{"id":46005,"date":"2018-09-16T11:45:58","date_gmt":"2018-09-16T09:45:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46005"},"modified":"2026-01-27T11:29:58","modified_gmt":"2026-01-27T10:29:58","slug":"mathias-broeckers-alternative-medien-muessen-als-investigative-intensivstation-dagegenhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46005","title":{"rendered":"Mathias Br\u00f6ckers: \u201eAlternative Medien m\u00fcssen als  investigative Intensivstation dagegenhalten\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" alt=\"Mathias Br&ouml;ckers\" title=\"Mathias Br&ouml;ckers\"><\/div><p>Ist die taz, wie die Gr&uuml;nen, zu einer Art FDP mit Fahrrad geworden? &bdquo;Daf&uuml;r haben wir die taz nicht gegr&uuml;ndet&ldquo;, sagt <strong><a href=\"https:\/\/www.broeckers.com\/\">Mathias Br&ouml;ckers<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Br&ouml;ckers geh&ouml;rt zur Gr&uuml;ndergeneration der taz und er hat sich zum 40. Jubil&auml;um des Blattes tief durch das Archiv der Zeitung f&uuml;r die Zusammenstellung eines Jahresbands gew&uuml;hlt. Im Interview betont er, dass sich im Hinblick auf die Notwendigkeit alternativer Medien seit Gr&uuml;ndung der taz nicht viel ge&auml;ndert hat. Selbsternannte Qualit&auml;tsmedien, so Br&ouml;ckers, orchestrierten eine &bdquo;Kriegsl&uuml;ge nach der anderen&ldquo;. Da seien alternative Medien, die Ger&uuml;chte chirurgisch pr&auml;zise von Fakten trennen, dringend notwendig. Ein Interview &uuml;ber die Gr&uuml;ndungsjahre der taz, die Entwicklung des Blattes und dar&uuml;ber, was ein gutes journalistisches Produkt heute leisten muss. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7270\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46005-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180914_Mathias_Broeckers_Alternative_Medien_muessen_dagegenhalten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180914_Mathias_Broeckers_Alternative_Medien_muessen_dagegenhalten_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180914_Mathias_Broeckers_Alternative_Medien_muessen_dagegenhalten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180914_Mathias_Broeckers_Alternative_Medien_muessen_dagegenhalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46005-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180914_Mathias_Broeckers_Alternative_Medien_muessen_dagegenhalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180914_Mathias_Broeckers_Alternative_Medien_muessen_dagegenhalten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die &bdquo;alternative&ldquo; Tageszeitung taz feiert 40. Jubil&auml;um. Sie waren Gr&uuml;ndungsmitglied und haben sich gerade f&uuml;r ein Buchprojekt durch das Archiv der taz gew&uuml;hlt. Was war das f&uuml;r eine Zeitung, als sie an den Start ging?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir haben keine Chance, aber wir nutzen sie&ldquo;, war das Motto der ersten Nullnummer, die im September 1978 erschien &ndash; zu einer Zeit, als au&szlig;er der taz noch eine weitere Tageszeitung aus der linken Ecke im Entstehen war &ndash; &bdquo;Die Neue&ldquo; &ndash; die mit einigen professionellen Journalisten und etwas Geld startete. Dem &bdquo;Sponti-Projekt&ldquo; taz, das ohne Kapital und journalistisches Know How an den Start ging &ndash; unter den etwa 50 Gr&uuml;nderinnen und Gr&uuml;ndern hatte kaum eine Handvoll schon einmal eine Redaktion von innen gesehen &ndash;   traute kein &bdquo;Experte&ldquo; mehr als einen kurzen Sommer zu. Doch den &uuml;berlebte &bdquo;Die Neue&ldquo; dann nicht.  Die taz aber hatte das Crowdfunding erfunden, bevor es das Wort daf&uuml;r gab: 1534 Vertrauensselige bezahlten Anfang November 1978 ihr Vorausabo f&uuml;r eine Tageszeitung, die es noch gar nicht gab. Ein halbes Jahr sp&auml;ter erschien sie und lebte und wirtschaftete in den ersten zehn Jahren mit und von diesem Vertrauensvorschuss ihrer Abonnenten &ndash; und den gab es, weil sich die fr&uuml;he taz  weniger als journalistisches, sondern als politisches Projekt verstand. Das wird auch aus dem Buch &uuml;ber die letzten 40 Jahre Zeit- und Zeitungs-Geschichte, das wir gerade zusammengestellt haben, sehr deutlich. Niemand kam zur taz, weil er nur einen Job suchte &ndash; die gab&rsquo;s anderswo und deutlich besser bezahlt Ende der 70er ja noch &uuml;berall.<\/p><p><strong>Also gab es offensichtlich Bedarf an einem &bdquo;alternativen&ldquo; Medium?<\/strong><\/p><p>Der &bdquo;Deutsche Herbst&ldquo; 1977 und die Hysterie angesichts des RAF-Terrors hatte ja zu einer regelrechten Gleichschaltung der Medien gef&uuml;hrt. Wer mit l&auml;ngeren Haaren und Lederjacke in einem 2 CV mit Anti-AKW-Aufkleber herumfuhr, war damals quasi schon Terror-Sympathisant und wurde von der Polizei entsprechend behandelt. Friedliche Proteste gegen Atomkraftwerke wurden generalstabsm&auml;&szlig;ig niedergekn&uuml;ppelt, es war, wie ein Filmtitel lautete, eine &bdquo;bleierne Zeit&ldquo;. In vielen Regionen entstanden alternative Stadtzeitungen, die aus anderer Perspektive und aus Sicht der Betroffenen berichteten. In Frankfurt waren das zum Beispiel der &bdquo;Informationsdienst f&uuml;r unterbliebene Nachrichten&ldquo; und der &bdquo;Pflasterstrand&ldquo; und in Berlin hatte sich im Umfeld des &bdquo;Tunix&ldquo;-Kongresses eine Initiativgruppe  gebildet, mit Christian Str&ouml;bele als juristischem Berater und Manager, und aus diesen Initiativen entstand dann die taz. &bdquo;Objektivit&auml;t &ndash; nein Danke!&ldquo; lautete die erste These im &bdquo;Prospekt Tageszeitung&ldquo;, mit dem sich das Projekt erstmals vorstellte und um Vorausabos warb. Es ging nicht um Ausgewogenheit, sondern um Parteilichkeit &ndash; f&uuml;r die Befreiungsbewegungen in Lateinamerika, f&uuml;r die Frauenbewegung, f&uuml;r &Ouml;kologie, f&uuml;r Hausbesetzungen statt Kahlschlagsanierung, f&uuml;r Abr&uuml;stung statt &bdquo;Pershing 2&ldquo;, kurz: f&uuml;r Alternativen zum Bestehenden.<\/p><p><strong>Durch das Internet gibt es heute eine Vielzahl an alternativen Medien und Formaten. Da scheint es einen zeit&uuml;bergreifenden Bedarf zu geben, oder?<\/strong><\/p><p>Den gibt es selbstverst&auml;ndlich, weil sich seit den 1970er Jahren wenig ge&auml;ndert hat an grunds&auml;tzlichen Strukturen und Problemen. Alternativen zur Destruktivit&auml;t unseres Finanz- und Wirtschaftssystems sind notwendiger denn je &ndash; und sie aufzuzeigen und in die K&ouml;pfe zu bringen, w&auml;re Aufgabe der alternativen Medien. Eigentlich auch des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks, der als vierte S&auml;ule der Demokratie verfassungsgem&auml;&szlig; zur Kontrolle der Politik und der Macht berufen ist, in der Regel aber nur noch als ihr Lautsprecher fungiert. Und da der Rest der Medien, der in Privatkonzernen zwecks Gewinnmaximierung agiert, letztlich auch nur Lautsprecher sein darf, ist  der Bedarf an alternativen Non-Profit-Medien ohne Frage mehr als gegeben. Von daher eindeutig: Ja, wir brauchen alternative Medien! Die taz hat ihren Mitarbeitenden stets sehr magere L&ouml;hne gezahlt und nur &uuml;berlebt, weil sie sich 1991 als Genossenschaft organisierte, deren Ziel nicht eine j&auml;hrliche Rendite ist, sondern jeden Morgen eine gute Zeitung. Nur mit einer solchen Gemeinschaft konnte die Zeitung 40 Jahre durchhalten &ndash; und ohne eine solche Gemeinschaft im R&uuml;cken kann auch in Zukunft kein unabh&auml;ngiges Medium existieren.<\/p><p><strong>Welche &Uuml;berschneidungen und Unterschiede zwischen der taz von damals und alternativer Medien von heute sehen Sie?<\/strong><\/p><p>Die Reichweite, die das Netz heute bietet, h&auml;tten wir uns damals nat&uuml;rlich gew&uuml;nscht. Die taz war dann zwar als erste deutsche Tageszeitung im &bdquo;weltweiten Computerverbund Internet&ldquo; (O-Ton 1995) digital verf&uuml;gbar, aber auch kein Profiteur der Dotcom-Blase. Im Vergleich zur taz-Gr&uuml;ndung und dem Aufwand,  eine Zeitung zu drucken und auszuliefern, herrschen ja heute, was die Verbreitung von Nachrichten betrifft, geradezu paradiesische Zust&auml;nde. Was aber die Erstellung von Nachrichten betrifft, hat sich wenig ge&auml;ndert: Guter Journalismus bedeutet Aufwand, produziert Kosten  und ist nicht umsonst zu haben. Und wer nicht zum Lautsprecher irgendeines Profiteurs werden und unabh&auml;ngig berichten will, kommt ohne eine &bdquo;Community&ldquo;, am besten eine Genossenschaft, die diese Unabh&auml;ngigkeit finanziert, nicht aus. Das gilt f&uuml;r alles und jeden, die sich mit Nachrichten jenseits des Mainstreams zu Wort melden. <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie uns einen Einblick in den Alltag der taz von damals geben? Wie ging es damals in der Redaktion zu?<\/strong><\/p><p>Die taz verstand sich als Kollektiv, das sich einen Einheitslohn von 800 DM f&uuml;r Hand-und Kopfarbeit auszahlte und alle grundlegenden Entscheidungen auf einer w&ouml;chentlichen Kollektivsitzung traf. Weil aber nie alle einer Meinung waren und mehrheitlich entschieden wurde, gab es immer Fraktionen und Interessengruppen, die unterschiedliche Ziele verfolgten. Wenn bei den morgendlichen Redaktionskonferenzen der begrenzte Raum auf den Seiten aufgeteilt werden musste, gab es oft heftige Diskussionen. Von verschiedenen externen Aktivisten, die ihre Anliegen in der taz nicht vertreten sahen, wurde die Redaktion dann auch h&auml;ufiger besetzt. &bdquo;taz l&uuml;gt!&ldquo; war schon lange vor dem Stigma &bdquo;L&uuml;genpresse&ldquo; eine verbreitete Parole an Kreuzberger Hausw&auml;nden, wo die meisten tazlerInnen lebten. Den Autonomen war die taz nicht militant genug,   den linken, kommunistischen Gruppen war sie zu undogmatisch, sowohl der Stasi als auch dem Verfassungsschutz war sie nicht geheuer und sie platzierten dort ihre Spitzel. Dass aus all dem Chaos t&auml;glich eine Zeitung entstand, ist eigentlich ein Wunder. Die fr&uuml;he taz war ein Labor f&uuml;r viele Debatten und Ideen, die im Mainstream erst viele Jahre sp&auml;ter ankamen &ndash; eine Frauenquote zum Beispiel wurde nach einem Streit um sexistische Texte schon 1980 beschlossen, &Ouml;kologie und nachhaltige Wirtschaft waren von Beginn an ein Thema und nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 verdoppelten sich die Abos in kurzer Zeit. So anstrengend und nervig dieses hierarchiefreie, kollektivistische Arbeiten auch war, so hatte dieses Kollektiv doch erstaunliche seismographische F&uuml;hler f&uuml;r sehr viele gesellschaftliche Problemfelder. Dass sich daraus schon aus Gr&uuml;nden der Effizienz dann flache Hierarchien entwickelten und Chefredaktion und Ressortleitungen eingef&uuml;hrt wurden, hat die Arbeit an der Zeitung zwar durchaus erleichtert,  die unter dem Stichwort &bdquo;Professionalisierung&ldquo; vorangetriebenen &Auml;nderungen f&uuml;hrten aber auch zur einer Normalisierung der Inhalte. &Auml;hnlich wie die &bdquo;Gr&uuml;nen&ldquo;, die ihre radikalen und pazifistischen Prinzipen erst kappen mussten, um an politische Positionen zu kommen,  verabschiedete sich auch die taz schrittweise von ihren Wurzeln, wurde &bdquo;realpolitisch&ldquo; und durfte dann irgendwann auch im &bdquo;Presseclub&ldquo; mitspielen. <\/p><p><strong>Und heute? Wie sieht es heute in der Redaktion aus?<\/strong><\/p><p>Ich habe die Redaktion Anfang der 90er Jahre verlassen, weil ich selbst mehr schreiben wollte, statt jeden Tag das Feuilleton zu machen und  Texte von anderen zu redigieren; seit 2006 berate ich den taz-Verlag in Sachen digitale Transformation, bin aber kein Mitglied der Redaktion und habe dort keine tieferen Einblicke. Als ich bei einer Strategie-Runde einmal vorschlug, wir sollten die n&auml;chsten zehn freiwerdenden Redaktionsstellen mit Leuten besetzen, die NICHT von Journalistenschulen kommen, erntete ich viele b&ouml;se Blicke, weil viele wohl solche besucht haben.  Mein Vorschlag richtete sich aber gar nicht gegen diese  Einrichtungen, da kommen ja viele kluge und nette Journalisten raus,  du kannst sie heute im Sport-Ressort, morgen bei der Kultur und &uuml;bermorgen als Wirtschaftsredakteur einsetzen und nirgends schreiben sie wirklichen Unsinn. Aber sie schreiben auch nichts wirklich Gutes, weil sie f&uuml;r nichts brennen und eigentlich kein Thema haben, das sie wirklich interessiert. Sie haben einfach nicht mehr so die Wut und die Verve im Bauch wie die Gr&uuml;ndergeneration der taz &ndash; und ein wenig von diesem Elan, dachte ich, k&ouml;nnte die aktuelle taz jetzt brauchen.  <\/p><p><strong>Warum haben Sie sich aus der Redaktion zur&uuml;ckgezogen?<\/strong><\/p><p>Wie gesagt, wollte ich selbst lieber Autor als Redakteur sein und  habe dann auch noch bis 1996 eine w&ouml;chentliche Kolumne f&uuml;r die taz geschrieben.  Als Rot-Gr&uuml;n dann in den Balkankrieg zog und weite Teile der Redaktion da mitmarschierten, wurde meine Sympathie f&uuml;r die Zeitung auf eine schwere Probe gestellt  &ndash; und das wird sie nach wie vor. Aber dennoch ist die taz nach wie vor eine Tageszeitung wie keine andere und in mancher Hinsicht sogar die beste von allen. <\/p><p><strong>Das sagen Sie jetzt aber nicht, um sich bei der taz Bonuspunkte zu verdienen, oder?<\/strong><\/p><p>N&ouml;, die sind doch schon l&auml;ngst alle beisammen &ndash;  als Herausgeber einer 800-seitigen Chronik der taz zum 10. Geburtstag 1989 und jetzt mit diesem pr&auml;chtigen Band zum 40. liege ich schon weit &uuml;ber dem Soll. Leider zahlen sich aber taz-Bonuspunkte nicht in irgendwelchen Betriebsrenten aus. Deshalb wird bei der n&auml;chsten Genossenschaftsversammlung &uuml;ber einen Fonds f&uuml;r Mitarbeitende abgestimmt, die mehr als 30 taz-Jahre auf dem Buckel haben und dann nur eine lachhaft geringe Rente beziehen. Der wird sicher eine Mehrheit finden und vielleicht ja auch die J&uuml;ngeren in der Redaktion motivieren, gegen den Rentenbetrug und das neoliberale Schweinesystem insgesamt endlich mehr auf den Putz zu hauen. Als selbstverwaltetes, genossenschaftliches Unternehmen hat die taz eine viel gr&ouml;&szlig;ere Unabh&auml;ngigkeit und Freiheit als die meisten anderen Zeitungen und Medienorgane &ndash; aber sie nutzt sie viel zu wenig. Und daf&uuml;r, wie die Gr&uuml;nen nur zu einer Art FDP mit Fahrrad zu werden,  daf&uuml;r &ndash; um einen im Hause verbotenen Satz zu verwenden &ndash; &bdquo;haben wir die taz nicht gegr&uuml;ndet&ldquo;.  <\/p><p><strong>Vor kurzem wurde bekannt, dass die taz ab 2022 nur noch am Wochenende in gedruckter Form erscheinen soll. Ist das ein weiterer Hinweis f&uuml;r den gro&szlig;en Umbruch in der Medienwelt?<\/strong><\/p><p>Dass die Medienwelt insgesamt und die Tageszeitungen im Besonderen sich in einem gro&szlig;en Umbruch befinden, ist offensichtlich. Wer sich die Entwicklung der verkauften Auflage und der Abonnements von Tageszeitungen anschaut, kann das nicht &uuml;bersehen. Der Marktf&uuml;hrer Bild hat seit 1998 mehr als 63 % seiner Auflage verloren, bei den anderen Tageszeitungen geht es nicht ganz so dramatisch, aber ebenfalls rapide bergab. Und es ist &uuml;berhaupt nicht abzusehen, dass sich dieser Trend noch einmal umkehren wird und wieder mehr Zeitungen abonniert oder am Kiosk gekauft werden. Das Gesch&auml;ftsmodell der gedruckten Zeitung &ndash; den Platz zwischen den bezahlten Anzeigen mit &bdquo;Informationen&ldquo; zu f&uuml;llen &ndash; geht seinem Ende entgegen. Dass die taz ab 2022 werktags nicht mehr erscheinen soll, ist aber keineswegs ausgemacht.<\/p><p><strong>Sondern? <\/strong><\/p><p>Vielmehr hat der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Kalle Ruch f&uuml;r die kommende Genossenschaftsversammlung der taz zur Debatte gestellt, dass eine taz mit weniger als 20.000 gedruckten Abonnements sich schlicht nicht mehr rechnet und ein permanentes Zuschussgesch&auml;ft w&auml;re. Aktuell schreibt die taz eine schwarze Null, hat noch 26.000 Abonnenten und eine etwa doppelt so hohe Druckauflage, aber die Tendenz ist fallend. In dieser Situation denkt die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung in weiser Voraussicht &uuml;ber Alternativen nach &ndash; und eine dieser Alternativen w&auml;re die Einstellung der gedruckten Werktagsausgabe, die Transformation der Abonnements in digitale Abos und eine erweiterte, gedruckte  Wochenend-taz. Dar&uuml;ber wird die taz-Genossenschaft am 15. September diskutieren &ndash; aber es liegt keine Beschlussvorlage vor, die abgestimmt wird. Die stets sensationsheischenden Medien haben aus diesem internen Diskussionspapier dann gleich &bdquo;taz stirbt 2022&ldquo; und &auml;hnliche Fake-News gebastelt. Tats&auml;chlich denkt die taz nur als Erste &uuml;ber m&ouml;gliche Szenarien des &Uuml;berlebens nach, und um solche &Uuml;berlegungen werden alle anderen Presseerzeugnisse auch nicht herumkommen.<\/p><p><strong>Wie m&uuml;sste denn aus Ihrer Sicht  heute ein Medium aussehen, das vielleicht mit einer vergleichbaren Grundeinstellung in die Medienwelt treten w&uuml;rde, wie es bei der taz der Fall war? Und: Was m&uuml;sste oder sollte dieses Medium leisten? <\/strong><\/p><p>It&rsquo;s still the same: Aufkl&auml;rung, Bewusstseinserweiterung, Verbreitung unterbliebener Nachrichten, Gegen&ouml;ffentlichkeit, Whistleblowing, demokratische Kontrolle der Autorit&auml;t und der Macht. Letztlich genau das, was echter Journalismus leisten soll, aber kaum noch tut &ndash; und sich dann wundert, dass das Misstrauen des Medienpublikums stetig w&auml;chst.  Dass nun die sozialen Medien als S&uuml;ndenbock und Biotop f&uuml;r &bdquo;Fake-News&ldquo; gek&uuml;rt werden, wird an diesem Vertrauensschwund nichts &auml;ndern, denn nicht die Schneeballeffekte der Postings von Kreti und Pleti sind die Gefahr, es sind die Fake News der  selbsternannten &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo;, die eine Kriegsl&uuml;ge nach der anderen orchestrieren.  Und wo in den offiziellen Ger&uuml;chtek&uuml;chen zunehmend Spindoktoren am Werk sind, die Verwirrung und Vernebelung stiften bzw. FUD &ndash; Fear, Uncertainity &amp; Doubt (Angst, Unsicherheit und Zweifel)  &ndash; produzieren, wie es in der Sprache der Werbestrategen hei&szlig;t, m&uuml;ssen alternative Medien als investigative Intensivstation dagegenhalten. Also Ger&uuml;chte und Tatsachen, Behauptungen und Fakten auf chirurgische Weise trennen und wenn Staat und Beh&ouml;rden unter dem Regime von FUD Beweismaterial zur&uuml;ckhalten, dieses notfalls gerichtlich einfordern. Einer solchen Presse, die im Idealfall ihren faktenges&auml;ttigten Nachrichtenteil von dem mit den Meinungen und Kommentaren vollkommen trennt, sodass man letzteren mit den Werbeprospekten ggf. gleich entsorgen kann, w&uuml;rden die &ldquo;hearts and minds&rdquo; sowie die Abonnements mit Sicherheit wieder zufliegen.  Journalisten m&uuml;ssten nicht f&uuml;rchten, k&uuml;nftig &uuml;berfl&uuml;ssig zu werden wie einst die Heizer auf der Elektrolok, wenn sie sich ihrer W&auml;chterrolle wieder besinnen, f&uuml;r die ihnen in demokratischen Verfassungen auch besondere Rechte verliehen wurden. Weil ihnen als Auge, Ohr und Kontrollorgan des Souver&auml;ns &ndash; des Volks &ndash; besonderer Schutz geb&uuml;hrt &ndash; aber nicht, um als Stenographen der Macht und Lautsprecher der Eliten zu fungieren.  F&uuml;r eine solche Zeitung, da bin ich sicher, w&uuml;rden die Leute mit Freuden bezahlen. Und eine taz, die sich wieder auf diese Rolle als Watchdog besinnt, statt sich in Tinnef-Aktivismus zu verlieren, k&ouml;nnte sogar noch in zehn Jahren auf Papier erscheinen &ndash; weil die betagten (und betuchten) Genossinnen und Genossen genau das wollen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> <strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong> geh&ouml;rt zur Gr&uuml;ndergeneration der taz, war dort bis 1991 Kulturredakteur und bis 1996 Kolumnist. Seit 2006 ber&auml;t er den taz-Verlag bei seiner digitalen Entwicklung. &bdquo;40 Jahre taz &ndash; Das Buch&ldquo; erscheint am 15.9. im taz-Verlag. 400 Seiten, gebunden, Gro&szlig;format, 40 Euro, ISBN 978-3-937683-72-0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" alt=\"Mathias Br&ouml;ckers\" title=\"Mathias Br&ouml;ckers\"\/><\/div>\n<p>Ist die taz, wie die Gr&uuml;nen, zu einer Art FDP mit Fahrrad geworden? &bdquo;Daf&uuml;r haben wir die taz nicht gegr&uuml;ndet&ldquo;, sagt <strong><a href=\"https:\/\/www.broeckers.com\/\">Mathias Br&ouml;ckers<\/a><\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Br&ouml;ckers geh&ouml;rt zur Gr&uuml;ndergeneration der taz und er hat sich zum 40. 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