{"id":46064,"date":"2018-09-18T11:04:25","date_gmt":"2018-09-18T09:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46064"},"modified":"2026-01-27T11:29:56","modified_gmt":"2026-01-27T10:29:56","slug":"projekt-deutschland-spricht-blinde-die-andere-fuehren-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46064","title":{"rendered":"Projekt \u201eDeutschland spricht\u201c: Blinde, die andere f\u00fchren wollen"},"content":{"rendered":"<p>Am 23. September sollen zehntausende Menschen in Deutschland, die eine unterschiedliche Meinung zu einem bestimmten Thema haben, miteinander diskutieren. So will es zumindest eine Aktion, hinter der neben dem Bundespr&auml;sidenten zahlreiche gro&szlig;e Medienh&auml;user stehen. Das Ziel: B&uuml;rger aus ihren &bdquo;Filterblasen&ldquo; rausholen. Ein St&uuml;ck Realsatire kommt zum Vorschein, wie es irrsinniger kaum sein k&ouml;nnte. Medien, die &uuml;ber viele Jahre das Meinungsspektrum in der &ouml;ffentlichen Debatte auf den Durchmesser eines Strohhalms verengt haben, inszenieren sich nun als Initiatoren und Moderatoren eines gro&szlig;en B&uuml;rgerdialoges. Akteure, die sich selbst in einer f&uuml;r die Demokratie schlimmsten Filterblase unserer Gesellschaft bewegen &ndash; der Filterblase &bdquo;Mainstream&ldquo; &ndash; zeigen auf die angebliche Filterblase bei den anderen. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9812\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46064-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180918_Projekt_Deutschland_spricht_Blinde_die_andere_fuehren_wollen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180918_Projekt_Deutschland_spricht_Blinde_die_andere_fuehren_wollen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180918_Projekt_Deutschland_spricht_Blinde_die_andere_fuehren_wollen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180918_Projekt_Deutschland_spricht_Blinde_die_andere_fuehren_wollen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46064-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180918_Projekt_Deutschland_spricht_Blinde_die_andere_fuehren_wollen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180918_Projekt_Deutschland_spricht_Blinde_die_andere_fuehren_wollen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Ignoranz, die aufseiten gro&szlig;er Medien vorherrscht, l&auml;sst tief blicken. Bekannte Medienh&auml;user, deren hochrangige Vertreter gerne behaupten, zu sagen, &bdquo;<a href=\"https:\/\/meedia.de\/2018\/09\/03\/was-redaktionen-zu-rosens-journalismuskritik-sagen-wir-berichten-was-ist-nicht-was-wir-glauben-das-sein-sollte\/\">was ist<\/a>&ldquo;, also f&uuml;r sich beanspruchen, die Realit&auml;t so zu zeigen, wie sie ist, zeigen sich wiedermal als Blinde, die andere f&uuml;hren wollen.<\/p><p>Zu dieser Ansicht kann man gelangen, wenn man sich das Projekt &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/serie\/deutschland-spricht\">Deutschland spricht<\/a>&ldquo; anschaut. Die Zeit, Zeit Online, Der Spiegel, tagesschau.de, SZ.de und eine Reihe weiterer gro&szlig;er Medien wollen B&uuml;rger, die v&ouml;llig anderer Ansicht zu bestimmten gesellschaftlichen und politischen Themen sind, zusammenbringen. Jeweils paarweise sollen die B&uuml;rger sich die Meinung ihres Gegen&uuml;bers anh&ouml;ren und miteinander diskutieren.<\/p><p>Was ist von dem Projekt zu halten? Oberfl&auml;chlich betrachtet l&auml;sst sich die Aktion sicherlich guthei&szlig;en. Es kann nichts schaden, wenn Menschen mit unterschiedlichen Ansichten in einen konstruktiven Dialog miteinander treten. Doch die Absicht der Projektmacher, durch das Arrangieren dieser Gespr&auml;che ein St&uuml;ck dazu beizutragen, dass die tiefen Gr&auml;ben in unserer Gesellschaft &uuml;berwunden werden, entlarvt das Projekt als das, was es ist: Augenwischerei.<\/p><p>Wer sich mit dem Projekt etwas genauer auseinandersetzt, muss feststellen, dass hier geschickt die Aufmerksamkeit von jenen Institutionen abgelenkt wird, die ma&szlig;geblich an der sozialen Spaltung mitgewirkt haben und letztlich noch immer zu dieser Spaltung beitragen. In der Sinnwelt des Projekts entsteht der Eindruck, dass die B&uuml;rger mit ihren unterschiedlichen Ansichten und Meinungen eine fragmentierte Gesellschaft haben entstehen lassen. Anders gesagt: Die Bringschuld liegt also bei den B&uuml;rgern &ndash; mal wieder.<\/p><p>Die Kampagne &bdquo;Deutschland spricht&ldquo; kann als &auml;hnlich manipulativ betrachtet werden, wie es etwa die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1030\">Du-bist-Deutschland-Kampagne<\/a>&ldquo; war, die zur Hochzeit des <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33580\">neoliberalen Umbaus<\/a> in Deutschland mit gro&szlig;em Aufwand und viel Geschick versucht hat, die B&uuml;rger dazu zu bringen, die durch die neoliberalen Weichenstellungen verursachten Probleme selbst zu tragen. Wenn bekannte Medien im Verbund mit dem Bundespr&auml;sidenten auf die B&uuml;rger zeigen und an ihnen die Spaltung der Gesellschaft festmachen, aber zugleich nicht bereit sind, ein Projekt auf die Beine zu stellen, dass ihre eigene Rolle im Hinblick auf die tiefen Gr&auml;ben in der Gesellschaft thematisiert, dann handeln sie wie einer, der nur die halbe Wahrheit sagt. Und die halbe Wahrheit ist bekanntlich oft genug eine ganze L&uuml;ge.<\/p><p>Von welchem &bdquo;Geist&ldquo; das Projekt angetrieben ist, wird deutlich, wenn man sich eine Aussage n&auml;her anschaut, die von dem Chefredakteur Online vom Tagesspiegel stammt. Er <a href=\"https:\/\/kress.de\/news\/detail\/beitrag\/140665-deutschland-spricht-was-zeit-online-und-10-weitere-medienhaeuser-von-dem-grossprojekt-erwarten.html\">sagte zu dem Projekt<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;In &ldquo;Deutschland spricht&rdquo; steckt automatisch auch &ldquo;Deutschland h&ouml;rt zu&rdquo;. Und das hei&szlig;t: Dialog. Genau das ist es, was wir in diesen Zeiten polarisierender Debatten und schwindendem demokratischen Verst&auml;ndnis brauchen.\n<\/p><\/blockquote><p>Zu der Wahrnehmung, dass es ein schwindendes demokratisches Verst&auml;ndnis gibt, muss man erstmal kommen. Wo zeigt sich dieses schwindende Demokratieverst&auml;ndnis denn? Etwa darin, dass circa 63 Millionen Amerikaner den Milliard&auml;r Donald Trump auf demokratischem Weg gew&auml;hlt haben? Darin, dass l&auml;nder&uuml;bergreifend, in vielen westlichen Demokratien, B&uuml;rger Medien, Politiker, ja: &bdquo;die&ldquo; Eliten zunehmend heftiger kritisieren? Wohl kaum. Oder kann man ein schwindendes Demokratieverst&auml;ndnis diagnostizieren, wenn einem der Ausgang einer Wahl, wenn einem B&uuml;rgerproteste und Stimmen aus der Gesellschaft, die &bdquo;die da oben&ldquo; kritisieren, nicht passen? Ja, man kann. Aber dann muss man sich die Frage gefallen lassen, wie es eigentlich mit dem eigenen Demokratieverst&auml;ndnis aussieht.<\/p><p>Doch diese &Auml;u&szlig;erungen, die hier von einem f&uuml;hrenden Redakteur kommen, sind typisch f&uuml;r eine Sichtweise, die bei Vertretern gro&szlig;er Medien weit verbreitet ist. Kollektiv blicken viele Redaktionen auf &bdquo;die&ldquo; B&uuml;rger und sind der Auffassung:<br>\nDie B&uuml;rger sind es, die nicht verstehen.<br>\nDie B&uuml;rger sind es, die sich falsch verhalten.<br>\nDie B&uuml;rger sind es, die keine Ahnung von der Wirklichkeit haben.<br>\nDie B&uuml;rger sind es, die st&auml;ndig irgendetwas &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40414\">f&uuml;hlen<\/a>&ldquo;  (was nat&uuml;rlich nicht der Realit&auml;t entspricht), &bdquo;abgeholt&ldquo; werden m&uuml;ssen und denen man den <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=82P_MhvZWXU\">Erkl&auml;rb&auml;r<\/a> an die Haust&uuml;r schicken muss.<\/p><p>Sowohl Politik als auch Medien kritisieren die Sprache und Ausdrucksweise der B&uuml;rger. Man wirft ihnen vor, Manipulation und Propaganda auf den Leim zu gehen, w&auml;hrend sie im selben Atemzug bei Entlassungen eines Unternehmens keine Bedenken haben, von &bdquo;Freistellung&ldquo; zu sprechen oder andere <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42566\">manipulative Sprachbilder<\/a> und Ausdr&uuml;cke zu gebrauchen (&bdquo;Rettungsschirm&ldquo;, &bdquo;Eigeninitiative&ldquo;, &bdquo;Humankapital&ldquo; usw).<\/p><p>Auf dieser Basis bewegt sich dann auch das Projekt &bdquo;Deutschland spricht&ldquo;. Im Nachfolgenden wollen wir auf <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2018-07\/deutschland-spricht-2018-anmeldung\">einen Artikel<\/a> eingehen, der das Projekt vorstellt und auf Zeit Online erschienen ist.<\/p><p><em>Wann haben Sie das letzte Mal mit jemandem gesprochen, der politisch ganz anders denkt als Sie? Schon l&auml;nger her?<\/em>, hei&szlig;t es zu Beginn des Beitrages. <\/p><p>Das klingt sympathisch. Da spricht die Redaktion den Leser im vertraulichen Ton direkt an und macht auch sofort ihren Punkt. Der Leser k&ouml;nnte, so die Vermutung des Blattes, schon l&auml;nger nicht mehr mit jemandem geredet haben, der eine andere Meinung hat als er selbst. Die direkte Frage, die dann folgt, vermittelt durch die verk&uuml;rzte Form, in der sie gestellt wird (eigentlich: <em>Ist es<\/em> schon l&auml;nger her), dass die Redaktion vorgibt, sich auf Augenh&ouml;he mit dem Leser zu bewegen. So redet man, wenn man sich auf dem Markt begegnet oder am Abend gemeinsam am Tresen in der Kneipe steht.<\/p><p>Bis dahin: so weit, so gut. Lesen wir weiter.<\/p><blockquote><p>\nKeine Sorge, das geht anderen auch so. Wir neigen dazu, uns mit Menschen zu umgeben, die unsere Ansichten teilen. Standpunkte, die unseren eigenen &Uuml;berzeugungen widersprechen, tun wir gerne als falsch ab oder ignorieren sie einfach. So weit, so menschlich. Allerdings wird dieser Scheuklappeneffekt zunehmend gef&auml;hrlich.\n<\/p><\/blockquote><p>Weiter geht es mit dem vertraulichen Ton. Da scheint einer zu sein, der den Leser versteht. Vor dem geistigen Auge sieht man f&ouml;rmlich die freundlich gesinnte Hand des Gespr&auml;chspartners auf der Schulter, der es gut mit dem Leser meint. Die erste Person Plural, das W&ouml;rtchen &bdquo;wir&ldquo;, verst&auml;rkt nochmal den Eindruck aus den vorangegangenen Zeilen, dass hier die Zeit-Redaktion den Anschein erweckt, mit ihren Lesern auf Augenh&ouml;he zu kommunizieren. &bdquo;Wir&ldquo;, das hei&szlig;t hier: sowohl Du als Leser, aber auch ich als Verfasser des Textes oder wir als Redaktion. So sind &bdquo;wir&ldquo; Menschen eben. Genauso verh&auml;lt es sich mit dem W&ouml;rtchen &bdquo;uns&ldquo;. Auch hier wird vorgegeben, dass der Artikel, der keinen Autorennamen aufweist, den (bzw. die Verfasser) mit in die Aussagen einbezieht.<\/p><p>Bis dahin, k&ouml;nnte man meinen, ist doch alles in Ordnung. Aber Vorsicht.<\/p><p>In der Formulierung &bdquo;keine Sorge, das geht anderen auch so&ldquo; schwingt nicht nur ein vertraulicher Ton mit. Sie verr&auml;t uns auch, dass hier jemand zu den Lesern spricht, der meint, &bdquo;aufkl&auml;ren&ldquo; zu m&uuml;ssen und vor allem auch glaubt, in der Lage zu sein, aufkl&auml;ren zu k&ouml;nnen. Hier bewegt sich im Grunde genommen nicht einfach jemand auf Augenh&ouml;he mit den Lesern. Inhaltlich und in ihrer Art k&ouml;nnte die Aussage genauso von einem Arzt stammen (&Uuml;ber-\/Unterordnungsverh&auml;ltnis kommt zum Vorschein), der mit seinem Patienten (der nun mal nicht &uuml;ber das Wissen des Arztes verf&uuml;gt) redet und ihm aufgrund seiner fachlichen Kompetenz mitteilt, dass es keinen Grund zur Sorge gibt.<\/p><p>Im weiteren Verlauf des Beitrages wird schnell deutlich, dass diese Interpretation nicht aus der Luft gegriffen ist. Es erfolgt, um der Kurzanalyse vorauszugreifen, eben gerade keine Ansprache auf Augenh&ouml;he. Dieses &bdquo;wir&ldquo;, ebenso das &bdquo;uns,&ldquo; m&uuml;ssen als &sbquo;falsche Freunde&lsquo; betrachtet werden (dazu gleich mehr).<\/p><p>Schnell wird auch deutlich, dass es hier nicht nur um ein belangloses Gespr&auml;ch geht. Hier geht es um Politik. Pl&ouml;tzlich kommt der Begriff &bdquo;Scheuklappeneffekt&ldquo; zum Vorschein, ein Effekt, der &bdquo;gef&auml;hrlich&ldquo; werden kann. Pl&ouml;tzlich ist es nicht mehr die einfache, &bdquo;volksnahe&ldquo; Sprache, die zu lesen ist, sondern ein Ausdruck, der markiert: Hier spricht jemand mit Bildung. Hier spricht jemand, der vorgibt, sich auszukennen.<\/p><p>Was mit der Aussage genau gemeint ist, wird im n&auml;chsten Absatz deutlich:<\/p><blockquote><p>\nNicht nur in den USA und Gro&szlig;britannien, auch in Deutschland wird der Ton in den Debatten unvers&ouml;hnlicher, reden die politischen Lager zunehmend mehr &uuml;bereinander als miteinander. Wenn wir uns am Arbeitsplatz, in unserem Wohnviertel und auf Plattformen wie Facebook oder YouTube nur mit Meinungen besch&auml;ftigen, die unseren sehr &auml;hnlich sind, entstehen die viel diskutierten Filterblasen. Die Folge ist eine Spirale nach unten: Mangelnder Dialog erzeugt Unverst&auml;ndnis, Unverst&auml;ndnis erzeugt H&auml;rte, H&auml;rte vergiftet das politische Klima.\n<\/p><\/blockquote><p>Es geht also um die Situation in den USA, die Tatsache, dass nun einer wie Trump Pr&auml;sident ist, dass B&uuml;rger des Landes gerade ihm ihre Stimme gegeben haben. Es geht um den Brexit, dem, wie k&ouml;nnte es anders sein, von vielen Vertretern der gro&szlig;en Medien nur mit Unverst&auml;ndnis begegnet wird.<\/p><p>Politische Lager, so hei&szlig;t es, reden viel mehr &uuml;bereinander als miteinander. Man kann nun lange dar&uuml;ber diskutieren, ob &bdquo;politische Lager&ldquo; jemals mehr &uuml;bereinander als miteinander geredet haben. Aber geschenkt. Die Aussage im n&auml;chsten Satz ber&uuml;hrt den Kern, worum es bei dem Projekt &bdquo;Deutschland spricht&ldquo; geht: Die &bdquo;viel diskutierten&ldquo; Filterblasen r&uuml;cken in den Vordergrund. Wenn an dieser Stelle wieder das &bdquo;wir&ldquo; gebraucht wird und es hei&szlig;t, dass &bdquo;wir uns am Arbeitsplatz, in unserem Wohnviertel und auf Plattformen wie Facebook oder YouTube nur mit Meinungen besch&auml;ftigen, die unseren sehr &auml;hnlich sind&ldquo;, dann darf man sicher sein: Mit &bdquo;wir&ldquo; und &bdquo;uns am Arbeitsplatz&ldquo; d&uuml;rfte die Redaktion kaum sich selbst meinen. Hier wird auf eine ziemlich hinterh&auml;ltige Weise eine nicht vorhandene Einheit zwischen Sprecher und Adressat vorgegeben. Das ist, so muss man es sehen, Manipulation in Reinform.<\/p><p>F&uuml;r die Annahme, dass hier nicht ehrlich &uuml;ber die eigene Filterblase (die man aber bei den Adressaten zu erkennen glaubt) nachgedacht wird, spricht die abgelieferte Berichterstattung, von und in diesen Medien. An ihr l&auml;sst sich genau ablesen, wie gro&szlig; die Bereitschaft von Redaktionen ist, m&ouml;glichst vielen unterschiedlichen Ansichten und Analysen Raum zu geben.<\/p><p>Um es zuzuspitzen: Man stelle sich nur einmal vor, wie Zeit-Herausgeber <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36608\">Josef Joffe<\/a> reagieren w&uuml;rde, wenn ein Mathias Br&ouml;ckers an prominenter Stelle im Blatt einen Beitrag zum Ende der &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.broeckers.com\/2018\/05\/03\/mcmedien-beenden-giftgas-wochen\/\">Giftgas-Wochen bei McMedien<\/a>&ldquo; schreibe wollte. Wie auf Knopfdruck w&uuml;rde sich ein Wasserfall an Abwehrstrategien seinen Weg bahnen. Wem dieses Beispiel zu &bdquo;extrem&ldquo; ist, m&ouml;ge nur daran denken, mit welchen H&uuml;rden die Gr&uuml;nen-Politikerin Antje Vollmer, G&uuml;nter Verheugen (SPD), Edmund Stoiber (CSU), Horst Teltschik (CDU) und Helmut Sch&auml;fer (FDP) zu k&auml;mpfen hatten, als sie einen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43655\">Appell<\/a> zum Konflikt zwischen Russland und dem Westen <a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/26991\/selten-so-eine-mediale-einheitsfront-gesehen-wie-in-bezug-auf-russland\/\">unterbringen<\/a> wollten.<\/p><p>Von daher: Bevor Medien das Projekt &bdquo;Deutschland spricht&ldquo; umsetzen, sollten sie zuerst das Projekt &bdquo;Medien raus aus der Filterblase&ldquo; angehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 23. September sollen zehntausende Menschen in Deutschland, die eine unterschiedliche Meinung zu einem bestimmten Thema haben, miteinander diskutieren. 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