach erreichte 1901 Manila und hatte bald ein Wirtschaftsimperium von betr&auml;chtlichem Ausma&szlig; aufgebaut. Weil er als erster amerikanischer Jude angesehen wird, der sich in den Philippinen dauerhaft niederlie&szlig;, trugen die Synagoge und ein Kulturgeb&auml;ude seinen Namen: Temple Emil und Bachrach Hall. Die Familie hatte diese beiden Einrichtungen &uuml;ber Jahrzehnte finanziert. Sein wirtschaftlicher Erfolg erlaubte es Bachrach, sowohl j&uuml;dische als auch christliche Anliegen zu unterst&uuml;tzen. Zur j&uuml;dischen Community in Manila geh&ouml;rten der Gr&uuml;nder der B&ouml;rse in Manila, der Dirigent des <em>Manila Symphony Orchestra<\/em> sowie Angeh&ouml;rige anderer Berufe wie zum Beispiel &Auml;rzte und Architekten. W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs wurde der Temple Emil von japanischen Truppen zerst&ouml;rt. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Als die Nazis die Macht in Deutschland &uuml;bernahmen und die Welt den j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlingen den R&uuml;cken zukehrte, bem&uuml;hten sich vier Br&uuml;der, die eine Zigarrenfabrik in den Philippinen betrieben, in aller Ruhe darum, 1.200 nach Manila geflohenen Juden Hilfestellungen zu geben. Die Frieder-Br&uuml;der &ndash; Alex, Philip, Herbert und Morris &ndash; &bdquo;waren ganz normale j&uuml;dische Gesch&auml;ftsleute, aber sie scheuten keine Umwege, um Leben zu retten&ldquo;, sagte Frank Ephraim. Frank Ephraim war acht Jahre alt, als seine Familie 1939 von Deutschland nach Manila floh. Unter dem Titel &bdquo;<em>Escape to Manila: From Nazi Tyranny to Japanese Terror<\/em>&ldquo; beschrieb er sp&auml;ter die Geschichte ihrer Rettung. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>W&auml;hrend der 1920er und 1930er Jahre kamen die Frieder-Br&uuml;der aus Cincinnati immer wieder f&uuml;r zwei Jahre nach Manila, um die <em>Helena Cigar Factory<\/em> zu leiten, die ihr Vater 1918 aufgebaut hatte. Als sie wieder im Lande weilten, gr&uuml;ndeten sie ein j&uuml;disches Fl&uuml;chtlingskomitee und arbeiteten mit Freunden in h&ouml;heren Stellen zusammen, um den meist aus Deutschland, &Ouml;sterreich und Polen stammenden Fl&uuml;chtlingen bei der Pass-, Visa-, Arbeits- und  Wohnraumbeschaffung behilflich zu sein. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Es war tats&auml;chlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Philippinen halfen auf unterschiedliche Weise, das Leben vieler Juden zu retten und diese brachten ihre mitgebrachten Talente in ihr Wirken im Gastland ein.<\/p><p>Auf dem H&ouml;hepunkt der Immigrationsjahre war die Ankunft von bekannten Pers&ouml;nlichkeiten wie Dr. Herbert Zipper f&uuml;r die Philippinen sicherlich ein Gewinn. Er gr&uuml;ndete und leitete das <em>Manila Symphony Orchestra<\/em>, w&auml;hrend seine Frau Trudl geb. Dubsky zahlreiche philippinische T&auml;nzer\/innen in den modernen Stilrichtungen unterrichtete. Dr. Eugene Stransky, ein Spezialist f&uuml;r Bluterkrankungen, und Ernest Konfeld, ein f&auml;higer Architekt, trugen mit ihrem Schaffen zur Bereicherung des Lebens in den Philippinen bei.<\/p><p>Die dramatische Flucht des Kantors Joseph Cysner von Polen &uuml;ber Deutschland nach Manila wurde in B. Harris&rsquo; Publikation &bdquo;<em>From Zbaszyn to Manila: The Creation of an American Holocaust Haven<\/em>&ldquo; anschaulich beschrieben [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]. Cysner wurde sp&auml;ter als Musikprofessor am De La Salle College in Manila verpflichtet. Seine Lehrveranstaltungen zur klassischen Musik genossen einen exzellenten Ruf. Die unter der Leitung von Philip Frieder stehende <em>Manila Jewish Community<\/em> und das <em>Jewish Refugee Committee of Manila (JRC)<\/em> umfassten einflussreiche und wohlhabende amerikanische Mitglieder der J&uuml;dischen Community und wurden auch mit der Zielsetzung gegr&uuml;ndet, deutsche Mitglieder der j&uuml;dischen Community in Schanghai zu retten.<\/p><p><strong>Das Ehepaar Herbert und Trudl Zipper<\/strong><\/p><p>Eine der herausragenden Pers&ouml;nlichkeiten unter allen j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlingen war der am 24. April 1904 in Wien geborene Herbert Zipper. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Zipper ein klassischer Musiker, Komponist und Dirigent. Er kannte die damaligen Koryph&auml;en der Musikszene &ndash; unter ihnen Igor Strawinski, Paul Hindemith, Sergej Prokofjew und Kurt Weill. W&auml;hrend des Krieges wurden er und seine Br&uuml;der wie so viele andere Juden von den Nazis verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verfrachtet.  Dort baute er ein geheimes Orchester auf, das mit selbstgebauten Instrumenten auf einer verlassenen Latrine spielte. 1938 komponierte er das <em>Dachau Lied<\/em>, f&uuml;r das sein Freund und Mitgefangener Jura Soyfer den Text verfasst hatte. (Soyfer war weniger Gl&uuml;ck beschieden als seinem Kollegen und Freund; er wurde nach Buchenwald deportiert und verstarb dort an Typhus.)<\/p><p>Das Tor zum Lager trug die Aufschrift: <em>Arbeit macht frei<\/em>. Diese Parole erscheint im Text des Liedes, dessen erster Vers wie folgt lautet<\/p><blockquote><p>\nStacheldraht, mit Tod geladen,<br>\nist um unsere Welt gespannt.<br>\nDrauf ein Himmel ohne Gnaden<br>\nsendet Frost und Sonnenbrand.<br>\nFern von uns sind alle Freuden,<br>\nfern die Heimat, fern die Frauen,<br>\nwenn wir stumm zur Arbeit schreiten,<br>\nTausende im Morgengraun.<br>\nDoch wir haben die L&ouml;sung von Dachau gelernt<br>\nund wurden stahlhart dabei:<br>\nSei ein Mann, Kamerad,<br>\nbleib ein Mensch, Kamerad,<br>\nmach ganze Arbeit, pack an, Kamerad,<br>\ndenn Arbeit, Arbeit macht frei!\n<\/p><\/blockquote><p>Das Lied wurde zu einer Hymne des Widerstands und von Lager zu Lager weitergereicht. Die Nazis gr&uuml;ndeten in jedem der f&uuml;nf Vernichtungslager Orchester, die sich aus inhaftierten H&auml;ftlingen zusammensetzten. Sie wurden gezwungen, Musik zu spielen, w&auml;hrend ihre Mitgefangenen in die Gaskammern getrieben wurden. Obwohl diese Musiker saubere Kleidung und andere Verg&uuml;nstigungen erhielten, war unter ihnen die Selbstmordrate h&ouml;her als unter den meisten anderen versklavten Lagerarbeitern. Eine Ausnahme hiervon bildeten die, die in die T&ouml;tungsmaschinerie eingebunden waren oder Bestattungen durchf&uuml;hren mussten. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Sp&auml;ter wurde Zipper von Dachau nach Buchenwald verlegt. Mit Hilfe seiner Familie konnte seine Freilassung bewirkt werden, die er nutzte, um sich nach den Philippinen abzusetzen. Als die Japaner in das Land einmarschierten, wurde er abermals interniert. W&auml;hrend der Besetzung Manilas (von Anfang Januar 1942 bis Sommer 1945), nebst Warschau die am meisten zerst&ouml;rte Hauptstadt w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs, war Zipper Mitglied der im Untergrund operierenden Widerstandsbewegung und funkte unter anderem Schiffsinformationen an die US-Flotte.<\/p><p>Als schlie&szlig;lich philippinische Partisanen und US-amerikanische Verb&auml;nde 1945 Manila nach schweren, &auml;u&szlig;erst verlustreichen K&auml;mpfen zur&uuml;ckeroberten, organisierte er ein Konzert f&uuml;r die US-Truppen. Das Konzert erwies sich als so erfolgreich, dass das US-Milit&auml;r Zipper und das <em>Manila Symphony Orchestra<\/em> mit der Fortf&uuml;hrung der Konzerte beauftragte. Einmal spielten sie vor &uuml;ber 200.000 Milit&auml;rangeh&ouml;rigen. Nach dem Krieg siedelten die Zippers in die Vereinigten Staaten &uuml;ber, wo Herbert bis zu seinem Tode 1997 im kalifornischen Santa Monica seine Kompositions-, Dirigenten- und Unterrichtst&auml;tigkeit fortsetzte.<\/p><p><strong>Japanische Militaristen und Nazis Hand in Hand<\/strong><\/p><p>Die zuvor von Amerikanern dominierte j&uuml;dische Community, die das Leben von weit &uuml;ber 1.000 europ&auml;ischen Juden vor der m&ouml;glichen Ausrottung sicherte, sah sich selbst einer unerwarteten Verfolgung ausgesetzt. Als die japanischen Truppen um die Jahreswende 1941\/42 ins Land eindrangen, wurden innerhalb weniger Tage jeder Amerikaner, Brite, Commonwealth-Angeh&ouml;rige, Holl&auml;nder, Pole, Belgier oder Angeh&ouml;rige eines Staates, der sich mit Japan oder Deutschland im Krieg befand, mit dem Bus zur renommierten, von Dominikanern geleiteten Santo Tomas University ins Stadtzentrum von Manila verbracht und dort interniert.<\/p><p>Der Januar 1943 brachte eine neue und dennoch alte Bedrohung f&uuml;r die j&uuml;dische Community von Manila. Antisemitische Verfolgungen zielten auf die nicht internierten deutschen Juden ab. Im Zuge der Allianz von Hitler-Deutschland mit dem japanischen Kaiserreich hatten nazistische Schm&auml;hreden die Philippinen erreicht. Im Januar 1944 bef&ouml;rderte schlie&szlig;lich der deutsche Botschafter in Japan, Heinrich Stahmer, mit Franz Josef Spahn einen Mann, der fortan als neuer nationalsozialistischer Parteiaufseher &uuml;ber die German Community in Manila wachen sollte. Bald kursierten Ger&uuml;chte, wonach die deutschen Juden in ein Ghetto verbracht werden sollten. Spahn verlangte die sofortige Internierung von Fremden, die sich &bdquo;feindlicher, gegen den Frieden, die Sicherheit und Interessen der philippinischen Republik gerichteter Aktionen schuldig&ldquo; gemacht hatten. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Die Nazi-Partei auf den Philippinen f&auml;lschte Tatsachen in Bezug auf das mittlerweile aufgegebene Mindanao-Ansiedlungsprojekt und behauptete, die Juden sabotierten dieses. Sie verfolgten nunmehr das Ziel, die st&auml;dtische philippinische Wirtschaft im Schlepptau der japanischen Militaristen zu dominieren. Mit anhaltender Kriegsdauer verschlechterte sich die allgemeine Lage in Manila dramatisch. S&auml;mtliche Zivilpersonen galten nunmehr als &bdquo;subversiv&ldquo; und die meisten flohen aus der Stadt in die angrenzenden Berge, um m&ouml;glichen Vergeltungen zu entgehen.<\/p><p>Allein die &bdquo;Schlacht um Manila&ldquo;, die offiziell am 3. Februar 1945 begann und einen Monat lang dauerte, in der erbittert um jede einzelne H&auml;userzeile gek&auml;mpft und schwere Artillerie eingesetzt wurde, kostete &uuml;ber 100.000 Menschenleben. Zur&uuml;ck blieb eine Ruinenstadt. &Uuml;ber 1.000 Juden entkamen der Vernichtung in der einst florierenden Metropole der Philippinen, indem sie den Pasig River in Richtung Norden &uuml;berquerten. Sie mussten 67 tote und mehr als zweihundert verwundete Mitglieder zur&uuml;cklassen. Viele &Uuml;berlebende verlie&szlig;en schlie&szlig;lich Manila in Richtung Vereinigte Staaten, um sich dort dauerhaft anzusiedeln.<\/p><p><strong>Weiterf&uuml;hrende Lekt&uuml;re<\/strong><\/p><p>Ernest Heppner: Shanghai Refuge: A Memoir of the World War II Jewish Ghetto, Lincoln, NE: University of Nebraska, 1993; David Kranzler: Japanese, Nazis, &amp; Jews: The Jewish Refugee Community of Shanghai, 1938-1945, Hoboken, NJ: KTAV Publishing House, Inc., 1988 &amp; Paul Cummins: Musik trotz allem &ndash; Herbert Zipper: Von Dachau um die Welt, Wien: Lafite-Verlag, 1993. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Dr. <strong>Rainer Werning<\/strong>, Politikwissenschaftler &amp; Publizist mit den Schwerpunkten S&uuml;dost- und Ostasien, ist u.a. Philippinen- und (Nord-)Korea-Dozent an der Akademie f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (AIZ) in Bonn-R&ouml;ttgen. Er ist Koherausgeber der Ende des Jahres im Berliner regiospectra Verlag erscheinenden 6. Auflage des <em>Handbuch Philippinen<\/em>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Philippine Ambassador to Israel Pushes for Recognition of Filipinos&rsquo; Role in Saving Jews, Department of Foreign Affairs, Pressemitteilung (SFA-AGR-186-05), Jerusalem, Israel, April 01, 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Die einzige heute existierende Synagoge im Land ist die 1983 gebaute Makati&rsquo;s Beth Ya&rsquo;acov Synagoge. Zuvor gab es den Mitte der 1920er Jahren gebauten Temple Emil. Siehe: Jews in the Philippines, Wikipedia; siehe auch <a href=\"http:\/\/www.worldjewishcongress.org\/communities\/comm_reg_asia.html\">hier<\/a> (dann weiter: The Philippines) &amp; <a href=\"http:\/\/www.jewishphilippines.org\">jewishphilippines.org<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Frank Ephraim: Escape to Manila: From Nazi Tyranny to Japanese Terror, Chicago: Univ. of Illinois Press, 2003.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Joseph Berger: A Filipino-American Effort to Harbor Jews Is Honored, in: The New York Times, February 14, 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Bonnie Harris: Cantor Joseph Cysner: From Zbaszyn to Manila &ndash; The Creation of an American Holocaust Haven, University CSB, research paper, February 6, 2005, 75 S.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Ein weiteres Lied &ndash; <em>Die Moorsoldaten<\/em> &ndash; wurde ebenfalls weltber&uuml;hmt. Es ist zuerst im B&ouml;rgermoorer Konzentrationslager, das sich im Nordwesten Deutschlands nahe der holl&auml;ndischen Grenze befand, aufgef&uuml;hrt worden. Das Lied geht auf das t&auml;gliche Leben und die in den Lagern verrichtete Zwangsarbeit ein.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] B. Harris: Cantor Joseph Cysner &hellip;, a.a.O.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein beklemmend-schauriger Anblick, zum Wochenbeginn ausgerechnet den Hitler-Idi-Amin-Marcos-Verehrer Rodrigo R. Duterte und eingefleischten Pal&auml;stinenserfeind Benjamin Netanyahu gemeinsam h&auml;ndesch&uuml;ttelnd auf Fotos diverser Nachrichtenagenturen abgebildet zu sehen. Der erste Israel-Besuch eines philippinischen Pr&auml;sidenten h&auml;tte nebst Waffengesch&auml;ften und anderen bilateralen Vertr&auml;gen weitaus Interessanteres im Umgang zwischen Filipinos und Juden zutage f&ouml;rdern k&ouml;nnen &ndash; zahlreichen j&uuml;dischen Intellektuellen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45884\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,20,171],"tags":[1171,2357,1055,1497,1403,416,1971,966],"class_list":["post-45884","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-asyl","tag-diaspora","tag-fluechtlinge","tag-japan","tag-konzentrationslager","tag-nationalsozialismus","tag-philippinen","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=45884"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48043,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/45884\/revisions\/48043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=45884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=45884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=45884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}