{"id":45963,"date":"2018-09-12T12:00:53","date_gmt":"2018-09-12T10:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45963"},"modified":"2019-03-11T13:55:59","modified_gmt":"2019-03-11T12:55:59","slug":"keine-gerechtigkeit-ohne-rueckkehr-der-fluechtlinge-vor-70-jahren-ermordeten-zionisten-in-jerusalem-den-un-vermittler-graf-folke-bernadotte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45963","title":{"rendered":"\u201eKeine Gerechtigkeit ohne R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge\u201c: Vor 70 Jahren ermordeten Zionisten in Jerusalem den UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte."},"content":{"rendered":"<p>Der hoch angesehene UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte war voller Sympathien f&uuml;r einen j&uuml;dischen Staat, als er 1948 im Nahen Osten eintraf. Doch in kurzer Zeit wandelte sich der schwedische Diplomat zu einem Anwalt der arabischen Fl&uuml;chtlinge &ndash; eine Haltung, die zionistische Attent&auml;ter nicht dulden wollten. Von <strong>Heiko Flottau<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIsrael war nach seiner offiziellen  Staatsgr&uuml;ndung am 14. Mai 1948 gerade einmal  sechs Tage alt, als am  20. Mai  der schwedische UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte den neuen Staat betrat. Er war von den Vereinten Nationen geschickt worden, um im Krieg,  den arabische Staaten gegen Israel begonnen hatten, zu vermitteln. Schon seine Ankunft in Jerusalem stand unter keinem g&uuml;nstigen Vorzeichen. Mitglieder der terroristischen Stern-Bande kurvten in ihren Autos durch die Stadt und  riefen &bdquo;Stockholm geh&ouml;rt Ihnen, Jerusalem ist unser.&ldquo; Damit nicht genug: &bdquo;Sie arbeiten vergeblich&ldquo;, riefen sie Bernadotte zu,  &bdquo;solange es einen einzigen Feind unserer Sache gibt, haben wir eine Kugel f&uuml;r ihn in unserem Magazin.&ldquo;<\/p><p>Es dauerte nur knapp vier Monate, bis eine Kugel den schwedischen UN-Vermittler traf.  Am 17. September 1948, vor siebzig Jahren also, ermordeten Mitglieder der Stern-Bande Folke Bernadotte in Jerusalem. Die Stern-Bande war eine Abspaltung der Irgun-Bande.   Diese hatte am 22. Juli 1946 einen Fl&uuml;gel des King David Hotel in Jerusalem in die Luft gesprengt, wo sich Teile der britischen  Mandatsregierung und Abteilungen des britischen Generalstabes  f&uuml;r Pal&auml;stina befanden. Die Irgun unter Befehl des sp&auml;teren israelischen Premierministers Menachem Begin t&ouml;tete 91 Soldaten und Zivilisten. Ein knappes Jahr sp&auml;ter, am 9. April 1947, schlug ein Kommando der Irgun wieder zu. Bewaffnete Zionisten  &uuml;berfielen das arabische Dorf Deir Yassin an den Au&szlig;enbezirken Jerusalems und  ermordeten etwa 100  Zivilisten. Die Botschaft der  Angreifer: Den Pal&auml;stinensern sollte das Massaker Warnung sein, im Falle der Staatsgr&uuml;ndung Israels von jedem Widerstand abzusehen. <\/p><p>Die Drohung, welche  die Zionisten gleich nach der Ankunft auch gegen&uuml;ber Folke Bernadotte ausgesprochen hatten, zeigte in dieselbe Richtung: Auch der UN-Mann werde eine Kugel bekommen, sollte er sich den politischen Zielen und der Politik Israels entgegenstellen. Diese r&uuml;de Warnung traf einen Mann, der h&ouml;chste humanit&auml;re Referenzen mit nach Pal&auml;stina brachte. Von 1943 bis 1948 war er erst Vizepr&auml;sident, dann Pr&auml;sident des schwedischen Roten Kreuzes. In dieser Funktion verhandelte er mit keinem anderen als  Heinrich Himmler. Bernadottes Ziel: die Freilassung skandinavischer  KZ-H&auml;ftlinge; etwa 8000 kamen frei, etwa 10.000 bis 12.000 H&auml;ftlinge anderer Nationen wurden durch die Bem&uuml;hungen von Bernadotte gerettet.  Unter diesen befreiten H&auml;ftlingen waren nach vorsichtigen Sch&auml;tzungen auch etwa  5000 Juden. <\/p><p>Verst&auml;ndlicherweise  war Bernadotte auf Grund seiner beruflichen Biographie der Gr&uuml;ndung eines j&uuml;dischen Staates in Pal&auml;stina nicht abgeneigt. Er kannte die Gr&auml;uel der Nationalsozialisten zu gut, um nicht der &Uuml;berzeugung zu sein, dass den Juden nach dem Holocaust ein eigener, sicherer Staat zustehe. Den Arabern stand er zun&auml;chst skeptisch gegen&uuml;ber. Auch war er der Meinung, dass zum Zeitpunkt seiner Ankunft das pal&auml;stinensische Nationalbewusstsein  ebensowenig ausgepr&auml;gt sei wie der Wunsch nach einem eigenen Staat.<\/p><p><strong>Bernadottes Wandlung: Vom Zionisten zum Anwalt der Fl&uuml;chtlinge<\/strong><\/p><p>Doch im Verlaufe seiner kurzen, nur vier Monate dauernden Vermittlert&auml;tigkeit ver&auml;nderte sich seine Meinung.  Eine seiner Hauptsorgen galt den pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlingen. Bernadotte forderte die R&uuml;ckkehr der etwa  700.000 von Israel vertriebenen Pal&auml;stinenser. Das Schicksal der Fl&uuml;chtlinge, schrieb Bernadotte in einem Bericht an die Vereinten Nationen, sei eines der Haupthindernisse f&uuml;r die Beilegung des israelisch-arabischen Konfliktes. Es sei nicht zu widerlegen, schrieb Bernadotte, dass eine L&ouml;sung &bdquo;nicht gerecht und vollst&auml;ndig&ldquo; sein k&ouml;nne, &bdquo;welche die Rechte der  arabischen Fl&uuml;chtlinge auf R&uuml;ckkehr in ihre Heimat nicht anerkenne&ldquo;. Der folgende Satz, den Bernadotte an die UN in New York schrieb, k&ouml;nnte auch heute geschrieben sein: <\/p><p>&bdquo;Es w&auml;re  ein Vergehen gegen die Prinzipien elementarer Gerechtigkeit , wenn den  unschuldigen  Opfern des Konfliktes  das Recht der R&uuml;ckkehr in ihre H&auml;user verwehrt w&uuml;rde, w&auml;hrend j&uuml;dische Einwanderer nach Pal&auml;stina flie&szlig;en&ldquo; und dadurch, wie Bernadotte sich ausdr&uuml;ckte, die andauernde Vertreibung  der arabischen Fl&uuml;chtlinge   verursachten, &bdquo;die f&uuml;r Jahrhunderte in diesem Land  verwurzelt sind.&ldquo;<\/p><p>Das Schicksal der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge wurde zum Hauptanliegen von Bernadotte.  Nach einem Besuch in einem Fl&uuml;chtlingslager in Ramallah schrieb Bernadotte:<\/p><p>&bdquo;Ich habe  sehr viele Fl&uuml;chtlingslager gesehen; aber niemals zuvor habe ich eine grauenhaftere Szene in meinen Augen gesehen als in Ramallah. Unser Auto wurde von aufgeregten Massen geradezu  gest&uuml;rmt, die mit orientalischer Leidenschaft schrieen, dass sie  Essen wollten und dass sie in ihre H&auml;user zur&uuml;ckkehren wollten.  Es gab eine Menge von erschrockenen Gesichtern in diesem Meer einer leidenden Menschheit. Ich erinnere mich nicht zuletzt  an eine Gruppe abgerissener und hilfloser alter M&auml;nner mit ungepflegten B&auml;rten, die ihre  eingefallenen Gesichter in das Auto dr&auml;ngten und Fetzen von Brot  zeigten, welche  mit Sicherheit  von normalen Leuten als nicht genie&szlig;bar angesehen w&uuml;rden; aber es war ihre einzige Nahrung.&ldquo;<\/p><p><strong>Bernadotte: Israels Staatsfeind Nummer 1<\/strong><\/p><p>Alle Bem&uuml;hungen Bernadottes, bei den Israelis  eine humane L&ouml;sung des Fl&uuml;chtlingsproblems zu erreichen, waren vergeblich. Bernadotte  bekam den Eindruck, dass, wie er sagte,  der  erste Feind der Israelis die Araber seien und dass die Beobachter der Vereinten Nationen gleich an zweiter Stelle k&auml;men. Bernadotte informierte den israelischen Au&szlig;enminister Moshe Sharett, dass die Beobachter der UN um 300 neue Offiziere verst&auml;rkt werden w&uuml;rden, die, wie Bernadotte sagte, bei ihrer Ankunft der j&uuml;dischen Sache durchaus sympathisch gegen&uuml;berstehen w&uuml;rden. Doch er wusste, dass die schrecklichen Verh&auml;ltnisse ihre Meinung bald ins  Gegenteil verkehren w&uuml;rden.  &bdquo;Ich konnte nicht verstehen (&hellip;), warum die j&uuml;dische Regierung gegen&uuml;ber dem Vertreter der  UN eine solche Haltung von Arroganz und Feindschaft annahm.&ldquo;<\/p><p>Nachdem die arabische Seite zu verstehen gegeben hatte, dass sie jede Verhandlung mit Israel ablehnen w&uuml;rde, wenn nicht die Fl&uuml;chtlinge in ihre angestammte Heimat zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnten, und nachdem Bernadotte diese Haltung auch zu seiner eigenen gemacht hatte, hatte er, wie er schrieb, die Araber als Feind Nummer Eins der Israelis abgel&ouml;st.<\/p><p>Dann kam der verh&auml;ngnisvolle 17. September 1948. Bernadotte reiste nach Jerusalem, um ein Geb&auml;ude zu besichtigen, in welchem er sein neues Hauptquartier einrichten wollte.  Sein pers&ouml;nlicher Berater, General  Aage Landstr&ouml;m, warnte Bernadotte, angesichts der K&auml;mpfe an der Front rund um Jerusalem ein Risiko f&uuml;r sein Leben zu vermeiden und eine Umgehungsstra&szlig;e nach Jerusalem  zu nehmen. Bernadotte aber antwortete, er habe dieselben Risiken einzugehen wie  alle anderen UN-Beobachter. <\/p><p>W&auml;hrend der Passage durch die j&uuml;dischen Linien wurde Bernadottes Konvoi aufgehalten.  Ein Mann, berichtete  Aage Landstr&ouml;m sp&auml;ter, habe  sein Gewehr direkt durch das Fenster geschoben und  auf Graf Bernadotte gezielt und den ebenfalls im Auto sitzenden Colonel Serot getroffen. Serot sei sofort tot gewesen, Bernadotte sei schwer verwundet worden.   Bernadotte starb kurz darauf.<\/p><p><strong>Stand Jitzhak Shamir hinter dem Mord?<\/strong><\/p><p>Sp&auml;ter berichtete Landstr&ouml;m, dass der Ort des Anschlages sorgf&auml;ltig ausgesucht worden sei und dass die Attent&auml;ter nicht nur genau gewusst h&auml;tten, in welchem Auto des Konvois Bernadotte  gefahren sei,  sondern auch, auf welchem Sitz er gesessen habe.<\/p><p>Die Attent&auml;ter identifizierten sich sp&auml;ter als  &bdquo;Vaterl&auml;ndische Front&ldquo;, eine Untergruppe der Stern-Bande, deren  Kommandant Jitzhak Shamir war, der sp&auml;tere Ministerpr&auml;sident. Shamir verschwand zun&auml;chst im Untergrund. Kurz bevor Shamir 1986 Premierminister Israels wurde, schrieb Benny Morris, einer der sogenannten &bdquo;Neuen Historiker&ldquo; und Autor mehrerer B&uuml;cher, welche auch die Vertreibung der Pal&auml;stinenser behandeln, in der &bdquo;Jerusalem Post&ldquo;, man gehe davon aus, dass Shamir der Hauptorganisator des Mordes an Graf Bernadotte gewesen sei.<\/p><p>Gleich nach dem Mord meldeten sich die Attent&auml;ter in einem Brief an die Nachrichtenagentur Agence France Press und erkl&auml;rten, dass ihrer Meinung nach &bdquo;alle UN-Beobachter in Pal&auml;stina Mitglieder einer ausl&auml;ndischen Besatzungsmacht sind, welche kein Recht haben, in unserem Land zu sein.&ldquo;  Zwei der Attent&auml;ter, unter ihnen Yalin-Mor, wurden vor Gericht gestellt. In der Verhandlung  bezeichnete Yalin-Mor Bernadotte  &ndash; man erinnere sich: Bernadotte hatte 5000 Juden das Leben gerettet &ndash; als Feind des j&uuml;dischen Volkes, der  sowohl die &Uuml;bernahme des K&ouml;nigreiches Transjordanien durch die Zionisten als auch die Besetzung ganz Pal&auml;stinas durch die Zionisten verhindern wolle.  Yalin-Mor wurde 1949 zu acht Jahren Gef&auml;ngnis verurteilt, kam aber schnell wieder frei, weil er bei den Knesset-Wahlen im Januar 1949 einen Parlamentssitz gewonnen hatte. F&uuml;r die Attent&auml;ter entspannte sich die Lage derart, dass Yitzhak Shamir aus dem Untergrund wieder auftauchen konnte.<\/p><p>Die Ermordung Graf Bernadottes war keine bedauerliche Einzeltat, vielmehr zeigt sie ein Kontinuum der zionistischen Besetzung Pal&auml;stinas. Ein Blick in die Geschichte und eine Analyse der j&uuml;ngeren Vergangenheit beweisen diese traurige Tatsache. Im Jahre 1923 ver&ouml;ffentlichte Wladimir Jabotinsky, ein in Odessa  geborener und nach Pal&auml;stina eingewanderter Jude, einen Aufsatz unter dem Titel &bdquo;Die Eiserne Mauer&ldquo;. Seine These: Da sich die pal&auml;stinensischen Araber verst&auml;ndlicherweise gegen die j&uuml;dische Landnahme wehren w&uuml;rden, m&uuml;ssten die Zionisten so stark sein, dass jeder einheimische Widerstand an ihnen wie an einer &bdquo;eisernen Mauer&ldquo; abpralle. Das eingangs erw&auml;hnte Massaker von Deir Yassin, ver&uuml;bt durch die Irgun-Bande, und der Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem sind Indizien f&uuml;r diese zionistische Macht, an der jeder Widerstand abprallen solle wie an einer eisernen Mauer. Die Ermordung Graf Bernadottes reiht sich nahtlos in diese Kette der Gewalt ein.  <\/p><p><strong>Spirale der Gewalt<\/strong><\/p><p>Um eine solche Entwicklung in Zukunft zu verhindern,  warnte  die j&uuml;dische Philosophin Hannah Arendt nach dem Zweiten Weltkrieg, der  neue Staat Israel d&uuml;rfe sich von seiner arabischen Umgebung nicht abschotten, andernfalls er eine &bdquo;Wagenburgmentalit&auml;t&ldquo; entwickeln werde.  Und ein anderer fr&uuml;her Zionist,  Asher  Ginsberg (1856-1927), schrieb unter seinem angenommenen j&uuml;dischen Namen  Ahad Haam, die j&uuml;dischen Einwanderer m&uuml;ssten den einheimischen Arabern mit Respekt begegnen.  Aber, schrieb er: &bdquo;Was tun unsere Br&uuml;der in Pal&auml;stina? Knechte waren sie in den L&auml;ndern der Diaspora&ldquo;, in Pal&auml;stina aber behandelten sie &bdquo;die Araber mit Feindschaft und Grausamkeit, berauben sie ihrer Rechte, beleidigen sie grundlos und prahlen obendrein mit ihren Taten.&ldquo;<\/p><p>So war der Mord an Folke Bernadotte vom 17.September 1948 nicht das Ende der Gewalt in Pal&auml;stina; die andauernde israelische Besatzung stie&szlig; bald auch auf pal&auml;stinensischen gewaltsamen Widerstand.  Zun&auml;chst einmal: Das von Bernadotte beklagte, erb&auml;rmliche Los der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge und Vertriebenen f&uuml;hrte 1949 zur Gr&uuml;ndung der UNWRA, der &bdquo;United Nations Work and Reliief Agency&ldquo;, des bisher einzigen Fl&uuml;chtlingshilfswerkes, das auf eine spezielle Gruppe zielt &ndash; auf die von Israel vertriebenen Pal&auml;stinenser. Bis heute leistet es wertvolle Hilfe f&uuml;r die 1948 und dann im Sechs-Tage-Krieg von 1967 vertriebenen Pal&auml;stinenser. Israel war die UNWRA stets ein Dorn im Auge, erinnerte es doch t&auml;glich an die Ereignisse von 1948\/49. Jetzt hat US-Pr&auml;sident Donald Trump, sehr zur Erleichterung der israelischen Regierung, die US-Mittel f&uuml;r die UNWRA gestrichen. So wird die Not der Fl&uuml;chtlinge und ihrer Nachkommen noch gr&ouml;&szlig;er.<\/p><p>Geblieben ist auch die Gewalt. Immer wieder brachen &ndash; zum Beispiel &ndash; pal&auml;stinensische Freisch&auml;rler nach Israel ein und t&ouml;teten manche der Zugewanderten. Als israelische Vergeltungsma&szlig;nahme ist das Massaker von Qibya in Erinnerung.  Nach einem &Uuml;berfall aus dem Dorf auf israelische B&uuml;rger sammelte Ariel Sharon eine Streitmacht, &uuml;berfiel das Dorf Mitte Oktober 1953 , t&ouml;tete 69 Pal&auml;stinenser, zerst&ouml;rte eine Schule, eine Moschee und 45 H&auml;user. Schon fr&uuml;h hatte Jassir Arafats Fatah-Bewegung zum gewaltsamen Kampf gegen Israel aufgerufen &ndash; bis der Pal&auml;stinensische Nationalkongress 1988 in Algier die Existenz Israels anerkannte. <\/p><p>Die Gewalt ging bald auch von der internationalen Ebene aus. 1956 besetzte eine Allianz aus England, Frankreich und Israel die Suezkanalzone, nachdem Gamal Abdel Nasser, der &auml;gyptische Pr&auml;sident, den bis dahin in vornehmlich britischen Besitz befindlichen Kanal verstaatlicht hatte. 1967 eroberte Israel in einem von ihm so genannten Pr&auml;ventivschlag die Halbinsel Sinai, den Rest des Westjordanlandes, Ost-Jerusalem und die  syrischen Golanh&ouml;hen.  1972 &uuml;berfielen bewaffnete Pal&auml;stinenser die israelische Olympiamannschaft in M&uuml;nchen, elf israelische Geiseln fanden den Tod, f&uuml;nf Geiselnehmer wurden get&ouml;tet, ein Polizist starb. 1973  griffen  &Auml;gypten und Syrien Israel an, sie verfolgten das Ziel,  die 1967  verlorenen Gebiete wiederzugewinnen.  1982 lie&szlig; Verteidigungsminister Ariel Sharon seine Truppen in den Libanon  einr&uuml;cken und Jassir Arafat aus Beirut nach Tunis vertreiben. <\/p><p><strong>Aggressionen und Reaktionen<\/strong><\/p><p>1994 erschoss Baruch Goldstein in Hebron 29 betende Muslime, 150 wurden verletzt.  1995 ermordete der aus einer j&uuml;disch-orthodoxen Familie stammende Yigal  Amir den israelischen Premier Yitzhak Rabin. Sein Motiv: Amir sah die Friedensvertr&auml;ge von Oslo als nationalen Verrat an.  1996  lie&szlig;  Israels  Premier Shimon Peres im Kampf gegen die Hisbollah abermals Truppen in den Libanon einr&uuml;cken,  bei einem Angriff auf einen UN-Posten bei der Stadt Kanaa kamen 106 Menschen ums Leben, darunter viele Kinder.    2008\/2009, 2012 und 2014 f&uuml;hrte Israel im Gazastreifen Krieg gegen die &bdquo;Islamische Widerstandsbewegung&ldquo; (Hamas). Und von 1997 bis 2003 sowie von 2000 bis etwa zum Tod von Jassir Arafat 2004 lehnten sich die Pal&auml;stinenser in der ersten und zweiten Intifada gegen die israelische Besatzung auf.  <\/p><p>Zahlreiche pal&auml;stinensische Attentate auf israelische Zivilisten  veranlassten Israel Anfang der Zweitausender Jahre, zum Bau eines Trennzaunes und einer bis zu acht Meter hohen Trennmauer. 2002 ver&uuml;bte die Hamas in der israelischen Stadt Netanja ein Attentat, bei dem drei&szlig;ig Israelis get&ouml;tet und 140 verletzt wurden.  Premier Sharon lie&szlig; daraufhin israelische Truppen in einer gro&szlig; angelegten &bdquo;Sicherheitsoperation&ldquo; ins Westjordanland einmarschieren,  wobei auch Jassir Arafat in der Mukataa, seinem Amtssitz in Ramallah, belagert wurde. Dort hielten sich auch jene Attent&auml;ter auf, die zuvor den israelischen Tourismusminister Rehavom  Zeevi ermordet hatten.<\/p><p>Die Spur der Gewalt hat alle Friedensbem&uuml;hungen &ndash; etwa die Vertr&auml;ge von Oslo 1993 und 1995 &ndash; zunichte gemacht. Vorl&auml;ufiger Schlusspunkt dieser durch Jahrzehnte f&uuml;hrenden &ndash; hier sicher nicht vollst&auml;ndig  verfolgten &ndash; Trasse  der Gewalt ist  ein nur scheinbar gewaltloser Akt: die Verabschiedung des israelischen Staatsb&uuml;rgerschaftsgesetzes im Sommer 2018, das den Pal&auml;stinensern nun auch ganz offiziell den Status einer Minderheit mit minderen Rechten zuschreibt. <\/p><p>Wie hatten doch die Mitglieder der Stern-Bande bei der Ankunft Graf Folke Bernadottes auf ihre Fahnen geschrieben ? &bdquo;Solange es einen einzigen Feind unserer Sache gibt, haben wir eine Kugel f&uuml;r ihn in unserem Magazin.&ldquo; Das Magazin, aus dem jetzt geschossen wurde, ist  zwar das gew&auml;hlte israelische Parlament. Aber f&uuml;r die Pal&auml;stinenser im Land,  immerhin ein F&uuml;nftel der Einwohner Israels,  bedeutet diese politische Salve den Sto&szlig; in die politische Verbannung innerhalb ihrer angestammten Heimat, in der sie, wie Folke Bernadotte 1948 an die UN  geschrieben hatte, &bdquo;f&uuml;r Jahrhunderte (&hellip;) verwurzelt sind&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><em>David Hirst: The Gun and the Olive Branch. The Origins of Violence in the Middle East. London 1977<\/em><\/li>\n<li><em>Lenni Brenner: The Iron Wall. Zionist Revisionism from Jabotoinsky to Shamir.  London 1984.<\/em><\/li>\n<li><em>Ilan Pappe: The Ethnic Cleansing of Palestine. Oxford 2006.<\/em><\/li>\n<li><em>Rolf Verleger: Hundert Jahre Heimatland ? Judentum und Israel zwischen N&auml;chstenliebe  und Nationalismus. Frankfurt am Main 2017<\/em><\/li>\n<li><em>Ilan  Pappe: The Biggest Prison on Earth: A History of the Occupied Territories. 2017<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der hoch angesehene UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte war voller Sympathien f&uuml;r einen j&uuml;dischen Staat, als er 1948 im Nahen Osten eintraf. Doch in kurzer Zeit wandelte sich der schwedische Diplomat zu einem Anwalt der arabischen Fl&uuml;chtlinge &ndash; eine Haltung, die zionistische Attent&auml;ter nicht dulden wollten. 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