{"id":46041,"date":"2018-09-17T08:55:41","date_gmt":"2018-09-17T06:55:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46041"},"modified":"2019-05-18T13:26:14","modified_gmt":"2019-05-18T11:26:14","slug":"nach-5-jahren-usa-in-syrien-wieder-am-rande-eines-krieges-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46041","title":{"rendered":"Nach 5 Jahren: USA in Syrien wieder am Rande eines Krieges gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p>Was Syrien betrifft, erlebt man zur Zeit ein D&eacute;j&agrave;-vu, die USA stehen vor einer Konfrontation mit Russland und Donald Trump vor seiner wichtigsten Entscheidung als Pr&auml;sident, <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/09\/12\/on-the-brink-with-russia-in-syria-again-5-years-later\/\">kommentiert <strong>Ray McGovern<\/strong><\/a>. <strong>Josefa Zimmermann<\/strong> hat den Text f&uuml;r die NachDenkSeiten ins Deutsche &uuml;bertragen.<br>\n<!--more--><br>\nAm 11. September 2013 kam die New York Times dem Wunsch des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin nach, &bdquo;direkt zum amerikanischen Volk und seinen politischen F&uuml;hrern zu sprechen&rdquo; &uuml;ber &bdquo;die j&uuml;ngsten Ereignisse rund um Syrien&rdquo;.<\/p><p>Putins Artikel in der Times erschien unter dem Titel: &bdquo;A plea for Caution from Russia&ldquo; [Russland mahnt zur Vorsicht]. Darin warnte er, dass ein &bdquo;Milit&auml;rschlag der USA gegen Syrien unschuldige Opfer und eine Eskalation zur Folge haben wird und m&ouml;glicherweise zu einer Ausdehnung des Konfliktes weit &uuml;ber die Grenzen Syriens hinaus f&uuml;hrt &hellip; und eine neue Welle des Terrorismus entfesseln k&ouml;nnte. &hellip; Er k&ouml;nnte das gesamte internationale System von Recht und Ordnung aus dem Gleichgewicht bringen.&rdquo;<\/p><p>Am 21. August, drei Wochen vor Putins Artikel, fand in Ghouta, einem Vorort von Damaskus, ein Angriff mit Chemiewaffen statt und der syrische Pr&auml;sident Bashar al-Assad wurde sofort als der Schuldige identifiziert. Bald jedoch gab es umfangreiche Beweise f&uuml;r einen provozierten Vorfall, um eine direkte US-Milit&auml;rbeteiligung gegen Assad zu erzwingen, damit die syrischen Regierungstruppen nicht ihre Motivation beibehalten und die dschihadistischen Rebellen besiegen.<\/p><p>In einem Memorandum an Pr&auml;sident Barack Obama am 6. September, f&uuml;nf Tage vor Putins Artikel, hatte die Gruppe Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS) den Pr&auml;sidenten gewarnt, dass es sich bei dem Vorfall in Ghouta vermutlich um eine False Flag handelte.<\/p><p>Trotz seiner Sorge &uuml;ber einen m&ouml;glichen Angriff der USA war Putins wichtigste Botschaft in diesem Presseartikel positiv und er sprach von wachsendem gegenseitigen Vertrauen:<br>\n&bdquo;In den letzten Tagen hat sich erneut die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet,  milit&auml;rische Aktionen zu vermeiden. Die Vereinigten Staaten, Russland und alle Mitglieder der internationalen Gemeinschaft m&uuml;ssen die Bereitschaft der syrischen Regierung nutzen, ihr Chemiewaffenarsenal unter internationale Kontrolle zu stellen, um es sp&auml;ter zu vernichten. Nach den &Auml;u&szlig;erungen von Pr&auml;sident Obama zu urteilen, sehen die USA darin eine Alternative zu milit&auml;rischen Aktionen. [Syriens Chemiewaffen wurden im darauffolgenden Jahr tats&auml;chlich unter Aufsicht der UN zerst&ouml;rt.]<\/p><p>&bdquo;Ich begr&uuml;&szlig;e das Interesse des Pr&auml;sidenten, den Dialog mit Russland &uuml;ber Syrien fortzusetzen. Wir m&uuml;ssen zusammenarbeiten und diese Hoffnung am Leben erhalten &hellip; und von Diskussionen wieder zu Verhandlungen kommen. Wenn wir Gewalt gegen Syrien vermeiden k&ouml;nnen, wird dies die Atmosph&auml;re bei internationalen Angelegenheiten verbessern und das gegenseitige Vertrauen st&auml;rken &hellip; und die T&uuml;r f&uuml;r eine Zusammenarbeit in anderen kritischen Fragen &ouml;ffnen.&rdquo;<\/p><p><strong>Obama verweigerte den Milit&auml;rschlag<\/strong><\/p><p>In einem l&auml;ngeren Interview mit dem Journalisten Jeffrey Goldberg, das viel sp&auml;ter, im M&auml;rz 2016, in The Atlantic ver&ouml;ffentlicht wurde, zeigte Obama betr&auml;chtlichen Stolz darauf, dass er sich geweigert hatte, entsprechend dem zu handeln, was er  das &bdquo;Washington Playbook&rdquo; nannte..<br>\nEr f&uuml;gte eine bezeichnende Vignette hinzu, die in den etablierten Medien nicht angemessen beachtet wurde. Obama vertraute Goldberg an, dass James Clapper, der Chef des Geheimdienstes, dem Pr&auml;sidenten in der entscheidenden letzten Augustwoche 2013 einen unangemeldeten Besuch abgestattet hatte, um ihn zur Vorsicht zu mahnen, weil die Behauptung, Assad sei verantwortlich f&uuml;r den chemischen Angriff in Ghouta, &bdquo;keine bombensichere Sache&rdquo; sei.<\/p><p>Clapper bezog sich dabei exakt auf die Worte des ehemaligen CIA-Direktors George Tenet, der im Dezember 2002 f&auml;lschlicherweise Pr&auml;sident George W. Bush und Vizepr&auml;sident Dick Cheney &uuml;ber Massenvernichtungswaffen im Irak informierte. Weitere Beweise, dass Ghouta eine False Flag war, kamen im Dezember 2016 durch eine parlamentarische Zeugenaussage in der T&uuml;rkei.<\/p><p>Anfang September 2013, zur gleichen Zeit als Putin seinen Artikel ver&ouml;ffentlichte, widerstand Obama dem Druck praktisch aller seiner Berater, Marschflugk&ouml;rper auf Syrien abzuschie&szlig;en und akzeptierte den von Russland vermittelten Deal, dass Syrien seine chemischen Waffen aufgeben sollte. Obama richtete sich zwar nach der &ouml;ffentlichen Meinung, musste aber die &ouml;ffentliche Emp&ouml;rung derer ertragen, die ein milit&auml;risches Engagement der USA verlangten. Vor allem die Neokonservativen machten ihm die H&ouml;lle hei&szlig;.<\/p><p>Zuf&auml;llig hatte ich am Abend des 9. Dezember, zwei Tage vor Putins Artikel, auf dem CNN-Geb&auml;ude in Washington DC Gelegenheit zu beobachten, mit welcher Verbitterung und Geringsch&auml;tzung Paul Wolfowitz und Joe Lieberman Obama &uuml;bersch&uuml;tteten, weil er &bdquo;zu feige&ldquo; f&uuml;r einen Angriff war.<\/p><p><strong>F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter<\/strong><\/p><p>Die folgenden Worte hatte Putin in seinem Aufruf zur Zusammenarbeit mit den USA angeblich selbst formuliert:<br>\n&bdquo;Meine beruflichen und pers&ouml;nlichen Beziehungen zu Pr&auml;sident Obama sind gepr&auml;gt von wachsendem Vertrauen. Ich wei&szlig; das zu sch&auml;tzen. Ich habe seine Rede an die Nation am Dienstag sorgf&auml;ltig studiert. Und ich bin eher nicht einverstanden mit seiner Bemerkung &uuml;ber die besondere Stellung Amerikas, mit der er erkl&auml;rt, dass die Politik der Vereinigten Staaten &lsquo;das ist, was Amerikas Ausnahmeposition begr&uuml;ndet. Das macht uns au&szlig;ergew&ouml;hnlich&rsquo;. Es ist &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlich, die Menschen zu ermutigen, sich selbst als au&szlig;ergew&ouml;hnlich zu betrachten, unabh&auml;ngig von der Motivation. Es gibt gro&szlig;e L&auml;nder und kleine L&auml;nder, reiche und arme, solche mit einer langen demokratischen Tradition und solche, die immer noch auf dem Weg zur Demokratie sind. Ihre Politik unterscheidet sich ebenfalls. Wir sind alle verschieden, aber wenn wir um den Segen Gottes bitten, d&uuml;rfen wir nicht vergessen, dass Gott uns alle gleich geschaffen hat.&rdquo;<\/p><p>In den letzten Tagen lie&szlig; der nationale Sicherheitsberater von Pr&auml;sident Donald Trump, John Bolton, keinen Zweifel daran, dass er eine Gallionsfigur des amerikanischen Exzeptionalismus ist. Die logische Folge f&uuml;r ihn ist Washingtons &bdquo;Recht&rdquo;, seine Truppen unaufgefordert in L&auml;nder wie Syrien zu entsenden.<\/p><p>&bdquo;Wir haben in den letzten Tagen versucht, die Botschaft zu &uuml;bermitteln, dass es bei einem dritten Einsatz von chemischen Waffen zu einer viel st&auml;rkeren Reaktion kommen wird&rdquo;, sagte Bolton am Montag. &bdquo;Ich kann sagen, wir haben uns mit den Briten und den Franzosen beraten, die sich uns beim zweiten Milit&auml;rschlag angeschlossen hatten, und sie sind ebenfalls der Ansicht, dass ein weiterer Einsatz von chemischen Waffen zu einer viel st&auml;rkeren Reaktion f&uuml;hren wird&rdquo;.<\/p><p>Wie im September 2013 haben die syrischen Regierungstruppen mit russischer Unterst&uuml;tzung die Rebellen in die Defensive gedr&auml;ngt, diesmal in der Provinz Idlib, wohin die meisten der verbliebenen Dschihadisten vertrieben worden waren. Am Sonntag begann das, was der endg&uuml;ltige Showdown des f&uuml;nfj&auml;hrigen Krieges sein k&ouml;nnte. Boltons Warnung vor einem chemischen Angriff durch Assad ist unsinnig, da Damaskus eindeutig gewinnen wird und das letzte, was Assad tun w&uuml;rde, ist einen Vergeltungsschlag durch die USA zu provozieren. <\/p><p>Die amerikanische UNO-Botschafterin Nikki Haley hat in bemerkenswerter Voraussicht Damaskus  bereits die Schuld f&uuml;r jede Art von chemischen Angriffen zugeschrieben, falls sie denn stattfinden sollten. Die Drohung mit einem direkten milit&auml;rischen Engagement der USA, gr&ouml;&szlig;er als die beiden fr&uuml;heren Nadelstich-Angriffe Trumps, ist eine Einladung an die in die Enge getriebenen Dschihadisten, mit einer erneuten False Flag genau das zu provozieren.<\/p><p>Leider ist nicht nur das wachsende Vertrauen Putins vor f&uuml;nf Jahren verflogen, sondern die Wahrscheinlichkeit eines milit&auml;rischen Konflikts zwischen den USA und Russland in der Region ist so hoch wie eh und je.<\/p><p>Sieben Tage vor dem Erscheinen von Putins Artikel  hatte der B&uuml;rger Donald Trump getwittert: &bdquo;Viele syrische Rebellen sind radikale Dschihadisten. Nicht unsere Freunde. Und ihre Unterst&uuml;tzung dient nicht unserem nationalen Interesse. Bleibt aus Syrien raus!&rdquo;<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">Many Syrian &lsquo;rebels&rsquo; are radical Jihadis. Not our friends &amp; supporting them doesn't serve our national interest. Stay out of Syria!<\/p>\n<p>&mdash; Donald J. Trump (@realDonaldTrump) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/realDonaldTrump\/status\/375307391635451904?ref_src=twsrc%5Etfw\">4. September 2013<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p>Im September 2015 warf Trump seinen republikanischen Hauptgegnern vor, &bdquo;den Dritten Weltkrieg &uuml;ber Syrien beginnen zu wollen. Lassen Sie uns eine Pause machen. Wissen Sie, Russland will ISIS haben, oder? Wir wollen ISIS haben. Russland ist in Syrien &ndash; vielleicht sollten wir sie ihnen &uuml;berlassen. Sie sollen sie &uuml;bernehmen.&rdquo;<\/p><p>Letzte Woche warnte Trump Russland und Syrien davor, Idlib anzugreifen. Trump steht vielleicht vor seiner gr&ouml;&szlig;ten Herausforderung als Pr&auml;sident: Kann er seinen neokonservativen Beratern widerstehen und geht nicht massiv gegen Syrien vor, genau wie Obama? Oder riskiert er einen gr&ouml;&szlig;eren Krieg, den angefacht zu haben, er seinen republikanischen Gegnern vorgewarf?<\/p><p><strong>Ray McGovern arbeitet bei Tell the Word, einer Publikation der &ouml;kumenischen Church of the Saviour in der Stadt Washington. Er war rund 30 Jahre in der US-Armee und als CIA-Analyst t&auml;tig und von 1981 bis 1985 beim t&auml;glichen Briefing des Pr&auml;sidenten eingesetzt.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was Syrien betrifft, erlebt man zur Zeit ein D&eacute;j&agrave;-vu, die USA stehen vor einer Konfrontation mit Russland und Donald Trump vor seiner wichtigsten Entscheidung als Pr&auml;sident, <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/09\/12\/on-the-brink-with-russia-in-syria-again-5-years-later\/\">kommentiert <strong>Ray McGovern<\/strong><\/a>. <strong>Josefa Zimmermann<\/strong> hat den Text f&uuml;r die NachDenkSeiten ins Deutsche &uuml;bertragen.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171,11],"tags":[1516,2020,2315,1409,1611,366,915,259,1553,1800,1556,2432],"class_list":["post-46041","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-al-assad-baschar","tag-biochemische-waffen","tag-bolton-john","tag-gifteinsatz","tag-kriegsluegen","tag-obama-barack","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-syrien","tag-trump-donald","tag-usa","tag-vips"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46041"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51802,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46041\/revisions\/51802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}